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E_1928_Zeitung_Nr.059

E_1928_Zeitung_Nr.059

Ausgabe; Deutsche Schweiz» , Freilag, 13. Juli 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 59 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS.PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freltao , Monatlich „Gelbe Liste** Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt, Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Ben? In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Kecbnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autororue, Bern INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. tnsemtensehluss. 4 Tage vor Erseheinen der betreffenden Nummer Das Automobil als Wirtschaftssektor Der wirtschaftliche "Aufstieg eines Volkes beruht neben seiner Tüchtigkeit, seiner Bil- Gungs- und Organisationsfähigkeit nicht zuletzt auf verkehrstechnischen Grundlagen. Die Verkehrswege waren zu jeder Zeit die Schrittmacher von Handel und Industrie, von Gewerbe und Landwirtschaft. Mit dem Bau grossangelegter Durchgangsstrassen setzte bereits in früheren Jahrhunderten die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes ein. Sie erhielt aber erst ihren mächtigen Impuls in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als durch eine grosszügig angelegte Eisenbahnpolitik die Schiene die Strasse zu ersetzen begann. Heute stehen wir am Anfang einer dritten Entwicklungsstufe. Das Motorfahrzeug hat die Strasse aufs neue belebt und einen Teil des Verkehrs an sich gerissen. Eisenbahn und Post, die den Verkehr monopolisiert hatten, sehen sich einem jungen Konkurrenten gegenübergestellt. Wie weit dieser junge Konkurrent die beiden erstem geschädigt hat bildet heute die grosse Streitfrage. Es ist gegen das Motorfahrzeug nicht immer objektiv gekämpft worden. Tendenz, Unsachlichkeit und Nichtwissen haben die Feder geführt. Im Abwehrkampfe gegen das Automobil hat man immer und immer wieder lesen können, welch grosse Volksinteressen mit dem Sein oder Nichtsein der Bahnen auf dem Spiele stünden. Wir hatten Gelegenheit genug, darauf hinzuweisen, wie ein solcher Kampf einer Vogel-Strauss-Politik gleichkomme, die von unserem Volke unter Umständen einmal schwere Opfer erheischen könnte. Unsere kleine Schweiz als Drehscheibe Europas kann keine eigene, engbegrenzte Verkehrspolitik treiben. Sie ist auch hierin auf das grössere Ausland angewiesen und kann nichts Gescheiteres und Besseres tun, als sich der ausländichen Entwicklung rechtzeitig und gelenkig anzupassen. Niemals können Voreingenommenheit und Unwissenheit zum Erfolge führen. Zu grosse Werte jedoch liegen auf dem Spiele, als dass man die ganze Frage mit Schlagwörtern abtun könnte. Die Diskussion muss auf solide materielle Grundlagen aufgebaut werden. Es ist deshalb höchst begrüssenswert, dass der Sekretär des Verbandes Schweizerischer Motorlastwagen - Besitzer, Herr Ingenieur Monteil, uns in einer wohldurchdachten und gut fundierten Arbeit die Grundlagen geliefert hat, welche uns die bedeutende Entwicklung des Motorfahrzeuges in den letzten Jahren schildert, seinen volkswirtschaftlichen Wert zahlenmässig belegt und daneben auch nachweist, dass die Eisenbahnen ganz wohl neben dem Automobil zu bestehen vermögen, da in erster Linie Konjunkturverhältnisse und nicht Konkurrenzgründe anderer Verkehrsarten die Ergebnisse der Bahnen in der Hauptsache beeinflussen. Eine Tatsache übrigens, auf die wir ebenfalls bei Besprechung der Geschäftsabschlüsse verschiedener Bahnen immer wieder hingewiesen haben. Auf 73 Einwohner ein Automobil. Was nun die Anteilnahme der Motorfahrzeuge am modernen Personen- und Gütertransport anbetrifft, so ist festzustellen, dass ein übertriebener Protektionismus der Bahnen sich in keiner Weise mehr rechtfertigen lässt. Die Zahl der Personenautomobile ist von 36,070 im Jahre 1926 auf 42,369 im Jahre 1927 gestiegen, die Zahl der Motorlastwagen hob sich von 10,357 auf 12,078, diejenige der Motorräder von 23,600 auf 31,529, so dass im Jahre 1927 85,976 Motorfahrzeuge die Strassen belebten, gegenüber 70,027 im Vorjahre. Die Zunahme betrug demnach im Gesamten 15,949 Stück oder 22,7 %. Wie weit das Motorfahrzeug in unser Volk eingedrungen ist, beweist die Tatsache, dass auf Ende 1927 auf 73 Einwohner ein Automobil, auf 126 Einwohner ein Motorrad oder auf 46 Einwohner ein Motorfährzeug entfiel. Diese Zahlen beweisen, dass das Automobil heute wohl nicht mehr mit Recht als ein privilegiertes Klasseinstrument angesprochen werden darf. Es ist zum absolut notwendigen Werkzeug unserer produzierenden Schichten geworden, denen es ihre tägliche Arbeit erleichtert und den Aktionsradius ihrer Arbeitsgelegenheit erweitert. So entfällt heute bereits auf 34 selbständig Erwerbende ein Automobil und auf 58 selbständig Erwerbende ein Motorrad. Wie sprunghaft die Entwicklung vor sich gegangen ist, beweist die Tatsache, dass noch im Jahre 1912 ein Automobil auf 334 selbständig Erwerbende fiel. Diese wenigen Zahlen beweisen wohl auch zur Genüge, dass unser Wirtschaftsleben ohne das automobilistische Verkehrsmittel sich gar nicht mehr denken Hesse. Wegweisend in dieser Richtung ist die Entwicklung der zwei- und wenigertonnigen Kleinlastwagen oder der speziellen Lieferungswagen. Heute befahren 6253 solcher Automobile unsere Strassen, was einer Vermehrung gegenüber 1924 von 66 % gleichkommt, währenddem sich im gleichen Zeitraum die Zahl der Schwerlastwagen samt Anhängern nur um 1285 Fahrzeuge oder um 38 % gesteigert hat. Die analoge Entwicklung lässt sich übrigens auch bei den Personenautomobilen verfolgen, wo besonders das sogenannte Kleinautomobil starken Zuwachs erfahren hat. Das Automobil als Hilfsinstrument. Interessant ist ebenfalls die Untersuchung, in welchen Hauptberufsbranchen der Motorlastwagen ganz besonders als berufliches ^Hilfsinstrument benutzt wird. Bereits im Jahre 1924 hat Herr Ingenieur Monteil diesbezüglich wertvolle Untersuchungen durchgeführt, die er heute nun anhand der kantonalen Ausweise wertvoll ergänzt hat. Seine Untersuchungen zeigen aufs neue, wie stark das Kleingewerbe sich des motorisierten Lastwagens bedient und wie dieses Wert darauf legt, sich zur rascheren und rationelleren Bedienung der Kundschaft die Vorteile des Automobils sicherzustellen und dabei im Konkurrenzkampf bestehen zu können. Die statistische Zusammenstellung des Motorlastwagenbestandes und seine Wagenverteilung nach Verwendungsarten zeigt die bedeutsame Tatsache, dass heute Landwirtschaft und Lebensmittelbranche mit insgesamt 3609 Fahrzeugen oder 36 % an der Spitze marschieren. Industrie, verschiedene Gewerbe und Handel rangieren mit 3254 Wagen oder 32,5 % an vierter Stelle, währenddem die eigentlichen Konkurrenten der Bahn, die Transportunternehmungen, erst an fünfter Stelle stehen und einen Wagenbestand von 1012 oder 10,1 % aufweisen. Die sich daraus ergebenden Schlüsse sind wohl nicht schwer zu ziehen. Die Tatsache, dass das motorische Nutzfahrzeug gerade in der Lebensmittelversorgung, im Tauschverkehr zwischen Stadt und Land eine hervorragende Bedeutung gewonnen hat, zeigt wohl unzweideutig, wie wenig eine Erschwerung dieses Verkehrs und damit eine Erschwerung unserer gesamten Lebenshaltung im Interesse der Allgemeinheit liegt. Der fernere Umstand, dass der Wagenpark der eigentlichen Transportunternehmer ein verhältnismässig nur geringer ist, beweist, dass die Begehren nach Konzessionierung dieser Betriebe und nach schablonenhafter Regelung ihrer Arbeitszeit sicherlich zu hoch geschraubt sind. Andernteils ist die starke Wagenvermehrung in den öffentlichen Verwaltungsbetrieben ebenso bemerkenswert. Im Dienste der eidgenössischen Post und der konzessionierten Linien stehen heute 350 Omnibusse, und hat sich besonders in den öffentlichen Verwaltungsbetrieben der Schwerwagentyp mit 4 und 5 Tonnen Tragkraft beinahe um das Doppelte vermehrt. Was- aber dem einen recht, ist dem andern billig. Und so ist es denn nicht recht zu verstehen, dass Verwaltungsinstanzen immer wieder denjenigen Fahrzeugen der Privatwirtschaft erschwerende Bestimmungen auferlegen wollen, die in den kantonalen und städtischen Verwaltungen als die wirtschaftlich vorteilhaftesten Transportmittel anerkannt werden. Das gefährdete Volksvermögen. Man hat in letzter Zeit von der Gefährdung des in den Bahnen investierten Volksvermögens lesen können. Milliardenwerte stünden auf dem Spiele. So hat man es dem Volke weismachen wollen. Die neuesten Untersuchungen und Vergleiche beweisen mit aller Deutlichkeit, dass das Automobil als Massenbeförderer nicht als ernsthaftes Gefährdungsmoment für die Eisenbahn angesprochen werden darf. Dagegen muss auch einmal auf das im Automobilwesen investierte Volksvermögen aufmerksam gemacht werden. Auch da sprechen die Zahlen eine gewaltige Sprache. Der approximative Neuwert der Motorfahrzeuge der Schweiz einschliesslich Traktoren und Motorräder betrug auf Ende 1927 allein 782,5 Millionen Franken. Aber auch in der Motorfahrzeugindustrie und der ihr zugewandten Industrien sind bereits rund 51 Millionen Franken investiert, was im Gesamten eine Summe von 833 Millionen Franken ausmacht. Ueber die Zahl der durch das Motorfahrzeugwesen ihr tägliches Brot verdienenden Landeseinwohner wird erst die in Aussicht gestellte schweizerische Betriebszählung genauem Aufschluss geben. Dagegen ist sie mit ziemlicher Sicherheit auf 80,000 bis 90,000 Personen zu werten. Es darf somit festgestellt werden, dass sowohl im Eisenbahn- als im Automobilwesen heute gewaltige Summen gebunden liegen, dass in beiden Unternehmungen eine ansehnliche Volksmasse ihren Erwerb findet und dass es deshalb als ein sehr gewagtes, ja sogar gefährliches Unternehmen bezeichnet werden muss, unser Volk einseitig und blindlings gegen den Automobilismus zu mobilisieren. & Praktische Propaganda zur Unfallverhütung. Die Berliner Strassenbahngesellschaft hat jüngst in Verbindung mit den Schulbehörden ein Preisausschreiben durchgeführt, das die Schuljugend zu selbständigem Denken in Verkehrsangelegenheiten anregt und deshalb wesentlich zur Propagierung des Safety- First-Gedankens beitragen wird. Es galt nämlich in Versen oder Prosa, mittels Text oder Bildern in möglichst kurzer Form die Frage «Wie lassen sich Verkehrs- Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. O. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller. Verlag, München. (17. Fortsetzung) «Nun,» schlug sie mit einer gemachten Beiläufigkeit vor, die nicht einmal ein Kamel getäuscht hätte, «warum bleiben Sie da nicht ein paar Tage bei uns, Sir Michael? Wir würden uns doch ausserordentlich freuen, nicht wahr, Herbert?» Nun war zwar Mr. Bytheway keineswegs über die Aussicht erfreut, einen völlig Fremden für unbestimmte Zeit im Hause zu haben, doch war er viel zu verheiratet, um das merken zu lassen. ., «Ja, natürlich, meine Liebe, sehr.» Mr. Cherry benahm sich bescheiden abwehrend. «Es ist wirklich riesig freundlich von Ihnen, aber ich kann ihre Liebenswürdigkeit doch nicht so ausnützen. Schliesslich » «Kein Wort mehr, Sir Michael», befahl Mrs. Bytheway schelmisch. «Sie sind hier und bleiben hier. Das ist doch das wenigste, was Sie tun können, um zu zeigen, dass Sie mir verziehen haben! Die frische Luft wird Ihnen sehr gut tun und für Herbert ist es eine Wohltat, wenn er jemanden zum Reden hat.» «Ihre Liebenswürdigkeit überwältigt mich, Mrs. Bytheway. Ich muss gestehen, dass der Gedanke, ein paar Tage auf diesem reizenden Fleck Erde zu verbringen » Mrs. Bytheway seufzte so tief beglückt auf, dass sie hörbar knackte. Es hätte sie wahrscheinlich nicht wenig überrascht, zu erfahren, dass der neue Sekretär ihres Mannes ebenso befriedigt von der Entwicklung der Dinge war. Die Annahme von Mrs. Bytheways Einladung durch seinen Stellvertreter schien Mike geradezu ein Zeichen, dass die Vorsehung es gut mit ihm meine. Jetzt brauchte er nichts zu übereilen, er konnte warten und den Dingen mit Genuss zusehen. «Das ist also abgemacht», sagte Mrs. Bytheway glücklich. Sie blickte strahlend im Zimmer um und bemerkte plötzlich den Sekretär, wobei sich ihr strahlender Ausdruck etwas verflüchtigte. Sie hatte Mike ganz vergessen, wobei sein beharrliches Schweigen nicht wenig beitrug. Sein Anblick erinnerte sie, dass es hier noch eine Arbeit für sie gab, die sie leider von der Seite ihres geschätzten Gastes reissen musste. Sie blickte ihren Gatten streng an. «Herbert, führe Sir Michael in den Garten und zeige ihm die Rhododendren. Ich habe mit Mr. — ah — James zu sprechen.» Mr. Byteway hüstelte, zögerte und stand dann auf. Sein sanfter Blick ruhte einen Augenblick beschwörend auf Mike. « Schön, meine Liebe. Bitte — hier heraus, Sir Michael. » Die beiden verschwanden durch die Fenstertür, welchen Weg einige Augenblicke vorher Harald genommen hatte. Mrs. Bytheway lehnte sich in ihren Stuhl zurück und legte ihr Gesicht in die strengen Falten, die sie für solche Unterredungen für passend hielt. Ihr lichtes, vorstehendes Auge prüfte Mike, als sei er in einem Museum ausgestellt, oder etwas, das die Katze ins Zimmer gebracht hatte. Wider Erwarten schrumpfte Mike unter dem Blick nicht zusammen. Alle die anderen Sekretäre waren zusammengeschrumpft und fürder nur mehr Wachs in ihren Händen gewesen. Aber dieser hier grinste sie fröhlich an und gab der Meinung Ausdruck, dass es ein schöner Abend würde, wenn kein Regen käme. Mrs. Bytheway runzelte die Stirn. « Also Sie, » sagte sie scharf, « sind der junge Mann von Squirl und Mumpeter? » « Wie bitte? » fragte Mike. «Ich meine natürlich die Vermittler, > sagte Mrs. Bytheway. «Ihr voller Name?» « Michael James.» « Haben Sie schon Erfahrung? » «O ja,» sagte Mike ruhig. Denn Erfahrung mannigfacher Art hatte er ja reichlich — wenn auch nicht gerade als Sekretär. « Referenzen? » Mike erschrak. Hier war ein Hindernis, das er nicht vorausgesehen. Da zwischen ihm und Mr. Bytheway von Referenzen nicht die Rede gewesen war, hatte er gar nicht daran gedacht. Er dachte einen Augenblick fieberhaft nach — es galt, alle weiteren Fragen in dieser Richtung zu verhindern. Dann richtete er einen vertrauensvollen BlicK auf Mrs. Bytheway und dämpfte seine Stimme fast zu einem Flüsterton. « Tatsächlich habe ich keine. Meine letzte Stelle war etwas — hm — eigentümlich. > « Wieso? » «Tatsache ist,» sagte Mike zögernd, als spreche er nicht gerne davon, *« es war ein geistig nicht ganz normaler Fall. » Mrs. Bytheway fuhr zurück. «Geistig nicht — ein — ein Irrsinniger?> Mike nickte düster. «Jedoch ganz harmlos. Ein sehr netter Mensch und stundenlang oft ganz klar. Aber meistens glaubte er aus Eisen zu sein. Er konnte kein Wasser sehen, der arme Kerl, er hatte immer Angst, er würde rosten.» Er hielt inne, da er fürchtete, zu dick aufgetragen zu haben. Aber Mrs. Bytheway, bei all ihren Ambitionen, war kein Kirchenlicht. Sie starrte ihn nur erstaunt an. « Also, sehen Sie, fuhr er logisch fort, «dass er als Referenz nicht viel wert wäre.»