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E_1928_Zeitung_Nr.013

E_1928_Zeitung_Nr.013

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Diensiag, ifl. Februar 1928. Nummer 20 Cts. 2t. Jahrgang. — N° 13 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Halbjthrlich Fr. 5—, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, »lein nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für poitamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414 Der INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile odef deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; lur Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct* Grössere Inserate nach Seltentarif, [aseratensehfoss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Als der Bundesrat im Oktober die Automobilzollansätze erhöhte und eine zehntägige Gnadenfrist ansetzte, war man sich darüber klar, dass bis zur Auswirkung in Form erhöhter Zolleinnahmen zum mindesten ein halbes Jahr vergehen werde. AuE keinen Fall war man dabei zu pessimistisch. Am stärksten erwies sich der Rückschlag im Dezember, nur unwesentlich dagegen ist er im Januar im Vergleich mit dem Januar 1927. Mit 3,5 Millionen Franken Einfuhrwert steht der Januarbetrag 1928 bloss um 200 000 Franken hinter dem des Januar 1927 zurück. Nach der Stückzahl hat die Einfuhr sogar zugenommen, von 726 auf 877 Stück. Die Erklärung bildet aber die Tatsache, dass sich diese Steigerung auf die sehr stark vermehrte Motorradeinfuhr gründet, von 247 auf 442 Stück, während die Zahl der eingeführten Wagen von 479 auf 435 zurückgegangen ist. Für die schweizerische Industrie erfreulich ist die Zunahme der Ausfuhrwerte in runden Summen von 300 000 Franken auf 1 Million Franken, also um etwa 700 000 Franken. Die Motorradausfuhr hat sieh auf das Siebenfach« gesteigert, die Wagenausfuhr auf das Dreifache. Bei anhaltender Tendenz würde sich für das ganze Jahr 1928 ein Ausfuhrwert ergeben, der das Dreifache desjenigen von 1927 betrüge. Bei einer so kurzen Berichtperiode kann es sich natürlich um ZufaUswerte. handeln. Immerhin haben wir das Gefühl, dass die Steigerung der Ausfuhr aus der Schweiz eine nicht bloss vorübergehende Erscheinung bildet. In der nachfolgenden Statistik lassen sich nicht, wie früher, für alle Einzelheiten Vergleiche mit dem Vorjahre ziehen, da der neue Zolltarif der Belastung ein ganz anderes Wertungsschema zugrunde legt. Die neue Statistik unterscheidet folgende neun Kategorien : a) Motorzwei- und -dreiräder ohne Lederüberzug; b) andere (also eolche mit Leder-überzug); c) Automobile und Chassis im Stückgewicht von weniger als 800 kg; d) Automobile und Chassis im Stückgewicht von 800 bis und mit 1200 kg. e) Automobile und Chassis im Stückgewicht von 1200 bis und mit 1600 kg; f) Automobile und Chassis im Stückgewicht von mehr als 1600 kg; g) Karosserien aller Art für Automobile; h) Elektrokarren; M , i) Traktoren ohne Karosserie. Fassen wir sämtliche Gruppen zusammen, so ergibt sich für die Einfuhr folgendes Bild: Schüchterne Bekenntnisse eines Pantoffelheldens. In Nr. 6 dieses Blattes, im Feuilleton, habe Deutschland Oesterrcich Frankreich Italien Belgien Holland Grossbritannien Canada Vereinigte Staaten Januar 1928 Januar 1927 Erscheint Jeden Dienstag und Freitag .;. , Monatlich „Gelbe Liste" ADMINISTRATION* Breitenrainstrasse 97, Der». Telephon Bollwerk 39.84 ' Telegramm-Adresse: Autorevue. Ban a 529.542 b 18.413 c—i 2.990.490 a 272.242 b 14.192 c—i 3.447.672 132.944 38.127 157.519 226 4-50.818 34.000 3.539.445 3.734.106 Im Zusammenhang mit der forcierten Einfuhr im letzten Oktoberdrittel steht es, wenn Frankreich und Italien mit aussergewöhnlich niedrigen Beträgen am Import beteiligt sind. Aber auch abgesehen hievon verliert die Industrie dieser beiden Länder fortwährend Boden in der Schweiz. Vor zwei Jahren pflegte als Herkunftsland Frankreich vor Italien und den Vereinigten Staaten an der Spitze zu stehen; vor etwa einem Jahre rissen die U. S. A. die Führung an sich, um bald darauf so viel zu liefern wie Frankreich und ich einen kleinen Teil meiner Memoiren als Automobilfahrer niedergelegt. Es ist heute mal Mode, dass man Memoiren schreibt, und da ich nicht als altmodisch gelten will, muss ich mich dem Zuge der Zeit anschliessen. Ich will natürlich nicht, wie Casanova, meine Liebesabenteuer aufzeichnen, denn das wäre viel zu wenig interessant. Im Gegenteil: Ich möchte dem geneigten Leser wieder einige Sonnen- und Schattenseiten meines Automobilistendaseins vor Augen führen. In meinen Aufzeichnungen habe ich mich nur mit meinem ersten Autotagewerk befasst, weil ich mir am Anfang meiner Automobilistenlaufbahn «logischerweise» sagen musste: Das Ungemach dauert nur kurze Zeit. Wenn ich mal ein bischen Uebung habe, kommt so etwas überhaupt nicht mehr vor! Doch der Mensch denkt... und das Vorderrad lenkt! Ich war von jeher einer der solidesten Ehemänner und Familienväter gewesen und trotz dem Auto immer spätestens um neun Uhr bei meiner Familie anzutreffen. Ich war jedermann, besonders den Frauen, als ein Muster von Häuslichkeit bekannt, und kürzlich, als Belohnung für mein gutes Betragen, hat man mich zum « Ehren-Passiv-Freimitglied» des Damenclubs «Der Pantoffel» ernannt und mir damit eine wirklich grosse Freude bereitet. Meine Frau war Präsidentin dieser Vereinigung; der geneigte Leser denke sich aber nicht, dass dies die Folge einer Vetternwirtschaft dieses Clubs sei; nein, das kam dort gar nicht vor. Die Ernennung erfolgte, wie bereits gesagt, nur auf Grund meines guten Verhaltens. Ich hatte eine Einladung zur Generalversammlung dieser Gesellschaft erhalten und meine Frau teilte mir damals die mir bevorstehende Ehrung mit. Ich zog meinen besten Rock an, damit sich die Frau Präsidentin ihres Mannes nicht zu schämen brauchte, und marschierte stolz erhobenen Hauptes zur Versammlung. Aber nach Hause ging ich nicht mehr mit denselben Gefühlen der Befriedigung. Denn an der ganzen Sache wurmte mich etwas... Ich will es erzählen: Meine Frau wurde überall mit «Frau Präsidentin» angeredet; ich nur mit «Herr Tattier» (ich will mich so nennen, sonst könnte ich Unheil auf mein Haupt herabbeschwören, b cdfh d f K a bcdefgabc d f g a bdoffgabcdf O a b c d ofg 1 Wert in Fr. 27.738 520 13.831 17.950 67.405 5.500 34.100 2.555 1.472 21.750 856 32.590 154.541 41.700 111.959 1.832 5.797 73 28.950 30.050 12 282 250 42.943 1.590 11.000 97.000 4.986 146 80 424.117 13.824 2.650 6.000 4.227 34.000 7.197 1.550 2.400 1.057.494 751.610 459.520 1.643 767 Zusammen 365.228 77.402 2.282.181 Abnahme der Einfuhr 195.601 Italien zusammen. Heute, d. h. im Januar 1928, ist das Betreffnis der Vereinigten Staa- Äutomobilausi»enhandel d< ten grösser als das sämtlicher übrigen Län- Brasilien ; f 12.130 12.130 Schweiz ••ra lanuaf -IÖ2S. der yUiid macht 65 Prozent der Gesamteinfuhr aus. An zweiter Stelle steht aber nicht mehr Frankreich, sondern England mit 12,5 Prozent der Gesamteinfuhr, wobei gesagt werden muss, dass seine Lieferungen zu 95 Prozent aus Motorrädern bestehen, was auch in der Stückzahl zum Ausdruck kommt (359, dann zunächst die U..S. A. mit 334). Sodann entfallen auf Frankreich 10 Prozent des Einfuhrwertes und hinter ihm stehen im vierten und fünften Rang Belgien und Deutschland mit je 4 Prozent. Italien brachte es noch auf ganze 2 Prozent, und im siebenten und achten Rang folgen mit je 1 Prozent Oesterreich und Canada. Weitaus die meisten Fahrzeuge (wohlverstanden immer auf der Basis des Einfuhrwertes) entstammen der Kategorie d (Wagen zwischen 800 und 1200 kg Gewicht). Insgesamt wurden 442 Motorräder und 435 Wagen eingeführt; dem Wert nach beträgt die Motorradeinfuhr 15 Prozent des Gesamtiinports, und hiebei ist England mit nahezu 90 Prozent der Motorradeinfuhr beteiligt. äDie Ausfuhrbewcgung, an der 33 Länder beteiligt waren, lässt sich in folgender Aufstellung übersehen : Deutschland Oesterrcich Eiahkrekh Italien Belgien Holland Grossbritannien Spanien Portugal Dänemark Schweden Finnland Polen Tschechoslowakei Ungarn Jugoslawien Bulgarien Rumänien Aegypten Algerien Marokko Südafrika Ostafrika Niodcrländisch'-Indicn Japan Vereinigte Staaten Wert in Fr. 142.461 15.000 37.727 9.800 6.920 10.903 34,270 26.783 1.300 9.345 145.228 1.50O 1.819 1.819 4.953 115.350 310 160.410 2.780 2.126 2.145 8.662 1.140 250 7.395 1.200 157.245 722 459 568 6.163 56.350 355 1.096 800 a e f £ a f a f a f f a f f a f a f f f a f f a f a f f f f f f f f a f f a f 133 29.267 186 1.994 24.599 Zusammen 204.988 17.823 . 61.053 10.645 145.228 3.319 120.303 160.720 2.780 2.126 10.807 1.140 7.645 158.445 722 459 568 6.163 56.350 355 1.096 933 29.267 186 1.994 21599 wenn die Enkelin des Vaters meiner Schwiegermutter diese Zeilen zu Auge bekäme). Man nennt doch überall die Frau des Arztes Frau Doktor und diejenige des Gemeindeammanns Frau Gemeindeammann. Ob das eigentlich recht ist, will ich nicht prüfen, aber gemacht wird die Sache halt doch so." Also warum wurde ich nicht mit «Herr Präsident» angesprochen? Hause ein Gewitter und auch im Club zeigte das Barometer auf Sturm. Der Grund: ich sandte per Chargebrief meine «Ausladung». Um diesen häuslichen Szenen nicht weiter zuhören zu müssen, zog ich meinen Freudenspender (alias Automobil) aus der Garage und machte mich auf und davon. Ich war über diesen Vorfall so erbost, dass ich gar nicht darauf achtete, wohin ich fuhr, so dass ich meine Spur durch zirka ein Dutzend tote Hühner, sieben angefahrene Dorfhunde, eine geknickte Telegraphenstange und die abrasierte Gartenhecke des Pfarrhofes zeichnete, j^ls ich nach langen Jahren mit meiner Frau wieder eine Kontroverse hatte (so etwas kam bei uns nicht alle paar Tage vor), stieg ich wieder in mein Auto und startete zu einer Ueberlandfahrt. Ich kam etwas spät, vielleicht auch früh, nach Hause und hörte meine Frau etwas von Pflichtverletzung sondergleichen, unmoralischem Lebenswandel, schlechten Freunden etc. sprechen (ich bin Uruguay a 120 120 Argentinien f 32.390 32.390 Chile f 3.150 3.15 Peru f 295 295 Bolivia f 430 430 Australischer Bund f 1.742 .,_ 1.742 Januar 1928 a 196.415 b — c — d — 0 15 000 f 858.756 s 9.800 h — 1 — 1.079.971 Januar 1927 a 27.485 b — c—i- 281.108 308.653 Zunahme der Ausfuhr 771.318 Dass Deutschland diesmal an der Spitze der Abnehmer marschiert mit 20 Prozent der Gesamtausfuhr, steht seit den Kriegsjahren beispiellos da (drei Viertel der Bezüge setzen sich aus Motorrädern zusammen). An zweiter Stelle folgt das sonst gewöhnlich an erster Stelle stehende Spanien, vor der Tschechoslowakei, Belgien und England. Diese fünf sind die einzigen Staaten, deren Betreffnis 100 000 Franken übersteigt. Neun Länder bezogen Fahrzeuge im Wert zwischen 10 000 und 100 000 Franken; bei elf Ländern steht der Wert zwischen 1000 und 10 000 Franken und bei acht Ländern unter 1000 Franken. Was für Fahrzeuge exportiert die Schweiz? Abgesehen von zwei kleinen 1 . Posten für e und S (Wagen zwischen 1200 und 1600 kg und Karosserien) findet man in der obigen Listo lediglich die Buchstaben a und f. 18 Prozent der Ausfuhr bestehen aus fertigen Motorrä« dem und 82 Prozent aus Wagen über 1600 kg. Ob die letzteren karossiert waren oder nicht karossiert, Lastwagen oder Personenwagen (falls letztere, dann Autobusse), lässt sich aus der Statistik nicht mehr ersehen. Auffällig ist das Wiederaufblühen, wenn man so sagen darf, des schweizerischen Motorradexportes, nachdem jahrelang auf diesem Ge-> biet eine ständige Abnahme zu verzeichnen war. Nehmen wir die Resultate des ersten Monats von 1928 als gutes Omen an und hoffen wir, dass die Wiederbelebung des schweizerischen Motorfahrzeugexports eine nicht bloss vorübergehende Erscheinung bleibe ! 0 Das Auto als Retter Uris. Man wird sich erinnern, dass wir in einem Artikel in Nr. 10 von der Zukunft des durch den vorgesehenen Ausfall der Autodurchgangsgebühren einer zweifelhaften Zeit entgegentreibenden Urner Staatshaushaltes orakelten. Gestützt auf die Zahlen des kanto- mir heute nicht mehr ganz klar darüber, was sie sagte, war es auch vielleicht damals nicht), bis mich Morpheus' gütige Arme umfassten und in sturmfreie Zonen entführten. Ich war damals wirklich zu müde, um meiner Frau den Sachverhalt erklären zu können, denn ich hatte — wenn ich mich genau erinnere, was iph meiner Frau sagte — eine Am nächsten Tage gab es zuPanne nach der andern zu beheben, und die Fahrt war nichts weniger als gemütlich. Als ich kurze Zeit darauf nicht «fahrplan-* oder «frauplangemäss» nach Hause kam, musste ich meiner lieben Gattin wahrheitsgetreu erzählen, ich hätte auswechseln müssen und zwar öfters, und dass diese wirklich so unwillkommene Operation an der Verspätung schuld sei. Wie ich anderntags von meiner Arbeit nach Hause kam, lagen seltsame Schatten auf dem Gesichte meiner Frau, und da sie mich immer ernster und trauriger anschaute, dachte ich unwillkürlich an den neuen Zeppelin. Meine Frau hatte — Gott weiss wo — erfahren, dass ich am Abend zuvor in der Stadt noch in einem Restaurant Halt gemacht hatte. «Das ist also die berühmte Auswechs-* lerei!» Sie stand, vor mir wie eine Richterin. Da hatte ich die Bescherung! Der Doktor hatte mir schon vor einiger Zeit viel Kopfrechnungen zur Stärkung meines Gedächtnisses angeordnet und ich hatte es unerlassen.