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E_1928_Zeitung_Nr.027

E_1928_Zeitung_Nr.027

Ausgabe: Deutsche Schweiz. Freitag, 23. ffförz1928. Siebente Sallon-Nummer Mummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 27 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: HMbjIhrHch Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoznschlag, »fern nicht postamtlicb bestellt. Zusehlag für postamUiche Bestellung in» In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414 Die gewalflge Entwicklung. Es Ist immer eine grosse Freude, den Fortschritt einer guten Sache buchen zu können! Die Verwirklichung einer solchen Idee können wir im Genfer-Salon feststellen; Es sind noch gar nicht so viele Jahre her, seit sich einige Männer, unternehmungslustig und mit unbeugsamer Energie, ans Werk machten und in recht bescheidenem Rahmen den ersten Salon durchführten. Recht bald aber erwies sich der zur Verfügung stehende Platz als zu klein, es musste manches umgebaut und erweitert werden, und heute verfügen die Organisatoren über ein hervorragend Ein Zeitbild aus dem heutigen Chicago, von Felix Vitali. (2. Fortsetzung.) In der Küche stösst er auf den Koch — einen Anhänger des Hundertkilo-Vereins mit roten Augenschlitzen, zwei triefenden Bartspitzen und einer Nase wie ein Leuchtturm. Der Kerl riecht nach Whisky. « Morning, > brummt Jim, tritt an den Herd und hebt die Deckel von den Pfannen. « Verteufelt — ist das Breakfast noch nicht fertig?» Der Koch zieht seinen Kaugummi aus dem Mund, rugelt ihn zusammen und klebt ihn hinter's linke Ohr. «Freundchen,» sagt der Nigger, « du kommen ins Bagno. — Du saufen wie ein Loch und hier Prohibition. > Der Koch nimmt seinen Kaugummi hinter dem linken Ohr hervor und steckt ihn wieder zwischen die Zähne. «Passiver Widerstand, » denkt sich Jim Enehemt Jeden Dienstag und Frtftef Monatlich „Gtlbe Lbta" ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern Telephon Bollwerk 3&S4 Telegramm-Adresse: Autoren!«, Bern den geschätzt«! Besuch einer Defegatkm der französischen Handelskammer für Automobile und Fahrräder buchen zu können, die dieser grossen Schau ihr uneingeschränktes Lob zollte?! Die trefflichen Reden, die zwischen Herrn Bondet, dem Präsidenten dieser Vereinigung, und dem Präsidenten des Salons, Herrn Marchand, gewechselt wurden, waren im Moment, wo der Zonenkonflikt seine Erledigung zu finden scheint, nicht nur ein Bekenntnis zur Freundschaft zwischen beiden Landein, sondern noch mehr ein Beweis für das grosse Interesse, das die französische Automobilindustric dem schweizerischen Markt und namentlich dem Salon, der ihn weitgehend versinnbildlicht, bezeugt. Die propagandistische- Bedeutung des Salons. Gewaltig ist dieses Jahr die Zahl der Aussteller, fast alle bedeutenden Firmen haben den Salon beschickt. Nicht nur die vielen Besucher, sondern dazu die gesamte Presse, äusserten sich lobend über da's Gesehene. Was man im Salon alles zu sehen bekommt, darüber haben wir in unsern verschiedenen Spezialuummern ein ungefähres Bild entworfen. Man betritt die weiten .Hallen der Ausstellung und steht wie gebannt und angenagelt da. Das ist eine Orgie, ein Schwelgen von Farben, ein Glei'ssen und Glänzen von blitzblank geputztem Nickel und Stahl, dass manch einer fast in Verlegenheit gerät, wo er überhaupt beginnen soll mit seiner Inspek- und lässt aus Versehen,; seinen «kleinen» Knüttel aus dem Aermel fallen. «Well — mein Herr wünschen: Schinken, Eier, Porridge, Butter, Toast und Eingemachtes — all right? » Der Koch blinzelt auf den Gummiknüttel und schätzt ihn auf mindestens vierzehn Tage Spital. Langsam geht er an den Herd und wirft einen Löffel Butter in die Pfanne. Jim grinst. «So sparsam?» Und wirft noch ein halbes Pfund nach. Der Koch spuckt den Kaugummi im weiten Bogen an die Wand. — Sein Widerstand ist gebrochen. Indessen ist Earl aus dem Bade gestiegen, hat sich rasiert und einen blauweissen Schlips umgebunden. Die Hände in den schlenkernden Oxfordhosen vergraben, macht er sich seinerseits auf die Suche nach dem verschwundenen Onkel. Er folgt einem langen Gang mit einem Glasdach. Plötzlich hört er in nächster Nähe ein hastiges und unterdrücktes Stimmengewirr. Er blickt sich sorgsam um und entdeckt am Ende des Ganges eine kleine Türe. Lautlos schleicht er hin. Sie ist nur angelehnt. Er späht durch den Spalt und sieht einen taghellen Saal. An den Wänden sind Spuren von abmontierten Maschinen. Auf einer Erhöhung liegen in wirrem Durcheinander Schrauben, Lampen, Drähte — Bestandteile tionsreie. Ob dem Vielen, was der Salon bringt, schlägt auch das Herz des Laien höher. In schöner Anordnung und in festlichem Glänze sind sie ausgestellt, die prächtigen Wagen aus aller Herren Länder, von diesseits und jenseits des grossen Wassers, grosse und kleine, einfache und luxuriöse, aber alle von prima Qualität Welch ungeheure Summe von Arbeit, Energie und zähem Willen ist hier an diesen stark besuchten Hallen zu bewundern! Wer zählt die Völker, nennt die Namen der vielen, vielen Besucher? Deutschschweizer-Dialekte mischen sich mit dem Französischen, italienische Laute mit englischen : unsere nationale Automobilschau verdient eigentlich in jeder Beziehung das Attribut «international». Es ist nicht zu verwundern, wenn ihr ausgezeichneter Ruf immer weiter in die Welt hinausdringt. Nichts vermag besser die propagandistische Bedeutung, die dem Salon innewohnt, darzutun, als diese erfreuliche Tatsache. Es ist nämlich auch gar nicht notwendig, dass man, um den Salon zu besuchen, autotnobBtechrrtschc Kenntnisse besitzt, dass man weiss,. wie etwa eine Unterdrucksehmierung funktioniert, oder wie man diese oder jene Bremse bedient! Auch derjenige Besucher, der. nicht allzuschwer mit technischen Kenntnissen belastet ist, kommt im Genfer-Salon voll und ganz auf seine Rechnung und bucht den Besuch derselben bestimmt mit einem Plus, und trägt vielleicht nachher den stillen Wunsch in seinem Herzen, sich selbst baldmöglichst solch ein Kleinod anzuschaffen, vorausgesetzt, dass er für den Automobilismus etwas übrig hat! Gar mancher ist bekanntlich Autofeind nur... aus Neid!... Die anregende Wirkung auf die Interessenten. Vom Salon geht unleugbar eine starke psychologische Wirkung aus, vor allem namentlich auf diejenigen, die noch kein Auto ihr eigen nennen. Und das ist ja gerade einer der vornehmsten Zwecke dieser Ausstellung: die Zögernden und die Zauderer sollen zu einem Entschluss gebracht werden ; Wünsche, die irgendwo versteckt schlummerten, sollen aufgerüttelt und angefacht werden. Es braucht oft nur einen kleinen äussern Anstoss, um bestehende Bedenken, kleine Hemmungen ins Wanken zu bringen und einen Entschluss reifen zu lassen, und diesem folgt ja auch meist die Tat. Und am guten Geschäftsgang fehlt es im üenfer-Salon nicht. öross wird auch der kommende geschäftliche Nutzen sein, für den diese Ausstellung vorgearbeitet hat. Prächtiges Festwetter... ein gutes Omen für die Zukunft! Am nächsten Sonntagabend schliesst der diesjährige Salon seine Pforten. Herrlichstes Wetter war ihm dieses Jahr beschieden!: ein klarer blauer Voffrühlingshimniel spannte sich über die unternehmungsfreudäge, regsame Stadt am Leman. Mag auch die Zukunft für das Motorfahrzeug in unserer Heimat immer so klar sein wie dieses dem Salon beschiedene prächtige Festwetter! Und mögen an diesen letzten Tagen noch recht viele den Weg in die Völkerbundstadt finden und den Salon besuchen : jeder wird mit freudigen, nachhaltigen Eindrücken von dort zurückkehren und — wenn er es noch nicht war — ein begeisterter Freund des Automobils sein! R. Samstag, 24. März. 9 Uhr: Oeffnung. 15 Uhr SO bis 17 Uhr 30: Konzert. eines Radioapparates. Mitten im Raum ruhen zwei Böcke. Daneben stehen einige Benzinkannen mit der Aufschrift « Shell». Die beiden Stimmen im Räume branden durcheinander. Aber Earl kann niemand erblicken. Vorsichtig vergrössert er den Spalt, Nun sieht er zwei Männer. Der eine ist der schmierige Diener, der andere ein schmächtiger Kerl in einem verstaubten Overall, wie ihn die Chauffeure zum Schütze der Kleider tragen. «Unmöglich — einfach unmöglich! », japst der Diener erregt. «Du kannst jetzt die Kiste hier nicht wegschleppen. Der Enkel des alten Farrington spioniert mir in der ganzen Bude herum. Und mit dem Nigger ist schon gar nicht zu spassen. Goddam — der Kerl hat Lunte gerochen. Wenn wir die beiden nur schon um die Ecke hätten! » «Das geht mich nichts an, » entgegnet der andere trocken.» Kümmert's diesen englischen Tenderfoot, was in der Kiste steckt? Tex will, dass sie um zwölf in seinem Flugzeug ist. And Order is Order! » «Ich will mich hüten, seine Befehle zu kreuzen. Aber es geschieht nur in seinem Interesse. Machen wir Fiasko, geht es mir an den Kragen. — Er fährt um zwölf Uhr nachts? > Der im Overall nickt. — « Komm um neun Uhr wieder. > INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. lür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct*. Gr6ssere Inserate nach Soltentarif. lueratansehhiss 4 Tag« vor Erscheinen der betreifenden Nummer 17on Jahr zu Jahr ein wachsender Er folg! eingerichtetes Gebäude mit vielen, vielen Ständen im Erdgeschoss und mit einer Anzahl auf den Galerien. Aber auch jetzt wieder macht sich Platzmangel geltend, und es muss schon auf das nächste Jal'ir eine Erweiterung der Gcbäulickeiten in Aussicht genommen werden. Das ist der beste Beweis für die ganz tin- Kewohntc Entwicklung dieses auf rein privater'Initiative beruhenden Unternehmens. So Kanz von ungefähr kam dieser Erfolg aber nicht. Es bedurfte der zähen Energie der leitenden Männer, um dem Salon zu jenern Aufschwung zu verhelfen, den er in der relativ kurzen Zeit seines Bestehens genommen hat! Stets wachsemies Interesse im Ausland. Gross war der Erfolg des Salons im letzten Jähr. Aber er wird in den Schatten gestellt durch die Rekordzahlen dieses Jahres. Die Zahl der Besucher ist um ein gewaltiges gestiegen. Persönlichkeiten aus aller Herren Länder haben nnsern nationalen Automobilsalon dieses Jahr besucht. Letztes Jahr fiel er mit der Tagung des Völkerbundsrates zusammen und prominente Politiker, die dem Rate angehören, wie die Herren Briand, Stresemann und andere, statteten ihm Besuche ab. Aber nicht minder -wertvoll und wichtig als die Aufmerksamkeit dieser Staatsmänner war dieses Jahr das Erscheinen der Führer der Automobilindustrie aus zwei Erdteilen. Man konnte schon am ersten Tag den Herren Famiann, Maybach und dem bekannten französischen Publizisten Charles Faroux im Salon begegnen, und in der Folge haben viele andere Automobilindustrielle, so u. a. auch die Herren Peugeod, Dodge, Panhard und eine Anzahl berühmtester Ingenieure sich im Genfer-Salon eingefunden. Es ist eine nicht wegzu'streitende Tatsache, dass Genf von allen internationalen Salons vom Besten das Allerbeste bietet. Und darauf dürfen wir recht stolz sein! Ist es nicht besonders erfreulich, Das weisse Auto Das Programm der Woche 19 Unr SO: Diner In der Taverne. 20 Uhr 80 bis 22 Uhr SO: Konzert 23 Uhr: Schluss. Sonntag, 25. März. 9 Uhr: Oeffnung. 15 Uhr 30 bis 17 Uhr 30: Konzert 19 Uhr 30: Diner in der Taverne. 22 Uhr: Salonschluss. Eintritt: Fr. 1.50, Armonsle-uer inbegriffen. Dauerkarte Fr. 15.—, im Vorverkaufe bei Verkehrsverein, Genf, Place des Bergues, 3, und bei R. Marchand & Cie., Place du Lac 1. —o —• • Wie die Berner die Sternfahrt gewannen. Die Genauigkeit, mit welcher der Sieger der Sternfahrt 1928, Herr Fortmann, auf Farman, die vorgeschriebenen Zeiten einhielt, ist allgemein als verblüffend bezeichnet worden. Ein Passagier Herr Fortmanns gab uns über die Methode Aufschluss, die dem Wagen zu seinem Siege verhalf. Der Farman-Wagen startete mit vier Personen, wovon jede einzelne ihre besondere Aufgabe zu lösen hatte. Herr Karl l'orlmarin sass am Volant. Hinter ihm befand, sich Herr Lüthy, über die Karte gebeugt; seine Sache war es nun, die Distanzen zwischen den einzelnen Ortschaften der Fahrroute genau zu messen. Ihm zur Seite sass Herr E. Suter, welcher auf Basis dieser Distanzangaben auf die Sekunde genau die Zeit feststellte, zu welcher sie in der nächsten Ortschaft ankommen mussten. Neben dem Fahrer hatte, um die Kette zu schliessen, Herr Armin Bieber Platz genommen, welcher an, Hand der Karte die Richtung angab und, die Zeiger der Uhr verfolgend, die Einhaltung des von den beiden Hintermännern berechneten Tempos überwachte. Auf diese Art konnte das Stundenmittel fast mathematisch genau eingehalten werden und selbst, als die letzten Kontrollen nach Morges hinter den vier Sternfahrern lagen, wurde diese Methode beibehalten. Daher das erstaunliche Resultat. , Dieses Beispiel zeigt, dass die Beteiligung an einer Sternfahrt, wenn sie sportlich durchdacht, alles andere ist, als eine gewöhnliche Vergnügungsfahrt. Die Aufmerksamkeit darf keinen Augenblick nachlassen und auch Halte können keine eingeschmuggelt werden, da man nie sicher ist, ob die geheimen Kontrollen ein Nachholen der verlorenen Zeit bemerken und man darob der besten Chancen verlustig gehen würde. Da nun das «Geschäftsgeheimnis» der Sieger an den Tag Mehr kann Earl nicht erlauschen. Die beiden entfernen sich; er hört, wie sich irgendwo im Saal eine Türe öffnen muss, welche ins Freie führt. Einen Augenblick lang schlägt der Strassenlärm herein. Vorsichtig zieht sich der junge Farrington zurück. Im Arbeitszimmer des Professors sinkt er in einen Klubsessel, entzündet seine Stummelpfeife und verfällt in tiefes Brüten... Zehn Minuten darauf streckt der Nigger seinen Kopf herein. «Hallo, Mister, — Breakfast ready! Jim immer suchen. Mister keinen Hunger mehr? » « Endlich! » Etwas geistesabwesend klopft sein Herr die Pfeife aus. «Wir essen im Zimmer,» sagt er und schreitet voran. «Jim kleinen Salon nebenan abgeschlossen, » zwinkert der Nigger, sich nach dem bodenständigen Gabelfrühstück das breite Maul wischend. « Er entdecken, Mensch von dort in unser Zimmer sehen. Das ein recht verfluchtes Haus! » « Well — es ist das Haus meines Onkels! » erwidert Earl. «Oh — Jim überzeugt — es sonst nicht so. Erst seit Professor fort. Machen Sie mich zu Kurzfutter, Massa —aber Jim sagt, dass Mister Onkel nicht von allein gegangen ist — » « Du glaubst also — > «Nix bös sein, Massa.» bittet der Riese