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E_1928_Zeitung_Nr.028

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14 AUTOMOBIL-REVUE

14 AUTOMOBIL-REVUE 1928 — N°28 HanHpk-11 f S J ^ «***_. D **^**l Fachschule für Handel und Sprachen I ICH IVIVW • JRM I ^^M^^k^R^M ^^M ^^m ^ni B^^ .^3 ^^ ^^B I Kascil8 Hasche und und gründliche Ausbildung für jede kaufm. Tätigkeit Höhere Handelsabteilung-Kurse für Stenotypisten-Privatsekretärinnen-Buchhalter-Deutschkurs f. Fremdsprachige gründliche Ausbildung für jede kaufm. Tätigkeit C-U M |Ä W lU^^I I 1^31 II I " ^^M.^B^^B Höhere Handelsabteilung-Kurse für Stenotypisten-Privat- *) VII Ulw vorm. W •^PV^£l • B%ffl8 • • • • WKU^0Lmß^0m sekretärinnen-Buchhalter-Deutschkursf.Fremdsprachige Die Gebühren und Verleihbedingungen sind nicht überall gleich. Die einen fordern per Tag einen bestimmten Betrag, in dem auch zugleich Versicherung — ausschliesslich 50 sh Selbstversicherung — inibegriffen ist. Wird die Versicherung nicht in Anspruch •genommen, dann wird die Prämie bei Zurücklieferung des Wagens wieder erstattet. Für einen mittleren viersitzigen Wagen bezahlt man, einschliesslich Versicherung,-35 sh per Tag; einen kleinen Zweisitzer kann man schon für 20 sh haben. Für Betriebsstoff tnuss man natürlich selbst sorgen. Die andern verlangen per zurückgelegte Meile einen gewissen Betrag und manche dazu ausserdem noch einen festen Satz per Tag. Beispielsweise beträgt die Leihgebühr für einen schweren amerikanischen Wagen 15 bis 30 sh Grundgebühr per Tag und S d per Meile, Versicherung inbegriffen. Besondere Abmachungen für längere Zeit oder für Wochenendfahrten ergänzen diese verschiedenen Gebuhrensysteme. Als Fremder kann man ßich diese Einrich- nen bald 34 Jahren noch immer ledig, dann tung zunutze machen, vor allem da derbetätigt er sich als unerschrockener und erfolgreicher Sportsmann, und schliesslich spielt Transport des eigenen Wagens über den Kanal nicht billig ist. er in der Gesellschaft die Rolle des Königs Eine « driving lioense» (Fahrerlaubnis) erhält man in wenigen Minuten auf dem Bevater gleichen Namens, der nachmalige Kö- der Mode, ganz wie vor Jahren sein Grosszirksamt (country Council), nachdem man nig Eduard VII. Nun hat er, nach einem Bericht, der in einem Basler Blatt zu lesen einen Vordruck, erhältlich beim «treasurer» oder beim R. A. C. (Royal Automobil Glub), war, in den letzten Tagen durch etwas Unerhörtes Savile Row, die Londoner Strasse, an ausgefüllt und beim Steuereinnehmer (local taxation offieer) die nur wenige Schilling der die vornehmsten Herrenschneider der betragende Weggebühr entrichtet hat. englischen Metropole ihren Geschäftssitz haben, in Aufregung versetzt: er trug bei einer Zugleich mit der «driving license» erhält man eine Druckschrift «roadsense» — zuoffiziellen Gelegenheit im Mansion House, übersetzen etwa mit «Verkehrsverständnis» — ähnlich wie beim Ueberschreiten der österreichischen Grenze, in der alle Verkehrsvorschiften auseinandergesetzt sind. Einfacher kann das Verfahren wohl nicht sein. Die Leihgebühr für den Wagen muss mit den Versicherungskosten vorausbezahlt werden; dagegen wird keine Sicherstellung verlangt. In den englischen Fachzeitschriften, wie z. B. «Tlie Motor», findet sich immer eine grosse Anzahl Firmen, die in der Rubrik Wcars for hire» ihre Wagen anbieten. In Frankrech ist die übliche Taxe für einen kleinen viersitzigen Wagen 100 Franken pro Tag, wobei die Versicherung mit Inbegriffen dictu — unten umgebogene Hose. Die Sache wäre vielleicht unbemerkt geblieben, hätte nicht der Photograph, der natürlich mit dabei sein musste, dieses Detail der Kleidung, das bis jetzt als Vergehen gegen den Geist der Eleganz galt, der ganzen Welt verraten und die Frage aufs Tapet gebracht, ob der Thronerbe sich einer Ketzerei gegen die Vorschriften der Mode schuldig gemacht hat. Die tonangebenden Schneider von London* nach deren Urteil sich bekanntlich die übrige Welt richtet, beantworten die Frage einstimmig mit Ja, und einer von ihnen erklärte: «Wenn damit eine Neuerung eingeführt werden soll, so darf ihr nicht Folge ge- ist und man das Recht hat, 50 km im Tag zurückzulegen. Für jeden weitern Kilometer leistet werden. Ich meinerseits werde mich bezahlt man 1,50 Franken mehr. mit allen Kräften dagegen wehren, dass Das Wagenmaterial, das vermietet wird, meine Kunden das Beispiel des Prinzen nachahmen. Niemand wird mich davon überzeu- ist im allgemeinen neueren Datums und gut •unterhalten. Der Verleiher hat natürlich ein gen können, dass die gute, zwanglose umgekrempelte Hose zu dem ernsten Jackett, das Interesse daran, dass der Wagen gut und verständnisvoll behandelt wird, und er istdie Erbschaft des der Vergangenheit angehörenden Gehrocks angetreten hat, getra- deshalb immer mit Erläuterungen der Besonderheiten — eventuell Demonstration am gen werden kann.» Die Proteste werden Unterrichtsmotor — behilflich, aber er ist hingegen keinen Erfolg haben, denn heute auch wieder Geschäftsmann genug, um den morgen sah man bereits viele junge Leute Mieter nicht mit allzuvielen und unnützen Vorschriften abzuschrecken. Dass somit die Verleihung von Automobilen ohne Führer möglich ist und zu keiner besonderen Gefahr- und Verlustquelle für Allgemeinheit und Verleiher wird, beweist der Erfolg und die rasche Ausbreitung des Systems in den angeführten Staaten und die Tatsache, dass die Versicherungsgesellschaften sich bereitfinden, diese Wagen zu versichern. Man könnte sich ja vorstellen, dass besonders Unkundige sich dieser Gelegenheit bedienen würden, um ihre Fahrkünste an dem armen Mietwagen auszulassen, aber jeder Vermieter wird erst seinen Kunden auf Herz und Nieren prüfen, auch wenn er den schönsten amtlichen Führerschein besitzt. Bei uns wird dio Entwicklung des Systems, das in seinen Anfängen auch hier schon besteht, viel langsamer vor sich gehen, da die umständliche Erteilung des Führerscheins als grosses Hindernis im Wege steht. Erst, wenn dieser Stein des Anstosses kleiner geworden oder gar verschwunden ist, wird der «Drive-yourseIf»-Gedanke bei uns so selbstverständlich werden, wie er es anderswo schon sei langem ist. Ein Fehlgriff des Prinzen von Wales. Man weiss, wie stark der älteste Sohn des britischen Königspaares Eduard, der als Tronänwärter den offiziellen Titel eines Prinzen von Wales führt, die Engländer beiderlei Geschlechts interessiert. Einmal ist er trotz sei- wo der Lord-Mayor seinen Amtssitz hat, zum schwarzen Jackett eine graue und — horrible absichtlich in Beinkleidern ä la Prinz von Wales im Hyde-Park spazieren gehen. Im Gegensatz zu der Ansicht dieses Modesachverständigen wird aber von anderer Seite versichert, die Sache sei einfach die, dass der Prinz im Gedränge seiner Repräsentationspflichten keine Zeit mehr gefunden habe, die Toilette vollständig zu wechseln, und dann zu dem Anlass im Mansion House in einer zu einem Uni-Kleid gehörenden Hose erschienen sei, weil er angenommen habe dass dieser Verstoss niemanden auffallen werde. Aber ich musste eine bedenklich schlechte Witterung haben, um nicht zum Schlüsse zu kommen, dass der grosse Saal gegen den Garten hinaus, in dem ich die beiden Kerle belauschte, mit der ganzen Geschichte etwas zu schaffen hat. Als bei dem kleinen Verhör das Wörtchen « Garage » fiel, zuckte der Oelhaarige zusammen wie unter einem unsichtbaren Rippenstoss. Dass mein Onkel ein Auto hat, weiss ich ganz bestimmt; er sprach sogar von einer neuartigen Konstruktion, irgend einer radiotechnischen Erfindung. Der Djener verneinte meine Frage; ich weiss, dass er log.» «Und du bringst das Auto mit dem Verschwinden deines Onkels in Zusammenhang?» fragt Earl's Freund, der Advokat, erregt. «Das Verhalten des Diners gibt mir allen Grund dazu. Meine Erkundigungen ergaben, dass mein Onkel mit einer Motorjacht der Wluteman's Reederei in See gestochen ist. Ein Rätsel bleibt mir aber vor allem die sonderbare Erregung, die sich in den Zeilen seines Abschiedsbriefes spiegelt. Seine Handschrift ist wie verzerrt. — Ueberzeug' dich selbst! » Mac hat sich hastig erhoben und eine Lupe hervorgeholt. Seine Stirne legt sich in hundert krause Falten. Es ist unheimlich still in dem kleinen Zimmer. «Ist er gefälscht? » « Das nicht. Aber — um es kurz zu sagen: ich habe den Eindruck, dass dein Onkel zum Schreiben dieses Briefes gezwungen worden ist! J> Earl erhebt sich. « Dann meinst du, mein Onkel sei entführt worden? » «Du sprachst von einer Erfindung. Sie hängt mit dem Auto zusammen? » «Ich vermute es.» «In diesem Falle sehe ich einen Zusammenhang. » « Mein Onkel ist verschleppt und zur Angabe einer falschen Spur gezwungen worden. Der Zweck war, sich in den Besitz des Erfinders und der Erfindung zu setzen. » « Du hast meinen Gedanken erraten.» « Und die Bestätigung der Reederei? » « Vielleicht Betrug — vielleicht Unwissenheit. » «Auf alle Fälle muss etwas geschehen. Eine Spur habe ich. Abends neun Uhr wird die Kiste verladen. Ich werde dem Kerl im staubigen Overall auf den Fersen bleiben.» «Du allein? » «Ich kenne meine Pflichten gegenüber Die Nachkommen der Genialen. Sind die Familienstämme der Genies tatsächlich, wie der flüchtige Augenschein uns lehrt, in ihrer Lebensdauer benachteiligt? Ist das Blut der Genialen häufiger zum Erlöschen bestimmt als das der durchschnittlichen Bevölkerung? Das fragt sich der Verfasser ines interessanten Aufsatzes, der kürzlich in einem grossen deutschen Blatt erschien. Die Frage hat Biologen, Mediziner und Gechlechtsforscher schon oft beschäftigt, und begreiflicherweise interessieren sich auch viele Menschen dafür — mehr, als es eigentlich notwendig wäre, denn die «Genialen» sirrd zu dünn gesät, als dass man von einer eigentlichen Masse der « Genialen» sprechen könnte. Der schwankende Begriff des « Genialen » widerstrebt der Messung, der scharfen Abgrenzung, der Statistik, meint mit Recht der Verfasser. Die vorhandenen Definitionen des Genies» schaffen keinen gemeingültigen Rahmen; bei jeglicher Aufzählung würden unsere zeitlichen und nationalen Bindungen sichtbar werden. Den sichersten Anhaltspunkt mag uns vielleicht das Dauerhaft- Schöpferische geben, das ein Genie regelmässig ausstrahlt. Nun sind aber auch Vaterschaft und besonders Mutterschaft schöpferische Würden, die eine selbstvergessene Hingabe an das Geschaffene verlangen, und wir sehen wohl lediglich das Sparsamkeitsgesetz der Natur walten, wenn sie allgemein das Schöpferische vom Schöpferischen, die Leistung von der Leistung scheidet, am deutlichsten in der unverwischbaren Trennung der beiden Geschlechter. Die Natur zwingt uns Menschen zwar nicht den äussersten Gegensatz von Bienen und Drohnen auf, drängt aber auch die menschliche Gesellschaft zu einer weisen Verteilung der Kräfte und Aufgaben. Für jede Bevorzugimg verlangt die Natur ein Opfer. Diese Tatsache ist nirgends klüger symbolisiert als im blinden Seher der alten Mythen (Homer), in der Vorstellung also, dass der Seher für die Gabe der inneren Schau die irdische Augenlust zum Opfer gab. Die transzendente Leistung des Sehers, Denkers und Dichters setzt eine weitgehende Abkehr vom irdischen, ä'usseren Leben voraus. Sein ungewöhnliches Ziel verlangt eine ungewöhnliche Konzentration, wie sie dem durchschnittlichen Erwerbsleben fremd ist. Sie entbindet den Begnadeten von der Norm, verlangt aber Einsamkeit, Einseitigkeit, Besessenheit von ihm und fordert meistens das Opfer bürgerlichen Glückes. Der Religionsstifter und schöpferische Denker zeigt allenthalben den Willen zur Wüste (noch in Sils Maria für Nietzsche); er sucht, um seinem Gotte näher zu kommen, ein Eremitentum, eine ärmliche Erdenferne. Wenn er sich mit Menschen, Jüngern und Folgern umgibt, so befiehlt er, dass sie ihm jegliche andere GeseUuug opfern, dass sie Weib und Kind verlassen, ihre irdischen Bindungen lösen und seine schöpferische Unruhe tief mitleiden. Gerade die Unruhe des schöpferischen Lebens, das Künstlerschicksal der « Vaterlandslosen », die Sehnsucht nach einem vogelfreien, schweifenden Nomaden- »und Zigeunertum (Lenaul) sind dem sesshaften Glück des Herdes entgegen. Der akademisch gebundene Philosoph bewahrt sich auch im Getriebe der Schule seine Einsamkeit, sein Ich. Etwa bei Kant, der die meinem Onkel. Mit Sentimentalitäten ist ihm nicht geholfen. Erweisen sich meine Annahmen als unrichtig, soll es mir recht sein. Ich benachrichtige die Polizei.» Ein verächtliches Lachen legt sich um den Mund des Advokaten. «Weisst du, wo du bist? Well — in Chicago! Möglich, dass man bei euch unsere Verhältnisse nicht kennt. Man fürchtet hier nur eine Macht: die Prohibitionshorden. Der Volksmund nennt sie Bootslegger oder Whiskyteufel. Du siehst,» und er deutet auf den mit Flaschen beladenen Tisch, «hinter den Kulissen sind wir alle « nass». Die Prohibition ist ein Aveiterer Beweis: Amerika und Bluff sind verwandte Begriffe. Neun Zehntel aller Verbrechen muss auf das Konto der Schnapsbanden gebucht werden. Die Polizei steckt mit den Gaunern unter einer Decke. Begreifst du nun, warum du ihre Hilfe nicht in Anspruch nehmen sollst? » Earl starrt vor sich hin. « Damn it! » entgegnet er langsam, «jetzt verstehe ich, dass deine Ethik zum Teufel gehen musste! > « Der Einfluss der Bootlegger kennt keine Grenzen. Die Beschreibung der Dienerschaft im Hause des Professor gibt mir Anlass zu den schlimmsten Befürchtungen. Ich kann dir nur eines ans Herz legen: Verlasse heute philosophische Junggesellentradition der Plato, Descartes, Hobbes, Spinoza, Leibniz, Humes, Spencer, Schopenhauer, Nietzsche, Langbehn (pflegte, bleibt das transzendente Verhältnis zum Leben immer deutlich. Nach Kuno Fischer hatte Kants Leben keinen anderen Mittelpunkt als ihn selbst — und wohl auch kein anderes Ziel. «Auch waren jene Neigungen, die das eheliche Leben begehren, in Kant niemals so lebhaft, dass ihm die Ehelosigkeit eine grosse Entsagung gekostet iätte.» Das häufige Junggesellentum der Genialen — nicht immer so entsagungslos wie bei Kant •— ist um so auffallender in Zeiten, die — anders als heute — im ehelosen Stande etwas Unvollkommenes, einen Mangel sahen und ihre bürgerliche Hochachtung in allen Ständen an das Moment der Heirat knüpften. Dennoch blieben z. B. Künstler in ihrer Reizbarkeit sehr häufig ehelos, und die Fälle Voltaires, Gellerts, Hölderlins oder Beethovens sind in ihrer bunten Eigenart für den Einsamkeitszwang der Genialen nicht weniger ehrreich als die komplizierteren Verhältnisse bei Kleist und Platen, bei Lenau, der feine unglückliche Liebe zu Sophie Löwental mit weimal anderweitiger Verlobung verwirrte und als Junggeselle starb, oder bei Grillparzer, der mit seiner « ewigen Braut» nie zur Heirat kam, sondern seine Glut rasch zur Freundschaft sublimierte und fast 60jährig als Bruder zu ihr und ihren Schwestern zog. Auch die kalte Zwangsehe des Alten Fritz U J. Bfeller-RlndlisDacher Bern zuricfi MITTAG' u. ABBNBBSSMN nach Menu oder Tageskarte Währschafte Zvieri ^ ^PIANOSJ Tonuollendefste Instrumente in relatiu massiger Preislage SÄ RAMSPECK ZÜRIOH A noch das Haus und zieh' mit Sack und Pack zu mir über. Viel Platz haben wir nicht, aber es wird sich einrichten lassen. To say what I think — wer weiss, was die Finken für Gedanken hinter ihrer Schädelwand haben! In Chicago hat man seine eigenen Erfahrungen. In meiner Wohnung bist du in Sicherheit. Von hier aus kannst du deine Schritte unternehmen, ohne djeh ängstigen zu müssen, beobachtet zu werden.» « Der mysteriöse Kistentransport? » « Pay attention — du und Jim kehren nach Michigan zurück. Um neun Uhr halte ich, als Chauffeur verkleidet, vor dem Hause des Professors. Du rufst mich heran. Wir nehmen die Verfolgung des Menschen im Overall auf. Jim hat unterdessen eure Bündel geschnürt, mietet ein zweites Auto und fährt direkt nach meiner Wohnung.» «Topip — wir werden bereit sein. Um neun verschwinden wir im Hause meines Onkels von der Bildfläche.» Mac reicht dem jungen Farrington lachend die Hand. « Eigentlich bin ich dem Schicksal noch dankbar für diesen Streich. So habe ich euch doch etwas bei mir. Leb' wohl, alter Tiger! > Fortsetzung folgt.

N° 28 - 1928 ÄUTOMOBIL-REVUE 15 oder die freundschaftliche Bindung des fast 60jährigen Michelangelo an Victoria Colonna sind kaum als Ehen anzusprechen. Alle diese Grossen sind — im Goetheschen Sinne — als «Jünglinge > zu den Göttern heimgekehrt: ihre Zartheit oder ihr Ehrgeiz, Ihre Zerbrechlichkeit oder ihr Machtwille trugen sie weit über jede bürgerliche Norm hinaus. In generativer Hinsicht sind sie unfruchtbar geblieben wie die meisten Genies der höchst männlichen Kriegsgeschichte. Moritz von Sachsen, Wallcnstein, Gustav Adolfi Prinz Eugen, Karl XII., Friedrich der Grosse, Napoleon: sie alle haben in der Gegenwart keine beweisbaren Nachkommen mehr. Ueber ihnen allen liegt das Jünglinghafte Alexanders, eine schwebende, strahlende Hingabe an ihren Ruhm und ihre Soldaten. Wie — vice versa — Lionel den Zauber der « Jungfrau» bricht, so fiel die Peripetie in der Bahn Napoleons mit der ersehnten Geburt des legitimen Sohnes zusammen. Das schöpferische Leben quoil auch ihm aus dem Ungelebten, aus der betrogenen Sehnsucht nach Josephine, aus der ahnungsvollen Angst um dies menschliche Glück der Vaterschaft, aber nicht mehr aus der Sättigung von 1811. Die Genie-Ehen, die wir halbwegs erkennen können, scheinen häufiger auf wirtschaftlichen, grob-sexuellen oder legitimen Motiven aufgebaut als auf einer innersten Gemeinschaft, die ja eine Halbierung des Ich, eine Schwächung der Konzentration bedeutet hätte. Wir finden solche Ehen bald kühl und distanziert, bald frivol aufgelockert (Metternich!); von Grunewald wissen wir nur, dass er « übel verheiratet» war. Der generative Erfolg blieb, um nur einige kinderlose Genie- Ehen zu nennen, bei Dürer und Moltke gänzlich aus. Wo aber den Genien Kinder geboren wurden, eine Nachkommenschaft begründet und gesichert schien, stehen wir am Kernpunkt unserer Frage. Sind diese Kinder, Enkel und Epigonen, in ihrer Lebenskraft benachteiligt? Dazu führt der Verfasser des fraglichen Artikels, dem wir hier folgen, einige Beispiele auf: Lessing heiratete 47jährig; das einzige, nach Jahresfrist geborene Kind (•Sohn) starb nach 24 Stunden. Moritz von Sachsen hatte eine Tochter, die später kinderlos und unglücklich verheiratet war, und einen kuk verstorbenen Sohn. Shakespeare, •we.nn wir die Baeon-Frage aitsser acht lassen dürfen, heiratete 18jährig ein 26jähriges Mädchen; ^von seinen 3 Kindern starb der einzige Sohn im 11. Jahr; von den beiden Töchtern •v^'uijden William 4 -Enkel geboren; mit diesen 4 ^indeirlpsen Enkeln war seine Nachkommenschaft «ehon 1669 erloschen. Von Schillers 4 Kindv rn ne r lebt noch sein letzter Urenkel unter .was, 63jährig und kinderlos. Aus Goe- Wieiier-Vers berung Werfen sie^r alles BesiecH nicti. weg! Prels p. Dutzend: 60 Gr. 72 Gr. 84 Gr. Esslöffcl . . 18.—, 20.—, 22.— Essgabeln . 18.—, 20.—, 22.— Kaffeelöffel 8.40, 10.—, 11.— Dessertgabeln 15.50, 17.50, 19.— Dessertlöffel. 15.50, 17.50, 19.— Versilberung von Hohlwarca und Platten. Vermeidung von Auto-Bestandteilen etc. B.Weber&Sohn,Zürich1 Vernicklung Augustmeraasseli Vergoldung Telephon Solnau 23.06 thes Bunde mit Christiane wurden 5 Kinder geboren, von denen sich nur August als lebensfähig erwies; mit 3 kinderlosen Enkeln war Goethes Bkt erloschen. Die Gestalt August Goethes hat — neben dem tragischen «Aiglon» — das Schicksal des Genie-Sohnes am schmerzlichsten verkörpert. Die Welt, die ihn verzärtelt, geschont und bevorzugt hatte, schrieb auf sein römisches Grabmal: Goethe filius patri antevertens, und die einzige Biographie, die man ihm später widmete, ist « Goethes Sohn » betitelt. Zeit und Nachwelt haben ihn nicht als selbständige Persönliclikeit gewertet, sondern als ein namenloses Wesen, das nur in Beziehung zu seinem Vater zu denken war, als einen flüchtigen, traurigen Schatten. Die Genies endlich, die unser Bild durchbrechen und einen wirklich blühenden Nachwuchs erzielten (etwa Luther, Melanchthon, Crauach, Cromwell, Bach, Bismarck) haben nach dem Verfasser einen demütig-religiösen Grundzug gemeinsam. Bei Luther und Bach besonders ist die gläubige, kirchliche Bestimmung ihres Schaffens offenbar, und auch Bismarcks blutvolle Genialität hat wohl in keiner Stunde den ehernen Halt der Gottesfurcht verloren. Wichtig könnte auch sein, dass Luther und Bismarck (auch Schiller) ihre fruchtbaren Frauen aus der gleichen Schicht des landgesessenen, kirchlichen und traditionsbewussten Kleinadels wählten. Doch sind die Genialen mit so wohlbeschaffcner Nachkommenschaft zweifellos nur Ausnahmen in einer grossen Zahl von jünglinghaften oder mönchischen oder auch brüchigen Schöpfertypen. In Jahrhunderten, in denen die Gesamtbevölkerung Kultur-Europas um das Mehrfache anwuchs, in denen sich Ehe und Fruchtbarkeit ganz organisch und ganz unproblematisch auswirsten, haben die meisten Genialen unter der « Familie » als einem unlösbaren Problem gelitten. Ihrem generativen Misserfolg lag wohl sehr selten ein bewusster Verzicht zugrunde. Auch dem höchst differenzierten Dichter Mignons war die Zeugungsfeigheit der lebenssehwachen Moderne fremd. Vielmehr zwang die Natur auf sehr verschiedenen Wegen, die sich hier mehr andeuten als ausführen liessen, ihre Lieblinge oder deren Enkel zum generativen Verzicht. Wir beobachten an den Genialen eine Gleichgewichtskunst der Natur, die jede Kraft mit einer Schwäche ausgleicht, und die Deutung des natürlichen Zusammenhanges ist vielleicht wertvoller als eine statistische Vorführung. Die Autobuskonkurrenz. Die Personenfrequenz der London und Northwestern Railway hat im Jahre 1927 gegen das Normaljahr 1925 (1926 war wegen des Kohlenstreiks nicht normal) um nicht weniger als 47 Millionen Personen infolge der Konkurrenz der Autobuslinien abgenommen. Die schlau© Automobilistin. Die Geschichte spielt in Paris, wo es auch Gesetz ist, dass der Kraftwagen bei Einbruch der Dunkelheit beleuchtet sein soll. Kommt da in später Nachmittagsstunde eine kleine Französin mit ihrem Auto bei ihrem Friseur vorgefahrcu und lässt den Wagen vor dem Gescliäft stehen. Der Haarkünstler hat aber viel Kundschaft, es wird spät und die Dunkelheit bricht au. Als die Dame schliesslich ihren'Bubikopf in die richtige Form gebracht hat und auf die Strasse tritt, sieht sie zu ihrem Schrecken, dass neben ihrem Auto ein Schutzmann mit gezücktem Notizbuch steht, um die Fahrerin wegen Uebertretung der polizeilichen Bestimmungen zur Anzeige zu bringen. Rasch gefasst schreitet die Französin aber an ihrem Wagen vorbei, als ob sie dieser gar nichts anginge und besteigt ein Mietsauto, das sie in schneller Fahrt nach Hause bringt. Inzwischen hält der pflichtgetreue Beamte Wacht an dem unbeleuchteten Auto. Von Hause aus telephoniert dann die Dame an das nächste Polizeiamt, dass man ihr Auto entführt habe, beschreibt es ganz genau — und schon nach kurzer Zeit bekommt sie die Nachricht, dass der Kraftwagen vor dem Laden eines Friseurs unbeleuchtet aufgefunden worden sei, dank der Tüchtigkeit und Findigkeit der Pariser Polizei. Obendrein fährt der Polizist den Wagen auch noch in die Garage der Dame. So vermeidet die intelligente Pariserin Strafmandate! Die Weltreisende Ciaire Stinnes, die Tochter des verstorbenen Hugo Stinnes, hat dieser Tage ihre Automobilfahrt nach Peking beendet. Die Expedition zählte fünf Mann und hat die Balkanländer, die Türkei, Syrien, Persien, den Kaukasus, Russland, Sibirien und die Mongolei durchfahren. Fräulein Stinnes gedenkt die Fahrt fortzusetzen nach der Mandschurei, Korea und Japan, wo sie sich nach den Vereinigten Staaten einschiffen wird. :—: Aber manchmal, im Gelände, • fern von Hilfe ein Defekt und die allersdiönsten Hände sind, wie man so sagt, bedreckt. Ergrautes Haar «hält geiz» frühere Färb» wieder durch Birken-Brillantine Kein neues Pr&pvtt. 40jähr. Erfahrung. Verborgt Wirkung tiud Zuverlässigkeit. Q e neralde p o t: j Jaer's Ertien, Rtascito-ApoMe jurien 7 l'elepbon EL 6010 Asylstrasse 70 Seife &SsifeofJfic&ß Der Automobilist. Mit dem Auto so zu gleiten durch die wunderschöne Schweiz, dieses hat zu allen Zeiten einen gans bcspndcrn Rcte. Wer dagegen will was tön, nimmt das rechte Mittel mit; dieses ist das Seifenwunder» dessco Name ist Fabrikant: Friedrich Steinfei«, Zürich Neu! Unsichtbar! Waschbar! Hein Tflmpfe Ol3.xx6 Gummi 1 Konkurrenzlose Qualitit nur bei Bandaglst Lüneburg. Zürich I Bathausquai 10, unter den Bögen Gummiptantcigen in Liberien. 1 Million Acres Land wurde urbar gemacht und mit Gummibäumen bepflanzt. Der erste grosse Versuch der Amerikaner, Kontakt mit dem Land der Erzeugung zu sich von der englischen und holländischen bringen. Herrschaft im Gebiete der Gummierzeugung M. Firestone eütschloss sich zu dem Unten loszureissen, wurde in dem verwirrten Dikkicht Libericus mit Erfolg durchgeführt. dass die Amerikaner den Gummi zu teuer nehmen in Liberien, weil er überzeugt war, Wei'ssc Ingenieure, zusammen mit schwarzen bezahlen mussten. Während 1926 betrüg der Eingeborenen, bauen Strasseu und roden den Import nach Amerika 412514 Tonnen im Urwald aus. Samen werden gesammelt und Werte von 557 564 000 Dollars, d. h. 0,60 Pflanzungen zur Samengewinnung angelegt, Dollars per Ib. und so entwickelt sich ein ganz neues Leben Es ist bekannt, dass durch den britischen in dem weltabgeschiedenen, primitiven Liberieii, welches nur wenige Grade nördlich des fernen Osten auf ein Minimum des Marktes Restriktionsplan die Gummierzeugung im Equators liegt. Und all dies Leben in diesem reduziert wurde. Nicht weniger als 95 % des ungeheuren Unternehmen wird von Akron ganzen Weltverbrauches wurden in britischen und holländischen Plantagen erzeugt. au's, von Harvey S. Firestone, mehrere tausend Meilen von Liberien entfernt, organisiert Die Plantagen sowie der Export wurden von und geleitet. den Engländern dermassen überwacht und Vor kurzem bestätigte die liberische Regierung die Vereinbarung, an Firestone eine ein beschränktes Quantum auf den Markt reguliert, dass während mehreren Jahren nur Million Acres Land zur Anlegung einer Gummiplantage verpachtet zu haben, was jedoch Kosten der britischen Unternehmungen und kam. Die Holländer haben ihren Absatz auf reine Formsache war, denn diese Gummiplantage war inzwischen bereits angelegt. Tau- jedoch nicht genügend, um der britischen der amerikanischen Verbraucher ausgedelint, sende von Gummibäumen waren schon gepflanzt, die bis in fünf Jahren bereits Gummi hohen Preisen entgegentreten zu können. Kontrolle und den dadurch unvermeidlichen erzeugen werden. Während 1926 wurden monatlich ca. 100 000 lbs. Gummi von einer Gummiproduktion der ganzen Welt. Amerika verbraucht ungefähr drei Viertel der Plantage gewonnen, welche, ursprünglich von Noch vor wenigen Jahren lieferte Brasilien den Engländern angelegt, den Kern dieses den grössten Teil des ganzen Weltverbrauchs. gewaltigen Unternehmens bildet. Man schätzt Später wurden dann Heveasamen nach England gesandt und nach und nach entstanden die Höchsterzeugung, welche von dieser Million Acres erwartet werden kann, auf 250 000 dann die grossen britischen Gummiplantagen Tonnen per Jahr, also mehr als die Hälfte in Asien. Heut übt Brasilien keinen grossen des amerikanischen Verbrauches. Einfluss mehr auf den Gummimarkt aus. Wenn einmal das Unternehmen in Liberien So bescliloss Firestone, eine neue Plantage weiter vorgeschritten ist, wird Herr H. S. anzulegen, doch war es keine leichte Aufgabe, Firestone von seinem Bureau in Akron aus herauszufinden, wo diese sein sollte. Als dann seinen Angestellten in Liberien per Radio die Rapporte der Forscher über Liberien ein-> Instruktionen erteilen. Als eine der ersten trafen, wurde für dies kleine weltfremde Land entschiede«. Während fünf Jahren wurden Einrichtungen war die Errichtung einer Radioverbindung zwischen den verschiedenen die dortigen Forschungen weitergeführt. Man Plantagen vorgesehen und sobald als möglich soll auch eine transatlantische Station schliesslich eine Lösung, indem die liberische versuchte Vereinbarungen zu treffen und fand errichtet werden, um Akron in unmittelbaren Regierung Firestone die Bewilligung gab zur