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E_1928_Zeitung_Nr.069

E_1928_Zeitung_Nr.069

Ausgabe; Deutsche Schweiz. BFPif. Freitag, 17. August 1928. n Nummer 20 Cts. . Jahrgang. -— N° 69 U Ei* ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint teden Dienstag und Freitag ^ Monatlieh „Gelbe Litte** Halbjährlich Fr. &.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breltenratnstrasse 97, BerD Cofern nicht postamtHch besteilt. Zuschlag für postaratliche Bestellung Im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnun« II1/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorerue. Bern INSERTIONS-PKEIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe GnindzeHe odef deren Raum 45 Cts. (ur die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Die zweite und dritte Etappe: Vom Luganersee zur Stilfserjochhöhe, von Meran Ober den Mendelspass und den Passo Madonna di Campigiio nach Belluno. Die vierte Etappe: Belluno-Villach. Aufbruch. Kaum glaubt man den Kopf auf die Kissen gelegt zu haben, noch erfüllt vom Surren und Donnern der Motoren, von vorfahrenden Wagen und staubwirbelnden Rädern, winkenden Menschen, wandernden Horizonten und Kurven, Kurven, Kurven — kaum glaubt man noch das Prickeln vom stundenlangen Hämmern der Schreibmaschine in den Fingern zu verspüren rrrrrrrr rasselt einem der Wecker unbarmherzig aus den Federn. Drei Uhr morgens! Ein Blick aus dem Fenster zeigt Lugano noch in tiefstem Schlafe. Der Monte Salvatore steht wie ein schwarzer Wächter über dem See... Am Startplatz ist nichts von Schlaf und Müdigkeit zu verspüren. Die Starter lassen Wagen für Wagen in die Dämmerung hinaus. Heute und in den nachfolgenden Tagen wird nach der Reihenfolge der Ankunft am Vortage gestartet. Von den 85 gestern in Mai- Jand Aufgebrochenen machen sich 78 auf die R«ise. Unterwegs. Tempo auf der ganzen Linie! Die Taktik, gleich zu Beginn der Etappe drauflos zu fahren was das Zeug hält, um bei einer eventuellen Panne über einen Zeitvorrat zu verfügen, der das Einkommen innert Maximalzeit gestattet, macht Schule. Die Regelmässigkeitsfahrt ist dadurch zu einem wahren Schnelligkeitswettbewerb geworden, obwohl das Uebersteigen der Höchstgeschwindigkeiten nicht gewertet wird. Die zweite Etappe, ungleich leichter als die erste — sind doch ausser dem Stilfserjoch ausschliesslich Talstrecken zu bewältigen — verleitet viele Fahrer zu einem Geschwindigkeitstaumel, der den Tücken der Strecke keine Rechnung trägt. Die Opfer lassen auch nicht auf sich warten und ihre Zahl wird sogar diejenige des Vortages übertreffen. Bezeichnend ist, dass weder die phantastische Stilfserjoch-Strasse noch die äusserst gefährliche Strecke von Como nach Cravedona irgend einen Konkurrenten zur Strecke- bringt. Aber idie prächtige Strasse von Como an der Westseite des Sees entlang nach Delebio, der Eingangspforte zum Veltlin, drückt gewaltig auf den Geschwindigkeitszeiger. Dazu kommt der Umstand, dass alle Ortschaften in unvermindertem Tempo durchfahren werden können, da durch Verfügung der Präfektur auf italienischem Gebiet die Strecke von morgens 5 Uhr bis mittags 12 Uhr für jeden Verkehr gesperrt ist. Die Absperrung durch Carabinieri und die Miliz klappt grossartig. Die Bevölkerung begrüsst die Alpenfahrer aufs herzlichste. Viele Orte haben geflaggt. Copyright Roman ron K. 0. R. Browne. 1928 by Georg Müller. Verlag. (26. Fortsetzung) Er sprach mit aufrichtiger Bewunderung, denn es war wirklich eine schöne Brosche, höchst geschmackvoll aus Perlen zusammengesetzt und fast das einzige Stück in der ganzen Schaustellung, das ein künstlerisches Auge befriedigen konnte. Mrs. Bytheway, die es bisher gering geachtet hatte, lächelte geschmeichelt. «Es freut mich, dass sie Ihnen gefällt, Mr. Moon. Sie hat hundertundfünfzig Guineen gekostet, nicht wahr, Herbert?> «Jawohl», sagte ihr Gatte etwas düster. «Herbert sagt, es sei gefährlich, so viel Schmuck im Haus zu haben», fuhr sie fort Tage der Entscheidung Internationale Alpenfahrt Za'wei.'to (Eigener Bericht.) iESta/pipe Sir Michaels Abenteuer. München. Die Opfer. Gleich nach Lugano treffen wir den ersten Büsser des forcierten Tempos: Ein Wagen hat die Strassenmauer durchbrochen und hängt mit den Vorderrädern über dem Seespiegel Der Fahrer, es ist der Oesterreicher Schuh, def sich die Vernachlässigung die Engländerin Miss Bruce (A. C), deren Wagen durch das Auto der Fahrtleitung angefahren worden ist und eine Demolierung der Vorderachse erlitten hat. Und dies knapp 20 km vor Meran! Möglicherweise wird der bekannten englischen Fahrerin, so sich der Schaden beheben lässt. unter Berücksichtizu schulden kommen liess, die Bremsen nicht rechtzeitig nachgestellt zu haben, steht glücklicherweise unverletzt daneben. Mit der weiteren Beteiligung ist es natürlich Rauch. An einem Wegstein in Argegnio am Comersee klebt der Fiatwagen 501 des bekannten italienischen Sportsmannes Mercanti, der unter dem Namen «Frate Ignoto» in der Startliste figuriert. Mercanti, gleichzeitig italienischer Kommissär der Alpenfahrt, setzt seine Fahrt nunmehr nicht mehr als Konkurrent, sondern «nur noch» als Organisator fort. Dann sind es die Deutschen, und zwar gleich vier nacheinander, die vom Pech verfolgt werden; der Münchner Sina auf La Salle, an einem zweiten Wegstein des Comersees, dann die sympathische Fahrerin Lotte Bahr, deren Steyr bei Delebio im 120-km-Tempo ins Schleudern geraten ist und sich an einem Meilenstein Federbruch, zertrümmerte Kotflügel und dito Trittbretter geholt hat. H. von Wersch auf Brennabor liegt kurz darauf neben der Strecke. Steinschlag hat sein Kardanwellenrohr verbogen. Der Vierte im Bunde ist Graumüller vom Wandererteam, der eine Wasserrille übersehen hat und gegen einen Telegraphenmast geschmettert ist, ein Manöver, das der Hinterachse schlecht bekommen ist. Pech schlimmster Sorte trifft «Aber ich sage, wozu hat man die Sachen, wenn sie immer in der Bank sind und niemand sie sieht?» . Mr. Cherry nickte mit vom Herzen kommender Uebereinstimmung zu dieser vernünftigen Ansicht. «Gewiss», sagte Mr. Moon. «Und sie sind jedenfalls versichert?» «Ja, ja. Ausserdem sind sie in meinem Zimmer in einem Geheimschrank aufbewahrt, den niemand öffnen kann, dem das Geheimnis der Feder nicht bekannt ist. Ich finde das sehr romantisch. Wir haben ein Buch in der Bibliothek, wo alles über dieses Haus darin steht, und dort ist es erklärt. Als ich das las, sagte*ich sofort: «Das ist der Ort.für meine Sächelchen! Nicht wahr, Herbert?» «Jawohl, Hermine», bestätigte der Gatte betrübt, denn er hatte diesen Geheimschrank heimlich für seine Markensammlung begehrt. gung der besonderen Umstände die Weiterfahrt gestattet. -Auf eigene Art verliert das Hansateam seine Siegeraussichten: Der deutsche Fahrer Sporkhorst, der Führer dieser Equipe, versucht einem Kind auszuweichen und rennt dabei seinen Wagen gegen eine Wand. Der Kotflügel wird derart verbogen, dass er den Pneu streift und das Ausbeulen nimmt soviel Zeit in Anspruch, dass der gewiegte Fahrer nicht mehr innert Maximalzeit einkommt. Durchs Veltlin über das Stilfserjoch. Auf schlechten, furchtbar staubigen Strassen geht es der Adda entlang durch das rebenreiche Veltlin. Bei Sasella werfen wir einen sehnsüchtigen Blick nach den weltbekannten Rebbergen. Schon winkt das düstere Kastell des Hauptortes Sondrio. In unvermindertem Tempo jagt unser Martini durch die gewundenen*Gassen, vorbei an der ehrwürdigen Piazza mit dem Garibaldi-Denkmal, hinaus auf die endlosen Geraden, die nach Tirano führen. Diese Strasse ist voll heimlichster Tücken. Das sind Strassenbrücken, deren hochgewölbte Rücken den Blick auf die Strecke erst im letzten Augenbleck freigeben, und unzählige Wasserrillen, meist mitten auf freier Strecke, in die die «Sehr interessant, in der Tat», sagte Mr. Moon, womit das Thema erledigt war. Mr. Cherry versank nun in ein nachdenkliches Schweigen, antwortete wohl höflich, so oft er angesprochen wurde, aber er nahm nur wenig Anteil an der allgemeinen Unterhaltung. Hinter seinem liebenswürdig höflichen Lächeln verbarg er seine, mit Hochdruck arbeitenden Gedanken, denn es war nicht seine Art, die Gaben der Vorsehung abzulehnen. Die Mahlzeit kam endlich zu ihrem Ende. Nachdem die Gesellschaft sich schwerfällig erhoben und im Salon wieder niedergelassen hatte, während die Hausfrau noch überlegte, welcher ihrer vornehmen Gäste ihre grössere Aufmerksamkeit erheischte, hätte man die Abwesenheit des Sekretärs bemerken können. Er hatte sich auf die Terrasse begeben, wohin ihn das Aufblinken eines weissen Kleides mit Blitzesschnelle gezogen hatte. Anne lehnte an dem niederen Geländer und Ahnungslosen zu Dutzenden hineinplumpsen. Nach Tirano erreichen wir den Bäderort Bormio, von wo aus die Stilfserjochstrasse ihre gewaltigen Zirkel zieht. Auf der Passhöhe haben sich hunderte italienischer Autotouristen eingefunden, um die grandiose Anfahrt der Alpenfahrer zu bewundern. Als erste sind hier Morandi auf O. M., gefolgt von seinen beiden Marken-Kameraden Goffani Masperi, durchgefahren, hinter ihnen folgten die Mannscha'ften von Hansa, die prächtig© und noch vollzählige Schweizer Equipe Hupmobile, dann die leider schon reduzierte Martini-Mannschaft und diejenige von La Salle* Namentlich die Minerva-Equipe hinterliess in ihrer Geschlossenheit einen vorzüglichen Eindruck. Der 0. M.-Fahrer Morandi, als erster um 4 Uhr in Lugano gestartet, erreichte um 7 Uhr 20 die Passhöhe — eine Leistung, die ihm über die 221 Kilometer keiner so leicht nachmachen wird, ist doch darin die Höhendifferenz zwischen Tirano, welches 430 Meter hoch liegt, und dem Stilfserjochpass (2759 m) miteinzukalkulieren! In rasender Fahrt geht es hinunter nach Trafoi, wo die Fremden vor den Hotels stehen und den Alpenfahrern zujubeln. Ueber Spondigna, Silandro erreichen wir Meran, das im herrlichsten Festschmuck steht — das Ziel der heutigen Etappe. Auf den" Abend ist ein offizieller Empfang durch die Behörden angesetzt. Der Fahrer wird jedoch sein stilles Kämmerlein aufsuchen, um Körper und Geist von den Strapazen zu erholen und sich für die morgige Etappe Meran-Belluno neu zu stärken. Wir Journalisten, weniger glücklich, werden "einen Kampf mit den schweren Augenlidern und unserer Schreibmaschine zu bestehen haben. Unsere Schweizerfahrer. Das Fazit des Tages hat eine neue Aende-» runig unter den Konkurrenten bewirkt: Von den 85 in Mailand Gestarteten sind 68 in Meran angekommen. Die Zahl der noch vollständigen Fabrikteams ist von 13 auf 10 zurückgegangen und unter diesen konnten nur noch deren fünf die geforderte Höchstgeschwindigkeit erreichen oder überbieten. Es sind dies: die Brennabor, O. M., Minerva und die beiden Adler-Mannschaften. Neben der Leistung der 0. M.-Equipe verdient die prachtvolle Haltung der Minerva-Mannschaft besondere Würdigung. Insgesamt sind heute neun Fahrer ausgeschieden. Glücklicherweise befindet sich kein Schweizer darunter« Es sind also noch im Rennen die zwei Martiniwagen von Gacon und Casper, die vollständige Hupmobile-Equipe und vier Einzelfahrer. Unsere beiden Hupmobile- und Martini-Equipen, auf die — es sei hervorgeho^ ben — der Satz von den «frisierten» Tourenwagen nicht zutrifft, handelt es sich hier doch um Serienfabrikate im striktesten Sinne des Wortes, haben sich prachtvoll gehalten* In der Hupmobile-Equipe, die, um es noch nachzuholen, nicht, wie irrtümlicherweise allgemein berichtet wurde, aus Genf gemeldet worden ist, sondern zu der die Autag in Zürich, die Berner- und Genfer-Vertretung je starrte in den dunklen Garten, als Mike siclj neben sie stellte. Sie fuhr bei dem Klang sei^ ner Stimme ein wenig zusammen, wandte den Kopf aber niefit. «Eine wundervolle Nacht», begann Mike in bester Stimmung. Schweigen. «In solcher Nacht wie dieser», fuhr der betörte junge Mann fortj «in solcher Nacht wie dieser — in solcher Nacht — zum Kuckuck, ich hab's vergessen. Aber das meine ich ungefähr.» Schweigen. «Ich habe Sie den ganzen Tag gesucht», sagte Mike im Tone sanften Vorwurfs. «Und jetzt, wo ich Sie endlich gefunden habe, sind Sie so schweigsam wie ein Säulenheiliger. Können Sie nicht einmal ein Wort an mich verschwenden?» ^Fortsetzung folgt).