Aufrufe
vor 9 Monaten

E_1928_Zeitung_Nr.043

E_1928_Zeitung_Nr.043

A««gabe: Deutsche Schweiz. , Freitag, IB. mal 1928. Gelbe Liste Nummer 20 Cts. 2*. Jahrgang. — N° 43 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentraiblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Frelts* Monatlich -Gelbe Litte" Halbjährlich F>. 6.-, jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, tofei-D nicht postamtlich bestellt Zuschlag für [»ostamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Kechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autororu«. Bern IESIJCLO lE^iolxtig-stolluixx^ Vor nicht gar langer Zeit passierte ein Cliche-Artikel einen Teil der Berner Presse, der sich über das bernische Automobildekret und dessen Wohltaten aussprach. Die höchsten Töne wurden darin angeschlagen. Der Kanton Bern sei mit seinem Dekret bahnbrechend vorgegangen. Nicht reelle Verkehrsbedürfnisse, sondern «Auswüchse des heutigen Automobilverkehrs» hätten damit getroffen werden sollen. Der Kanton Bern, als ein, verkehrstechnischer Faktor erster Ordnung, verfüge über 2200 Kilometer Staatsstrassen, habe 320 Millionen Franken in seine Dekretsbahnen investiert und besitze daher die «Legitimation», eigene Wege zu beschneiten. Das Kennzeichen des Dekretes liege-in seiner liberalen Tendenz und sei deshalb begrüssenswert. Es sei Pflicht der Behörde gewesen, gegen die Störung der Nachtruhe, gegen die Ueberanstrengung der Chauffeure und gegen die Lastenzüge vorzugehen. , Im betreffenden Artikel ist den Lesern starker Tabak in grosser Dosis vorgetischt worden, Was das «bahnbrechende Vorgehen» des Kantons Bern anbelangt, so müssen wir schon bekennen, dass gerade ein Kanton, durch den der gesamte schweizerische' Westost- und Ostwest-Verkehr pulsiert, a,uch wenn er 320 Millionen an-teilweise verlorenen Wertpapieren " in seinem Sacke mitschleppt, deswegen noch lange nicht eine genügende Legitimation besitzt, eigene Weg© zu gehen. Ein Kanton von der Bedeutung 1 Berns sollte sich nicht durch unnötige Verkehrseinkapselung hervortun wollen. Auch wenn er im Vergleich zu andern Kantonen noch so gross, so ist er doch zu klein, um im Zeitalter des Automobils separatistische Wege gehen zu können. Gerade der Berner hält sonst sehr viel auf Tradition. Die Tradition seiner Geschichte zeichnete sich durch Grosszfi.cigkeit und Expansionstrieb aus. Der alte Berner kannte die Vorteile der wachsenden Räume. Er ruhte deshalb nicht, bis seine Grenzen von der Grimsei zum Dotibs und vom Genfersee bis nach Baden reichten. Grosszügig baute er den Lötschbergtumipl. srross^ficng verwirklicht er heute das Oberhasli-Werk, um plötzlich und unbegründet vor dringenden Verkehrsfragen recht eigentlich zu versagen. Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. O. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller. Verlag, München. Mike kam herüber und schüttelte ihm die Hand. «Shoesmith, alter Bursche, wie geht es Ihnen? Ich sagte Ihnen unten nichts, weil ich sehen wollte, ob mich Mr. Moon erkennen würde. Er tat es nicht. » « Ein verzeihlicher Gedächtnisfehler, Sir, > meinte Shoesmith, «in Anbetracht, dass Sie erst fünfzehn Jahre alt waren, als Sie nach Kanada gingen. Willkommen in England, Sir Michael, wenn ich es sagen darf.» « Guter Gott! », rief Mr. Moon aus. « Sir Michael. Richtig, das bist du ja. Das hatte ich fast vergessen. Ja, ja! — Shoesmith, tummeln Sie sich, tummeln Sie sich! Eier! Speck! > « Sofort, Sir,» sagte Shoesmith dienstbeflissen, und zog sich zurück. Mr. Moon schaute seinen Neffen lachend an. « Sir Michael, was? Wie gefällt es dir? » Mike schlenderte zum Fenster und Hess sich in einen Stuhl fallen. Das Dekret selbst hat mit «liberaler» Politik gar nichts zu tun. Die darin enthaltenen gesetzlichen Bestimmungen entstammen dem Dekrete des Jahres 1924 betreffend Abänderung des Dekretes vom 10. März 1914, das interkantonale Konkordat über den Verkehr mit Motorfahrzeugen und Fahrrädern betreffend Die sogenannten Fortschritte wären somit ohne das neue Dekret vom Jahre 1927 bereits dagewesen. Die Verbesserungen müssen dagegen eher als Rückschritte bezeichnet werden. Auch für die Regelung und Durchgangsverkehr für Automobile aufmerksam gemacht und nach Gegenmassnahmen gerufen. Mit Wirkung ab i. Mai sollen nun die der Lastenzüge wäre kein neues Dekret nötwendig gewesen, denn die Hauptbestimmungen sind bereits in der.Verordnung betrefnes reduziert werden. Die deutsche Han- deutschen Einreiseautomobilsteuern um ein Kleidelskammer in der Schweiz unterstützt unser fend den Verkehr mit Motorlastwagen, Traktoren und Anhängewagen auf den öffentli- Einreisegebühren, was wir an dieser Stelle mit Bestreben nach vollständiger Beseitigung dieser chen Strassen vom 24. Oktober 1924. niedergelegt. Heute harren fünf staatsrechtliche Mitarbeiter schreibt uns zum Thema: Freude registrieren und verdanken möchten. Ein Rekurse ihrer Lösung. Verschiedene Regierungen haben gegen das «bahnbrechende » steuer für zu vorübergehendem Aufenthalt in Bekanntlich ist die deutsche Automobil- Dekret im Stiftsgebäude, Protest eingelegt--^ Deutschland einreisende Auslandsautomobilisten, mit 1 Wirkung ,ab 1. April 1928 in der und siehe da, der bernische Regierungsrat änderte das vom Grossen Rat gutgeheissehe Weise modifiziert und teilweise reduziert Dekret ab, ohne die gesetzgebende Behörde worden, dass nun pro Tag 1 Mark, jedoch anzufragen. Ueber die sogenannten = « Aus-mindestenwüchse des Automobilismus » wollen wir uns hiedurch speziell für kürzere Aufenthalte eirte 3 Mark zu bezahlen sind. Wenn für einmal nicht weiter ergehen. 1 gewisse Reduktion der bisherigen Steuer ein- ist, so scheint man es in interessier- •• Was allerdings 1 das Nächtfährveibot anbe-getretelangt, so sei auch hier festgestellt, dass offener Auspuff und abnormaler Lärm, ebenso lassen zu wollen und will neue Anstrengunten Kreisen hiermit noch nicht bewenden das grundlose Bedienen von Alarm-Signalen beim Durchfahren von Dör-fern und Steuer unternehmen, zumalen die in die gen zur vollständigen Beseitigung dieser Städten schon seit vielen Jahren verboten ist. Ein Auto ist kein Klavier und umgekehrt ein Klavier kein Auto. Wenn jemand glaubt, bis zur Geisterstunde sejne ..Nachbarschaft mit Fingerübungen langweilen zu müssen, SO' ist mit Fug und Recht' ein Verbot am Platze. Der Lastwagen mit seinem Anhänger obliegt jedoch keinem Vergnügen, sondern steht im Dienste der Arbeit, die wiederum der Gesamtheit zugute kommt. Das Führen von Nachtgüterzügen dürfte jedenfalls den Anwohnern von Eisenbahnlinien ebenso unbequem in den Ohren liegen wie das kurze Vorbeirattern eines Lastwagenautomobils. Es kann sein, dass Kranke durch einen Lastwagen in ihrer Ruhe gestört werden können. Dagegen darf umgekehrt nicht vergessen werden, welch grosse Dienste das Automobil dem Arzte und das Krankenautomobil dem ungünstig gelegenen Spital und den weitabwohnenden Kranken leisten kann. Allerdings muss hier beigefügt werden, dass weder das Aerzteauto noch das Krankenauto den einschränkenden Bestimmungen des Dekrete«; unterliegen. Auf alle Fälle wird es gut sein, wenn in Zukunft solch einschneidende Dekretsbestimmungen nur in engster Fühlungnahme mit den betreffenden Interessenten aufgestellt werden: denn Verkehrsbestimmungen, die wirklich der Versöhnung der Interessen dienen wollen, können nicht einfach vom grünen Tische aus diktiert und ohne Rücksichtnahme onf die sich erhebende Opposition in ' Kraft erklärt werden. K. Deutsche Automobilsteuer für Auslandsautomobilisten. Vorbemerkung der Redaktion: Wir haben in Nr. 87.. der. « Automobil-Revue » auf die gegeilt wärtig bestehenden Aaswüchse in unserem Ein- Schweiz einreisenden deutschen Automobilisten für einen Aufenthalt bis zu drei Monaten keinerlei Steuern zu entrichten haben. So hat nun die deutsche Handelskammer in der Schweiz, mit Sitz in: Zürich, Ende April eine; Eingabe an den ; Deutschen Industrie- *und 'Handelstag gerichtet, worin die yoll- «iähdige Beseitigung dieser deutschen Äuslänäer-Autorndbilsteuer gefordert wird. Bei der genannten Stelle, an welche die Eingabe gerichtet ist, handelt es sich um die Spitzenorganisation sämtlicher deutscher Handelskammern und ist wohl anzunehmen, dass dieselbe das Postulat sofort aufnehmen und beim deutschen Reichsfinanzministerium sich dafür verwenden wird, dass demselben Folge gegeben wird. Es wäre vom schweizerischen Standpunkt aus sehr zu begrüssen, wenn dieser erneute Schritt endlich von Erfolg begleitet wäre. Es steht ja der deutschen Regierung frei, ihren Beschluss betreffend die Beseitigung dieser Ausländer-Automobilsteuer von der Frage der Gegenseitigkeit abhängig zu machen, d.h. denselben nur gegenüber den Angehörigen derjenigen Staaten zur Anwendung zu bringen, die Gegenrecht halten und die deutschen Automobilisten für einen Aufenthalt bis zu drei Monaten ebenfalls nicht besteuern. In der Praxis würde das für die an Deutschland angrenzenden Staaten in der Weise herauskommen, dass die französischen, belgischen, holländischen, tschechischen und Tiroler Automobilisten eine Autosteuer bei der Einreise in Deutschland zu entrichten hätten, während die schweizerischen, dänischen, polnischen «Nicht besonders, Onkel Joe, um die seinem so übel angewendeten Leben hatte er Wahrheit zu sagen. Bis jetzt hat es nicht viel die Tochter eines reichen Eisengiessers geheiratet. Diese Dame — die Schwester von Unterschied gemacht, ausser, dass die Leute grössere Trinkgelder erwarten. Aber ich Mr. Moon und Mikes Tante — war nach freue mich gerade nicht, das Gut in Kings einem Jahr krampfhaften Ehestandes darauf Fortune zu übernehmen. Nach Tante Karolinens Ansicht bedarf es einer Kreuzung von Eheringes von einer Anzahl anderer Gunst- gekommen, dass sie nur der Besitz eines Napoleon und Mussolini, um die Sache ins empfängerinhen ihres Gatten unterschied. rechte Gleis zu bringen.» Ihre hohen moralischen Grundsätze, unterstützt durch die Meinung ihres Vaters — der « So schlimm ist es nicht,» sagte Mr. Moon, «deine Tante ist eine sehr tüchtige Frau. der ziemlich verbreiteten Ansicht war, ein Aber dein unbetrauerter Onkel hat nicht getan, was er hätte tun sollen.» als gar keiner —, verboten ihr zwar, sich schlechter Baron in der Familie sei besser «Ich habe nie geglaubt, dass er so bald scheiden zu lassen, doch lehnte sie es energisch ab, noch weiter mit ihm etwas zu tun sterben würde,» sagte Mike beinahe gekränkt. zu haben. Dabei wies sie wahrheitsgemäss « Der Tod rafft einen oft so plötzlich weg. darauf hin, dass er von Anfang an weniger De mortuis, und so weiter, aber es war doch ein Gatte, als eine eheliche Katastrophe gewesen war. wohl das Beste, was er tun konnte.» Jeder, der den Herrn, von dem die Rede Sir Richard, den das durchaus nicht bekümmerte, zog sich nach London zurück und war, gekannt hatte, hätte diesem Ausspruch nur be-istimmen können. Der Lebenslauf des nahm sein vergnügliches Leben wieder auf, verstorbenen Sir Richard Fairlie bestand aus dieses bestand aus einem bedeutenden Verbrauch starker geistiger Getränke und einer einer fast ununterbrochenen Reihe von Lumpereien. Als einziges schwarzes Schaf einer Form des Pokerspiels, die sowohl eigenartig, als auch erfolgreich war. Schliesslich sonst untadelhaften Familie schien er einen moralischen Knacks zu haben, der ihn einfach unfähig machte, die gerade Strasse der Skandal, bei dem ein Spiel Karten mit fünf aber zwang ein nur teilweise unterdrückter Anständigkeit zu wandeln. Ziemlich früh in Assen beachtenswert war, den unternehmen- INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grandzelle oder deren Raum 45 Cts. (ür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct* Grössere Inserate nach. Seitentaril. InseraUnschluss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer und — mit Ausnahme von Tirol — österreichischen Automobilisten keine solche mehr bezahlen müssten. ,-, Die Beseitigung der deutschen Ausländer- Automobilsteuer würde den Autoreisevericehr nach Deutschland zweifellos ausserordentüGhfördern und demselben eine gewaltige- Zunahme bringen. Derselbe hat zwar in de,n. letzten Jahren auch trotz dieser deutschen Sondersteuer einen erheblichen Aufschwung genommen; er würde- aber noch bedeutend grösser sein, wenn man an der deutschen. Grenze nicht diese immer noch ziemlich ansehnliche Abgabe zu entrichten hätte. Es steht ausser Zweifel, dass zahlreiche Automobilisten dieser deutschen , Sondersteuer wegen auf die Ausdehnung ihrer Touren-> fahrten nach Deutschland verzichten ; und dass die Zahl der Deutschland bereisenden* fremden Autotouristen eine bedeutend grössere wäre, wenn man nicht mit dieser für den modernen Autoreiseverkehr nicht mehr passenden Grenzsteuer zu rechnen, hätte. -Öie Forderung des autotouristischen Verkehrs muss in dieser Hinsicht unbedingt nach'möglichster Freizügigkeit gehen, wobei 'jegliche künstlichen Steuerschranken, deren finanzielles Ergebnis niemals von massgeberidem Einfluss sein wird und darf, zu beseitigen sind^ Da eine eventuell kommende schweizerische Ausländer-Autamobilsteuer zweifellos ' au, 3h, die -Gegenre'chf sklausel, vorsieht,. .würde hieduretf "der Beseitigung 'der angefochtenen' •deutschen, Autosteuerkeift Hindernis In dfeli Weg gelegt. $. .., Zum Kapitel «Schulreisen». Jeden Frühling, da -die Schulreisen vor der Türe stehen, ist mit der amtlichen Verfügung der Schul direktionen, ganz besonders derjenigen des Kantons Bern zu rechnen, die den Schulbehörden und der Lehrerschaft nahelegt, Automobilfährten nach Möglichkeit zu meiden und in allererster Linie die Bahnen zu berücksichtigen. Der Standpunkt ist nicht neu. Wir begreifen, dass der Staat, der an den Bahnunternehmungen finanziell mitinteressiert ist, einseitig Stellung nimmt. Dagegen geht auch der diesjährige Aufruf der bernischen Unterrichtsdirektion zu weit. Die Begründung, weshalb das Automobil nur da zu verwenden sei, wo besondere Umstände ein Abweichen von der Regel rechtfertigen, ist recht fadenscheinig. Warum die Bahnen gegegenwärtig mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen haben, ist von uns in der letzten Zeit verschiedentlich auseinandergesetzt worden. Leider entgeht auch die bernische Unterrichtsdirektion der Versuchung nicht, den Schulkommissionen und der Lehrerschaft das Gruseln über Autofahrten beizu- den Baron, neue Jagdgründe aufzusuchen. So fuhr er nach Monte Carlo, begleitet von dem befreiten Aufatmen seiner Bekannten und einer Dame aus einem Blumenladen in Picadilly. Drei Monate später ereilte ihn das Schicksal in Gestalt des Delirium tremens, so dass er den Rest seines Erdendaseins in dem unerschütterlichen Glauben verbrachte, er sei Julius Cäsar, eine Täuschung, die ihm zwar zweifellos grosse Genugtuung bereitete, jedoch den einstigen unwiderstehlichen Zauber seines Wesens einigermassen beschränkte. Bald darauf starb er und beging damit die einzig lobenswerte Tat seines Lebens. Der grösste Teil seiner unterhaltsamen Geschichte war Mike bekannt, obwohl er nie auf freundschaftlichem Fuss mit dem Onkel gestanden und ihn in der Tat nur selten getroffen hatte, ehe er mit seinem Vater nach Kanada auswanderte. Dieser war ein begeisterter Landwirt, der fand, dass ihm England nicht genügend Spielraum zur Entfaltung seiner Talente biete. Nach seinem Tode war Mike der Erbe Sir Richards, welcher Ehre er wenig gedachte, bis ihn plötzlich die Nachricht vom Tod seines Onkels und eine gebieterische Botschaft Pflichten erinnerte. seiner Tante an seine