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E_1928_Zeitung_Nr.011

E_1928_Zeitung_Nr.011

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERlt, Dienstag, 7. Februar 1928. Nummer 20 Cts.. 2t. Jahrgang. — N° 11 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL «ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscuetnt jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjthrncb Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozrochlag, sofern nicht pottamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland SO Rappen. Postcheclc-Reehnuna III'414 ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern Tatephon Bollwerk 39.&1 . TWegrMnm-Aarejse: Autortru«. Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgesp«ttene 2m boiM Grundzefle oder deren Raum 45 Cts. tür die Schweiz; tür Anzeigen ata dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach SeitentarU. InseratenseWuw 4 Tage van Erscheinen der betreffMden Nnmmetr CiC^sien aie • O«l€3sauib4&*3*sn343 Im Schosse der «Strassenverkehrsliga>, die sich aus 17 grossen schweizerischen Verbänden von Verkehrs-Interessenten zusammensetzt, wurde, wie schon mitgeteilt, unter dem Vorsitz von Herrn Ing. Waetjen, eine Studienkommission «Strasse und Schieno gebildet, die sich zum Ziele setzt, die Verhältnisse bei einer grossen Zahl unserer Niveau-Uebergänge einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, um in Verbindung mit den Bahn-Verwaltungen die teilweise unhaltbanen Zustände zu verbessern oder zu beheben. Nach Vornahme der nötigen und unseren Lesern bekannten Vorbereitungsarbeiten trat nun diese Studienkommission in Anwesenheit von Vertretern des Schweiz. Eisenbahn- Departements, der Schweiz. Bundesbahnen und der cSchweiz. Strassenverkehrsliga» am 25. Januar zur ersten Plenarsitzung zusammen, um im besondern die Stellungnahme der Behörden kennen zu lernen, sowie um ein Arbeitsprogramm für die weitere Tätigkeit aufzustellen. Sowohl der Vertreter des Schweiz. Eisenbahn-Departements, Herr Direktor Hunziker, der In einem längeren Referat die heutigen Verhältnisse beleuchtete und die bereits getroffenen Massnahmen erwähnte, wie auch der Vertreter der Generaldirektion, Herr Oberingenieur von Werdt, erklärten ihre Bereitwilligkeit zur Unterstützung der Bestrebungen dex Studienkommissiph € Strasse und Schiene». Allgemein wurde die dringende Notwendigkeit eines Vorgehens zur Einschränkung der zahlreichen Unfälle an den Niveauübergängen anerkannt Vor allem soll eine einheitliche Signalisierung aller Niveau-Uebergänge angestrebt werden. Herr Direktor Hunziker erklärte, dass das Schweiz. Eisenbahn-Departement beabsichtige, bezügliche Vorschriften zu erlassen. Die Mitgliederverbände der «Strassenverkehrsliga > werden nun durch ihre Organe gefährliche Uebergänge der Studien-Kommission namhaft machen, worauf alsdann das Material durch diese gesichtet wird, um hernach, in Verbindung mit den Bahnbehörden und event. den zuständigen kantonalen Stellen das weitere zweckmässige Vorgehen zu besprechen. Wie reise Ich am besten mit dem Auto? (Eine Entgegnung.) Ich will der Auffassung von Herrn A. A. Z. in Nr. 7 beileibe nicht zu nahe treten, aber es zeigt sich wieder einmal so recht, wie relativ doch alles ist. Auch hier gilt von neuem die alte Volksweisheit: «Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall. > Es gibt sicher viele, die Herrn A. A. Z. vollkommen beipflichten werden, ja ihre Zahl ist vielleicht weit grosser, als die Zahl derer, die meiner Art des Reisens mit dem Auto huldigen. Weil es aber eben doch auch eine Art ist und weil ich natürlich diese Art als die bessere betrachte, sei es mir gestattet, zu obiger Frage mich zu äussern. Schon allein das Gegensätzliche beider Beiträge dürfte nicht ganz uninteressant sein, wenn schon letzten Endes eben jeder reisen soll und wird, wie es seinem Temperament entspricht. Was mich reizt bei meinen Autofahrten, warum ich sie so wunderschön finde, das ist gerade das Gegenteil von dem, was Herr A. A. Z. als besonderen Vorzug seiner Methode hervorhebt, das heisst das Ansässigsein, das Stammgastsein, und wenn auch nur vorübergehend. Der vorstehende Absatz gibt im Wesentlichen den Inhalt eines durch das Studienkomitee « Strasse und Schiene > erlassenen Communiqes wieder. Man könnte daraus verleitet werden, anzunehmen, dass das Komitee «Strasse und Schiene > der Initiative der Strassenverkehrsliga zu verdanken sei. Man braucht die-gössen Verdienste, die sich die Liga um die .Förderung des schweizerischen Verkehrswesens erworben hat, nicht besonders aufzuzählen. Jeder Automobilist weiss, dass sie zu den Vorkämpferinnen für Recht und Sicherheit auf der Strasse zählt. Das Komitee « Schiene und Strasse» ist indessen aus folgenden Bewegungen hervorgegangen: 1. Durch die Presse-Kampagne, die besonders durch,die « Automobil-Revue » anlässlich der schweren Unglücksfälle, namentlich von Meyriez und Gonelles, mit aller Entschiedenheit und Dringlichkeit geführt wurde, um das Gewissen der Oeffentlichkeit aufzurütteln; 2. durch einen persönlichen Schritt der « Automobil-Revue » beim Präsidenten der U. M. S., Herrn C. H. Waetjen, der sich mit Begeisterung für die Idee einsetzte und sich, durch unsere Vorschläge ermutigt, mit dem Präsidenten des A. C. S. und T. C. S. in Verbindung setzte, sie zu einer ersten Unterredung in den Lokalen der U. M. S. in Genf bittend. Gleichzeitig wurden weitere Verkehrsverbände und Strassenbenützergruppen eingeladen, unter ihnen selbstverständiich auch die Strassenverkehrsliga. Der Inhalt des Communiques kann unsere Hoffnungen festigen oder erschüttern, je 1 nachdem wir ihn auslegen. Wir brauchen wohl kaum zu verbergen, dass die Beharrlichkeit, mit der sich das Komitee « Strasse und Schiene » « Studienkomitee » nennt, uns bei der ersten Empfindung einen faden Geschmack auf die Zunge geben musste. « Aktionskomitee » wäre ein weitaus stolzeres Wort gewesen! Immerhin: von dem Augenblick an, da die Repräsentanten des Staates das zu seinem Stapellauf startende Schifflein bestiegen, war ein « neutraler > Taufakt nicht zu umgehen. Doch wir wollen uns nicht an ein Wort halten, obwohl Worte zuweilen Proramme enthalten können. Und nun das Programm des Komitee « Schiene und Strasse »? Es ist, für den Augenblick wenigstens, wohl von dem der S. B. B. nicht stark zu un- Den Kuckuck auch! Ich bin das ganze Jahr hindurch irgendwo ansässig, irgendwo Stammgast, und deswegen reizt es mich, auch einmal Vagabund zu sein, einmal die Romantik des Landstreichers auszukosten, einmal überall und nirgends zu sein. Wie herrlich ist doch gerade das ziellose Drauflosfahren! — Natürlich mache ich mir vor Antritt einer solchen Fahrt ein ungefähres Programm. Ich weiss, wenn ich mich ans Volant setze, wo hinaus ich will, ob ich in der Schweiz bleibe oder die Grenzpfähle hinter mir lasse. Aber ich hüte mich, mir eine bestimmte Tagesleistung vorzunehmen, oder gar zu sagen, im Orte X. musst du nächtigen. Keine Rede davon. Und so fahre ich auch gar nicht die Hauptverkehrsstrassen, sondern suche mir abgelegene Wege und abgelegene Orte heraus, kurz Gegenden, wo ich irgend etwas Schönes in Natur oder Kunst wittere. Städte meide ich nach Möglichkeit. Und nur von Stadt zu Stadt zu «flitzen», dazu brauche ich den Wagen doch gar nicht, da reise ich nicht schlechter mit der Bahn, besonders wenn es sich um grössere Entfernungen handelt. Eine Autotour aber soll mich gerade aus dem Lärm und Trubel der Städte herausführen, dahin, wo kein Schienenstrang hinführt und es also am allerschönsten sein muss. Und so fahre ich los, sozusagen ins Blaue, der Nase, meinem Instinkte, einer ungefähren Richtung nach, ungefähren, ganz oberflächlich projektierten Gegenden entgegen. terscheiden. Wir wissen, dass unsere Bundesbahnen schon seit 4 Jahren mit optischakustischen und auch automatischen Signalen herumexperimentieren — wir erinnern an die im Herbste 1927 stattgefundenen Versuche bei Münchenbuchsee, sowie die erst kürzlich stattgefundene Prüfung des Signum- Apparates — und im Laufe der nächsten Tage über das zu verwendende und an allen Niveauübergängen einheitlich aufzustellende Signa) entscheiden müssen. Diese Entscheidung hat Herr Hunziker, Direktor der Eisenbahnabteilung des eidgenössischen Eisenbahndepartementes, der bekanntlich, wie auch Herr von Werdt, als Vertreter desselben dem Komitee « Schiene und Strasse » angehört, zu treffen. Der ermutigendste Entscheid ist wohl darin zu suchen, dass das Komitee einstimmig festgestellt hat, «dass etwas getan werden müsse, um die zahlreichen Unfälle an den Niveauübergängen einzuschränken» (sie). Einzuschränken? Das ist immerhin etwas... solange Sie oder ich das Glück haben, bei dieser Einschränkung den besseren Teil zu wählen! Sollte sich die Aufgabe des Studienkomitees mit der Einschränkung der Unfälle an den Niveauübergängen erschöpfen, wie es nach dem Sinn des Communiques den Anschein erweckt — drängt sich einem hartnäckig die heimtückische Frage auf ... nun, sagen wir es ja vorsichtig: liegt die Steuerführung nicht etwas allzu bemerkbar in der Hand der S. B. B.-Vertreter...? Seien wir trotzdem Optimisten und bauen wir auf den letzten Absatz des Communiques, der die Mitgliederverbände der Strassenverkehrsliga auffordert, « durch ihre Organe gefährliche Uebergänge der Studienkommission namhaft zu machen ». (sie.) Die Strassenverkehrsliga wird also dem Studienkomitee die Niveauübergänge melden, die gefährlich sind. Was uns anbetrifft, kennen wir keinen einzigen Uebergang, der es nicht wäre. Das Komitee « Strasse und Schiene » wird also die denunzierten Uebergänge dem Eisenbahndepartement zur Anzeige bringen und in gewissen Fällen auch den kantonalen Behörden. Auf diesen Punkt werfen wir unseren Hoffnungsanker, denn wenn von den Kantonen die Rede ist (selbst nur «eventuell einstweilen»!), so will das besagen, dass es sich um Strassenverbesserangen handelt. Mit anderen Worten: um Beseitigung der Niveauübergänge durch Verlegung der Strecke, Senkt sich die Sonne, denkt man auch ans nächtigen. Wo? — Ganz egal. — Irgend ein Ort wird erreicht: Er scheint interessant zu sein, scheint auch gute Unterkunft zu bieten. Also halt. — Haben sich die Vermutungen als richtig erwiesen, gut, dann bleiben wir! — Oder aber: Es scheint hier doch etwas faul zu sein im Staate Dänemark. Also die Karten heraus! (Natürlich den roten Führer «Die Schweiz»! Der Setzer.) man solch schnelles Vehikel? — Los! — Und irgendwo, da trifft es sich dann immer gut, — und ist es nur ein Dorfwirtshaus — oder eben deswegen. Die Freude, die gute Stimmung, die Reiseund Wanderlust, die muss man doch immer selbst mitbringen, die gibt einem auch das beste Hotel nicht. Freilich: Wer schon am frühen Morgen wissen muss, was am Abend sein wird, nein, — der fahre nie mit mir, denn mir macht es nun einmal gerade Freude, all dies nicht zu wissen. — Warum sind wir denn oft so unglücklich, so misslaunisch, so ekelhaft — um es gerade herauszusagen? Darum: Weil wir viel zu viel wissen. Das Kind weiss nichts, es kennt nichts, aber in jeder Mauerritze tut sich ihm eine Welt auf und so ist es glücklich. Das Mitschleppen des Gepäckes: Wir reisen mit leichtem Gepäck. Und hinten am Wagen ist der Autokoffer aufgeschnallt. Da fliegen jeden Morgen die verschiedenen Handtaschen hinein, eine nach der andern, grössere und kleinere. Vielleicht auch nicht durch Unterführungen oder Ueberbrückungen der Schienenstränge. Also keine « Verbesserung > der Niveauübergänge, sondern eine Beseitigung! Keine « Einschränkung » der Unfälle, sondern eine Ausderweltschaffung! Wenn dies der Sinn und der zwischen den Zeilen atmende Geist des Communiques der letzten Sitzung des Studienkomitees von « Strasse und Schiene» vom 25. Januar ist, so dürfen wir uns freuen, auf gutem Wege zu sein. Die Niveauübergänge müssen im Laufe der Jahre verschwinden. Das Gewissen des Volkes Ist geweckt, es wird sich mit keiner anderen Lösung zufrieden geben; /. v. Das Berner Dekret in Wirksamkeit. Das Polizeikommando des Kantons Bern macht in einer Mitteilung darauf aufmerksam, dass das Suspensionsgesuch, das dem staatsrechtlichen Rekurs gegen das neue Dekret beigefügt war, vom Bundesgericht abgewiesen worden sei Damit sei das Dekret in Kraft getreten! Das Polizeikommando verweist speziell auf die nachfolgenden einschneidenden Bestimmungen, deren Kontrollo es nun durchzuführen gedenkt: Nachtfahrverbot CFÜT Lastwawa and Personenwagen mit mehr als acht Sitzplätzen, sowie,für lärmende Motorfahrzeuge überhaupt, ist der Verkehr auf den Bernischen Strassen während den Mausten Mai bis und mit November T«B 23 Uhr aBeofla bis 4 Uhr morgen«, während den Monaten Dezember bis und mit April yoa 21 Uhr abends bis 6 Uhr morgens verboten. Ausgenommen hiervon sind die Wagen der Obap. postdrrektion nnd der von thr konzessioniert« Transportanatalten für Kurse auf den konzessionierten Strecken, Transporte des Militärs, der Feuerwehr, sowie FahTten für Hilfeleistungen mid Krankentransporte.» Anhänger an Motorlastwagen. «An Motorlastwagen ist nur ein EinachsenanhäriEer gestattet. Traktoren dürfen entweder einen Zweiachser oder zwei Einachser mitführen.» Diese Aufzählung ist »ehr unvollständig. Wir erinnern nur daran, dass es nach dem Wortlaut des Dekretes gestattet ist, bis 1932 einen Zweiachseranhänger am Motorlastwagen mitzuführen. Diese Bestimmung sollte auf jeden Fall in der Polizeiveröffentlichung erwähnt werden. . Wir wissen, dass seit letzten Dienstag oder Mittwoch die Vorschriften des Dekretes durchgeführt werden. So wurden in Rothrist l jeden Morgen. Man ist Ja so göttlich frei, man muss nicht zu bestimmter Stunde an bestimmtem Orte sein, man muss überhaupt nirgends sein, nicht einmal auf die Nacht im stammgästlichen Zentrum, Herr A. A. Z.! Man ist frei, und bleibt noch einen geschlagenen Tag am gleichen Orte, weil es einem da nun einmal besonders gut gefällt, und eine tüchtige Fusswanderung zwischenhinein gut ge- Wozu hat gen den Autospeckansatz ist. Aber dafür muss ich doch dieses zugeben: Ich habe gleich anfangs gesagt, dass alles Temperamentssache ist. Wer es nicht unterlassen kann, sich die Fragen zu stellen: « Wo werde ich übernachten? Wie wird das Hotel sein? Wird es wohl über oder unter unserer gewohnten Linie liegen? > — Oder gar: « Werde ich früh genug dort sein, um noch mit dem Geschäft telephonieren zu können? » — der also fragt, dem rate ich entschieden die andere Methode, die sicherlich viel Gutes auf sich hat. Wer aber zuweilen Landstreicherblut fühlt, wem es nichts ausmacht, heute in irgendeinem erstklassigen Hotel zu nächtigen und morgen dafür in einem bescheidenen Dorfwirtshause; wer nichts will, als frei sein im Drauflosfahren und Gemessen seltener, fernabliegender Schönheiten, wer weiterhin einmal unserer nüchternen, trockenen, so perfid geregelten und in einer Hölle der Uebermechanisierung gar gesottenen Zeit entfliehen will, um sich etliche Tage in der Romantik des Autovagabunden zu erholen, der befolge meine Methode. W. W.