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E_1928_Zeitung_Nr.054

E_1928_Zeitung_Nr.054

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag, 26. Juni 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 54 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlieh „Gelbe Liste** Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10—. Im Ausland unter Portozuichlag, »fern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung HI/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autoren», Bern INSERT1ONS-PREIS: Die »ehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehluss 4 Tage TOT Erscheinen der betreffenden Nummer Generalversammlung des T. C. S. in Bern Samstag, 23. Juni im Hotel Schweizerhof. Dass im Schweizerischen Touringelub ein Geist der Zusammengehörigkeit, echter Freundschaft und schöner Geselligkeit herrscht, das bewies die Generalversammlnug vom letzten Samstag im Schweizerhof zu Bern. Am Vormittag hatte der Verwaltungsrat unter der bewährten Leitung des Präsidenten Dr. Henneberg getagt, der Sekretär Quinclet hatte die Traktanden aufs beste vorbereitet, so dass gute und gründliche Arbeit geleistet werden konnte. Sitzung des Verwaltungsrates. Aus der Sitzung des Verwaltungsrates sei kurz folgendes erwähnt: Der neue Statutenentwurf wird genehmigt. Zur Gründung der zwei Sektionen Ölten und Biel, deren Vorgehen gegen § 2 des Artikels 8 der Statuten verstosst, wird Stellung bezogen. Es wird festgestellt, dass die neuen Statuten pro Kanton bloss eine Sektion vorsehen und dass die Gründung der Sektion OJlten keiner Notwendigkeit entspricht, da deren Mitglieder sich ganz gut, sei es einzeln oder als Untergruppe, sich der Sektion Solothurn hätten anschliessen können. Einstimmig beschliesst demnach der Verwaltungsrat, die in Ölten gefassten Beschlüsse nicht zu genehmigen. Was die Sektion Biel anbelangt, so tritt der Verwaltungsrat auf deren Behandlung nicht ein, da die Bieler heute eher gesonnen sind, sich der Sektion Jura als Untergruppe anzuschliessen. Nach einem eingehenden Referate von Oberstdivisionär de Meuron, vervollständigt durch. Ausführungen von Dr. Henneberg, ist der Verwaltungsrat einstimmig der Auffassung, der Strassenliga beizutreten, unter Vorbehalt allerdings der an der Konferenz von Neuenburg aufgestellten Bedingungen. Ueber die «Revue», dem offiziellen Organ des T. C. S., referierte eingehend Dr. Patri, Präsident der Redaktionskommission. Die Diskussion zeitigt das Verlangen, dass die «Revue» in vermehrtem Masse den technischen Teil pflegen sollte. Allgemein ist man der Ansicht, dass die Redaktion sich mit der «Automobil-Revue» diesbezüglich in Verbindung setzen sollte, um deren sorgfältig redigierten technischen Teil ausnützen zu dürfen. Ein fein serviertes Bankett und prächtige Vorträge des Berner Jodlerclubs entschädigten für die Mühewaltung des Morgens. In einer sehr sympathischen Tafel- rede verdankte Herr Dr. Henneberg dem Präsidenten der Sektion Bern, Herrn Fürsprecher Baumgartner, die vortreffliche Organisation des Tages, die grosse Arbeit aller Sektionspräsidenten im Dienste des schweizerischen Touringclubs, der heute zu einer Macht geworden. Mehr als 30,000 Mitglieder gemessen zur Stunde die geschaffenen Vorteile des Clubs, in Bälde werden es, sowie es der Präsident hofft, deren 50,000 sein. Welches Ansehen der schweizerische Touringclub auch bei den Behörden besitzt, beweist die Tatsache, dass man heute auf ihn hört und einschlägige Gesetzesarbeit in engster Verbindung mit ihm zu lösen sucht. Dr. Henneberg toastierte auf die weitere Entwicklung des T. C. S. und seiner Organe und fand mit seiner Ausführung rauschenden Beifall. Fürsprecher Baumgartner spricht im Namen der Sektion Bern, er dankt für die Ehre, die Bern damit zuteil geworden, dass der Verwaltungsrat die Bundeshauptstadt als Ort der Generalversammlung auserkoren. Nach seiner Auffassung steht heute die Sitzfrage des Clubs ausser Diskussion. Nachdem die Mitglieder der deutschen Schweiz Einblick in die Geschäfsführung erhalten haben, schätzen sie sich glücklich, den Sitz in Genf unter so vorzüglicher Leitung zu wissen. Eine Aenderung käme übrigens auch aus Pietätsrücksichten nicht in Frage. Unser aller Wille soll es sein, die Bande zwischen Deutsch und Welsch, die der Schweizerische Touringclub in so schöner Weise geknüpft, stets zu stärken und das Verständnis zwischen beiden Volksgruppen nach Kräften zu mehren. Der Touringclub ist eine grosse Familie, möge es immer so bleiben. Wir dürfen getrost in die Zukunft blikken, um die weitere Entwicklung des T. C. S. braucht es uns nicht bange zu sein. Auch diese Worte wurden mit grossem Beifall aufgenommen. Herr Hofstetter-Petri, der Chef des Geselligen der Sektion Bern verdankt in launiger Rede in französichem Idiom die Einladung und hofft auf ein baldiges Wiedersehn anlässlich des vorgesehenen Railly zu Bern. Die eigentliche Generalversammlung war ein nicht ganz viertelstündiges Geschäft. Der Jahresbericht des Verwaltungsrates und der Direktion wurde ohne Diskussion gutgeheissen. Der Finanzbericht gab ebenfalls zu keinen Bemerkungen Anlass. Der umsichtige Kassier, Herr Marchand erfreute noch durch einige Erläuterungen zum Kassenbestand, der sich in erfreulicher Weise entwickelt hat. Der Club weist heute ein Vermögen von 530,000 Fr. auf. Die Unkosten haben das übliche Mass nicht überschritten. Einer Hilfskasse für das Personal konnten die ersten 10,000 Fr. zugewiesen werden. Ein Vorgehen, das übrigens ausserordentlich zu begrüssen ist. Mit dem weiter zur Verfügung stehenden Geld soll für die Interessen der Automobilisten und eines kommenden Verkehrsgesetzes gewirkt werden. Die Jahresrechnung wurde unter Verdankung und Dechargeerteilung an den Kassier einstimmig gutgeheissen. Die beiden Rechnungsrevisoren, die Herren J. Poncet und P. Beaujon wurden in ihrem Amte bestätigt. Auch die Festsetzung des Jahresbeitrages gab zu keiner Erörterung Anlass. Dieser wurde auf gleicher Höhe des Vorjahres belassen. Der bescheidene Beitrag (12 Fr. für Automobilisten) wird dazu beitragen, die Reihen zu erweitern. Die Wiederwahl der periodisch sich im Austritt befindenden Vorstandsmitglieder vollzog sich reibungslos. Die Herren wurden alle in globo in ihrem Amte bestätigt. Damit war auch die Traktandenliste erschöpft und der Berner Jodlerchor erfreute wiederum mit seinen schönsten Weisen. Dann nahm Präsident Henneberg den Anlass wahr, um den Direktionsmitgliedern für ihre unermüdliche Arbeit bestens zu danken, ganz besonders gedachte er dabei der hingebenden Arbeit des Zentralsekretärs, Herrn Quinclet. Der «secretaire modele» durfte sich dabei einer warmen und verdienten Ovation erfreuen. Erfreulicherweise Hess man den Augenblick auch nicht vorbeigehen, ohne der grossen Verdienste des Präsidenten zu gedenken. Herr Marchand besorgte dies in vollkommener Weise. Er verdankt Herrn Dr. Henneberg seine grosse Arbeit, seine sichere Leitung und seine Hingabe für den T. C. S. Brausender Beifall mag Herrn Henneberg von der Sympathie und der Verehrung gesprochen haben, die er mit Recht im T. C. S. geniesst. Der Präsident der Sektion Zürich, Herr Fehr, schloss den Reigen der Reden, indem er sedner Freude über die Entwicklung des T. C. S. Ausdruck gab, und indem er hofft, die Leitung möge den eingeschlagenen Weg der Verlegung der Generalversammlung weiter befolgen. Er richtet die dringende Bitte an die Direktion, einmal gelegentlich sich der schönen Stadt Zürich zu erinnern, wo die Generalversammlung sicherlich auch auf ihre Rechnung kommen werde. Auch diese Rede fand verdienten Beifall. So verlief die Generalversammlung in schönster Harmonie und bestem Einklang. DeT Schweizerische Touring-Club darf auf ein erfolgreiches Vereinsjahr zurückblicken, er befindet sich unter sachkundiger und hingebender Leitung auf dem Wege nach aufwärts, nicht nur zu seinem, sondern zum Nutzen des ganzen Schweizervolkes. K. Der österreichische Strassentag Zum dritten Mal seit seinem Bestehen hat der Verband österreichischer Strassengesellschaften seine jährliche Tagung durchgeführt, die vom 7. bis 10. Juni eine Reihe prominenter Strassenfachmänner und politischer Persönlichkeiten in Salzburg vereinigte. Dieser Verband, dem eine Reihe Vereine für Strassenwesen angeschlossen sind, hat eine rege Werbetätigkeit entfaltet, um Staat und Gemeinden über den Ausbau und die Verbesserung der Strassen und die wirtschaftliche Bedeutung der Verkehrswege aufzuklären. Der Bundesminister für Handel und Verkehr, welcher die Eröffnungsrede hielt, konstatierte, dass Oesterreich glücklicherweise auch in das Stadium einer neuen Zeit für die Entwicklung des Strassenwesens getreten sei. Das gesamte österreichische Strassennetz weist eine Gesamtlänge von 31,000 km auf, wovon rund 4000 km in die Verwaltungssphäre des Bundes selbst entfallen, währenddem die Strassenhoheit für das übrige Netz den Bundesländern und den Gemeinden zusteht. Die Bundesregierung war seit Kriegsende bestrebt, die Bundesstrassen, zu welchen die für den Verkehr wichtigsten Durchgangsrouten gehören, den neuzeitlichen Forderungen anzupassen und hat trotz der Finanzmisere alljährlich ansteigende Beträge für diesen Zweck ausgegeben. 1926 wurden von der Landesregierung zwölf Millionen Schilling für Neuanlagen und Korrektionsarbeiten ausgegeben, welcher Betrag für 1927 bereits auf 18 Millionen anstieg. Für das laufende Jahr stehen Kredite bis zu 31 Millionen Schilling zur Verfügung, wovon elf Millionen als erste Rate für eine systematische Modernisierung der Bundesstrassen besonders ausgeschieden wurden. Damit sollen bis Ende dieses Jahres wenigstens 130 Kilometer Strasse mit modernen Belägen ausgerüstet werden. Der Minister wies in seiner Rede darauf hin, dass der Strassenausbau nicht nur aus allgemein volkswirtschaftlichen Gründen dringend notwendig ist, sondern auch für die Hebung der Fremdenindustrie von gewaltiger Bedeutung sei. An der Tagung wurden zahlreiche Referate von Fachleuten über verschiedene Fragen des Strassenbaues gehalten, welche die Aufklärungsarbeit des Verbandes zweifellos in vorteilhaftem Sinne ergänzen werden. B. •Eli I L ft. E T O N Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. O. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller, Verlag, München. (12. Fortsetzung) Die momentane Stille wurde sofort von der Stimme des Chauffeurs unterbrochen, der seiner Ansicht über Wassertröge, Fussgänger und die Autofabrikation in Worten Ausdruck gab, die wohl überzeugend, aber nicht gerade ästhetisch wirkten. Er hielt erst inne, als sich die Tür. des Autos öffnete und eine sehr umfangreiche Dame sowie ein langer Jüngling, beide zu Tode erschrocken und atemlos ausstiegen. «Simpson!», sagte die Dame, was ist geschehen?» Der Chauffeur schaute sich missmutig an. «Sie haben mir gesagt, ich sollte eilen, gnädige Frau, und ich hab' gehorcht und jetzt sehen Sie's! Eine schöne Schweinerei haben wir da!» «Aber der Mann! Wo ist er, Simpson?« «Ach der!», sagte der Chauffeur und blickte sich uninteressiert um. «Dem ist nichts geschehen, gnädige Frau. Ich habe nicht gesehen, wohin er gekommen ist.» «In den Graben, glaube ich,» bemerkte der magere Jüngling. Die Richtigkeit dieser Annahme wurde durch das plötzliche Auftauchen des mit Zweigen gekrönten und sehr ergrimmten Mr. Cherry über dem Grabenrand bestätigt. Die dicke Dame schnappte nach Luft und hastete dorthin, wo das Opfer ihrer Eile eben aus seiner Verborgenheit hervorkroch und sich die Zweige vom Leibe klaubte. «Sind Sie verletzt?» rief sie. • Mr. Cherry musterte sie von weitem. Er sah ein- grosses, breites weibliches Wesen mit lichten, hervorstehenden Froschaugen, violetter Gesichtsfarbe, Haar von unwahrscheinlich rotbrauner Färbung und einer Qestalt, deren natürlicher Neigung, sich auszubreiten, durch alle Künste der Mode Fesseln angelegt waren. Ihr Gesicht war kugelrund und mit ihrem Busen durch eine abgestufte Terrasse von Kinnen verbunden. Ihre Kleidung war offenbar sehr teuer und ausserordentlich schlecht gewählt. Mr. Cherrys geübte Augen überflogen sie und wussten sofort Bescheid. '«Zu viel Geld — offenbar ein Snob — wahrscheinlich eine Gans— steht dafür, sich nä- 'her anzusehen», entschied das geübte Auge. \ Sein behender Geist rührte sich und begann sofort in Aktion zu treten, denn es hat sogar seine Vorteile, von einem Auto niedergestossen zu werden, wenn es nur die richtige Art Auto ist. Sein Stolz schmolz dahin, er lächelte sie männlich verzeihend an. «Verletzt? Ach nein, gar nicht. Nur etwas überrascht, wissen Sie!» «Ich befahl ihm, sich zu beeilen, da wir spät daran waren», erklärte die dicke Dame tasch, «aber er hätte nicht um die Ecke fahren dürfen'ohne zu tuten. Ach Gott, ich bin ganz durcheinander geschüttelt!» «Ich auch!» erwähnte Mr. Cherry, indem er ein Zweiglein von seinem Kragen löste. «Ach, Sie müssen das wohl sein! So ein Plumps! Es tut mir schrecklich leid und — haben Sie etwas verloren?» Denn Mr. Cherry blickte sich suchend um. «Ich hatte einen Handkoffer», erklärte er. «Oh, da ist er!» «O Gott!» sagte die dicke Dame. «Was für ein Durcheinander!» Das Wort passte. Der Koffer lag in einiger Entfernung in einem Zustand vollständiger Auflösung auf der Strasse. Er war von kräftiger Bauart und in seinen jungen Tagen jeder Unbill gewachsen, aber nun war er schon etwas altersschwach und hatte plötzlichen Erschütterungen gegenüber nicht mehr die Widerstandskraft von einstens. Er war mit beträchtlicher Heftigkeit auf die Kante gefallen und wie eine Bombe explodiert. Das Schloss war geborsten und er war aus den Fugen gegangen. Sir Michael Fairlies Eigentum war über die Landstrasse verstreut. «Verflucht!», sagte Mr. Cherry vorgehend, während die umfangreiche Dame an seiner Seite ihrem Bedauern lebhaften Ausdruck gab. « O Gott, wie schade! Alle Ihre Kleider! Lassen Sie mich helfen, sie aufzuheben!. Simpson! Harald! kommt, dem Herrn helfen! » 'Mr. Hicks, den der ungewohnte Lärm zur Tür gelockt hatte, sah nun mit Erstaunen, a) ein grosses Auto, das scheinbar seinen Wassertrog umzuwerfen versuchte, b) etwas, das aussah wie das Lager eines Herrenmode- Geschäftes über die Landstrasse verstreut, c) einen beträchtlich beschädigten Handkoffer und d) seinen Gast von vorhin, eine dicke Frau, einen mageren Jüngling und einen Chauffeur im Staub herumkriechen und sich gegenseitig eifrig hindernd b) in c) zurückzuverfrachten. Mr. Hicks machte keinen Versuch, die Verwirrung zu vermehren; er, lehnte sich zufrieden lächelnd an den Tür-j pfosten. Zerstreuungen dieser Art waren in dieser gottverlassenen Gegend nur allzu selten. Es schien wohl niemand getötet oder, verletzt, aber schliesslich, alles kann' mani nicht haben. Als nun der letzte verirrte j Socken eingefangen, der letzte Kragen unterj dem Absatz des Chauffeurs hervorgezogen/ war, erhob sich Mr. Cherry, gab seine vergeblichen Bemühungen, den Koffer zu schliessen, auf und klopfte sich den Staub von den