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E_1928_Zeitung_Nr.017

E_1928_Zeitung_Nr.017

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BHffl. Fiel« 28. FeDlW 1928. Nummer 20 Cts, 24. Jahrgang. — N° 17 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMKNTS-PRE1SE: Erscneint tedeo Dienstag und Freitag Monatlich -Gelbe List*** Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Aasland unter Portozuschlag, »fern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III'414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue» Bern Der ,We»se Stevn •navschsert ! Für die Sicherheit der Strassenbenützer. In Lausanne hat sich dieser Tage eine « Schweizerische Liga für die Sicherheit der Strassenbenützer » konstituiert. An der Gründungsversammrjng nahmen teil: Vertreter der kantonalen Behörden des Waadtlandes, Vertreter des A G. S. und des T. G. S sowie andere Verbände, die am Verkehrswesen interessiert sind. Die Idee zur Gründung einer derartigen Liga wurde schon vor zwei Jahren in der « A.-R » unter dem Losungswort dea € Weissen Stern » lanciert. Anfänglich Die Autofalle. (Eine wahre Begebenheit.) Im Reparaturenraum der Garage stand ein dunkelrot lackierter, offener Tourenwagen. Seine Windschutzscheibe war zertrümmert, die Streben nach rückwärts gebogen. Eine Speiche des Lenkrades war abgebrochen und dieses selbst stand senkrecht. Der Wagenwäscher hatte seine Arbeit soeben beendet. Die Mechaniker umstanden müssig das Automobil, wie in Andacht versunken, als wollte keiner den Anfang machen. Der Chauffeur des Wagens trat ein, bleich und übernächtig, Spuren furchtbarer Aufregungen in den Zügen. Statt der Kappe sass auf seinem Scheitel ein Ballen weisser Watte, festgehalten von einem Kreuze rosaroten Heftpflasters. Unstet flackerten die Augen und die Hände strichen immer wieder über den Körper, als wollten sie Falten glätten. So stand Franz T., der Chauffeur, da, an eine Bohrmaschine gelehnt, und erzählte auf allgemeines Befragen endlich den Hergang des Unfalles, in Worten, die von fernher zu kommen schienen und so gleichgültig klangen, als berichteten sie Alltägliches. Und in der Werkstätte, dieser Stätte des Lärmes, ward es grabesstill. wollte man nur einen Zusammenschluss von Automobilisten herbeiführen. Heute will man aber alle Strassenbenützer, mit Einschluss der Fussgänger, zu einer Liga zusammenrufen, um der Sicherheit des Verkehrs zu dienen ... Man wird vom Standpunkte des heutigen regen und stets noch wachsenden Verkehrs aus kaum bestreiten können, dass es eine dringendste Notwendigkeit ist, wenn in dieser Sache etwas Positives geschieht. Es wird ja zwar immer Menschen geben, die alles, was nicht zu ihrem persönlichen und greitbaren Vorteil ist, mit billigem Lächeln und Achselzucken oder mit Entschiedenheit ablehnen und von sich weisen. Und vielleicht auch solche, denen jede Konzession eigenen Tuns und Strebens an die Belange der Mit- und Umweit nur lächerliche Sentimentalität, Zeitvergeudung und Minderung des eigenen Wohlbefindens bedeutet. Auch dann, wenn es sich um eine segensreiche und nützliche Massnahme handelt. Diesen desinteressierten und gleichgültigen Menschen muss wohl auch das Bestreben, die Sicherheit der Strässenbentitzer zu vergrössern, als nutzlos und abwegig erscheinen. Doch daran dürfen sich alle jene, die guten Willens sind, bessere Zustände zu schaffen, nicht stossen: wer unternehmungsfreudig und voll guten Glaubens an die Tat geht, dem winkt fast immer auch der Sieg. Bei dem rapid anwachsenden Motorfahrzeugverkehr wird es beim Befahren der Strassen und Wege zu einer immer dringenderen Notwendigkeit, dass alle Strassenbenützer die grösste Rücksicht aufeinander nehmen. Es gibt erfreulicherweise Zehntausende anständiger Fahrer, die immer die Gesetzesvorschriften loyal achten und allezeit rücksichtsvollst gegen die anderen Strassenbenützer sind. Aber es gibt leider gelegentlichauch solche Motorfahrzeugführer, die durch ihre Rücksichtslosigkeiten da und dort arge Verbitterung schaffen. Solche den Automobilismus schädigende Fahrer gilt es zu Anstand und Disziplin zu erziehen. Das englische Beispiel, nach dem sich Abertausende zu korrektem Fahren verpflichten und gegen Rücksichtslosigkeiten energisch Stellung nehmen, zeigt deutlich genug, dass richtige Selbsthilfe viel vermag. Wenn jeder Automobilist weiss, dass überall wachsame Augen auf Anstand und Disziplin sind, wenn der Kreis jener, die die Strasse benützen und sich zu grössten Rücksichten gegeneinander verpflichten, immer weiter und grösser wird, dann werden wir auch bald eine noch bessere Ordnung auf den Strassen haben und der Verkehr wird auch um vieles ein sicherer und geregelterer sein! Wenn aber Klagen über zu lauten oder gefährlichen Verkehr bekannt werden, so sind dafür zu Unrecht fast immer in allererster Linie die Automobilisten verantwortlich! Es gibt aber auch noch Motorradfahrer, es gibt auch noch Pferdefuhrwerke, es verkehrt eine grosse Zahl Radfahrer, und dann gibt es auch noch — trotz der erfreulich starken Entwicklung des automobilen Verkehrs! — Fussgänger, unter denen es viele, recht viele Vertreter gröbster Rücksichtslosigkeiten gibt. An manch einem Verkehrsunfall, der zu leichtfertig einem Automobilisten zugeschoben wird, ist oft das unvorsichtige oder rücksichtslose Benehmen eines anderen Strassenbenützers schuld. Es ist daher erfreulich und sehr zu begrüssen, wenn sich nicht nur Automobilisten, sondern auch Motorrad- und Radfahrer, sowie Lenker von Fuhrwerken und sogar Fussgänger zusammen in einer Liga vereinigen, der wichtigen und nützlichen Aufgab« dienend: der Sicherung der Strassenbenätzung. Wenn jeder auf den anderen grösstmöglichste Rücksicht nimmt und geltende Vorschriften respektiert, dann muss ja binnen kürzester Zeit die Verkehrssicherheit noch viel grösser werden, als sie heute ist. Sehr zu begrüssen wäre es deshalb", dem guten Beispiel von Lausanne auch anderwärts nachzueifern und der begrüssenswerten Idee nutzbringende Taten folgen zu lassen. Die der Idee dienende Liga allein tut es ja nicht, wichtiger ist die Verwirklichung der propagierten Ideen durch jedes einzelne Mitglied! Und recht erfreulich wäre es. wenn die Zahl dieser Mitglieder voll besten Willens in einigen Monaten ins Gigantische anwachsen würde! Es müsste für die Sicherung der Strassenbenützung von grossem Nutzen sein. « Mein Chef hatte geschäftlich in Graz zu tun. Es war eine herrliche Fahrt gewesen dorthin. Unser schwerer Wagen lag gut auf den miserablen Strassen, er ignorierte die Löcher, die sich aneinanderreihten, wie die Felder eines Schachbrettes. Und wie der Tag war, so waren wohl auch die Geschäfte gewesen, die der Herr Ingenieur gemacht hatte. Wir wären noch bei Tageslicht nach Wien gekommen, aber auf der Höhe des Semmeringpasses musste ich anhalten. Ich stellte den Wagen ein, fluchte ein wenig, dass ich wieder im Hotel schlafen musste. Diesmal hatte ich mich nicht versehen gehabt; dachte ich doch, mein Herr werde nach Hause eilen, da seine junge Frau einem freudigen Ereignis entgegensah. Es wurde später und später. Plötzlich hörte ich, dass mein Chef zum Telephon gerufen wurde. Kurz darauf hiess er mich rufen. Er war aufgeregt, hiess mich den Wagen holen und warf ein Wort hin: «... meine Frau ...» Hastig stieg er ein. Ich wollte die Decke über seine Beine breiten, er aber trieb mich zur Eile an: «So schnell wie möglich nach Hause... fahr' los, was das Zeug Gross ist die Zahl der Motorfahrzeugführer, die mit Freude und Begeisterung diesem Ziele zu dienen bereit sind. Hoffen wir, dass auch die Fussgänger da nicht zurückbleiben und durch grösstmöglichste Rücksichtnahme auf die Verkehrsvorschriften mithelfen, die Verkehrssicherheit zu fördern. Das Einhalten der Fahrvorschriften ist wichtig... ...aber auch Fussgängererziehung tut not! Man kann dem Fussgänger nicht genug einschärfen: Willst du dein Leben und willst du dich deinen Angehörigen erhalten, so beachte die Regeln des Strassenverkehrs! Gehe immer rechts, so läufst du niemanden in den. Weg! Bleib nicht unnütz stehen! Verlass' das Trottoir nur, wenn du die Strasse überschreiten musst! In verkehrsreichen Gegenden überschreite die Strasse nur an Kreuzungen! Geh stets in gerader Richtung und ohne unnötigen Aufenthalt über die Strasse! Sieh erst nach links, dann nach rechts, damit du den Verkehr immer im Auge behältst! Wartest du auf das Tramway oder den Omnibus, so stelle dich nicht auf die Strasse, sondern bleibe auf dem Trottoir. Spring nicht auf einen fahrenden Wagen! Spring im Fahren nicht ab! Schimpfe nicht bei Verkehrsstockungen! Denke nach, wie du selbst den Verkehr beschleunigen kannst. rss Hilf Kindern, Gebrechlichen und Unkundigen im Verkehr! Gib kein Strasse! Verhalte dich vielmehr so, wie du es von anderen erwartest! Aus von dieser oder jener Seite geübter Rücksichtslosigkeit heraus lässt sich manche gehässige Einstellung von Fahrer zu Fussgänger und umgekehrt erklären. Wo aber einige mit gemeinsamen Interessen sich zusammenfinden auf dem Wege der Verständigung, da ist Bestes zu erwarten : hoffen wir auf grössten Erfolg der Schweizerischen Liga für Sicherung der Strassenbenützung! INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum 43 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratehsehlnss •} Tnne vor Erscheinen der betreffenden Summer Safety-First-Brief aus Los Angeles. Von H. W. Schneider, Downay, Kalifornien. Der Riesenverkehr von Los Angeles wächst sich mehr und mehr zur Ungeheuerlichkeit aus. Mit der ans Phantastische grenzenden Motorisierung vermehrten sich die Unglücksfälle und Verkehrsstörungen aller Art, was nach Abhilfe durch gesetzliche Verkehrsregelung rief. Es galt aber nicht nur den Automobilisten, sondern auch den Fussgänger zur Vernunft zu zwingen, welcher durch sein kopfloses Ueberqueren der Strassen und Plätze sich selbst gefährdete und den reibungslosen Betrieb hemmte. Aus diesen Erfahrungen heraus sah sich Los Angeles, die südkalifornische Metropole, mit ihren 1,200,000 Einwohnern und 500,000 Automobilen, angesichts der täglich sich ereignenden Massenunglücksfälle und unheilvollen Betriebsstörungen veranlasst, strenge Verkehrsgesetze für Fussgänger und Fahrzeuge zu erlassen. Was zuerst unmöglich schien und überall Vorurteilen und Unzufriedenheit begegnete, hat sich gegen alles Erwarten sehr gut bewährt und die Unglücksfälle auf ein Minimum reduziert. Wie selbstverständlich unterzieht sich die Menge — Automobilisten wie Fussgänger — den Weisungen der Signale, welche von Automaten ausgehen, einem sinnreichen Apparat, der, wie alle, an grössern Verkehrsadern angebrachten weithin sichtbaren Verkehrssäulen von einer einzigen Zentrale aus be- wird. Je nach dem Signal «Go» schlechtes Beispiel auf derdient oder I1IDIIDD Schweizer Automobilsten! S Besucht den Genfer Salon S 16.-25. März 1S28 IIIDIIIIIIIIBIBinilBIIBD hält!... meine Frau...» Ich dachte mir, dass nun das freudige Ereignis bevorstände, und froh, doch auch noch heimzukommen, Hess ich den Wagen durch die Serpentinen der Passstrasse talwärts rollen. Die Frühsommernacht atmete nach einem Gewitterregen tausend berauschende Düfte. Als ich einmal, während der Mond zwischen zwei Wolkenrändern herunterleuchtete, nach rückwärts lugte, sah ich meinen Chef, im Fond des Wagens, in die äusserste rechte Ecke gekauert, schlafend. Sein vornüber geneigter Kopf zeichnete sich scharf ab; die Hände lagen gekreuzt auf der Decke. Das holprige Pflaster der Stadt Neunkirchen hatte ich hinter mir. Von da an dehnt sich die Strasse in gerader Linie zehn Meter breit, ohne eine Ortschaft zu berühren, siebzehn Kilometer lang. In der Mitte der Strecke steht ein Gasthaus, weit links liegt dann St.. Egyden. Mit Vollgas schoss der Wagen durch den Tannenwald, vor sich wie einen weissen Teppich das Licht der Scheinwerfer über die Strasse jagend. Der Motor sog freudig die feuchte Nachtluft ein und gab sein Bestes: über hundert Kilometer. Bald sollte meinem Gefühle nach das einsame Jägerhaus auftauchen. Da unterbricht plötzlich eine grelle Linie im Lichtkegel der Scheinwerfer das eintönige Grau der Strasse, quer zum Wagen, in der Höhe des Kühlers — fünf Meter vor uns! Instinktiv rufe ich: Obacht! und berge den Kopf auf dem Steuerrad. Mit furchtbarer Wucht wird der Wagen gebremst. Unter dem Splittern des Glases schlägt die Windschutzscheibe auf mich nieder, das Lenkrad bäumt sich, noch ein Schlag auf den Kopf, ein Schwirren in der Luft wie vor einer riesigen Bogensehne — dann ist alles still. Nur der Motor klopft in niederer Tourenzahl, als wollte er mich auf eine zweite Gefahr aufmerksam machen, auf die, die am Strassenrande auf die Opfer des Anschlages wartet. Ich gebe Gas und bald fliegt der Wagen wieder dahin, als wäre nichts geschehen. Das schiefe Steuerrad hält. «Stop» (zweimal gleichlautend), jede halbe Minute wechselnd, bewegen sich die Fahrzeuge oder die Menschenmengen, immer die gleiche Richtung einhaltend, rasch vorwärts. Für die Fussgänger sind überdies mit zwei weissen Strichen Sicherheitszonen markiert. Somit wickelt sich der Verkehr «langsam» aber «sicher», reibungslos ab. An weniger lebhaften Verkehrsplätzen, wo der Automat fehlt, gibt der Fussgänger das Zeichen, wenn er passieren will, und auch da hat der Fahrer zu stoppen, wenn er nicht Busse oder sogar Gefängnis gewärtigen will. Ueberall wacht das Auge des Gesetzes und die Polizei auf ihren Motorrädern ist unerbittlich, wo es sich um übersetzte Schnelligkeit — mit einem Wort vorschriftswidriges Fahren — handelt. Bei jeder wichtigeren Strassenkreuzung hat jedes Fahrzeug zu stoppen, damit sich der Nun ich aus dem Bereiche der Gefahr bin, überfällt mich neue Angst. Eine Stimme scheint mir zu sagen: «Dreh' dich nicht um», und es ist mir, als wenn das Grässliche hinter mir nicht abzuschütteln wäre! Wenn mein Passagier doch nur ein Wort sagte! Wenn er doch wenigstens klagen, jammern würde! «Herr Ingenieur! Herr Ingenieur!» Alles bleibt still. Ich massige den Lauf des Wagens, ich fühle mich so einsam. Da höre ich ein Geräusch hinter mir, wie das Plätschern eines kleinen Bächleins, wie das Rieseln eines Wässerchens zwischen den Kieseln. Ich drehe mich um. Da sitzt er, die Hände übers Kreuz, auf der getigerten Decke, unbeweglich. Das Grauen packt mich. Da sitzt er, in die Ecke gelehnt geköpft. Wie ich mit dieser Fracht nach Wiener- Neustadt kam, weiss ich nicht. Als die Polizei zur Stelle war, hing bereits ein anderer Wagen in der Falle, doch war es hier glimpflich ausgegangen. Die Räuber hatten nach meiner Flucht wohl auch das Weite gesucht. Mir selbst hat das Seil ein Stück Kopfhaut mitgerissen, daher der Verband. Nun bin ich hier, um einer jungen Frau, einer jungen Mutter die traurige Nachricht zu überbringen, dass ihr Kind in der Stunde der Geburt durch die Gier und Seheusslichkeit eines Menschen seinen Vater verloren habe.» Soweit die Erzählung des Chauffeurs. Die Wegelagerer, die das Drahtseil zwischen einer Telegraphenstange und einem Baume gespannt hatten, konnten von der Polizei ausfindig gemacht werden. Sie sind lebenslänglich eingekerkert. C.H.