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E_1928_Zeitung_Nr.045

E_1928_Zeitung_Nr.045

Atisgabe: Deutsche Schweiz» EFFlf. Freitag, 75 Mai 1928. Nummer 20 CR 24. Jahrgang. — N° 45 ERSTE SCHWEIZERISCHE Zentralblatt für die schweizerischen Äutomob ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienst an und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.-, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, AD.MIMSTIIAT1OAI: Breitenrainstrasse 97, Ben? tofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Z Ff TITRFfi MJI Ja ü w 11 ^J* INSERTIONS- PREIS: Die aehtRespaltene 2 mm hohe Grundzefle oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach beitentnrü. Inseratensehluss 4 Taae vor Erscheinen der betreffenden Nummer Zur Sicherung der NivesiM£SB*«n»«£äärD«£^ Das schweizerische Eisenbahndepartement schreibt uns: Veranlasst durch die zahlreichen Betriebsgefährdungen und Unfälle bei den Niveaukreuzungen zwischen Bahnlinien und Strassenzügen hat sich das Eisenbahndepartement schon vor einigen Jahren mit den Bahnverwaltungen und den am Strasstnverkehr interessierten Stellen in Verbindung gesetzt, um in gemeinsamer Zusammenarbeit Mittel und Wege zu suchen, welche geeignet wären, die Sicherheit bei diesen Gefahrstellen nach Möglichkeit zu erhöhen. Man gelangte damals übereinstimmend zum Schlüsse, dass es in erster Linie erforderlich sei, die Bahnübergänge den Strassenbenützern durch einheitliche Aufstellung der dreieckigen Automobil- Warnungstafeln mit dem international geltenden Zeichen für den Niveauübergang rechtzeitig kenntlich zu machen. Trotzdem der Frage der Kostentragung wegen in der Folge eine allgemeine Verständigung nicht herbeigeführt werden konnte, darf heute festgestellt, werden, dass die Grosszahl der in Frage kommenden Uebergänge bereits mit solchen Vorsignalen versehen worden sind. Diese Massnahme allein scheint nun aber nicht zu genügen, um eine ausreichende Sicherung der Niveauübergänge zu gewährleisten, denn nach den uns zugehenden Meldungen über Betriebsgefährdungen und Unfälle ergibt sich immer noch eine st-ete Zunahme dieser Vorkommnisse. Jm Interesse der vermehrten Sicherheit des Bahn- wie auch des Strassenverkehrs erscheint es deshalb erforderlich, den Gefahrpunkt selbst, also den Niveauübergang, in vermehrtem Masse kenntlich zu machen. Dabei muss das hauptsächliche Bestreben darauf hinzielen, dass die Kennzeichnung der Uebergänge im ganzen Lande und bei allen Bahnen eine einheitliche sei, damit dem Strassenbenützer einwandfrei und unter allen Umständen die Art des zu befahrenden Niveauüberganges bezeichnet wird. Zu diesem Behufe sieht der vorliegende Entwurf drei Arten besonderer am Uebergang selbst anzubringender Signale vor und unterscheidet die Uebergänge in solche mit a. Bahnabschluss durch Barrieren; ib. Optisch-akustischer Signalisierung; c. Blosser Kenntlichmachung durch Warnsignale. Die am Niveauübergang selbst anzubringenden Signale werden als «Hauptsignale» bezeichnet; als solche werden vorgesehen: Ortschaften, eine ausreichende öffentliche Strassenbeleuchtung vorhanden ist und die Automobillenker mit abgeblendetem Licht fahren müssen, während bei den in unbeleuchteten Strassenzügen gelegenen Niveaukreuzungen die reflektierenden Glaskörper nach Art der Kataphoten Verwendung finden sollen. Mit dieser letztern Einrichtung sind bei verschiedenen Bahnen praktische Versuche durchgeführt worden, die sehr befriedigende Ergebnisse gezeitigt haben. Daraufhin hat die Generaldirektion der S. B. B. die sofortige Ausrüstung der Barrieren ihrer Niveauübergänge, die einen erheblichen Fahrrad- und Automobil verkehr... aufweisen, mit solchen Signaltafeln angeordnet. Im Interesse der Einheitlichkeit soll diese bewährte Einrichtung nunmehr allgemein vorgeschrieben werden. b. Bei optisch-akustischer Signalisierung. Aufstellung von Warnsignalen, welche den Strassenbenützern das Herannahen des Zuges in auffälliger Weise anzeigen. Diese Signale sind grundsätzlich den Barrieren gleichzustellen und sollen als Ersatz von solchen gelten. Auch mit derartigen Warnsignalen sind bereits zahlreiche Versuche durchgeführt worden, .die sich im allgemeinen auf die folgenden Systeme erstreckten : 1. das Wig-Wag-Signal der Westinghouse j£ö., ein Pendelsignal mit schwingender roter* Scheibe lind rotem Licht; 2. das Hasler-Signal der Hasler A.-G., ein Drehflügelsignal mit von vorn beleuchtetem achtförmigem Flügel; 3. das Aga-Signal der AGA A.-G., ein mit Acetylengas betriebenes rotes Blinklichtsignal mit Einzellicht; 4. das Signum-Signal, der Signum A.-G., ein Dreiecksignal mit drei roten elektrischen Blinklichtern. Alle diese Signale können mit Alarmglokken vereinigt werden. Neben der im normalen Bahnbetrieb durchgeführten Erprobung der einzelnen Signale sind im verflossenen Herbst unter ungünstigen Sichtverhältnissen besondere Vergleichsversuche vorgenommen worden, bei denen die vier Systeme und ihre Signalwirkung mit einander verglichen und erprobt worden sind. Dabei hat sich die Ueberlegenheit des Signum-Signals in einwandfreier Weise ergeben, was uns neben den Aeusserungen der Versuchsteilnehmer (Vertreter der Bahnen, der Automobilverbände und Strassenbenützer) a. Beim Vorhandensein von Barrieren. Anbringung einer gleichseitigen weissen veranlasste, in den vorliegenden Vorschriften Dreiecktafel mit schwarzem Rand an dendie einheitliche Anwendung des Blinklichtsignals mit drei roten Lichtern vorzusehen. Schlagbäumen, wobei je nach den örtlichen Verhältnissen gegen die Strasse gerichtet Auch im Interesse des zu verlangenden möglichst störungsfreien Betriebes gebührt die- entweder im weissen Felde ein rotes Licht oder im schwarzen Rand rot reflektierende sem System der Vorzug, da dasselbe keine Glaskörper einzulassen sind. beweglichen mechanischen Teile aufweist. Um Ein rotes Licht wird insbesondere dort als dem Strassenbenützer den Niveauübergang erforderlich erachtet, wo, wie im Innern von als solchen bei Dunkelheit auch dann kenntlich zu machen, wenn die Vorbeifahrt eines Zuges nicht zu erwarten und das Signal also nicht in Warntätigkeit und daher unbeleuchtet ist, haben wir dessen Ausrüstung mit einem Rand aus grün reflektierenden Glaskörpern in Aussicht genommen. c. Bei blosser Kenntlichmachung durch Warnsignale. Aufstellung von besondern Kreuzsignalen am Uebergang seiber, die zu dessen Kenntlichmachung bei Nacht ebenfalls mit grün reflektierenden Glaskörpern versehen sein sollen. Die Kreuzform des Signals zur Kennzeichnung unbewachter Uebergänge ist in Uebereinstimmung mit einem Beschluss des Internationalen Eisenbahn-Verbandes angenommen worden, der seine Mitglieder verpflichtet, diese Art Uebergänge in dieser Weise zu signalisieren. Daneben ist es aber auch die nachfolgende Ueberlegung, die uns dazu geführt hat, für die unbedkuten Uebergänge ein Signal in Form eines Kreuzes zu wählen. Durch die Anbringung von Dreiecktafeln an den Barrieren und die Wahl eines Blinklichtsignals in Dreieckform werden diejenigen Niveauübergänge, bei denen die Bahn für die Ankündigung der bevorstehenden Zugsdurchfahrt, sei es durch die geschlossene Barriere, sei es durch die automatische Signalisierung Jsiit Blinklicht, sorgt, dem Strassenbenützer einheitlich durch dreieckförmige Warnzeichen kenntlich gemacht, während diejenigen Niveaukreuzungen, bei denen er sich selber davon zu überzeugen hat, ob er die Bahnlinie ungefährdet überqueren könne oder ob ein Zug herannahe, einheitlich durch ein kreuzförmiges Signal gekennzeichnet sind; mit andern Worten : Wo sich am Niveauübergang ein dreieckförmiges Signal befindet, ist es die Bahn, die dem Strassenbenützer die Sperrung-des Uebergangs kenntlich macht; wo dagegen ein Kreuzsignal vorhanden ist, hat er in vollem Umfang selber für seine Sicherheit zu sorgen. Verordnung betreuend den Abschluss und die Signalisierung der Niveaukreuzungen der Eisenbahnen mit öffentlichen, dem Automobilverkehr dienenden Strassen. (Entwurf vom März 1928.) Der schweizerische Bundesrat, in Anwendung der Art. 14, 16. 29 und 31 des Bunde&gresetzes vom 23. Dezember 1872 über den Bau und Betrieb der Eisenbahnen auf dem Gebiete der schweizerischen Eidgenossenschaft und des Artikel 3 des Bundesgesetzes vom 21 Dezember 1899 betreffend den Bau und Betrieb der schweizerischen Nebenbahnen. auf Antrag seines Post- und Eisenbahndepartementes. beschliesst: I. Geltungsbereich. Art 1. Die Gültigkeit dieser Verordnung erstreckt sich auf Niveaukreuzungen der schweizerischen Bundes- Pfingsten! Grauverhangener Himmel, zischende Pneus auf nassem Asphalt, fahlblasse verirrte Sonnenstrahlen — wie poesielos diese Maimonate doch sind! Da sitzt man hinter seinem Redaktionspult, dreht die Hände über der Heizung als wären es Toastschnitten, streckt die Nase in ein rotgetupftes Taschentuch und sieht voll ehrlicher Bewunderung auf den Stoss von Pfingst- Reiseplänen. So ein Optimismus! Da sind die Berner T. C. S.'ler, die den schönen App'enzellermeitschi und den blühenden Gefilden Mostindiens einen Besuch abstatten wollen, dann der Berner A. C. S., der seinen Riehtungszeiger nach dem Lac de Joux und den leuchtenden Narzissenleldern von Montreux eingestellt hat, der Basler A. C. S. t dessen Wünsche nach den Vogesen fliegen, der T. C. S. St. Gallen-Appenzell, der sich an bayrischer Gemütlichkeit, Radetzkimärsehen, Bier und Weisswürsteln erwärmen will, die Sektion Neuenburg des T. C. S. mit ihrer Tourenroute, die mitten in den Narzissenduft von Blonay führt. Und erst die hundert und aberhundert Pläne aller Autlerfamilien landauf landab! Da stecken sie über dem neuen CH-Touring die Köpfe zusammen, und je länger sie hin- und herwägen, desto. schwerer wird ihnen die Wahl. Der Herr Papa will an den RheinfalU die Frau Mama nach Lugano (natürlich!), der Sohn nach Montreux, die Tochter nach Weggis! Das Wetterbulletin stellt. Feuilleton und hohe Politik in den Schatten, zu ungezählten Malen beklopfen nervöse Finger das Glas des Barometers. Der steht immer noch auf « Beständig». Und draussen regnet es in Strömen. Aber war's in der Osterwoche nicht ebenso? Die Festtage lachten nach endlosen Regenwochen in unschuldigstem Sonnenschein! Das gibt Mut, Hoffnung. Die Wagen stehen blankgewaschen in den Garagen, die ersten duftigen Sommerkleidchen hängen im Kasten — die Herzen sind voll Durst nach Sonnenschein. Petrus, wir glauben, der Wink ist deutlich! Pfingsten im frühsommerlichen Festgewand! Schöne Leserinnen und werte Leser, mögen alle Ihre Wünsche in Erfüllung gehen! Dann ist auch unser Wunsch erfüllt. Die Redaktion. bahnen und der konzessionierten Eisenbahnen auf Sohweizergebiet mit öffentlichen, dem AutomoMlvei> kehir dienenden Strassen. Art. 2. TJeber die Anwendung dieser Verordnung auf Niveaukreuzungen von Strassen mit Trambahnen und Bahnlinien auf Strassemsrebiet entscheidet die Aufsichtsbehörde von Fall zu FaM. II. Art des Bahnabschlusses der Niveaukreuzungen. Art. 3. Als Bahnalbschluss im Sinne des Gesetzes gelten: 1. Barrierenanlagen, die durch Bahnpersonal be- F JE tf I JE T O N Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. 0. R. Browne. Copyright 1528 by Georg Müller. Verlag, München. J3. Fortsetzung) Zweites Kapitel. Das lange, niedere, rote Auto schlängelte sich durch Picadilly nach Knightsbridge. Es war einer jener Wagen, die wie eine schlechte Zigarre aussehen, mit der Schnelligkeit eines Lichtstrahls fahren und ungefähr zehn Schilling für die englische Meile verbrauchen. In dem winzigen Sitz zusammengekauert, das riesige Lenkrad umklammernd, sass Sir Michael Fairlie, der sechste Baron in der Ahnenfolge, den Hut bis über die Augen herabgezogen und das braune Antlitz von einem Ausdruck höchster Befriedigung erfüllt. Denn vor allem* liebte Mike die Geschwindigkeit. Bei den meisten Leuten ist der Ankauf eines Autos eine Angelegenheit, die Monate dauert und eine mühevolle Untersuchung von hundert wichtigen Punkten erfordert. Mike hatte die Sache ganz anders angefangen. Er war einfach die Great Portland Street hinabgegangen und hatte das erste Auto gekauft, das ihm in die Augen stach und nach genauer Untersuchung alle mechanischen Erfordernisse erfüllte. Nun sauste er auf grossen Umwegen und mit einer Geschwindigkeit, die seinen Onkel entsetzt haben würde, nach Putney. Während er so dahinfuhr 1 , weilten seine Gedanken im Heim seiner Ahnen und bei der Arbeit, die ihn dort erwartete. Lady Fairlie schien seiner Einsetzung als einer Art Wohltäter des Kreises mit Ungeduld entgegenzusehen. In dem Brief, der ihm (ohne Ausdruck des Bedauerns) das Ableben ihres Gatten mitteilte, hatte sie bewegt von erwartungsvollen Pächtern und Gutsinsassen, von grossen Empfangsfestlichkeiten und Aehn- Iichem geschrieben, es kam auch darin eine grauenerweckende Anspielung vor auf einen Triumphbogen mit einem Chor von Schulkindern unter Führung eines Vikars. Offenbar hatte sie es als selbstverständlich angenommen, dass das Pflichtgefühl ihres Neffen ihn dazu bewegen würde, seine Farm zu verlassen und in seinen neuen Pflichtenkreis mit vollstem Verständnis einzutreten. Mike hatte das ja auch getan, wenn nicht aus Pflichtgefühl, so doch aus Neugierde, um zu sehen, wie er sich als Baron mit einem Einkommen von fünfzehntausend Pfund jährlich fühlen würde. Da er aber ein einfaches Gemüt besass und die letzten zwölf Jahre seines Lebens nicht die richtige Vorbereitung auf die bevorstehenden gesellschaftlichen Wirbel waren, so fühlte er eine entscheidende Besorgnis. Gleichwohl gab es einige Milderungsgründe. Mike war seiner Tante aufrichtig zugetan und hatte ihre heldenhafte Geduld mit ihrem Gatten, der eine wahre Pest war, immer sehr bewundert. Sobald die fürchterliche Einleitung vorüber war, konnte das Leben in Kings Fortune ganz angenehm werden. Var allem Pferde würde es dort geben. Und Hunde. Und schliesslich konnte ihn niemand hindern, nach Kanada zurückzukehren, falls es ihn gut dünkte. «Könnte schlimmer sein,» dachte Mike. Nach dieser philosophischen Erwägung schaltete er die Höchstgeschwindigkeit ein und flog über die Hammersmith-Brücke in einem Tempo, das einem dicken Bürger wilde Flüche entlockte; er war der Vernichtung um die Breite eines Westenknopfes entgangen. Wie ein Wirbelsturm sauste der Wagen die Strasse entlang. Ein Vorort gab ihn mit einem Seufzer der Erleichterung dem andern weiter. Alle flogen an den roten Rädern vorbei wie Gras unter der Sense. Hinter ihm blieb die Strasse von wütenden Polizisten besetzt, die eifrig Notizen machten. Mehr einem allerdings spät auftretenden Instinkt, als den Landesgesetzen gehorchend, mässigte Mike seine Geschwindigkeit, als er jetzt in den Richmond-Park einlenkte. Ein paar hundert Meter hinter dem Tor hielt er an, streckte sich mit einem frohen Lächeln und griff nach seinem Zigarettenetui. Es