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E_1928_Zeitung_Nr.055

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BFRN, Freilag, 29. Juni 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 55 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Frettao ' Monatlieh „Gelb* List»" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuichlag, ADMINISTRATION: Brdtenrftlnstrftsse 97, Bern »fern nicht postamtlich bestellt Zusehlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Recbnung II17414 Telephon Bollwerk 39.84 • •— Telegnunni-Adresse: Autoren!«, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 CU. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Gt*. Grflssere Inserate nach Seitentarif; Inseratensehtass 4 Taae vor Ersehetoen der betreffenden Nummer Zur Frage des Aufomedianiker-Berufes Unsere Leser werden sich erinnern, dass wir in Nummer 47 der «Automobil-Revue» eigentlich autotechnischen Bildungskursen, die an unsern Techniken gut durchzuführen wären, das Wort geredet haben. Soviel wir auch in Erfahrung bringen konnten, befasst man sich in leitenden Regierungskreisen'mit dem Gedanken, am Technikum Biel die Heranbildung von Motortechnikern ins Auge zu fassen. Wie uns der Schweizerische Verband für Berufsberatung und Lehrlingsfürsorge mitteilt, wird auch am schweizerischen Fortbildungskurs für Berufsberater, der vom 15. ibis 18. Juli in Magglingen stattfinden wird, der Automechanikerberuf zur Sprache kommen und zwar in der Weise, dass eine als gründlicher Kenner des Faches bekannte Persönlichkeit aus Basel zur Durchsprechung der Berufsverhältnisse, seine Erfordernisse und Aussichten zugezogen werden wird. Der Verband hat in löblicher Weise, um der Ausbildung des Automechanikers eine den heutigen Anforderungen entsprechende Grundlage zu geben, an eine Reihe von Fachleuten eine Umfrage ergehen lassen. Er gedenkt des weitern, im Schosse seines Verbandes eine Spezialkommission für das Studium der ganzen Frage in Vorschlag zu bringen. Die bis heute eingegangenen Antworten und Feststellungen lassen sich folgendermassen zusammenfassen: /. Es ist ein Trugschluss anzunehmen, dass, weil sehr viele Knaben zum Automechanikerberuf drängen, auch sehr viele diesen Beruf erlernen. Die Zahl der Lehrstellen, in welchen dieser Beruf wirklich oder vermeintlich gelernt werden kann, ist im Verhältniss zum Angebot an Kandidaten gering. Die Zahl der guten Lehrstellen, nämlich derjenigen, in denen ein Lehrling Gelegenheit hat, ein sauberer «Bankschaffer» zu werden und in die Spezialität Auto eingeführt zu werden, ist gering. Von 10 Automechanikerlehrlingen entsprechen vielleicht 3 diesen Anforderungen. 2. Bankschaff er und «Enpanneur» oder «Motordoktor», wie man auch sagen könnte, sind zwei ganz verschiedene Dinge. Es kann einer ein guter Enpanneur sein, aber ein schlechter Bankschaffer und umgekehrt ein guter Bankschaffer und ein schlechter Motordoktor. Um ein guter Automechaniker zu werden, muss man wohl ein guter Enpanneur sein und ein guter Bankschaffer. 3. In vielen «Automechanikerlehren» wird der Lehrling weder das eine noch das andere. Zum Enpanneur oder Motordoktor sollte man allerdings «geboren» sein. T O N Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. 0. R. Browne. Copyright 1928 bj Georg Maller. Verlag, München. (13. Fortsetzung) «Ich werde nicht vergessen», sagte Mike eilig, «ich möchte sie sehr gern sehen. Abei kann ich mittlerweile in meiner sekretärlichen Eigenschaft nichts für Sie tun ?» «Wie? Für mich? O nein, nein. Ich habe Ihnen nur gezeigt, was Ihre Obliegenheiten sind, wenn es welche gibt, aber wenn meine Frau nicht da ist, brauche ich wirklich keinen Sekretär. Sie wird Sie ja wahrscheinlich in Anspruch nehmen — bei Rechnungen und Einladungen und dergleichen, oder was mich betrifft, gibt es wirklich nichts — möchten Sie sich vielleicht vor dem Tee den Park anschauen? Wenn Sie wollen, begleite ich Sie, es ist zwar ein neues Päckchen Marken.» «Danke», sagte Mike und erhob sich rasch. «Bemühen Sie sich nicht. Ich werde ein wenig herumschlendern und mir alles ansehen». Er ging rasch zu der Fenstertür; ehe er die Hand auf die Klinke gelegt hatte, war Mr. Bytheway schon in den Anblick eines Päckchens versunken, das er mit Tönen entzückter Vorfreude öffnete. Es braucht einen finderischen Geist und einen starken Sinn für das Konstruktive. Das kann man dem Lehrling nicht leicht beibringen, wenn er es nicht in sich hat Aus diesem Grunde schon sind gute Automechaniker selten. 4. Der Lehrling wird in vielen Werkstätten kein Bankschaffer, weil der Betrieb nicht genügend mit Arbeitsmaschinen eingerichtet ist, oder aber, wenn er es nicht ist, so fehlt die Zeit für ruhige Uebungsarbeit. Die Galoppwirtschaft, die in vier len Autoreparaturwerkstätten naturge-; mäss herrscht, hindert den Lehrmeister, gute Lehrlingsarbeit zu finden. Des Lehrlings Hauptarbeiten bleiben Wagehwa^ sehen, Demontieren, Reinigen und Montieren. 5. Die zukünftige Gestaltung der Autorepa^ raturen durch das Vorhandensein der auszuwechselnden Wagen- und Motorradbestandteile bringt es vielleicht mit sich, dass immer mehr Leute benötigt werden, die keine Bankschaffer zu sein brauchen, wenn sie nur soweit tüchtig sind, dass sie äusserst gewissenhaft den Wagen wieder in Stand stellen, nie vergessen* eine Schraube zu sichern-und im übrigen" gute Enpanneurs sind,, mit aridem Worten, sich bei der Hebung eines Schadens rasch zu helfen wissen. Diese Bemerkung wird vor allem für die Amerikaner Wagen ihre Richtigkeit haben. 6. Das Automobilreparaturwesen wird Izu allen Zeiten in Gross- und Kleinbetriebe •zerfallen und daher verschieden durchgebildete Arbeitskräfte benötigen: a) Automobilmechaniker, die sich in allem zurcht zu helfen wissen, die also Vollmechaniker sind und im Autofach bewandert; b) in Grossbetrieben Spezialisten, wie Enpanneur, Maschinenschlosser, Eisendreher, Autoelektriker. 7. Der beste Rat, der den Kandidaten für den Automechanikerberuf gegeben werden kann, ist nicht sofort auf die Spezialität loszugehen, sondern zuerst eine Vorbildung zu suchen, um zunächst ein guter Bankschaffer zu werden und erst später sein Glück in dem Spezialfach zu versuchen. Kommt dann der Motordoktor nicht zum Vorschein, so befähigt wenigstens die Leistungsfähigkeit als Bankschaffer, sei es als Mechaniker oder Schlosser oder Dreher, sein Brot zu verdienen. 8. Wer sofort aufs Autofach zusteuert und kein findiger Motordoktor wird, der läuft Mike trat mit einem Seufzer der Erleichterung auf die Terrasse. Mr. Bytheway war ihm ja sehr sympatisch, aber seine sprunghafte Art zu reden war etwas anstrengend. Ausserdem wollte er Miss Kent aufsuchen, die während des Lunch in undurchdringlichem Schweigen verharrt u. sofort danach mit Violet May in den Garten verschwunden war. Er blickte sich hoffnungsvoll um. Vor ihm erstreckte sich ein grosser ebener Rasenplatz und an dessen entferntester Ecke stand unter einer riesigen Eiche eine ländliche Bank. Auf dieser Bank sass, mit einer Stickerei beschäftigt, das blonde Mädchen und in der nächsten Nähe hüpfte Violet May Gwendolen Bytheway munter am Rasen umher. Mike betrachtete das reizende Bild einen Augenblick mit entzücktem und nicht sehr geistvollem Gesichtsausdruck; dann richtete er seine Krawatte gerade, räusperte seh und trat vor. Miss Kent blickte bei seinem Herannahen auf, doch sagte sie nichts. «Guten Tag», sagte Mike munter. «Haben Sie vielleicht etwas Riechsalz?» «Nein», erwiderte das Mädchen. «Warum?» «Mr. Bytheway und ich haben mit dem J Gefahr, zwischen «Stuhl und Bank» zu fallen. Er ist dann gar nichts, nicht einmal ein guter Chauffeur, weil ihm das Gefühl für den Motor fehlt. 9. Die Anforderungen an den vollbefähigten Automechaniker sind in Wirklichkeit sehr hoch und werden immer höher im • Hinblick auf die grosse Zahl der Marken und die entsprechend grosse Zahl der Iwösungsarten der am Auto vorhandenen Probleme. Die Anforderungen reichen an die Intelligenz eines Technikers oder gar eines Maschineningenieurs. Sie stehen aber selten im richtigen Verhältnis zur Die;, während des letzten, in London stattgefundenen, internationalen Kongresses für Strassen- und Verkehrswesen gehaltenen Referate sind nunmehr zum Teil in Broschürenform erschienen, so dass auch Fernstehenden die Möglichkeit geboten ist, sich eingehender mit den Arbeiten der Kongressteilnehmer zu befassen. Sehr bemerkenswert sind u. a. die Erhebungen des Generalsekretärs der englischen Safety First Assoziation, Oberstleutnant Pickard, der auf Grund eines amtlichen - Materials die Ursachen und erfolgreichsten Bekämpfungsmethdden ; für Verkehrsunfälle zu eruieren suchte* Für seine Untersuchungen betr. der i^nfallürsäche, die' wir im Nachstehenden eingehender behandeln möchten, stand ihm ein ganz einzigartiges Material zur Verfügung, indem eine Grosszahl der Richter sämtlicher englischer Gerichtshöfe sich bereit erklärte, der Association die Ergebnisse amtlicher Untersuchungen für statistische Zwecke zur Verfügung zu stellen. Erstmals wurden die Erhebungen für das Jahr 1926 durchgeführt und hatten wir in Nr. 32 der «A.-R.» vom Vorjahre Gelegenheit, auf die Ergebnisse hinzuweisen. Man hat die damaligen Resultate, die ein ganz überraschendes Bild ergaben, nicht als ganz vollwertig und zuverlässig gewertet, da der Statistik nur das Material von zwei Monaten zu Grunde lag. Die Safety First Organisation hat schon aus diesem Grunde, und um die interessanten Erhebungen weiterführen zu können, dieselben auch für 1927 wieder durchgeführt. Freilich umfassen auch diese Unterlagen nur zwei Monate, da den Richtern natürlich die umfangreiche Arbeit der Zusammenstellung und ersten Durchsicht der notwendigen Akten nicht ad infinitum zugemutet werden kann und sich die Regierung nicht entschliessen konnte, die Sache offiziell an die Hand zu nehmen, sondern die Mitarbeit aus taktischen Gründen lieber dem freien Ermessen der Richter überlässt. Geschäftlichen gerungen. Ich fühle, dass ich ein Belebungsmittel brauche. Vielleicht, wenn ich mich hier ausruhen dürfte, könnten meine Nerven —» Das Mädchen lächelte und machte ihm an ihrer Seite Platz. «Ach!» sagte Mike und setzte sich mit einem lauten Seufzer. «Hier ist es wirklich sehr angenehm, höchst angenehm! Wie entzückend das Haus von hier ausschaut!» Das Haus war in der Tat ein entzückender Bau, der in der Elisabethinischen Zeit von einem Mann errichtet worden war, dessen Mittel nicht hinter seinem guten Geschmack zurückblieben. Es war ein grosses, weitläufiges Gebäude aus Ziegeln mit vielen Fenstern und hohen Schornsteinen und stand auf einem kleinen Hügel mit der Aussicht auf Sharrowby.Es hatte bleigefasste Fensterscheiben, ein grosses, dunkles Tor und viele Giebel; auf drei Seiten war es von einer Terrasse umgeben und eine breite, von Blumen umsäumte Auffahrt verband es mit der Strasse, vor deren neugierigen Blicken es durch eine hohe Buchsbaumhecke geschützt war. Gärten umgaben es — Rosengärten, holländische Qärten, Küchengärten. Es war das Haus, von dem viele träumen, das aber nur wenige erreichen. Bezahlung. Ausserdem ist der Dienst — Tag-, Nacht- und Sonntagsbetrieb — sehr anstrengend. Die obenstehenden Feststellungen bestätigen unsere Ansicht, dass zum Beruf des vollbefähigten Automobilmechanikers autotechnische Beildungskurse an unsern technischen Mittelschulen zur Vorbedingung und Notwendigkeit werden. Mit Interesse blicken wir den Resultaten des schweizerischen Fortbildungskurses für Berufsberater entgegen und sprechen unsere Genugtuung darüber aus, dass sich der Verband dieser hochwichtigen Frage angenommen hat. K. Die Verkehrsunfälle und ihre Ursachen Die Zahlen pro 1927 stützen sich also auf 617 Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang, welche sich während der Monate Juli und Juli ereigneten und insgesamt 625 Todesopfer forderten. Die Unterlagen wurden von 223 Richtern geliefert, die mit der Beurteilung dieser Fälle betraut waren. Die- Auszählung der Fälle ergab nun einwandfrei, dass 36 Prozent zu Lasten der Mötorfahrzeuglenker fallen, während 64 Prozent der Unfälle andern Ursachen zugeschrieben werden müssen. Ueber die Aufteilung der Unfallursachen orientiert die beigefügte graphische Darstellung. Wie aus def graphischen Tabelle hervorgeht, wurden die Ursachen vorerst in" zwei grosse Untergruppen geteilt, wovon die eine jene Unfälle betrifft, die von Motorfahrzeugführern verursacht worden sind, während in der andern alle übrigen Ursachen zusammengefasst sind. In dieser letzteren Gruppe erfolgte nun eine Unterteilung nach den übrigen fünf Hauptgefährdungsmomenten: Fussgänger und Velofahrer, Tiere, technische und mechanische Fehler des Fahrzeuges, Strassenzustand, und endlich Witterungsverhältnisse. Die Kategorie Fussgänger und Velofahrer ist der besseren Uebersicht halber wiederum differenziert in Gruppe: Erwachsene Fussgänger, jugendliche Fussgänger und Radfahrer. Die 36 Prozent der Ursachen, für welche die Fahrer verantwortlich sind, zerfallen natürlich in eine ganze Serie von Umständen, die Unfälle veranlasst haben. Sie alle gesondert zu berücksichtigen hätte nur die Uebersichtlichkeit beschränkt, weswegen sich die Statistik mit acht genau bezeichneten Ursachegruppen begnüge und in einer neunten Gruppe, die allerdings nur 2,2 Prozent aller verarbeiteten Fälle ausmacht, die wegen ihrer Besonderheit oder geringen Frequenz nicht ausgeschiedenen Veranlassungen zu Unfällen umfasst. Wie die Ergebnisse obiger Statistik schon «Ja», sagte Miss Kent, «es ist ein wunderschöner Fleck Erde!» Mike bemerkte mit Wonne, dass die etwas kühle Art, mit der sie ihn während des Lunches behandelt hatt, gewichen war. Er wusste nicht, dass diese Kühle der Tatsache entsprang, dass Miss Kent ihm gegenüber vor einem Rätsel stand. Der Vorfall im Richmond-Park, sein Auftreten im «Haupt des Sarazenen», in der Rolle eines Knechtes oder Aushifsarbeiters und dann seine Beförderung in seinen gegenwärtigen Posten — all das verwirrte Miss Kent und sie war eine junge Dame, die Verwirrung nicht liebte. Doch hatte sie seitdem Zeit gehabt, sich ihre Eindrücke zurechtzulegen und erkannte, dass dieser seltsame junge Mann doch zweifellos von ihrer Art war, daher fühlte sie sich freundschaftlich zu ihm hingezogen. Wenn er auch etwas rätselhaft war, versprach seine Gegenwart in diesem Haushalt wenigstens die Schwere eines Daseins unter Mrs. Bytheways Augen etwas zu erleichtern. In diesem Augenblick überlegte Sir Michael Fairlie ernstlich, ob er es wagen dürfe, ihr zu sagen, warum er diese verrückte Sache unternommen habe. Es schien ihm, dass kein Mädchen von solchen Beweisen der Ergebenheit ungerührt bleiben könne. Was ihn