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E_1928_Zeitung_Nr.057

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Freitag, 6. JUIM928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 57 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen 1NSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 Cts. (ür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts> Grössere Inserate nach Seitentarif. inserateosehUiss 4 Tage vor Erscheinen der betreuenden Nummer EEin* und Wie wir in Nr. 55 der «Automobil-Revue» mitteilen konnten, haben über die, Frage der Ein- und Durchgangsgebühren Unterhandlungen mit Deutschland stattgefunden. Wir sind heute in der Lage, darüber noch ausführlicher zu berichten. Die gegenseitigen Vereinbarungen über die Besteuerung der deutschen und schweizerischen Motorfahrzeuge, die unter der Leitung von Professor Delaquis in Bern und Qeheimrat Dr. Martius in Berlin getroffen wurden, sind vom Bundesrat und der deutschen Regierung genehmigt worden und treten am 15. Juli in Kraft. Für ausländische Autounternehmungen mit fremden Touristen, die durch schweizerisches Gebiet Rundfahrten ausführen und dabei ihren Ausgangspunkt jenseits der Grenze , nehmen, hat die Schweiz bis dahin eine Zuschlagsgebühr von 25 Rappen auf den fahrenden Wagenkilometer erhoben. Um von Deutschland eine für die Schweiz vorteilhaftere Regelung der Eingangsgebühren zu erreichen, ist nun diese Taxe auf 15 Rappen herabgesetzt worden. Deutschland erhob bis zur-Stunde an seiner Grenze Ueberfahrtsgebühren, die gegenwärtig noch eine Mark pro Tag betragen. Die deutsche Regierung ist nun der Schweiz in der Weise entgegengekommen, dass sie eine Befreiung von dieser Steuer für fünf aufeinanderfolgende Aufenthaltstage im deutschen Reichsgebiet© zugestanden hat. Dabei werden Einfahrtsund *_;Ausfahrtstag voll angerechnet. " Die / ruppevon fünf aufeinanderfolgenden steuerfreien Tagen kann sich beliebig oft wiederholen. Die deutsche Regierung ist zudem bereit, diese Frist ohne weiteres auf 14 Tage zu verlängern, sobald in der Schweiz die heute noch bestehenden kantonalen Durchgangsgebühren und die Bergtaxen wegfallen. Was die beiden letzten Fragen anbelangt, so ist zu hoffen, dass diese den Verkehr hemmende Institutionen doch bald verschwinden möchten. Auch die schweizerischen Bundesbehörden sind der Ansicht, dass die Bergtaxen der Verfassung widersprechen. Gegenwärtig liegen staatsrechtliche Rekurse vor dem Bundesgericht, die, wenn nicht alles trügt, gutgeheissen werden. Auch wissen wir, dass die Behandlung der Benzinzollfrage in beiden Räten zur Auffassung geführt hat, dass die kantonalen Durchgangsgebühren unzulässig seien. Beide Steuern mögen aus der Not der Zeit geboren worden sein. In dem Augenblick jedoch, da die "Räte sich über den Verteilungsmodus des Benzinzollviertels geeinigt haben — und es ist zu hoffen, dass Duvch^an^s^ebii dies noch in der kommenden Septembersession möglich sein wird, darf mit Bestimmtheit erwartet werden, dass beide Gebühren verschwinden, auch dann, wenn der Entscheid des ;Bundesgerichts wider Erwarten negativ ausfallen sollte Der geschickten Leitung der beiden Delegationen ist es wohl zu verdanken, dass die nicht immer leichten Verhandlungen zum Ziele führten. Wenn auch die schweizerischen Begehren von Seite Deutschlands nicht restlos erfüllt wurden, so bedeuten die, getroffenen Vereinbarungen tür die , schweizerischen Automobilisten immerhin eine Erleichterung, die im Zeitpunkt der Einführung der Htägigen Frist einer beinahe gänzlichen Steuerbefreiung gleichkommen wird. Hätte dagegen keine Einigung erzielt werden können, so hätten die Kantone das Recht weiterhin für sich anheischig machen können, laut Artikel 21 des Automobilkonkordates von fremden Automobilisten vor Ablauf, der drei Monate eine Steuer zu erheben. Ebenso hätte das Postulat Keller, das Eingangsgebühren von fremden Automobilisten zu erheben vor- .sieht, seine Verwirklichung erfahren müssen. Wir halten dafür, dass der jetzt beschrittene Weg für beide Länder der bessere ist. Beide Parteien, vom Bestreben erfüllt, .verkehrserschwerende Bestimmungen, fallen zu lassen, haben Wesentliches erreicht, was sicherlich auch dazu beitragen wird, die gegenseitigen Beziehungen noch freundschaftlicher und den gegenseitigen Verkehr noch intensiver zu gestalten. Es wäre erfreulich, wenn auf der gleichen Grundlage freundschaftlichen, gegenseitigen Entgegenkommens es gelingen würde, auch mit andern Ländern eine Beseitigung der Grenzgebühren im Automobilverkehr zu vereinbaren. K. Zum Sommerbeginn Als die Maitage den Frühling ausregneten und die Gummireifen über melancholische Asphaltstreifen schlidderten, erhob ein französischer Wetterprophet — namenlos, wie alle Propheten es in ihren Ländern sind — seine Stimme, den heissesten Sommer seit Jahren zu verkünden. Der Himmel selbst schien seine Weisheit zu verhöhnen. Die Menschen hatten das blasiert mitleidige Lachen, mit dem sie Phosgenkatastrophen und LandruII- Berichte zu quittieren pflegen ... Mondwechsel — Wetterwechsel. Heute liegen Stadt und Land unter dampfender Glut; Der Sonnenglast bricht in flammenden Bündeln vom Metall der Kotflügel, zittert auf der,Haube wie ein träges Fieber. Alles ist Feuer, Licht, heisser Odem. Schwarzbebrillten Blicks beugt sich der Fahrer über das Vola.nt. Die Hitze begleitet ihn mit ihrem schwülen, einschläfernden Atem. Die Fussgänger sind noch unachtsamer, die Pferde Bei den Herren, da bedeutet Hitze schort scheu. Selbst der Verkehrspolizist im sen-beinahgenden Rund des Platzes müllert mit ein-die Polster, dito Westen. Die Frau Mama Commenverstoss! Kittel fliegen in geknickten Armen. entsetzt: «Aber Adolf, deine Hosenträger!» Per stolze Besitzer einer Limousine vergisst in einem langen, neiderfüllten Blick auf Und Adolf holt sich im Ausverkauf einen den vorbeiflitzenden offene Wagen die treue Jahreskameradschaft des festen Daches, die sichere Geborgenheit vor Kälte, Wind und Regen. «Ein halbes Jahr dauert der Winter, die andere Hälfte regnet es —» hatte der Verkäufer mit mammonwitterndem Lächeln gesagt, «Oott— und die paar Tage Wärme, JULttiuelles Das alte Eisen auf der Strasse. ' Durch Organe der Berner Verkehrspolizei wurde Samstag den 23 Juni, in der Stadt ein stationiertes Lieferungsauto beanstandet und zur näiieren Prüfung na-ch dur Stadtpolizei verbracht. Das Auto, befand sich in völlig verwahrlostem und betriebsunsicherem Zustande. Der Autofahrer machte geltend, das Fahrzeug sei ihm im April d. J. verbrannt. Durch den beigezogenen Autoexperten wurden folgende Mängel festgestellt: Als Benzinreservoir diente eine gewöhnliche Blechbüchse, die im Motorgehäuse hefestigt und mit der Benzinzufukt- \ leitung verbunden war. An Stelle des normalen Lenkrades war um das Gerippe eine Weidenrute mit Lichtkabelschnuren gewickelt. Ueber das Motorgetriebö im (Führersitz ««x keine Verschalung mehr, so dass die Fusskuppelung beim Anfahren sowie beim Einschalten der Geschwindigkeiten mit dem Schwungrade in Berührung kam. Dadurch entstand ein sehr starker Lärm, und es wurden Funken erzeugt. Beim Führersitz war keine Rückwand. Auf Grund dieser Mängel wurde das Auto für den weiteren öffentlichen Verkehr abgesprochen und gegen den Besitzer Strafanzeige erstattet. Der hier zitierte Bericht der bernischen Verkehrspolizei wirft ein grelles Schlaglicht auf Zustände, die einmal aufs Neue öffentlich zur Sprache kommen müssen. In unserm Lande zirkulieren annähernd 100,000 Motorfahrzeuge; durchmustert man die amtlichen Listen, so finden sich darunter eine Menge verschiedenartigster Vehikel aus der goldenen Jugendzeit des Automobils, ßaudaten von anno 1906 bis 1912 sind durchaus keine Seltenheit. Die Automobilfabriken können ihren Marken kein besseres Fähigkeitszeugnis ausstellen lassen, als der Hinweis auf da kurbeln Sie nur ruhig das Fenster herunter.» Man behilft sich so gut es geht. Den Damen ist es leicht gemacht: Seide, hauchdünne Strümpfe, poröse weitschattende Hüte — ein dezentes, reizendes, unsagbar kleidsames Minimum. schmalen Gürtel, Marke «Smart» und fühlt sich amerikanisiert oder kultiviert, was in Helvetien ungefähr gleichbedeutend ist. Diese Hi+ze! — Regen, Wind, Kühle wünschen könnte man, hätte man sich nicht so lange nach wolkenlosem Himmel und sommerlicher Sonne gesehnt! Ja, der Mensch... ABONNEMENTS-PREISE: Bncheint jeden Dienstag und; Freitat • - • Monatlich „Gelbe Liste" BaEbjihiilcn Fr. 5.-», Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Ben? «Hern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im , to- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414 Telephon Bollwerk 39.84 • . . Telegrjunm-Adresse: Autorevue, Bern vom T«a^5« xi. diese alten, scheinbar unverwüstlichen Pioniere, und in der Tat finden sich Motorfahrzeuge, die trotz strengem Dienst, dank guten Materials, sorgfältiger Wartung und sachgemässer zeitweiliger Revision im zweiten Jahrzehnt ihres Daseins noch recht gute Dienste leisten, ohne dass sie auf der Strasse durch Geräusch oder Erschütterung allzulä«« stig werden oder gar die Sicherheit des Verkehrs gefährden. Aber die Sache hat ihre Kehrseite; Jahraus, jahrein wechseln Hunderte von gebrauchten Wagen den Besitzer, viele Fahrzeuge kommen in zweite, dritte und vierte Hand und der Fall ist nicht' selten^ wo für ein paar hundert Franken so eirii ausgedienter Veteran erworben wird, der mit gleichviel Ach und Krach über die Strasse donnert. Die kantonalen Gesetzgebungen bieten wenig Handhabe, um für den Verkehr ungeeignete oder gefährliche Fahrzeuge auszuschalten; ein Motorfahrzeug kann zehn und mehr Jahre im Betrieb stehen, kann besonders im ursprünglich geprüften Kanton x-mal seine Besitzer wechseln, wenn es nicht sinnenfällige Altersmängel aufweist, kümmert sich niemand darum, wie es seine Eignung im Strassenverkehr im Laufe der Jahre beibehält. Wir sind die letzten, die nach den neuen Verordnungen rufen, unsere Automobilsteuern sind hoch genug, in vielen Kantonen muss für die alljährliche «Erneuerung der Verkehrsbewilligung» noch eine recht erhebliche Gebühr geleistet werden, ohne dass der Staat gerade hierfür irgend eine Gegen- * Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. O. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller. Verlag, München. (15. Fortsetzung) In diesen Augenblick rief ihn der laute Klang eines Gongs, der aus dem Hause herübertönte, zur Erde zurück. Er warf/ seine Zigarette weg, stand auf und ging mit einem Gefühl leichter Besorgnis der unbekannten Entwicklung seines weiteren Schicksals entgegen. In der Halle zögerte er unsicher, wohin er sich wenden solle. Er hörte Stimmen aus dem Salon, verweilte noch einen Augenblick zaudernd vor der Schwelle, dann drückte er entschlossen auf die Türklinke und trat ein. Im Zimmer waren nur vier Personen; Mr. Herbert Bytheway, eine umfangreiche Dame in viel zu engen Kleidern, ein magerer, pickelbehafteter Jüngling und ein grosser, schlanker, aristokratisch aussehender Herr mit einer Adlernase. Die üppige Dame erzählte gerade, als Mike eintrat; «— fuhr um die Ecke, ohne zu tuten und da stand Sir —» In diesem Augenblick fielen die lichten, hervorstehenden Fischaugen auf den Eintretenden und sie starrte ihn, sich unterbrechend, an. «Ah, James», sagte Mr. Bytheway mit offenbarem Meine liebe Hermine, dies ist eh — Mr. James, mein neuer- Sekretär. Mr. James, das ist meine Frau.» «Ach», sagte die üppige Dame. «Also Sie sind der Sekretär.» Sie unterwarf Mike einer genauen, etwas verwirrenden Musterung. «Ich werde nachher mit Ihnen sprechen, junger Mann.» «Es wird mir ein Vergnügen sein», erwiderte Mike und verbeugte sich. «Das», sagte Mr. Bytheway haftig, «ist Unbehagen. «Da sind Sie ja! gentümliche Art sei, in der ihm Mr. Bytheway diese Tatsache mitteilen wollte; doch beinahe sofort wurde es ihm klar, dass jene durchaus in gutem Glaube gesprochen habe. Er riss die Augen auf und schnappte förmlich nach Luft. «Wie — wie bitte?» sagte er. «Sir Michael Fairlie», wiederholte Mrs. Bytheway laut. Der aristokratisch ausehende Herr verneigte sich und nickte liebenswürdig. Mike, der ihn wie durch einen Nebel sah, murmelte etwas Unverständliches. Glücklicher- Harald». Der pickelbehaftete weise wurde die Aufmerksamkeit in diesem Augenblick durch den' Diener, dem das Stubenmädchen mit dem Tee folgte, abgelenkt. Die Unterhaltung stockte, während der Diener mit der Würde eines Erzbischofs, der einen Dom einweiht, das Herrichten des Teetisches beaufsichtigte, sich herabliess, persönlich die Zuckerdose zu rücken, sich dann mit einem alles überschauenden Blick verbeugte und, seine Untergebene mitnehmend, zurückzog. Mrs Bytheway nahm ihren Platz hinter der Teekanne ein und forderte Mr. Cherry mit einer Bewegung mein Sohn Jüngling nickte von oben herab. «Und dies ist — ach Gott, ich fürchte, der Name ist mir entfallen! — Das — wie? Ach ja natürlich — das ist Sir Michael Fairlie.» Siebentes Kapitel. Der Durchschnittsmensch bildet sich* gewöhnlich (und zwar meistens ganz unberechtigt) auf seine Selbstbeherrschung in merkwürdigen Situationen sehr viel ein. Wenige werden zugeben, dass sie in einer noch so unerwarteten Lage den Kopf verloren haben. Aber auch der gewiegteste Diplomat* der kühnste Abenteurer bekämen ei- nicht?» «Als ich Ihr Gesicht aus dem Graben auf-« tauchen sah,» fuhr Mrs. Bytheway fort, nen gelinden Schrecken, wenn man sieauf, sich an ihre Seite zu setzen; die andere Gesellschaft verteilte sich. Sie unterbrach ihre Erinnerungen, um dem «hätte ich vor Erleichterung weinen können!» plötzlich sich selbst vorstellen würde. Mrs. Bytheways Worte trafen Mike wie Niemand richtete das Wort an Mike, worüber er sehr froh war, denn das gab ihm chen, in der Art etwa, wie man einem unbe- neuen Sekretär eine Tasse Tee zu überrei- ein Schlag. Einen schrecklichen Augenblick lang glaubte er, dass sein Geheimnis irgendwie an den Tag gekommen und dies die ei- würdigen Vorfall nachzudenken. Eine ge- Sir Michaels Handkoffer geborsten mitten Zeit, sich zu fassen und über diesen merkliebten Hund einen Knochen gibt. «Und da lag auf naue, wenn auch unauffällige Musterung des aristokratisch aussehenden Herrn • bracht« ihm keine Aufklärung. Nur soviel war sicher, dass er den Menschen noch nie gesehen hatte, und dass es bestimmt keine zwei Sir Michael Fairlie gab. Daher war anzunehmen, dass sich dieses geheimnisvolle Individuum den Namen für eigene und sicher keine guten Zwecke — beigelegt hatte. Jetzt hiess es nur die nähere Natur dieser Zwecke herauszubekommen. Mrs. Bytheway lieferte einige Erklärungen. Sie hatte zwar das Abenteuer schon ihrem Mann erzählt, aber die so seltene Gunst des Schicksals, einen lebenden Baron niedergestossen zu haben, musste noch ausgenützt werden. «So eine gefährliche Situation», rief sie» Nehmen Sie Zucker, Sir Michael. — Ein Zoll weiter und Sie wären eine Leiche gewesen!» Mr. Cherry lachte nachsichtig. «So schlimm wäre es hoffentlich nicht gewesen. Es sterben doch nur die Guten jang,