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E_1928_Zeitung_Nr.053

E_1928_Zeitung_Nr.053

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BFRK. Freifan 22. Juni 1928. Gelbe Liste Mummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 53 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen Halbjährlich sofern nicht In- ABONNEMENTS-PREISE: Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnun« 111/414 Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelb© Liste«» ADxWINISTRATIOtf: Breitenraijistrasse 97, Bero Telephon Bollwerk 39.84 ' Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cta. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 6a UM. Grössere Inserate nach Seitentarif. inseratensehluss 4 Tage vor Erseheinen der betreffenden Nummer £*0W*uli.ch^ Kund«» Es geht aufwärts, nicht nur mit dem Automobil, sondern auch mit der Eisenbahn. Es ist dies erfreulich und begrüssenswert. Was wir immer vorausgesagt,, scheint einzutreffen: Das Automobil ist nicht nur der Konkurrent der Eisenbahn, sondern Beleber der Volkswirtschaft und Förderer des Verkehrs und damit ein guter und einträglicher Mitarbeiter der Bahn geworden. Das Automobil hat früher dem Verkehr abgelegene Gebiete erschlossen, wirtschaftlich gefördert und damit den Arbeitsradius der Eisenbahn erweitert. So geht es mit den letztern wieder aufwärts; die Einnahmen erhöhen sich, der Tonnage-Verkehr nimmt zu und es wird deshalb nicht nötig sein, das andere Verkehrsmittel, das so guten und wertvollen Sukkurs leisten kann, durch einengende Bestimmungen, durch Konzessionspflichten und dergleichen in seiner Aufgabe behindern zu wollen. Die Abschlüsse der Bahnen mit ihren erfreulichen Zahlen reden eine ganz andere Sprache, als die vielen Artikel und die vielen Reden, die in letzter' Zeit gegen das Automobil geschrieben und gehalten wurden. Viel ist in Bahnkreisen über das Automobil gejammert worden und manch ungerechtfertigtes Urteil mussten die Verfechter des Automobilwesens über sich ergehen lassen. Und nun treffen alle die- schwarzen Prognosen nicht ein und in fetten Lettern ist die Presse imstande, über den vortrefflichen Mai-Al?schluss der Bundesbahnen zu berichten, der einen Betriebsübefschüss von 12,5werke. Wäre die lOOprozentige Erhöhung preiserhöhung durch dte Beriiischeti Kraft- Millionen Franken ergibt, somit um 1,4 Millionen Franken höher steht als im Vorjahre. könnte selbstverständlicherweise der Be-Bratschi sich offenbar nicht nur auf gewerbs- des ' Strompreises nicht eingetroffen, so quenzen abzuleiten seien. Da die Motion Von Anfang Januar bis Ende Mai 1928 beläuft sich der Ueberschuss der Betriebsein- Ist einmal die höchst notwendige, möglichst dern auch auf Lastwagen von Privatuntertriebsüberschuss ein noch weit besserer sein. mässige Autotransportunternehmungen, sonnahmen auf rund 51^ Millionen Franken gegenüber 44,25 Millionen in der gleichen Pe- Bahn, der Burgdorf-Thun-Bahn und der So-funden werden, die durch die enge Betriebsfusion zwischen der Emmental- nehmern beziehe, müsse eine Regelung ge- Betriebsgefahr riode des Vorjahres, so dass sich der Betriebsüberschuss gegenüber den ersten fünf Monaten des letzten Jahres auf 7,2 Millionen erhöht. An diesem Ergebnis hat der Güterverkehr einen recht beträchtlichen Anteil. Die Sesa hilft wacker mit und die begonnene Rationalisierung und wohl auch die Auswirkungen des elektrischen Betriebes haben die Ausgaben zu vermindern vermocht, so dass alles in allem genommen, durch einen wohltuenden Einfluss des Automobils die schweizerischen Bundesbahnen einer rosigeren Zukunft entgegenfahren dürften. Auch aus Chur dringt erfreuliche Kunde. Die Rhätisehe Bahn hat ein Rekordjahr zu verzeichnen. Im Personenverkehr stiegen die Einnahmen gegenüber dem Vorjahre um 672,891 Franken, im Güter- und Postverkehr um 627,122 Franken. Die Bahn hat 13,84 Millionen Franken an Gesamtverkehrseinnahmen zu buchen, gegenüber 12,37 Millionen im Vorjahre. Der Betriebsüberschuss von 6,670,540 Franken ist der höchste seit Beste- Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. O. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller. Verlag, München. (11. Fortsetzung) «Nachlässig, sehr nachlässig!», murmelte Mr. Cherry und begann seine Untersuchung. Nach drei Minuten hatte er alle Einzelheiten seiner Beute gemustert, die aus zahlreichen Kleidungsstücken, zwei Schachteln Zigaretten, einer Tube Zahnpasta und einen Brief bestand. «Kein Geld, verflucht,» sagte Mr. Cherry ärgerlich, «und nichts zum Versetzen. Aber wenigstens meine Kragenweite. Hoffentlich passen mir die anderen Sachen auch.» Er betrachtete den Brief mit Interesse. Er war an «Sir Michael Fairlie, The Holfway House, Manitoba, Canada,» adressiert und enthielt ein halbes Dutzend Bogen teuren Briefpapiers, die mit einer steilen, energischen weiblichen Handschrift beschrieben waren. «Kings Fortune, Little Hurstover, Hertfordshire,» las Mr. Cherry billigend. «Ja, hen der Gesellschaft. Auch an diesem •erfreulichen Ergebnis dürfte das Automobileiniges beigetragen haben; wieweit, lässt sich durch Zahlen allerdings nur schwer feststellen. Wir glauben annehmen zu dürfen, dass die Rhätisehe Bahn gewillt ist, mit dem Auto in vermehrtem Masse Hand in Hand zu arbeiten. Ein vermehrter Autorriobilverkehr im Kanton Graubünden wird .nicht nur dem ganzen Wirtschaftsleben, sondern auch der Bahn zugute kommen. Trotz grosser Verbauungsanlagen an ihrer Südrampe zeigen sich auch bei der Berner AlipenbahnrGesellschaft Lichtblicke. Die Linie Thun-Brig hat gesteigerte Frequenz zu verzeichnen; nicht nur der Personenverkehr, sondern auch der Güterverkehr zeigt eine 1 erfreuliche Vermehrung, so dass die Gesamteinnahmen gehoben werden konnten. Die Berner Alpenbahn-Gesellschaft, die heute ja unter vorzüglicher Leitung steht,, wird sicherlich ihre Einnahmen u. a. auch in .dem Masse steigern können, als sie es versteht, das Automobil in ihren Dienst zu stellen und ihm auch im Berner Oberland freie Bahn zu schaffen. Ihr Interesse liegt sicherlich darin, den Kampf nicht gegen, sondern' für das Automobil zu führen. Auch die Emmental-Bahn ist in der Lage, für das Jahr- 1927 einen Betriebsüberschuss von 317,894 Franken gegenüber 289,895 Franken im Vorjähre 1 zu verzeichnen. Auch diese Bahn leidet wohl weniger unter der Konkurrenz des Automobils als unter der Strom- lothurn-Münster-Bahn durchgeführt, so dürfte eine bessere Wirtschaftlichkeit sichergestellt sein. Wir glauben deshalb, dass auch diese Bahn keinen Grund hat, an der Schrankenaufrichtung gegen das Automobil mitzuhelfen, das in freier und nicht durch alle möglichen Bestimmungen gehemmten Auswirkung, gerade auch der Emmental-Bahn vermehrten Verkehr zuführen dürfte. Wenn man sich auch an der letzten Generalversammlung über den Entscheid des Bundesgerichtes betreffend Automobildekret sehr befriedigt ausgesprochen hat und man auf eine dementsprechende Handhabung hofft, so glauben wir doch annehmen zu dürfen, dass auch die weitsichtige Direktion dieser Bahn sich eine Zusammenarbeit mit dem Automobil nicht entgehen lassen wird. Die riesige Bedeutung des Automobils im heutigen Verkehrs- und Wirtschaftsleben wird wohl auch von Seiten der Bahnen nicht mehr in Abrede gestellt werden können. Die sich daraus ergebenden Schlüsse liegen klar. wirklich eine feine Adresse.» Er lehnte sich bequem an die Hecke und las weiter. Als er zu Ende war und den Brief wieder in den Umschlag gesteckt hatte, blickte er, ein schwaches Lächeln um den aristokratischen Mund, nachdenklich drein. «Wir bewegen uns in den besten Kreisen,» murmelte er. «In den allerbesten. Und unsere Tante Karoline weiss, was sie will. Nun wohl, dies erfordert einiges Nachdenken.» Er schloss den Koffer, stand auf und kletk-rte über das Gittertor zurück auf die Strasse, die er nun, den Koffer in der Hand, munter entlang ging. Eine halbe Stunde marschierte er so weiter. Dann blieb er stehen, setzte den Koffer ab und trocknete die Stirn. Der Tag war warm, Es kann sich nicht darum handeln, das Wirtschaftsleben zu fesseln, sondern zu befreien, dies.zu ermöglichen ist sowohl Aufgabe der Bahn als des Autos. K. Die berühmte Motion. In der Nationalratssitzung vom 19. Juni hat Herr Nationalrat Bratschi seine Motion begründet, welche bekanntermassen den Bundesrat einlädt, Massnahmen zu treffen, wonach die Beförderung von Personen, Gütern und Tieren mit Automobilen ähnlichen den Schutz des Publikums vor den Auswüchsen des Kraftwagenverkehrs, sondern sie verfolgt ganz andere Ziele. Was sie bezweckt, das ist die Ausschaltung eines un- Bedingungen zu unterwerfen sei, wie sie in der einschlägigen Gesetzgebung des Bun-bequemedes für die entsprechenden Transporte mit der Gesetzgebung und zugleich die Verwirk- Wettbewerbes durch das Mittel Eisenbahnen enthalten sind. Die Forderungen lichung eines sozialistischen Dogmas, das des Motionärs lassen über die letzten Ziele in der Praxis, durch die wirtschaftlichen Bedürfnisse bedingt, immer wieder durchbro- seiner Aktion keine Zweifel mehr übrig. Das Automobil soll sich der Schablone sozialistischen Denkens unterwerfen. Der Achtstun- ist als die Schablone und das Gesetz. Die chen werden muss, da das Leben stärker dentag für die Chauffeure, die technische Schweizerischen Bundesbahnen haben durch Kontrolle der Motorfahrzeuge und die Konzessionspflicht (einschliesslich Beförderungspflicht der gewerbsmässigen Autotransportunternehmen), Aufstellung von Belastungsnormen sollen das Automobil unter die staatliche Knute und staatliche Ueberwachung bringen. Maskiert allerdings heisst die Formel «Gleichstellung von Bahn und Auto» ! Die Motion : wurde von Herrn Bundesrat Häbeflin beantwortet. Er gibt zu, dass der Konzessionszwang in gewissem Umfange bereits bestehe und es nun einer eirilässliöhen Prüfung bedürfe, ob dieser Zwang noch stärker zu fassen und ob daraus weitere Konse- motiviert werden könne. Vom Gesichtspunkte der Verkehrssicherheit aus interessiere aber den Bundesrat nicht nur der Chauffeur, sondern auch der Selbstfahrer. Eine allgemeine Bestimmung schwebt vor, wonach kein übermüdeter Fahrer am Steuer sitzen darf. Dass die Anregung einer Verkürzung der Arbeitszeit beim Bundesrat auf fruchtbaren Boden gefallen ist, dürfte nach alldem, was wir auf dem Wege der Sozialisierung des Staates bereits erlebt haben, des weitern nicht mehr auffallen. Schabionisierte Arbeitszeit ist heute zur grossen Mode geworden, und dieser Mode scheinen auch unsere obersten Behörden unterliegen zu wollen. Wenn auch der Standpunkt unbedingt der richtige ist, dass Arbeitsübermüdung bei Chauffeuren im Interesse aller nicht mehr vorkommen darf, so glauben wir doch, dass gerade bei diesem Berufe von einer schablonisierten Arbeitszeit abgesehen werden muss und dass die diesbezüglichen Verein- der Koffer schwer, und vor sich sah Mr. Cherry die Schlote und Kirchtürme einer grösseren Stadt in der Ferne auftauchen. Da er unter deii .Umständen gar keine Sehnsucht nach Städten hatte, blickte er sich überlegend um. Zu seiner Rechten zweigte ein Seitenweg ab und den schritt Mr. Cherry kofferbeladen weiter. Nachdem er einen steilen Hügel überwunden hatte, kam er über eine steinerne Brücke zu einer Wegbiegung, an deren Ende er haltmachte. «Hallo!», entrang es sich ihm erfreut. An der Strasse stand ein langes, ödes Haus mit rotem Dach, grünen Läden und einem alten, steinernen Wassertrog vor der Tür, auf dem Schild war schwer zu entziffern: «Zum Haupt des Sarazenen.» Eine Katze schlief in der Sonne, Rauch stieg aus dem Schornstein langsam zum Himmel. Als einziges sonstiges Lebenszeichen war ein untersetzter Mann, mit einer Schürze angetan, damit beschäftigt, ein langes, niedriges, hochrotes Auto in den Hof seitwärts vom Hause zu schieben. «Guten Morgen,» sagte Mr. Cherry und trat vor. Der untersetzte Mann wandte sich um und nickte. «Morgen,» erwiederte er. Mr. Cherry stellte den Koffer nieder und lächelte liebenswürdig. «Ich möchte etwas zu trinken haben,* sagte er. «Gleich,» erwiderte der Mann. «Möchten barungen zwischen den Motor 1 astwagenbesitzern und dem Chauffeur-Verband genügen dürften. Auch wir huldigen der Ansicht, dass der Kraftwagenverkehr der Schweiz unbedingt einer eidgenössischen Regelung bedarf. Gegen ausgesprochene Rohlinge im Fahren ist kein Gesetz zu strenge und kann die Praxis der Gerichte nicht zu scharf sein. Die betreffende Motion jedoch verlangt weniger, die Einmischung eines politischen Parlamentes Zugeständnisse machen müssen, die für sie heute zu unerträglichen Lasten geworden sind. Hohe Frachtsätze und Fahrgelder müssen das einbringen, was ihnen durch diese politischen Zugeständnisse verlorengegangen ist. Die hohen Eisenbahnfrachtsätze können noch nicht ermässigt werden und deshalb will man den billigen Güterverkehr mit Lastkraftwagen • von gesetzeswegen unterbinden und das .freie -Verkehrsmittel in die Schablone unserer Bundesbahnen einpressen. Es soll nicht mehr nach freiem Ermessen, sondern nach Schema F gefahren werden: Ob durch derartige Methoden der Verkehr wirklich gefördert wird, ist allerdings mehr als zweifelhaft. Das sonst sehr gesprächige Parlament hat die Motion stillschweigend gutgeheissen.... Gebrauchs- und Wirtschaftlichkeitsfahrten. Wohlverstanden — wir möchten den Wert der Automobilrennen in keiner Weise her-' untersetzen. Dass sie aber in Zukunft wohl in vermehrtem Masse durch Gebrauchs- und Wirtschaftlichkeitsfahrten ergänzt werden, zeigte die Veranstaltung des A. D. A. C. anfangs Mai dieses Jahres, über die ja auch die « Automobil-Revue » einlässlich berichtet hat., Das grosse Interesse, auf das diese Ge-: brauchs- und Wirtschaftlichkeitsfahrten sowohl bei den Beteiligten, bei den Fachleuten, als auch in der Presse stiess, bewies, dass dieser neuartige Sport unmittelbar reichen Nutzen in sich trägt. Von diesen Prüflings-* fahrten werden Fahrer, Konstrukteure, Fabri-i kanten, Zubehörerzeuger, Betriebsmittelfabrikanten und nicht zuletzt die Autokäufer selbst ihre Vorteile ziehen. Allerdings waren bei diesem ersten Ver-* Sie mir nicht erst helfen, dieses Automobil in den Schuppen zu schieben. Es ist mir ein wenig zu schwer.» «Gewiss,» sagte Mr. Cherry, der nie ein Ansuchen ablehnte, das er ohne finanziell« Einbusse erfüllen konnte. «Hübscher Wagen, wie ?» «Er gehört nicht mir,» sagte der untersetzte Mann. «Ich hab ihn in Aufbewahrung für einen Freund. Fertig? Los!» Und sie schoben an. Eine Weile darauf, nachdem das rote Auto wohlverwahrt war, sass Mr. Cherry in der dämmrigen Schankstube hinter einem schäumenden Krug dem Wirte gegenüber. «Ach!», sagte er. «Das ist gut... Hier ist es schön still.» «Viel zu still für mich,» erwiderte der Wirt. «Bei weitem nicht, was ich gewohnt war. Ich war nämlich ein Professional, wissen Sie?» «Ein Professional?» «Boxkämpf er.» «Ach, wirklich?» «Jawohl. Aber jetzt habe ich kein© Gelegenheit mich in Uebung zu erhalten, obwohl K.