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E_1928_Zeitung_Nr.046

E_1928_Zeitung_Nr.046

Ausgabe: Deutsche Schwel». BERN, Dienstag, 29. mal 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 46 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III/414 Auforediflidie Bildungskurse Die Stimme des Verwaltungsmannes. Die von der Redaktion der Automobil- Revue vorgelegte Frage, ob autorechtliche Fortbildungskurse für Verwaltungsbeamte, Richter usw. wünschbar seien, ist zweifellos ebenso interessant wie zeitgemäss. Der heutige Strassenverkehr ist mit der grossen Zahl verschiedenartiger und verschieden schneller Fahrzeuge so variationenreich und kompliziert geworden, dass seine Reglung einige Schwierigkeiten bietet. Es sollten daher sowohl die die Gesetze vorbereitenden wie die sie ausführenden Organe des Staates über eine bestimmte Kenntnis aller Faktoren verfügen, die den Verkehr beeinflussen. Für die Verkehrsfachleute, also die Leiter der grossen Strassenverkehrsunterneh- - mungen, Automobilexperten, Strassenf achniänner und Polizeibeamten wäre wünschbar, wenn sie mit den Grundlagen des Autorechts vertraut wären. Sie sind es, die bei Strassenunfällen in der Regel die ersten Erhebungen zu machen haben, von denen dann oft die Beurteilung des Falles abhängt. Anderseits aber sollten die juristischen Beamten des Staates und die Richter, denen die Aufstellung der Vorschriften und die Beurteilung ihrer Uebertretung-obliegt, wenigstens soweit über fahr- und fachtechnische Kenntnisse verfügen, dass es ihnen möglich ist, sich ein eigenes richtiges Urteil zu bilden. > ? : -•» Wie weit es möglich wäre, im Rahmen eines Kurses von beschränkter Dauer den Verkehrs! ächleuten autofechtliche Kenntnisse zu vermitteln, vermag ich nicht zu beurteilen. Dagegen dürfte ein Kurs von 30-40 Stunden genügen, um die Teilnehmer mit den Grundlagen der Fahrzeugkonstruktion und der Fahrtechnik vertraut zu machen. Es könnte sich ja nur darum handeln, die Konstruktion eines Automobils im allgemeinen und die Arbeitsweise des Motors, der Kraftübertragung, der Lenkung und der Bremsen im besondern verständlich zu machen. Gleichzeitig könnten die bei der Beurteilung von Unfällen so wichtigen Fragen über das Beschleunigungs- und Beharrungsvermögen der verschiedenen Fahrzeugarten, über Bremswege, Gleit- und Schleuderwirkung bei guten und schlechten Bremsen, Defektmöglichkeiten an betriebswichtigen Organen der Wagen usw. behandelt werden. Dazu wären Vorträge und Demonstrationen über die verschiedenen Beleuch- FDE EE T O N Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. 0. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller, Verlag, München. (4. Fortsetzung) Sie schien einen Augenblick zu überlegen, ob sie ihn nicht mit ihrem Schirm niederschlagen könne. Dann sah sie sich hilflos um. Ein paar Schritte entfernt bemerkte sie ein langes, niederes, hochrotes Auto von äusserster Hässlichkeit," in dem ein junger Mann in einem grauen Anzug sass und mit grosser Neugier Mr. Weinbergs Artigkeiten zu verfolgen schien. Als ihr Blick auf ihn fiel, schwang er sich von seinem Sitz herunter und kam mit grossen Schritten auf sie zu. Mr. Weinberg wurde bei seinem Anblick von einer leisen Unruhe erfasst. «Nun,» sagte er schnell, «was ist denn? Sicher » «Belästigt Sie dieses Ding?» rief eine Stimme über seinen Kopf hinweg. «Ja,» sagte das Mädchen ganz deutlich, «sehr!» Der junge Mann hob eine umfangreiche Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste« ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Berv Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern tungsarten, die Scheinwerfer, Abblendvorrichtungen, über direkte und indirekte Blendung von andern Fahrzeugen, öffentlichen Beleuchtungseinrichtungen und über die nötigen Abwehrmassnahmen wünschbar. Im weitern dürfte über die verschiedenen Strassenbaumethoden, über die Arten und Eigenschaften der Strassenbeläge und das Verhalten der Fahrzeuge auf den verschiedenen trockenen, nassen, schlüpfrigen oder vereisten Belägen beim Anfahren, Bremsen und Ausweichen orientiert werden. Als nötig denke ich mir ferner Vorträge über die Zeichengebung und über die Möglichkeit und Wünschbarkeit des Einbaus von Richtungsanzeigern und anderer den Strassenverkehr erleichternder Hilfsmittel (Rückspiegel, Stopplampen). Endlich sollte den Teilnehmern Gelegenheit zu Geschwindigkeitsschätzungen bei verschiedenen Fahrzeugen gegeben und eine Anzahl besonders interessanter Unfälle, die durch nicht leicht erkennbare Gründe verursacht wurden, rekonstruiert werden. Einige Fahrten durch stark belebte Strassen hätten zum Schluss den Teilnehmern des Kurses darüber Aufschluss zu geben, wie sich die Fussgänger gegenüber den Fahrzeugen verhalten und wie sich dieses Verhalten auf die Fahrzeuglenkung auswirkt. Dies sind in grossen Zügen meine Gedanken über die Aufgaben der angeregten Kurse. Lassen sich solche mit diesem oder einem ähnlichen Programm, ergänzt durch autorechtliche Vorträge, durchführen, so sind sie zweifellos sehr zu begrüssen. O. Zipfel. Die Stimme des Juristen. Die Anregung, autorechtliche Bildungskurse für Richter, Justiz- und Pölizeibeamte usw. zu veranstalten, ist gewiss sehr zeitgemäss. Wer fortwährend mit Automobilunfallen ,und' mit Uebertretungen von Automobilfahrvorschriften zu tun hat, kann sich fast täglich Rechenschaft darüber geben, dass nicht alle Beamte, die im Justiz-, Polizei und Verwaltungsdienst sich damit befassen müssen, mit der Automobiltechnik und den Automobilfahrvorschriften so bewandert sind, wie es die Entwicklung und die Bedeutung des Automobilwesens im Verkehr als wünschenswert erscheinen lassen. Es muss allerdings von vorneherein zugegeben werden, dass dies angesichts der raschen Entwicklung 1 des neuen Verkehrsmittels gar nicht erstaunlich ist. Nur ein ganz kleiner Teil dieses Beamtenstabes hatte wohl Gelegenheit, sich mit der Automobiltechnik und der praktischen Anwendung der Fahrvorschriften vertraut zu machen. Bei Automobilunfällen hat dies u.a. zur Folge, dass die ersten Erhebungen manchmal ohne genügende Sachkenntnis gemacht werden und dass nicht auf die ausschlaggebenden Ursachen das Hauptgewicht gelegt wird. Dementsprechend stimmen dann auch die Ansichten über den Grad des Verschuldens und über das Mass der Haftpflicht mit der Wirklichkeit nicht überein. Die Uebertretungen sodann werden häufig zu formell Hand und klopfte Mr. Weinberg damit sanft auf die Schulter. «Verschwinden Sie!» befahl er. «Wa — was?» sagte Mr. Weinberg. «Sie sind uns lieber, wenn Sie nicht hier sind,» erklärte der junge Mann, «und selbst dann sind Sie uns nicht sehr lieb.» «Oho», verteidigte sich Mr. Weinberg schwach. «Wenn ich Sie wäre,» sagte der grosse junge Mann, «würde ich mich ohne Säumen in die Büsche schlagen.» Im innersten Herzen hegte Mr. Weinberg nur den Wunsch, diesem Begehren rasch nachzukommen; es widerstrebte ihm aber, in Gegenwart einer Dame einen so schmählichen Rückzug anzutreten 1 . Er setzte eine herausfordernde Miene auf. «Was denken Sie sich?» schrie er wütend. «Sich da hineinzumischen! Fahren Sie ab, ja?» Er setzte ein wildes Gesicht auf, das aber plötzlich verschwand, als der junge Mann den Arm ausstreckte, ihn beim Kragen nahm, ihn ohne ersichtliche Anstrengung ein Dutzend Schritte weit trug und ihn dann wieder auf die Füsse stellte. Mr. Weinberg sank das Herz sehr weit herunter. behandelt. Hier ist insbesondere die zulässige Geschwindigkeit ein Sorgenkind nicht nur der Automobilisten, sondern insbesondere auch aller kantonalen Polizeibehörden und der Bundesregiebetriebe. Die Eigenart des Auto- Die Herren Kreiseisenbahnräte sind letzten mobilbetriebes bringt es mit sich, dass Fahrund Geschwindigkeitsvorschriften dem Han-sitz von Bundesrat Haab zu einer gemein- Donnerstag den 24. Mai 1928 unter dem Vordeln des Fahrenden bei schwierigen Verhältnissen eine gewisse Bewegungsfreiheit lassen telpunkt der Tagung stund ein Referat von samen Sitzung zusammengetreten. Im Mit- sollten. Es ist unmöglich, Vorschriften aufzustellen, die allen Situationen, in die ein Fah- und die dagegen zu ergreifenden Massnah- Dr. V. Scherer über den Automobilwettbewerb rer kommen kann, gerecht werden könnten. men. In längern Ausführungen äusserte sich Darum .stossen hier praktische Notwendigkeit zu dieser Frage auch der Präsident der Generaldirektion der S. B. B., Dr. Schrafl, in- und formelle Anwendung der Fahrvorschriften ;so oft unversöhnlich zusammen. Es ist dem er auf die nach seiner Ansicht gangbaren durch die Praxis erwiesen, dass ein Fahrer Wege zur Annäherung der rechtlichen durch schablonenhaft richtiges Fahren unter Grundlage beim Eisenbahn- und Lastwagenverkehr hinwies. Die Versammlung nahm schwierigen Verhältnissen einen Unfall mitverursachen oder verschlimmern kann, während ein geistesgegenwärtiger Automobillen- an: nach längerer Diskussion folgende Resolution ker ihn durch verständnisvolle Anwendung « 1. D'io voreinigten Kreis-Eisenbahnräte begrüssen die von der kantonalen Justiz- und Polizei- der Vorschriften oder sogar durch zweckmässiges Abweichen davon verhindern würde. direktoren-Konferenz dem Bundesrat gegenüber Die Fahrvorschriften sind nur unvollkommene Verhaltungsvorschriften, deren Beo- vorgebrachten Anregungen : a) es sei die Arbeitszeit der Berufschauffeure vom Bunde möglichst bald durch ein Spezialgesetz bachtung allein noch lange nicht ein sorgfältiges, richtiges oder gar gefahrloses Fahren b) es sei zu prüfen, ob die gewerbsmässigen zu regeln und garantiert. Ein guter Fahrer muss viel mehr Gütertransporte mit Motorlastwagen innerhalb bestimmter Grenzen nicht als konzessionspflichtig zu können und in der Lage sein, sich allen möglichen Situationen anzupassen. Wer mit dem erklären seien. Strafgesetz nicht in Konflikt geraten ist, hat 2. Sie sprechen den Wunsch aus, es möchten überhaupt Mittel und Wege gesucht werden, um damit auch auf diesem Gebiet noch keineswegs seine. Fehlerfreiheit bewiesen. der Konkurrenzverhältnisse zwischen Eisenbahn eine im allgemeinen Interesse gelegene Regelung und Lastwagen herbeizuführen. » Die Kenntnis der Automobil- und Fahrtechnik erleichtert dem Juristen, Polizei- und Die Resolution zeigt mit aller Deutlichkeit, Verwaltungsbeamten die Erfüllung seiner welcher Wind in der nächsten Zeit wehen wird. Erstens ist vorwegzunehmen 1 , däss die Aufgabe und befähigt ihn, ein richtiges Urteil zu» fällen. Auch die Automobilisten und nicht zuletzt der gesamte Automobilverkehr hätten daher von Bildungskursen auf diesen Gebieten nur zu gewinnen. Was die Fahrvorschriften anbelangt, so bietet deren Verschiedenheit einer einführenden Darstellung allerdings gewisse Schwierigkeiten. Dazu ist das Konkordat von 1914, das als Grundlage dienen könnte, in manchen Beziehungen veraltet. Die angeregten autorechtlichen Bildungskurse müssten daher das Hauptgewicht wohl auf die durch die Praxis bewährten Grundsätze legen und würden vielleicht dazu beitragen, den Polizeibeamten die Notwendigkeit einer Vereinheitlichung der Fahrvorschriften in der ganzen Schweiz wieder einmal vor Augen zu führen. Die Postverwaltung strebt diese Vereinheitlichung für ihren Betrieb seit Jahren an und würde es daher begrüssen, wenn in dieser Beziehung für den 'gesamten Automobilverkehr ein Schritt vorwärts getan würde. Sofern die autorechtlichen Bildungskurse auch in dieser Richtung wirken könnten, würden wahrscheinlich schon viele Widerstände gegen einheitliche Automobilvorschriften verringert. Auch das wäre ein Gewinn. Dr. F. Buser. «Nun, Sie Ratte,» sprach der junge Mann freundlich, «mir gefällt weder Ihr Gesicht, noch Ihre Lebensart, noch sonst etwas an Ihnen. Leider ist das einzige, was ich ändern kann, Ihr Gesicht. » Mr. Weinbergs Herz sank immer tiefer. Er wusste mit Boxen Bescheid, denn er war ein regelmässiger Zuschauer dieser Darbietungen, aber er selbst war kein begeisterter Kämpfer, am wenigsten mit grossen jungen Männern, die aus Gummi und Stahl zu bestehen schienen. Er begann sich nach seinem trauten Heim zu sehnen. «Wer zum Teufel,» sagte Mr. Weinberg so ingrimmig, als es ein gewisses Schwächegefühl in den Knien zuliess, «hat Sie gebeten, sich einzumischen?» «Gehen Sie doch», sagte der junge Mann und hob die rechte Hand rasch bis zur Höhe seines Ohres. Mr. Weinberg, der das für die Einleitung zu einem Angriff hielt, kreischte laut auf und schlug blind zu. Der Schlag traf die Brust des jungen Mannes mit der Heftigkeit einer fallenden Schneeflocke. «Ho!» bemerkte der vergnügt, «ich dachte, Sie würden mir nie den Gefallen tun! Ich muss Sie aufmerksam machen, dass ich jetzt nur in Selbstverteidigung handle.» INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Ct*. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland faü cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehlusä 4 Tafle vor Erscheinen der betreffenden Nummer Ein bedauerlicher Enlicheid. Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz ihre Beschlüsse nie in der von obiger Resolution gefassten Form kristallisiert hat. Nur ganz allgemein wurde die Frage aufgeworfen, ob es nicht zweckdienlich wäre, den Automobillastwagenverkehr auf eidgenössischem Boden zu regeln, ohne dabei die Frage der Konzessiortspflicht des nähern zu erörtern. Die Beschlüsse der betreffenden Direktorenkonferenz sind demnach von Seiten des Herrn Scherers wohl sehr tendenziös interpretiert worden. Item. Trotzdem sich die Betriebseinnahmen sämtlicher schweizerischer Eisenbahnen im ersten Vierteljahr 1928 auf 118,53 Millionen gegen 111,7 Millionen in der gleichen Zeit des Vorjahres stellen, so dass gegenüber dem letzten Jahre alle Bahnunternehmungen eine Einnahmevermehrung zu verzeichnen haben, will man also auch nun von den Behörden aus den Kampf gegen das Automobil, ganz speziell gegen den Motorlastwagen, in der Weise aufnehmen, dass man den MotOTwagenverkehr in die gleiche Zwangsjacke zu stecken versucht, in die die Eisenbahnen wider ihren Willen einzig durch die gewerkschaftlichen Organisationen geworfen wurden! Der Prozess der kalten Der Damenfreund wandte sich angsterfüllt zur Flucht, spürte aber, wie er nochmals beim Kragen genommen und ihm sein Stock entwunden wurde. Dann hörte er den Stock durch die Luft pfeifen und fühlte ein arges Weh auf den untern Gegenden seines Rükkens. Dreimal sauste der Stock; dann wurde Mr. Weinberg, ein stammelndes Häufchen Unglück, auf die Füsse gestellt und durch einen kräftigen Tritt in die Fortsetzung des Rückens auf den Heimweg befördert. «Uff!» sagte Mr. Weinberg und fing unwillkürlich zu traben an. Mike wandte sich nun zu dem Mädchen in Grau, das mit einem leisen Lächeln das Werk der strafenden Gerechtigkeit beobachtet hatte. «Danke», sagte sie. «Bitte!», entgegnete Mike. Worauf ein« Pause entstand. Denn zum erstenmal in seinem Leben konnte Sir Michael-Fairlie keine Worte finden, und zwar mit gutem Grund. Die meisten Männer, wenn sie sich ver-! lieben, tun dies in der Art eines zaghaften Patienten auf dem Wege zum Zahnarzt, während andere es mit dem Schwung eines vom Dache fallenden Mannes angehen. Zu diesen