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E_1928_Zeitung_Nr.041

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Aasgabe: Deutsche Schweiz. PFFII. Fra. 11. mal 1928. Nummer 20 Cts. 2*. Jahrgang. — N° 41 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint laden ntenütao und Freitag Monatlich „Gelb* Litte" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMIMSTltATlON: Breitenrainstrasse 97, Bern *ofern dicht postamtllch bestellt. Zusehlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Posteheck-Rechnuna HI/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Auto recht liehe Bildungskurse. Vorbemerkung der Red. Wie wir erfahren. etösst die von der Automobil-iRevue lancierte Anregung zur Abhaltung autoreehtlicher Bildungskurse auf ein immer grösser werdendes Interesse Wir veröffentlichen nachstehend eine weitere uns aus unserem Leserkreise zugestellte Vernehmlassung, d'e das zur Diskussion gestellte Thema in lichtvollei Weise behandelt. Einen weitern Artikel eire« kompetenten Verwaltungsmannes werden wh- noch im Laufe dieses Monates veröffentlichen können. In Nummer 34 der «Automobil-Revue» ist redaktionell die Anregung gemacht worden, es möchten von der Eidg. Technischen Hochschule besondere autorechtliche Fortbildungskurse für Juristen, Richter und Verwaltungsbeamte eingeführt werden. Dieser Vorschlag ist aller Beachtung wert. Der Strassenverkehr spielt heute im Leben der Nation eine ausserordentlich grosse Rolle. Er ist, den Anforderungen der Zeit entsprechend, dichter und rascher als je geworden. Die stets zunehmende Bevölkerungstnenge bringt notgedrungen einen erheblichen Prozentsatz der der Arbeit, dem Gang zur Arbeit und auch der Erholung gewidmeten Zeit auf den öffentlichen Verkehrswegen zu. Um diesen Prozentsatz zu vermindern, werden in immer ausgedehnterem Masse öffentliche und private Beförderungsmittel, Strassenbahnen, Autobusse, Privatautomobile, Fahrräder, Motorräder und Pferdefuhrwerke in. Anspruch genommen. Dazu kommen die zahlreichen gewerblichen Transportmittel, die unsere Industrie und unser Handel, getrieben durch die Hast der Zeit und den unerbittlichen Konkurrenzkampf, nicht mehr entbehren kann. Je mehr dieser Strassenverkehr zunimmt, umso schwieriger wird seine Regelung. Sie wird noch schwieriger durch die verschiedenartigen Geschwindigkeiten der Verkehrsmittel und ihres Beschleunigungs- und Stoppvermögens. Wird durch behördliche Massnahmen die Fahrgeschwindigkeit der Strassenfahrzeuge stark herabgesetzt, so ist, wenigstens in den Städten, eine sofortige Verstopfung der Strassen die Folge. Wird die zulässige Geschwindigkeit erhöht, so wächst bei der ungleichen Leistung der verschiedenen Fahrzeugarten die Unfallgefahr. Bekanntlich besitzen wir in unserem Lande keine allgemeine Verkehrsregelung. Vorschriften bestehen nur für den Automobilverkehr und diese sind im Konkordat verankert, dessen Bestimmungen weder der heutigen Verkehrsintensität, noch dem Stand der Technik angepasst sind. Notgedrungen sind daher einzelne Städte und Kantone über die Vorschriften des Konkordats hinausgegangen und haben diese, leider nicht immer glücklich, erweitert und abgeändert. Damit sind wir im Verkehrswesen in einen Zustand gekommen, den man ruhig als das Vorschriftenchaos bezeichnen kann. Schlimmer ist die Sache in letzter Zeit noch geworden, seit-» dem einzelne Kantonsregierungen Verkehrspolitik und Verkehrsvorschriften miteinander verbunden haben und mit den letztern einen Transportzweig los zu werden hoffen, der ihnen aus verschiedenen Gründen unangenehm wird. In dieses Chaos Ordnung zu bringen, ist keine leichte Sache. Es gehört dazu eine eingehende Kenntnis des gesamten Strassenverkehrs, der Verkehrsmittel und der Strassen selbst. Vom grünen Tisch aus und nach rein juristischen oder gefühlsmässigen Grundsätzen lässt sich keine Verkehrsregelung aufstellen, die den heutigen Anforderungen entspricht. Dies wird von den juristischen Beamten unserer obersten Behörden auch anerkannt. Erst kürzlich äusserte sich einer von ihnen dahingehend, dass es ihm immer peinlich sei, bei der Ausarbeitung von Gutachten in Angelegenheiten des Verkehrs und der Verkehrsmittel Auskünfte über die einfachsten und gebräuchlichsten technischen Ausdrücke verlangen zu müssen. Während die Ausarbeitung von Gesetzen und Vorschriften sonst überall durch Fachbeamte oder unter Heranziehung von Kornmissionen geschieht, die aus Fachleuten bestehen, ist dies in F^agen,der Verkehrsregelung selten der Fäll. Hier werden die Fachleute zum vorneherein als Partei betrachtet. Auf einen solchen Standpunkt kann sich die gesetzgebende Behörde aber nur stellen, wenn ihre Beamten in der Lage sind, in voller Kenntnis aller in Betracht fallenden Faktoren Vorschriften aufzustellen. Andernfalls laden sich die Behörden eine schwere Verantwortung auf, besonders, weil es sich bei der Verkehrsgesetzgebung nicht allein um das materielle Wohl der Bevölkerung handelt, sondern auch um die persönliche Sicherheit. Es liegt nun ohne weiteres klar, dass autorechtliche und autotechnische Bildungskurse, bei denen auch alle Fragen des Strassenverkehrs behandelt würden, im Interesse der Verwaltungsbeamten des Bundes und der Kantone lägen, ebensosehr aber auch in dem aller Strassenbenützer, die unter den bestehenden Verhältnissen leiden. Wenn solche Kurse auch keine eingehende Kenntnis der ganzen Materie verschaffen können, so ist doch schon viel gewonnen, wenn sich die verantwortlichen Beamten mit den grundlegenden Faktoren des Verkehrs vertraut machen und sie dabei den Eindruck gewinnen, dass Theorie und Praxis im Verkehrsleben sehr verschieden sein können. Ebenso wichtig ist die Kenntnis des Verkehrs und der ihn beeinflussenden Umstände für jene Kreise, die mit der Ausführung der Qesetze und Vorschriften betraut sind. Bei der Beurteilung, von Unfällen sieht sich oft selbst der Fachmann vor Fragen gestellt, die nicht leicht zu beantworten sind. Es gibt trotz genauer Befolgung der Vorschriften durch die Beteiligten Unfälle, weil örtliche Verhältnisse, wie unübersichtliche Strassenkreuzungen, glatte und vereiste Strassen, Blendung durch indirektes Licht von Bogenlampen, Schaufenstern usw. einen Einfluss ausgeübt haben. Es gibt aber auch Unfälle, die man unter den gegebenen Umständen durch Nichtbefolgung der Vorschriften hätte vermeiden können. Endlich noch spielen bei Unfällen im Strassenverkehr psychische Einflüsse, eine grosse Rolle. Zu diesen gehören die bei jedem Strassenbenützer verschiedene Reaktionszeit, Erregbarkeit, Schreckhaftigkeit usw., Einflüsse, die keineswegs immer auf eine krankhafte Veranlagung zurückgeführt werden müssen und denen nicht nur die Fahrzeuglenker, sondern auch die Fussgängef unterworfen sind. Alle diese Einflüsse sollten dem Richter bekannt sein, wenn von ihm ein gerechtes Urteil erwartet werden darf. Wir haben in unserm Lande Richter, die es mit ihrer Aufgabe ernst nehmen und die Autofahren lernten, lim,damit ihr eigenes Urteil über den Verkehr und die ihn beherrschenden Faktoren. machen.. können. Es sind ihrer aber nur psenige, wohl weil viele fürchten, der Besitz eines eigenen Autos könnte ihnen in den Augen ihrer Vorgesetzten und ihrer Mitbürger schaden. Solche Bedenken, die vielleicht sogar berechtigt sind, würden dahinfallen, wenn es sich um den Besuch der angeregten Eildungskurse bei unserer Technischen Hochschule handeln würde. Solche Bildungskurse hätten wahrscheinlich auch zur Folge, dass die Richter und die Vertreter des Staates bei den Gerichten in der Einschätzung des Werts von Zeugenaussagen (wir verweisen auf unseren Artikel «Ein interessantes Urteil», «A.-R.» Nr. 39, Red.), besonders wenn sich diese auf die Geschwindigkeit von Fahrzeugen beziehen, sehr vorsichtig würden. Bei einem von der Technischen Hochschule in Dresden durchgeführten Fortbildungskurs, an dem Juristen, Richter, Staatsanwälte und höhere Polizeibeamte teilnahmen, wurden Motorfahrzeuge in verschiedener Geschwindigkeit vorgeführt. Die Teilnehmer hatten die Aufgabe, die Geschwindigkeit zu schätzen, während die wirkliche Geschwindigkeit durch einwandfreie Messungen festgestellt wurde. Das Ergebnis war verblüffend, denn die Schätzungen wichen 30—50% von den wirklichen Geschwindigkeiten ab. Damit war der Beweis geleistet, dass selbst nüchtern denkende INSERTIONS-PREIS: Die aehtgesfailtene 2mm hohe Grundzelle oder deren Raum 45 Ctf. für die Schweiz; für Anzeigen am dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentnrit. Inseratensehlns« 4 Tage vor erscheinen der betreffenden Nummer und durch keine besondern Umstände beeinflusste Intellektuelle sich bei Geschwindigkeitschätzungen arg täuschen können. Irrtümer bei der Beurteilung von Verkehrsunfällen wird es natürlich immer geben, aber sie können durch Aufklärung verminj dert werden. Eine grosse amerikanische Transportunternehmung hat für ihren Betrieb einen eigenen Gerichtshof eingesetzt, der alle in ihm vorkommenden Unfälle unabhängig vom Urteil der öffentlichen Gerichte zu behandeln hat. Dem Gericht gehören in gleicher Zahl Vertreter der Firma und der Angestellten an, ausschlieslich aber Fachleute. Gelangt dieses Geschäftsgericht im Gegensatz zum öffentlichen Gericht zum Freispruch eines angeklagten Angestellten, so übernimmt die Firma alle Kosten des ordentlichen Gerichtsverfahrens. Also auch in den U. S. A. fehlt es offenbar teilweise an Richtern, die in genügender Weise mit dem Verkehr vertraut sind. Wir haben übrigens auch in der Schweiz ein solches Sondergericht, wenn man die Sache so nennen will. Bekanntlich steht der Postbetrieb nicht unter der kantonalen Gerichtsbarkeit und die Wagenführer der Post können bei Unfällen nur mit Zustimmung der Verwaltung von den öffentlichen Gerichten abgeurteilt werden. Dafür übt aber die Postverwaltung die Disziplinargerichtsbarkeit aus. Bei dieser wird nach genauer Untersuchung die Sachlage zuerst von den technischen Beamten eingehend begutachtet und dann erst die Akten unter Antragsstellung an die Personal- und Rechtsabteilung weitergeleitet. Dem Vernehmen nach sollen wichtige Fälle dabei vor eine Konferenz aller technischer Beamten gezogen werden, wo ein jeder seine Auffassung kundzugeben hat. Wenn eine eidg. Behörde eine derart eingehende Abklärung der Ursachen eines jeden Unfalls für nötig hält, so ist nicht einzusehen, warum nicht auch bei Unfällen im Privatverkehr ähnlich vorgegangen werden soll. Zwar werden hier, wenigstens in den Städten, durch die Polizeiorgane und durch kantonale Experten Erhebungen gemacht. Bei den Gerichtsverhandlungen stehen sich aber meist Aussage gegen Aussage gegenüber und dann muss es dem Richter peinlich sein, nicht nach eigener Erfahrung urteilen zu können, sondern sich auf Feststellungen von Polizeiangestellten verlassen zu müssen, denen bei allem guten WH'en oft die nötigen Kenntnisse abgehen. Führt die Anregung der «Automobi-Revue» zu einem praktischen Ergebnis, und dies ist bei dem allseitigen Interesse, das sie gefunden hat, zu hoffen, so dürfte die E. T. H. mit autorechtlichen Fortbildungskursen den mit dem Strassenverkehr in Berührung stehenden Verwa'tungs- und GerichtsbeamteU einen grossen Dienst erweisen. Das weisse Auto Ein Zeitbild aus dem heutigen Chicago, von Felix Vitali. (Schluss) Ein donnernder Knall zerschlägt ihm den Atem. Die Luft erzittert. Zischend erhebt sich eine Feuersäule über der See — riesenhaft aufsteigend, schauerlich schön. Nachtschwarze Wolken verhüllen die Lohe. Erstarren... Bebend spannt Mc. Lumm Lummy ein neues Blatt ein. Die furchtbare Explosion hat bei den Blackcorners blitzartig eingeschlagen. Aus den niederen Fenstern der seltsamen Schiffe drängen sie — steigen auf die Dächer. Ihre Blicke hangen an dem verfinsterten Horizont. Grelle Laute schlagen herüber... «Seht sie winken!> Ein weisses Tuch flattert über den Häuptern der Blackconerieute. Der Sender erstattet Meldung. «Entwaffnen. Mann für Mann gefesselt in die Stahlräume. Höhe beibehalten,! lautet Captain Hill Cliffs Befehl. Eine Dampfbarkasse wird zur Unterhandlung ausgesandt. Die ganze Mannschaft auf der «Sunny» steht unter Waffen. Das Boot der Unterhändler kehrt mit schäumendem Kiel zurück- «Bedingungslose Uebergabeb Misstrauen verdoppelt die Wachsamkeit an Deck. Man kennt sich aus... Nach einer halben Stunde hat der letzte Biackcorner mit erhobenen Armen die Gasse drohender Gewehrmündungen durchschritten. Die Bande liegt im Bauche des Zerstörers- Entwaffnet und gefesselt, unter schärfster Bewachung. Kein einziger Schuss fiel. Nur der Photokasten des Journalisten knipste ununterbrochen ... Ein Bootslegger verriet den Grund für die überraschende Uebergabe: Die gelbe Insel war in die Luft gesprengt! HAPPy END Sie sassen nebeneinander und kosteten ihre Nähe auf der engen Bank wie Kinder, die sich müde gespielt haben. Jedes wusste um die Gedanken des andern und lächelte darüber. Die Sonne tauchte sie in eine wunschlose Wohligkeit. Vor ihnen bullerte der kleine Schiffsmotor. Ab und zu traf ein Spritzer ihre Köpfe. Der Kiel strebte in blauestes Blau hinein ... Earl und Mabel waren den Schatten entflohen. Die Explosion hatte die gelbe Insel vor ihren Augen in die Luft gesprengt — kaum, dass sie das offene Meer gewonnen. Minuten verdankten sie das Leben- Einem Zufall, dass kein Gestein, das mit der kochenden Flut ringende Boot erreichte! Wie das schreckhafte Rot in ihrem Rücken zerflossen, die See wieder ruhig geworden, waren auch die Bilder des Grauens und des Gehetztseins aus ihrem Innern gewichen.— Die Menschen glauben an das Glück des ersten Sichfindens, glauben dieses Glück ein Leben lang besitzen zu können. Oder sie hoffen es. Wagen selten mehr. Bis das Schicksal mit brutaler Faust ihre programmatische Häuslichkeit durcheinanderrüttelt. Es gibt welche, die sich bücken, welche die zerbrechen, welche, die herrisch kämpfend austrotzen, andere aber, die nach jedem Gewitter goldiglachende Sonnen sind. Das sind wohl die wahrhaft Glücklichen — die unverwüstlichen, unverdrossenen Stehaufmännchen ! Die immer und trotz allem was finden, worüber man sich freuen kann- Die Charlie Chaplins des Lebens! Tramps der Landstrasse, die in einer Konservenbüchse ihr Nachtmahl kochen und sich am Feuer Hand und Herz erwärmen.. • Auch Earl und Mabel lachten, da wo andere geweint hätten. Lachten sie froh nach dem Wahnwitz, der hinter ihnen lag. Oeffnete sich nicht der blaueste Himmel vor ihnen? Sollte man sich selbst belügen, nur weil die Generationen in ihrer spiesserischen Aeusserlichkeit unsinnige Sitten grosszogen? Sitten, die von einer zeitlebens misshandelten Witwe fordern, dass sie zur Trauer über den Hinschied ihres Peinigers ein Jahr lang schwarze Kleider trage...! Ganz hinten im Schiffchen sass der alte Farrington und schlief. Vor Earl lag das Tagebuch des Professors. Sorgfältige Aufzeichnungen, welche — die meisten Schlüsse seiner Retter bestätigend —• Licht brachten in die geheimnisvolle Entführung des alten Sonderlings. Der Gelbe, der in der Rolle eines Vermittlers der chinesischen Mächte aufgetreen war, hatte die eminente Bedeutung der Konstruktion des weissen Autos richtig einzuschätzen gewusst. Die wunderbare Er-