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E_1928_Zeitung_Nr.036

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Tischen der Räte

Tischen der Räte erscheinen. Der Bundesrat Mit eine Begründung der Haftpflicht des Automobilisten nach Massgabe des Strasscnartikels der Bundesverfassung nicht für zweckmässig, da schon der Artikel 64 die konstitutionelle Grundlage für ein Haftpflichtgesetz schafft. Die Volksabstimmung wirft noch keine Schatten auf den Qang dieser eidgenössischen Geschäfte. Man weiss im Bundeshaus auch noch nicht, ob die Strassenverkehrsinitiative allein oder in Verbindung mit andern eidgenössischen Vorlagen vor das Volk kommen soll. Die Revision des Konkordates Ist wieder ein bescheidenes Stück vorwärts geschritten. Die Unterkommission der Polizeidirektorenkonferenz hat kürzlich ihre Vorschläge dem eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement übermittelt, das seinerseits diese Vorschläge den Kantonen zur Kenntnis brachte. Die Kantone haben nun weitere Schritte zu unternehmen, denn die Polizeidirektorenkonferenz vereinigt sich erst im September in Frauenfeld zur nächsten ordentlichen Konferenz. Jeder Kanton kann sich nun einzeln die Vorschläge zunutze machen und anwenden, welche von der Polizeidirektorenkonferenz in Einstimmigkeit vorbereitet und genehmigt worden sind. Was durch eine solche Freizügigkeit auf dem Verkehrsgebiete herauskommen muss, kann sich jeder, der nur einen Funken von Interesse und Einsicht für Verkehrsfragen hat, an den Fingern abzählen. Auf keinen Fall darf man davon eine einheitliche Lösung der Verkehrsprobleme erwarten. fit. Die Basler verlangen Autobuslinien. In rascherem Tempo als früher gehen in unserer Generation die Strukturänderuugen der Wirtschaft und die Wandlung der Lebensformen vor sich. Nach aussen hin ist dies an den Umwälzungen der Verkehrsformen seit einem Jahrzehnt besonders deutlich zu erkennen; Automobil und Flugzeug — beide erst am Beginn ihrer Entwicklung stehend — sind den an die Schienen gebundenen Bahnen gefährliche Konkurrenten geworden. Auch in Bezug auf die Unternehmungsform ist ein neues Gebilde zur Blüte gelangt: die gemischtwirtschaftliche Unternehmung für «public Utilities» (d. h. Institutionen, die vor allem die Interessen der Gesamtheit bezwekken), die in sich die Vorzüge des Staatsbetriebes und der Privatunternehmung vereinigt. Wie im Rahmen dieses Prozesses gesehen die Lage der dem Kanton Basel-Stadt gehörenden industriellen Werke (Strassenbahnen, Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerk, Rheinhafen usw.) zu beurteilen ist: diese Frage mochte wohl der Anlass sein, aus dem die Statistisch-Volkswirtschaftliche Gesellschaft Basel den Vorsteher des Finanzdepartementes und die Direktoren der erwähnten Betriebe zu einem Vortragszyklus über die wirtschaftliche und finanzielle Lage unserer industriellen Werke einlud. Der erste Abend brachte eine Gesamtdarstellung durch Herrn Regierungsrat Dr. Miescher und ein Referat des Direktors der Basler Strassenbahnen (B. St. B.), Herrn Gysin, an die sich eine interessante Diskussion schloss, in der fast allseitig für rasche Eingliederung des Autobus in dio städtischen Verkehrsmittel eingetreten wurde; wir heben hiervon die eindrücklichen Voten der Herren Bankdirektor Stucki und Professor Salin hervor. Nachdem Herr Regierungsrat Miescher in der bei ihm gewohnten klaren Darstellung die organisatorischen und gesetzlichen Grundlagen der industriellen Betriebe auseinandergesetzt und auf ihre Bedeutung für den Staatshaushalt, dem sie jährlich elf bis zwölf Millionen Franken Einnahmen bringen, hingewiesen hatte, ergriff Herr Gysin das Wort. Nicht sehr überzeugend klang, was der Tramdirektor von der Unmöglichkeit, Verbesserungen einzuführen, vortrug. Die Behauptung, dass sich die Anregungen der zahlreichen Kritiker als praktisch unausführbar erwiesen hätten, ist leicht zu widerlegen; wir weisen nur darauf hin, dass jahrelang schon die direkte Führung der Linie 4 in die Stadt gefordert wird, die nun endlich kommen soll. Wir anerkennen gerne, dass das Basler Tram in bezug auf Sauberkeit iind Betriebssicherheit vorbildlich zu nennen ist; aber mit Fahrplan, Linienführung und Tarifen sind wir durchaus nicht so zufrieden wie die Verwaltung. Auch in bezug auf die Anpassung an die veränderten Verkehrsverhältnisse durch Einbeziehung der Strassenbahn in den Sens Unique schwieg sich der Referent aus. Am meisten Interesse fanden bezeichnenderweise die Bemerkungen Direktor Gysins zur Autobusfrage. Hatte man beim ersten Satz: «Die Parole heisst nicht Strassenbahn oder Autobus, sondern Strassenbahn und Autobus» den Eindruck, auch bei den B.St.B. sei man endlich zur besseren Einsicht gelangt, so folgte bald die Ernüchterung, denn für Basel gilt cB«6e Erkenntnis scheinbar Dje Diskussion über das Projeikt einer Sanetschstrasse nimmt ihren Fortgang. Als Konkurrent der Sanetschstrasse ist nun auch dasjenige der Kawilstrasse aufgetaucht, dessen Verfasser Geometer Clivaz in Siders ist. Wir wollen heute noch nicht auf die Frage Rawil oder Sanetsch eingehen, sondern unsere grundsätzlichen Erwägungen, die wir in Nummer 35 der «Automobil-Revue» veröffentlichten, in gewissen Punkten ergänzen. Als Ausgangspunkt diene uns ein in einem Berner Blatt erschienener Artikel eines Ingenieurs, der ebenfalls das Projekt einer neuen Alpenstrasse zwischen dem Wallis und dem Kanton Bern ablehnt. Die Argumente des betreffenden Ingenieurs lassen sich kurz folgendermassen zusammenfassen: Die Kantone Bern und Wallis besässen in der Grimsel und im Col du Pillon bereits zwei leistungsfähige Passstrassen. Die Walliser Interessen für eine Sanetschstrasse wären begreiflich, da verschiedene Walliser Korporationen und Private auf Berner Boden grössere Grundbesitze besässen. Dagegen besitze der Kanton Bern an einer Sanetschstrasse kein Interesse. Der Gemeinde Gsteig z. B., sowie der ganzen Talschaft würde einfach « vermehrter Automobilstaub » verbleiben. Die Beziehungen des Amtsbezirks Saanen mit Wallis seien gleich Null. Im Hinblick auf die Lötschbergbahn und das Oberhasliwerk erscheine das Projekt einer Automobilstrasse als unannehmbar. Die Interessenten eines Sanetsch - Kraftwerkes würden natürlich den Bau einer mit Lastwagen fahrbaren Strasse begrüssen. Der Schwerpunkt der oberländischen Fremdenindustrie liege in den von Interlaken und Spiez ausgehenden Tälern. Dieses Zentrum würde durch die Sanetschstrasse abgefahren. Es folgen technische Bedenken; ganz besonders wird das zwischen Kilometer 27 und 33 liegende Gelände als äusserst gefährliches Rutschgebiet bezeichnet. Regionale Interessen. Dieser Beurteilung des Sanetschprojektes möchten wir folgende Erwägungen gegenüberstellen : Nochmals müssen wir ausdrücklich betonen, dass im Zeitalter des internationalen Verkehrs es wohl nicht mehr angängig ist, kantonale und regionale Interessen in den Vordergrund zu stellen. Bereite Anfangs des letzten Jahrhunderts sind die kantonalen Schlagbäume beseitigt worden. Wollen wir sie hundert Jahre später im Zeitalter der Elektrizität und des Automobilismus neu auf» richten ? Der Gedanke wäre so grotesk als lächerlich. Tatsache ist, dass jedenfalls der Kanton Wallis an einer Alpenstrasse, die aus dem Zentrum des Kantons nach Norden führt, eminentes Interesse hat. Der Kanton befindet sich in wirtschaftlicher Entwicklung. Er hat sich in den letzten Jahren stark, verindustrialisiert. Er braucht zur Ausfuhr seiner Produkte als auch zur Einfuhr neue Zugangslinien. Es ist deshalb nicht von ungefähr, dass die Idee einer Sanetschstrasse von einem Walliser Staatsmanns von Staatsrat Troillet, ausgegangen ist. Wenn im Projekt von einer vier Meter breiten Strasse gesprochen wird, so deshalb, weil die Verfasser nicht in allererster Linie an eine eigentliche Automobilstrasse gedacht haben, sondern an eine solche, die den alp- und forstwirtschaftlichen nicht! Was nun Herr Direktor Gysiu gegen den Autobus einzuwenden? Er sei im Betrieb teurer, so dass trotz reduzierter Anlagekosten die Tarife für dieselbe Streckeneinheit höher sein müssen. Wir gestatten uns zu bemerken dass schon bei der Projektie* rung von Strassenbahnlinien die Renditeberechnungen der B. St. B. stets von pessimistischen Annahmen ausgehen; dass dies AUTOMOBIL-REVUE 1928 — Nochmals zur Frage der Sanetscbstrasse. Interessen der Anwohner von hüben und drüben besser gerecht werden könnte. Aber auch kautonalbernischc Interessen können nicht ohne weiteres in Abrede gestellt werden. Wenn heute die Beziehungen zwischen dem Wallis und beispielsweise dem Amtsbezirk Saanen gleich Null sind, so ist dies selbstverständlich. Da wo kein Weg, ist auch kein Verkehr und hören die Beziehungen von selber auf. Zweifellos würden die Verhältnisse mit einer Strasse im Augenblick andere und engere. Die Talschaft, sowie die grossen Gemeinden Gsteig und Saanen hätten nicht nur mit «Automobilstaub», sondern wohl auch mit einem fruchtbareren «Goldstaub » zu rechnen. Wenn sich auch gegenwärtig noch die berner-oberländische Fremdenindustrie auf Interlaken und Umgebung konzentriert, so ist wohl nicht abzustreiten, dass auch Gsteig und Saanen ein bedeutendes Fremdenzentrum sind. Wir zweifeln nicht daran, dass durch den Bau der Sanetschstrasse dieses Fremdenzentrum merklich gehoben werden könnte, so dass die sogenannten volkswirtschaftlichen Interessen des Kantons Bern nicht ohne weiteres « abgefahren» würden. Militärische Gesichtspunkte. Ein wichtiges Moment, allerdings nicht mit lokalbernischem Kolorit versehen, kommt hinzu. Wir haben es am Schlüsse unseres letzten Artikels bereits angedeutet. Es ist das militärpolitische. Wir geben uns keinen Chimären hin. Auch in der Zukunft dürfte leider mit Kriegsausbrüchen zu rechnen sein. Die Welt ist nicht friedlicher gesinnt als vor 1914. Pulverfässer sind an verschiedenen Ecken unseres Europa aufgestellt. Wann der Funke hineinzündet, ist eine Frage der Zeit. Wir Schweizer haben allen Grund, unser Interesse augenblicklich auf unsere Süd- und Westfront zu konzentrieren. Der Kenner unserer Kriegsgeschichte weiss, welche grosse Rolle unsere Alpenübergänge bei bedeutenden Entscheiden je und je gespielt haben. Im Wallis haben wir ein Fort, St. Maurice geheissen. Dessen strategische Bedeutung hier zu erörtern ist überflüssig. Aber eins müssen wir erwähnen: einen Stützpunkt ohne die nötigen Zugangswege betrachten wir als zum vornherein verloren. An Zugangswegen ins Wallis besitzen wir neben der Lötschbergbahn, deren Drähte in Kriegszeiten in kürzester Zeit vernichtet werden könnten, einzig die Grimselstrasse, die für das Gotthardmassiv in erster Linie Bedeutung besitzt, währenddem die heute bestehenden Pässe, welche ins Mittelwallis führen, für militärische Zwecke nicht mehr genügen. Eine Sanetschstrasse brächte die wichtige Verbindung zwischen Thun und Sitten und wäre als Verbindungs- wie auch als Rückschubslinie von eminenter Bedeutung. Wir wollen für einmal mit der Andeutung der Wichtigkeit dieser Frage uns begnügen. Fassen wir die verkehrspolitischen, die volkswirtschaftlichen und die militärpolitischen Interessen, die durch den Bau einer Sanetschstrasse verwirklicht werden könnten, ins Auge, so müssen wir betonen, dass alle kleinlichen und nicht einmal begründeten regionalen Interessen in ein Nichts zerfallen. Diesen Erwägungen werden sich auch die Behörden nicht ohne weiteres entziehen können. K. für die entsprechenden Berechnungen für Autobuslinien, gegen die man prinzipiell eine Abneigung hat, erst recht der Fall ist, hat sich bei den durch die Presse bekannt gewordenen Berechnungen für eine Linie nach Binningen gezeigt. Das bedeutend kleinere theoretische Defizit, das eine neue Berechnung ergab, wird sich auch in Basel wie an andern Orten bei richtiger Betriebsführung in einen Gewinnsaldo verwandeln. Dass der Autobuspassagier die Strasse anderthalbmal soviel in Anspruch nimmt wie sein Kollege, der das Tram benützt, ist eine Neuigkeit, die wohl niemand ernst nimmt; bis jetzt wurden die Schutzinseln auf den Strassen für die Trampassagiere gebaut, während der Autobus hübsch am Trottoirrand hielt und die ganze übrige Strassenbreite für den Verkehr freiblieb. Die Behauptung, dass der Autobus keinen Spitzenverkehr bewältigen kann, ist eine starke Uebertreibung. Im Gegenteil, wir glauben bei Prüfung der Basler Verhältnisse feststellen zu können, dass dort der Autobus speziell geeignet wäre, in den Spitzenstunden als Entlastung der Strassenbahn, die zeitweise die Zirkulation in der innern Stadt hemmt, zu dienen. Man darf hierbei darauf hinweisen, dass schon vor dreissig Jahren die Linie 2 aus diesem Grunde über die Wettsteinbriieke geführt wurde; es wäre also Zeit, wieder einmal etwas zur Verminderung der grossen Zahl der die Gerbergassc passierenden Tramzüge zu unternehmen. Schliesslich erwähnen wir noch die Anpassungsfähigkeit des Autobus für die Linienführung, die es ermöglicht, dio meistfrcqitentierte Route ausfindig zu machen und damit die grösstmöglicho Rendite neuer Linien zu sichern, was z. B. bei der umstrittenen Linie nach Binningen von Wichtigkeit ist. So ergibt sich zusammenfassend, dass die Direktion der B. St. B. Vor- und Nachteile des neuen Verkehrsmittels durchaus unrichtig abgeschätzt hat, und dass dasselbe in Wirklichkeit eine wertvolle Ergänzung, im Stadtinnern sogar teilweise ein besserer Ersatz des schienengebundenen Tramwagens ist. Zu dieser Erkenntnis wird früher oder später auch dio Direktion der Basler Strassenbahucn kommen müssen. Denn es ist nicht die Sucht nach Neuerungen, die in den weitesten Kreisen Basels den Ruf nach dem Autobus hat laut werden lassen, sondern die richtige Auffassung, dass eine Stadt, die durch Bau eines Flugplatzes, eines Rheinhafens, der Mustermesse und der Grossgaragen ihr emporstrebendes Wachstum dokumentiert, sich auch die Vorteile des modernen Verkehrsmittels, das der Autobus darstellt, nicht entgehen lassen darf. D. S. t Oberst Alexander Sudheimer. Kurz vor Redaktionsseliluss kommt uns dio Mitteilung zu, dass Herr Oberst Sudheimer, Kassier der Sektion Waadt dos A. C. S., gründendes Mitglied soit 1910 und Ehrenmitglied- dos A. C. S.. nach schwerer Krankheit gestorben sei. v Der züreherische Kotorjahrzeugverkehr utitl seine Beurteilung durch die Statthalterämter. Alljährlich fügt die Direktion der kantonalzürcherischen Polizei ihrem Jahresbericht eine Aufstellung über die im Laufe des Jahres verhängten Polizeibussen bei. In der Uebersicht fehlen auch die erledigten Fälle betreffend Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr nicht, welche Rubrik bei den zahlreichen «Betroffenen» wohl gemischte Gefühle auslösen wird. Der Bezirk Zürich steht in der Uebersicht für 1927 mit 1794 diesbezüglichen Bussenverfügungen obenan, während Dielsdorf mit der geringen Zahl von 38 am Ende der 11 Kreise umfassenden Liste figuriert. Die verschiedenen Statthalterämter haben sich in einem Bericht über die Verfehlungen geäussert, und verdienen einzelne Ausführungen betreffend des Motorfahrzeugverkehrs festgehalten zu werden. Die Kommentare, welche in ihrer Auffassung des modernen Verkehrs noch k-ein einheitliches Bild zeigen, lassen die rein zahlenmässige Liste der gefällten Bussen vielfach in einem etwas günstigem Licht erscheinen. Das Statthalteramt Zürich weist in seinen ergänzenden Ausführungen besonders auf die Schwierigkeiten und den Arbeitsaufwand hin, welche die Beurteilung der gemeldeten Verfehlungen verursachen, da sich die Aeusserungen der beiden Parteien in manchen Fällen nicht decken. Man würde es deshalb begrüssen, wenn ein Modus gefunden werden könnte, wonach in jedem einzelnen Fall der Tatbestand der Uebertretung dem Fehlbaren gleich an Ort und Stelle zur Kenntnis gebracht werden könnte. Die Automobilisten würden sicherlich eine derartige Methode ebenfalls vorziehen, da es oftmals nur noch schwer möglich ist, sich nachträglich auf sämtliche Details und die genauen Umstände zu erinnern. Eine ad hoc durchgeführte Vernehmung, die allerdings möglichst einfach und prompt zu erledigen wäre, würde wohl viel Arbeit und Unmut verhindern. Erfreulich sind die Ausführungen der Amtsstelle Meilen, welche feststellt, dass im Verhältnis zur Zunahme des Automobilverkehrs eine Besserung im Strassenverkehr eingetreten ist. Man gelangte dort zur Ansicht, dass sowohl die Fahrer als auch die übrigen Strassenbenützer aus den fortgesetzten Ermahnungen der Behörden und. Automobilkreise bezüglich der sorgfältigen Einhaltung der Verkehrsvorschriften eine Lehre gezogen haben. Es wird dies für alle jene, welche ständig für die Aufklärung und Erziehung aller Strassenbenützer arbeiten, ein wertvoller Ansporn sein, ihre, Bemühungen fortzusetzen. Hoffentlich sehen sich auch die Behörden veranlasst, in vermehrtem Masse die in dieser Richtung gemachten Anstrengungen von Verkehrsverbänden und Fachpresse weitgehendst zu unterstützen. Befremdend wirkt die Behauptung des Statthalters von Himvil, nach dessen Auffassung die polizeilichen Vorschriften von Motorfahrzeugführern vielfach absichtlich oder grobfahrlässig missachtet werden. Entweder verkehren im dortigen Bezirk nur die schwarzen Schafe, welche leider auch in den Reihen der Automobilisten immer wieder anzutreffen sind, oder aber der dortige Berichterstatter betrachtet die Angelegenheit durch eine etwas allzu autophob angehauchte Brille. Letztere Annahme scheint uns um so gerechtfertigter, als verschiedene anderweitige Acttsserungen, wie z. B. der Bericht der Amtsstelle Wiutorthur, einen gegenteiligen Standpunkt eiiinnehnieii, der sicherlich eher den Tatsachen gerecht wird. Das dortige Statthai teraint stellt nämlich eine wesentliche Besserung im Strassenverkehr fest und führt diese auf die vermehrte gegenseitige Rücksichtnahme der verschiedenen Kategorien von Strasseiibenützern zurück. Es unterstreicht zudem die dringende Notwendigkeit, die Bevölkerung und namentlich die Jugend über das Verhalten auf der Strasse aufzuklären. Zu einem besondern Tadel geben ihm die Velofahrer Anlass, welche nach eingetretener Dunkelheit, entgegen den bestehenden Vorschriften, immer wieder ohne Licht fahren und so eine ständige Quelle der Verkehrsgefährdung bilden. Uster, in dessen Bezirk 337 Bussenverfügungen im Verlaufe des letzten Jahres gefällt wurden, bemerkt in einem sehr objektiven Kommentar, dass die gegen Motorfahrzeugführer ausgesprochenen Bussen zwar zahlreich seien, dass aber die geahndeten Geschwindigkeitsüberschreitungen im allgemeinen keine ausscrordentlichen waren. Im grossen und ganzen scheine sich doch das Verantwortlichkeitsgefühl der Fahrer gehoben zu haben. Weiterhin wird lobend erwähnt, dass sich viele Fahrer Sonntags je länger je mehr auch ausserhalb der Dörfer eines massigen Tempos befleissigen und vermehrte Rücksicht auf die Spaziergänger nehmen. Das Statthalteramt von Uster rügt dagegen das Verhalten mancher Motorradfahrer, welche die geringe Grosse ihres Fahrzeuges leider dazu ausnützen, um, entgegen den bestehenden Verkehrsvorschriften, sich überall durchzu/AVängen und vorzufahren.

N« 36 — 1928 ÄUTOMOBIL-REVUE Der Statthalter von Dielsdorf äussert seine Befriedigung darüber, dass im vergangenen 'Jahr nur eine geringe Zahl von Verkehrsunfällen zu verzeichnen war, wobei einer der wenigen Unglücksfälle auf grobes Selbstverschuldeii des Verletzten zurückzuführen war. Von besonderer Bedeutung ist die Feststellung, man sei im allgemeinen gerne geneigt, den Fahrer für alle Unfälle verantwortlich zu machen, währenddem das Verschulden Vielfach beim Verletzten selbst liege. Einzelne Amtsstellen beklagen sich über die Nachtruhestörung der Motorfahrzeuge, welche Rüge aber vielfach mehr an die Adresse der Motorradfahrer gerichtet ist. Wie erinnerlich wurde am 5. November letzten Jahres eine Bekanntmachung veröffentlicht, welche die Fahrzeugführer auf die Nachtruliestörung aufmerksam machte und verschärfte Ahndung androhte. Wie eine massgebendc Amtsstelle uns bestätigt, hat diese Bekanntmachung eine erfreuliche Besserung in dieser Hinsicht gebracht, und es ist zu erwarten, dass sich sämtliche Fahrer künftig vermehrter Rücksichtnahme während der Nachtzeit befleissen. Es wird auch nichts schaden, wenn besonders schwer Belehrbare ernsthaft zu'r Rechenschaft gezogen werden, um zu verhindern, dass sie durch ihr unerfreuliches Oebahren die Grosszahl der anständigen Fahrer in unverdienter Weise ebenfalls in Misskredit bringen. Es ist erfreulich, feststellen zu können, dass r die Mehrzahl dieser Statthalterberichte ein vermehrtes Verständnis für die heutigen Verkehrsbedingungen Ursachen der Verkehrsunfälle sowie auch die Schuldfragen mit bedeutend mehr Sorgfalt geprüft werden. Z. Die Zürcher Fuchsballonjagd. Bei der ge- Siern von der Union der Motorradfahrer- Clubs der Schweiz und dem ostschweizerischen Verein für Luftschiffahrt gemeinsam mit den Herausgebern der Zeitschrift «Motor» veranstalteten Fuchshetze beteiligten sich über 60 Motorradfahrer und die drei Ballone *;«Uto», «Zürich» und «Hclvetia». 11.45Uhr startete der von Oberstlt. Walo Gerber geführte Fuchsballon « Uto », in dessen Gondel sich Hauptmann Primault, der neue Generalsekretär des A. C. S. und selbstverständlich auch Sportredaktor Dr. .Bierbaum befanden. Kurz darauf stiegen die goldenen Kugeln der * Zürich » und der « Helvetia» in den Himmel. Die Motorradfahrer ratterten siegesge- ;wiss hintendrein. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man glaubt... Nach 2üstündiger Fahrt demonstrierte der Fuchs bei Schätti- Birri, unterhalb Muri, eine Scheinlandimg, bei der die Verfolger glatt auf den Leim gingen. Als dann das gehetzte Wild in der Gemeinde Hünenberg bei Cham (welch ein Zufall — Chara war schon bei der erfolgreichen Ballonjagd der Sektion Bern des A. C. S. das 'Endziel!), endgültig niederging und dessen Insassen den Korb vom Ring lösten, glänzten die Verfolger durch Abwesenheit. Die Organisatoren erzielten einen schönen Erfolg. v. (Sport siehe Seite 6) Autokurse zwischen Birs- und Birsigtal? Wie mitgeteilt wird, ist dem Begehren des Initiativkomitees für eine Automoblverbindung Basel-Biel-Benken, um Erteilung der Motorwagenkonzession für die Strecke Basel- Oberwil, von der Generaldirektion der Postund Telegrapheiiverwaltung nicht entsprochen worden. Die Konzession wurde nur für die Strecke Oberwil-Biel-Benken erteilt. Die Birsigtalbalm hat bekanntlich vor zwei 'Jahren, den Klagen der Bewohner des Leimentales wegen ungenügender Verbindung mit der Stadt Basel scheinbar Rechnung tragend, versuchsweise einen Autobusdienst auf der Strecke Biel-Benken-Oberwil durchgeführt. Was jedem Eingeweihten im voraus klar sein musste, nämlich dass ein auf kaum vier Kilometer beschränkter Dienst keine Existenzmöglichkeit finden werde, namentlich nicht auf einer Strecke wie Biel-Benken- Oberwil, wo das Einzugsgebiet für eine angemessene Frequenz viel zu ungenügend ist, traf in dieser Probezeit auch ein. Für diesen «Versuch» hatte die Birsigtalbahn kein wirkliches Interesse, und unter Hinweis auf die Nichtrentabilität dieses Verkehrs stellte sie ihn ein. Seither hält ein Privatunternehmer eine Autoverbindung zwischen den Gemeinden aufrecht. Als in Binningen beschlossen wurde, entweder den Tramverkehr oder aber nichts einzuführen, mussten die hintern Leimentäler sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass wohl in absehbarer Zeit nur mit der Einführung des letztern zu rechnen sei. So bildete sich unter den interessierten Kreisen selbst ein Initiativkomitee, das um die Konzession eines Autobusdienstes für die Strecke Basel-Obenvil-Biel-Benken nachsuchte. Die Antwort auf dieses Begehren war negativ. Die Auswanderungsstatistik unseres Landes für den Monat April verzeichnet einen neuen beträchtlichen Rückgang. In den ersten drei Monaten dieses Jahres sind 203 Personen weniger ausgewandert, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. — Folgen der Entwicklung unserer eigenen Industrien, nicht zuletzt der Automobilindustrie ... Die zwischen einem französischen und amerikanischen Grossindustriellen getroffene Wette, dass ein amerikanischer Serienwagen einen französischen auf der Rennbahn schlage, ist von dem Amerikaner verloren worden. Nach einem 19stündigen Austrag auf der Piste von Indianapolis verzeichnete der französische Wagen bereits 2173 Kilometer mehr, als der von den beiden bekannten Rennfahrern Milton und Lockhart gesteuerte amerikanische Wagen. Der Amerikaner ist um 25,000 Dollars ärmer und um einen zünftigen Nasenstüber reicher! Amerikas akademische Jugend soll erklärt haben, Boxen, Jazz, Flirt, Rekorde und Hollywood nicht länger mehr als Lebensinhalt betrachten zu können. — Morgendämmerung zwischen den Wolkenkratzern! Es hat lange gedauert... * In Deutschland führen die Automobilisten dokumentieren und die regelrechte Uebungen zur Bekämpfung von Katastrophen, wie Feuersbrünste, Hochwas- Sport vom Sonntag. l$umt