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E_1928_Zeitung_Nr.047

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Ausgabe: Deutsche Schweiz BERN, Freitag, 1. Juni 1928. Nummer 20 Cts 24. Jahrgang. — N° 47 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL -ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dlenstan und" Freitag Monatlich „Gelbe Litte" Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern solern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: AutoreTue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile odet deren Raum 45 Ct*. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ctt. Grflssere Inserate nach Seitentarif, Inseratenschluss 4 Tane vor Erseheinen der betreffenden Nummer A-uit ot G clxxxis clr e * In verschiedenen Nummern der «Automobil-Revue» * ist der Gedanke autorechtlicher Bildungskurse erörtert worden. Männer in leitenden Stellungen und Kenner des Automobilwesens haben sich dazu geäussert und unsere Anregung wärmstens unterstützt. Auch sie erblicken in den autorechtlichen Bildungskursen das passende 'und zweckentsprechende Mittel, um unsere Juristen und Beamte, die in ihrer Praxis irgendwie mit dem Automobil in Berührung kommen, in das Wesen des Automobilismus und der damit zusammenhängenden Fragen einzuführen. Hoffen wir, dass das in der «Automobil-Revue » erörterte Problem bei den kompetenten Instanzen den nötigen Widerhall und das nötige Verständnis gefunden haben wird. Möchte es nicht mehr allzu lange gehen, bis unsere Anregung, sei es von der Eidgenössischen technischen Hochschule oder von Verbänden aus, ihre Verwirklichung findet. Das Ausland ist uns hierin bereits vorangegangen; erfreulich wäre es, wenn wir nicht gar zu sehr hintan hinken würden. Heute unterbreiten wir der Oeffentlichkeit eine zweite Anregung. Sie betrifft rein autotechnische Bildungskurse. Die Zahl der Automobile ist stetsfort im Wachsen begriffen. •Damit zweifellos auch das Bedürfnis nach gut ausgebildeten Chauffeuren und Automechanikern. Schon heute aber ist zu konstatieren, dass es- uns an technisch vollwertig jausgebildeten Chauffeuren und Mechanikern fehlt. Am Volant zu sitzen und sicher fahren zu können ist eine Kunst, die gewiss jeder ruhig denkende und überlegende Mensch einmal wird erlernen können. An solch sichern Fahrern fehlt es uns auch nicht. Anders dagegen verhält es sich mit Chauffeuren, die ihren Motor kennen und die imstande sind, auf Grund ihres technischen Wissens und praktischen Könnens Motordefekte zu beheben. An solch ausgebildeten Leuten fehlt es uns in der Schweiz tatsächlich, und dies einzig deshalb, weil wir der hiezu nötigen Bildungsanstalten ermangeln. Drei technische Mittelschulen: Biel, Burgdorf und Winterthur, bilden Techniker verschiedenster Sorte aus — bis heute aber, soviel wir wissen, keine Autotechniker. Deshalb hat ,ein Fachmann .sehr recht, wenn er uns schreibt: «Mit grossem Interesse habe ich Ihren Artikel über autorechtliche Bildungskurse gelesen und kann ich diese Anregung als Fachmann aus der Praxis in allen Teilen nur , unterstützen. . Es ist bemühend, wenn z. B. Gerichtsfälle aus der Praxis zur Verhandlung kommen und * Siehe «Auto-Revue > Nr. 34, 37, 39, 40, 41, 42 und 45. weder die Richter noch die Juristen, die sich mit dem Fall zu beschäftigen haben, einen blauen Dunst von einem Automobil verstehen. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, aber dieselben sind zu zählen. Ich möchte nicht unterlassen, eine weitere Anregung zur öffentlichen Diskussion zu bringen, die ebenfalls im Interesse, unseres Automobilgewerbes der Schweiz von höchster Bedeutung ist. z Es wäre meines Erachtens die Frage; zu untersuchen, ob es nicht möglich- wäre,, an einer unserer technischen Mittelschulen eine Abteilung ins Leben zu rufen für Aütomobiltechniker oder Automobilingenieure. Was uns in der Schweiz fehlt, das sind hauptsächlich theoretisch gebildete Fachleute aus der Branche. Wir haben wohl einen guten Stock Automobilmechaniker, aber diese Leute sind zu wenig theoretisch gebildet. Was uns not tut, in allen grössern Automobilwerkstätten, sind Leute, die sowohl auf der Branche erstklassige Praktiker sein sollen, nebenbei aber auch die Theorie der Motoren, Vergaser, Magnetos, Dynamos, Anlasser etc. gründlich kennen« Sobald wir einen Stock solcher Leute nachgezogen haben, so können wir in den kleinern wie in den grössern Werkstätten die Arbeit viel besser rationalisieren. Erste Bedingung für solche Leute wäre natürlich eine gründliche Lehrzeit in einer Automobilw%|k- "Stätte, wo der Lehrling nicntttur Gelegenheit hätte, die Motoren kennen zu lernen, sondern ebenfalls imstande, ist, sich mit der Praxis der elektrischen Automobilanlagen gründlich vertraut zu machen, sowie sich die absolute Beherrschung aller im Betriebe vorkommenden Werkzeugmaschinen - Operationen, d. h. drehen, schleifen, hobeln, fräsen und speziell härtnen, anzueignen. Nachher sollte der junge Mann eine theoretische Ausbildung von mindestens 1 bis 2 Jahren haben, so dass solcher erfolgreich als Betriebsleiter, Garagechef, Vorarbeiter tätig sein könnte. Deutschland z. B. besitzt ausgesprochene Fachschulen für Velomechaniker, Nähmaschinenmechaniker, Spengler etc., und glaube ich nicht fehl zu gehen, wenn ein Gewerbe in der Schweiz, das heute rund 100 000 Köpfe beschäftigt, Anrecht hätte auf eine Fachschule. » ä.XXIXQT nxxrso Die Ansichtsäusserung unseres Fachmannes möchten wir wärmstens unterstützen. Zur Verwirklichung seiner Idee brauchen wir nicht die Gründung eigener Fachschulen, die hiefür geeigneten Anstalten sind bereits da, sie brauchen ihren Maschinenabteilungen nur noch eine Spezialabteilung für Motore anzugliedern, in der spätere Chauffeure, Automechanikef und Piloten ihre spezielle Ausbildung fänden. An den bereits bestehenden technischen Mittelschulen erhielten diese jungen Leute ihre unbedingt notwendige Allgemeinbildung; an den Maschinenabteilungen würden sie in ihr Spezialgebiet eingeführt, um hernach in der besonderen Motorfachabteilung ihr ureigentliches Wissensgebiet zu studieren. Auf diese Weise erhielten wir zweifellos technisch einwandfrei durchgebildete Chauffeure, die später im Leben leicht ihr Auskommen fänden, sei es im Staatsdienst, bei Post oder Armee, oder in der Privatwirtschaft. Gewiss wäre unsere einheimische Automobilindustrie, die mit der fremden Konkurrenz einen schweren Kampf auszufechten hat, um gutgeschulte Autotechniker herzlich froh. Unnütz zu sagen, dass mit autotechnischen Chauffeuren auch das Gefahrenmoment auf der Strasse ein noch kleineres werden müsste. Würde sich eine Anzahl dieser Motortechniker noch speziell des Sprachenstudiums befleissen und in geographischen Kursen sich ein genaues Bild über unser Strassenweseri und über Passverhältnisse aneignen, so erhielten wir zugleich wohl ausgebildete Autolotsen, die sowohl- in den Städten als auch in den Fremdenzentren als Autoführer und Wegweiser die besten • Dienste leisten und sich zudem eine sichere Existenz schaffen könnten. Mit der Heranbildung dieser Autolotsen sind uns andere Länder bereits vorangegangen. In einem Augenblicke, da wir in .der Schweiz an Uebersättigung gewisser Berufe leiden, sollten wir nicht zögern, unserer Jugend ein neues und lohnendes Tätigkeitsgebiet zu eröffnen. Speziell im Kanton Bern wären für die Heranbildung spezieller Motortechniker das Technikum Biel wie dasjenige von Burgdorf geeignet. Beide Anstalten geniessen ffn der ganzen Schweiz, wie auch im Auslande, einen guten Ruf. Beide unterstehen einem initiativfreudigen und für die brennenden Probleme des Automobilismus nicht verschlossenen Innendirektor. Unsere Hoffnung scheint demnach nicht unberechtigt, dass die Anregung von Herrn Regierungsrat Joss aufgegriffen und an einer der beiden Anstalten ihre Verwirklichung finden wird. Zugleich aber möchten wir den Fragenkomplex ebenso dem Direktor des Technikums Winterthur und der Zürcherischen Regierung zur wohlwollenden Prüfung unterbreiten. Die Diskussion über die Frage steht in der «Automobil-Revue» offen; es würde uns freuen, wenn sich daran unsere Fachleute recht rege beteiligen würden. K. «Die Gefahren des Automobilismus». Man muss es der Bündner Presse lassen, sie hat in den letzten Tagen in forscher Weise auf das Automobil eingehauen. Ob zur Freud« der Graubündner Fremdenzentren wollen wir dahingestellt sein lassen. Jedenfalls waren! wir bis heute der Ansicht, dass der Kanton Graubünden und sein Volk von den für den Automobilverkehr geöffneten Strassen nur Nutzen gezogen habe. So glauben wir auch, dass die Bündner Presse, vielleicht einem Wunsche der Rätischen Bahnen folgend, forsch eingehauen, aber auch in vielen Punk-^ ten ebenso erbärmlich danebengehauen hat. Dies trifft jedenfalls für den Artikel zu, der am 22. und 23. Mai in der «Neuen Bündner Zeitung» über die Gefahren des Automobil •lismus geschrieben wurde. •, Wir können auf die Einzelheiten dieses sehr tendenziös und zum Teil mit sehr billigen Argumenten fechtenden Artikels nicht näher eingehen, da wir schon dutzendmal Gesagtes nicht, gerne immer wiederholen möchten. Wacker ficht der betreffende Artikelschreiber mit Zahlen; einen Panzerturm sucht er damit aufzubauen, an dem das Automobil jämmerlich zerschellen müsste, wäre er nicht auf Sand gebaut. Wie argumentiert der" betref-i fende Einsender gegen das' Automobil ? Nur einige Punkte ' seien 'hervorgehoben i Das'Automobil belaste die Handelsbilanz mit rund 100 Millionen Frauken. Wir antworten:! Von dieser Summe müssen abgezogen werden diejenigen Millionen, die der Staat und staatliche Einrichtungen wie Militär und Post für ihren eigenen Automobil- und Benzinbe-' darf nötig haben. Wir fragen: Kann unsere- Handelsbilanz jemals aktiv> werden? Infolge der Lage unseres Landes und seines Roh-* stoffmangels wird dies niemals möglich sein. Sogar unsere Bahnen haben bis zur Elektrifi-i kation Millionen und Millionen für den Kohlenbedarf ausgeben müssen, und bei der Elekn trifikation selbst sind wiederum Hunderte von Millionen für fremdes Kupfer ins Ausland gewandert. Was heute noch an Lebens- und Bedarfsartikel in unser Land eingeführt wird, übersteigt ebenfalls die Hundert Mil« lionen Franken. Wollen wir uns deswegen einkapseln, auf den vermeintlichen Goldsäkken sitzen bleiben und warten, bis Eisenbahn! und Autorad eingerostet sind ? Wohl kaum, j Dass im Artikel das Klagelied über den Unterhalt der Strassen angetönt wird, ist selbstverständlich. « Die Leidtragenden dagegen sind nicht nur bezüglich Staub und Lärm, sondern auch hinsichtlich ihres Geldbeutels die grossen Volksmassen, welche für den Nutzen ganz spezieller Interessenkreise aufzukommen haben.» Diese Verdrehung weisen wir mit aller Entschiedenheit zurück. Es F T O N Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. 0. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller. Verlag, München. (5. Fortsetzung) «Dies,» sagte das Mädchen, ist mir ein bisschen zu viel. Haben Sie wirklich eine Qrossmutter in Highgate?» «Das gehört gar nicht zur Sache. Wenn ich eine Qrossmutter hätte, würde sie offenbar in Highgate leben und Sie müssten mir gestatten, Sie dorthin zu fahren. Sie könnten doch wirklich den guten Willen für die Tatsache nehmen.» «Nein,» sagte das Mädchen entschieden. «Nichtsdestoweniger besten Dank.» «Nun, wenn Sie es denn wissen müssen, ich habe in Highgate unbedingt mit einem Mann wegen eines Bluthundes zu sprechen. A propos, wo ist eigentlich Highgate?» «Ich fürchte, Sie werden das ein andermal herausbringen müssen. Bahnhof. Bitte, wollen Sie halten?» «Aber —» «Bitte.» Der Wagen hielt. Ehe Mike auch nur die Hand ausstrecken konnte, um ihr zu helfen, war sie schon leichtfüssig herausgesprungen. «Danke sehr für die Beförderung und die «Mädchen?», sagte Mr. Moon. «Haufen- Von jedem Alter, Umfang und Gestalt. Warum?» «Mädchen mit blondem Haar, grauen Au- Errettung. Bitte, empfehlen Sie mich Ihrer Qrossmutter. Adieu.» Eine Weile starrte Sir Michael Fairlie ihr nach und kämpfte mit dem Verlangen, ihr zu folgen. Er pflegte sonst nicht zu zögern, aber diesmal warnte ihn sein Instinkt, dass Preis. dieses wunderbare Mädchen tatsächlich im Augenblick genug von seiner Gesellschaft hatte. Aber als ihm dann einfiel, dass er weder ihren Namen, noch sonst etwas von ihr wusste, ausser, dass sie in irgendeiner Verbindung mit Highgate stand, da schmolzen seine guten Vorsätze wie Schnee an der Sonne. Er sprang mit einem Satz von dem Auto und flog die Stufen des Bahnhofes hinunter. Aber von dem blonden Mädchen war viele Mädchen?» nichts mehr zu sehen, nur ein ausfahrender Zug deutete die Art ihres Verschwindens an. Worauf Mike herzinnig fluchte und sich weise. in übler Laune heimwärts wandte. Mr. Josef Moon stand in seiner Haustüre Hier ist derund erholte sich von der anstrengenden gen und Somersprossen?» Sitzung mit Mrs. Smith-Saunders, als ein langes, niederes, hochrotes Auto sich über die runde Auffahrt heranschwang und mit einem kiesaufwirbelnden Ruck vor dem Tore hielt. Mr Moon fuhr zurück und bedeckte die Augen mit der Hand. «Nehmt es weg,» sagte er eindringlich. «Was ist es?» Mike wand sich aus dem Führersitz und grinste seinen Verwandten an. «Gefällt es dir, Onkel Joe? Ich habe es aus zweiter Hand gekauft, zu sehr billigem Macht seine siebzig auf der Landstrasse.» «Mein lieber Junge,» sagte Mr. Moon ängstlich, «musst du es in meinem Garten produzieren? Ich habe in Putney einen guten Ruf und so ein Ding —» «Essen,» sagte der liebe Junge, «ist das, was jetzt nottut. Ich hatte ein sehr — Oh!> Sein Gesicht umwölkte sich und er fuhr mit düsterer Stimme fort: «Onkel Joe, kennst du «Kann schon möglich sein.* «Mädchen mit blondem Haar, grauen Augen und Sommersprossen, die in Highgate wohnen?- «Nein.» Sir Michael Fairlie, sechster Baron in der Ahnenfolge, stiess darauf einen schweren Seufzer aus. «Das habe ich gefürchtet.» Mr. Moon blickte seinen Neffen beinahe bewundernd an. «Blondes Haar, graue Augen und Sommersprossen?», wiederholte er. Meiner Seele, ihr Kolonialleute geht rasch zu Werke! Komm zum Essen und erzähle mir die ganze traurige Geschichte.» Drittes Kapitel. In dem grossen und luftigen Atelier des Mr. Josef Moon waren zwei Personen eifrig bestrebt, Ordnung in das Chaos zu bringen. Ein Fremder, der den Raum zum erstenmal betrat, hätte leicht auf den Gedanken kommen können, dass Mr. Moon die Kunst zu gunsten eines Altkleiderhandels im Stich gelassen habe. Kleidungsstücke lagen über Tische und Stühle verstreut, Stiefel und Schuhe auf dem Fussboden, während überall Krawatten, Socken und Taschentücher hervorlugten. Denn Sir Michael Fairlie hielt, in Anbetracht seiner bevorstehenden Abreise nach dem Heim seiner Ahnen, Umschau unter seinen Sachen.