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E_1928_Zeitung_Nr.049

E_1928_Zeitung_Nr.049

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERH, Freilag, 8. Juni 1928. Nummer 20 Cts, 24. Jahrgang. — ,N° 49 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Frattag Monatlich «Gelb* List«** Halbjährlich Fr. 6—, jährlich Fr. 10.-. Im Anstand unter Portozatehlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autoren», Bern INSERT1ONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe GrandzeUe odef deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aas dem Ausland 60 Cts. GMssere Inserate nach Seitentarif« Inseratensefchus 4 Tage var Ersehehien der betreffenden Nummer Ein Rud* vorwärts Das erste Teilstück der Hafraba geht der Verwirklichung entgegen. Unter Vorsitz von Oberbürgermeister Dr. Landmann beschloss die Hafraba-Gesellschaft vor einigen Tagen, ihrem Vorstand die Ermächtigung zu geben, die Strasse Frankfurt-Mannheim-Heidelberg mit Einschluss von Mainz und Wiesbaden als Versuchsstrecke für den Bau vorzubereiten, um in diesem dichtbesiedelten Gebiet Unterlagen wirtschaftlicher und finanzieller Art für den Gesamtplan zu erhalten. Mit diesem Beschluss ist vom'Gesamtverein die Idee gutgeheissen worden, die bereits in der zweiten Sitzung des verkehrswirtschaftlichen Ausschusses vom 29. Oktober 1927 und alsdann in der dritten Sitzung des Verwaltungsrates vom 1. Dezember 1927 von Regierungsrat Dr. Krebs und Oberregierungsrat Dr. Zierau auf Grundlage verkehrsstatistischer Ermittlungen und gründlicher Rentabilitätsuntersuchungen auseinandergesetzt wurde. Mannheim Frankfurt Karlsruhe Darmsfadt Heidelberg Der Verkehrswirtschaftliche Ausschuss der Hafraba suchte anhand einer breit angelegten Verkehrsstatistik für das Wirtschaftsgebiet zwischen Frankfurt, Mainz, Wiesbaden einerseits und Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg und dem dazwischenliegenden Darmstadt anderseits eine Methode zu finden, mit der die Wirtschaftlichkeit einer bestimmten Teilstrecke ermittelt werden kann. Der Ausschuss kam dabei zur Ueberzeugung, dass der Bau einer Teilstrecke zwischen den Wirtschaftsgebieten Frankfurt und Mannheim am besten die Möglichkeit schaffen würde, Erfahrungen für den Bau, den Betrieb und die Finanzierung der Hafraba-Strasse zu gewinnen. Im Raumkomplex Frankfurt-Mannheim bestehen engste wirtschaftliche Beziehungen. Der Autoverkehr auf der Bergstrasse hat grosse Dimensionen angenommen und, der Bau einer Autostrasse in dieser Gegend wird auf relativ geringe Schwierigkeiten stossen. Der Plan ist zudem umso leichter zu realisieren, als das bereits baureife Projekt der nordbadischen Autostrassen-G. m. b. H. für eine Autostrasse zwischen Mannheim und Heidelberg wohl ohne wesentliche Veränderungen des Hafraba-Traces auf eine Länge von acht Kilometer in das Nordsüd-Trace der Hafraba- Strasse einbezogen werden kann. Die verkehrsstatistischen Ermittlungen ergaben, dass gerade in dem betreffenden Wirtschaftsgebiet ein besonders reger Personen- und Güterverkehr herrscht, der über den Charakter eines Vorortverkehrs weit hinausgeht. Die Reichsstatistik der Eisenbahngüterbewegung zeigt, dass jährlich zwischen Frankfurt und Mannheim ein unmittelbarer Wechselverkehr von 130000 Tonnen besteht -und dass aus den Verkehrsbezirken nördlich und südlich dieser beiden Pole durch die Zone 1734000 Tonnen rollen. Weitere 2500000 Tonnen entfallen auf den Zwischenverkehr vom Süden und Norden, der das Gebiet zwischen Frankfurt und Mannheim belebt. Im magnetischen Felde der Autostrasse passieren jährlich 2 370 000 Fremde die grossen Städte. Die Statistik über die in diesem Bezirke beheimateten Motorfahrzeuge ergibt eine wesentliche Zunahme des Strassenverkehrs. .Die Strasse Mannheim - Heidelberg steht bereits heute hinsichtlich der Verkehrsstärke an zweiter Stelle unter sämtlichen badischen Strassen. Durch den Ausbau der Hafraba - Strasse Frankfurt - Heidelberg wird der Nordsüd-Verkehr eine bedeutende Zunahme erfahren. Das zum Ausbau vorgesehene Stück erhält somit verkehrswirtschaftlich eine doppelte Bedeutung. Es wird einmal dazu dienen, den äusserst starken Motorfahrzeugverkehr zwischen Mannheim und Heidelberg von der Landstrasse abzuziehen und zugleich als Teilstück der Hafraba-Strecke den bedeutenden Nordsüd-Verkehr noch zu erhöhen. Die gewonnenen, auf gründlichem Studium beruhenden verkehrsstatistischen Erhebungen haben demnach die Notwendigkeit und damit auch schon zum grossen Teil die Wirtschaftlichkeit dieses Teilstückes der Hafraba nachgewiesen. Aber,auch der Finanzierungsausschuss ist nach gründlichen Studien dazu gekommen, den Ausbau dieses Teiles des gewaltigen Unternehmens zur Verwirklichung zu empfehlen. Anhand der gewonnenen allgemeinen Grundlagen konnte auch er die Ausführung von Teilstrecken nach Massgabe des verkehrswirtschaftlichen Bedürfnisses und der sich zu erweisenden Wirtschaftlichkeit des Unternehmens empfehlen. Um die kaufmännische Wirtschaftlichkeit des Unternehmens sicherzustellen und um die freien Kräfte des Wirtschaftslebens für die Durchführung des Unternehmens mobil zu machen, geht die Auffassung einmütig dahin, es sei die Gründung einer Gesellschaft handelsrechtlicher Art ins Auge zu fassen und es sei zur Dekkung der Ausgaben für den Kapitaldienst und die laufenden Betriebsausgaben die Erhebung einer Gebühr für die Benützung der Strasse vorzusehen. Der Finanzausschuss hat dabei in Erwägung gezogen, dass es durchaus gerechtfertigt sei, die Benützung der Autostrasse, als einem rein privatrechtlichen Un-* ternehmen, von der Abgabe einer Gebühr abhängig zu machen. Das zielbewusste Vorgehen der Deutschen ist begrüssens- und bewundernswert. Die zahlreichen grossen Schwierigkeiten (Fragen der Landenteignung und der Finanzierung) werden wohl liberwunden werden können, und sollten rechtliche Barrieren hindernd in den Weg treten wollen, so müssen etwaige Hindernisse auf dem Wege der Gesetzgebung beseitigt werden. Den Beratungen hat als Schweizervertreter der Basler Regierungsrat Wenk beigewohnt. Dabei hat er wohl den Plan des baslerischen Komitees bekanntgegeben, wenn er betonte, dass man voraussichtlich bei uns den alten Hauensteintunnel für die Linie benützen wolle und hierauf eine Gabelung der Strasse vorsehe, die einerseits nach Bern und über den Simplon und anderseits nach Zürich Und über den Gotthard nach Italien weiterführen solle. Daneben sei vorgesehen, gute West-* und Ostverbindungen zur Hauptsträsse zu schaffen und dem Ausbau des Landstrasserinetzes die grösste Aufmerksamkeit zu schenken. K. Automobilismus und Aviatik. Man hat wohl überall die nämliche Erfahrung gemacht, dass eine grosse Zahl der Motorradfahrer sich aus den Reihen der Velojahrer rekrutieren und andererseits lang-- jährige Motorradfahrer sich wiederum entschlossen, zum Automobil überzugehen. Wie geht nun die Entwicklung vom Automobilist weiter? Allem Anschein ,nach wird sich das Flugzeug anreihen. Auf alle Fälle hat die englische Automobile Assoziation bereits die Feststellung machen können, dass sich unter ihren autofahrenden Mitgliedern bereits eine ansehnliche Zahl befindet, die sich für die Zivilaviatik interessiert und sich dort aktiv betätigt. Die Fälle mehren sich, da Automobilisten gleichzeitig Besiter von Kleinflugzeugen werden. Schon vielfach ist das glänzend organisierte Sekretariat der A. A. um Auskunft über die mit der Aviatik zusammenhängenden Fragen ersucht worden. So kam der Auskunfts dienst schon in die Lage, über günstige Landungsplätze, die meist frequentierten englischen Luftlinien, über die geltenden Vorschriften des Luftverkehrs, über geeignete Unterkunftsmöglichkeiten für die Apparate etc. zu orientieren. Diese Tatsache hat die Leitung der A. A. veranlasst, alle ihr im Zusammenhang mit der Aviatik zugehenden Nachrichten systematisch zu sammeln,. um mit der Zeit in vermehrtem Masse audi F E U I L L E T O N Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. O. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller, Verlag, München. (7. Fortsetzung) «Hols der Kuckuck!» brummte Hicks. «Da wird es heute nichts mehr sein, Sir. Wenn Sie sich waschen wollen, dort ist ein Eimer und der Brunnen im Hof. Oder ich kann Ihnen im Haus etwas richten.» «Der Brunnen genügt mir», sagte sein ehemaliger Gegner. Und während der Wirt seine Weste anzog und dem einsilbigen George folgte, ergriff Mike den Eimer und trat in den Hof. Nach zwei Schritten blieb er jedoch wie angewurzelt stehen und starrte ungläubig. Dort in dem Hof stand ein viersitziges Auto mit dampfendem Kühler und neben ihm standen zwei Personen. Eine davon war ein kleines, dickes Mädchen mit einem Hängezopf und die andere die grauäugige Maid aus dem Richmond-Park. Viertes Kapitel. Ungefähr fünfzehn Sekunden lang stand Mike, unfähig ziu reden oder sich zu rühren, den Eimer in der Hand und starrte. Wenn man tagelang an einen lieben Menschen ge- dacht hat und er steht dann — gleichsam materialisiert — gänzlich unerwartet vor einem, so wirkt das fast lähmend. Mike stand und starrte so • lange, bis sich das blonde Mädchen, wie von der Kraft seines Blickes gezogen, umwandte und ihn bemerkte. Sie fuhr leicht zusammen. «Oh!» sagte sie. Mike kam mit einem Ruck zu sich und wurde von überströmender Dankbarkeit gegen die Vorsehung erfasst, die dieses wunderbare Mädchen wieder in seinen Gesichtskreis brachte; jetzt sollte sie ihm kein zweites Mal entschwinden! Er trat mit einem frohen, breiten Lächeln rasch vor. «Guten Morgen», rief er fröhlich. «Guten Morgen», erwiderte das Mädchen ernsthaft. Sie war etwas betroffen. Auch ihre Gedanken waren in den letzten Tagen öfter zu dem Abenteuer im Richmond-Park zurückgekehrt. Und ihr erstes Zusammentreffen mit diesem jungen Mann hatte sie nicht darauf vorbereitet, ihn im Hofe eines kleinen Landwirtshauses in Hemdärmeln, einen Eimer in der Hand, wiederzusehen. Für so eine Lage gab es keine Etikettevorschriften. Aber Mike bedeutete in diesem Augenblick Etikette weniger als nichts. «Dies», bemerkte er froh, «ist mit blossem Auge als Treffer zu erkennen. Wie geht es Ihnen, Miss — hm —?» «Danke, ganz gut.» «Woher sind Sie gekommen? Wohin wollen Sie? Wer sind diese —?» «Wer ist der Mann, Miss Kent?» Mike wandte sich und sah ein kleines rundes Gesicht mit grossen blauen Augen, einer Nase wie ein Knopf und einem Mund, dem ein leiser Duft von gebranntem Zucker entschwebte. «Hallo», sagte er liebenswürdig. «Und wer bist du?» «Violet May G weodolen Bytheway», erwiderte das kleine Mädchen sofort. «Man warte mit dem Aussteigen auf das Halten des Zuges.» «Wie?» sagte Mike verständnislos. «Wer ist der Mann, Miss Kent?» «Ein — ein Freund von mir, Violet», sagte das blonde Mädchen hastig. «Doch jetzt musst du wieder einsteigen. Komm!» «Aber schauen Sie,» sagte Mike angsterfüllt, «warten Sie ein bischen. Wo kann ich Sie —» «WarumHst er ein FreurFd von Ihnen, Miss Kent?» zwitscherte das kleine Mädchen, die runden Augen unverwandt auf Mike gerichtet, den kleinen "Mund in steter kauender Bewegung. «Komm weiter, mein Kind,» sagte das blonde Mädchen, «sonst ist dein Vater — schau, da ist er schon.» Um die Ecke des Hauses kam Mr. Hicks in Begleitung eines grossen Herrn, von demj man nichts sah als einen ungeheuren Auto-< mantel, eine Mütze, Schutzbrillen und riesige Stulphandschuhe, und der einen Eimer Wasser trug. «Also kommen Sie, Miss Kent», sagte diese Erscheinung mit hoher, angenehmer Stimme. Wir sind ohnehin schon spät daran.» Und er begann das Wasser in den Kühler zu giessen, während das junge Mädchen ihre Schutzbefohlene in das Auto setzte. Mike, aufs äusserste gereizt und verstört über dieses rasche Ende eines so hübsch einsetzenden Schwatzes, sprang vor. «Hallo! wohin fahren Sie?» «Nicht sehr weit», erwiderte das blonde Mädchen und rückte Violet May in die Ecke zurecht. «Aber —» «Zettel ankleben verboten», gab Violet May durch eine Duftwelle von gebranntem Zukker von sich. Mike holte tief Atem und sandte dem IHN schuldigen Kind einen Mordblick zu, der sich aber flugs in eitel Milde verwandelte, als ihm eine plötzliche Erleuchtung kam. «Wohin fährst du in diesem schönen Wa--