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E_1928_Zeitung_Nr.040

E_1928_Zeitung_Nr.040

«Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag, 8. Mai 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 40 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dleaitan and FMIU« Monatlich -Gelbe Liste« Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland tinter Partozoschlag, totern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnnng HI/414 Telephon Bollwerk 39.84 TVleeramm-Adresse: Autorevue. Ben I... J&bwä&hvkampBf. Ergriffen von einer grossen Idee und durchdrungen vom Gedanken, dass nur die persönliche Handlungsfreiheit den Fortschritt bedinge, haben unsere Vorfahren im Jahre 1848 den Gedanken der Handlungs- und Gewerbefreiheit in unserer Verfassung niedergelegt. Der Gedanke war gut und bewährte sich in der Praxis. Industrie und Gewerbe blühten auf, brachten Verdienst und hoben den Wohlstand unseres ganzen Volkes. Wir wissen wohl, dass die Zeiten sich ändern und dass schrankenloser Individualismus, der auf den Nächsten keine Rücksicht nimmt, durch Organisation und durch Gesetze seine Grenzen finden musste. Aber es ist nicht zu leugnen, dass eine eingesetzte Ueberorganisation, die Verzunftung, die Verstaatlichung, grosse Gefahren für unser volkswirtschaftliches Leben in sich bergen. Die Zunahme öffentlicher Betriebe und die Verstaatlichungstendenzen auf weiten Gebieten unseres wirtschaftlichen und politischen Lebens haben uns bereits tief in den Staatssozialismuis hineingeführt. Durch die Verstaatlichung grosser privater Eisenbahn-Gesellschaften und durch die staatliche Subventionierung kleiner Eisenbahn-Unternehmungen, ist der Staat finanziell derart mit diesen verwachsen, dass ihm eine objektive Beurteilung verkehrspolitischer Fragen bereits schwer fällt und dass sich seine Organe mit dem wachsenden Einfluss des Automobils als dem moderneren Verkehrsmittel nur schwer abzufinden wissen. Immerhin sei erwähnt, dass eine gewisse geistige Umstellung sioh langsam Bahn zu brechen beginnt. So lasen wir beispielsweise in einem Artikel einer stadtbernischen Zeitung, der sich mit Eisenbahn und Auto befasst und zweifellos von bahnoffiziöser Seite geschrieben wurde, dass auch Bahnkreise sich vollkommen bewusst seien, im Auto ein heute unentbehrliches Verkehrsmittel zu besitzen, dem wir vieles zu verdanken hätten. «Manche Bahngesellschaften, vorab die Schweizerischen Bundesbahnen, wurden durch Industriekrise und Autamobilkonkurrenz aus einem letargischen Zustand der Ueberorganisation und bureaukratischer Gepflogenheiten unsanft aufgerüttelt». Dieses Bekenntnis freut uns und ist uns Beweis genug dafür, dass man die Leistungsfähigkeiten des Autos als Transportmittel nicht mehr in Abrede zu stellen versucht. Um die zwölf Tonnen. Dagegen scheint es uns, als wären auf der ganzen Linie staatliche Funktionäre am Werke, ganz besonders dem Lastwagenverkehr neue Fesseln umzuwerfen. Ein Teil unserer Gewerbefreiheit soll wieder geopfert werden, einschnürende Bestimmungen sollen die Konkurrenzfähigkeit des Lastwagenverkehrs zu Gunsten der Bahn niederhalten. So hat kürzlich die Studienkommission der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren-Konferenz getagt und bezüglich der zulässigen Höchstgewichte für den Motorlastwagen und Lastenzüge einen wichtigen Beschluss gefasst. Währenddem für Einzellastwagen die Belastungsgrenze auf zehn Tonnen erhöht wurde, hat die betreffende Kommission das Höchstgewicht des Motorlastwagenzugs analog dem Bernischen Automobildekret auf zwölf Tonnen festgesetzt. Dieser Beschluss, der mit allen gegen zwei Stimmen gefasst wurde, geht im Sinne einer Empfehlung an die Kantonsregierungen, die dem Konkordat über den Automobilverkehr angeschlossen sind. Dieser für die 144 Automobilunternehmen der Schweiz schwerwiegende Beschluss wird gegenwärtig in einem Grossteil der schweizerischen Presse unter verschiedener Aufmachung, aber systematisch, begründet und dem Volke mundgerecht zu machen versucht. Man kann sich zu diesem Beschlüsse so oder anders einstellen. Sicher ist, dass der Begriff des «Schwer- und Ferngüterverkehrs> nicht so leicht abzustecken sein dürfte und dass es auch schwer fallen wird, die beiden Gebiete sogenannter «natürlicher Bahn- und KJ 99V Grössere Inserate nach Seitentarif, Inseratenschlnss 4 Tage vor Ericheinen der betreitenden Nummer der Bahn Vorteile geniesst oder nicht, fällt nicht in Betracht. Das Automobil hat die gleiche Existenzberechtigung wie die Bahn, und wenn es mit Vorteil arbeiten kann, so ist dies eben ein Beweis daifür, dass es wirtschaftlicher und deshalb für die Volkswirt-* schaft nutzbringender arbeiten kann. Die Bahn wird sich gleichwohl halten können, und der durch den Automobilismus bedingte grössere Verkehr wird auch ihr zugute kommen. Haben sich die Eisenbahnen einmal mit der Tatsache abgefunden, dass ihre bisherige Monopolstellung durch das Auto gebrochen ist, haben sich die 24 kantonalen Baudirektoren damit abgefunden, dass ihre Strassenzüge dem modernen Verkehr angepasst werden müssen und dass Automobilzölle nicht einzig zur Deckung von kantonalen Staatsdefiziten da sind, haben sich unsere 24 Polizeidirek- 1 toren mit der Tatsache abgefunden, dass der Mensch, auch wenn er im Automobil sitzt, immer noch Mensch ist und ein Recht auf Schutz und anständige Behandlung erheben darf, so werden sich eine Reihe heute noch strittiger Fragen von selbst lösen. K, Benzinzollviertel. Die Beschlüsse der ständerätlichen Kommission. Letzte Woche tagte in Bern die ständerät-» liehe Kommission, um zu den Beschlüssen des Nationalrates, wie er sie in der FriÜH Jahrssession gefasst hat, Stellung zu nehmen. Wie sich unsere Leser erinnern werden, schweben zwischen den eidgenössischen Rä-t ten über die Frage der Verteilung des Ben-s zinzollviertels noch verschiedene Abweichung gen. Immerhin zeigen die Beschlüsse den ständerätlichen Kommission, dass eine eini-i gende Kompromislösung in der Junisession erwartet werden dürfte. Mit etwelcher Ungeduld harren die Kantone der Kuchenvertei-» lung. Deswegen ist es gut, wenn die Behörden sich sputen; grosse Aufgaben warten auf die Lösung, die nicht durchgeführt werden kann, solange die Goldbarren auf der Nationalbank liegen. Entgegen dem Beschlüsse des Nationalrats hält die ständerätliche Kommission an dem Grundsatze fest, dass der Subventionsanteil des einzelnen Kantons auf Grund seiner Gesamtaufwendungen für sein Strassennetz ge-i messen werden soll. Bekanntlich ging der Beschluss des Nationalrats dahin, dass nur zwei Drittel entsprechend der Gesamtaufwendüngen entrichtet werden sollten und ein Drittel auf die Durchgangsstrassen zu enU fallen sei. Die ständerätliche Kommission sucht ihren Standpunkt mit dem Hinweis zu begründen, dass es sehr schwer falle, den Privatindustrie und der PrivatunternehmerBegriff der Durchgangsstrassen zu fixieren. als quasi «kalte Sozialisierung» unbedingt Eine Anfrage an die Kantone habe ergeben, ablehnen müssen. K. dass das Netz dieser sogenannten Durchs gangsstrassen viel dichter und wirrer sei als Strasse dankbar sind, so ist dabei doch immer wieder zu betonen, dass gerade im Kan- Aussicht genommene. Immerhin nähert sich das ursprünglich von der Bundesbehörde in ton Bern die Erträge der Automobilsteuer die ständerätliche Kommission der Auffassung des Nationalrats, indem für die Vertei- auf gegen drei Millionen Franken angewachsen sind und dass die grossen Ausgaben des lung die Gesamtaufwendungen der letzten Staates Bern aus einer jahrelangen vollständigen Vernachlässigung des Strassennetzes hält sie daran fest, dass zum Ausgleich ge- drei Jahre massgebend sein sollen. Ebenso herrühren, die eigentlich erst mit dem Eintritt wisser Unbilligkeiten dem Bundesrat vorab des Herrn Bösigers in die Regierung ihr Ende aus dem Benzinzollviertel 5 % zur Verfü-< gefunden hat Wie überall, so auch hier, Unterlassungssünden, besonders wenn sie sich entsprechend dem national rätlichen Beschluss gung zu stellen seien. Ausserdem aber sollen auf Jahre hinausstrecken, müssen bitter bezahlt werden. ausgeschieden werden. Bei Art. 4 bis, der die weitere 250 000 Franken zum gleichen Zweck Verteilung der Betreffnisse aus den Jahren Siegeszug des Straßentransportes. 1925, 26 und 27 regelt, geht die Kommission Die Ergebnisse der Bundesbahnen im Jahre noch einen Schritt weiter, indem sie den 1927 haben bewiesen, dass die Konkurrenz Subventionsanteil der einzelnen Kantone auf des Automobils für die Bahn nur fördernd Grund der Gesamtaufwendung der letzten war. Es ist unserer Ansicht nach eine Kurzsichtigkeit, wenn nun versucht werden will, Erfreulich ist besonders, dass dem natio« fünf Jahre festsetzun will. den sogenannten «Siegeszug des Strassentransportes» durch beengende und unsere rungsrat Keller zugestimmt wurde, das be- nalrätlichen Postulat durch Herrn Regie- Gewerbefreiheit tangierende Bestimmungen kanntlich eine Besteuerung ausländischer einzuschränken. Das Automobil wird sich Motorfahrzeuge ins Auge fasst. Unsere Auffassung hierüber haben wir erst letzhin im trotzdem durchsetzten, sofern es sich wirtschaftlicher und rentabler zeigt als dieArtikel « Auswüchse », Nummer 37 der « Am Bahn. Ob der Automobilismus gegenüber tomobil-Revue » festgelegt. K.