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E_1928_Zeitung_Nr.051

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BEIM, Freitag, 15. Juni 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N p 51 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL - ZEIT UN 6 Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs intern:ssen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste 1 * Halbjahrlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Aasland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bor» totern nicht postamtlich bestellt. Zusehlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnuna HI/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 CU. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif« Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Eine» N«»#*re ^kett •• Langsam erholt sich unser Land von den schweren Schlägen, die ihm die Kriegs-und Nachkriegsjahre auf wirtschaftlichem Gebiete gebracht haben. Unter Anspannung aller wirtschaftlichen Kräfte wird es uns gelingen, nahmen u. Sonderabkommen. Im Geschäftsbericht der Berner Alpenbahn-Gesellschaft den begonnenen Wiederaufstieg fortsetzen zu können. Die Schweiz ist ja in eigener für das Jahr 1927 lesen wir darüber folgendes : Lage. Der ehemalige Bauernstaat ist zum Industriestaate geworden. Dieser Industrie «Von grösserer Wirkung sind zweifellos die von jedoch fehlen die Rohprodukte und das Hinterland. Sie ist auf den Export angewiesen. durch •welche einem bestimmten Güterversender der Sesa abgeschlossenen Tran&port&bkommen, Durch den Krieg jedoch sind ihr früher sichere Absatzgebiete verloren gegangen. bezw. Güterempfänger Spezialfracbisätze bewilligt Heute gilt es neue zu erobern. Es fällt dies nicht so leicht, denn auch m andern Ländern hat die Verindustrialisierung gewaltige Fortschritte zu verzeichnen. Die ausländische Konkurrenz arbeitet mit Erfolg und nur schwer ist es für ein kleines Land wie die Schweiz, gegen sie anzukämpfen. Unsere Landwirtschaft steckt bis über die Ohren hinaus in einer schweren Krise. Damit ist eine unerfreuliche Lage des Gewerbes bedingt. Auch die Landwirtschaft ist auf den Export angewiesen. Im Augenblick, da ihr die fremden Märkte verlustig gingen, da die Käseausfuhr und der Export von Zuchtvieh stockte, rüttelte das Gespenst der Krise neuerdings an die Türe des Bauernhauses. Alle drei volkswirtschaftlichen Gruppen sind aufeinander angewiesen. Sie haben ein grosses, gemeinsames Ziel: die Eroberung neuer Märkte und die Sicherung alter Absatzgebiete. In diesem Bestreben bedürfen sie die Unterstützung des Bundes. Nicht nur dadurch, dass günstige Handelsverträge abgeschlossen werden, dass unsere Zollpolitik Schutzvorkehrungen trifft, ohne sämtliche Tore zu schliessen, sondern auch dadurch, dass er in vermehrtem Masse dafür sorgt, unsere volkswirtschaftlichen Zweige durch entsprechende Tarifmassnahmen unserer Verkehrsanstalten in ihrem Kampfe erfolgreich zu unterstützen. Dies war nun leider nicht immer der Fall. Unsere Bahnen mit ihrer gewaltigen Schul- Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. 0. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller, Verlag, München. (9. Fortsetzung) Als seine Gedanken bei diesem Punkt gelandet waren, bemerkte er, dass ihn der sanfte Herr angesprochen hatte. «Das ist wirklich sehr freundlich von Ihnen, ausserordentlich freundlich. Hoffentlich wird es Ihrem Herrn nicht unangenehm sein?» «Meinem He —?», begann Mike fragend, hielt aber dann plötzlich inne, als ihm das Verständnis für die Situation aufging. Natürlich war seine äussere Erscheinung auf dem Hof des Wirtshauses ganz dazu angetan, ei- denlast sind gehemmt. Nicht nur direkte Kriegsursachen, sondern auch weitgehende soziale Fürsorge-Massnahmen und modernere Besoldungsskalen haben unsere staatlichen und halbstaatlichen Verkehrsinstitutionen derart belastet, dass sie den Anforderungen unseres Wir Schaftslebens nicht mehr zu folgen vermögen. So hat es wenigstens während Jahren geschienen. Trotz der immer wieder sich einstellenden Begehren von Seite der Industrie, des Gewerbes und der Landwirtschaft war von einem Taxabbau weder im Personen- noch im Güterverkehr die- Rede. Die Bahn musste sich sanieren, die Bedürfnisse der Volkswirtschaft Hessen sie ziemlich kalt. Dann kam das Automobil. Es hatte Wandlungen gebracht und das erzwungen, was sonst nicht hätte erzwungen werden können. Die Bahn plötzlich einem Konkurrenten gegenübergestellt, musste sich geistig umstellen. Wenn man eine solche Umstellung auch nicht sofort verlangen oder erwarten durfte, so ist sie langsam doch gekommen. Und mit ihr bereits auch ein Tarifabbau durch eine Menge von Sondermass- werden, die der Autokonkurrenz Recönung tragen. Voraussetzung ist ein teilwedser oder gänzlicher Verzicht des Kontrahenten auf die Konkurrenzierung der Bahn mit Lastautos, ferner ein gewisses Mininaltransportquantium. Bis Ende 1927 wurden, auf Grund von 520 solcher Transportabkomtmen ,auf den schweizerischen Eisenbahnen 347,145 Tonnen befördert. Hierfür wurden vereinnahmt 5,106,176 Franken, während die tarifgemässen Frachtsätze 6,641,711 Fr. eingebracht hätten. Die gewährte Ermässigung beträgt somit im Durchschnitt etwa 23 Prozent. Es steht ausser Zweifel, dass durch diese Transportabkommen die Zunahme der Autokonkurrenz im Güterverkehr wenn noch nicht zum Stillstand gebracht, so doch stark verlangsamt werden konnte.» Dass im Jahre 1928 auf dem gleichen Wege weitergefahren wird und die Zahl sowohl der Transportabkommen als auch der auf Grund von solchen beförderten Gütertonnen in raschem Anwachsen begriffen ist, dürfte klar sein. .Ebenso „klar, .aber, auch, das.s^ diese Sondermassnähmen bald einmal ihre* Grenze finden dürften und ein allgemeiner und der ganzen Volkswirtschaft dienender Tarifabbau eintreten muss. Es heisst,, dass die S. B. B. bis jetzt den Zeitpunkt noch nicht für gekommen betrachten, um den kompetenten Behörden eine diesbezügliche Vorlage zur Beschlussfassung zu unterbreiten. Wir im Gegenteil halten den Zeitpunkt für gekommen. Das Automobil, das nicht Selbstzweck darstellt, sondern nur Diener deb Wirtschaftslebens ist, wird diesen Zeitpunkt gewaltig näherrücken. Unser Export hängt wesentlich von den Gütertarifen ab. Sehen die S. B. B. die Notwendigkeit eines Tarifabbaues ein, glauben sie diese jedoch infolge ihrer Finanzlage noch nicht verwirklichen zu können und zu dürfen, so wird das Automobil in die Lücke treten müssen, denn der Kampf ums tägliche Brot erheischt dringende Massnahmen. Die Absatzmöglichkeiten des schweizerischen Exportes werden durch die Zollgesetzgebung des Auslandes entscheidend beeinflusst. Sie gilt es, nicht nur durch Handelsverträge und Kampfzolltarife, sondern auch durch eine günstige Tarifpolitik wettzumachen. Wir geben trotzdem der Hoffnung Ausdruck, dass auch die Bahn den Daseinskampf unserer produzierenden Stände in wirksamster Weise werde unterstützen kön- nen oberflächlichen Zuschauer irrezuführen, noch dazu einen von so wenig Beobachtungsgabe, wie dieser sanfte Mann zu haben schien. Man konnte es ihm wirklich nicht übelnehmen, dass er Mike — ohne Kragen, in Hemdärmeln und wildem Haar und den Eimer in der Hand — für eine Art Knecht oder Angestellten des Mr. Hicks gehalten hatte. Mike erinnerte sich an den gespendeten Sixpence und kam zu dem Schluss, dass er abgetragene alte Anzug, den er zu der Reise nach Kings Fortune angelegt hatte, den Irrtum des sanften Herrn nicht richtigzustellen geeignet war. Mike, der keinem Anlass zur Verlustigung je aus dem Wege ging, lachte in sich hinein. «O nein», sagte er bescheiden, «wir haben jetzt gar nicht viel zu tun». Der Herr an seiner Seite schien zu zögern. «Hm — ich möchte nicht indiskret sein», sagte er zaghaft,