Aufrufe
vor 3 Monaten

E_1928_Zeitung_Nr.052

E_1928_Zeitung_Nr.052

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BEIM, Dienstag, 19. Juni 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 52 Zentralblatt für die schweizerischen Automobil und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste** Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breitenralnstrasse 97, Bero sofern nicht postamtlicb bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode* deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland oü et«. Grössere Inserate nach Seitentarif. Insermtenschluss 4 Taae vor Erseheinen der betreffenden Nummer Die A. I. T. in Amsterdam. 2. Juli 1928. Unvergessen sind in der Schweiz die Verhandlungen dieser mächtigen Organisation, welche im Juni letzten Jahres in Genf stattfanden ! Schon damals zählte die A. I. T. mehr als 1,5 Millionen Anhänger: heute sind es schon über zwei Millionen, die über die ganze Erde verteilt sind... Dieses Jahr fällt die Ehre, die letztes Jahr unserem kleinen Lande zuteil wurde, Holland zu: Amsterdam wird die Delegierten von 25 Nationen empfangen. Diese Zahl wird noch erhöht werden durch die Aufnahme der Touring-Clubs der Türkei und Portugals, sowie der tschechoslowakischen Motorfahrzeugfahrer-Vereinigung. Es sind auch andere Massnahmen geplant, um für die Ausdehnung der Organisation zu wirken: der belgische Touring-Club wünscht, dass man mit den Touristen-Vereinigungen der baltischen Länder unterhandelt und treibt sogar daran, dass die russische Frage angeschnitten wird. Er wünscht ferner die Gründung eines Tourings-Club in Spanien, Rumänien und Bulgarien begünstigt zu sehen. Man weiss, dass in verschiedenen dieser Länder die Gründung eines Touring- Clubs durch den Automobil-Cloib behindert wird, der das Monopol für die Triptyks besitzt. Diese immer brennende Frage der Triptyks, die von den Automobil-Clubs den Mitgliedern der Touring-Clubs zu liefern sind, wird in Amsterdam Gegenstand eines Berichtes des Generalsekretärs der A.I.T. sein. Die A.I.T. bemüht sich allezeit das Band der Vereinigung zu festigen: so schlägt der belgische Touring-Club vor, dass alle angeschlossenen Vereinigungen sich verpflichten, niemand als Mitglied aufzunehmen, der an einem anderen Ort ausgeschlossen worden ist. Ja, noch mehr: man wird mit anderen internationalen Vereinigungen (wie mit den Automobil-Clubs und den Aeronautischen Clubs) unterhandeln, um bei allen diesen Verbänden die gemeinsame Durchführung dieses Prinzipes zu erreichen. Eine ganze Anzahl anderer interessanter Vorschläge für den Tourismus werden zur Sprache kommen: erwähnen wir den österreichischen Vorschlag auf Einführung von Einheitscheks durch Vermittlung der A.I.T. Ferner die Vereinheitlichung der Zeit, die schon im Jahre 1927- vom schweizerischen Touristik-Dienst vorgeschlagen wurde. Der belgische Touring-Club schlägt ferner eine vielsprachige Broschüre vor, in welcher die Verkehrs-Aufschriften sowohl in der Stadt als auch auf dem Lande übersetzt sind. Eine wirklich dringende Forderung bis zur glücklichen Stunde, da die «Automobil- Revue» mit ihrem Vorschlag siegt, dass man alle Aufschriften durch international verstandene Zeichen ersetzt. Die Schweiz wird auch auf die Frage der sogenannten 5-Tage-Karten zu sprechen kommen, die von ihr angeregt, teilweise in Frankreich versuchsweise geprüft werden und von welchen Belgien die allgemeine Einfuhr wünscht. Erwähnt seien die beiden Vorschläge des Schweizerischen Touring- Clubs: Erleichterungen, welche die Clubs in ihren Bestrebungen der nachträglichen Regulierung der Triptyks begünstigen sollen sowie zu bewilligende Zollerleichterungen für den nautischen Tourismus. Erwähnen wir noch die von den Italienern und Belgiern gleichzeitig gestellte Frage, welche eigene Fahrstrecken innerhalb der Strasse für Velos reservieren möchte. Diese sollten mindestens einen Meter breit sein. Eine Frage, die wir hier mit lebhaftem Interesse verfolgen, ist jene wieder von Belgien unterbreitete, betreffend die den Fremden auferlegte Aufenthalts- und Verkehrstaxe. Befreiung oder Gegenseitigkeit!. *. Hoffen wir, dass dieses Problem im praktischen und von der Schweiz vorgeschlagenen Sinn der freien Durchfahrt gelöst und diese nicht zu Gegenseitigkeitsmassnahmen gezwungen werden muss. Letztes Jahr hatten unsere Delegierten das Vergnügen, allen ihren Kollegen die Karte O. R. Wagners «Europa Touring», welche der T.C.S. herausgab, zu verteilen. Dieses Jahr wird ihr Vergnügen noch grösser sein, werden sie doch Gelegenheit haben, ihnen die J ersten Exemplare des prächtigen gleichlautenden Führers, zu überreichen. Derselbe wurde letztes Jahr der A.I.T. angekündigt, welche auch dessen Patronage übernahm. Dieser erste europäische Automobil-Führer mit einem vorbildlichen Inhalt und mustergültig ausgestattet, der seinesgleichen sucht, wird sicher auf grösste Aufmerksamkeit stossen. Dem Präsidenten des schweizerischen Touring-Clubs, Herrn Dr. Henneberg, sowie dem Generalsekretär, Herrn James Quinclet, welche nach Amsterdam, als schweizerische Vertreter, reisen werden, wünschen wir besten Erfolge. Wir hoffen gerne, dass sie aus dem Land der Ebenen mit einem grossen Strauss glücklicher Beschlüsse, die dem internationalen Tourismus recht förderlich sein werden, in die Heimat zurückkehren! R. Das Motorfahrzeug im ökonomischen Leben der U.S.Ä. Die «National Automobil Chamber of Commerce» der Vereinigten Staaten publiziert jedes Jahr unter dem Titel «Facts and Figures» (Zahlen und Tatsachen) eine höchst interessante Statistik über die amerikanische AutoTnobilindüstrie, der wir für das Jahr 1927 die folgenden Angaben entnehmen: Im Jahre 1927 hat U. S. A. inklusiv Kanada (Kanada wird in dieser Aufzeichnung inbegriffen, weil die kanadischen Automobilfabriken fast ausschliesslich amerikanischen Besitz sind) 3,573,671 Motorfahrzeuge fabriziert, von denen 640,507 Stück oder annähernd achtzehn Prozent exportiert wurden. Auf Ende 1927 kursierten in U. S. A. 23,123,315 Autos. Das in der amerikanischen Automobilindustrie investierte Kapital beträgt 52 Milliarden Dollars. An Arbeitslöhnen wurden im abgelaufenen Jahre nicht weniger als 15 Milliarden verausgabt. Die Produktion des Jahres 1927 steht unter derjenigen des Vorjahres. Immerhin macht sich mit Anfang dieses Jahres ein merkliches Anziehen bemerkbar, so dass angenommen werden kann, das laufende Jahr werde alle Rekorde schlagen. Vergleichen wir die Anzahl der offenen Wagen mit derjenigen der geschlossenen, so zeigt sich die überraschende Tatsache, dass die ersteren, welche im Jahre 1918 92 Prozent der Gesamtproduktion ausmachte auf zwölf Prozent zurückgegangen ist. Von 100 Autos sind demnach 88 geschlossen. Der Torpedo dürfte in kurzer Zeit verschwinden. Während in U. S. A. seit dem Jahre 1914 die allgemeinen Kosten der Lebenshaltung um 64 Prozent gestiegen sind, weisen die Automobilpreise im Gegenteil eine Verminderung von neun Prozent auf. CMeses .anerkennenswerte Resultat ist einerseits denverbesserten Arbeitsmethoden und anderseits der Massenproduktion zu verdanken. Die 23 Millionen kursierenden Autos haben im Jahre 1927 dem Staate an diversen Taxen 760 Millionen Dollars eingebracht. Immerhin ist die Zirkulationstaxe, die nur 13 Dollars beträgt, ausserordentlich niedrig, indem sie nur den Gegenwert von zwei Arbeitstagen darstellt. Der amerikanische Senat hat sogar kürzlich diese Zirkulationstaxe ganz iufgehoben, womit er seine fortschrittliche Politik auf dem Gebiete des Auitomobilwesens aufs glänzendste dokumentiert. Abgesehen, dass der Staat im Jahre 1927 für den Bau und die Unterhaltung von Strassen, wovon 470,000 km zementiert sind, enorme Summen bewilligt hat. Die amerikanische Automobilindustrie hat denn auch die Führerrolle im allgemeinen ökonomischen Leben an sich gerissen. Im Jahre 1918 noch an neunter Stelle, hat sie sukzessiv die Metall-, Baumwoll- und Petroleumindustrie überflügelt. Aus der Fülle lehrreicher Angaben, welche die genannte Broschüre enthält, möchten wir nicht ermangeln einige weitere Punkte herauszugreifen. Von den gestohlenen Wagen wurden 92 Prozent aufgefunden oder konnten polizeilich an den rechtmässigen Inhaber zurückgegeben werden. . Erfreulicherweise haben sich die Unfälle ganz wesentlich vermindert. Während man im Jahre 1915 auf 100,000 kursierende Autos 178 Unfälle konstatierte, ist die Quote im Jahre 1918 auf 154, im Jahre 1919 auf 130 und endlich im Jahre 1927 auf 97, also fast um 50 Prozent zurückgegangen. Zu dieser Verminderung hat eine bessere Signalisierung, ganz besonders der gefährlichen Kreuzungspunkte beigetragen. Sehr viele Unfälle sind indessen nicht auf ungünstige äussere Verhältnisse, sondern auf Ermüdung der Wagenlenker zurückzuführen. In gewissen Städten ist es gelungen, die Unfallquote um 30 bis 40 Prozent zu verbessern, dank der vorsorglichen Mitwirkung der Polizeiorgane und dies ohne Reduktion der Geschwindigkeit, die allgemein bis 35 Kilometer beträgt. In den grossen Städten ist das Stationieren auf eine halbe Stunde limitiert, eine Vorschrift, die sehr zur glatten Abwicklung des Verkehrs mitwirkt. Von den zahlreichen «Highways», Benennung für die modernen Autostrassen, verdient der Pacific Highway, der von Vancouver an die mexikanische Grenze in einer Länge von 2300 km führt und derjenige des Pike's Peak im Staate • Colorado, welcher! eine Höhe von 4,325 m erklimmt, besondere Erwähnung. Die weiteste Verbreitung hat das Auto in Kansas, einem ausgesprochenen Agrarstaate, gefunden, der sich rühmt, auf 1,450,000 Einwohner 501,901 Autos zu besitzen, d. h. 16mal mehr als Frankreich, das gewissermassen ähnliche Verhältnisse aufweist. Gerade der amerikanische Farmer hat die eminenten Vorteile des Motorfahrzeuges schätzen und kennen gelernt. Die gewaltige Ausdehnung der amerikanischen Automobilindustrie ist auf verschiedene wesentliche Ursachen zurückzuführen. Abgesehen von der allgemeinen ökonomischen Situation, zweifellos der wichtigst© Faktor, wird die Entwicklung durch die einsichtige Mitwirkung der Behörden wesentlich gefördert. Während in Europa das Auto von den staatlichen Organen und der Bevölkerung noch vielfach als einen Eindringling bewertet wird, ist in U. S. A. gerade das Gegenteil der Fall, woselbst es nicht die unverdiente Rolle des Klassenverhetzers, sondern vielmehr die dankbare Aufgabe der Nivellierung des Klassenunterschiedes übernommen hat. J. K. Basler Verkehrsfragen. Im Grossen Rate Basels kam in der letzten Sitzung wiederum die Autobusverbindung Bettingens mit Basel zur Sprache. Der tl I DL HE T O N Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. O. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Muller, Verlag, München. (10. Fortsetzung) Mike antwortete nicht gleich, denn die erste Ueberraschung über den ausserordentlichen Vorschlag war vorüber und er begann rasch zu überlegen. Sir Michael Fairlie, sechster Baron in der Ahnenfolge, war der richtige Abenteurer, der noch nie einem ausserordentlichen oder Belustigung ' versprechenden Erlebnis aus dem Wege gegangen war. «Alles einmal versuchen,» hätte ganz gut sein Wahlspruch sein können. Und dieses Erlebnis war sowohl aussergewöhnlich als unterhaltend. Aber schwerer fiel noch etwas anderes in die Wagschale. Wenn er diese, vom Schicksal angebotene Gelegenheit annahm, würde ihn dasselbe Dach beschirmen, das augenblicklich Miss Kent barg —, «ein Ziel, aufs innigste zu wünschen,» denn hier würde er mannigfache Gelegenheit finden, dem wunderbaren Mädchen näher zu kommen. Den Antrag ablehnen hiess hingegen ein nächstes Wiedersehen mit ihr in nebelgraue Ferne zu rücken, was Mike durchaus nicht wollte. Nur der Gedanke an Ladie Fairlie, der ihm in diesem Augenblick kam, beunruhigte ihn ein wenig. Doch wenn er es recht überlegte, bildete auch diese gefürchtete Dame kein unüberwindliches Hindernis. Er brauchte schliesslich seinen Verpflichtungen als Erbe nicht allzulange fernzubleiben. Was er wünschte, war ja nur eine feste Basis, auf der er seine Freundschaft mit Miss Kent errichten könnte; sobald ihm das gelungen war, würde er einfach seine Stellung aufgeben und heimwärts ziehen. Ausserdem hiess es hier, einem Mitmenschen einen Dienst zu erweisen, was doch jedermanns Lebenszweck sein sollte. Eine beruhigende, aber nichts verratende Botschaft an Tante Karoline war die einzig nötige Vorsichtsmassregel. Es war ja richtig, dass er noch nie Sekretärdienste geleistet hatte, aber schliesslich weiss man nie, was man leisten kann, ehe man es nicht versucht hat. Er wandte sich an den sanften Herrn. «Also gut, ich werde mich hineinstürzen, nur muss ich am Weg eine Depesche aufge- j ben.> Der Sekretärbedürftige stiess einen lauten Freudenschrei aus und versuchte Mikes Hand zu ergreifen, wobei das Auto beinahe in den Graben geriet. «Ach, das ist herrlich! ich bin Ihnen wirklich riesig dankbar, Mr. — doch ich kenne Ihren Namen noch nicht.» Mike erschrak — das gab eine Schwierigkeit: Die Stadt Sharrowby war keine zwanzig Kilometer von Little Hurstover entfernt und Gerüchte und Neuigkeiten verbreiten sich am Land schnell. Es war unbedingt zu vermeiden, dass Tante Karoline seinen Aufenthaltsort erfuhr, ehe er bereit war, abzureisen, denn soweit er sich ihrer erinnerte, war sie wohl imstande, über ihn zu kommen und ihn in seine natürliche Sphäre zurückzuschleppen... Sir Michael James Eagleton Austruther Fairlie suchte in Gedanken nach einem netten und unauffälligen Pseudonym. «O — James,» sagte er dann. «Danke, Mr. James. Mein Name ist Bytheway — Herbert Bytheway. Bitte, halten Sie einen Augenblick.» Mike gehorchte etwas erstaunt. Mr. Bytheway, sein langes Gesicht in einem verklärten Lächeln erstrahlend, wandte sich um und sprach zu den im Wagen Sitzenden: «Miss Kent, dies ist Mr. James, mein neuer Sekretär. Mr. James, dies ist Miss Kent, die Gouvernante meiner Tochter. Und das ist meine Tochter Violet. Mein Sohn Harald ist mit seiner Mutter in dem anderen Auto. Mike wandte sich mit einem breiten und fröhlichen Grinsen zu dem blonden Mädchen, das ihn in offenbarer Verwunderung anstarrte. «Wie geht es Ihnen?», sagte er liebenswürdig. Mit sichtlicher Anstrengung murmelte Miss Kent etwas zurück. «'s ist gefährlich,» bemerkte Violet May, die auch an der Unterhaltung teilnehmen men wollte, «sich aus dem Fenster zu beugen.» «Und nun, wo wir uns kennen,» meinte Mr., Bytheway, «müssen wir weiter eilen. Sie können Ihre Depesche am Postamt von Sharrowby absenden.» Er lehnte sich in seinen Sitz zurück und blickte Mike liebevoll an. «Wirklich, Mr. James, ich betrachte es als ein grosses Glück, Sie getroffen zu haben. j Ein besonderes Glück!»