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E_1928_Zeitung_Nr.012

E_1928_Zeitung_Nr.012

Ausgabe: Deutsche Schweiz. Freüao, 10. Feöruap 1928, Getbe Liste Nummer 20 Cts. 2t. Jahrgang. — N° 12 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Halbjlhrlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für pottamtliche Bestellung uo In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnuna 111/414 Zar Diskussion ües Na clitfalu Verbotes. Der bernische Qrossratsbcscliluss betr. der Einführung, des Nachtfahrverbotes wirkte im ersten Moment gleich einer Seuche. Die Zeitungsmeldungcn folgten sich Schlag auf Schlag, wonach in den Räten der Kantone Solothurn, Baselland, St. Gallen, Tessin und Aargau die nämliche Frage zur Diskussion gelangte, wobei sich immer einige fanden, die stark mit dem Exempel Berns liebäugelten. Man hat sich in einzelnen Fällen sogar nicht einmal die Mühe genommen den diesbezüglichen Text selbst abzufassen, sondern hat für die Anträge einfachheitshalber auch gleich den Berner Wortlaut gewählt. Auch die Geschäftsprüfungskommission des Zürcher Kantonsrates wollte ihre Lichter glänzen lassen und legte dem Polizeidirektor eine solche Anfrage auf den Weihnachtstisch. Sie war umso unmotivierter, als die damit bedachte Instanz bekanntlich im November eine Bekanntmachung an die Besitzer von Motorfahrzeugen, insbesondere an die Motorradfahrer, erlassen hatte. Glücklicherweise machte man es sich in Zürich nicht so einfach und hütete sich davor, ohne Besinnen in das Berner Fahrwasser zu geraten. Die Bekanntmachung zeugt im Gegenteil von Weitblick und vor allem von Selbstverständlichkeit Die für den Text verantwortliche Instanz stützte sich dabei vor allem auf zwei unbestrittene Erfahrungen. Es wurde einmal anerkannt, dass die Mehrzahl der- Fahrer 'zu keinen Klagen Anlass geben und wiesen sich durch ihr Verhalten darüber aus, dass selbst ein intensiver Motorfahrzeugverkehr ohne belästigende Störungen durchführbar ist. Die Praxis lieferte im ferneren auch den Beweis, dass die Auto-Technik die nötigen Vorrichtungen geschaffen hat, welche die erwünschte Schalldämpfung wirksam gestalten. Die Voraussetzungen sind also vorhanden, um die bestehenden Uebelstände auf einfache Weise zu eliminieren, ohne den Verkehr und damit die Volkswirtschaft empfindlich zu schädigen. Die Zürcher Polizei- Direktion erkannte, dass es sich nur darum handelt, eine rücksichtslose Minderheit eines besseren zu belehren, und zog daraus den logischen Schluss, dafür zu sorgen, einzig und allein die Fehlbaren zu einem andern Verhalten zu bringen. Das Mittel dazu erblickt sie in strengen Kontrollen besonders der lärmenden Fahrzeuge. Führer derartiger Vehikel, die gegen die bestehenden technischen Vorschriften des Konkordats und des Kantons verstossen, sollen gebührend bestraft werden. Je nach der Verfehlung wird In der Kurve von Eva von Baudtssin. (17. l'ortsetznng; Das empfehlenswerte Zürcher Beispiel. Erscheint Jeden Dienstag viindFrdUg ' Monatlich „Gelbe Liste" ADMINISTOATIÖN: Breltenrainstrasse 97, Berv Telephon Bollwerk 3934 Telegramm-Adresse: Autoravuc, Bern die Verkehrs- oder die Führerbewilli'gung, in besonderen Fällen sogar beide, auf eine bestimmte Zeit entzogen. Die Polizeidirektion hatte im Kantonsrat jüngst Gelegenheit, auf das Postulat der Kommission zurückzukommen und erklärte Regierungsrat Maurer, es werde von der Regierung nur mit allem Vorbehalt entgegengenommen. Die Regierung verspricht sich einen besseren Erfolg durch die fragliche Bekanntmachung und ist auch prinzipiell gegen die Anwendung eines Nachtverbotes, da dessen Durchführung doch auf zahlreiche praktische Schwierigkeiten stossen musste. Die Regierung wurde in ihrer Auffassung bestärkt durch die seit der Veröffentlichung der Bekanntmachung gesammelten, befriedigenden Erfahrungen. Wir haben uns an massgebender Stelle erkundigt und wurde ohne weiteres anerkannt, dass im Verlauf des letzten Vierteljahres schon eine merkliche Besserung eingetreten ist. Man hat übrigens auch in der Tagespresse von keinen weiteren Klagen gehört und sind unseres Wissens auch keine neuen Beschwerden bei der Behörde eingegangen. Wir waren bereits bei der Veröffentlichung der behördlichen Ermahnung an die Motorfahrzeugbesitzer der Ansicht, sie werde ihren Zweck nicht verfehlen und schrieben damals; «Schon das Risiko allein, ein unentbehrlich gewordenes Verkehrsmittel zeitweise nicht mehr benutzen zu können, dürfte genügen, die eigensinnigen Elemente zu einer rücksichtsvolleren .Fahrweise zu veranlassen.» Die Entwicklung der Dinge hat uns recht gegeben und nahmen die diesbezügl. Verfehlungen derart ab, dass die Behörde trotz der strengeren Kontrolle sich noch bei keinem Fall zur angedrohten Entziehung der Bewilligung veranlasst sah. Es ist allerdings bestimmt zu hoffen, dass die verbesserte Disziplin auch anhalten wird. Es kann der im Kantonsrat erneut erhobenen Klage, es werde besonders zur Nachtzeit noch viel gehupt, nicht jede Berechtigung abgesprochen werden. Die heutige Einstellung der Gerichte trägt allerdangs zu der beanstandeten Praxis des Signalgebens nicht unwesentlich bei. Die verschiedenen Gerichtsverhandlungen haben deutlich bewiesen, welch grossen Wert dem Umstand beigemessen wird, ob in einem bestimmten Falle der Fahrer sein Signal in Funktion setzt oder nicht. Sicherlich aber wird die überwältigende Mehrzahl der Automobilisten den von der Zürcher Regierung eingenommenen Staudpunkt zu schätzen wissen und nach wie vor damit einig Das Auto stand schon vor der Tür, als Alois zum Frühstück kam. Seufzend fragte er: « Geht's gleich wieder los —? Aber wir wollen heut' nicht zu weit fahren, bitte, mein Ischias quält mich furchbar — » « Oh, das tut mir aber leid,» sagte sie mit dem Bestreben, die gewünschten « weiblichen Gefühle zu offenbaren —, « wir fahren auch nur bis Perugia.» « So, so,» stimmte er ahnungslos bei, und sie kam sich etwas perfide vor, ihn so zu täuschen. Aber wenn er das Fahren wirklich nicht vertrug, war es ja das beste, es schnell zu beenden. Trotzdem machte sie fast unbewusst den kleinen Umweg über Volterra. Alois wusste ja nicht Bescheid und sie reizte diese seltsame, öde Landschaft, die man in allmählicher Steigung auf einer Strecke von gut zehn Kilometern durchfuhr — die toskanischumbrische Dünenlandschaft, bis die hochgelegene, eine wunderbare Aussicht bietende Stadt erreicht wurde. Ja, sie liess sich herbei, auf dem köstlichen, einheitlichen Hauptplatz zu halten, auszusteigen und mit ihm den Fernblick bis nach Korsika übers Meer hinüber, und unten im Tal den Lauf der beiden Flüsse zu betrachten, die den Berg umspülen, der die Stadt trägt. Reste altrömischer Bauwerke waren überall sichtbar — dort unten^ begann auch die alte Maremmenstrasse, die" antike Via Aurelia, auf der jetzt die Bahn entlangfährt . Sie wandte sich, um ihn auf den Dom aufmerksam zu machen . Hinter ihnen war ein Auto herangeglitten, hatten sie es nicht gehört — es fuhr in sehr gemässigtem Tempo vorsichtig über den Platz, der Führer sah gar nicht auf und nahm auch gar nicht von dem Resedafarbenen Notiz, dem er doch ausbiegen musste — «Hans!» sticss sie aus und drückte Alois' Arm — « Hans — » «Halloh! » schrie dieser und stürzte ein paar Schritte vorwärts, «halloh — » Aber der Wagen rollte nun immer geschwinder, da es bergab ging, und sein Ruf verhallte. « Wo mag er hergekommen sein? » überlegte Gertrud atemlos —, « vielleicht aus San Gamignano — und von dort zurück — » rgehen, wenn renitente Fahrer energisch zur I Rechenschaft gezogen werden. Wichtig ist vor allem der Umstand, wie in Zürich mit einfachen Vorkehrungen ein gewollter Erfolg zu verzeichnen war. Es bedurfte nicht langwieriger Verhandlungen im Rat; es braucht kein komplizierter Kontrol!- apparat in Funktion gesetzt zu werden und ging es auch ohne einseitige Massnahmen und empfindliche Schädigung weitverzweigter Interessen. Was aber in Zürich möglich war, wird auch in anderen Kantonen durchführbar sein. Es darf füglich erwartet werden, dass man ausserhalb dieses Kantons den dort gemachten Erfahrungen die -nötige Aufmerksamkeit schenkt und sich das erfolgreiche Beispiel einprägt, anstatt mit blindem Eifer dem Fehler der Bemer zu verfallen, die weit über das Ziel hinausgeschossen haben und deren rückständiger Beschluss leider zahlreiche, unerfreuliche Konsequenzen haben wird. B. Der «Weisse Stern» und die «Woche des Verkehrs». «Die Zukunft des Automobilismus liegt in der Verkehrsregelung,» schreibt Herr R. W. d'pverstag, unser Mitarbeiter im A. C. S. «Bis zur Stunde wirft man dem Automobil vor, Unfälle zu verursachen '(nicht immer durch dessen Schuld), ohne dabei-aber zu bedenkeny dass dieser Vorwurf auf den Grund zuriiekz «führen ist* dass unser Land eine der Schlechtesten Verkehrsregelungen von Europa besitzt! Das ist traurig, aber wahr. Eine Besserung ist nicht zu erwarten, ehe nicht auf der ganzen Linie eine Erziehung des Strassenbenützers einsetzt. Diese Erziehung ist wirkungslos, so sie nur lokal beschränkt und nicht umfassend ist. Sie ist einer der grössten Aufgaben, die der Weisse Stern zu erfüllen hat. Einer unserer Leser, Herr L. L., Mitglied der Sektion des Montagnes Neuchäteloises des A. G. S., hat mir eine Anregung übermittelt, die von grösster Bedeutung ist und überall wann begrüsst werden wird: es ist die Organisation einer «Woche des Verkehrs* als Auftakt zur Bewegung des Weissen Sternes! Es würde sich hiebei um öffentliche Strassendemonstration, Unterricht in Schulen, Vorträge, kinematographisehe Vorführungen, Zeitungsartikel, Propagandaschriften und Wettbewerbe aller Art handeln — in einem Wort: um eine Hochdruckpropaganda, welche die praktische Notwendigkeit der Strassen-Selbstdisziplin hervorheben und die « Mir ist das gleichgültig, viel wichtiger ist ja, wo er hinfährt —» « Ja, das ist wahr, » sagte sie, « geschwind in den Wagen — ihm nach —» Als auch sie von dem steilen Fels herunterjagten, sahen sie drunten im Tal eine letzte Staubwolke — Hans hatte einen bedeutenden Vorsprung... Gertrud nahm schnellstes Tempo. Aber sein Rennwagen war ihnen überlegen, vorläufig bekamen sie ihn nicht mehr zu Gesicht. « Wenn Marie gewollt hätte,» meinte der Doktor träumerisch, « so konnte sie mir wohl ein Zeichen geben! Seit Mantua muss sie sich doch darüber klar sein, dass ich ihr nachfahre und sie befreien will — ich kann und kann mir nicht denken', dass sie diesen Menschen mir vorzieht! » « Nun, damit werden Sie sich wohl abfinden müssen,» erwiderte Gertrud spöttisch, sich nicht Rechenschaft darüber gebend, wie sehr der Ausdruck « dieser Mensch » sie verletzt hatte. Und dass er sich überhaupt mit Hans auf eine Stufe stellte —! Nein, wie fabelhaft eitel Männer doch waren! «Und wie denken Sie es sich, wenn wir diesen Menschen eingeholt haben,» wollte sie wissen. Ihren mokanten Ton verstand er gar nicht. « Nun icli stelle ihn — setzte ihm sozusagen die Pistole auf die Brust —» INSERTIONS-PREIS: Die aentgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Crössert Inserate nach SeitentarU. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Notwendigkeit einer Verbesserung der heutigen Zustände zur Erkenntnis reifen lassen würde. Welch eine Vorbereitung für das Strassengesetz! Welch ein Monument, das durch die Zusammenarbeit eines ganzen Volkes errichtet werden könnte! Wir sind uns dessen bewusst, dass weder die Behörden, noch die grossen Verbände ihre Unterstützung diesem grossen Allgemeinwerke versagen werden. » Man wird sich erinnern, dass es keine zwei Jahre her sind, dass Belgien mit einer Woche des Verkehrs grossen Erfolg erntete und eine Saat säte, die inzwischen machtvoll aufgegangen ist. Die Grosse der Idee ist eines Versuches wert. Die Anhänger des Weissen Sternes, sowohl die Gruppen wie die Einzelnen —und es werden ihrer immer mehr, treffen doch mit jeder Post Erkundigungen und Anmeldungen ein — werden der Organisation einer «Woche des Verkehrs» nicht ferne stehen. Eine ganze Untergruppe einer der bedeutendsten Sektionen des T. C.S. hat für den Weissen Stern lebhaftes Interesse bekundet. • Wie stellt-sie sich zu der «Woche des Verkehrs»? Die Frage sei auch ilir unterbreitet. f.v. Der Hohe Bundesrat am Automobilsalon! In allen letzten Jahren beliebte der in und Würde stehende Bundesratspräsident das Ehrenpräsidium des Genfer Salons,.zu über-* nehmen. Schon 1927 erklärte man indessen, dass dies zum letzten Mal .geschehe. In der Tat antwortete Herr Bundespräsident Schulthess nach seiner Wahl auf die Anfrage des Organisationskomitees des Salons,, dass er wie seine Nachfolger an einen Beschluss des Bundesrates von 1927 gebunden seien, der dem Bundespräsidenten inskünftig nur noch ein Patronat bei nationalen Ausstellungen zulasse. Die Organisatoren gestatteten sich hierauf mit allem Respekt zu entgegnen, dass keine Ausstellung nationaler sei denn gerade der Genfer Salon. Doch Herr Bundespräsident Schulthess liess es bei seiner ersten Antwort bewenden. Man versuchte, den Bundespräsidenten auf anderem Wege zu gewinnen: Herr Schulthess ist nämlich nicht nur Bundesratspräsident, sondern gleichzeitig auch Chef des Volkswirtschaftsdepartements, dem der Salon direkt untersteht. Aber auch als Vertreter dieses Departements liess es sich nicht machen. « Nur sozusagen — » Ä Na ja, schiessen werde ich mich mit ihm nicht! Das ist Gottseidank jetzt unmodern geworden, wird ja sogar bestraft — » « Und dann wäre es um Marie Kattern auch kaum wert! Obgleich Männer um diese Art von Frauen sich am ehesten raufen —» Erst nach einiger Zeit merkte sie, dass er ihr nicht antwortete. Aha: er gehörte also auch zu diesen männlichen Individuen, von denen sie gesprochen und die sie nicht sonderlich hochschätzte. Hielt sie die Erfahrungen der letzten Zeit zusammen — zuerst mit Hans, nun mit dem Doktor, so musste sie einer klugen Freundin Recht geben, die ihr verraten hatte: «Heiratet eine Frau zum zweiten Male, so verdient sie es nicht besser » «Was liegt da vor uns? » fragte der Doktor. «Siena.» Sie sah auf den Tachometer, kuppelte aus, stellte vorsichtig bis auf den dritten Gang, kuppelte wieder ein und brachte den Wagen auf die Höchstgeschwindigkeit, um die Kehren aufwärts zu der Dreihügelstadt zu nehmen. «Wie behutsam Sie die Gänge der Reihe nach schalten!» «Ich schone mein Getriebe — nichts könnte jetzt fataler sein als eine Störung — das werden Sie ja einsehen —»