Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1928_Zeitung_Nr.050

E_1928_Zeitung_Nr.050

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag, 12. JunM928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 50 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentraiblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ü ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag > . Monatlich „Gelb* List«** Halbjährlich Fr. 5.—» jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breltenrainstrasse 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliehe Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414 Telephon Bollwerk 39.84 < . Telegramm-Adresse: Autoren», Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct*. Grössere Inserate nach Seitentarif. LosemtonseMlnss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer De» den nfiirrn Kuchen Der Benzinzollviertel vor dem Ständerat. Mit Ungeduld warten die kantonalen Finanzdirektoren auf die Sümmchen, die sie aus dem Benzinzoll • erhalten sollen. Die Löcher der Strassen werden da und dort stets grösser und die Löcher ihres Fiskus nicht kleiner. Aber das Geld will nicht kommen. Und nun ist eine neue Komplikation hinzugetreten : Der Ständerat, der in lebhafter Weise über die noch bestehenden Differenzen der beiden Räte debattierte, konnte sich in Artikel 3 mit der nationalrätlichen Fassung nicht einverstanden erklären. In Artikel 1, der die Offenerklärung von Durchgangsstrassen stipuliert, und in Artikel II, der festlegt, dass Benzin und Benzol zu motorischen Zwecken neben dem Gruridzoll von 10 Fr. einem Zuschlagszoll von 10 Fr. unterliegen und dass die Hälfte dieses Zuschlagszolles den Kantonen als Subvention für die Verbesserung und den Unterhalt der dem Automobilverkehr dienenden Strassen ausgerichtet werden soll, herrscht erfreulicherweise Uebereinstimmung. Dagegen bildete im Ständerat der Begriff «Durchgangsstrassen» den Stein des Anstosses. Ständerat Bolli bezeichnete ihn direkt als Kautschukbegriff. Gegenwärtig sei es unmöglich, zu bestimmen, welche Strassen als Durchgangsstrassen zu bezeichnen wären. Der Vorschlag des Nationalrates, die Subventionen zu einem Drittel nach der Länge der Durchgangsstrassen und zu zwei Dritteln nach dem Verhältnis der jeweils in den drei letzten Jahren gemachten Aufwendungen zu den entsprechenden Ausgaben sämtlicher Kantone zu verteilen, würde eine Quelle der Unzufriedenheit und Unsicherheit werden. Aus dieser Erwägung heraus schlug denn auch die nationalrätliche Kommissionsmehrheit eine neue Fassung vor, die im Rate schlussendlich mit 23 gegen 12 Stimmen gutgeheissen wurde. Diese neue Fassung lautet: «Der Subventionsanteil des einzelnen Kantons wird festgesetzt auf Grund des Verhältnisses seiner jeweils in den drei letzten Jahren gemachten Gesamtaufwendungen, für das dem Automobilverkehr dienende Strassennetz, zu den entsprechenden Ausgaben sämtlicher Kantone.» Die Vertreter der innern Bergkantone, Amstalden aus Obwalden, Walker aus Uri, Sutter aus Schwyz, Laely aus Graubünden, kamen gegen die Argumente der Herren Bolli und Baumami nicht auf. Ein entscheidendes Wort legte Bundesrat Chuard in die Debatte, indem er die Unannehmbarkeit der vom Nationalrat vorgeschlagenen Lösung betonte und auf die allzu grossen Schwierigkeiten hinwies. In Abweichung vom Nationalrat hat der Ständerat Alinea 3 des Artikels 3, der zugunsten der Kantone einen Ausgleichsfonds von 500 000 bis 600 000 Franken vorsieht, folgendennassen umgeändert : «5 % des Benzinzollbetreffnisses, das den Kantonen zufällt und überdies ein Betrag von 250 000 Fr. aus dem Betreffnis des Bundes werden alljährlich zur Verfügung des Bundes gestellt, um damit Unbilligkeiten, die im Verteilungsmodus liegen, durch Ausgleichszuschläge an die betreffenden Kantone nach Möglichkeit beheben zu können. Speziell zu berücksichtigen sind Kantone mit verhältnismässig starker Belastung aus dem Durchgangsverkehr, Kantone mit verhältnismässig geringen Autound Fahrradeinnahmen und finanziell schwächere Kantone.» Der Ständerat, der diesem Alinea mit 22 gegen 10 Stimmen zustimmte, glaubt damit den Kantonen bedeutend mehr zu geben und ihnen eine wirksamere Hilfe zu verleihen, als mit dem Beschluss des Nationalrates. Bei Artikel 4 herrscht Uebereinstimmung zwischen den beiden Kammern. Artikel, 4 bis, der die Verteilung der Betreffnisse aus den Jahren 25 bis und mit 27 regeln soll, erhielt dagegen durch den Ständerat ebenfalls eine vom Nationalrat abweichende Fassung. Sie lautet : « Der Subventionsanteil des einzelnen Kantons für die Jahre 1925 bis 1927 wird für jedes Jahr festgesetzt auf Grund des Verhältnisses der jeweils in dem Subventionsjahr vorangegangenen fünf Jahre für das Strassennetz gemachten Aufwendungen zu den entsprechenden Ausgaben sämtlicher Kantone.» In den Artikeln 5 und 6 bestehen keine Differenzen. Erfreulicherweise hat der Ständerat dem nationalrätlichen-; Postulat zugew stimmt, das die Frage der Eingangsgebähren neuerdings aufrollt und das in der letzten Session von Nationalrat Keller einlässlich begründet wurde. Und nun geht die Vorlage an den Nationalrat zurück; es ist dringend zu wünschen, dass noch innerhalb dieser Session eine Einigung zustande kommt, dagegen wird im National rat eine längere Debatte ganz besonders über Artikel 3 von neuem einsetzen. K. Zur Aufhebung von Niveauübergängen. Wohl jedem, der schon die Untere Seestrasse von Ermatingen nach Stein benutzt hat, sind die zahlreichen Niveauübergänge noch in Erinnerung, die, durch das ewige Kreuzen zwischen Bahn und Strasse die Fahrt kaum zu einem besonderen Vergnügen machen. Nach dem Bauprogramm des thurgauischen kant. Baudepartementes soll nun im, nächsten Jahr die Seestrasse eine gründliche Oberflächenbehandlung erfahren und auch der Trassierung besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Das Departement hat nun in erfreulicher Weise die Beseitigung der hinderlichen Niveauiibergänge, bei Rieserhüttli und Schweizerland, welche nur in einigen hundert Metern Distanz zwischen Steckborn und Berlingen aufeinander folgen, in Erwägung gezogen. Man hofft, umsoeher das Projekt ausführen zu können, als auch die Bundesbahnen mehrfaches Interesse an der Verlegung der Strasse gegen den See hin haben dürften. Erstens würde die separate Bedienung dieser zwei Posten, die doch einen ansehnlichen Betrag an Salären kostete, ein für alle mal dahinfallen. Zweitens spielen neben den Fragen der erhöhten Verkehrssicherheit auch solche bautechn. Natur mit. Die Strasse würde nämlich sich als schützender Damm zwischen Eisenbahntrace und Seeufer schieben und so den Schienenstrang, resp. seine Unterlage vor der Wassergefahr weitgehend schützen. Aus diesen Gründen rechnet man mit einem Beitrag der S.B.B. von etwa 100.000 Fr. an die Gesamtkosten von 160.000 Fr. Die Thurgauer Zeitung meldet, dass die nächstinteressierten Gemeinden allerdings auch nach der Verlegungj der Hauptstrasse ein Interesse an der Beibehaltung cfer alten Strasse hätten, da diese als Zugang zu den dortigen Felsenkellern stets eine gewisse Bedeutung haben wird. Um aber mit dem Krebsübel der Niveauübergänge an dieser Stelle einmal endgültig abzufahren soll das verbleibende Strassenstück mittels einer kl. Unterführung unter dem Bahndamm durchgefürt werden. Neben den interessierten Gemeinden und dem initiativen Baudepartement hat auch die grosso Gemeinde der Automobilisten und Motorradfahrer ein eminentes Interesse an -der Verwirklichung dieses Planes,"dessen Ausführung nun nur noch vom Entscheid der S.B.B, anhängt. Allons! Un peu de bonne volonte! B. Autolotsen. Seit Anfang dieses Monats hat nun auch Berlin seine Autolotsen, die ortsfremde Motorfahrzeugführer durch die Stadt geleiten und ihnen dank ihrer genauen Kenntnisse der dortigen Verkehrsregeln die- Fahrt durch diese Grossstadt bedeutend erleichtern. An der Einfahrtsstrasse aus der Ostmark ist die erste Autolotsenstelle des allgem. deutschen Automobil-Clubs untergebracht worden. Dort sind unter der Leitung eines älteren Beamten sechs junge Lotsen stationiert, die durch ihre schmucke rote Uniform von weither kenntlich sind. Um als Autolotse zugelassen zu werden, hatten sich die jungen Leute über eine umfassende Ortskenntnis von Gross-Berlin auszuweisen, um ihrer Aufgabe, die von auswärts kommenden Automobilisten ohne Zeitverlust und auf dem kürzesten Weg entweder durch Berlin hindurch zu lotsen oder sie in der Stadt selbst an einen bestimmten Ort zu weisen, auch voll und ganz gerecht werden zu können. Ein grosses Schild, das zur Nachtzeit erleuchtet ist, macht die Passanten und Fahrer auf die Lotsenstelle aufmerksam. Dort können sie deren Dienste gegen eine verhältnismässig bescheidene Gebühr in Anspruch nehmen, um auf diese Weise ohne viel Aerger, Umwege und Hindernisse an den Bestimmungsort zu kommen. Dieser ersten Lotsenzentrale, die hauptsächlich den aus den im Osten gelegenen Städten Königsberg, Breslau etc. kommenden Fahrern dienen soll, werden noch im Laufe dieses Monats weitere Stellen angegliedert. Sie alle werden in den Aussenvierteln an grossen Einfahrtsstrassen untergebracht, um so gleich bei der Hand zu sein. So werden an den Zufahrtsstrassen von Leipzig, Magdeburg, Hamburg etc. Lotsenbureaux etabliert. Mit der Zeit sollen auch sprachenkundige Lotsen den Dienst aufnehmen, die hauptsächlich fremdsprachige Autotouristen während ihres Berlineraufent* haltes unter ihre Fittiche nehmen. Z. Anmerkung der Redaktion. Wir verweisen auf unsere Anregung im Leitartikel «Autotechnische Bildungskurse, Nr. 47 der « Automobil-Revue». Zusäminensohltuss Gründung eines Verbandes der Angehörigen der Motorwagentruppe. Die Militärfreudigkeit ist in unserrn Sohweizervolk erfreulicherweise noch nicht erloschen. Mjt unserer kleinen Armee beabsichtigen wir ja keine Welten zu erobern, noch den Frieden der Menschheit zu stören. Unsere Armee ist im Gegenteil ein Friedensinstrument, mit dem einzigen Zwecke, eventuelle Kriegsereignisse von unsern, Grenzen fernzuhalten, im schlimmsten Falle unser Land gegen fremde Eindringlinge zu verteidigen. Unsere kurze Ausbildungszeit verlangt auch ausserhalb der militärischen Kurse intensive Weiterarbeit. Es gilt,,das einmal Gelernte nicht zu vergessen, es womöglich im Gegenteil noch zu vertiefen und zu erweitern. An unsere Spezialtruppen werden ganz besonders hohe Anforderungen gestellt. In der Rekrutenschule und in den Wiederholungskursen haben sie sich neben dem Soldatischen noch eine ganze Reihe praktischer und theoretischer Kenntnisse anzueignen. Es trifft dies ganz besonders für die Angehörigen der Motorwagentruppe zu. Diese Truppe ist verhältnismässig jung, zeichnet sich aber bereits heute durch eine straffe Disziplin, durch gutes Können und einen soliden Korpsgeist aus. Währenddem sich jedoch andere Spezialtruppen bereits zu militärischen Verbänden zusammengeschlossen haben, um auch ausser Dienst Kameradschaft zu pflegen, ihre einmal erworbenen Kenntnisse immer wieder aufzufrischen und 1 womöglich zu erweitern, fehlt dies heute noch den Angehörigen der Motorwagentruppe. Deshalb ist es nicht ohne guten F ^ U EL tL T O N Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. 0. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller, Verlag, Mönchen. (8. Fortsetzung) «Es will nicht fahren, ich drücke fortwährend auf diesen Knopf, aber nichts geschieht. Wissen Sie, ich verstehe nicht sehr viel von Autos; eigentlich verstehe ich gar nichts.» Mike trat vor und sah näher zu. «Sie haben ja die Zündung nicht eingeschaltet», sagte er. «Meiner Seel!» erwiderte der Herr, «Sie haben recht, ich habe das völlig vergessen. Versuchen wir es jetzt.» Wieder drückte er fest auf den Starter, der Motor verharrte jedoch in eigensinniger Ruhe. «Nach dem Ton zu schliessen haben Sie den Starter beschädigt», sagte Mike. Für diese Art Behandlung ist das Ding nicht gebaut. Ich werde es Ihnen ankurbeln.» Er ging nach vorn, kurbelte den Motor an und trat beiseite. «Danke sehr», sagte der sanfte Herr. «Ah — hier.» Er suchte in seiner Tasche und im nächsten Augenblick schaute Sir Michaef Fairlie etwas verdutzt auf ein Sixpencestück in seiner Hand. Der sanfte Herr bestand einen kurzen aber geräuschvollen Kampf mit seinem Schaltungshebel, das Auto rückte sichtlich widerstrebend einen Meter vor und blieb wiederum stehen, während der Motor in Schweigen versank. «Du lieber Gott!» sagte der Herr hilflos, «es führt sich gar nicht gut auf, was?» Mike warf einen neuen Blick auf den widerspenstigen Wagen und unterdrückte mit Mühe ein gefühlloses Grinsen. «Sie laufen gewöhnlich besser, wenn die Handbremse nicht angezogen ist. Ich werde nochmals ankurbeln.» Er tat es und der verwirrte Herr öffnete die Bremse mit solcher Heftigkeit, dass seine Fahrgäste beinahe von den Sitzen flogen. Der Wagen rollte vorwärts und hatte das Hoftor fast ohne Zwischenfall erreicht, als es seinem Führer durch ungeschicktes Umschalten zum zweitenmal gelang, den Motor zum Stehen zu bringen. «Es scheint mir,» bemerkte Mr. Hicks, während der geduldige Herr von seinem Sitz herabkletterte und sich zur Kurbel begab, «dass er die Geschichte sozusagen nicht weg hat. Wenn ich er wäre —» Ein lauter Knall unterbrach ihn. Der unglückliche Führer stiess einen Schrei aus, fuhr zurück und hielt sich die rechte Hand. Er schaute die Zuseher ganz verwirrt an. «Wa — was ist geschehen?» fragte er schwach. «Fehlzündung», entgegnete Mike. «Haben Sie sich den Daumen verstaucht?» «Ich glaube», gab der sanfte Mann zu. «Das heisst — au! ich bin davon überzeugt. Was soll ich jetzt tun? Ich muss nach Hause.» «Es scheint mir,» sagte Mr. Hicks mit einem Ausdruck, als habe er ein schwieriges Problem gelöst, «Sie brauchen jemanden, der Sie nach Hause fährt.» «Wen?» fragte der Herr. «Nun, augenblicklich fällt mir niemand ein», meinte der Wirt freundlich. Zum zweitenmal in zehn Minuten kam die Erleuchtung über Mike. «Ist es weit zu fahren?» fragte er. «O nein, höchstens ungefähr dreissig Kilo-* meter. Ich bin nämlich noch nie diesen Weg selbst gefahren. Aber weit ist es nicht; in der Nähe von Sharrowby, wissen Sie. Könnten Sie am Ende —» «Ich fahre Sie mit Vergnügen nach Hause», sagte Mike. «Das ist aber freundlich von Ihnen», sagte der gute Herr hocherfreut. «Aber bitte, wollen Sie sich dann beeilen? Ich bin schon recht spät daran.» Mike nickte, wandte sich um und zog Mr. Hicks beiseite. «Wollen Sie mir mein Auto aufbewahren, bis ich es holen komme?» «Ganz zu Ihren Diensten, Sir», sagte der Wirt zuvorkommend. «Ich schiebe es in den Schuppen. Und wenn Sie zurückkehren, kön-< nen wir vielleicht wieder —» «Das wollen wir», versprach Mike und lief in die Scheune. Er kam im Augenblick darauf voll ange-» kleidet wieder heraus und schüttelte dem Wirt herzlich die Hand. «Sie sind ein Sportsmann, Mr. Hicks. Ich 1