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E_1928_Zeitung_Nr.014

E_1928_Zeitung_Nr.014

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BEIM, Freitag, 17. FeDruar 1928. Nummer 20 Cts. 2t. Jahrgang. — N° 14 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jahrlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, totem nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 87, Ber» In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mra hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehlnss 4 Tage vor Erseheinen der betreffenden Kummer Das ansteckende schlechte Beispiel Will nun nach Bern auch Zürich folgen ? Es ist doch wirklich nur schwer verständlich, wie führende Männer in unserem Lande einerseits kräftig den Gedanken einer Autostrasse Basel-italienische Grenze zu fördern bereit sind, in der guten Meinung, dadurch der Schweiz neuen Verkehr zuzuführen, das Land wirtschaftlich zu heben und zu stärken ... und wie diese Leute anderseits dazu Hand bieten können, dass Automobildekrete ausgearbeitet werden, welche die Entwicklung des Wirtschaftslebens aufs ärgste schädigen. Man weiss es vom angenommenen und in Kraft getretenen bernischen Automobildekret her, wie schwer dasselbe den Kanton wirtschaftlich schädigt, und es ist auch bestimmt zu erwarten, dass dadurch die erhofften Steuern nicht aufzutreiben sind, die man zur notwendigen Abschreibung der Staatsgelder in den Eisenbahnunternehmungen erwartet. Durch all die mannigfachen Vorschriften kann man die Strassen nicht wichtig vor Abnutzung bewahren — schädlicher als die Lastautomobile sind für die Strassen entschieden die keine Steuern zahlenden Lastfuhrwerke! — und statt der erhofften Verkehrserleichterung wird man, wenn der starke Saison-Verkehr einsetzt, durch dieses Dekret eine sicher empfindlich fühlbare Erschwerung des Verkehrs erleben. Die vielen Stimmen, die aus Kreisen der Industrie und des Handels laut geworden sind, zeigen deutlich, wie wirtschaftlich allseitig schädigende Folgen eine solche Verordnung mit im Gefolge hat... Aber trotzdem: was man hier — wenn auch für weite Kreise als sehr schädigend bekannt — durchzusetzen vermochte, das soll auch anderswo Nachahmung finden! So reichte in der letzten Montagsitzung des Zürcher Kantonsrates Nationalrat Kägi ein Postulat ein, das die Revision des Automobilgesetzes von 1923 anstrebt und wobei u. a. folgende zwei Punkte zur Prüfung empfohlen werden: Nachtfahrverbot für Motorvelos und Automobile mit Anhängern mit zwei Mann und Regelung der Arbeitszeit der Chauffeure. Zu diesem Postulat bemerkte der Polizeidirektor Maurer, dass eine kantonale Regelung der Verkehrsfragen wahrscheinlich nicht schneller vonstatten gehen könne als die im Gang befindliche bundesgesetzliche. Immerhin wurde das Postulat Kägi mit demjenigen der Kommission über den Erlass eines Nachtfahrverbotes für Motorradfahrer verschmolzen und in dieser Fassung erheblich erklärt. Nun muss man befürchten, es erleben zu müssen, dass das schlechte Beispiel von Bern In der Kurve von Eva von Baudissin. (19. Fortsetzung, Sie hörte still zu: was sich die beiden Männer da an den Kopf warfen, war von kräftiger Abstammung. Ein Mörder sei er — und ein .Ignorant, denn er habe noch beobachtet, wie wahnsinnig, wie hirnverbrannt er sich mit dem Auto benommen habe, beschwören wolle er das vor Gericht, brüllte Hans — und der andere dagegen: hätte die Frau ihn nur gelassen, so würde er den Wagen glatt in die richtige Fahrtrichtung bergauf gebracht haben — aber so — sich einfach vergewaltigen lasse er sich doch nicht — «Ja, er ist einfach verrückt,» sagte die Totgeglaubte und richtete sich auf. Und alle waren noch in solcher Aufregung, dass auch diese Auferstehung ihnen kaum wunderbar vorkam. Die Herren drehten sich nach ihr herum und zankten sich dann weiter, nur Marie Kattern kam mit furchtsamen, kleinen auch anderwärts Schule macht und der Motorfahrzeugverkehr in der Schweiz an weitekehrswirtschaft will, dass bei der Entscheidung über die Gesetze, die so tief in ihr Leben ren Orten arg gehemmt wird. eingreifen, wie Motorfahrzeugsteuer, Verkehrsgesetze u. dgl, sie mitwirken kann, Solche Dekrete, die schon wirtschaftlich schweren Schaden bringen, haben noch den dann darf sie nicht länger uninteressiert beiseite stehen. Das wäre entschieden Sünde weiteren Nachteil, dass sie der Poiizei immer grössere Arbeit auferlegen, denn beim Aufstellen von neuen Vorschriften darf man nie gegen die eigenen Interessen und gegen den Zug der Zeit! die Arbeit vergessen, die deren Vollziehung Dass nun nach Bern auch in Zürich sich verkehrsfeindliche Strömungen geltend zu ma- bedingt. Und eine strenge Kontrolle führt in den meisten Fällen nur zu argen Schikanen chen versuchen, ist wirklich sehr bedauerlich und zur Verbitterung, und das sollte man im und es heisst, sich rechtzeitig gegen solche Zeitalter des stets wachsenden Verkehrs doch nicht provozieren. Denn schon zahlreich genug sind die begründeten Beschwerden vieler Automobilisten über kleinliche und schikanöse Behandlung seitens der Polizeiorgane, und die Reklamationen begegnen leider nur zu oft noch tauben Ohren. Von vornherein ist in solchen Fällen der einzelne zur Machtlosigkeit verurteilt, und wenn etwas erreicnt werden kann, so meist durch das Mittel der Presse, namentlich durch die Proteste der Fachpresse und durch die Eingaben grösserer Verbände. Und je mehr die Behörden glauben, die Entwicklung des Verkehrs bremsen zu müssen, umso enger muss der Zusammenschluss der Geschädigten sein, deren Pflicht es ist, durch beweiskräftige Vorstellungen gegen verkehrsfeindliche Einstellung Sturm zu laufen. Vielleicht ist es auch nicht unangebracht, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass eine bessere Vertretung der Interessen der Verkehrsverbände in den kantonalen und eidgenössischen Räten eine dringende Notwendigkeit ist. Denn in den meisten Körperschaften war die Motorverkehrswirtschaft bisher viel zu schwach vertreten. Das ist eji für den stets noch wachsenden Verkehr unmöglicher Zustand, der so bald als möglich beseitigt werden sollte. Es geht doch nicht an, dass ein Wirtschaftszweig, der allmählich für unsere gesamte Verkehrsentwicklung eine ähnliche Bedeutung erlangt hat, wie z. B. die Eisenbahnverkehrswirtschaft, dort fast unvertreten bleibt, wo den Regierungen und den Räten massgeblich beratende Gutachten für die Ausgestaltung unseres Wirtschaftsrechtes erstattet werden. Gerade das letzte und das begonnene Jahr haben deutlich gezeigt, wie die Fragen der Motorverkehrswirtschaft immer mehr Gegenstand von Debatten in den Räten waren und sind. Es wird daher auch bei uns immer mehr Aufgabe der motorverkehrswirtschaftlichen Organisationen sein müssen, rechtzeitig vor Neuwahlen durch Fühlungnahme mit den politischen Parteien Schritten, als könne der Sturz anstecken, zu ihr hinüber, reichte ihr die Hand und wollte ihr beim Aufstehen helfen. « Was ist denn mit meinem Bein? » sagte Gertrud, und nun schritten wirklich auch die Herren auf ihre Seite, die, wie's schien, immer noch das Resedafarbene bewunderten. « Ich kann es nicht heranziehen,» unglücklich und erschrocken wurde ihr Gesicht — « es liegt da, als gehöre es gar nicht mehr zu mir —» «Hast du Schmerzen?» fragte Hans, beugte sich bei seinen Worten schon vorsichtig zu ihr hinunter und rührte sanft an ihren Fuss. Sie stöhnte auf, wurde leichenblass und schien einer Ohnmacht nahe. «Gebrochen,» entschied er sachverständig, und sah sich nach seinem Auto um. « Auch das noch, » bemerkte dieser ausgehungerte Alois hartherzig, statt sich neben sie hinzuknien und verzweifelt zu tun, wie sie doch zum mindesten hätte erwarten können — « Sie sind grossartig! Sie brechen mir das Bein —» «Wer — ich ?» «Natürlich Sie, Sie ganz allein!» Durch ihre Empörung überwand sie ihre Schmerzen. Nur sein lächerliches Verhalten sei schuld an dem Unfall, er allein habe die Verantwortung zu tragen sicherzustellen, dass geeignete Persönlichkeiten ,aus ihren Reihen auf die Kandidatenlisten gestellt werden. Wenn die Motorver- Versuche zur Wehre zu setzen. Jedenfalls möchten wir, als berufenes Fachblatt, nicht versäumen, auf die vorerwähnten erheblichen Missstände mit allem Nachdruck hinzuweisen und bei den zuständigen Behörden dringend um einsichtsvolle Berücksichtigung aller verkehrspolitisch nötigen Wünsche ebenso höflich wie energisch zu bitten, indem wir darauf hinweisen, dass jede Regierung die Pflicht und Schuldigkeit hat, das schweizerische Motorfahrwesen, als einen der wichtigsten Faktoren unserer wirtschaftlichen Lage, zu fördern, aber auch Handel und Industrie nicht dadurch schädigen darf, dass sie ihnen unnötigerweise Knüppel zwischen die Beine wirft, die erneut nur grosse Opfer fordern und nach schweren, mit dankenswerter Energie durchgeführten Kämpfen errungenen Fortschritt von neuem gefährden. R. Der Stationsvorstand über die Niveauübergänge. wir haben die Niveau-TJebergänge schon so oft und unerbittlich angegriffen, dass es für uns Automobilisten von grösstem Interesse'ist, darüber auch einmal eine Stimme aus dem Lager der Bahnbeamten zu hören. Wenn wir auch mit dem Einsender nicht in allen Punkten einig gehen — z. B. der Auffassung sind, dass die Uebergänge mit der Zeit verschwinden müssen — so anerkennen wir doch anderseits die Berechtigung seiner Winke, um so mehr, als der Einsender uns versichert, nicht als Moralprediger wirken zu wollen, sondern im Interesse der Behebung einer grossen Gefahr. In diesem Sinne, und unserem Prinzip getreu, eine ehrliche Meinung zu achten, sei dem Artikel Raum gegeben. Wenn er zur Verständigung beiträgt, so ist sein Zweck erfüllt. Die Red.) Mit der in den letzten Jahren zu verzeichnenden starken Zunahme des Automobilverkehrs hat das Kapitel « Bahnübergänge » eine früher nie geahnte Bedeutung erlangt. Es ist begreiflich, dass sich das Interesse der Behörden, nicht weniger auch dasjenige der Uebergangsbenützer, in jüngster Zeit auf dieses Problem gerichtet hat, sind doch in allen Ländern jahrein, jahraus zahlreiche Unfälle, Sie zankten sich wieder! Sie wurde sich dessen bewusst, als langsam Hans' Wagen herankam und vor ihr hielt. Sie verstummte. Aufmerksam sah ihr Mann von einem zum andern: hatte er recht gehört, duzten sie sich wirklich nicht —? Geschah es nicht einmal in der Erregung, in der sie sich beide befanden, so waren sie wohl gar nicht so intim, wie er durch diese gemeinsame Reise vorausgesetzt hatte, und was bei Menschen, die doch im Begriff stehen, sich zu heiraten, weiter nichts Erstaunliches ist — heutzutage! Er sprang ab, schuf aus Decken und Kissen ein erhöhtes Lager für ihren Fuss und gebot dann dem Doktor: «Hier! Schieben Sie Ihre Arme unter Frau von Wertha's Schultern durch — ich nehme die Füsse — und zähle: bei drei setzen wir uns in Bewegung! » Gertrud biss die Zähne aufeinander, es tat rasend weh, so behutsam Hans sie auch anfasste. Aber sie beherrschte sich so weit, dass sie nur leise stöhnte. « Ja, so 'was kommt von so 'was, » tröstete Hans sie —, « die Kurve war schuld — zankt man sich in solchem Augenblick, kann es Kopf und Kragen kosten! Ein paar Wochen Ruhe werden dabei wohl herausspringen.» « Wirklich? » fragte sie, und liess nun ihren Tränen freien Lauf, als gälten sie dieser Gefangenschaft und nicht den Schmerzen. wobei nicht wenige mit tödlichem Ausgange, auf Bahnübergänge zurückzuführen. Da bei den S. B. B. und den übrigen schweizerischen Privatbahnen noch über 6000 Uebergänge bestehen, welche kaum ganz beseitigt werden können, glaube ich es als im Interesse der Autofahrer, wie aber auch der Bahnen liegend, wenn ich mich nach jahrlanger Beobachtung zu dieser Sache äussere und einige Winke geben möchte. Es ist zu sagen, dass im allgemeinen über die Uebergänge mit zu grosser Geschwindigkeit gefahren wird. Es gilt dies besonders für jene Uebergänge, welche in den Kurven liegen, die beiden Schienenstränge demnach ungleich hoch sind. Von weitem erscheinen sie ganz harmlos. Unzählige Male habe ich aber festgestellt, wie raschfahrende Wagen trotz dem guten Zustande des Ueberganges aufgeschleudert und mit derbem Ruck wieder abgesetzt wurden. Neben der unzweifelhaft' heftigen Erschütterung der Insassen oder allfälliger Beschädigung, besonders leicht konstruierter Waren, leidet das Fahrzeug doch augenscheinlich Schaden, was sich in der Folge in vorzeitigen teuren Reparaturen rächen muss. Das Bahnpolizeigesetz verlangt denn auch die Befahrung der Uebergänge im Schritt, und es erhebt sich die Frage, inwiefern die Geschwindigkeitsvorschriften kantonaler Konkordate im Bereiche von Bahnübergängen anwendbar sind. Im weitern muss es als wenig Vorsicht bezeichnet werden, dass zahllose Fahrzeugleriker bis unmittelbar an die geschlossenen Schranken heranfahren. Mehrmals war ich Zeuge davon, dass Fahrzeuge wegen widrigem Zustand der Strasse (Regen, Schnee, Eis, frische Teerung) oder ungenügender Bremswirkung, nicht mehr rechtzeitig zu stoppen vermochten und daher die Barrieren beschädigten. Dasselbe tritt ein, wenn das zu nahe stehende Fahrzeug beim Heben sofort weiterfahren will, die Schranken aber nicht so rasch hochgehen, wie es der Führer glaubt annehmen zu können. Schadenfälle dieser Art habe ich oft erlebt. Es empfiehlt sich somit aus mehrfachen Gründen, die Uebergänge mit reduzierter Geschwindigkeit zu befahren, und bei geschlossenen Schranken in einiger Entfernung von denselben anzuhalten. gende Auch fol- ratsame Verhältnisregeln seien nicht unerwähnt: Sofortiges Abstellen des starkes Geräusch verursachenden Motors, sowie der Scheinwerfer vor den geschlossenen Uebergängen; Vermeidung von «Ich kann jedenfalls nicht so lange hier bleiben, » sagte Alois halblaut. Niemand antwortete ihm. Gertrud blickte starr geradeaus. Hans schloss die Tür an ihrer Seite und kletterte auf seinen Sitz, nachdem er angekurbelt hatte. «Und wo bleiben wir?» Des Doktors Stimme klang so verblüfft, dass die beiden im Wagen sich das Lachen verbeissen mussten. « Sie müssen wohl zu Fuss gehen, anderes bleibt nichts übrig —» « Was nützt das mir — ohne mein Gepäck — das kann ich doch auch hier nicht im Stich lassen — » «Richtig! Sie müssen hier ausharren, bis ich Leute schicke, die dem Resedafarbenen wieder auf die Räder helfen und ihn in die Stadt hinaufschleppen — ich werde das möglichst schnell besorgen — natürlich brauchen wir zuerst einen Arzt und ich muss die Untersuchung abwarten, für den Fall, dass es nötig sein sollte, Frau von Wertha ins Krankenhaus zu bringen > «Ich bin aber nicht mehr imstande, > hörten sie Alois schreien, und die geballte Rechte drohend zu ihnen erhoben, stürzte er ein paar Schritte vorwärts. Da war ihr Wagen schon davon. Portsetzung folgt.