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E_1928_Zeitung_Nr.066

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Ausgabe« Deutsche Schweiz» Bf eii, Dienstag, 7. August 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 66 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe Lutte» Halbjährlich Fr. 5.—, jfihrilcb Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuichlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern •ofern nicht postamtlich bestellt, Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcbeck-Rechnong 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Antorenie, Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grandzeile od«r deren Raum 4%Gts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. InsemtMuefcluss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Kammer 14«» • • In unserer letzten Nummer konnten wir mitteilen, dass seit einiger Zeit unter den Intel essenten des Oberlandes und des Kantons Uri Verhandlungen stattfänden über die Frage des Ausbaues des Sustenpasses zu einer Autostrasse, und dass sich ein Initiativkomitee gebildet hätte, dem Vertreter beider Kantone angehörten und das die notwendigen Schritte einleiten werde. Das Problem einer Sustenstrasse ist nicht neu. Schon im Jahre 1811, in einer politisch bewegten Zeit, begannen die Kantone Bern und Uri den Ausbau der Sustenstrasse. Die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zwangen dazu; weitblickende Männer wollten das Werk beschleunigen. Es gehörte in das tuzern Meiringen Godtnen Innevtkirche« dW und man sich über ein definitives Projekt noch nicht einigen konnte. Es ist zu hoffen, dass das nun gebildete Initiativkomitee Mittel und Wege finden werde, um die hochwichtige Frage einer endgültigen Lösung entgegenzuführen. Die Ausgaben für eine auch für Automobile fahrbare Sustenstrasse wären sicherlich produktiv angelegt, da die Strasse volkswirtschaftliche, touristische und militärische Interessen befriedigen würde. Der Kanton Bern erhielte durch sie eine kurze und prächtige Verbindung mit der Zenstellen und besonders den Bernern den direkten Verkehr mit Italien unter Umgehung der Zollstation auf der Grimsel, ermöglichen. Das Wallis war, wie bekannt, ohne lange Komplimente von Napoleon zu Frankreich geschlagen worden; es schien für die Schweiz endgültig verloren zu sein, da der Besitz der Walliser Alpenpässe dazumal für Frankreich zu den vitalsten Lebensfragen gehörte. Die Berner scheuten vor den grossen Kosten nicht zurück und bis zum Jahre 1817 hatten sie bereits 210,000 Franken für den Ausbau der Strasse auf Bernerboden ausgegeben. Die Urner, welche nicht über die gleichen Mittel verfügten, bauten bloss den obern Teil und unterbrachen die Arbeit in dem Augenblicke, als das Wallis wiederum als Kanton dem neuen Bundesstaate beitreten durfte. Seitdem ist es eigentlich um die Frage eines Ausbaues der Strasse ruhig geblieben; die Verbindung zwischen den beiden Kantonen ist wohl hergestellt, fällt jedoch für den Wagenverkehr, ganz besonders für den Automobilverkehr ausser Betracht, da u. a. das bernische Teilstück ganz besonders bei den Kehren zu eng ist und im urnerischen Meietital eine eigentliche Strasse von Wassen ans bis gegen den Pass immer noch fehlt. Der Bau einer Strasse ins Meiental ist aber Sustenstr« Kapitell grosszügjger bernischer Verkehrspolitik. Die Strasse sollte die direkte Verbindung zwischen den beiden Kantonen herauch von der Urner Regierung nicht aus dem Auge gelassen worden. So stellte sie dieses Jahr zu handen der Landsgemeinde den Antrag, 60,000 Franken als Baufonds sicherzustellen. Damit wurde aber die Frage nicht endgültig entschieden, da das Projekt und der Finanzplan nicht abstimmungsbereit waren trat- und Ostschweiz und zugleich mit dem Gebiete südlich des Gotthards, die Urner ihrerseits eine ihnen sicher genehme und seit langem notwendige Verbindung mit der Westschweiz. Dem Autotourismus würde einer der prächtigsten Alpenübergänge und damit der Hotellerie im Berner Oberland und im Kanton Uri eine neue Einnahmequelle erschlossen. Lange genug hat man über die besorgniserregende Entvölkerung unserer Bergtäler gesprochen und geschrieben. Heute ist man, wenigstens darf es angenommen werden, soweit, dass man die Grundlage einer Verbesserung der ökonomischen Verhältnisse der Bergbewohner in allererster Linie im Ausbau des Bergstrassennetzes erblickt. Eine Sustenstrasse würde wesentlich zur wirtschaftlichen Belebung des heute einsamen Meientales beitragen. Dabei darf gerade bei diesem Alpenüberrgang die militärische Frage nicht aus dem Auge gelassen werden. Mit dem Unterhalt unserer Gotthardbefestigungen allein ist es nicht getan. Unsere militärischen Festüngswerke hängen in der Luft, wenn ihnen nicht die notwendigen Nach- und Rückschublinien zur Verfügung stehen. Die Italiener beispielsweise leisten im Ausbau der militärischen Alpenstrassen geradezu Vorbildliches. Es schei- $ nen ihnen hiezu keine Summen zu klein. Der Bau einer italienischen Alpenstrasse auf den Giacomopass dürfte für uns Drohfinger genug sein. Von der Höhe des San Qiacomopasses ist unsere grosse Transversale Grimsel-Furka-Oberalp ohne grosse Mühe unter schweres Artilleriefeuer zu nehmen. Was dies für unsere Gotthardbefestigung zu bedeuten hat, brauchen wir nicht des Nähern auszuführen. Um so nachdrücklicher ist vom Standpunkte unserer Landesverteidigung aus der Bau einer Sustenstrasse zu empfehlen und in die Wege zu leiten. Wir hoffen deshalb, dass im Hinblick auf die grossen, lebenswichtigen Fragen das gebildete Initiativkomitee Verständnis und Unterstützung bei allen massgebenden Instanzen finden werde. K. Zur Frage der Strassenbahnen. Aehnlich wie die Bahn, so war auch eine Zeitlang die moderne 'elektrische Strassenbahn das privilegierte Verkehrsmittel. Sie belegte die Strassen mit Schienen und der ganze Verkehr hätte sich nach ihr einzustellen. Sie war die Beherrscherin der städtischen Strasse. Rücksichten brauchte sie keine zu nehmen. Das Volk hatte sich an diesen Zustand gewöhnt, bis das Automobil kam. Lange Zeit glaubte die Strassenbahn, trotz des beständigen Anwachsens des Automobilverkehrs, ihre Monopolstellung innehalten zu können und ungekümmert um links und rechts fahren zu dürfen. Die Zeiten werden auch hierin eine gewisse Aenderung bringen. Ganz sicher wird die Strassenbahn auf den übrigen Strassenverkehr Rücksicht zu nehmen haben und 1 sich ebenfalls den Geboten der Verkehrspolizei unterwerfen müssen. Die neue Berliner Strassenordnung hat bereits ganz besondere Bestimmungen über den Verkehr der Schienenfahrzeuge aufgenommen, die die Pflichten der Führer genauer umschreiben. Der bemerkenswerteste Passus enthält die Bestimmung, dass der Strassenbahnführer, wie jeder andere Fahrzeugführer, der Verkehrsregelung und den polizeilichen Weisungen und Zeichen aufs strikteste nachzukommen hat. Beim Verlassen des Führerstandes hat der Wagenführer auch die entsprechenden Massnahmen zu ergreifen, damit sich der Wagen nicht in Bewegung setzt oder durch Unbefugte in Bewegung gesetzt werden kann. Die Berliner Strassenordnung schränkt die bis anhin übliche Strassensouveränität der Strassenbahnen somit wesentlich ein, was vom verkehrstechnischen Standpunkte aus nur zu begrüssen ist. Die Zeit ist vielleicht nicht mehr so ferne, da auch in den schweizerischen Städten ein ähnliches System Platz greifen dürfte. Wir sind damit dann immer noch nicht soweit wie die Stadt Wiesbaden, deren Stadtverwaltung beschlossen hat, die Strassenbahnen überhaupt abzuschaffen und sie vom 1. April 1929 an durchwegs durch Autobusbetriebe zu ersetzen. Wiesbaden begründet sein Vorgehen damit, dass die Strassenbahnen schlecht in den moderne«, immer dichter und rascher werdenden Verkehr passen und dass durch die starre Schiene die Verkehrsregelung fast zur Unmöglichkeit geworden ist. t. Ursache und Bekämpfung des Strassenlärmes. Eine deutsche Stiftung hat jüngst einen ansehnlichen Barpreis für den besten Vorschlag zur Bekämpfung des Strassenlärms ausgeschrieben. Daraufhin erliess das «Berliner Tageblatt» eine Rundfrage an die Polizeivorstände zahlreicher Grossstädte, um von ihnen zu erfahren, was in ihrem Wirkungsbereich gegen den Strassenlärm vorgekehrt werde. In der Antwort aus London wird unterstrichen, wie wichtig und richtig es von der Stadtgemeinde war, das sie den Bau von Strassenbahnlinien im Stadtzentrum verbot, da damit eine beträchtliche Lärmquelle endgültig eliminiert wurde. Dann wird vor allem streng darauf gehalten, dass Automobile und hauptsächlich Motorräder mit Auspufftöpfen versehen sind. Wichtig ist auch die gesetzliche Bestimmung, wonach das Hupensignal ein Warnungssignal ist, dessen Missbrauch strafbar wird. So konnten die Londoner Motorfahrzeugbesitzer allmählich von der üblen Gewohnheit, Freunde und Bekannt« von ihrer Ankunft resp. Anwesenheit durch Hupensignale zu informieren, abgebfacht werden. Der Londoner Bericht äussert sieh endlich dahin, dass ein wesentlicher Teil des Strassenlärmes durch die Strassenreparaturen verursacht wird, weshalb die -Verwaltung darauf bedacht ist, diese Arbeiten möglichst zu beschleunigen. Es werden zudem sämtliche Verwaltungsabteilungen, wie Gas-, Wasser- un$ Elektrizitätswerke, welche unter der Strasse Leitungen legen lassen, von jeder vorzunehmenden Reparatur immer rechtzeitig benachrichtigt, damit möglichst sämtliche Arbeiten gleichzeitig vorgenommen werden können und die Strasse nicht wieder aufgerissen wird bevor der letzte Pflasterstein von der vorhergehenden Reparatur her gesetzt ist. Der Berliner Rapport berichtet, dass man durch Herstellung schalldämpfender Strassenoberflächen den Lärm möglichst zu vermindern suchte. Eine Hauptaufgabe der Industrie müsse es vor allem sein, die störenden Geräusche der Motorräder zu beseitigen, da selbst bei zahlreicher Polizei es einfach nicht möglich sei, gegen alle Fehlbaren vorzugehen. Wenn die Hupe in überreichlichein Masse betätigt wird, so ist dies zu einem grossen Teil auf die heutige Rechtssprechnus zurückzuführen. Leider wird in sehr vielen H I L L T O N Sir Michaels Abenteuer. Roman TOT K. 0. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Maller. Verlag. München. (24. Fortsetzung) «Sekretär — Schmarren! Sie schauen doch nicht einmal so aus! Wo sind Ihre Brillen? Wo bleibt die gebeugte Haltung? Wo sind die tintenbeklecksten Finger? Ich hab' manchen Sekretär gesehen und ich könnte einen bessern als Sie aus einem Klumpen Ton herstellen. Aber das tut nichts zur Sache. Was ich wissen will, ist, um was sind Sie hergekommen?» Mike schaute ihn herausfordernd an. «Das werde ich Ihneni gerade sagen! Schauen Sie selbst darauf zu kommen, das wird Ihre Fähigkeit schärfen?» «Ich überlege gerade,» sagte Mr. Cherry langsam, «ob ich der Alten die Sache nicht sanft beibringen soll?» «Das ist entschieden Ihre Pflicht als Gast,» erwiderte Mike, «also vorwärts! Dann komme ich mit dem sanften Beibringen dran, wenn wir so weit sind.» Mr. Cherry schien eine Weile zu überlegen, endlich sagte er: «Nun, passen Sie nur auf, denn ich werde auf Sie aufpassen, und wenn — hallo!» Ein grosses Auto war eben beim Tor hereingefahren und kam langsam näher; sein Aussehen deutete eben überstandenes Unheil an. Mr. Bytheway, mit einem Ausdruck, als sei er eines freundlichen Empfanges nicht sicher, sass neben dem Lenker. Bei dem Anblick des letztern fuhr Mike zusammen und starrte wie gebannt auf ihn hin. Mr. Cherry fluchte leise. «Schon wieder einer!» sagte er finster. «Man wird sich nächstens in diesem Haus nicht umdrehen können!» Er sprach mit der verzeilich üblen Laune eines begeisterten Regatta-Zuschauers, der sich durch frühes Aufstehen einen guten Platz gesichert hat und nun von einer Horde späterer Ankömmlinge bedrängt wird. Doch Mike war nicht in der Stimmung, auf ihn zu hören. Onkel Josephs gänzlich unerwartetes Erscheinen drohte alle seine Pläne umzuwerfen, wenn nicht augenblicklich etwas unternommen wurde. Aber was konnte er unternehmen. Schon kam Mr. Bytheway mit seinem Gast die Terrasse entlang und Mike entdeckte zwischen dem Bartgewirr seines Onkels den Ausdruck ebensolcher Ueberraschung, wie die seine war. Worüber er noch mehr erstaunte, denn wenn Onkel Joseph nicht seinethalben hier war, wieso kam er dann überhaupt hierher? Mr. Bytheways Stimme wurde hörbar. «Ach, da sind sie ja! Mr. — ach Gott, der Name ist mir leider entfallen — ach ja, richtig! Mr. Moon, dies ist Sir Michael Fairlie und das Mr. James, mein Sekretär. Eine höchst unangenehme Sache, Sir Michael — ein Zusammenstoss zwischen meinem Wagen und dem von Mr. Moon —das heisst, eigentlich kann man es kaum einen Zusammenstoss nennen — aber eines seiner Räder steht nun ganz schief und so » Und während Mr. Bytheways Erzählung sich langsam und weitschweifig entwickelte, starrte. Mr. Moon von Mike auf Mr. Cherry und wieder auf Mike zurück. Die Ueberraschung, seinen Neffen hier zu finden und als Sekretär vorgestellt zu bekommen, hatten ihn augenscheinlich der Sprache beraubt, was ein Glück war, denn Mike, der ihn nur mit einem fremden Nicken und raschem Kopfschütteln begrüsst hatte, schnitt nun die greulichsten Grimassen, die dazu bestimmt waren, seinen Onkel zum Verschweigen ihrer Verwandtschaft zu bewegen. Mr. Moon kannte sich zwar nicht aus, jedoch Hess er nie einen Freund im Stich, und so viel wurde ihm klar, dass Mike aus geheimnisvollen Gründen sein Schweigen wünschte. Also schwieg er. Mit der Zeit würde sich das Rätsel schon aufklären. «— — muss gehen und es Simpson sagen,» fuhr Mr. Bythway eben fort, «obwohl ich mir nicht vorstellen kann, wie er das Auto fortbewegen wird ohne — ach, und meiner Frau muss ich auch sagen, dass Sie hier sind, Mr. Moon. Sie — sie wird sehr überrascht sein. Wir speisen um acht, also werden Sie Zeit haben du lieber Gott, James, was tut Ihnen denn weh?» (Fortsetzung im Autler-Feierabend)