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E_1928_Zeitung_Nr.024

E_1928_Zeitung_Nr.024

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BFRff, SamsiSD. 17. IY13PZ1928. Vierte SaZonSumme? Nummer 20 Ct$. 2t. Jahrgang. — N° 24 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Encneint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Liste** Halbjahrtlen Fr. 5—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für poctamtlicbe Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Recnmins [II'414 Telephon Roll werk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. (nseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Koininw (Von unserem Sonderberichterstatter.) Genf, den 16. März 1928. Die Stadt. Der Salon 1928 ist eröffnet! Die Völkerbundsstadt hat sich mit' der den Welschen eigenen Anpassungsfähigkeit auf die Sonderwoche des Motors eingestellt. Das Automobil ist die Sensation, steht im Mittelpunkte des Tages. Nicht nur der Fahrer und Händler stellen sich darauf ein, sondern auch der Laie, die breite Oeffentlichkeit. Dem, der durch Genfs Strassen geht, muss das Verständnis für dieses unglaublich scheinende Interesse aufgehen: die Völkerbundsstadt ist motorisiert. Selbst während den « verkehrsstillen » Tageszeiten herrscht ein Strassenverkehr, der in unserem Lande seinesgleichen suchen dürfte. Während den Stossverkehrsstunden,stauen.sich die Wagen an den Kreuzungen in Reihen, die an bekannte amerikanische Grossstadtbilder erinnern. Schon im Zuge war der Salon in aller Mund. Bruchteile der Gespräche: surtout la carrosserie! — au moins Cent ä l'heure! — peau de serpent, le dernier cri! Dazwischen aber manchen Brocken urchigen Bärndütsch, unverfälschter Ch... (Aha, der Zürcher!), selbst die spitzen Laute der Ostschweiz. « Ma muess es dpch beniiaze, wenn 'nie zuan halbe Prls nach' Genf cha..'.!* Auf dem Bahnhofplatz steht der er$te Mann mit den Katalogeit; die -weitere Äüflagfe dieser Schreier findet man an jeder Ecke. Die französische Ausgabe der «Automobil-Revue» hat ihre Leute von Kopf zu Fuss in Zeitungen gekleidet. Originalität und Humor! Unzählige Wimpel umrahmen das lebhafte Strassenbild, flatternde Farben im Golde einer blassen Märzensonne. Der milchig-weisse Morgenhimmel hat sich geklärt, die Bise das Firmament sonntäglich reingekehrt. Die Wetteraussichten für die kommenden Tage sind die denkbar günstigsten. Man kann also die Galoschen am Kiloimeterlance zu Hause lassen...! Die rührigen Organisatoren hätten es nach den beiden verregneten Rennen von 1926 und 1927 reichlich, verdient! Je näher man ' dem Ausstellungsgebäude kommt, desto glühender und phantastischer werben die Reklamen zu beiden Seiten der Gassen. Grosse, Originalität und Quantität wetteifern miteinander. Riesige Lettern schreien die Automarken in die Welt hinaus. Vor dem Salon gar .stürmen die Affichen buchstäblich auf den Besucher ein! Welche Möglichkeiten so ein Automobilsalon dem Reklamefachmann bietet! Von den Tramwagen, den Autobussen, den Personenautomobilen: Flaggen, Wimpel, Namen, Namen.., immer der eine Kehrreim: Automobil! Eine Firma führt auf dem Dache ihrer Wagen riesige Hunde spazieren, eine andere hat einen römischen Triumphbogen erbaut. im Zeichen des Automobils. Aber auch die Bars, die Maxims und die treiben. Wie in einem Film ziehen die Stände Mac Mahons, sie alle haben sich auf den Salon eingestellt. Denn das Auto bringt Geld stellung, von Kennerhand mit frischen Blu- vorüber — Meisterstücke der effektvollen Auf- nach Genf.... Sandwichmen wandeln durch men geschmückt, oft von dem mit schweren die endlos rollenden Autos. Visiteurs du Salon ...! Eine ganze Revue von Vergnügun- Welche Reichhaltigkeit, welches Sich- Teppichen belegten Boden kontrastierend. gen rollt vorbei. Eine schwarze Spanierin gegenseitig-Ueberbieten! Unmöglich, alle lacht mit kirschenrotem Munde über flammenden Lettern: Pour vous, Automobilisten! Ah verdrängt das andere. Wahrlich, dem Käu- Eindrücke festzuhalten! Ein Raffinement — wer dürfte hier fehlen! fer wird es heute nicht leicht gemacht, wer die Wahl hat, hat die Qual! Im Salon: ein eiliger Rundgang. Gleich zu Beginn hat der Sturm auf die Türen eingesetzt. Eine gute Viertelstunde vor der offiziellen Eröffnung waren die Reihen .der Gendarmen mit ihren prunkenden Uniformen und aufgedrehten Schnürrbärten, die grimmig-freundlichen Sekuritaswächter und rosettierten Organisatoren samt und sonders überrannt. Das Publikum hatte lange genug warten müssen (es ist doch ein gutes Jahr seit dem letzten Salon!) — jetzt will es hinein! Der erste Rundgang weckt die bunten Bilder der Erinnerung aus den vergangenen Jahren, paart sich mit den einstürmenden Herr .A. Moriaud, Präsident dos Staatsrates, welcher im Namen der Genfer Regierung anlässlich der Eröffnung des Salons eine Rede hielt. neuen Eindrücken. Und es sind ihrer nicht wenige! Warmes Sonnenlicht liegt über der weiten Halle, taucht den Nickel und Stahl in gleissendes Silber. Die Schau ist in ihren Dimensionen noch gewachsen! In ihren Details noch raffinierter, führender! Ich lasse mich von dem Strom der Menge Von den grossen sportlichen Ereignissen des Genfer Salons Man sollte die Ausdrücke hören, die beim Anblick der Stände fallen. — Laien? Die kleine Brünette im schweren Pelzmantel spricht mit einer Selbstverständlichkeit von Zylinderinhalt und Schmierungssystemen, als ob es sich um neue Frühlingshüte handelte! Der Siegeszug des Automobils hat alle zu kleinen Sachverständigen gemacht. Beim Delage-Stand stauen sich die Massen um Benoist's Weltrekordwagen. Ueber 208 Kilometer erzielte er damit am letzten KilQtneterlance von Eaux-Mortes! Wer würde es Rauben, dass dieser kleine geschmeidige Wagen seinem Fahrer die Weltmeisterschaft eingebracht hat! Beim funkelnden Mercedes- S-Typ neues Staunen! Die; Marmonwagen spiegeln sich -in malerisch abgetönten Farben. «Diesen und keinen anderen!» bettelt eine Freundin zu ihrem Freund. Er passt so Mrrlich zu meinem Seidenmantel!»— Bei' Martini werden die Brillen über dem aufgebocicten Motor zusammengerückt Man weiss, hier gibt es schweizerische Qualitätsarbeit zu bewundern. Bei Packard: « Der Typ der Limousine! * meint eine andächtig bewundernde Stimme. Der Mann hat gar. nicht So unrecht! Bei Chrysler ist die Rasse Modell gestanden — um den Sportzweisitzer tvird mit ganz langsamen Schritten herumgegangen. Peugeot verfügt über seine eigene Demonstrationsmethode: Ein ausgestelltes Chassis wird ganz einfach entzweigeschnitten — mit einem Blick dringt man in das Herz des Motors, ja selbst in die Eingeweide! Minerva stellt ein Chassis aus. Es steht kein Wort darunter, aber jeder Beschauer ergänzt: Ein Meister der Präzisionstechnik! Bei Fiat gibt sich Alt und Jung Rendez-vous. Der neue Typ 1928 präsentiert sich im wahren Sinne des Wortes unter Glas und Rahmen. Whippet hat die Linienführung seiner Wagen dem federnden Sprung des Windhundes — seinem Markentier — abgelauscht. Ein aufrichtiges Ah löst der Auburn-Sportwagen aus. «Ich will nichts sagen über seine Qualität, » flüstert eine dicke Daune, statt ihrem zigarrenschmauchenden Ehemanne, in mein entzücktes Ohr, «aber diese Eleganz, diese Eleganz! » Hispano serviert einen Flugmotor, dessen Leistungen wir auf einer Landkarte— fertig zum Aufhängen — bestaunen können. Punkto Flugmotor — was sich unser Saurer in diesem Kapitel leistet, mahnt in der Tat zum Aufsehen. Die Ozeanflieger sollen mal zur Abwechslung ihren Bedarf bei unserer bekannten Schweizerfirma eindecken und sie brauchen keine Gummiboote mehr mitzu^ schleppen. «Ist das der Motor Lindberghs? » — Stellt euch vor das Unikum hin, ihr werdet die Frage nicht mehr läppisch finden! Am Maximag-Stand geht keiner vorbei, ohne seine Bremsen anzuziehen, obwohl sich die beiden Wagen eine recht bescheidene Ecke aufgesucht haben. An der Essex-Parade vorbei, mitten durch die Beschauer, drücke ich mich in aller Eile um den Hupmobile-Stand. Die roten Rosenlampen scheinen zu einer langen, trauten Fahrt einzuladen ... pst!- An vielen, vielen Ständen muss ich vorbei, die Menge verunmöglicht auch den neugierigsten Blick. Doch halt! Hier muss man sich durchkämpfen. — Wissen Sie, wie man die Vorteile eines neuen Chassis zeigt? Nein? — Nun Victory-Six stellt den ganzen vierrädrigen Koloss auf die Seite! So — jetzt heran, ihr wässensdurstigen Hornbrillen! Soll einer sagen, der Genfer Salon sei nicht originell!! Ein Neger streckt mir mit breitem Grinsen eine Karte entgegen, ein alter Bekannter will, dass ich mich unter allen Umständen vor dem Bugatti, Ausgabe für Vier-'und Sechsjährige, photographieren lasse, eine Blondine interpretiert zu den- schmeichelnden Klängen des unermüdlichen Salonorchesters den tieften Fiatschritt, ein Katalogverkäufer fordert mit nicht misszuverstehender Geste Absatz r- — ich reisse mich aber los von all den.Herrlichkeiten, arbeite mich, schwitzend dem Ausgang zu. Ich muss meinen Bericht schreiben — sonst, beim Barte des Pro'pheten . : — übernachte ich noch dort, wo ganz Genf für acht Tage sein Wigwam aufgeschlagen hat — im Automobilsalon! Vit. Rund um den Salon. Und die Pneus? Mau wird überrascht sein, dieses Jahr im 1 Salon die offensichtliche Abwesenheit einiger bedeutender Pneumatikmarken konstatieren zu müssen. So zum Beispiel Michelin, Continental. Dun op und die Amerikaner. Die Motive zum Wegbleiben lassen «ich heute nicht gut ergründen. Die Tatsache ist bedauer'ich, allerdings weniger für die Leitung des Salons, die mehr als 100 Gesuchen um einen Aussto lungsplatz nicht entsprechen konnte, als vielmehr der Interessenten wegen, die sich gewiss gerne auch über den Stand dieser Industrie orientiert hätten. Eine etwas sonderbare « Operation » konnte man bei den Einrichtungsarboiten im Salon beobachten. An einzelnen ausgestellten Automobilen waren im Widerspruch zum Reglemente die Marken der Pneu in goldenen Lettern hingemalt. Alle Pneumarken, die nicht am Stande vertreten waren, konnten von dieser Vergünstigung klarerweise keinen Gebrauch machen und mussten die go denen Lettern unnachsichtlich schwärzen lassen. Das Bankett der General Motors. N Etwa 70 Teilnehmer wurden vom Reklamechef der General Motors auf letzten Donnerstag Mittag ins Hotel des Bergues zu einem recht frugalen (Portsetzung siehe Seite 3) ^=-»-,^V -': -_r \\ ; /. Am letzton Donnerstag stellte man den Siegesbogen auf. Auf der punktierten Linie werden die Teilnehmer der Sternfahrt ankommen. (X Stello der Chronometrierung). Sie fahren nachher zum umzäunten Raum, wo die Zeit in die Fahrtabellen eingetragen wird. Im Hintergrund: die Reklametafeln, welche die Einfassung des Platzes vor dem Salon schmücken. (Photo Automobil-RevucO Auf der Strecke des Kilometer-lanc6 in Eaumorte: Hr. Ernens, der Leiter der Versuche, im Gesurach mit seinem Stellvertreter, Hr. Grolimoncl. und mit dem Fiat-Rennfahrer Coxmara. (Photo Autom.-Rev.)