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E_1928_Zeitung_Nr.015

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14 AUTOMOBTL-REVUE

14 AUTOMOBTL-REVUE 1928 N° 15 die Psychotechnik versuchen, die Persönlichkeit des zu Prüfenden möglichst vollständig zu erfassen. Es geht eigentlich nicht an, die Persönlichkeit zu zerlegen. Aus praktischen Gründen pflegt man eine gewisse Einteilung vorzunehmen, etwa in Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeiten, Intelligenz und Charakter. Man ist im allgemeinen geneigt, die Bedeutung der Wahrnehmungsfähigkeiten, « der fünf Sinne», zu überschätzen. Es gibt Schwerhörige, welche seit vielen Jahren radfahren, ohne dass ihnen ein Unfall zugestossen ist, weil sie ihren Mangel durch stärkere Inanspruchnahme der Augen und durch besonders scharfe Anspannung der Aufmerksamkeit kompensiert haben. Farbenblinde wissen sich oft durch besonders feines Empfinden für Helligkeitsunterschiede zu helfen. Plastisches (stereoskopisches) Sehen ist nur durch normales Zusammenwirken beider Augen möglich. Trotzdem haben wir, auch wenn wir ein Auge schliessen, auf Grund langer Erfahrung den Eindruck einer körperlichen Welt, obwohl wir sie nur zweidimensional erleben können. Was die Intelligenz betrifft, so genügt eine blosse Abschätzung des Niveaus, es ist nötig, die besondere Art und Struktur jeder Intelligenz zu erfassen. Dabei darf man aber nicht den Fehler begehen, nur eine untere Grenze festzulegen; ein allzu intelligenter Chauffeur kann die Verkehrssicherheit dadurch gefährden, dass er nicht die erforderliche Aufmerksamkeit aufbringt, weil ihn sein Beruf nicht ausfüllt und er sich deshalb mit anderen Dingen beschäftigt. Die Feststellung von Wahrnehmungsfähigkeiten und Intelligenz genügt jedoch nicht, weil sie unter Umständen infolge von Charaktermängeln gar nicht zur Auswirkung kommen. Die Eignungsfeststellung wäre also sehr unvollständig, ja sie gäbe sogar unter Umständen ein ganz verzerrtes Bild, wenn es nicht auch möglich wäre, den Charakter bis zu einem gewissen Grade zu erfassen. Das ist allerdings eine der schwierigsten Aufgaben. Man darf aber nicht vergessen, dass jeder Praktiker bewusst oder unbewusst den Versuch macht, den Charakter seines Part- i ners zu erfassen. Ausgesprochene Fehlurteile ' sind dabei gar nicht so häufig, trotzdem die ] wissenschaftlichen Methoden der Psychotechuik nicht zur Verfügung stehen. Was wir wollen, ist nichts weiter, als das Vorgehen des Praktikers auf Grund besonderer Eignung des Prüfers, grosser Erfahrungen und namentlich wissenschaftlicher Schulung und Methodik zu verfeinern. Der Vorwurf der Subjektivität des Urteils ist dabei nicht allzu schwer zu nehmend' Gewiss ist der Prüfer auch ein Mensch, der Schwächen und Sympathien hat, aber die Praxis hat gezeigt, dass die Resultate verschiedener Prüfer bei ein und demselben Kandidaten in allen wesentlichen Punkten übereinstimmen. es auch nicht von Nachteil, wenn diese Nachprüfungen Monate auseinanderlagen, ein Beweis dafür, dass die Prüfung nicht etwa ein blosscs Momentbild liefert, sondern tatsächlich den Charakter des Betreffenden zu erfassen gestattet. Die Aufgabe des Psychotecüuikers ist es, nicht nur die Kandidaten zu untersuchen, sondern anderseits die Anforderungen der betreffenden Berufe festzulegen. Auch hier zeigt sich häufig, dass die einfachen Wahrnehmungsfähigkeiten im Vergleich zu Intelligenz und Charakter an Bedeutung zurücktreten. Bei der Prüfung sind Fälligkeiten und Fertigkeiten scharf auseinanderzuhalten. Die elementaren Fähigkeiten, welche allen Fertigkeiten zugrunde liegen, sind im täglichen Leben so häufig in Anspruch genommen, dass doch in Urnen war eine Verstimmung gegeneinander, die ihre Freude des Wiederfindens bedenklich trübte und sie dazu veranlasste, Stadt und Land, wo ihnen nur Peinliches passiert war, schon am andern Morgen zu verlassen ... Auch Hans' Herz war nicht so leicht, wie er die beiden verliess. Er sorgte sich um Gertrud: wie sie es auffassen würde, dass er mit den Rechten eines Ehemannes auch weiterhin sie schützte und dass er aus ihren kurzen Andeutungen geschlossen hatte, sie wolle mit dem Doktor brechen. Aber war es nicht tausendmal besser, es ginge von ihrer Seite aus? Mit einem Manne, der mit vollen Segeln zu der leichten Fregatte Marie Kattern zurückgesteuert war, konnte sie doch nicht glücklich werden! Und dann lag doch noch etwas Schweres zwischen ihnen — doch bei ihrem jetzigen Zustand durfte er daran nicht rühren. Er bekam wieder Zutritt zu ihrem Zimmer: sie habe schon ängstlich nach ihm verlangt, hiess es; und es war selbstverständlich, dass der Gatte bei ihr bleiben durfte. So, sie hatte ihn dafür ausgegeben? Er hatte es vermieden, sie anders als Frau von Wertha zu bezeichnen — seineu Namen wusste man ja nicht. Etwas zögernd betrat er das Krankenzimmer; das Gepäck, das er vom Hotel in seinem Auto geholt hatte. Hess bei erwachsenen Leuten von einem Uebungsfortschritt nicht mehr die Rede sein kann. Das ist deshalb wesentlich, weil »wir nur dann etwas Bestimmtes über die Veranlagung aussagen können, wenn uns der -Uebungsgrad der einzelnen Fähigkeiten beziehungsweise Fertigkeiten bekannt ist. Fertigkeiten können durch Training gesteigert werden, die ihnen zugrunde liegenden Fähigkeiten aber nicht. Alle Apparate, welche Fertigkeiten messen, oder wie das meisten der Fall ist, ein Gemisch von Fähigkeiten und Fertigkeiten, sagen daher über die Eignung nichts Eindeutiges aus. Es gibt Apparate welche zur Eignungsprüfung und gleichzeitig zur Schulung der betreffenden Tätigkeit angepriesen werden. Das ist ein Widerspruch denn wenn sie wirklich zur Schulung geeignet sind, so muss das, was sie messen, fibbar" sein, das heisst, es kann sich nicht um eine Fähigkeit handeln. In ähnlicher Weise ist bei der Intelligenzprüfung zwischen Veranlagnug und erworbenen Kenntnissen zu unterscheiden. Kenntnisse sind in einem Fall auf gute Veranlagung bei massigem Fleiss, im anderen Fall auf hervorragende Energie bei massiger Veranlagung zurückzuführen. Auch hier muss man also auf die Fähigkeiten zurückgehen, wenn man ein eindeutiges Bild erhalten will. Die Beurteilung des Charakters geschieht auf Grund systematischer Beobachtung bei der Arbeit an den Apparaten, welche gleichzeitig zur Feststellung der elementaren Fähigkeiten dienen. Sie sind so eingerichtet, dass sie an den zu Prüfenden in bezug auf die Arbeitsweise verschiedenartige Anforderungen stellen. Was der Psychotechniker also in dieser Hinsicht dem Praktiker voraus hat, sind: Besondere Eignung und eingehende Schulung, wissenschaftliche Hilfsmittel und Methodik, längere Dauer der Prüfung (im allgemeinen drei bis vier Stunden). Es ist klar, dass sein Urteil entsprechend zuverlässiger sein muss. Das Wesen der Züricher Methode besteht also im folgenden: Zurückgehen auf die elementaren Fähigkeiten, im Gegensatz zu Fertigkeiten. Eingehende Beobachtung des zu Prüfenden. Einzelprüfungen im Gegensatz zu Massenprüfungen, mündliche Prüfungen im Gegensatz zu schriftlichen. Wir glauben, dass auf diese Weise die exaktesten Resultate erhalten werden, die heutzutage überhaupt möglich sind. Dabei ist es weniger wesentlich, dass unbedingt hundertprozentige Sicherheit erreicht wird» sondern die Frage ist die, ob auf Grund der psychotechnischen Untersuchung zuverlässigere Resultate erzielt werden, als ohne dieselben; diese Frage kann am Grund der Erfahrungen mit gutem Gewissen bejaht werden, Voraussetzung ist allerdings, dass die Dabei war j Untersuchungen in den Händen von Fachleuten liegen und nicht von Laien, welche sich einbilden, dass es auf Grund von Apparaten, Zahlen imd Kurven und ohne Beobachtung möglich sei, etwas irgendwie Wesentliches und Eindeutiges über die menschliche Seele auszusagen. Die Erfolge der Psychotechnik. Es wäre mir ein leichtes, in Form von Tabelleu oder Kurven eine der üblichen Bewährungsstatistiken anzufügen. Diese Bewährungsstatistiken sind jedoch mit äusserster Vorsicht zu benützen. Der Psychotechniker muss sich ja dabei auf das Urteil des Praktikers verlassen, im allgemeinen also eines Laien auf psychologischem Gebiete, der selten geübt ist, die Ursachen eines eventuellen Versagens scharf zu erkennen. Es hat sich in der Tat gezeigt, dass die Urteile verschiedener Vorgesetzter über dieselben Leute so er vorsichtig niedersetzen — ohne weiteres trug man auch das seine hinein. Inzwischen war ein Lager für ihn bereitet worden — ob sie darum wusste? Sie öffnete die Augen und streckte ihm die Hand hin. «Ja, nun bin ich zur Strecke geliefert,» sagte sie, «und eigentlich Dich eilige fangen habe ich nicht mal!» Er schwieg und küsste ihre etwas fiebrige Hand. «D. h.», sie wollte sich aufrichten. «Um Gotteswillen,» schrien er, «rühr' Dich nicht!? Sie legte sich wieder hin. «Einen Krüppel willst Du wohl nicht,» meinte sie ruhig, «ich war ja auch solch Gesundheitsfex und wäre gewiss nicht geduldig mit Dir.» «Ach, Du übertreibst.» «Nein, nein, Hans, das ist so! Und Du kannst froh sein, dass Du mich los wirst.» «Aber Du willst doch nicht diesen — diesen Doktor heiraten?» rief er besorgt — dann hatte er etwas Schönes angerichtet! «Bewahre! Die Absicht habe ich aufgegeben — ich hatte es mir so bequem gedacht, ihn einfach zu Haus zu lassen, wenn ich fort wollte — denn er ist ja alles eher als ein Sportsmann. Aber er war ja jetzt schon aufsässig, und schliessiieh hätte ich dieselben Schwierigkeiten wieder gehabt—-» sie brach wesentlich auseinandergehen, dass sie als Massstab, für die Bewährung der psychotechnischen Eignungsprüfung nicht ohne weiteres verwendbar sind. Sympathie und andere Einflüsse, die nichts mit beruflicher Eignung zu tun haben, trüben häufig das Bild. In der Industrie liegen die Verhältnisse häufig günstiger, weil dort bis zu einem gewissen Grad effektive Leistungen als Massstab dienen können. Im Verkehrswesen ist das selten der Fall. Hier tritt die Qualität gegenüber der Quantität in den Vordergrund. Einen gewissen Anhaltspunkt bietet die Häufigkeit der Unfälle. Es muss jedoch in jedem einzelnen Fall genau untersucht werden, ob und wo ein Verschulden vorliegt, und diese Feststellung ist bekanntlich in den seltensten Fällen einwandfrei durchzuführen. Wir sehen daher von einer statistischen Bewährungskontrolle ab. In jedem einzelnen Falle jedoch, den wir genau zu untersuchen die Möglichkeit hatten, zeigte sich eine gute Bewährung der Züricher Methode. Die Erfolge der Psychotechnik sind grösstenteüs auf die Erkennung von Eignung und Nichteignung zurückzuführen. Nebenbei gibt sie auch die Möglichkeit, die Protektionswirtschaft zu vermeiden. Ein Personalchef, der aus irgend welchen unsachlichen Rücksichten einen ungeeigneten Kandidaten anstellen soll, erhält durch das negative Ergebnis der psychotechnischen Prüfung einen gewissen Ruckhalt, der ihm gestattet, den Betreffenden abzuweisen, ohne eventuell für seine eigene Stellung fürchten zu müssen. Zum Schlüsse möge noch erwähnt werden, dass die blosse Feststellung der Eignung unrationell wäre. Zum Arbeitsgebiet des psychotechnischen Institutes gehört daher auch die Ausbildung zweckmässiger Lehrund Schulungsverfahren sowie die sogenannte «Objektspsyehotechni'k», das heisst die zweckmässige Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen, Werkzeuge usw. Die Ausbildung der Züricher Wagenführer der Strassenbahn geschieht nach unseren Angaben. Der 100. Geburtstag des Omnibus. In diesen Tagen sind 100 Jahre dahingegangen, seitdem in Paris der erste Omnibus über die Boulevards rollte. Aus diesem Anlass erschien im «Bund» eine kleine, interessante kulturhistorische Skizze über den Omnibus, die im folgenden wiedergegeben sei: Der Unternehmer dieser neuen Einrichtung gab seinen Wagen diesen Namen, weil er sich «an alle» wandte und betonen' wollte, dass diese Gefährte von allen ohne Unterschied des Standes benutzt werden könnten. Freilich, der allererste Omnibus, der nur noch nicht diesen Namen führte, hat schon früher in Paris das Licht der Welt erblickt. Im März 1662 gab Ludwig XIV. einer Gesellchaft, an der auch der grosse Philosoph und Mathematiker Pascal beteiligt war, ein Patent, das das Betreiben eines solchen Fuhr- ;eschäftes gestattete. Die Wagen, die von Saint-Antoine nach dem Luxembourg fuhren, wurden von Garden und zwölf Bogenschützen der Stadt geleitet und fanden zunächst lebhaften Zuspruch. Aber obwohl die Neuheit zunächst viele anlockte, war die Zeit für ein solches Verkehrsmittel damals noch nicht ;ekommen, und nach drei Jahren entschliefen diese Vorlauter unseres Omnibuss, deren Erfindung» man sogar Pascal zugeschrieben hat, eines unseligen Endes. Auch die «Torwagen», die bereits im 18. Jahrhundert in den grössern Städten den Verkehr vermittelten, fuhren nur, wenn sie voll waren, hatten also keinen festen Fahrplan, was beim Omnibus der Fall ist. Daher darf man mit Fug und Recht jetzt den 100. Geburtstag des Omnibus ab, leiser fügte sie hinzu: «Dann ist es schon besser, es bleibt wie es ist.» Er schwieg. Sie meinte natürlich damit, dass sie ihre Freiheit behalten wollte. Gut! Er durfte ihre körperliche Schwäche keinenfalls ausnützen, um ihr irgendein Versprechen zu entreissen Ihre Schmerzen Hessen sie trotz ihrer Erschöpfung nicht zur Ruhe kommen. Aber sie unterdrückte so gut es ging das Stöhnen, um ihn nicht zu stören. Auch er schlief nicht — manchmal musste er über die Situation lächeln, die ihn mit seiner geschiedenen Frau nachts in dasselbe Zimmer gebracht hatte! Ob moralische Leute das wohl unmoralisch fanden? Er konnte es nicht hindern — er musste tun, wozu ihm das Herz riet, und das war, sie jetzt nicht zu verlassen. «Bist Du wach?» fragte sie gegen Morgen leise. Im Nu war er an ihrer Seite. Sie bat um einen Trunk; er merkte, dass sie stark fieberte. Er Hess den Arzt kommen. Irgendetwas, müsse sie beunruhigen, meinte dieser und bat, sie möge doch ihre Wünsche äussern. «Es ist nur,» sagte sie mit Anstrengung, «dass ich mich ein wenig fürchte, hier ganz allein gelassen zu werden.» «Aber Ihr Herr Gemahl?» feiern und dem Begründer Baudry für die Idee dankbar sein. Der erste Omnibus fuhr von der Bastille nach der Madeleine über die grossen Boulevards, auf denen sich damals das Hauptleben von Paris abzuspielen begann. Zunächst wollte aber niemand mit diesem neumodischen öffentlichen Fuhrwerk sich befördern lassen; man hielt es augenscheinlich nicht für fein, und es bedurfte erst eines erlauchten Vorbildes, um die Pariser zur Nacheiferung anzufeuern. Die Vorkänipferin des Omnibus war die Herzogin von Berry, die «erste Dame des Landes» nach d

1928 AUTOMOBIL-REVUE 15 Haben die Abergläubischen recht? Eine Geschichte zum Nachdenken veröffentlichte jüngst ein Münchener Blatt. Die Wahrheit dichtet zuweilen im Stile von Kolportageromanen, meinte nicht ohne Grund der Verfasser Frank Warschauer. Sie erfindet in der Tat verkitschte und unheimliche Vorgänge, aber in dem Augenblick v -wo sie nicht der Phantasie eines sensationslüsternen Schreibers entsprungen sind, sondern wirklich und greifbar dastehen, haben sie einen seltsamen Ernst. Gewissermassen einen dunklen Blick, aus denen sie einen ahnend und mit theatralisch-tragischem Ausdruck ansehen. Der Verfasser versicherte, dass-die folgende Geschichte so wahr ist, wie es ein sachlich trockener Bericht nur sein kann. Zwar beginnen viele Novellen mit einer solchen Versicherung, die aber nichts ist, als die geschickte Floskel des Dichters, der Zierat an seinem kunstvollen Gebäude, oder eine geschickt angelegte Reuse, durch die er den Leser zu fangen sucht; weil er nämlich weiss, dass mit seiner Glaubwürdigkeit auch sein Erfolg wächst. Zur Sache: Die berühmte Filmschauspielerin X. Y. war von merkwürdigen Ahnungen geplagt. Daran ist nun wieder an sich nichts besonders Merkwürdiges; denn erstens leiden die meisten Schauspielerinnen an Ahnungen, und zweitens ist die Atmosphäre des Filmateliers zweifellos jeder Art von Ueberspauntheit günstig. Die berühmte Filmschauspielerin X. Y. zumal, von der hier gesprochen wird, ist eine Tragödin, und das erschwert noch den Fall besonders. Sie hat sich tagaus tagein, ferner auch noch nachtein mit Schicksalen abzugeben, von denen schliesslich kein Mensch mehr genau unterscheiden kann, ob sie ihre eigenen sind oder ob der Manuskriptschreiber sie in seiner glühenden, meistens noch dazu an den schlechtesten Vorbildern geschulten Phantasie (Entschuldigung, aber das ist wiederum nur die Wahrheit!) erdacht hat. Fortwährend tobt und rauscht es um sie von Ehebruch, von entdecktem und unentdecktem Mord, von Verzweiflung in sämtlichen Graden, von Liebe, mit Hand endlich zu der ominösen Szene geschminkt werden sollte, zuckte sie plötzlich Bisher war doch alles Maschinelle, alles besonderer Bevorzugung der unglücklichen, zusammen und bekam einen Schreikrampf. Technische, was Frauen in die Finger geriet, von sämtlichen Leidenschaften, die demWährend der Kameramann, die Beleuchter, tief bedauernswert; denn in kurzer Zeit menschlichen Geschlecht als Piifung auferlegt sind; jeden Augenblick geht etwas schief geduidig warteten, lag sie in ihrer Garderobe Misshandlung das Lebenslicht so gründlich der Regisseur und die anderen Mitspieler un- wurde ihm durch fortgesetzte, unerhörte in der künstlichen Welt, in der sie sich zu und war mit Mühe und nur mit starken Mitteln zu beruhigen. Als sie sich aber wieder war. Aber nun — Panne? Oh, bitte! Und ausgeblasen, dass es nie mehr anzufachen bewegen hat; warum soll esdenn dann end? lieh einmal im Leben nicht schief, gehen! einigermqssen ruhig fühlte, ging sie hinaus wir Öffnen sachlich-kühl die Haube, reinigen und erklärte kategorisch, dass sie diese Szene eine verstopfte Düse, wechseln eine verölte Ueberhaupt ist es eigentlich sehr sonderbar, dass es Menschen gibt, die aus einem haupt niemals. finden dabei noch Zeit, unaufhörlich Konver- nicht spielen würde; heute nicht und über- Kerze aus, montieren das Ersatzrad auf und Filmatelier mit gesunden Nerven herauskommen. Hochspannung! Lebensgefahr! steht an Wut des Regisseurs; Wut der anderen Beteiligten; Wut des anwesenden Manuskript- Unser Gesichtsfeld ist erweitert worden, sationen zu machen. den Drähten der elektrischen Ueberlandzentralen, womit deutlich und allgemeingültig dichters; denn es kam gerade darauf an, dass das muss man sagen, wir haben's nicht mehr diese Hand mit dem eigentümlichen und schönen Ausdruck die charakteristischen Linien- und die faux-pas der Frau X. zu unterhalten. nötig, uns dauernd über Männer, Dienstboten gesagt wird, dass es keineswegs zweetanässig ist, sich im Bereich der hochgespannten Wir kommen Ihnen jetzt technisch und ereifern uns über Kupplungen und Magneten, Ströme aufzuhalten. Die Filmleute aber tun es dauernd, obgleich sie neuerdings nur mit Vergaser und Anlasser, Karosserien und Tourenkarten. Das ist zur Abwechslung mal in- elektrischen Strömen von 220 Volt arbeiten; oft genug kommt es deshalb auch zu fürchterlichen Entladungen und Explosionen der teressanter als die ewigen Männer. Und uns gegenüber, völlig deplaciert und •aufgespeicherten Kräfte, die freilich nicht tief belanglos, sitzt so ein armes Tier von mit dem Voltmesscr zu messen sind. Verehrer und sagt traurig-erstaunt: «Davon Die Filmschauspielerin X. Y. hatte in ihrer versteh' ich nichts.» Rolle eine Szene gefunden, die ihr zu besonderem Nachdenken Anlass gab. Sie sollte markanteste Ausdruck im neuen Gesicht un- Irgendwie ist die Frau am Lenkrad der nämlich in diesem Film unter anderem eine serer Zeit. Ich sah neulich in Potsdam einen Leiche spielen, und zwar nicht die ganze wundervollen, schweren Mercedes - Benz, Leiche, sondern nur einen Teil von ihr. Es schmutzbedeckt, vor einer Tankstelle halten. kam eine schreckliche Szene vor, in der die Eine Dame entstieg ihm, in Leder von oben Hand einer Leiche gezeigt werden sollte. bis unten, jung, schlank, sachlich eingestellt Neuerdings haben die Kinobesucher die Gewohnheit angenommen, bei schrecklichen zahlte, stieg ein und raste davon auf Teufel bis in die Knochen, tankte sich 30 Liter, komm heraus. Ein alter Herr hatte ihr stumm, mit grossen Augen zugesehen, ohne Bewun- Szenen mehr oder weniger heftig zu lachen, aber damit rechneten Regisseur und Manuskriptpoet nicht. Und die Schauspielerin, weil sie nun einmal auf tragisch dressiert war, nahm auch diese Angelegenheit infolgedessen im entsprechenden Sinne auf. Die Tatsache, dass ihre Hand zu der einer Leiche umgeschminkt werden sollte, verursachte ihr tagelang Migräne, gegen die die bestempfohlenen Mittel überhaupt nichts halfen. Endlich hatte sie ein Gespräch über dieses Thema mit dem Regisseur, woraus ein philosophischer Dialog über den Aberglauben wurde. Der Regisseur hatte ein sehr lebhaftes Interesse daran, ihr die Bedenken, die sie hatte, auszureden, infolgedessen nahm er die ganze Sache scheinbar ausserordentlich ernst. Er sprach von dem Fortschritt der Naturwissenschaften, von dein allgemeinen Sieg der Vernunft, von den Vorzügen einer geistigen Ueberlegenheit, die sich den Teufel um den Teufel und schrecklich drohende Ereignisse kümmert usw. Die Filmschauspielerih X. Y. "machte demgegenüber geltend, und damit hatte sie wahrscheinlich recht, dass man schliesslich in den Angelegenheiten des Schicksals nicht genau Bescheid wisse; ohne ihren ganzen Schatz an unheimlichen Geschichten auszugraben, wies sie immerhin kurz auf die Historie eines Mannes hin, der mit einem Opal die fürchterlichsten Erfahrungen gemacht habe. «Wees m'ersch dann?» sagte der Regisseur, der nunmehr die Geduld verlor und sich nicht mehr in der Lage sah, weiter ernst zu bleiben. Die Filmschauspielerin X. Y. war daraufhin einerseits beleidigt; andererseits hatte diese Unterhaltung aber doch das Resultat gehabt, dass sie sich ihrer Befürchtungen schämte. Sie beschloss also, am nächsten Tage ihre Nerven zusammenzuhalten und tatsächlich diese Szene zu spielen; unterstützte ihren Entschluss, indem sie am Abend zwei Schlafmittel nahm, um nicht in ihren Träumen gestört zu werden. Die Filmschauspielerin X. Y. begab sich am nächsten Morgen elastisch und frisch in das Atelier. Nachdem sie, wie gewöhnlich, zwei Stunden gewartet hatte, war indessen ihre Nervenkraft schon bedeutend brüchiger geworden. Als es nun soweit war und die führungen zeigte, die der Hand der Filmschauspielerin X. Y. eigentümlich war. Es half aber alles nichts; man musste sich nach einem Ersatz umsehen. Man musste versuchen, durch alle möglichen Künste des Schminkens und der Beleuchtung, was auf natürliche Weise nicht zu erzielen war. Man musste nach irgend einer Hand fahnden, die der gewünschten einigermassen ähnlich war. «Zeigen Sie doch mal Ihre Hand her!» sagte der Regisseur zu der Garderobiere des Stars. Sah sie an, fand sie brauchbar. Die Garderobiere graulte sich zwar auch ein wenig, besonders da sie durch die Aufregung ihrer Herrin angesteckt war, aber schliesslich fünfzig Mark so nebenbei zu verdienen war für sie sehr angenehm. Die Szene wurde gedreht; und die Filmschauspielerin X. Y. Hess sich an diesem Tage nicht mehr im Atelier blicken. Am Abend geschah die Katastrophe. Am nächsten Tage stand folgender Bericht darüber in den Zeitungen: «Gestern abend ereignete sich in den Ifu- Ateliers in der Karl-Ferdinandstrasse 64 ein schwerer Unglücksfall. Eine dort angestellte Frau kam aus Unvorsichtigkeit einem im Atelier laufenden Propeller mit der Hand zu nahe. Die Hand wurde ihr vollständig abgerissen. Sie musste nach Anlegung eines Notverbandes ins Krankenhaus transportiert werden.» Es war die Hand, die gleiche, nicht die auf der anderen Seite, die zur Totenhand umgeschminkt worden war. Der Ausweg. Auch einem Polizeileutnant kann es passieren, dass er wegen zu schnellen Fahrens mit seinem Privatauto von der Stoppkontrolle angezeigt wird. Wenn Oeffentlichkeit und Presse es erfahren, werden sie sticheln; natürlich! Der Leutnant wird einen «Ansauser» und den Auftrag bekommen, die Sache gefälligst aus der Welt zu schaffen. Was wird er tun? Er wird nach 5 Min.den Entwurf zu folgendem Dementi vorlegen: «Der Polizeileutnant X. hat lediglich, um zu kontrollieren, ob auch die Stoppkontrolle ihren Dienst einwandfrei versieht, die Höchstgeschwindigkeit überschritten. Damit entfallen usw.» ff/adame Ueber die Frau am Lenkrad wurde schon manches Tintenfass geleert Aber Thema und Objekt eröffnen immer neue Aspekte und so sind diesem Problem denn auch stets neue Seiten abzugewinnen wie die folgenden in einem Berliner Blatt von einer Autlerin veröffentlichten Ausführungen beweisen: Sie meinen, da habe sie immer gesessen und es sei nicht der Mühe wert, darüber noch zu reden. Das stimmt ja wohl; aber dass sie nun auch noch am Lenkrad der Autos sitzt, das ist doch eine Zeiterscheinung, die der Betrachtung wert ist. Ja, ich finde, sie ist sehr der Betrachtung wert; denn sie verpflichtet und zwingt die Frau zu Eigenschaften, die sie, solange die Welt steht, mit lächelnder Verachtung abgelehnt hat: zu Disziplin und zu Besonnenheit. Und das ist für uns doch ungefähr ebenso schwierig und wesensfremd wie die eisernlogischen Gesetze der hohen Mathematik. Und doch: es geht. Man sieht es mit Staunen und Freude. Und sagen Sie selbst: ist es nicht reizend, wenn eine Frau in einfachem sportlichen Chic beherrscht am Volant eines eleganten 6- oder 8-Zylinders sitzt und neben ihr lehnt, entthront und in die Passivität verdrängt, ein immer noch heimlich staunender Mann, der vergeblich auf Verstösse und Hilflosigkeit wartet? Oh, Triumph! Es gibt nichts, was dem Frauentyp von heute adäquater wäre, als die herbe, flotte, zweckdienliche Linie eines Sportdress, ein paar ordentliche Fahrhandschuhe und ein schlanker, rassiger Wagen mit möglichst viel Bremspferden. Da fühlen wir uns gut angezogen. Und mehr als das: da fühlen wir uns auch zu Hause. Denn — und das finde ich das psychologisch Erstaunlichste von allem — wir haben es wahrhaftig gelernt, uns mit einer Maschine auseinanderzusetzen. derung und ohne Missbilligung, und als sie davongefegt war, sagte er schlicht vor sich hin: « Nun ist es Zeit, dass unsereins sich hinlegt und stirbt; das ist ein neues Jahrhundert. » Wahrhaftig, das ist ein neues Jahrhundert. Und wenn diese kluge, gesunde, bewusste, befreite Frau von heute nicht vergisst, dass sie die Verantwortung für die nächste Generation trägt, dann gibt es ein schönes und ein starkes Geschlecht. Während der Ausbildungszeit in der Fahrschule durchlaufen die meisten Frauen ohnedies noch einmal atavistisch die geistig tiefstehenden Phasen ihres Geschlechtes, bis sie sich, rechtzeitig noch vor der Prüfung, auf sich selbst und ihre Zeit besinnen. Wie sie sich völlig planlos an dem unseligen Motor vergreifen, wie sie, statt auszuweichen, mit einem kleinen Schrei pfeilgrad auf ein Hindernis losfahren, wie sie die Gänge einrücken, dass einem das Herz wehtut vor so viel Härte, das ist beste, alte Zelt. Aber wie gesagt, das ist ein kleiner Atavismus und geht vorüber. Bei den meisten wenigstens. Bei einigen nicht und die sind ja dann allerdings der Schrecken der Strassen. Die Wilden und Undisziplinierten sind noch nicht die Schlimmsten; das bremst sich bei dem heutigen Verkehr ganz von selbst. Viel ärgerlicher finde ich die allzu Zaghaften, die HflllSKOIIlBnf für die bessere Familie zirka 12 Sorten, nur das Beste von rein Eier and . Naturbutter hergestellt. Makrönli, Watteln, Haselnnssbukuiti, Baslerleckerli usw., versendet in Büchsen von 2 kg gegen Nachnahme v. Fr. 10.— franko. Wer einmal bezogen, bestellt wieder I A. WIEDEMANN, Biskuittabr.k Horw bei Luzern. 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