Aufrufe
vor 6 Monaten

E_1928_Zeitung_Nr.026

E_1928_Zeitung_Nr.026

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, MiltWOCll, 21. MBrz 1928. Sechste Satom-Nummer Nummer 20 Cts. 2t. Jahrgang. — N° 26 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jedes Dienstag and Freltaf Monatlich „Gelbe Lbta« Harbjihrlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, wifern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Ben? In- vmd Ausland 30 Rappen. Postcheek-Rechming 111/414 Telephon Bollwerk S9.&1 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern T£t£je Eindrücke und Schlüsse. Der Genfer Automobil-Salon übt seit dem ersten Eröffnungstag ununterbrochen gewaltige Anziehungskraft aus. Menschenströme fliessen nach Genf. Tausende und aber Tausende Augenpaare bewundern täglich das ihnen in Genf an Wundern der Technik, an Schönheit, Kraft und Eleganz Dargebotene. Der Genfer Salon, man darf dies heute schon betonen, ist zum internationalen Rendez-vous geworden. Genf ist nicht nur mehr die Stadt Calvins, die Stadt des Völkerbundes, sie ist die Stadt des Automobils geworden, sie hat sich des technischen Mittels angenommen, mit dem die hohen Geistesgedanken, die seit Jahrhunderten in der Rhonestadt ihre Wiege haben, mit Schnelligkeit und Sicherheit über die ganze Welt ausgebreitet werden. Wir gönnen der sympathischen Stadt des Völkerbundes, der Stadt guten Schweizergeistes und feuriger Patrioten, ihren wachsenden Erfolg. Der internationale Automobilhandel hat sich nicht mit Unrecht diese Stadt als Zentrum gewählt. Dank initiativfreudiger, entschlossener Männer, in deren guten Händen die Organisation des ganzen Ausstellungswesens liegt. Schon sind die Räume zu eng geworden, schon taucht das Projekt einer zweiten Halle auf. Eine Frage wiederum von weittragendster' Bedeutung. Wir sind dessen sicher, dass sie in ebenso geschickter und kluger Weise gelöst werden wird, wie alle vorhergehenden. Heute klopft ein neuer Mann an die Türe und begehrt Ein- !ass. Der Bauer möchte mit im Ringe stehen. Er kann sich vor den Errungenschaften der Technik nicht verschliessen. Die mangelnden Arbeitskräfte, die intensivere Bebaung des Bodens verlangen den Motor. Darum der Wunsch des Ständeratspräsidenten Savoy in seiner markanten Rede, auch den Motoren für landwirtschaftliche Zwecke Raum zu gewähren. Und da steigt vor unserm Auge eine neue Mission des Autos auf: Das Wiedereinandernäherbringen der verschiedenen Erwerbsschichten zum gemeinsamen Aufbau und zur gemeinsamen Arbeit. Und die Ausstellung selber? Glänzend in ihrer Art, mustergültig in der Ausstattung, eine grossangelegte Augenweide. Alles von Geschmack und feinem Kunstsinn zeugend, von der geschickten Aufteilung der Grundflächen angefangen bis zum letzten Kokosmattenbelag. Die Stände mit ihren Klubsfauteuils und Orientteppichen, mit ihren Tele- Dhons und Schreibmaschinen, überbieten sich an praktischem Kunstsinn. Derart repräsentieren sich die 800 Wagen in einem Werte von rund sieben Millionen Franken. Welch ein glänzendes Zeugnis für des Groxi±eaf unsere technische Wissenschaft, für die Ingenieure, die Techniker, die Tausende von Arbeitern. Diese Ausstellungsprodukte müssen auch den Laien fesseln, ihn förmlich mit ihrer modernen Linienführung, mit ihrem Komfort, mit ihrem Ausdruck völliger Sicherheit in ihren Bami zwingen. Man sieht es diesen Wagen allen an, dass geistige und manuelle Zusammenarbeit Triumphe des Fortschrittes in bezug auf Sicherheit, auf Vereinheitlichung, gefeiert haben. Die hauptsächlichsten Merkmale dieses Fortschrittes sind wohl die Vierradbremsen, die Tieferlegung des Schwerpunktes, der ruhigeBe Lauf des Motors, die vermehrte Verwendung des Sechszylindermotors. Der geschlossene Wagen hat sich auf der ganzen Linie durchgesetzt, mit ihm hat sich die Bequemlichkeit gehoben, die Führung hat sich vereinfacht, eine Verbeugung vor der Frau am Volant! Steht man vor den Ständen der schweizerischen Industrie, so überkommt einem alter Schweizerstolz. Also doch, auch auf diesem Gebiete ist unsere Industrie nicht müssig geblieben. Sie schafft sich mit zähem Willen zur Spitzenindustrie empor. Heute schon steht sie mit ihren Produkten achtunggebietend da. Sie hat es ja nicht leicht in ihrer Arbeit. Prohibitivzölle des Auslandes, ungünstige Valutaverhältnisse, Rohstoffpreise, hohe Arbeitslöhne erschweren ihr die Konkurrenz. /Mit Recht wirft sie sich-deshalb auf Qualitätsprodukte. Möge es ihr golingen, durch weitere Anpassung an unsere Landesbedürfnisse und durch wohlwollendes Verständnis von Seite unserer Behörden, den Weg zur Höhe weiter zu beschreiten. Noch sind wir am Endpunkt der Entwicklung nicht angelangt. Die Zukunft liegt klar vor uns. Das Auto wird je länger je mehr zum Gebrauchswagen für einen überwiegenden Teil unseres Volkes. Es werden noch bessere und billigere Wagen kommen. Der zuverlässige, bequeme und doch preiswerte Gebrauchswagen wird binnen kurzern seinen Einzug halten. Der Genfer Automobilsalon wird das Seinige dazu beitragen. Ackerbau, Industrie und Transportwesen bilden den Zusammenhalt der Welt. Auf ihnen ruht unser Gemeinschaftsleben. Im Transportwesen wird sich das Automobil zum dominierenden Faktor heraufarbeiten und damit der Wirtschaft und dem Gemeinschaftsleben der Menschen zum Segen ge-. reichen. Die sportlichen Veranstaltungen. Wir haben in der Auto-Revue eingehend über die stattgefundenen Rennen berichtet, haben von der vorzüglichen Organisation, vom glänzenden Verlauf, von der unübersehbaren Menge der Zuschauer gesprochen. Von den flitzenden «Teufelchen», den surrenden und grollenden Motoren, von der Chronometrierung, die sich ausgezeichnet bewährte, vom Zeittafeldienst, von den 31 Startern, dem Siege unserer nationalen Marke Martini, vom lachenden Genfer Himmel und blitzblank geputztem Sonntagmorgen, von der erwartungsvollen und sportbegeisterten Menge, von dem allem wollen wir heute kein Wort mehr verlieren. Der Kilometer-Lance wird nach dem diesjährigen Erfolg auf die verschiedenen « Winterveranstaltungen > hin, gewiss zum bleibenden Bestandteil des Jahresprogramms der rührigen Sektion Genf des A. C. S. bleiben. Er wird als ein Bestandteil des Automobil- Salons immer wieder Tausende nach den Eaux-Mortes zu locken vermögen und in keinem internationalen Kalender mehr fehlen. Und die Sternfahrt! Bedeutete nicht auch sie einen unbestrittenen, bedeutenden Erfolg? Ganz gewiss. Die Zahl der Starter, der Verlauf, die bis ins letzte Detail durchdachte Organisation haben dies auf eklatante Weise bewiesen. Möge der Salon mit London und Paris wetteifern, die Sternfahrt wetteifert mit dem Rallye von Monaco und steht ihm nicht mehr.weit hintennach. Gemach, übers Jahr vielleicht hat sie sich bereits zur internatio- Öäten'«-Konkutrenz emporgeschwungen* -_diö ihre Fahrten von den grossen europäischen Städten aus beginnen wird. Die Organisatoren von Genf schrecken vor keinem Hindernis, vor keiner Arbeit zurück. Man muss sie kennen und sie in ihrer Arbeit verfolgt haben — und man wundert sich sozusagen über nichts mehr. Aber — wir kennen sie alle, diese Aber. Wir wissen, wie vielfach die sportliche Seite des Automobilismus falsch gewertet wird, wie man von Parforce-Leistungen und tollkühner Akrobatik spricht. Aber auch hier gemach. Was Ingenieure ausgesonnen, tatkräftige Industrielle verwirklicht, musb auf der Piste erprobt, Material und Mechanik müssen durch Spitzenleistungen geprüft werden. Nur so kann das Serienprodukt verbessert, können Sicherheit und grossere Wirtschaftlichkeit erzielt werden. Im Sport treten die Firmen einander messend gegenüber, hier erhalten sie stets erneute Anregung, liier wird das Mangelhafte zugunsten des Bessern ausgeschaltet. So kommen diese Spitzenleistungen dem ganzen Autoniobilwesen, der ganzen Volkswirtschaft zugute. Sternfahrt, Kilometer rennen und Bergrennen, sie sind die autosportlichen Veranstaltungen, die wir nicht mehr missen können. INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltens 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grossere Inserate nach Seitentarif. lnseratenseidass 4 Tage vor Erscheinen der betreuenden Nummer Salo Derweilen stauen sich auch diese Woche die Automobile in den Strassen und Plätzen. Letzten Sonntag haben nicht weniger als 20,000 Personen den Salon besucht. Die Kassen konnten eine Einnahme von Fr. 13,500 registrieren, wahrlich Rekordzahlen! Die Hotels waren ausverkauft, kein Zimmerchen, das nicht besetzt gewesen wäre. Bis Nyon und Lausanne erstreckte sich der Unterkunftsrayon. Verschiedene ankommende und abfahrende Züge mussten doppelt geführt werden. Der Salon lockt, Frau Sonne lockt, der süssblaue Leman lockt — wer hätte da widerstehen können... In den ersten drei Tagen haben im ganzen 43,500 Personen dem Salon ihren Besuch abgestattet. Somit 13,500 mehr als letztes Jahr. Beim Schalter der S. B. B. sind 4535 TJirkarten abgestempelt und für Fr. 1900 Zuschlagsbillets verkauft worden. In der Taverne hat Herr M. Rolfo am Sonntag mit 1147 Frühstücken und 482 Mittagessen ebenfalls einen Rekord geschlagen. K. Die Benzinzolldebatte im Nationalrat. Montagabend „den 19. März findet die Diskussion über dio «Burgunderbeute» ihre Eojrtsetzptis. Dje^ Beratungjwird bei Artikel =3» Absatz 2 wieder aufgenommen und durch die Referate von Joss und Grobet eingeleitet. Der Antrag einer Kommissionsminderheit, dass analog der Auffassung des Ständerates ; für die Herstellung moderner, staubfreier Fahrbahnen bei der Berechnung der Ausgaben iür Automobilstrassen ein doppelter Betrag zur Anrechnung kommen soll, wird vom Rate abgelehnt. Es beliebt demnach die Fassung der Kommissionsmehrheit die bestimmt, dass «die auf Motorfahrzeugen erhobenen Spezialsteuern von den Gesamtaufwendungen in Abzug gebracht werden ». Dazu kommt folgende unbestrittene Bestimmung • «Ausgaben für die Herstellung moderner Fahrbahnen, den Unterhalt und die Verbessertmsen auf den wichtigsten Alpenpässen zwischen den höchslgoiogenen Ortschaften beitiseits der Passhöhe, sowie Aufwendungen für die Uoseitigung oder für die Sicherung von Kreuzungen von Bahn und Strassa kämmen hierbei in doppeltem Botrase zur Verrechnung. Sppzicll zu berücksichtigen sind Kantone mit verhältuismässüj starker Belastung aus dein Durchgangs verkehi', Kantono mit vcrhällnisinässig geringen Motorfahrzcugeinnaluncn und finanziell schwächere Kantone.» Dazu stellte die Kommissionsuiehrlieit folgenden Znsatzantrag : «Vom Benzinzollbetroffnis des Bundes werden ausser dem den Kantonen zufallenden Anteil weitere 150 000 Fr ausgeschieden und zur Verfügung des Bundesrates gestellt, um damit Unbilligkeiten, dio sich aus diesem Vcrtoilungsmodus ergeben, Das wefsse Auto Ein Zeitbild aus dem heutigen Chicago, von Felix VitalL (2. Fortsetzung.) V. Gestern abend ist Earl Farrington eingetroffen. Jim, sein schwarzer Diener, trug das Gepäck. «Wohnen weit — verdammt weit draussen — alter Massa,» stiess der Riese zwischen seinen gepolsterten Lippen hervor, als die Fahrt nach Michigan kein Ende nehmen wollte. Ein sonderbarer Empfang l Earl traute seinen Ohren kaum. Sein Onkel habe sich mit der Yacht « Good Luck » der Whiteman- Reederei auf eine Forschungsreise begeben! Unmöglich! — Ohne auf den eifrig schwatzenden, ölhaarigen Diener zu achten, suchte er sich sein Zimmer aus. Jim folgte seinem Herrn mit einem vielsagenden Blick. Die Reise lag den beiden in den Knochen, und so säumten sie nicht lange, sich in ihre Pijamas zu werfen. — « Dreh' das Licht ab — Jim, * gähnte der junge Farrington und schob sich ein Kissen in den Nacken. « Du schläfst auf der Chaiselongue. — Zum Teufel, was machst du denn noch? » Der Nigger neigte sich über seinen Herrn. «Nichts, Massa. Kleinigkeit. Jim nur winzigen Knüppel neben Chaiselongue legen.» Dabei schnalzte er mit der Zunge und wog einen zweieinhalb Fuss langen Gummischlauch zwischen zwei Fingern. «Besser sein besser. Bedienter mit abgedrehten Ohren und schneller Zunge Jim nicht gefallen. Jim sehen, wie der Kerl dem Koch Zeichen geben! » Earl Farrington antwortete mit einem langen Gähnen. « Ein verdammtes Nest, dieses Amerika. Wenn der Neffe aus London herüberkommt, rudert der Herr Onkel seinen Schmetterlingen nach. Hol' mich, dieser oder jener! — Jetzt lösch* mal das Licht. Hallo! Wird's noch! » Amerikanisches Dunkel senkte sich auf die •beiden Reisemüden. Wie Earl am nächsten Morgen erwacht, steht der Schatten des Fensterkreuzes schon schräg au der taghellen Wand. Gelenkfaul torkelt er aus dem Bett, schlürft ans offene Fenster und steckt die Nase hinaus. Eine blasse Sonne badet sich auf dem schmutzigen Asphalt der schnurgeraden Strasse. Autos jagen vorbei, hupen misstönig. Ein Arbeiter stochert in einem verstopften Kanalisationsschacht. An der zerbrochenen Scheibe der gegenüberliegenden Fabrik hockt einer an einer Bohrmaschine, zappelt wie ein aufgezogenes Uhrwerk. Auf und ab. Mit stupider kraftloser Kopfhaltung. An der Fassade desselben Gebäudes hängen die Fetzen eines kitschigen Plakates: Rugby-Match. Icc- Cream. «Trud», die neuesten Damenstrümpfe, genannt nach Trud Eberle, die den Kanal bezwang. Darüber Rauch, Gestank — Oede — eine nervöse Hast: Amerika! Earl versetzt dem laut schnarchenden Jim einen forschen Box vor den Magen. «Sieh' mal nach, ob mein spleeniger Onkel noch nicht zurück ist. Und dann sorg' vor allem für ein nahrhaftes Breakfast. Damn it! Ich bin noch ganz schwach von der Reise. > Jim schiebt den «winzigen» Knüppel in den weiten Aermel seines Pjiamas und macht sicli an die Ausführung der erhaltenen Befehle. Während er, sorglos pfeifend, durch die vielen Gemächer der Villa schreitet, spiegeln sich einige interessante Beobachtungen in seinem Hirn: 1. sind in dem kleinen, an ihr Schlafgemaeh angrenzenden Salon auf einem sonderbarerweise hart an die Wand gerückten Clubsessel die Abdrücke zweier Schuhe zu finden. Eine rasche Untersuchung überzeugt ihn davon, dass hinter einem mitteigrossen Bild an der Wand ein nussgrosses Loch ist. Durch das Loch kann man bequem das Schlafzimmer seines Herrn überblicken; 2. trifft er unter der Haustüre einen Ausläufer, der einen Korb Blumen und eine mächtige Schachtel Delikatessen abliefert Letztere requiriert er für das Frühstück. Sonderbar bleibt nur, dass die ganze Sendung an den abwesenden Professor adressiert ist; 3. stellt er fest, dass der ölhaarige Diener von gestern abend die seltsame Gewohnheit hat, ihm an den Ecken nachzuschielen. NOTIZ. Und die Pneus?... Die Antwort der Pneufabrikanten, ist im 11. Blatt zu lesen !