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E_1928_Zeitung_Nr.060

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ins an lOuF 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N°60 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag .:::.'. Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. tan Ausland unter Portozutehlag, ADMINISTRATION: Breitenralnstrasse 97, Ben? sofern nicht postamtlich bestellt. Zusehlag für postamtliche Bestellung Im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorerue. Bern INSERTIONS - PREIS: Die achtgespaltene 2 mm höht Grundzeit oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Aasland SO Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. ' . Inserateniehlnss 4 Tage v«r Eneheinen der betreffenden Nummer ' ' RütLsiditslofi Dieser Tage hat zwischen Andermatt und | Tempo das glatte Aneinandervorbeikommen Realp ein schwerer Automobilunfall stattgefunden, ein achtplätziger Ausflugswagen mit Kurgästen aus Weggis wurde von einem Autocar überholt, bei diesem Manöver streifte der vorfahrende Autocar den Ausflugswagen mit den Weggiser Kurgästen am linken Vorderrad. Die Lenkung des Fahrzeuges wurde angeschlagen, das Fahrzeug aus seiner Bahn geworfen, der umgekehrte Wagen stürzte in die ziemlich hochgehende Reuss, von den fünf Insassen erhielten drei leichtere Verletzungen, während eine Dame aus Brunn in die Fluten des EJergwassers geschleudert wurde und nicht mehr gerettet werden konnte. Wir haben es hier mit einem jener typischen Vorfälle zu tun, die auf eine leider sehr stark eingerissene Unsitte .und Rücksichtslosigkeit zurückzuführen sind. An und für sich ist die Tatsache, dass an jener Stelle ein Autocar dem Weggiser Gesellschaftsauto vorfuhr, kritisch; die amtliche Untersuchung wird feststellen, ob das verunfallte Auto seine rechtsseitige Strassenhälfte voll inne hatte, ob die betreffende Strassenstelle zum Vorfahren überhaupt geeignet ist und wie weit im Tempo beider Fahrzeuge eine Berechtigung zum Vorfahren lag. Ganz abgesehen von diesem Vorfall weisss der anständige Fahrer aus seiner eigenen Fahrpraxis Dutzende von Beispielen zu nennen, mit welcher Rücksichtslosigkeit das Vorfahren vielfach betrieben wird. Wird auf den ersten Hornstoss nicht sofort die äusserste rechte Strassenseite zum Platzmachen eingenommen, so riskiert man, dass diese rücksichtslosen Leute das Vorfahren mit Gewalt erzwingen. Vielfach wird gar nicht abgewartet, bis der zu überholende Wagen eine für das Vorfahren halbwegs geeignete Strassenstelle ausgesucht und erreicht hat, oder bis er sein Tempo vermindert. Rücksichtslos wird gedrängt, einerlei, wie die Strasse beschaffen ist, sogar in unübersichtlichen Kurven oder Windungen wird vorgedrängt, ohne dass der Vorfahrer das Tempo mässigt; häufig wird knapp vor dem überholten Fahrzeug wieder in dessen Bahn eingebogen. Auch beim Kreuzen der sich begegnenden Fahrzeuge wird häufig die nämliche Rücksichtslosigkeit beobachtet; ist eine Strasse 7—8 m oder noch breiter, so ist es kaum nötig, das Tempo der sich kreuzenden Fahrzeuge besonders zu massigen, obwohl Kreuzungen in scharfem Tempo immer ein gewisses Gefahrenmoment einschliessen. Ganz anders dagegen, wenn die befahrene Strasse schmal ist, so dass schon bei massigem Hen Kaltblütigkeit und Geschicklichkeit erfordert. Ein schmaler Weg hält aber manche Fahrer nicht davon ab, ihr scharfes Tempo herabzumindern, haarscharf schneiden sie an dem entgegenkommenden Fahrzeug vorbei und überlassen es dem Schicksal und der Kaskoversicherung, wie die Sache abläuft. Besondere Frechlinge am Lenkrad begehen bei Kreuzungen die Rohheit, dass sie für sich die weitaus grössere Hälfte der Strasse beanspruchen; sie könnten meist noch 1—2 m auf ihrer rechtshälftigen Strasse ausbiegen, unterlassen dies aber absichtlich, in ihrer Rücksichtslosigkeit verlangen sie, dass der andere mit einem Minimum an Wegbreite sich an seinen Strassenrand drücken soll. Es ist überflüssig hervorzuheben, dass jetzt zur Zeit der sommerlichen Hochkonjunktur jedem Fahrer die besondere Pflicht erwächst, korrekt und anständig zu fahren, die Rücksichtnahme auf sich selbst ist schön und gut, nur mit dem «sacro egoismo» allein darf ein anständiger Mensch nicht herumkutschieren. Je korrekter und vernünftiger der Einzelne fährt, umso grössere Sicherheit erhält dadurch die .Allgemeinheit der Fahrer. Der Touring-Club der Schweiz hat kürzlich einem rücksichtslosen Fahrer seine Mitgliedkarte entzogen und dies öffentlich bekanntgegeben; es ist wichtig, dass die Verbände Disziplin halten und von ihren Mitgliedern Anstand und Rücksichtnahme int Fahren verlangen. Wir haben schon vor Jahren anlässlich ähnlicher Vorfälle, wie der oben zitierte bei Andermatt darauf hingewiesen, dass unsere Alpenstrassen unter vermehrte Kontrolle gehören; wir zahlen hohe Gebühren und werden gelegentlich wegen lächerlich geringen Tempo-Ueberschreitungen in Ortschaften gebüsst. Viel richtiger wäre es, wenn da und dort ein tüchtiger Verkehrspolizist auf dem Motorrad oder im Kleinauto die Strassen inspizieren würde. Für rücksichtslose Herrschaften, die mit ihrem unkorrekten Fahren die Sicherheit anderer gefährden, dürfte eine derartige Kontrolle viel nützlicher sein, als die Feststellung, ob einer die Ortschaft X oder Y mit 20 statt 18 km durchfährt. PoUze^seb! Die Motion Bratschi ist unsern Lesern bekannt. Sie verlangt eine Reihe gesetzgeberischer Akte, die vor allem die Regelung der Arbeitszeit für die Chauffeure vorsieht. Trotzdem .izwischen den zuständigen Verbänden diesbezügliche Arbeitsnormen aufgestellt worden, sind, die für die Verkehrssicherheit genügen .dürften, müssen dem Auto durch Gesetz Fesseln angelegt werden. Was wäre auch eine Demokratie, wenn nicht die Mühle einer beständigen Gesetzgebungsmaschine bestünde! Darin scheint letztere ja ihre Hauptaufgabe zu finden, durch eine komplizierte Gesetzesmaschinerie unser Wirtschafts- und Gesellschaftsleben in eine platte Schablone hineinzuzwängen. Das Automobil, das bis heute noch auf keinen Gesetzesschienen lief, soll nun solche ebenfalls erhalten,-— coüte que coüte. — So wird nun von Seite des Bundesrates ein Gesetzesentwurf ausgearbeitet werden und es ist dabei anzunehmen, dass diese Arbeit dem eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement übertragen werden wird. Wir glauben kaum, dass die zuständigen Organe mit grosser Begeisterung an diese Arbeit herangehen werden. Der Fragenkomplex ist sehr weitgreifend und es dürfte nicht leicht sein, die Grenzen der aufzustellenden Schutzbestimmungen abzustecken. Der Antwort auf die Motion Bratschi von Allein in den letzten Tagen sind drei schwere Unfälle an Bahnübergängen zu verzeichnen, und zwar handelt es sich bei allen dreien um unüberwachte '* und unübersichtliche Uebergänge. Letzten Samstagabend ereignete sich ein Zusammenstoss zwischen der Furka-Oberalpbahn und einem Privatwagen in Mörel Die Bahn überquert dort ganz plötzlich unmittelbar vor einer Kurve die von Brig nach Gletsch führende Strasse. Bei der Uebergangsstelle selbst befindet sich kein Warnzeichen. Lediglich einige 30 Meter davor stehen die üblichen A. C. S.-Barrierentafeln. Der Zusammenstoss war, obwohl weder die Bahn noch das Auto an jener Stelle eine höhere Geschwindigkeit entwickeln können, sehr heftig. Der Vorderteil des Wagens wurde vollständig demoliert. Die beiden Insassen kamen glücklicherweise mit leichten Verletzungen davon. Tote und Schwerverletzte. Lief der gemeldete Unfall im Wallis verhältnismässig glimpflich ab, so ereigneten sich in Deutschland zwei Zusammenstösse, deren Folgen von furchtbarster Wirkung sind. In Nordhausen (Provinz Sachsen) überfuhr ein Personenzug einen grossen Autobus. 27 Personen mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Ob alle Verletzten mit dem Leben davonkommen, steht noch nicht fest. Seite des.Chefs des eidgenössischen Justizund Polizeidepartements nach zu schliessen, dürfte es sich vor allem darum handeln, allgemeine Bestimmungen • über eine zeitliche Ueberbeanspruchuwg des am Steuer sitzenden Lenkers aufzustellen. Durch diese Schiitzbe^ Stimmungen soll besonders das Moment der Unfallgefahren auf der Strasse herabgemindert werden.—Dabei soll allerdings nicht nur der eigentliche Chauffeur ins Auge gefasst werden, sondern diese Bestimmungen würden ihre Gültigkeit auch für fahrende Geschäftsherren, für Vergnügungsfahrer und nicht zuletzt auch für Sportsfahrer erhalten. Wir wollen nicht vorgreifen, glauben auch annehmen zu dürfen, dass man im Bundeshause darauf Bedacht nehmen wird, die stark gezwickte Freiheit des Schweizers nicht noch mehr einzuengen und den bereits grossen Prozentsatz der Schweizer Automobilisten nicht durch ein rigoroses Polizeigesetz zu belästigen. Denn wir haben wahrlich an einschnürenden und die persönliche Freiheit des Einzelnen malträtierenden Gesetze genug.=, K. Erschreckende Zunahme der Unfälle bei Niveauübergängen. Noch schrecklicher war die Wirkung eines Zusammenstoßes eines Zuges der Harzbahn mit einem weitern Autobus bei Gramme (Braunschweig): drei Personen, worunter der Lenker des Autobus, waren augenblicklich tot 17 ^Passagiere wurden schwer, einer leicht verletzt. Ueber den Hergang lesen wir: Im ersten Wagen befanden sich die Schulkinder mit ihren Lehrern, im zweiten folgten die Eitern. Der Zug der Südharzbahn hatte bis zur Unglückstelle eine Fahrzeit von fünf Minuten. Der Bahnübergang ist ungesichert und nicht durch moderne Warnungsschilder gekennzeichnet; lediglich Schilder alter Art, die wenig übersichtlich sind, stehen schräg an der Seite. Infolge der grossen Staubentwicklung, die auf der Landstrasse herrschte, und der Unübersichtlichkeit der Strecke hat offenbar der Autobusführer den herannahenden Zug nicht bemerkt. Der erste Omnibus kam gerade noch über die Geleise. Ihm wurde von der herannahen-* den Lokomotive, das Nummernschild abge-i fahren. Der zweite Omnibus wurde von der Maschine erfasst, zwischen dieser und einem etwa anderthalb Meter entfernt stehenden Baume hindurchgepresst und vollständig zertrümmert. Die Maschine selbst entgleiste, obwohl der Führer sofort sämtliche Bremsen anzog und Rückdampf gab. Der Führer der Lokomotive und der Heizer konnten sich im letzten Augenblick noch durch Abspringen Sir Michaels Abenteuer. Roman ron K. 0. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller. Verlas, München. (18. Fortsetzung) Mike knurrte, begann zu laufen und war bald hinter das. Gesträuch gekommen, wo er sich zwei Personen, Miss Kent und Harald Bytheway, gegenüber fand. Das pickelbesäte Antlitz des letztern zeigte die Gereiztheit des Damenhelden, wenn er unbegreiflicherweise auf Widerstand stösst, während Anne, obwohl sie vor diesem Geschöpf ungern Furcht bezeigte, doch offenbar die Geratenheit eines Rückzuges erwog. Bei Mikes Anblick atmete sie erleichtert auf und tat einen Schritt auf ihn zu. Jung-Harald warf einen bitterbösen Blick auf den Ankömmling. «Was suchen Sie da?», fragte er hochmütig, denn seine bisherigen Erfahrungen mit Sekretären waren nicht dazu angetan, ihm Achtung vor dieser Menschenklasse einzuflössen. Er kam nicht weit mit dieser Frage. Mike, der sie als eine rein rhetorische, keine Antwort erheischende betrachtete, sprang vor, packte den überraschten Jüngling — nach dem bei Mr. Samuel Weinberg so erfolgreich angewendeten Rezept — am Kragen und am Hosenboden und brachte ihn in raschem, wenn auch ungraziösem Trabe in einige Entfernung. Vor einem schönen grossen Lorbeergebüsch angelangt, beförderte er sein Opfer heftig in dessen grüne Umklammerung und liess es dort liegen. Nach einer Weile benommenen und nutzlosen Nachdenkens raffte sich Harald auf, sandte seinem Angreifer einen bösartigen Blick und machte sich auf den Weg nach dem Hause. Was ihm als Weisheit anzurechnen ist, denn nur ein Tor weiss nicht, wann er genug hat. Als Mike zu Anne zurückkehrte, lächelte sie. «Danke, Mr. James», sagte sie. «Das fahrende Rittertum gehört zu den Dingen, die Ihnen am besten liegen, wie ich sehe.» Mike betrachtete sie nachdenklich. «Sie müssen etwas an sich haben, das auf den Abschaum der Menschheit begeisternd wirkt. Ich glaube, es sind die Augenbrauen.» «Das tut mir sehr leid», sagte Anne sanft. Wenn Sie mir Ihr Rasiermesser leihen möchten —» «Ruhen Sie sich aus», befahl Mike und deutete auf eine nahestehende Bank, «und erholen Sie sich. Ist dieser Mensch öfters so frech?» «Nicht so oft. Gewöhnlich hat er zu viel Angst — vor mir und vor seiner Mutter.» «Warum beklagen Sie sich nicht über ihn?» «Weil mich das bestimmt meine Stelle kosten würde. In solchen Fällen ist immer die Gouvernante schuld» Mr. James.» «Nun,» sagte Mike ingrimmig, «jetzt mag er sich vor mir hüten. Er gehört wirklich so geprügelt, dass er sich selbst nicht erkennen würde. Sagen Sie nur ein Wort und ich überwinde meine Abneigung, auf einen Pudding loszuschlagen und nehme ihn in Behandlung.» «Bitte, bemühen Sie sich nicht. Ich möchte nicht, dass Ihnen etwas geschähe.» Mike fuhr empört auf. «Mir etwas geschähe? Mir? Nein, wirklich —» «Ausserdem würden Sie dann Ihre Stelle verlieren, und das wäre doch sehr unangenehm. Sagen Sie mir übrigens, bleiben Sekretäre bei diesem Beruf, bis sie zerfallen oder wird je etwas Wirkliches aus Ihnen? » Mike starrte sie an. «Wie meinen Sie das — etwas Wirkliches?» «Nun,» sagte Anne freundlich, «ein Sekretär erscheint mir immer als so etwas Unbestimmtes, Unwirkliches, besonders in diesem Haus. Ich meine, es ist doch eine Stelle, die wenig Aussichten bietet, nicht? Führt es überhaupt zu etwas?» Mike seufzte tief und schaute sie mit sanftem Vorwurf an. «Meiner Seele,» sagte er, «Sie sind wirklich anspruchsvoll. Ich fand im Gegenteil meinen Aufstieg kometengleich. «Vom Wirtshaus in den Palast», oder «Geschichte eines jungen Mannes, der sein Glück macht», 'in drei Teilen. Sie müssen mir ein wenig Zeit lassen. Ministerpräsidenten werden nicht in einem Tag gebaut.» «Natürlich,» sagte Anne lieft, «und was für eine ausserordentlich günstige Einführung auch der Sekretärposten bei Mr. Bytheway ist. Der kann einem ja alle Tore öffnen.» In diesem Augenblick überkam Sir Michael Fairlie plötzlich Tollheit. Er starrte sie an, als habe er sie noch nie gesehen, dann beugte er sich vor und sagte ernsthaft: «Diese Stelle hier soll mir sehr bald zu etwas verhelfen, hoffe ich, und das hängt gänzlich von —» Miss Kent schaute auf die Uhr und fuhr erschrocken auf. «Du lieber Gott! Ich muss laufen. Höchste Zeit für Violets Bad.» Sie blickte freundlich, auf den aus der Fassung gekommenen jungen Mann herunter. «Auf Wiedersehen, Perseus», sagte sie und war weg, ehe er sie zurück-« halten konnte,