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E_1928_Zeitung_Nr.044

E_1928_Zeitung_Nr.044

Ausgabe: Deutsche Setmetz. BERU, Die« 22. mal 1928. Nummer 20 Cts. 2t. Jahrgang. — N° 44 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint teden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe UM*» Halbjährlich F*. S-—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoznschlag, ADMINISTRATION: Breitenralnstrasse 97, Der» sofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung in> In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Reehnuna 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Bahn und Benzin Der Titel soll nicht irre führen. Es handelt sich nicht darum, das Benzin derart in den Dienst der Bahnen zu stellen, um die immer noch häufig vorkommenden Zugsverspätungen trotz Befehlsstab zu heben, sondern die Organe der Bundesbahnen sind im begrüssenswerten Bestreben auf Verwirtschaftlichung ihrer Betriebe auf den Gedanken gekommen, so nebenbei mit Benzin ein Ge-Verhältnis zu kürzen.» Die Anwendung die- dem Grade des Verschuldens entsprechenden schäftchen zu machen. Da sie selbst die ser Vorschrift auf die vom Automobilisten abgeschlossene Haftpflichtversicherung bewirkt, Ueberzeugung gewonnen haben, dass die Rückwirkung verlorenen Verkehrs mit dass die Versicherungsgesellschaft bei einem Schwierigkeiten verbunden sein dürfte, so durch grobe Fahrlässigkeit des versicherten trachten sie darnach, wenigstens den verbliebenen Verkehr durch geeignete Mittel zu si-Leistung entsprechend herabsetzen' kann, Automobilisten herbeigeführten Unfall ihre den chern. Eine Möglichkeit erblicken sie in der Erstellung von ca. 200 Benzinabgabestellen. In Nummer 38 der «Automobil-Revue» ist bereits von kompetenter Seite das Thema behandelt worden. Die dort angeführten Gründe und Bedenken gegen dieses neue Nebengeschäftchen der Bundesbahnen sind unsern Lesern sicherlich noch in bester Erinnerung. Die S. B. B. haben auf die gefallenen Einwände zu antworten und ihr Vorgehen zu rechtfertigen gesucht. Der Entschluss wurde mit der geforderten kaufmännischen Geschäftsführung der S. B.' B. und mit dem beständig drohenden weitem Entzug der der S. B. B. noch verbleibenden Benzintransporte begründet. Wir betrachten die Angelegenheit als eine grundsätzliche Frage. Wir waren nicht die letzten, die von den S. B. B. eine kaufmännische Geschäftsführung verlangten und die auch eine Verbesserung des Betriebsergebnisses der S. B. B. begrüssten. Da ja bekanntlich «die Schweizer Bahnen dem Schweizervolke» gehören und dieses Volk bereits aus einem grossen Prozentsatz von Automobilisten besteht, haben schliesslich auch die letztern Interesse an der gedeihlichen Entwicklung ihrer Bahnen. Jedoch kann man wirtschaftlicher und rationeller arbeiten, ohne in das Interessegebiet anderer einzudringen. Hier haben wir wiederum den typischen Fall, dass eine staatliche Einrichtung einen Zweig der freien Wirtschaft an sich zu reissen versucht. Nun stehen wir aber immer noch auf dem Boden, dass die S. B. B. als staatliches Verkehrsunternehmen weder geeignet noch berechtigt sind, sich in den Dienst einer Handelsgesellschaft zu stellen und quasi als Nebenbeschäftigung 200 Benzinverkauf släden zu betreiben. Hier heisst es wirklich den Anfängen zu wehren, ansonst man nie sicher ist, ob nicht über kurz oder lang die S. B. B. auf jeder ihrer Stationen tine Kartoffel- oder Krauthandlung eröffnen. Die S. B. B. sollen von solchen Sachen lassen und sich auf ihre ureigentliche Aufgabe konzentriereru hierin ihre gesamte Kraft und Intelligenz einsetzen; die nötigen Einnahmen, die Anerkennung und der Dank des Volkes werden sicherlich nicht ausbleiben. Betriebsstoffe von der Bedeutung des Benzens sollten so billig als möglich unserer F F I JL fL .E T O N Str Michaels Abenteuer. Roman von K. O. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller. Verlag, München. (2. Fortsetzung) Mr. Moon grinste. « Das ist sie noch. Aber du bist jetzt gross iffenug, um mit ihr umgehen zu können, obwohl du auf Leben und Tod wirst schuften müssen. Zwanzig Meilen im Umkreis von Kings Fortune ist es bekannt, dass das Wappen derer von Fairlie durch den Schmutz gezerrt wurde, und es ist das Hauptziel des Lebens deiner Tante, seine ursprüngliche Reinheit wiederherzustellen. > «Das habe ich ihrem Schreiben entnommen, » bemerkte Mike unruhig, c Alle diese alten feudalen Sachen und dergleichen! Ich dachte, diese Scherze seien schon vor Jahren ausgestorben. > lieber Haftiipf&idhrtveiPSBctBeH'uro^ (Aus dem Bundesgericht.) Das Bundesgesetz vom 2. April 1908 über den Versicherungsvertrag bestimmt in Art. 14 Absatz 2 : «Hat der Versicherungsnehmer oder der Anspruchsberechtigte das Ereignis grobfahrlässig herbeigeführt, so ist der Versicherer berechtigt, seine Leistung in einem ein allfällig geschädigter Dritter von der Versicherungsgesellschaft voll entschädigt werde, soweit der Versicherte für den Schaden haftbar sei, und darum müsse die Anwendung von Art. 14, Abs. 2, V. V. G. als ausgeschlossen gelten, auch wenn dies In der Police nicht gesagt sei. Vom Bundesgericht war nicht zu prüfen, ob das kantonale Gesetz wirklich in diesem Sinne auszulegen sei, dagegen hat der Gerichtshof ausdrücklich festgestellt, dass eine solche kantonale Bestimmung bundesrechtlich zulässig wäre. Es kann nichts dagegen eingewendet werden, wenn der kantonale Ge- die Erteilung einer Verkehrsbewil- geschädigten Dritten also nicht voll zu ent-setzgebeschädigen braucht Diese Wirkung entspricht ligung davon abhängig macht, dass sich der durchaus unserem Rechtsempfinden, wenn Automobilist über den Abschluss einer Haftpflichtversicherung ausweise, die auch grobe der fahrlässige Autofahrer an Stelle der Versicherungsgesellschaft einen Teil der vom Fahrlässigkeit in sich schliesst. Zwar hat Geschädigten zu fordernden Schadenersatzleistung entrichten muss; sie ist aber stos- das Bundesgericht (A. S. 51, I, S. 423 f.) einen Erlass des Kt. Zug als bundesrechtswidrig send, wenn der fahrlässige Automobilist zu erklärt, der die Verkehrsbewilligung an die dieser finanziellen Leistung nicht imstande ist und der geschädigte Dritte deswegen einen Bedingung knüpfte, dass der Automobilist Teil des Schadens selber tragen muss. Die sich unterschriftlich verpflichte, für Unfälle Frage, ob Art. 14, Abs. 2, V. V. G. im Versicherungsvertrage wegbedungen werden in einem über die gemeinrechtliche Schadensersatzpflicht des Obligationenrechts hinausgehende Masse zu haften und eine entspre- dürfe und ob ein Kanton berechtigt sei, die Erteilung einer Fahrbewilligung vom Ab-chende Haftpflichtversicherung abzuschlies- schluss eines solchen Versicherungsvertrages abhängig zu machen, ist deshalb von hoher Bedeutung. Sie ist unlängst in einem bundesgerichtiiehen Urteile behandelt worden, obschon die endgültige Entscheidung des betreffenden Prozesses von anderen Faktoren abhängen wird. Der Wagen eines Zürcher Automobilisten Seh. stiess mit dem Fahrrad eines Metzgerburschen zusammen, der dabei erheblich verletzt wurde. Die Klage des Radfahrers gegen Seh. wurde vom Gericht für 13,000 Fr. gutgeheissen und nach eingetretener Rechtskraft des Urteils betrug dessen Forderung nebst Zinsen und Prozessentschädigung 15,500 Fr. An diesen Betrag leistete die « Helvetia» auf Grund einer von Seh. abgeschlossenen Haftpflichtversicherung 11,625 Franken, lehnte aber die Zahlung des Restbetrages ab, indem sie grobe Fahrlässigkeit des Seh. geltend machte und sich auf Art. 14, Abs. 2, V. V. G. berief. Seh. zahlte den Restbetrag von rund 4000 Fr. aus eigenen Mitteln, belangte aber die « Helvetia » auf Nachzahlung und seine Klage wurde vom Zürcher Obergericht gutgeheissen. Die «Helvetia» legte bundesgerichtliche Berufung ein. Das obergerichtliche Urteil war deswegen zum Zuspruch der Klage gelangt, weil es annahm, das zur Zeit des Unfalles geltende Zürcher Automobilgesetz von 1916 habe die Erteilung der Fahrbewilligung vom Abschluss einer Haftpflichtversicherung abhängig gemacht und anderseits unter ausdrücklicher Ablehnung von Art. 11 des Automobilkonkordates vom Fahrzeugeigentümer volle Deckung des von ihm verursachten Schadens verlangt; es sei Wille des Gesetzgebers gewesen, dass c Nicht in Kings Fortune. Deine Tante hat strenge Ansichten über die Pflichten des Adels und verlässt sich darauf, dass du der dortigen Bevölkerung zeigen wirst, dass der Besitz eines Titels nicht unbedingt angeborene Schlechtigkeit mit sich bringen muss. Ich verstehe natürlich ihren Standpunkt. Sie hat bis jetzt ausnehmend böse Zeiten gehabt und besitzt ein starkes Pflichtgefühl. Sie baut auf dich, mein Junge. » « Ich verstehe,» sagte Mike. « Sie wird ja ein wenig überrascht sein von dir,» fügte Mr. Moon hinzu, c Sie hat dich viel seltener gesehen als ich, und ich hätte ein dutzendmal an dir vorübergehen können, ohne dich zu erkennen. Deine Nase zum Beispiel » c Boxkampf,» erklärte Mike kurz. « Kein Arzt bei der Hand.» «Ach ja, die Jugend, die Jugend! » seufzte der Onkel. Hier aber ist Speise für Mensch und Tier. » sen. Hier steht aber nicht eine Ausdehnung der Versicherungspflicht auf Schadensfälle in Frage, für die der Betreffende nach gemeinem Recht gar nicht haftbar wäre. Die Normierung der Versicherungspüicht ist als Form der Kaution für allfällige privatrechtliche Verpflichtungen an sich gerechtfertigt, und zwar ist es dem Kanton überlassen, die Versicherungsbedingungen festzustellen, dabei insbesondere auch vorzuschreiben, welche Schadensfälle — für die der Fahrzeuginhaber nach gemeinem Rechte haftbar ist — durch die Versicherung gedeckt sein müssen. Freilich dürfen dabei keine zwingenden Normen des V. V. G. verletzt werden, aber eine solche Verletzung liegt nicht vor, wenn vom Fahrzeuginhaber der Abschluss einer das Herabsetzungsreoht des Art. 14, Abs. 2, ausschliessenden Versicherung verlangt wird, denn Art. 14, Abs. 2, ist im Gesetz nicht unter denjenigen Bestimmungen aufgezählt, die nicht durch Vertragsabrede abgeändert werden dürfen. Indessen gelangt das bundesgerichtliche Urteil dann zum Schlüsse, dass im vorliegenden Falle 1 der Versicherungsvertrag nicht im Sinne der erwähnten kantonalen Bestimmung abgeschlossen worden sei, die Anwendung von Art. 14, Abs. 2, V. V. G. durch die Parteien weder ausdrücklich noch stillschweigend ausgeschlossen worden sei. Somit könne sich die «Helvetia» eben doch auf grobe Fahrlässigkeit berufen; der Fall müsse daher an das Obergericht zurückgewiesen werden, damit diese Instanz feststellen könne, ob Seh. den Unfall grebfahrlässig herbeigeführt habe. In diesem Sinne wurde die Angelegenheit zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. W. Shoesmith, der wie auf Katzenpfoten hereingekommen war, stellte die Gerichte auf den Tisch, trat zurück und hustete achtungsvoll. « Was gibt's? » fragt sein Herr. «Ich möchte Sie nur erinnern, Sir, dass Mrs. Smith-Saunders um halb elf Uhr zu einer Sitzung kommt. Ich meine, Sie haben gesagt, Sir, es gäbe da noch eine Schwierigkeit mit dem Kinn.» « Guter Gott ja! » stöhnte Mr. Moon. » Hol der Teufel die Hexe! Zwei Kinne kann ich übersehen, ein drittes kann ich beschönigen, aber vier sind zu viel, auch für meine Fähigkeiten. Schon gut, Shoesmith. Machen Sie übrigens ein Zimmer zurecht für Sir Michael Du bleibst doch natürlich, Mike? » « Wenn ich darf? Tante Karoline erwartet mich nicht vor nächster Woche. Ich brachte alles schneller in Ordnung, als ich erwartet INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 Ct». für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratensctalms 4 Tage vor Erseheinen der betreffenden Nnmmer Volkswirtschaft zugeführt werden können. War geben zu, dass eine solche Verbülig'ing den Interessen unserer Bahnen auf erstes Zu* sehen hin entgegenzulaufen scheint. Bei näherer Ueberlegung trifft dies jedoch nicht zu, da von einer belebteren Wirtschaft auch die Bahnen wiederum in irgendeiner Form ihren Nutzen ziehen, der die erwartete Million Rendite am Benzinverkauf weit überholen dürfte. Bereits bestehen in der Schweiz rund 5000 Benzinsäulen mit einem Gesamtfass'mgsvermögen von etwa 10 Millionen Litern. Die 200 neuen Stationen müssten eine Konkurrenzierung der bereits bestehenden bedeuten. Dabei ist noch zu betonen, dass auch heute noch alle Grossbenzintransporte durch Zisternenwagen auf eidgenössischen S. B. B.-Schienen rollen und dass daneben die 20 Benzintankcamions eine verschwindend kleine Zahl darstellen. Was bezwecken die S. B. B. letzten Ende >? Sehen sie in weiter Ferne das Gebilde eines Benzinmonopols auftauchen ? Doch wohl nicht! Das Schweizervolk hat sich in der Getreidefrage klar und deutlich über den Monopolgedanken ausgesprochen. Das Benzinmonopol erführe das gleiche Schicksal, wie seinerzeit das Getreidemonopol am 5. De-i zember 1926. K. Eine Verkehrswoche in den Schweizer Städten Eine Sättigung des Verkehres mit Automobilen kennen wir in unseren Schweizer« Städten noch nicht Viele Jahre werden dahinfliessen müssen, bis alle Leute, die ein Auto benötigen, sich ein solches leisten können. Der Kauf eines Autos ist für viele ältere Leute nicht nur eine rein wirtschaftliche Sache, sondern vielmehr eine Sache der Einstellung zum heutigen Verkehr. Das geistige Umstellen auf die Verhältnisse des modernen Verkehres, das Beseitigen aller Widerstände, die aus alten Anschauungen stammen, erfordern Jahre. Und wenn diese Widerstände, die in mannigfachen Formen im Verkehr als Hemmschuh wirken, überwunden sind, werden erst noch weitere Jahre zur sichern Gewöhnung umfassender Volkskreise an die Verkehrsregeln vonnöten sein. Die Jugend aber, die sich ja von selbst mit den Tätsachen des modernen Verkehres abfinden muss, lernt da viel leichter. Dennoch ist eine Belehrung (wir denken vor allem an praktische Demonstrationen auf den Verkehrsadern) während der Schulzeit sehr zu empfehlen. Die Chronik der Unfälle spricht deutlich genug für die Dringlichkeit des Verkehrsunterrichtes. Wenn auch unsere Verkehrsverhältnisse nicht zu vergleichen sind mit dem Millionenverkehr amerikanischer Grossstädte, so ersteht doch bei uns das Gebot einer umfassenden Orientierung aller Strassenbenützer über die Regeln des modernen Verkehres und einer Anleitung zu einem praktischen Verhalten auf der Strasse. Diese Begehren entspringen aus dem allgemeinen Bedürfnis nach einer grösseren hatte, und erreichte ein früheres Schiff. IcH habe sie nicht benachrichtigt, weil ich dachte, erst ein paar Tage flott zu leben, ehe ich der würdige Gutsherr, fein mit Gamaschen und weissem Zylinder, werde. » Mr. Moon lächelte nachsichtig. « Nun, viel Glück, mein Junge, wenn du fri diesen Zeiten ein flottes Leben zuwege bringst, wo sich Grafschaftsräte, Bischöfe und wer sonst noch überall hineinmischen, dann bist du schlauer als ich. Ja, als ich jung war, > fuhr Mr. Moon, in Erinnerungen versunken, fort, « da waren die Zeiten noch anders, ganz anders! Lass dir nur erzählen —»; Er brach mit einem leichten Husten ab. « Lieber nicht 1 Vielleicht. Kannst du dir diesen Vormittag die Zeit vertreiben, während ich mit diesem missglückten Ebenbild Gottes, ringe? » «Ich will mir ein Auto kaufen.» « Nimm meines — wenn du heimkommst. Hier herrscht Freiheit »