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E_1928_Zeitung_Nr.018

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BBBBBBBBflflBBBBflBBBBHBBBB 3 Schweizer Automobilisten! S Besucht den Genfer Salon S 16.-25» März 1928 • BBBBBBBBBBBBBBBBBflBBBBII sAion inimmrmnAi ETV OU CYC L(E Das offizielle Plakat des Genfer-Salons 1028. Ein neuer Gegner des Berner Dekretes. Der Boykott der rreiburger Garagisten. Die Freiburger Garagisten haben sich, wie wir vernehmen, soeben entschieden, ihren Lieferanten im Kanton Bern den Boykott zu erklären, da sich für den Lastwagenverkehr, verursacht durch das Berner Dekret, bedeutende Schwierigkeiten ergeben haben. Die Freiburger sind gegen die Berncr in dieser Sache sehr aufgebracht. Dieses Beispiel könnte in anderen Kantonen sehr gut befolgt werden. Die Berner Regierung ist dadurch zu ihren Untergebenen in einen sehr delikaten Gegensatz getreten. Ein anderer interessanter Punkt. Ein bekannter waadtländischer Grosscatnionneur macht uns auf folgende Situationen aufmerksam: Als Begleiterscheinung der Inkraftsetzung iles Berner Dekretes sind verschiedene Verträge der Camionneure mit bernischen Firmen, sozusagen durch «Force majeure» unausführbar geworden. Um die Fahrzeuge, das Material und das Personal nicht brach liegn zu lassen, mussten sie sich auf Auswege besinnen. Sie haben solche gefunden. Was aber wird sich ereignen, wenn nun das Bundesgericht das Dekret null und nichtig erklärt?... Durch das gültige Recht würden die Verträge mit Bern wieder ihre volle Kraft erhalten. Haben sich nun die Camionneure — was sehr wahrscheinlich ist — anderswie und anderswo verpflichtet, so werden nun die Verträge mit Bern, die hinfällig waren, unausführbar sein. Die Gerichte können bei Entscheiden über diese Verträge nichts anderes tun, als den Camionneuren Recht zu geben. Der Kanton Bern hat sich dadurch Verluste eingebrockt, die sich nicht mehr so leicht gut machen lassen. fit. Die Aepfel des Nachbarn. Eine Zeitung einer grosstm ostschweizerischen Stadt (eine Zeitung, die sich als sehr sportlich ausgibt!) fand sich vorgestern vor die Notwendigkeit gestellt, ihren Lesern ein Gliche der Strecke Giubiasco-Cadenazzo als Illustration zu den Rekordversuchen von Marchand zu präsentieren. Nun, das Blatt zog sich glänzend aus der Affäre, indem es, ohne unsere Erlaubnis, unser am Vorabend erschienenes Cliche reproduzierte. Nichts fehlt, nicht einmal die «Kritze», die wir mit einer Messerspitze zur Kennzeichnung des chronometrierten Kilometers angebracht haben. Ja, nicht einmal die Kontrollnummer unserer Zeitung! —- Doch, etwas fehlt: der Name der Zeitung, welche die kleine Skizze verfertigt hat. Oder handelt es sich vielleicht um einen tiltramodernen Brauch im Journalismus, über den wir noch nicht orientiert sind ? Doch wir wollen es gleich halten: Sie, werte Kollegen, haben unseren -Namen nicht genannt. Gut, gut — wir wollen es jetzt auch nicht tun! Die Belohnung zur Ausfindigmachung de Automobilisten, welcher am letzten Sonnta; früh an der Tiefenaustrasse bei Bern einen Radfahrer überfuhr und sich dann aus dem Staube machte, ist von der Polizeklireküon der Stadt Bern auf Fr. 300.— angesetzt worden, -f mich mit der Gewalt einer eisernen Fessel. Ich empörte mich dann gegen diese Besitzergreifung von meiner Frau und meinem Selbst. Liebe, so meinte ich, hätte weicher, freigebiger sein sollen. Aber was ich sagen will, ist das, dass die Rollen heute vertauscht sind. (Fortsetzung folgt.) ' G l«€»SSitfSp»OI*tpiT«^ Die offiziellen Resultate: 1. Versuch: 13.59 Uhr, Hinweg (Giub.-Cad.). gosen den Wind (205.7 St.-Km.) 17,52" 11,07 ülir, Rückwes (Cad.-Giub.), Rück- ' fahrt (205,714 St.-Km.) 17,50" Mittel (205,787 Std-Km.) 17,51" 2. Versuch: 14.17 Uhr, Resultat ungültig (verfrühter Start). 3. Versuch: 14.42 Uhr, Hinweg (Cad.-Giub.) (205.707 Sld.-Km.) 17,51" 14.51 Üiir, Rückweg (Giub.-Cad,) (200,009 Std.-Km.) 17,39" Mittel .(1200,303 Std.-Km.) 17,45" Dci' von Beiioist am 7. März 1027 aufsoslclHo schweijsoriseho Rekord betrug 17.30". Stundenniiltcl von Marclmud: 205,800 (Rückweg 20(5,800) Stundenmiticl von Beuoist: 208,092, Eine Enttäuschung oder eine Lehre? Wir schrieben letzten Montag, dass der Rekord von Benoist aller Voraussicht nach fallen werde. Es ist nicht der Fall. Ein Beweis mehr für die «gloriose Ungewissheit des Sportes», wie sich Herr Jules Decrauzat in seiner Schlussrede äusserte. Aber jedes Phänomen hat seine Ursache. Marchand startete bei gutem und trockenem Wetter, Benoist, der Weltchampion, an dessen Rekord leichter zu glauben war, fuhr seine Zeit auf aufgeweichter Piste. Marchand hatte eine Strecke für sich, die sicher hohen Geschwindigkeiten günstiger ist als die Kilometer-Lance-Strecke von Eaux- Mortes. Das Warum haben wir übrigens in unserer Dienstagnummer dargelegt. Der erste Versuch. Jetzt erst wird, kurz vor 2 Uhr, der erste offizielle Versuch in Angriff genommen. Der Wagen durchrast den Kilometer Richtung Giubiasco-Cadenazzo anit einem Stundenmittcl von 205,7 km (17,52 Sekunden). Auf der Rückfahrt wird die Zeit um ein weniges verbessert, nämlich auf 17,50 Sekunden. Schliesslich stellt Marchands Wagen ein Wunder an mechanischer Präzision dar. Einmal auf höchster Tourenzahl, hätte der Voisinwagen das Kunststück fertiggebracht. Man vergleiche die gefahrenen Zeiten und beobachte die beinahe mathematische Gleicbmässigkeit: Bei den drei ersten Fahrten spielt die Differenz nur zwischen 2/100 Sekunden. Hier liegt wohl der Fehler, wenn von einem Fehler bei Fahrzeug und Fahrer gesprochen werden kann. Das Fahrzeug war eicht Tage vor deu Versuchen am Platze. Aber der Fahrer ist erst Sonntag abends eingetroffen. Im vollen Vertrauen auf sich selbst fragte Marchand nicht um Trainingsmöglichkeitcn. Beim Training hätte er sofort bemerken müssen, dass bei einem Lance von 2 Kilometer die Zeit zu knapp sei, um einen Motor von solcher Stärke auf die nötige Temperatur zu bringen. Bei einem Autodrom rundet man eben, bis dies erreicht ist. Auf der Piste war es unter den gegebenen Umständen ein Ding der Unmöglichkeit. Die richtige Temperatur wurde erst am Ende der Versuche erreicht. Das ist schon daraus ersichtlich, dass die letzte Fahrt die weitaus schnellste ist. Aber es war schon zu SDÜt! Der Voisiuwagcn ist ein Achtzylinder, der 3000 Touren leisten kann und dessen Getrieberad mit den Rädern in einem Uebersetzuugsverhältnis von 19 zu 23 steht. Daher leisten die Räder fast ebensoviel Touren wie der Motor. 1000 Touren ergeben eine Strecke von 97 km in der Stunde. Da der Motor 3000 Touren macht, so ist theoretisch mit einer Leistung von 291 km zu rechnen. Derselbe leistete am Dienstag 206, im schnellsten Moment 203 k«i. Die tatsächliche Leistung steht daher mit der Rechnung nicht in Einklang, ist doch das Fahren auf einer Strasse und im Autodrom sehr unterschiedlich. Der Konstrukteur der Voisiuwerke, Ingenieur Lefcbrc, sagte dann auch nachher zu den Leitern der Rekordtahrt: «Mau lernt AUTOMOBIL-REVUE 19*8 — N»18 •m Der Angriff auf den schweizerischen Rekord. nie aus!» Die Lehren, die durch diese Rekordfahrt geboten werden, sind nicht verloren. Wir werden den Voisinwagen sicherlich wieder in der Schweiz starten sehen, dann aber... mit den letzten Finessen der technischen Schöpfer ausgestattet! Weiter berichtet unser Sonderberichterstatter: Die Installation der Zeitmessung. Montag morsen unterzog Herr Brieger, steht Herr Picrrclmmbert, das Ganze der der offizielle Chronomctreur des A. C. S., umsichtigen Leitung von Herrn Jules Decrauzat. welcher am Sonntag abend in Bellinzoua eingetroffen war, die elektrischen Installationen. Dieser Prüfung wohnte Marchand persönlich bei. Der französische Meisterfahrer Start! Der französische Meisterfnhrer Marchnnd. konnte nicht umhin, seiner Bewunderung über die präzise Art und Weise der Montage und der Kontrolle Ausdruck zu verleihen. Sämtliche Kontakte wurden einzeln mit dem Ohmmeter geprüft. Dies gab dem Fahrer volles Vertrauen zu den aufgezeichneten Resultaten. Weder er, noch die Vertreter der Voisin-Werke kamen auch nur auf den Gedanken, die mathematische Genauigkeit der Resultate zu bezweifein, obwohl es ja nur um minime Bruchteile von Sekunden ging. 15 Hundertstelssckunden! Herr Boyer, der am Montag eintraf, nahm an diesen Prüfungen ebenfalls tciL Die Piste war dank der Anstrengungen von Herrn Salvioni, Komitee-Mitglied, der Sektion Tessin des A. C. S. und dank dem sportlichen Entgegenkommen der Tessiner Regierung in tadellosem Zustande. Die Ankunft der Offiziellen. Montag abend wurden in Lugano die Herren Töndury und Darlet von der nationalen Sportkommission, welche im Lloyd-Hotel abgestiegen waren, empfangen; kurz darauf, um 8,21 Uhr, Herr Jules Decrauzat, der Präsident der nationalen Sportkommission des A. C. S. Der „Voisin-Wagen" in voller Fahrt. Tessin Auf der Piste. Dienstag morgen vereinigte man sich in Bellinzona, wo sich auch Herr Pierrehumbert bei den Offiziellen eingefunden hatte. Die •"1 Sektion Tessin des T, C. S. rückte mit einem «starken Kontingent auf. Die Regierung hatte nicht weniger als drei Mitglieder delegiert: Die Herren Canevascmi, Martignoni und Mazza. Auch die Gemeinden Lugano, Bellinzona, Giubiasco und Cadenazzo waren vertreten. Der Polizeidienst unterstand Hauptmann Ferrari und Herrn Bernasconi. Zahl reiche Repräsentanten der Tessiner und Sportpresse. Für die Firma Voisin waren ausscr Herrn Maurer, dem Generalagenten, der Konstrukteur, Herr Ingenieur Lefebrc, und einige Mechaniker erschienen. Mehr als 1500 Personen haben sich eingefunden und längs der Strecke aufgestellt. Der Champion der Voisin-Werke macht sich hastig startbereit, während dio Offiziellen, die Vertreter der Sektion Tessin, die Herren Dagotto, Salvioni, Greco, Chef der Strassenkommissäre, und die Herren Mord, die bekannten Garagisten, bei den letzten Vorbereitungen Hand anlegen. Die Chronometrierung steht unter Leitung der Herren Brieger und Peycr, die an den beiden Endpunkten der Strecke Aufstellung genommen haben. Herr Töijdury befindet sich am Start, Herr Tarlet bei der Ankunft. Die Bewachung der Strecke unter- Vor den eigentlichen Versuchen unternimmt Marchaud drei nicht offizielle Fahrten zur Kontrolle seiner Maschine und erforderlichen Erhitzung des Motors. Bei der ersten Durchfahrt erreicht er 19,82 Sekunden; bei der zweiten 18,25 und bei der dritten 18,10 Sekunden. Dies nimmt einen guten Teil der ersten Stunde in Anspruch. Der zweite Versuch. Auch dem zweiten Versuch winkt kein Erfolg. Der Start ist, wie wir berichteten, verfrüht und auf der Rückfahrt ergeben sich einige Schwierigkeiten mit den Kerzen. Marchand äussert sich, auch mit der Kupplung unzufrieden zu sein, welche während dem Bahntransport von Paris nach dem Tessin einige Havarien erlitten hatte. Obwohl er den Motor nach Kräften poussiert, wird eine hohe Tourenzahl erst gegen Ende des Kilometers erreicht. Seine Maschine, die, um es noch einmal zu wiederholen, eben mehr für Bahnrennen gebaut ist, kann auf der verhältnismässig kurzen Strassenstrecke (1300 und 1400 Meter für Hin- und Rückfahrt) die volle Tourenzahl nicht erreichen. Das ergibt sich schon daraus, dass der Wagen mit 180 km in den Kilometer einfährt und ihn mit 225 km und mehr Geschwindigkeit verlässt. Der dritte Versuch nimmt den besten Verlauf. Die Geschwindigkeit für die Hinfahrt beträgt 17,45 Sekunden (205,707 km). Seine beste Zeit erzielt Marchand auf der Rückfahrt mit 206,88 km Stundengeschwindigkeit. Der Rekord von Benoist ist bis auf 15 Hundertstelsse'kunden erreicht! Das Tempo des Voisinwagens macht bei dieser letzten Fahrt einen gewaltigen liindruok. Der Empfang in BeHinzona. Knapp vor 3 Uhr waren die Versuche beendet. Die Automobile, Motorräder und Fussgänger strömten auf die Strasse. Marchand, seine Kollegen von den Voisinwerken, die Offiziellen, die Presse etc. vereinigten sich im Hotel «Moderne » in Bellinzona, wo die Sektion Tessin durch Herrn Salvioni dem Rennfahrer eine silberne Erinnerungsplakette überreichte, Namens der Tessiner Regierung anerbot ihm Herr Regierungsrat Martignoni eine goldene Medaille und Herr Jules Decrauzat übergab dem mutigen Piloten namens des Zentralkomitees des A. C. S. einen grossen Becher. Marchand, der von diesen Ehrenbezeugungen sowie den Hochrufen der Bevölkerung auf seiner Durchfahrt sehr gerührt war, dankte mit einigen herzlichen Worten. ein Bankett in Lugano. Auf Einladung der Tessiner-Automobilisten begab sich Marchand mit einem kleinen Fiatwagen von Herrn Eggerschwilcr nach Lugano, da der Voisinwagen die Bewältigung solcher Steigungen wie am Ceneri nicht zulässt. Die Gesellschaft fand sich zu einem Mittagessen mit Empfang zusammen, das durch die Sektion Tessin bei Biaggi organisiert war und an welchem die Regierung und die Gemeindebehörden vertreten waren. Ebenso waren anwesend die Rennfahrer, die Organisatoren und die Mitglieder der tesshiischen Sektion. Herr Jules Decrauzat, Präsident der Sportkommission, erklärte den Tag als Sportanlass so schön, als wenn der Rekord dreimal geschagen worden wäre. Er wünscht der Sektion, Ginbiasco-Cadeuazzo möge unser helvetisches «Daytona-Beach» werden. Herr Regierungsrat Canevascini, Direktor des Baudepartemeuts, gab die Versicherung ab, dass die Route noch verbessert würde. Trotzdem gestand Herr M. Maurer, Agent der Voisin in der Schweiz, dass, «wenn der Rekord nicht geschlagen wurde, es der eigene Fehler sei, da Marchand zu viel Vertrauen besessen habe. Aber Sie können sicher sein, fügteer unserem Korrespondent bei. dass wir den schweizerischen Rekord nächstens aufstellen werden und dass er für lange Zeit wird aufrechterhalten werden können, v. k.

N°18 — AUTOMOBIL-REVUE Die »ff^m^ Eiu besonders -typischer Fall von der Zuverlässigkeit des Barricrensystems wird uns von einem Automobilisten gemeldet, der nur •durch höhere Schicksalsfügung davor behütet wurde, unter den Rädern des Zuges, zermalmt zu werden. Die Tagespresse meldete über den Aufsehen erregenden fall kein Wort. Uns ist er nur eine erneute Bestätigung, dass die Barrieren Menschenfallen sind, denen der Stras- .senbenützer beim kleinsten Versagen des komplizierten Apparates auf Leben und Tod ausgeliefert ist. Die nachstehende Schilderung sei eine erneute Aufmunterung, den Kampf gegen die Todesübergänge mit aller Entschiedenheit weiter zu führen. Wir kennen nur ein Ziel: Weg mit den Niveauübcrgängen! Am Sonntag den 19. Februar, vormittags halb 11 Ulu-, beabsichtigte ein Automobilist, Herr O. W. aus Sursee, in Begleitung eines jungen Fräuleins von Freiburg über Posieux nach Bulle zu fahren. Etwa eineinhalb Kilometer nach der Station Freiburg und schätzungsweise 500 Meter vor der bekannten Steinbrücke über die in die Saane (Sarine) iliessende Qlane, kreuzt die Staatsstrasse Freiburg-Bulle den Schienenstrang der S.B.B. Es handelt sich um den stark frequentierten und bewachten Niveauiibergang « Passage de la Glanc». Der Blick auf die Geleise ist an der betreffenden Stelle durch eine Partie Häuser verdeckt, zudem liegt der Uebergang in einer Kurve der Bahn. N1VCAU -U8DUSAM» "A NIVEAU Die Barriere stand offen. Nichts ahnend überquerte der Fahrer die Geleise, als im gleichen Augenblick der Schnellzug Nr. 8 Bern-Lausanne, welcher Freiburg um 10.38 Uhr fahrplanmässig verliess, vorbeidonnerte. Der Abstand zwischen der Lokomotive und der Rückwand des Automobils konnte höchstens 50 cm betragen! Hätte der Wagen, dessen Insassen den herannahenden Zug infolge des regen Verkehrs nicht bemerken konnten, die Geleise nur um einen winzigen Bruchteil einer Sekunde später überquert, wäre das Automobil unter den Rädern des licransausenden Kolosses zermalmt worden. Das Schicksal der beiden Insassen wäre damit besiegelt gewesen. Der Automobilist sicherte sich nach dem aufregenden Zwischenfall unter den zahlreichen Passanten zwei vollwertige Zeugen, welche den furchtbaren Vorgang genau verfolgt liatten. Erst nachher wurde die Barrtercmvärterin entdeckt, welche auf das kleine Wachthäusehen zueilte. Als sie der Automobilist zur Rede stellte, weshalb sie die Barriere offen gelassen habe, entgegnete sie (die Antwort ist bezeichnend!): «Ich habe ja das Abfahrtssignal aus Freiburg noch gar nicht erhalten! » Der Automobilist begab sich darauf unverzüglich nach Freiburg zurück, wo er im Bahnhof einen schriftlichen Protest einreichte. Darob allgemeine Bestürzung bei den Bahnbeamten. Es fehlte natürlich nicht an deu bekannten Sprüchen: «Die Wärterin hätte eben einige Minuten vor der Durchfahrt des falirplanmässigen Zuges auf ihrem Posten sein sollen» etc. Was Meyriez und Gonelles gelehrt haben, bestätigte sich erneut: Die ganze Schuld wurde auf die Wärterin abgewälzt, vom System kein Wort! Der Automobilist Hess nicht locker und verilangtc eine strenge Untersuchung des Vorfalles. Das Ergebnis war folgendes Schreiben der Betriebsabteilung des Kreises I der S. B. B.: Herrn 0. W., Sursee. Unterm 19. ds. machen Sie uas die Mitteilung, dasa dio Barrieren beim Niveauübcrsanc «Passage la Gläne» der Strecke Lausanne—Bern bei Durchfahrt des Schnellzuges NT. 8 offen stunden und dass Sio mit Ihrem Personenauto beinahe durch den genannten Zug zermahnt wurden. Wir haben sofort eine Untersuchung eingeleitet Das Resultat derselben bestätigt Ihre Angaben vollauf. Dio Nachlässigkeit fällt der diensthabenden Barriercmvärlcrin, wlecho die Barrieren im kritischen Moment nicht bedient hatte, zur Last und die dafür ^stroago bestraft wurde. Das Vorkommnis, das für Sio verhängnisvolle Folgen hätto zeitigen können, bitten wir Sio entschuldigen zu wollen. Es zeigt dies aber auch, v?io wichtig es für dio Automobilisten ist, der Durchquerunpr von Niveauiibergängen jowoilcn alle Aufmerksamkeit zu widmen, da es eben nicht ausgeschlossen ist. dass Bappiere Ein Automobil entrinnt mit knapper Not dem Schnellzug Bern-Lausanne, sonst bediente Uebergänge aus irgendeiner Ursache doch offen gelassen werden können. Hochachtungsvoll Der Vorstand der Betriebsabteilung: sig. A. Cornole. Lausanne, den 24. Februar 1928. Damit scheint also der Vorfall für die S. B. B. erledigt. Die nachlässige Barriercnwärtcrin hat eine gesalzene Strafe erhalten (in welcher Form ist unbekannt) — das Vergehen ist also gesühnt. Unsere Bundesbahnen sind auch so höflich, sich für das Vorkommnis zu entschuldigen! Das ist wirklich alles, was man verlangen kann, nicht wahr? Ja, selbst eine Dosis Moral wird dem überaus korrekten Schreiben beigemengt — ein väterlicher Rat, wie man sich bei « sonst bedienten Uebergängen, die aus irgend einer Ursache doch offen gelassen werden können », zu verhalten habe!! Endlich einmal ein ehrliches Zugeständnis! Es muss doch herrlich um die Sicherheit der Niveauübergänge, um die Zuverlässigkeit der Bedienung bestellt sein, dass dies von den Bahnen so unumwunden und selbstsicher zugegeben werden kann. Dies alles in einem wie gesagt korrekten Schreiben an einen Automobilisten, der nur durch Schicksalsfügung — oder sollen wir es Zufall nennen — dem sichern Tode entgangen ist. Man wird seinen gemischten Gefühlen Rechnung tragen können. Wahrlich, die S. B. B. machen es uns leicht. Fester denn je setzen wir uns für unsere Devise ein : Weg mit den Niveau- Übergängen! Vit. Delegiertenversammlung des S. C. C. Sonntag, den 18. März, morgens 10 Uhr, im Hotel Bahnhof in Burgdorf, findet die Delegierienversammlung des Schweizerischen Chauffeur-Clubs statt. Sie hat die nachfolgende Tagesordnung zu erledigen: 1. Begrüssung durch den Centralvorstand; 2. Verlesen des Protokolls der Delegiertenversammlung vom 25. September 1927; 3. Wahl der Stimmenzählor; 4. Storbeund Hilfskasse; 5. Clubabzeichen; C. Referat des Centralkassiers über dio Centralverbandsbciträge; 7. Besprechung verschiedener Tagesfragen: a) Antrag Luzern, b) Ev. Gegenantrag Zürich, c) Entschädigungen an den leitenden Ausschuss, Rodaktor und Centralsckretär, d) Mitgliederbeitrüge des Centralvorstandes; 8. Verschiedenes. Dio Verhandlungen erleiden von 12—14 Uhr einen Unterbruch zur Einnahme des Mittagessens. Der sicherste wagen hat das Recht, der schnellste zu sein. ü j&utiofahvc» Bereits vor Jahresfrist hat die Stadt Konstanz die Schaffung einer Autofähr-Verbindung von Konstanz nach Meersburg beschlossen, von welcher in diesem Blatte bereits die Rede war. Leider aber lehnte die deutsche Reichsbahn eine Mitbenützung des toren bestellt, ebenso wurde mit der Hafenbaute in Staad begonnen. Die Schaffung einer Hafenanlage in Meersburg stiess aber auf grosse Schwierigkeiten und auch die Auslagen waren höher, als vorgesehen worden war. Die Autofähre im Kostenbetrage von 140 000 Mark kann nächstens abgeliefert werden, während die Arbeitsverzwungen, die geplante Seeverbindung von Staad (zwischen Konstanz und der Insel Mainau) ins Auge zu fassen. Die Kosten wurden damals auf 300 000 Franken veranschlagt. Ohne die Finanzierung dieser Unternehmung abzuwarten, wurde die Fähre mit Dieselmo- Die Landungsstelle Meersburg. Die Modelle 1928 sind eingetroffen. Diese Wagen sind noch schneller, schöner und bedeutend luxuriöser als die bisherigen. Stutz-Occasionen befinden sich keine im Handel, denn noch kein Stutz-Besitzer hätte Veranlassung gehabt, seinen Wagen zu ueräussern. Jeder Stutz-Besitzer ist eine Referenz. Zahlreiche Referenzen stehen zu Ihrer Verfügung, namentlich aus Industrie-, Bank- und Handelsreisen. Die Kurbelwelle des Stutz-Motors ist neunmal gelagert; eine Chassis-Zentralschmierung erleichtert den Unterhalt und eine hydraulische Innenbacken-Vierradbremse beherrscht den Wagen bei ieder Geschwindigkeit. Das Fährschiff: oben Quersicht: unten: Grundriss. Die Namen seiner Besitzer beweisen seinen Weltruf. •••••*»,-. Koi»tf«9(razi | il?le4&**l»ui*3& Hafens von Konstanz durch diese Fähreunternehmung kategorisch ab. So war man ge- gebung für den Hafen: von Meersburg Hoch nicht einmal erfolgt ist. Nach neuesten Meldungen sollen sich die Kosten für dieses Unternehmen sogar auf ca. 600 000 Mark belaufen. Ganz unverständlicherweise hält die Geldbeschaffung für diese wichtige und sicher auch gut rentierende « Verkehrsstrasse » sehr schwer, und vom Stadtrat von Konstanz wurde kürzlich bekannt gegeben, dass mit dem Baubeginn der Landungsstelle Meersburg erst im Spätherbst dieses Jahres gerechnet werden könne. («51A) Die LandungssteJJo Staad. Das Schuf wurde auf der Werft in Kessbronn (bei Lindau) gebaut und ist zum Einbau der Motoren fertiggestellt. Herr Bürgermeister Arnold hat sowohl in Zürich als auch in der Sektion Thurgau des A. C. S. über diese Verkehrsverbindung sehr instruktive Vorträge gehalten. Es ist möglich, dass die Stadt Konstanz trotz der Verzögerung auf der Meersburgerseite es mit einem Provisorium versuchen wird... | Stuttgart Dio Uebersichtekarte, aus welcher wir ersehen können] wie verkehrswichtig diese Kraf twagenfähro ist. Mit grossem Interesse waTtet man in Automobilistenkreisen auf diese neue und wichtige «Verkehrsstrasse», die diesen Namen wirklich verdient. Aus den drei hier abgebildeten Plänen ersieht man, wie Konstanz und damit auch Kreuzungen wichtige Eingangsund auch Ausgangstore werden. Ebenso erhält man durch diese Verbindung einen neuen, direkten Weg nach Oesterreich. Es ist schon zu hoffen, dass vor demi Herbst Mittel und Wege gefunden werden, um den Verkehr mit dieser wichtigen Fähre zu eröffnen. R.