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E_1928_Zeitung_Nr.015

E_1928_Zeitung_Nr.015

Ausgabe: Deutsche Schweiz. n, Dienstag, 21. Februar 1928. Nummer 20 Cts. 2t. Jahrgang. — N° 15 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: HsIbjthrUch Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Aasland unter Portoznschlag, sofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Reehnong HI/414 Erscheint Jeden Dienstag und Freltaj , Monatlich „Gelbe Liste" ADMINISTRATION:'. Breitenrainstrasse 97, Bern Telephon Bollwerk 39.84 ' ' ' Telecrwam-Adresse: Autorevue, Bern INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode* deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cti. Grössere Inserate nach Seitentarif. luseratiQsetttnsä 4 Tnno vor Erscheinen der betreffenden Nummer Der immer schuldige Automobilist. Immer wieder ereignen sich von Zeit zu Zeit, bei bewachten und unbewachten Bahnübergängen, mehr oder weniger schwere Unglücksfälle. Das eine Mal war die Barriere nicht geschlossen, ein zweites Mal war der Uebergang überhaupt nicht gesichert, ein drittes Mal fehlte die Barrierenstange (irgend einer, der Holz nötig hatte, Hess sie jedenfalls mitlaufen), ein anderes Mal klappte die Beleuchtung nicht oder war der Uebergang an ungeschickter, unübersichtlicher Stelle angelegt ... aber fast immer sind bei solchen Kollisionen Schäden entstanden und oft auch waren Menschenleben zu beklagen. Solche tragische Notizen erscheinen in der Presse leider nur zu oft! Aber wieviele Automobilisten entgehen oft auch nur mit knappster Not dem sicheren Tod unter den rasenden Rädern der Lokomotive dadurch, dass sie vor einem nicht oder zu wenig gesicherten Uebergang die Geistesgegenwart nicht verlieren, den Wagen noch schnell auf die Seite steuern können, vielleicht in einem Strassengraben landen, um wenigstens die Knochen Iicil beisammen zu halten. Nur zu oft aber wird dabei der Wagen arg beschädigt. Das alles sind Zustände, welche den Eisenbahndirektionen — namentlich den Bundesbahnen — recht zu denken geben und sie veranlassen sollten, baldmöglichst grundlegende Aenderungen zu treffen... aber da erlebt man es immer wieder, dass die Bahnverwalr tungen die Unschuldigen und die Automobilisten ewig, die allein Schuldigen sind! Man kennt die Sprüche, die nach einem solchen Unglücksfall meist gedrechselt werden... der Automobilist soll immer so fahren, dass er auch bei unübersichtlicher Fahrbahn sofort seinen Wagen stoppen kann; er soll die (oft ganz schlecht plazierten oder nicht beleuchteten) Signale beachten, — es gibt ja der Gummiparagraphen genug, die leicht die Verantwortung der wirklich Schuldigen auf den Unschuldigen abwälzen lassen. Und wenn es sich um Uebergänge mit automatischen Signalen handelt, soll der Automobilist wohl zuerst einige Meter vor der Barriere anhalten, aussteigen, an die Schienen gehen und nachsehen, ob etwa ein Zug kommt oder ob er mit seinem Wagen weiterfahren kann. Das klingt ziemlich ergötzlich, aber es wird fast so verlangt! Aber nun angenommen: ein Fahrer kommt mit seinem Auto zu einem solchen ungesicherten Bahnübergang — glücklich, wenn er ihn überhaupt bemerkt! Er stoppt den Wagen etwa zehn bis zwanzig Meter davor, er geht zu den Schienen, schaut Das Auto meiner Frau. Ich kaufe ein Auto — das heisst, ich wollte mir eines kaufen. Aber mein Erbonkel fand, dass dies nicht notwendig sei. Meine Frau war anderer Meinung! — Und so kaufte ich ein Auto. Eigentlich auch noch nicht. Doch eines Tages ging meine Frau mit mir in ein Geschäft mit riesengrossen Schaufenstern. Dahinter war ein feudaler Empfangsraum mit Perser Teppichen, Klubfauteuils und so. In einer Ecke sah ich ein Auto stehn. Da dachte ich mir, dass dies offenbar ein Autogeschäft sei. Als ich Berge von Prospekten auf den Tischen erblickte, sagte ich mir: Freddi, du hast wieder einmal recht gehabt... Meine Frau stürzte sich denn auch sofort auf die Prospekte und hielt mir bald ein Bild unter die Nase, von dem sie behauptete, dass nach links und nach rechts... kein Zug kommt. Dann läuft er zurück, steigt ein, kuppelt aus, setzt den Wagen in langsamem Tempo in Gang, kommt zu den Schienen... und in diesem Moment saust der Zug daher und packt das Auto von der Seite. Ja, wie sollte das möglich sein?... fragt der Laie. Wieso?... Nun: weil die Kurve der Schienen unübersichtlich war und weil doch immerhin etliche Zeit verging, bis der Fahrer, nachdem er Nachschau hielt, wieder zu seinem Wagen zurückgekehrt war und ihn in Bewegung setzte! Die Gefahrenmomente bei unseren Bahnübergängen sind immer noch recht zahlreich, trotz der verschiedenen Versuche, die unternommen wurden, Abhilfe zu schaffen. Diese Versuche blieben bisher aber Stückwerk, und dabei darf man es nicht bleiben lassen! Barrieren und Signale helfen da nicht, ganze Arbeit muss geleistet werden, und diese besteht darin, wie wir das so lange und so oft schon in unserem Blatte forderten, dass man die Niveauübergänge durch Ueber- oder Unterführungen ersetzt! Es gibt ja leider immer noch Uebergänge, die unbeleuchtet, nicht gesperrt oder sonstwie unübersichtlich, also spät bemerkbar sind, und es gibt solche, deren Warnungstafeln falsch oder doch schlecht plaziert sind: diese haben sofort zu verschwinden, Avenn man es ernst nimmt mit der Beseitigung der grossen Gefahr! : So traurig liegen noch die Verhältnisse bei uns im Jahre des Fortschrittes 1928 ! Noch immer haben wir über 4600 Bahnübergänge in der Schweiz; die einen sind durch Barrieren und dergleichen «gesichert», andere — nicht klein an Zahl — sind ohne richtige Sperrvorrichtung. Und alle diese Uebergänge sind der Aerger nicht nur der Automobilisten, sondern auch der anspruchslosen Fussgänger, der kinderwagenschiebenden Mütter und der Rosselenker. Deshalb: fort mit ihnen! Gerade die Automobilisten haben das Recht, etwas für die grossen Steuern, die aber verschwunden, alles ist anders geworden " und Tempo ist das Zeichen der Zeit. Diesen neuen Verhältnissen müssen sich eben auch die Behörden anpassen, auch sie müssen der Allgemeinheit in der Richtung dienen, dass sie so offensichtliche Gefahrenquellen, wie es die Bahnübergänge sind, beseitigen. Denn mit dem rapid wachsenden Autoverkehr werden die Gefahren immer grösser. Es gilt zu handeln, ehe es zu spät ist!... Sicher liegt uns eine unberechtigte Kritik gegenüber den Eisenbahnen fern, aber wir betrachten es als unsere Pflicht, den automobilen Verkehr zu fördern und zu schützen und deshalb erheben wir unsere berechtigten Forderungen. Als unabhängige Zeitung lassen wir uns das Recht nicht nehmen, überall da sachliche Kritik zu üben, wo es uns erforderlich erscheint. Was wir als gut oder gar als vorbildlich erkannt haben, darüber werden wir ebenso offen unsere Anerkennung äussern, wie wir allezeit Mängel rügen werden, wenn uns dies, wie in diesem Falle, notwendig erscheint. Denn, wer sich selbst betrügt oder gar den Kopf in den Sand steckt, kann niemals siegen ... wir aber wollen und müssen siegen! R. Ein Pieifensignal... aber keine Verlangsam WIR des Tempos! Zum Unfall am Niveauübergang bei Delsberg kann folgendes nachgetragen werden: Es steht fest, dass .der Lokomotivführer den Lastwagen mit dem Anhänger auf der rechten Seite der Kantonsstrasse fahren und . denselben auch gegen das Geleise hinlenken sah. Er pfiff beim Signal, welches sich etwa 50 Meter vom Niveauübergang entfernt befindet... aber fuhr im gleichen Tempo weiter. Wie seit dem Drama von Gonelles : Der Lokomotivführer darf kraft seiner Hoheit — dem Reglement — nichts anderes machen als pfeifen, sofern er keinen Störenfried auf den Schienen sieht. So steht die Sache und so wollen es die Bahnen haben! Aber trotzdem ... Sagen wir es zu der Entlastung des Regimentes: Der Lo- sie zahlen, auch in dieser Hinsicht zu ver-komotivführelangen. Es muss doch endlich einmal auch nur durch eine ganz simple Stange geschlos- wusste, dass der Uebergang den Bahndirektionen einleuchten, dass da sen war, und es wäre nicht allzuschwer gewesen, zu erkennen, dass diese Stange etwas Ganzes getan werden muss. Heute le- vor ben wir in einer Zeit, die hastet und diedem Unfall gar nicht da war. Was geschah? nicht mehr nach alten, angeschimmelten Paragraphen beurteilt werden kann. Vor fünf- Geschwindigkeit, die der Zug noch beim Pas- Der Lastwagen wurde durch die bedeutende zig Jahren war es kein Kunstück, auf kurze sieren des Ueberganges besass, volle 38 m Strecke zu stoppen oder bei einer unübersichtlichen Fahrbahn langsam zu fahren oder Wo war diese Stange? Jedenfalls seit eini- mitgerissen. die Pfeifsignale der Lokomotive zu hören. gen Tagen nicht mehr am Platze. So auch Die Gemütlichkeit von Anno dazumal ist am Unglückstage. (Die Stange, die wir auf dies ihr Wagen sei. Ich sah aber nur ein grossartiges Schloss mit einigen wirklich chicen Damen. In diesem Moment meldete sich ein elegant gekleideter, junger Herr.. Ich dachte sofort, dass der auch ein Auto kaufen wolle. Es war aber ein Verkäufer, denn er grüsste uns kolossal herablassend, d. h. wenigstens mich. Meine Frau erklärte nun diesem Herrn ihre und meine Wünsche, wobei sie eifrig in den «Schlössern und Damen» blätterte. Es waren also doch Autos dabei. — Ich hörte eine Zeitlang zu und war erstaunt über die Fachkenntnisse meiner Frau. Der Verkäufer sagte zwar nur immer, dass man auch diese und jene Farbe haben könne und dass selbstverständlich jede Kühlerfigur nach Wunsch geliefert werden könne. Die Diskussion wurde recht lebhaft geführt. Ich blätterte nachlässig in einem Katalog. Es war wirklich sehenswert, was darin alles abgebildet war. Als ich die letzte Seite umgeschlagen hatte, legte ich den Prospekt zur Seite. Ich fand kein Preisverzeichnis. Das enttäuschte meine realistische Natur. Schliesslich lud mich der Verkäufer mit tiefer Verbeugung ein, ihm mit meiner Frau zu folgen, er wolle uns die verschiedensten Modelle in reichhaltigster Auswahl in den Ausstellungsräumen in den obern Stockwerken vorführen. Ich zählte die Wagen. Es waren deren vier, drei grosse und ein kleiner. Daneben hingen Bilder von Wagen in den verschiedensten Farbennuancen an der Wand. Diese gehörten wahrscheinlich auch zur «reichhaltigsten» Auswahl. Der Verkäufer führte meiner Frau die verschiedenen Typen vor, während ich überlegte, wie wohl diese Fahrzeuge da hinauftransportiert würden, dachte aber sofort an die Unmöglichkeit einer Spedition durchs Stiegenhaus. Auch gegen die Strassenseite war keine Hebevorrichtung zu erblicken. Hingegen befand sich au fder gegenüberliegenden Seite ein Aufzug, der in den Hof führte, in welchem verschiedene Leute an Automobilen hantierten. Dazu herrschte ein Heidenlärm von Hupen und Signalen und laufenden Motoren. Einige Männer, offenbar Chauffeure, standen im Hofe unten um einen Wagen, bei dem man in das Innere des Vorderteils sehen konnte. Ihre Gesichter waren sehr ernst. Ich sah auch, dass am Vorderteil des Wagens ein Mann heftig eine Kurbel drehte. Die Drehbewegung musste recht anstrengend sein, denn immer, wenn einer abgelöst wurde, wischte er sich den Schweiss von der Stirne, während der neue Kurbelmann sich zuerst sinnend in den Haaren kratzte, dann den andern etwas zurief und wieder zu drehen begann. Plötzlich stieg am Hinterteil des Wagens ein dunkler Rauch auf und ein fürchterliches Motorengeheul begann. Darauf entfernten sich die Leute. — Ich konnte das damals nicht verstehen... Da fiel mir wieder ein, dass ja mein© Frau dem Bilde in Nr. 14 sahen, ist nur eine Ersatzstange! Die Red.) Somit konnte man annehmen, sie sei gestohlen worden. Die Interessierten sind nun, wie man erfährt, eifrig am Werke, den Dieb zu finden. Ein Zeuge sei bereits gefunden. Die Version des Angestellten, der vergessen habe, den Schlagbaum zu schliessen, ist erdichtet. Warten wir die weitere Untersuchung ab! ///. Also doch Beseitigung! Die Bundesbahnen und die Niveauübergange. Das Kapitel Niveauübergänge bildete Gegenstand eines Berichtes der S. B. B. an die Kreiseisenbahnräte. Aus dem Bericht geht hervor, «dass bis zur Aufhebung dieser Uebergänge folgende Massnahmen getroffen werden sollen»: 1. Aufstellung einheitlicher Warnungstafeln in Dreieckform an allen Niveauübergängen. 2. Aufstellung einheitlicher Signaltafeln für die Barrieren. 3. Einführung besonderer einheitlicher Signale bei Niveauübergängen ohne Barrieren durch Verwendung von Spezialeinrichtungen. 4. Verwendung eines Warnungsapparates je nach Umständen. Ist es nur ein Zufall der Wortstellung oder ein endgültiges Bekenntnis? Weiter oben heisst es doch deutlich: «Dass bis zur Aufhebung dieser Uebergänge usw.» Ist endlich unsere nachdrückliche und unermüdliche Forderung erkannt worden? Die technischen Verbesserungen sind gut und recht, auch tm* erlässlich zur Hebung der Sicherheit. Der Tod am Niveauübergang kann aber nur dadurch vertrieben werden, dass man das Uebel bei der Wurzel packt. Mit andern Worten: die Niveauübergänge aufhebt! Dieses Ziel ist die Hoffnung, die wir in die Kommission «Strasse und Schiene» gestellt haben. Eine mutige, gewaltige, aber umso dankbarere Aufgabe am ganzen Volk. Wir sind zur Unterstützung bereit. Wir hoffen, dass das schöne Wort «Studienkomitee» eines Tages dem stolzeren «Aktionskomitee» weichen wird! xi. (•••»•••••••••••BaaMBBHBI Schweizer Automobilisten! • ———————^^——— u Besucht den Genfer Salon 5 16.-25. März 1928 UnBOIllI DBIDI I ein Auto kaufen wollte. Ich sah sie aber nirgends. Auch der Verkäufer war verschwunden. — Schliesslich erblickte ich beide in einem geschlossenen Wagen. Meine Frau lachte mich an, während der Verkäufer mit seiner breiten Pfote abwechselnd auf ihre Hand und ihre Beine tippte. Das wurde mir zu dumm und ich öffnete die Türe. Meine Frau sagte mir zwar später ganz gekränkt, dass der jung© Mann ihr das Schalten und die Bedienung der Pedale erklärt habe... Der Verkäufer stellte sich mir sofort zur Verfügung und erklärte mir kategorisch, dass sich meine Frau definitiv für diesen Wagen entschlossen habe. Ich zweifelte sofort, dass dieser Kerl meiner Frau nur die Bedienung des Mechanismus erklärt hatte! — Wahrscheinlich hatten beide auch schon über den Preis gesprochen. Meine Frau wusste ja natürlich, was ich auslegen konnte. — Der Wagen gefiel mir wirklich nicht schlecht. Auf jeden Fall besass er hinten einen eleganten Reisekoffer, den erhaben musste. Auch riesige, blank polierte Stangen waren vorn und hinten angebracht. Ich habe später erfahren, für was sie da sind. Meine Frau lud mich ein, in «ihren» Wagen zu kommen. Sie erklärte mir dann die Pedale. Weshalb sie sofort mit den Füssen und Beinen begann, vermutete ich nur. Wahrscheinlich hatte sie mein erbostes Gesicht gesehen, als ich die Wagentür öffnete!