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E_1928_Zeitung_Nr.059

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Unfälle verhüten?» zu

Unfälle verhüten?» zu beantworten. Zur Verteilung unter die erfolgreichsten Schüler waren gegen 150 Geldpreise ausgesetzt worden, deren Zuteilung einem aus Pedagogen und Verkehrsfachleuten zusammengesetzten Komitee übertragen worden war. Die Jury hatte keine leichte Aufgabe,- waren doch weit über 1000 Lösungen eingegangen, welche die Antworten von 10jährigen Knirpsen bis hinauf zum Maturanden umfassten. Sehr viele der Einsendungen verrieten eine gut entwickelte Beobachtungsgabe, sowie die Fähigkeit, Ursächliches von Nebenerscheinungen zu unterscheiden. Neben langen Litaneien und ausführlichen Aufsätzen gingen manche kurz geprägte Schlagsätze, oder treffliche Illustrationen ein. Unter den kürzesten Antworten, die von 10- bis 14jährigen Knaben und Mädchen stammen, zitieren wir nur die wenigen nachstehenden: «Strassenunfälle lassen sich verhüten, wenn man beim Ueberschreiten des Fahrdammes immer daran denkt, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist,» oder: «Denke beim Ueberschreiten des Fahrdammes stets an den Tod und halte die Augen offen!» Ein Zwölfjähriger gab kurzerhand den Rat: «Auf der Strasse nur immer gemütlich, nicht drängeln.» Modernen Einschlag weist das nachstehende Rezept auf: «Unfälle lassen sich vermeiden, wenn man beim Ueberschreiten der Strasse nach Coue immer vor sich hin sagt: «Wer nicht hören will, muss fühlen, wer nicht hören will, muss fühlen!» Die kürzeste Lösung fand aber entschieden eine etwa 10jährige Primarschülerin. Bekanntlich verwendet die Berliner Verkehrspolizei für ihre Signale die rote Farbe für Stop oder Fahrverbot und grün für «Bahn frei». Die Kleine klebte nun einfach auf ein Blatt Papier zwei Kreise aus farbigem Papier auf und schrieb unter den roten Kreis «Rot- Tot» und unter" den grünen Kreis: «Grün- Rin» (rein in die Strasse!). Es ist erfreulich, feststellen zu können, dass die Mehrzahl der Schüler in ihren Antworten die Ueberzeugung ausdrücken, es liege am Passanten selbst die Ursache Unfälle zu verhüten. Von den Kindern nämlich, bei welchen diese Auffassung Boden gefasst hat, kann auch erwartet werden, •dass sie den Instruktionen über ein richtiges Verhalten auf der Strasse ohne weiteres Folge leisten. Es gilt eben der kommenden Generation vor allem klar zu machen, dass die Fahrbahn der Strasse, nicht wie früher, dem Fussgänger zur unbeschränkten Benützung offen steht, sondern, dass jedermann nur nach Beobachtung bestimmter Regeln und Vorsichtsmassnahmen das Trottoir verlassen kann. Wenn diese Ueberzeugung unter der heutigen Jugend zu einem Allgemeingut wird, dann muss die Anpassung des Publikums an einen weiterhin sich steigernden und beschleunigten Strassenverkehr zukünftig keine grosse Schwierigkeiten mehr bieten. Dass vorab die Jugend aber auch sehr empfänglich ist für gedankenlose Schlagworte, bewiesen eine Anzahl von Antworten, welche sich auf tagtägliche Phrasen, wie «Bremse hat versagt», «Ungenügendes Signal gegeben» stützen. Viele der jugendlichen Einsender befassten sich auch mit der Verkehrspolizei und es darf wohl zum Teil der tadellosen Dienstauffassung dieser Truppe zugeschrieben werden, wenn die Mehrzahl der Schüler ihre Sympathie für die Verkehrspolizei äussern. Ein jugendlicher Dichter meint dazu: «Die Schupo stets das Beste will, drum füge dich und sei hübsch still.» Das eingelaufene Material, unter welchem sich auch bereits Vorschläge für spätere städtebauliche Gestaltung Berlins befinden, soll nun nach pädagogischen Gesichtspunkten zusammengestellt und zu Ausstellungszwecken benutzt werden. Die Strassenbahngesellschaft stellt zu diesem Zweck einige Wagen zur Verfügung, in welchen das Material in anschaulicher und übersichtlicher Weise untergebracht wird. Die Ausstellungs- YerkehHunfewi Mit dem enorm zunehmenden Automobilverkehr, mit der Wiederbelebung der Strasse, ist es wahrlich nicht zu früh, wenn die Schulbehörden mit aller Energie an die Verwirklichung des Verkehrsunterrichts herangehen. Die Frage war für das erste nicht so einfach. Wie sollte das Problem angepackt werden? In leitenden Kreisen wird man sich darüber erst heute klar, nachdem man zu allererst Behörden und Lehrerschaft von der Notwendigkeit dieses Unterrichtes überzeugen musste. Unsere Lehrpläne sind auf allen Stufen überlastet. Das Mass des Wissens, das unsern Schülern eingetrichtert werden muss, ist überaus gross. Die Stundenpläne sind ausgefüllt. Und trotzdem können die Pensen meistens nicht erreicht werden. Und zu alledem noch ein neues Fach? Viele weise Häupter schüttelten den Kopf und hielten die Idee als undurchführbar. Das Automobil aber zwang auch die Schule zum Umdenken. Die Gefahren der Strasse sind zu gross geworden und die Fälle häufen sich zu sehr, da unwissende Jugend sich durch Unvorsichtigkeit und ohne Verschulden des Fahrers den zu frühen Tod holt. Wie ist das Ziel zu erreichen? Wir gehen darin mit den Ansichten von Polizeikommissär Müller aus Bern, denen sich übrigens auch Lehrerschaft und Behörden anschliessen dürften, vollständig einig. Es ist heute unbedingt notwendig, dass der Einzelne sich in das Verkehrswesen einordnet, um nicht nur" sein, sondern auch das Leben des andern zu schützen. Verkehrsunfälle müssen nach Möglichkeit vermieden werden. Deshalb ist es nötig, dass jedes aus der Schule tretende Kind sich im heutigen Verkehrsleben zurechtfinden kann. Um dieses Ziel zu erreichen, halten wir dafür, dass eigentliche Verkehrsunterrichtsstunden für Landschulen nicht nötig sind. Gelegentliche Hinweise auf Verkehrsgefahren und deren Verminderungsmöglichkeiten in allen Unterrichtsfächern sollten genügen. Jeden Vormittag vielleicht vor Schulschluss dürften fünf Minuten « Verkehrsdrill » angezeigt sein. Gewisse Regeln, präzis und klar gefasst müssen dem Kinde fast jeden wagen werden alsdann in sämtlichen Stadtkreisen auf toten Geleisen aufgestellt, um den jeweiligen Kreisschulen Gelegenheit zu bieten unter Fuherung der Lehrerschaft die Lösungen zu besichtigen und zu besprechen. Ferner beabsichtigt die Schulbehörde, die psychologisch wertvollsten Antworten in einer Broschüre zusammenzustellen, die hauptsächlich der Lehrerschaft und Erziehern als Wegleitung für ihren Verkehrsunterricht dienen soll. B. Die Generalversammlung des internationalen Verbandes für Tourismus (Ä. I. T.). Herr Dr. Henneberg zum Vizepräsidenten ernannt. Die Würdigung des « Europa-Touring ». Die Generalversammlung dieser grossen internationalen Vereinigung mit ihren 2 Millionen Mitglieder tagte letzthin in Amsterdam. Die zwei ersten Tage wurden durch Herrn Defert, Präsident des A. I. T., präsidiert, während in den beiden letzten Tagen Herr Dr. Henneberg, der Präsident des Schweizerischen Touring-Clubs, den Vorsitz führte. Bei dieser Gelegenheit wurde dem sympathischen Führer des Schweizerischen Touring-Clubs die Würde eines Vizepräsidenten des A. I. T. definitiv Überbunden. Diese Ehrung wird jedenfalls in schweizerischen Automobilkreisen mit grösster Freude aufgenommen werden. Die Redaktion der Automobilrevue ihrerseits möchte nicht verfehlen, Herrn Dr. Henneberg die herzlichste Gratulation zu übermitteln. Von den Tagesgeschäften sei ganz besonders die Triptyquefrage hervorgehoben. Auf Grund eines detaillierten Rapportes von Seite des Generalsekretärs M. Duchaine, «Aber,» sagte Mrs. Bytheway, «hatte er keine Verwandte?» «Niemanden. Wir waren nur immer zu zweit beisammen.» «Warum sind Sie denn weg von ihm?» «Er erwischte die Masern und kam in ein Sanatorium. Als sie ihn dort zu waschen versuchten, bekam er einen Tobsuchtsanfall. Jetzt ist er in der Zwangsjacke.» «Wie hat er geheissen?» fragte Mrs. Bytheway. «Das möchte ich lieber nicht sagen,» erwiderte Mike ernst. «Es ist ein sehr bekannter Name und es soll sich nicht herumsprechen. Es sind tatsächlich — hm — Staatsgründe. Sie verstehen natürlich.» «Ja, ja,» sagte Mrs. Bytheway enttäuscht. Sie schien nachzudenken, während Mike etwas ängstlich wartete. Wenn Sie der Sache nachging, so würde es nicht lange dauern, bis seine Einbildungskraft versagte. Glücklicherweise erinnerte sich Mrs. Bytheway, die vielleicht unter anderen Umstän- Womit sie ihren majestätischen Abgang vollden die Untersuchung in unbequemer Weise fortgesetzt hätte, in diesem Augenblick ihrer Pflichten als Hausfrau und beschioss die Unterredung möglichst rasch, um ihren teuren Gast von der Briefmarkenbegeisterung ihres Gatten zu retten. «Nun,» sagte sie, «das ist unangenehm, denn ich kaufe nicht gern die Katze im Sack. Aber da ist wohl nichts zu machen und Sie sehen ja anständig aus. Kennen Sie schon Ihren Pfiichtenkreis?» «Mr. Bytheway hat mich im grossen und ganzen eingeführt.» «Das ist also alles, glaube ich. Ausser Ihrer Arbeit für Mr. Bytheway werde ich Sie auch manchmal brauchen.» «Das,» sagte Mike mit seinem gewinnendsten Lächeln, «wird mir ein besonderes Vergnügen sein.» Mrs. Bytheway erhob sich gewichtig and schritt auf die Fenstertür zu. «Um acht Uhr wird gespeist. Sie werden Ihre Arbeit morgen um halb zehn beginnen.» zog. ÄUTOMOBTL-REVUE 1928 - 59 ;«•*« •n d^B* Schule Tag eingepaukt werden. Allgemein gehaltene Phrasen nützen nichts. Nur eine planmässige Belehrung, in straffe Formeln gefasst, bleibt dem Kinde im Gedächtnis haften. Die Art der Strassenüberquerung, des Beobachtens, des Verhaltens beim Herannahen eines Fahrzeuges, muss ihm beigebracht werden. In Städten, da die Verkehrsverhältnisse weit schwieriger liegen, wird ein regelrechter Verkehrsunterricht eher am Platze sein. Andere Staaten sind uns hierin bereits vorangegangen. Im deutschen Lehrplan ist der Verkehrsunterricht als eigentliches Fach aufgenommen. Dabei wird besonders auf die Behandlung über Belehrung von Unfallverhütungen grosses Gewicht gelegt. Wenn man bedenkt, dass rund 80 % aller Verunglückten durch eigenes Verschulden das Opfer eines Verkehrsunfalls werden, so ist die Erziehung zu strengster Selbstzucht und zu äusserster Konzentration gegeben. Leichtsinn, Uebermut, falsch angebrachte Waghalsigkeit, Rücksichtslosigkeiten gegen andere, Unsauberkeit sind meistens die Grundursachen unserer heutigen Verkehrsunfälle. Die Schüler darüber aufzuklären, bietet Stoff für einen planmässigen Verkehrsunterricht genug. Die Schule leistet damit zugleich auch eine hohe Erziehungsarbeit. Das erfinderische Amerika ist noch einen Schritt weiter gegangen. Zum Schütze der Kinder sind schulhausweise spezielle Organisationen geschaffen worden, die den Sicherheitsdienst auf der Strasse zu übernehmen haben. Die Lehrerschaft selbst führt die Oberaufsicht. Vor Schulbeginn und Schulschluss werden alle gefährlichen Stellen, die im Umkreise der Schule liegen, durch Schüler-Sicherheitsposten besetzt, welche die kleinern und ängstlicheren Kinder über die Fahrbahn zu geleiten haben. Zugleich achten sie darauf, dass die Kinder ihrer Schule sich auf der Strasse gemäss den ihnen beigebrachten Verkehrsregeln verhalten. Vielleicht Hesse sieb diese Organisation auch in unsern grössern Städten einführen, ganz besonders da, wo Schulhäuser an verkehrsreichen Strassen liegen. K. Präsident des belgischen Touring - Clubs, gingen die hierin erzielten Fortschritte klar hervor. Ebenso ist die Entwicklung der Touring-Clubs in steigender Entwicklung begriffen. In verschiedenen Ländern stehen Neugründungen von nationalen Sektionen bevor. Der vom T. C. S. verteilte'«Europa Touring» (Redaktion O. R. Wagner), der erste internationale Automobilführer, fand bei allen Delegierten eine ausgezeichnete und lobende Aufnahme. Es ist zweifellos, dass diesem bedeutendem Werke in allen automobilistischen Kreisen weiteste Verbreitung zukommen wird. Der gesellige Teil der Generalversammlung, der einen vorzüglichen Verlauf nahm, führte die Teilnehmer u. a. in zwei Exkursionen nach dem Haag und nach Scheveningen. Die Generalversammlung in Amsterdam bildet für den internationalen Verband für Tourismus einen Markstein. Sie war eine bedeutsame Kundgebung für die ausserordentliche Bedeutung dieser internationalen Vereinigung, sie zeigt daneben aber auch, welch bedeutende Rolle innerhalb ihrer Reihen dem T. C. S. sowohl durch seine Persönlichkeiten als durch seine wertvollen Pubikationen zukommt, t. Der T C. S. und das eidgenössische Strafgesetzbuch Wie wir unsern Lesern bereits mitgeteilt haben, hat der Schweizerische Touringclub vor einiger Zeit zu handen der eidgenössischen Räte und des Bundesrates eine Denkschrift durch Herrn Dr. H. Meyer-Wild in Zürich verfassen lassen, die zu einzelnen Artikeln des kommenden Schweizerischen Strafgesetzbuches Stellung nimmt, und ganz besonders darauf Gewicht legt, dass insbe- Sir Michael Fairlie atmete erleichtert auf. «O Gott!», sagte er vor sich hin. Dann trat auch er hinaus' auf die Terrasse und schaute sich um. Mit vollen Segeln steuerte Mrs. Bytheway üebr den Rasenplatz dorthin, wo man Mr. Cherrys wohlgepflegtes Haupt und die Glatze ihres Gatten über einem Rhododendronbusch hervorragen sah. Mike überlegte kurz. Es verlangte ihn ja sehr nach einem kleinen Plauderstündchen mit seinem Stellvertreter, aber der gegenwärtige Augenblick schien ungeeignet. Später würde er den Kerl schon allein erwischen. Und damit wandte er sich in die entgegengesetzte Richtung, auf der Suche nach Miss Anne Kent. Er hatte nicht lange zu suchen. Als er um die Ecke des Hauses kam, hörte er Stimmen hinter einem Gesträuch hervor. «Also schauen Sie, seien Sie doch nett! Ich tu' Ihnen ja nichts. Nur einen geben Sie mir.» «Werden Sie nicht gleich gehen, Sie kleines Biest!» (Fortsetzung folgt.) sondere im allgemeinen Teil des Entwurfs Rücksicht auf den modernen Strassenverkehr genommen wird, und im besondern Teil die einzelnen Tatbestände so zu fassen sind, dass deren Anwendung auf Verkehrsvergehen wirklich befriedigen können. Die Eingabe des Schweizerischen Touringclubs hat bei den Räten erfreulicherweise eine gute Aufnahme gefunden und ist auf volles Verständnis gestossen. Was das Wichtigste an der ganzen Sache ist, die Räte sind bereit, in engster Fühlungnahme mit den automobilistischen Kreisen zu legiferieren, Das ist gewiss ein grosser Fortschritt. So hat auch der Präsident der zuständigen ^nationalrätlichen Kommission, Herr Nationalrat Seiler, dem Bureau des T. C. S. zu wissen gegeben, dass die Kommission am 3. September, nach Wengen zur weitern Beratung der ganzen Materie einberufen, und dass er jederzeit bereit sei, Wünsche des T. C S. in wohlwollendster Weise zur Prüfung entgegenzunehmen. Im übrigen ist ja auch bereits ein merklicher Erfolg zu buchen, indem der Rat bei Behandlung des Artikels 35 die kürzeste Dauer der Gefängnisstrafe nicht auf 8 Tage, sondern auf drei Tage festsetzte. Dabei hat sich ganz speziell Herr Nationalrat Vallotton-Warnery ein Verdienst erworben, hoffen wir nur, dass auch in den kommenden Beratungen, die Anträge und Begehren des T. C. S. gleiche Berücksichtigung finden werden. Jl: Die wirtschaftliche Bedeutung des Strassenbaues. Ungezählte Jahrtausende hindurch bahnte sich der Mensch einzeln oder in Gruppen seinen Weg in unbekannte Gegenden, zu neuen Futterplätzen, fast immer in harten; Kämpfen und unter blutigen Opfern. Für militärische Zwecke wurden die ersten wirklichen Strassen gebaut, die erst die Schlagkraft der Heere durch ihre Bewegungsmöglichkeit schafften. Ihre Reste sind noch bis in unsere Zeit erhalten. Unerhört langsam ging der Verkehr in alter Vorzeit vor sich und klein waren die Mengen der beförderten Güter und die Zahl der Reisenden. Man kann sich heute kaum noch vorstellen, dass zur Zeit Friedrichs des Grossen ein vollbe- Iadener Planwagen mindestens drei Tage brauchte, um von Magdeburg nach Berlin zu gelangen. Fuhr er die alte Strasse von Magdeburg nach Prag, und mochte er es so schnell versuchen wie er wollte, so kostetedas sieben Tage, und von Magdeburg zur Kaiserstadt Wien mindestens zwölf Tage. Nicht viel kürzere Zeit brauchte man zum Reisen und mancher machte erst sein Testament, ehe er eine Reise von 100 km antrat, 1 ein Ereignis, von dem er sicher sein ganzes Leben sprach, von dem heute kaum noch ein Knabe in einem Dorfe viel Aufhebens macht. Die Warenmassen, die selbst im Mittelalter noch befördert wurden, waren für unsere Begriffe winzig. Man spricht gern von dem gewaltigen Handel der Fugger und Welser; soweit er über die Alpenpässe ging, machte er nach den zuverlässigen Berechnungen, wie in «Bauen und Wirtschaft» zu lesen ist, kaum zwei Güterzüge im ganzen Jahre aus, während jetzt allein durch den schwarzen Tunnel des St. Gotthard etwa 100 Güterzüge täglich elektrisch hindurchgezogen werden. Die Siedlung der Menschen war geradezu durch .die möglichen Transportmengen und Entfernungen bedingt. Ueber das ganze Land verstreut befanden sich kleine Städte, die meistens 20 bis 30 km auseinander lagen, eine Entfernung, die man gut mit dem Fuhrwerk an einem Tage hin und zurück bewältigen konnte. Als nun die Eisenbahn aufkam, klagten selbst bewährte Volkswirte, dass nicht nur die Drehkrankheit die Menschen erfassen würde, sondern man prophezeite auch, die Landstrassen würden vereinsamen und verfallen. Der Durchgangsverkehr zwar ging von der Landstrasse auf Eisenbahn und Schiffahrt über, die an ihren Kreuzungspunkten liegenden Ortschaften und Gasthöfe verödeten. In der letzten Zeit schreitet das Tempo des Strassenbaus in der ganzen Welt viel schneller als das des Eisenbahnbaues voran. Am stürmischsten war diese Entwicklung in den Vereinigten Staaten von Amerika. Vor 100 Jahren hatte man dort kaum 2000 km Strassen, und jetzt hat man vier Millionen Kilometer, das heisst, auf den Kopf der Bevölkerung die zwölffache Strassenlänge wie bei uns, dem am ältesten kultivierten Lande. Die Ursache hierfür liegt in der enormen Zunahme des Automobilverkehrs, der in steigendem Masse den Personen- und Güternahverkehr an sich riss. Die Langsamkeit der Beförderung auf der Landstrasse wurde durch das Automobil überwunden. Leicht und schnell kann man von jedem Punkte eines Ortes zu jedem eines anderen Ortes gelangen, wenn brauchbare Strassen vorhanden sind, während eine derartige Möglichkeit bei der Eisenbahn durch geringe Zugfolge oft in Frage gestellt wird. Durch das Automobil sind neue Gebiete erschlossen worden, die alte, gemütliche Postkut-

t N fl 59 — 1928 Sport vom Ueberflüssig hervorzuheben, dass herrlichstes Sommerwetter, sowohl in Italien, wie in Frankreich und Belgien, die Veranstaltung vom letzten Sonntag begünstigte, weshalb es auch am nötigen Massenandrang nicht fehlen konnte. Auf dem Programm unseres südlichen Nachbars stand als «obligatorisch sonntägliches Autorennen» (man wundert sich tatsächlich über die unermüdliche Organisationslust) das Susa—Moncenisio-Rennen. Campari, ohne den man sich ein italienisches Rennen bald kaum mehr vorstellen kann, erzwang sich auf seinem unzertrennlichen Alfa-Romeo-Rennwagen einen neuen, absoluten Rekord der 22.100 km langen, steilen und kurvenreichen Bergstrecke. Auch bei den 1500 ccm führte Ramponi die Alia-Romeo- Marke zum Siege, während Biondetti bei den 1100 ccm auf Salmson den ersten Platz belegte. Alfiere Maserati, der sich geraume Zeit von der Piste fernhielt, feierte mit einem beachtenswerten Sieg bei den Sportwagen (beste Zeit dieser Kategorie) eine triumphale Wiederkehr. Resultate : Rennwagen. 2000 ccm: 1. Campari (Alfa Romeo), 17' 12%" (Stundenmittel 78,473 km); 2. Borzacchini (Maserati), 17' 21%"; 3. Aimini (Delage), 18' 43%". 1500 ccm: 1. Ramponi (Alfa Romeo), 18' 33%"; 2. Tonini (Maserati), 19' 23%"; 3. Cesari (Chiribiri), 19' 28%"; 4. Vittoria (Bugatti), 19' 29%"; 5. De Giovanni (Alfa Romeo), 19' 53%"; 6. Grassi (Bugatti), 21' 03%"; 7. Marel (Bugatti), 21' 43". 1100 ccm: 1. Biondetti (Salmson), 19' 35"; 2. Lobre (B.ft'.C.), 20' 13"; Sportwagen. Ueber 3000 ccm: 1. Balestrero (La Salle), 21' 36"; 2. Roy (Isotta Fraschini), 23' 13%". 3000 ccm: 1. Mannoni (Ansaldo), 20' 50%"; 2. Colombo (Lancia), 21' 35%"; 2000 ccm: 1. Alfieri Maserati (Maserati), 18' 21" (Stundenmittel 73,568 km); 2. Moriondo (Itala), 20' 40"; 1500 ccm: 1. Bona (Alfa Romeo), 19' 23%"; 2. Sartorio Arrigo (Alfa Romeo), 21' 21%", >• Der Grand Prix de la Marne — letzten Sonntag über 400 km auf dem Circuit von Queux-Thillois, organisiert durch den A. C. von Ardennes-Champagne-Argonne, zum vierten Mal ausgetragen — wurde eine sichere Beute des jungen und bekannten französischen Bugattifahrers Chiron. Einen spannenden Zweikampf lieferten sich Auber (Bugatti) und Valette (Amilcar). Bei den 1100 ccm war d'Havrincourt auf Salmson den beiden mit Kompressor ausgerüsteten Amilcarwagen nicht gewachsen. Resultate : 2 Liter: 1. Chiron (Bugatti), 3 Std. 00' 47%" (Std.-km 182,750); 2. Gauthier (Bugatti, 3 Std. 21' 03%". 1500 ccm: 1. Auber (Bugatti), 3 Std. 25' 01%" (Std.-km 117,061); 2. Tersen (Bugatti), 3 Std. 36' Soxxxx-fcaiör 44%"; 3. Delaroche (Bugatti), 3 Std. 40' 28%"; 4. d'Ahetze (Bugatti); 5. Cadet (Bugatti); 6. Mme Schell (Bugatti). 1100 ccm: 1. Scarron (Amilcar), 3 Std. 34' 50%" (Std.-km 111,711); 2. Valette (Amilcar), 3 Std 36' 13%"; 3. d'Havrincourt (Salmson), 3 Std. 59' 42%"; 4 Gondoin (Gaban); 5. Wargnier (Rally); 6. Muraour (Rally). Die Sieger des Grand Prix von Belgien. Wie schon aus unserem ersten Bericht in der Montagnummer über das traditionelle belgische 24-Stunden-Rennen ersichtlich war, standen die Chancen am Ende der achten Stunde stark zugunsten der Alia-Romeo- Equipe Ivanowsky und Marinom. Ihr schärfster Gegner, die Bugatti-Equipe Reynartz- Charlier, verlor in der 35. Runde durch einen unerwarteten Halt ausserordentlich viel Zeit, kam also für einen ersten Platz nicht mehr in Betracht. Morgens 1 Uhr mussten Schneider und Amilcar aufgeben ; die beiden Wagen standen in Flammen. Das gleiche Schicksal ereilte den Bugatti-Wagen Manzos. Kurz darauf steuerte Charlier seinen Wagen mit lodernden Rauchfahnen an den Tribünen vorbei Ḋer Rekord des Renrens, lautend auf 2294,6 km, seit 1926 von Peugeot gehalten, wurde nach 22 Stunden — also zwei Stunden vor Rennschluss — von der siegreichen Alfa- Romeo-Equipe erreicht. Noch 17 Fahrer befanden sich zu jenem Zeitpunkt im Rennen. Als nach 24 Stunden ununterbrochenen Rundens die erhitzten Wagen angehalten wurden, hatten die Sieger Ivanowsky-Marinoni insgesamt 2563,9 km zurückgelegt und damit einen neuen absoluten Rekord geschaffen. Resultate : lieber 3 Liter: 1. Chrysler III (De Vere-Mangin), 2231,300 km; 2. Chrysler I (Zehender-Ledure), 2201,700 km; 3. Chrysler II (Rossignol-Stoffel), 2038 km; 4. Chrysler IV (Hommel-Springuel), 1752,300 km. 3 Liter: 1. Lancia (Gouvion-Comte Levrelle), 2083,300 km. 2 Liter: 1. G. Irat I (Burie-Rost), 2158,700 km; 2. G. Irat IV (Andre-Comte Kervyn), 1860,300 km; 3. Barette Sp, (Barette-Simons), 1703,300 km. ' 1500 ccm: 1. Alfa-Romeo I (Ivanowsky-Marinoni), 2563,900 km (St.-km 102,600); 2. Bugatti (Evrard-Barthelemy), 2007,600 km; 3. Chenard- Walcker (Breyre-Cornet), 1845,100 km. 1100 ccm: 1. Ariea II (Delano-Duray), 1879,100 km; 2. Aries I (Laly-Rigal), 1806,300; 3. S.C.A.P. (Taesch-Simans), 1576,800 km; 4. La Licorne (Dore- Treunet), 1544,400 km. 750 ccm: 1. Senechal (Thelluson), 1395,800 km. REVUE AUTOMOBILE v. 3E5uo3Lt;es Einer Statistik des Zürcherischen Strassenbahn-Inspektorates zufolge weisen die Unfälle für das erste Halbjahr 1928 eine «bedenkliche Zunahme» auf. Betrug die Zahl der Unfälle 1926 insgesamt 203, 1927 225, so ist sie dieses Jahr allein in den ersten sechs IVfonaten auf 264 gestiegen. In London wird die Einrichtung von Taxi- Motorbooten auf der Themse zur raschen Bewältigung des Uferverkehrs ernsthaft in Erwägung gezogen. * Die Autogesellschaft Kirchberg (St. Gallen) beförderte vom 1. Mai 1927 bis 30. Juni 1928 36,000 Personen. Ein junger Oesterreicher überquerte dieser Tage in einem sieben Fuss langen und 2 Fuss breiten Paddelboot den Kanal und landete wohlbehalten in Dover. Die Grossstadt Zürich besitzt heute 223,499 Einwohner. Die Einwohnerschaft hat seit dem Vorjahre neuerdings um 7200 Köpfe zugenommen. Der Schnellzug Pisa-Spezia überfuhr dieser Tage an einem unbewachten Bahnübergang ein mit zwei Kaufleuten besetztes Auto und tötete beide Insassen. Eine wirksame Erleichterung in der Bekämpfung des üppig schmarotzenden Verbrechertums erhofft man in New-York durch die Erfindung einer Photo-Detektiv-Kamera, die an Türen oder Geldschränken beliebig angebracht, die Herren Einbrecher blitzschnell konterfeit. Maserati, die junge, aufstrebende italienische Automobilmarke, hat sich offiziell für den Grossen Preis von Europa (9 .September in Monza) eingeschrieben, v. Robert Benoist, Automobil-Weltmeister von 1927, wird sich am Kriterium der Asse von San Sebastian mit einem 2-Liter-Bugatti-Wagen beteiligen, v. Zu der Zielfahrt nach der Schwarzwaldhaupt stadt Freiburg im Breisgau, veranstaltet vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club anlässlich des internationalen A.D.A.C.-Rennens um den Bergxekord 1928, wird uns noch mitgeteilt, dass sich an dieser Zielfahrt (4. und 5. August) nicht nur -txl3xi.xx.t;es Ein Opfer der gefährlichen Auspufigase wurde dieser Tage ein junger Mann in Rüti. Er hatte den Motor in der geschlossenen Garage angelassen — ein Vorgehen, vor dem gerade in den Spalten unseres Blattes eindringlich genug gewarnt worden ist. Dass ein Verkehrspolizist selbst in der Riesenstadt London ein weiches Herz und einen nicht minder wackeren Humor besitzt, bewies dieser Tage der blaue Tomy vor dem St. James-Palace, als er den gewaltigen Verkehr abstoppte und eine, weiss Gott woher, verirrte Entenmutter mit ihren watschelnden Kleinen ungefährdet über den Platz ziehen Hess. Ein texikanischer Wolfsjäger hat sich zu seinen Jagdzügen die moderne Verkehrstechnik zunutze gemacht und rückt nun den schlimmen Würgern seiner Viehbestände von einem Flugzeug aus zu Leibe. In Amerika ist wieder einmal ein sensationeller Weltrekord geschaffen worden: Georges Weber brachte es fertig, mit verbundenen Augen einen Kunden in 1 Minute und 18 Sekunden zu rasieren. — Ueber den Zustand des Kunden ist allerdings nichts zu erfahren. In Chicago stehen laut den Mitteilungen des Polizeikommissärs den 30,000 gewerbsmässigen Banditen 500 Detektive gegenüber, die allerdinigs mit Kampfflugzeugen und Panzerautos ausgerüstet sind. In den letzten vier Jahren sind 1800 Morde registriert worden, wovon 45 Opfer allein unter der Polizei zu suchen sind. — Ein Journalist hat ja einmal den treffenden Witz gemacht, dass heute das Leben eines Amerikaners in China! nicht mehr gelte als in Chicago. xi. Mitglieder des A.D.A.C., sondern auch Mitgliedes der ihm befreundeten Clubs beteiligen können. So z. B. des A. v. D. und aller ihm angeschlossenen! Kartellclubs, des Automobil-Clubs der Schweiz, des Schweizerischen Touring-Clubs und sämtliche an-i dem internationalen Clubs, mit denen der A.D.A.Gj freundschaftliche Beziehungen unterhält. + (Fortsetzung von Seite 2) sehe feiert in den modernen Reisekraftwagen ihre Auferstehung und ständig nimmt der Reiseverkehr zu. Ihn zu ermöglichen und zu fördern ist Aufgabe des Staates. Produktive Erwerbslosenfürsorge ist es, wenn man Strassen baut, auch wenn keine ";>rivatwirtschaftliche Rentabilität errechenbar-ist. Man wird es in einer künftigen Zeit nicht verstehen, warum man diese Möglichkeiten in unserer Zeit bei dem Brachliegen von Hundertausenden von willigen Arbeitshänden nicht ausgenutzt hat. Denn jede Verkehrserleichterung wird auf die Dauer dem Lande viefach zugute kommen, das sie geschaffen hat. Nachahmenswert. Das deutsche Landesgewerbeamt sieht bei genügender Beteiligung von Ende Juli des Jahres an in Stuttgart einen Autoreparaturkurs von einer Dauer von 3—4 Wochen vor. Teilnahmeberechtigt sind Mechaniker und Schlosser, welche die Gesellenprüfung abgelegt haben, eine mehrjährige Tätigkeit als Geselle nachweisen können und die für Autoreparaturen nötigen Arbeitstechniken bereits beherrschen. Wir haben in der «Automobil-Revue» schon wiederholt den technischen Bildungskursen für eigentliche Motortechniker das Wort gesprochen. Dafür sollten unsere technischen Mittelschulen zur Verfügung stehen. Die Frage wird beim rapid zunehmenden Automobilismus dringend. Diese nun in Deutschland vorgesehenen 3—4wöchigen Wiederholungsund Erweiterungskurse für Schlosser und Mechaniker sind ebenfalls begrüssenswert. Diese Art von Kursen dürften denn auch in der kommenden Berufsberaterkonferenz in Magglingen ebenfalls zur Sprache gebracht werden. Die Durchführung solcher Kurse wäre bei uns ein leichtes. Wir haben starke Gewerbeverbände, besitzen die nötigen Berufsverbände, Gewerbeschulen und Gewerbemuseen stehen in schöner Zahl zur Verfügung, um solche Kurse abhalten zu können. An Automobilfachleuten fehlt es ebenfalls nicht. Aber auf die Initiative kommt es an. Und wenn es bei uns auch immer ein wenig langsamer geht -^und die Frage gründlich erdauert werden v muss, so ist doch auf eine Realisierung solcher Autoreparaturkurse zu hoffen. U HAT GROSSEN ERFOLG AN DER !Z BIDEÜ-BU ERHIELTEN: Fünf Horch-PulIman^Limousmen Drei Horch-Cabriolets, 4- u. 6 plätzig Ein Horch-Phaeton Ein Horch-Roadster-Cabriolet Der Beifall bei Publikum und Preisrichtern war beispiellos. Der Eleganz und Schönheit der Karosserien der neuen Modelle gelang den auch konstruktiv erstklassigen HORCH 8 ins Zentrum des Interesses zu stellen; unter über hundert Teilnehmern nahm er eine Vorzugsstellung ein. Das Berliner Tageblatt spricht von „ den berauschenden Horch-Cabriolets und -Limousinen" VERTRETER DER HORCH WERKE FÜR DIE SCHWEIZ! BASEL* ZÜRICH-BERN 1 Campari, der bekannte italienische Alfa-Romeo- Falirer schuf letzten Sonntag am Susa-Moncenisio emen neuen Rekord. Nächsten Sonntag: Grosser Preis von Deutschland für Sportwagen Fahrer und Fahrzeuge. Der dritte und letzte Nennungsschluss zum Qrossen Preis von Deutschland für Sportwagen hat ein Ergebnis gebracht, wie es in der Geschichte des deutschen Automobilsports seit dem Kaiser-Rennen im Taunus im Jahre 1907 noch nicht wieder da war. Bei dem nächsten Sonntag auf dem Ntirburgring zum Austrag gebrachten Rennen handelt es sich um eine internationale Veranstaltung im wahrsten Sinne des Wortes. Von 35 Teilnehmern, die sich bis 15. Juni gemeldet hatten, sind es bei definitivem Meldeschluss am 29. Juni, 6 Uhr abends, 45 geworden. Zudem ereignet es sich, dass zum ersten Male in Deutschland Wagen englischer Herkunft an einem Rennen teilnehmen, zwei Antipoden der englischen Industrie: der kleine leichte Marendaz von rund 1500 Kubikzentimeter und der starke Viereinhalb- Liter-Bentley-Wagen. Zum ersten Male also werden die Farben grün, blau, rot, rot und blau und weiss, welche die Nationalität England, Frankreich, Italien, Tschechoslo vakei und Deutschland kennzeichnen, wie es das Internationale Reglement vorschreibt in einem Felde beisammen sein. Aus dem Gros der Startenden greift Ing. L. Jonasz in der A. A. Z. einige der markantesten Typen heraus. Wir möchten nicht umhin unseren Lesern die, angesichts des bevorstehenden Austrages besonders interessanten Ausführungen bekanntzugeben. Ing L. Jonasz schreibt: In erster Linie interessieren die ausländischen, bisher in Deutschland nicht gestarte-