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E_1928_Zeitung_Nr.021

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16 AUTOMOBfUREVUE t928 -

16 AUTOMOBfUREVUE t928 - •••e•••••••• in der Wiege an ist die Gesundheit, unser höchstes Gut von Geiahren umlauert, die sie nur allzu früh untergraben. Tod oder Siechtum könnten aber bedeutend länger ferngehalten werden, wenn die Menschen das rechtzeitig beachten wollten, was ihnen der Arzt später verordnet und das sie dann tun müssen, soll sich das Uebel nicht noch weiter verschlimmern. Man kennt ja die Abneigung vieler Menschen vor der Heranziehung eines Arztes. Der Familie gegenüber wird oft leichtsinnig grosse Verantwortung übernommen. Nur bei dem, welcher über die Funktionen unserer Organe in gesunden und kranken Tagen vollständig orientiert ist und die Mittel kennt, welche die Quelle des Leidens und der Schmerzen verstopfen, ohne den Organismus zu schädigen, ist die Verschiebung einer ärztlichen Untersuchung in leichtern Fällen verzeihlich. Im ABC der Gesundheit, einem von einem praktizierenden Arzte verfassten neuen „Doktorbuch" finden Sie alles, was Sie für Ihre und der Ihrigen Gesundheit tun müssen, seine Lektüre zeigt Ihnen den Weg zu.vernünftiger Lebensweise, seine übersichtliche Anordnung stempelt es zu einem treulichen Nachschlagewerk über die erste Hilfe bei jedem Krankheits- und Unglücksfall bis zum Eintreffen des Arztes. Senden Sie solort per \auhnauma Name: • BÜCHERZETTEL. EX „ABC der Gesundheit" von DP. med. Krauthammer Dieser Bestellschein ist ausgefüllt in einem oft. Couvert mit 5 Rp. Porto tu versehen und an die Adresse Verlag Hai.wag A.-Q.. Bern, einzusenden. Hohes AI in ungetrübter \jesundheiF Eleganter Einband mit Goldprägetitel, 350 Seiten mit vielen Illustrationen. PREIS nur 6 Fr. Abonnenten 2O°/ 0 RABATT Verlag Hall wag A.-G., Bern lie oeante NDinmer enlit technische Krieg. Rekorde im Dan clektr. Lokomotiven. Flngzeugentwicklnng. Die Lage in d Kohlenindu°trie. Chemie überwindet Natur. Arbeit und Natur. Rundschau der Technik. Die imposante Entwicklung der Technik der Gegenwart findet ihren Niederschlag m der zu machtvoller Entfaltung geführten „Technischen Rundschau", dem Zentrai- . , organ für. Industrie, Gewerbe und Handel der Schweiz. — Jede Woche eine 8 bis 16 Seiten starke, reich illustrierte Nummer grossen Zeitungsformates. Jeder Butriebsinhaber kommt heute mit technischen Fragen der verschiedensten Art in Berührung und bedarf fortlaufender Orientierung auf Haupt- und Nebengebieten. — Diese verschafft ihm die die alle Probleme und Fortschritte auf allen Gebieten menschlicher Technik in ihren Stoffkreis zieht. Sie behandelt vorzugsweise folgende Fachgebiete: a) »leehnn l-aMikations- pro'.esse- Apparatebau Maschinenbau • Elektrotechnik Galvanotechnik Matenaltcchnik Motorentechnik > b) Für Itden Uetrltb: WerkstaH-Tectmik Betnebstechnik Jede Woche neues Staunen! TECHNISCHE RUNDSCHAU Hetzung und Beleuchtung Organisation Reklame ' '-: : , Arbeitswesen * .•'•-' Unfallweien fUUonalislerungs-Methoden c) Verkenn Verkehntechnlk Luftscbiitahrt Radio ' Telephon und Telegraph Leituncsbau : Probenummern gratis durch Verlag HA 1,1,WA« d) lerhnischer Handel: Industrie und Handel Import Un«l Export Ausstellungen Steuern und Zolle Messen und Märkte e» Spezialgebiete: Chemie Nahruiwsmi tteltechnik BautechniK Bergbau- und Hüttenwesen 6 CYLINDREf 8 CYLINDREf ArTAG-AnfomoMl-Havdete A -G., ZUltlCH-WoIHstaoien AJH.R1CA.N-CARS LTD. 9. Grand Chine, LAUSANNE FREY L VON rELBKRT. Auto Garage. OLTfcN Hl HER IRKUKS. Auto-Garage ULLMEKGLN MARTI FRERES, EieerpiaU, BERUH, Rue Barton, 3 GENEVE r>lixs *belle Ces süperbes voitures HUPMOBILE seront Agent pour la Snissc Orientale Agent ponr Vaud, Valais et Fribourg Agent ponr le Canton de Soleare Agent pour le Canton d Argovie Agent ponr le Canton de Kerne voiture du siecle exposees au Salon International de Geneve, Stand 30 en Su i s s e : SAVSA S.A. CH. WIGG, Adm nistrateur AGENCE GENERALE POÜR LA SU1SSE B1ART1NET, Anto-Garage, Ru« «In Ue, GENEVE G SAIiATIM SAU BATINI & CIE., Anto-Garage. LUGANO VIRCH OL'X & CHOUX Anto-Garage. ST-BLAISU ZERR, CAM1LLE, l'i, Strassburgcr-Alleo, UALE Agent-adioint ponr le Canton de Genen Agent pour le Canton du fessln fessi Agent ponr Nencbätel et Jnra b Agent pour le eanton de Bäte bernois n41UITT1? *7

Beoliaohtuiigen auf einer Äutolahrt ins Avers. Ins höchstbewohnte Hochtal Europas! Beinahe sagenhaft fern und unwillkürlich dieses höchst bewohnte Hochtal Europas! Aber gerade darum wohl meine langgenährte Sehnslicht nach einem ersten Einblick in dieses- gleichsam menschliche Reservat, das es so lange bleiben wird, als wir ihm, dein vereinsamten, bevöikerungsarmen Hochland, keine bessern Kontakte mit'dem betriebsamen Unterland verschaffen können. Das wird schwer halten. Zwar fährt nun den Sommer über das behende Postauto betriebssicher die gefährlich schmale, in steilen Kurven,liegende oder an Abgrüuden vorbeiführende Strasse bis nach Gresta, der stillen Sommerfrische des Tales und gestattet, dass man eine Aversfahrt an einein einzigen Tage erledigen kann. Aber wenn auch diese Verkehrsverbindung für den kurzen Sommer Anschlus's an die Welt bringt, für den langen, strengen Winter sinkt das Tal in seine durch die langsame, stundenlang sich durch den Schnee hinaufarbeitende Pferdepost in seine tote Abgeschiedenheit zurück. Man ahnt, dass damit der Entvölkerung und wohl auch Verarmung nicht hinreichend entgegengewirkt werden kann, nur noch neue Verdienstmöglichkeiten (Heimarbeit Wohl an den "'-langen. Wintertagen!) niüsste hierin noch Wände! zu schaffen geeignet sein. In diesem Sommer hat eine parlamentarische Kommission, die das Entvölkerungsproblem studiert, sich das Hochtal angesehen und sicherlich eindrucksamen Anschauungsunterricht empfangen. So etwas wie eine private Studienfahrt war es wohl auch, was ich jüngst Sonntags unternahm. Bedrückend eigentlich schon die Fahrt in die Wäldwildni's ob Andeer und hinein nach Ausserferrera mit dem zerfallenen' Silberbergwerk am Wege. Das Dorf lein steht aufi einem -schmälen, steilen Wiesenhang; der sich hier einzig grün in die allerdings durch dichte Walübestände gemilderte Steineinäde, hineinschiebt. Zum Hindurchwandern wird'es. Stunden- brauchen. Das Postauto des Sympathie sehen Führers (merkwürdig, wie alle PoStautoführer aufgeräumt • und zuvorkommend sind!) legt die Strecke Thüsis-Avers-Cresta in etwas mehr als drei Stunden zurück. Bis zur nächsten Siedlung Innerferrera ändert sich das Naturbild kaum. Wieder umfängt uÜs Wald und ; immer noch steigt das Sträss- Jein geduldig am rauschenden Averserrhein bergan, und immer noch wehren den freien Ausblick steile Berglehnen beidseits. Aber siehe ,da, ! Innerferrera leistet sich schon ein gemütliches" Gasthaus mit Fremdenbetten! Däneben mehr-als ein verlassenes, armseliges Sjeinhaus mit argen Rissen durch das Mauerwerk. Das' Kirchlein selbst verniisst lange schon den neuen Verputz, und- das'Friedhof' Das weisse Auto. Ein Zeitbild aus dem heutigen Chicago, < von Felix Vitali. (1. FortsetziinsO John Whiteman ärgert sich. Das ist nicht das Bild, das er sich von einem Lebensmüden gemacht hatte. Er weiss, wie Frauenblicke schätzen, hört ihre heissen, verhaltenen Stimmen: Dort, der weisse Gentlemen...! Es hellt sich um seinen Mund. Mit beiden Händen greift er in die Astern, die aus der antiken Bronze-Vase leuchten, reisst die schönste heraus und zieht sie durchs Knopfloch. Nur etwas müde sieht er aus. Die Aerzte haben ihm Ruhe verordnet — ausspannen. — Nicht übel — bald wird er seine Ruhe finden! Er lacht gereizt. Jäh hält er inne. Sein Gesicht verfärbt sich. — «Mabel!» Wie hat er sie vergessen können? Lautlos verlässt er das Zimmer und schreitet zu ihren Gemächern hinüber. Vorsichtig klinkt er die Türe auf — lauscht ihren Atemzügen. Sie schläft... Auf den Zehenspitzen tritt er an ihr prunkreiches Himmelbett heran. Ein Mondstrahl fällt durch die halbgezogenen Vorhänge- und spielt auf den Spitzen des Bettes und dem zarten Oval ihres Antlitzes. Die goldene Fülle ihrer Locken beschattet die abgedeckte Achsel. Von Hermann Aellen. Chur. lein daneben redet mit seinen zwei, drei.einzigen Gräbern eine deutliche, wenn auch stumme Sprache von der Verlorcttheit und geringen Besiedlung der Gegend. Der Postautobetrieb übrigens hat nicht nur des melodischen Hornsignals wegen noch einen Schimmer alter Postwagenromantik bewahrt. Der Führer ist williger und sichtlich von Natureindrücken begeisterter Erklärer. Er fühlt sich durch sein Veranfwor- : tungsbewusstsein nicht bedrückt, sondern gehoben, denn hier ist der Mann noch etwas wert! (und soll es sein!) Wer hier mitfuhr und sah, welchen Gefahren eigentlich dieser Postautoverkehr ausgesetzt ist, der muss seinen. Chauffeur achten lernen. Es gibt da Kurven in der Steigung, in denen das Auto nur so herumgerissen werden muss, ein einziger Fehlgriff, und wir würden unfehlbar in die Tiefe stürzen. Daneben ständige Rutschgefahr. Erst in diesem Sommer wieder las man von einem Einsturz eines Teils der Poststrasse, kurz nachdem ein Auto die Stelle passiert hatte. Und erst vor wenigen Tagen fiel in der Viamala, die jetzt so viele Postautos passieren, ein Felssturz auf die Strässe und warf einen dort beschäftigten Arbeiter in die Tiefe des Flusses. Dazu die Unübersichtlichkeit des Geländes. Manchmal sieht der Führer keine zwanzig Schritte frei voraus, dann Felsengalerien in Kurven, und die Gewissheit, dass eine jede überraschende Begegnung mit einem Fahrzeug unvermeid Weiter die behinderte Fahrt, vorbei an unscheinbaren Siedlungen, wie Campsut und Cröt, einmal sogar hart an die Landesgrenze, da wo das berüchtigte Val dt Lei der Schmuggler fürwitzig an die Strasse reicht. Eine Tafel verkündigt « Reggio d'Italia, Provincia di Soiidrio». Immer stossen wir Schweizer uns die Ellbogen an unsern engen 1 Grenzen. Eingekeilt diese Averser erst recht in Berge und in künstliche Abriegelun-* gen dazu. Ja, ja, wir leiden doch wohl auch immer noch an unserer territorialen Klein-: heit. Erst die kommende Zeit des fliegenden Autos (ohne gefährliche Bergstrasse!) wird uns die Weltentöre aufschliessen. Ob auch denen dahinten bei den Heuhaufen und : Kuhställen? Alpfahrt'iin Flugzeug? Vielleicht! Mabel. Seine Kehle krainpft sich zusammen. Mit aller Kraft nluss er an sich halten, um nicht ihren Namen zu rufen. Bebend beugt er sich über sein Kind. Zum letzten Mal! «Mabel!» Wie ein Dieb schleicht er sich hinaus und wankt in sein Arbeitszimmer zurück. — Er hätte für sie sorgen sollen — sie nicht so allein in der Welt lassen — so schutzlos! — Dieser Gedanke zerreisst ihn fast... * * * In dem Augenblicke, da er die Türe zu seinem Arbeitszimmer öffnet,» erhebt sich eine hohe Gestalt aus einem Sessel am Fenster. «Mr. Whiteman!» Der Hausherr hält im Schreiten inne. Vor ihm steht ein Herr in einem eleganten Eveningdress. Schwere Regentropfen liegen auf seinem Abendmantel. Eine schwarze Maske bedeckt das Gesicht des Fremden. «Entschuldigen Sie, dass ich mich nicht ananmelden Hess. Es dürfte mir aber auch schwer gefallen sein zu dieser Stunde. Ich komme in einer geschäftlichen Angelegenheit.» «.Well,» entgegnet Whiteman in ironischem Tone, «da Sie sich einmal die Mühe gegeben haben...! Sie haben recht. Des Nachts trifft man die Leute am ehesten zu Hause. Mit was kann ich Ihnen dienen?» Und gelassen lässt sich, der Hausherr seinem Gaste gegenüber in einem Klubsessel nieder. Der Maskierte öffnet ein silbernes Rauchetui. «Sie gestatten?» «Aber bitte — vielleicht genehmigen Sie auch etwas Whisky?» «Ich weiss.» ergreift der Fremde, John III. Blatt der Das neuzeitliche' Telephon haben sich die grossen Alpbesitzer bereits gesichert. Aber von einem Güter- und Vieh- und Heufuderverkehr durch die Luft haben wir bisher noch in keinem Zukunftsprogramm gelesen. Ich fürchte die Frage, wie den Bergbewohnern in ihrer doch immer noch örtlichen Gebundenheit und Erdverbundenheit geholfen werden könnte, bleibt noch lange zeitgemäss. Aber weiter doch! Immer wieder diese Unterbrechung des Fahrtberichts. Gemach, wir sind mittlerweile ans Ziel gelangt. Cresta griisst von hoher, baumloser Berglehne herab. Ein letzter steiler Anstieg und wir halten auf dein Dorfplatz. Das Tal wird grün und freundlich, sonnig und hell. Die Waldgrenze ist überschritten, Alpweiden und Kurzgras gleich um das Dorf. Noch führt ein Saumpfad weiter bis nach Juf, der letzten und höchsten Siedlung Europas (2133 m ü. M.), also auch mit der höchsten Anstellung, die der Kanton zu vergeben hat. Zwar befindet sich die einzige Schule des obersten Avers im Weiler Am Bach, halbwegs zwischen Cresta und Juf. Die Schuljugend wird die Wohltat der langen Bretter im Winter trotzdem genügend kennen gelernt haben. Ich wandere weiter bis zum nächsten Weiler Pürt. Einsetzender Regen zwingt mich zur Umkehr. Aber noch hat es mir das einsam im freien Felde gar freundlich in die Berglandschaft grüssende Kirchlein von Cresta mit dem stilvollen, romanischen Turm angetan. Der Kirchhof scheint früher grösser gewesen zu sein. Aber die wenigen Gräber beanspruchen auch hier wenig Raum. Ein Trost; wer hier stirbt, wird in seiner Grabesruhe nicht schon nach zwanzig Jahren, wie anderswo, aufgestört, aber eine Feststellung zugjeich: die Bevölkerung muss ständig zurückgegangen , sein. Möglich immerhin, dass der tote Punkt in dieser Rückwärtsentwicklung überwunden ist, denn in, Cresta wird nach langen Jahren wieder gebaut, und zwar .mit zähen} Arvenholz, das die Unterländer nur vom Hörensagen kennen. ^ Rückfahrt in strömendem Regen nun. Die fä|e*rge verhüllt iii Nebelschleiern. Immer wieder Tiroler- undlfalienerheuer am Wege, die n'ün heimkehren. Zu wenig jugendliche Mannschaft im Tal, um die notwendigste Bauernarbeit zu verrichten! Wohl war das schon lange so. Muss es aber so bleiben? Die Heuund Emdernte ging zu Ende, dafür ist die Jagdzeit eröffnet. Ob diese den Einwohnern erweichen Verdienst bringt? Ich weiss nicht, wer den Gepäckkasten am Auto mit Gemsen und Murmeltieren gefüllt hat. In Innerferrera noch ein gemütlicher Halt. Die fremden Heuersleute tanzen in der Gaststube zu einem Grammophon. Ihnen brachte der Bergsommer den wahrscheinlich kleinen, aber doch sichern Verdienst, den sie nunmehr zum Tal hinaustragen... Grund genug, um Whitemans Frage überhörend, nach einigen Zügen, das Wort, «mein Eindringen mag Ihnen sehr taktlos erscheinen. Sie werden mir verzeihen, wenn ich Ihnen sage, dass es um Ihretwillen geschah. Und deshalb wäre es morgen zu spät gewesen.» «Ei sieh, auch das wissen Sie schon!» Sein Gegenüber nickt. «Meinen Namen kann ich Ihnen noch nicht nennen. Begnügen Sie sich einstweilen mit meiner Karte.» Und damit zeigt er dem Hausherr ein weisses Billet mit einem schwarzen Dreieck. «Ein Blackcorner... !» Sekundenlang hält John Whiteman den Atem an. — Ein Bild taucht vor ihm auf: Die 247. Strasse, zur Lunchzeit. — Ein Maschinengewehr rattert aus dem ersten Stockwerk eines hohen Ziegelbaues. Die Insassen eines blauen Autos schreien um Hilfe. Die Passanten flüchten in die Hausgänge. Der Riesenverkehr staut sich. Wie die Polizei — reichlich spät — am Tatort erscheint, ist die Mündung des Maschinengewehrs vom Fenster verschwunden. Keine Spur weit und breit. Die Insassen des blauen Autos — ein bekannter Advokat und zwei Zeugen — sind von den Kugeln durchsiebt. Ihr Wagen war nach dem Gerichtsgebäude bestimmt. — Kein Mensch wundert sich, dass man die Mörder nicht erwischte. Für Chicago ist es kein Geheimnis mehr, dass die, «Bootleggers», die zahllosen Alkoholschmugglerbanden, ihre Macht immer weiter ausdehnen. Jeder Yankee beugt sich vor ihnen. Viele Geschäftsleute ziehen es vor, den Räubern einen jährlichen Tribut zu entrichten, um sich vor ihren Verfolgungen zu schützen. Die Bootleggers anerkennen keine Gesetze, denn ihre eigenen. Und die Polizei steckt, statt gegen diese Banden den Kampf »Automobil-Revue auf eine Stunde • glückselig zu sein. Einheimische sieht man nicht. Den Ursachen der Bevölkerungsbewegung nachzuforschen, wäre verdienstlich. Denn dann nur lassen sich sichere Schlüsse ziehen und neue Wege mit Erfolg betreten. Heute sieht ein rascher Beobachter nur die schmerzlichen Wirkungen der seit Jahrzehnten festgestellten Entvölkerung dieses wilden Hochtals. Was kann ein einzelner tun? Das vielleicht doch inzwischen, dass er sich vornimmt, bei' seiner nächsten Wanderfahrt in die Berge auch einmal den verlassenen, auf harter Scholle kämpfenden Brüdern auf einen Tag ein herzliches « Grüss Gott» zu sagen und auch diesem einsamen Fleck Vaterland einen Augenschein zu gönnen. Solche Besuche verbinden und Anteilnahme am Geschick des andern schafft ein tröstliches Gefühl eidgenössischer Gemeinschaft. Besucher und Besuchte, beide werden jedesmal Beglückte sein. Im Autobus. Der ältere Herr neben mir im Autobus (die kleine Szene spielt in Berlin und steht in der dortigen Lokalpresse, könnte sich aber ebensogut in einem Berner Bus zugetragen haben!) schüttelte von Zeit zu Zeit den Kopf. Auf einen fragenden Blick, den ich ihm, wenn ich nicht unhöflich werden wollte, endlich zuwerfen musste, antwortete er: «In diesem Wagen sitzen drei Pärchen. Würden Sie sich die nicht mal betrachten? Keins von' ihnen, behaupte ich, kennt sich länger als seit zwei Tagen, vielleicht auch erst seit zwei Stunden. Und nach zwei Tagen oder zAvei Stunden wird sich, vermutlich keins davon mehr, kennen. Wie finden Sie diesen Gedanken? » « Reizend. » « Ich finde ihn trostlos. » «Wieso? Man verliert heute seine Zeit nicht mehr. Man verliert sie nicht mehr.mit dem abgekarteten Spiel einer, meist doch bjoss einger«deteii und zur Schau.getragerien Liebe und nicht mehr damit, Jahrzehnte seines Lebens ernüchtert und gelangweilt hinzubringen, von nichts anderem zehrend, als voii den Erinnerungen an jenes Maskenfest der Seele, das in Wirklichkeit gar nicht so übermässig amüsant gewesen ist... Man sorgt, dass die Blumen in den Vasen jeden Tag frisch sind, man treibt kein Mysterium mit gepressten und vertrockneten Blüten. Am Abend ist der Tag zu Ende, und zwar definitiv und ein. für allemal. Man lügt infolgedessen nicht mehr so viel. » « Man verliert seine Zeit nicht mehr, sagen Sie? Nichts ist, finde ich, so verloren, wie die Zeit dieser Leute. Sie verrinnt im Strassengewühl, in Beförderungsmitteln, in Bars, Cafes, Unterkünften. Man lügt heute weniger? Das hat seine guten Gründe. Lügen Sie aufzunehmen, mit den sauberen Herren unter einer Decke. — Jedes Kind in Chicago weiss, dass die «Blackcornerle'ute» die allergefürchtetsten sind! — John Whiteman zwingt sich zu einem spöttischen Lächeln. «Ihre geschäftliche Angelegenheit?» Die Augen des Blackcorners haften auf dem Hausherrn. «Sie haben ausgespielt, Mr. Whiteman,» sagte er leise. «Es steht Ihnenkein einziger Weg mehr offen.» «Ausser der Beerdigungsagentur zu telephonieren —» unterbricht ihn Whiteman trocken. «Selbstmord?» Der Maskierte spreizt die Lippen. «Wie feige ...» «Nehmen Sie das Wort zurück, mein Herr!» Das Leder der Klubsessel knirscht. Sie stestehen sich Stirn an Stirn. «Entschuldigung — Mr. Whiteman. Es war nicht so gemeint. — Ich bin gekommen, Ihnen meine Hilfe anzubieten.» Der Hausherr blickt ihn von der Seite an. «Sie werden imstande sein, sämtliche Verpflichtungen einzugehen.» «Und Ihre Bedingungen?» «Kleinigkeiten! — Sie stellen uns fünf Schiffe zur Verfügung, die unter Ihrer Handelsflagge am 4. Mai in See stechen. — Sie werden nie ein Wort über Ihr Verhältnis zu den Blackcorners verlieren. — Wie wir bei Vertragsbruch vorzugehen pflegen, dürfte Ihnen bekannt sein. — Und drittens werden Sie mir Ihre Tochter zur Frau geben.» « Mabel! » « Ich kenne sie...» Mit langen hastigen Schritten durchmisst John Whiteman das Gemach. Am Fenster bleibt er stehen — starrt durch die Scheiben.