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E_1928_Zeitung_Nr.027

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UNSERE Die Diskussion

UNSERE Die Diskussion über die Fahrprüfung ist trotz des grossen Interesses, das momentan der Genfer Salon beansprucht, nicht zum Schweigen zu bringen. Der Frühling steht vor der Tür und wird •wiederum eine grössere Schar von Freunden des Automobils in die Reihen der Fahrkundigen lokken. Mehr als einer unter ihnen wird beim Fahrunterricht und besonders auch bei der Fahrprüfung ein paar kalte Douchen erhalten und sich dann fragen, ob er wirklich ein ungelehriger Schüler oder ob der Fahrlehrer oder der Experte nicht tüchtig sei. Der vorliegende Artikel schildert bestimmte Ereignisse bei Fahrprüfungen, die heute so gut wie morgen wieder vorkommen können, wenn nicht die Fahrprüfung in der ganzen Schweiz vereinheitlicht und nach den neuesten Anforderungen des Verkehrs umgestaltet wird! Dio Rod. Dieses Thema, in Nummer 11 der «Automobil-Revue » verdienstlicherweise angetönt, erfuhr durch den Schreiber dieser Zeilen in Nummer 12 eine bis heute unwidersprochene Darstellung. In Nummer 14 ergriff ein erfahrener Automobilexperte das Wort und machte sich erbötig, sich mit seinen Kollegen an einem zentralen Orte zu treffen, um über die Vereinheitlichung der Fahrprüfung und deren Anforderungen sich auszusprechen. Diese verdankenswerte Initiative scheint keinen Widerhall gefunden zu haben. Vielleicht hat ein gewisser Eigendünkel den Sieg über den guten Willen, die gute Idee davongetragen. Nun wird aber in Nummer 19 der Finger herb auf die Wunde gelegt, die in Nummer 12 nur ganz milde berührt wurde. Der Verfasser des Artikels in Nummer 12 glaubt nunmehr, nachdem die beherzigenswerten Worte eines Automobilexperten ungehört verhallt sind, nicht mehr die gleiche Reserve sich auferlegen zu müssen. Was einem armen, dem Experten auf Gnade und Ungnade ausgelieferten Kandidaten alles passieren kann, darüber wären Bände zu füllen. Ein Halbkanton, der bisher seine angehenden Automobili'sten dem grössern Bruder zur Prüfung überlassen hatte, fand dies plötzlich unter seiner Würde. Er bestellte einen « kantonalen Experten », den er nach langem Suchen in Form eines Velomechanikers (21 Jahre alt!) fand. Die Prüfung spielte sieh so ab : Der Prüfling fuhr mit seinem Wagen bei der «Mechanischen Reparaturwerkstätte», wie die fünf antiquarischen Schraubenschlüssel heissen, vor, der Experte stieg ein, ein « Salü, salü!» und nun los... bis zur DISKUSSION Die Anforderungen der Fahrprüfung. AUTOMOBIL-REVUE nächsten Wirtschaft. Nach Bezahlung eines Liters war der Automobilist fertig ... Der Gegensatz: Ein Auslandschweizer, geboren und aufgewachsen in einer Millionenstadt, Velofahrer seit 1904, Motorvelofahrer seit 1912, Autolenker seit 1921, ein Mann, vertraut mit dem dichtesten Verkehr von Jugend auf mit einem Strassenverkehr, wie ihn keine Schweizerstadt aufzuweisen hat, kommt nachts in einer Stadt an, die er noch nie gesehen hat. Da er eine Anstellung in der Automobilbranche akzeptiert hatte, musste e"r raschestens die Prüfung machen. Alles war eingeleitet, nächsten Morgen frug er sich bis zum Bureau des Experten durch; und jetzt ging's los. Der Experte : « Rechtsfahren, rechts fahren, rechts fahren...» Der Prüfling : « Herr Ingenieur, auf dem Trottoir habe ich nichts verloren.» Experte: «Halt! Stohbiibe! Sie haben nicht zu widersprechen. Witerfahre! Fahren Sie zur Firma S. & S.» Prüfling: «Entschuldigen Sie, aber ich bin hier gänzlich fremd.» Experte : «Ja, dann kann ich Ihnen die Fahrbewilliguug nicht geben. Sie wollen doch in der Branche schaffen — Witerfahre!» Ein sternförmiger Platz, Strassen zweigen nach allen Richtungen ab; der Experte befiehlt : links, und der Kandidat biegt rechtwinklig ab, gewohnt, eine schräge Abzweigung als « halblinks » zu bezeichnen. Jetzt ist der Teufel los! Der Mann muss aus der Gasse zurück, in die richtige, unter Schmähreden seines Peinigers, mit dem zu messen in offener Konkurrenz er jeden Augenblick riskieren würde. Das Blut wallt ihm durch die Schläfen, als er glücklich bei der Firma S. & S. angelangt ist. Im Hofe vollführt er ein kleines Fahrkunststück, indem er zwischen wahllos hingestellten Wagen sein Auto kehrt -Der Experte konstatiert, nachdem er sich vom ersten Schreck erholt hatte, dass der Mann fahren könne, aber die Stadt nicht kenne ! Auf der Rückfahrt gab es dann wieder die schärfste Debatte wegen Unkenntnis der lokalen Verhältnisse, und der Experte erklärte, die Fahrbewilligung nicht erteilen zu wollen. Darauf stieg der Prüfling vom Wagen und klärte den Experten darüber auf, dass er ihm eine Fahrbewilligung für die Konkordatskan-' tone und nicht für die ihm völlig fremde Stadt zu erteilen habe. Und wenn er sie nicht bekomme, so wolle er sofort die höhere Instanz ... Darauf wurde heimgefahren und das Brevet erteilt! Später gab der nun approbierte Automobilist im Auftrage seiner Firma einem älteren Herrn Fahrunterricht. Einem Manne, der so nervös war, dass er oft vom Wagen absteigen musste um sich zu übergeben; der von einem Tag zum andern vergass, wo Kupplung, Bremse und Gashebel seien. Hätte der Fahrlehrer irgendwelche Kompetenz besessen, er hätte sofort erklärt, dass sein Schüler als Autoführer nicht zu brauchen sei; jeder Arzt hätte das gleiche sagen müssen — aber hier hiess es : durch mit ihm. Mit furchtbarer Anstrengung, mit vielen Mühen und tausend Tricks brachte man den Herrn so weit, dass er sich dem Experten stellen konnte. Und — welch Wunder! er fuhr (vielleicht mit dem Mute der Verzweiflung) gut, sehr gut. Endlich begab sich die kleine Gesellschaft in ein Quartier mit winkligen Gässchen, die ein Auto nur notgedrungen passiert. Dort wurde eine halbe Stunde lang «geschunden, stets mit dem Rufe: «Rechts, rechts fahren» des Experten, trotzdem die Gässchen keine anderthalb Wagenbreiten breit waren. So fuhr der arme Teufel, dem der Schweiss unter dem Hute hervorquoll um in einem Bächlein in seinem Kragen zu verschwinden, Kurven, von denen der im Fond des Wagens sitzende Fahrlehrer nicht glaubte, dass es sich noch ausgehen werde. Und. was geschehen musste, das geschah: der rechte Kotflügel streifte nach halbstündigem Kunstfahren einen Gartenhag. Der Wagen hing fest in den Kantstäben des Gitters; vergebens bemühte sich der Fahrlehrer, den Wagen durch Hochheben flott zu machen, der Herr Experte blieb im Wagen sitzen! Dann folgte die obligatorische Debatte; schliesslich erklärte der Experte, der Prüfling sei nicht durchgefallen, er werde ihn in acht Tagen « fertig machen ». Es war aber schon geschehen. Die Aufregungen dieser Prüfung warfen den Mann aufs Krankenlager, von dem er, endgültig «fertig gemacht*, sich nicht mehr erheben sollte. Wer will da noch bestreiten, dass der heutige Prüfungsmodus dringend einer Aenderung bedürfe ? C. //. 1928 — N°2 Ein bekannter Vertreter der Automobilbranche. Herr C. Schlolterbeck, einer der ältesten und erfolgreichsten Schweizer Geschäftsleute der Automo bilbr

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