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E_1928_Zeitung_Nr.063

E_1928_Zeitung_Nr.063

Ausgabe: Deutsche Schweiz* BFFN. Freitag, 27. Juli 1928. Nummer 20 Cts; 24. Jahrgang. — N° 63 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Halbjährlich Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozmchlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnuna 111/414 Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Ben? Telephon Bollwerk 39.84 T«5legr»mm-Adresse: AutoreTue, Bern : INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensenluss 4 Tage vor Erscheinen der betrettenden Nummer Zum Ausbau unseres Strassenwesens Wie einst die Flüsse als beste Verkehrsstrassen den Anlass zu Siedlungen und zu Städtegründungen gaben, so werden zweifellos inskünftig die Strassen wiederum die Entwicklung der von ihnen berührten Städte und Länder mächtig fördern und verkehrsarme Gegenden erschliessen. Gute Verkehrswege bedingen blühenden Handel und aufwärtsstrebende Volkswirtschaft. Das Einkommen mehrt sich, der Reichtum wird grösser und dies ist ganz besonders für ein rohstoffarmes, vom Meere abgeschlossenes Land wichtig, das als Entgelt eigentlich nur seine Naturschönheiten aufzuweisen hat. Staatliche Massnahmen haben sich nach diesem Gesichtspunkte zu richten. Im ureigensten Interesse des Staates liegt. es, wenn die privaten Einzelwirtschaften prosperieren, die ihm die Mittel für seine eigene Wirtschaft aufbringen. • Es ist deshalb auch nicht von ungefähr, dass im Auslande die grössten Anstrengun- .gen im Ausbau des Strassenverkehrsnetzes festzustellen sind. Seit Napoleons Zeiten ist Frankreich als dasjenige Land bekannt, das über das grosszügigst angelegte Strassensystem verfügt. Noch heute sind die meisten französischen •Strassen in einer Weise traciert und unterhalten, dass für die französischen Strassenfachleute eigentlich schwerwiegende Probleme nicht auftreten. Die Verwaltung des Strassenwesens selbst kann als musterhaft bezeichnet werden. Auch heute bemüht sich der französische Staat lebhaft um die Verbesserung seines Strassenwesens, ganz be- , sonders durch die Modernisierung der Kurvenprofile. Die Strassen im französischen Alpengebiet zählen zu den schönsten. An der Riviera, dem französischen Fremdenzentrum, sind Strassenverbesserungen teilweise bereits durchgeführt oder stehen noch bevor. Italien steht nicht nach. Die italienische Regierung hat im Ausbau seines Strassennetzes enormes geleistet. Die Ziele Mussolinis lassen sich dabei klar herausschälen- Die grossangelegten Autostrassen von Mailand aus nach Bergamo^Como-Varese-Sesto Calende oder das Pedemontana-Projekt (Turin-Mailand-Brescia-Verona- Mestre - Trieste) dienen sowohl dem Fremdenverkehr, als der Erfüllung strategischer Ziele. Die Verbesserung der alten Römerstrassen (Ueberlandstrassen), als auch die Erstellung neuer Strassen haben di-e Hebung der italienischen Produktion zum Zweck. Auch Ungarn richtet trotz seiner allgemei- Für ein armes Land sind schlecht© Strassen ein untragbarer Luxus. nen wirtschaftlichen Stagnation sein Augenmerk auf eine Reform des Strassennetzes und beabsichtigt mit seinem Investitionsprogramm dem Strassenbau fünf Millionen Goldkronen zu opfern. Auch die Schweden haben in den letzten Jahren ganz ausserordentliche Anstrengungen gemacht, um ihr, Strassenwesen dem Automobilverkehr anzupassen. Besonders sei erwähnt, dass sie in grosszügiger Weise einen erheblichen Prozentsatz der Automobilsteuern dazu verwendet haben, um die wissenschaftlich-technische Durchforschung des modernen Strassenbauwesens zu fördern. Oesterreich, dessen Strassen unter dem Kriegsverkehr besonders stark gelitten haben, macht neuerdings Anstrengungen, um seine Strassen nach verschieden schweren Bauweisen instand zu stellen. Deutschland konzentriert seine Hauptkräfte auf den Ausbau des Hauptstrassennetzes; die Studiengesellschaft für Automobilstrassenbau hat bereits im engen Einverständnis mit den Behörden ein diesbezügliches Programm festgelegt und will damit der Planlosigkeit im Strassenbauwesen zuvorkommen. Bayern hat im Ausbau seiner Staatsstrassen bereits Erstaunliches geleistet. Ganz besonders besitzt Oberbayern, ein Zentrum des Fremdenverkehrs, ganz ausgezeichnete Strassen. Ein" Staat mit zum Teil ähnlichen Bedingungen wie die Schweiz hat die Wahrheit erkannt, dass der Ausbau seines Strassennetzes im Interesse seiner Wirtschaft liege, und dass es nach Aussage seines Innenministers für ein armes Land wie Bayern nicht eine Einsparung, sondern ein untragbarer Luxus ist, schlechte Strassen zu besitzen. Was für Bayern seine Richtigkeit hat, gilt in ganz besonderem Masse aber auch für die Schweiz. Wir wollen auch hier feststellen, dass in unserem Lande ebenfalls Grosses geleistet wurde, dass aber dabei noch viel zu tun übrig bleibt. Einzelne Kantone sind im planmässigen Ausbau des Durchgangsstrassennetzes, sowie auch im Ausbau von eigentlichen Ueberlandstrassen, welche die Ortschaften vermeiden, fortschrittlich vorangegangen- So anerkennenswert diese grossen Anstrengungen sind, so haben wir uns aber gerade in unserer kleinen Schweiz davor zu hüten, dass jeder Kanton auf eigene Faust, und Kraft seiner kantonalen Souveränität, ein ihm speziell passendes Strassennetz anlege. Aehnlich wie vor Jahren der bekannte Ruf ertönte, die Schweizerbahnen dem Schweizervolk, so beginnt heute langsam die Forderung durchzudringen, die Schweizerstrassen dem Schweizervolk! -\ Der Ausbau unseres Verkehrs- und Einzelwirtschaft geworden. Je blühender und Ueberlandstrassennetzes bedarf einer schweizerischen Regelung. Da jedoch die Eidge- desto reicher der Goldstrom, der in den finanzkräftiger diese Einzelwirtschaften, nossenschaft im Bau von Strassen nicht zuständig, wäre es eine Angelegenheit der Konrade der Kanton Bern auf diesen Steuerstrom Staatsfiskus fliesst. Und wie bitter nötig geferenz der kantonalen Baudirektoren, sich auf angewiesen ist, um seinen Eisenbahnpflichten ein weitblickendes, verkehrspolitisch und nachkommen zu können, brauchen wir hier technisch auf weite Jahre genügendes Programm festzulegen. Verkehrspolitisch in dem Im Interesse unseres gesamten Landes ist nicht mehr näher auseinanderzusetzen. Sinne, dass die Tracierung nicht nur vom es zu wünschen, dass unser Schweizervolk kantonalen Standpunkte aus den grossen Zielen entspräche, technisch dadurch, Strasse erkenne u. demzufolge dessen Behör- rechtzeitig die wiedererlangte Bedeutung der dass die betreffenden Strassen überall eine den alles daran setzen, dass dem Gesetz der ausreichend breite Fahrbahn, Fahrradstreifen wachsenden Räume folgend, sich die Schweiz und Fussgängerwege aufweisen würden. rechtzeitig ein gut angelegtes, technisch einwandfreies Ueberlandstrassennetz schaffe. K. Sicher ist das eine, dass dasjenige Alpenland, das im Ausbau seines Strassenwesens keine Opfer scheut, sich für die Zukunft ungeheure Werte zu sichern vermag, denn der Guest of Switzerland. eigentliche Autotourismus steht erst am Anfang seiner eigentlichen Entwicklung und das die kanadische Grenze überfährt ein In Canada wird jedem fremden Automobil, sucht erst jetzt seine Auswirkung. Allzu Zettel mit den Worten «Guest of Canada» grosse Rücksichten auf unsere Bahnen könnten von schwerwiegenderer Natur sein,als man Canada» das heisst Gast von Canada. auf die Windschutzscheibe geklebt. «Guest of dies gemeinhin anzunehmen beliebt. So wäre Dieser Zettel ist der beste Passepartout,, es wirklich sonderbar, wenn z. B. der bernische Baudirektor bei der Frage des Aus- Jeder Kanadier ist dem fremden, Automo- den man sich denken kann. baues der Pierre Pertuis-Strasse sich auf bilisten gefällig und entgegenkommend.. Er den Standpunkt gestellt hätte, dass diese weiss, dass er Geld in's Land bringt, weiss dringende Strassenkorrektur den Kanton aber auch, dass es Ehrensache jedes guten Bern nicht so sehr interessieren könne, da Canadiers ist, Gäste mit Ehrerbietung und eine solche nur dem Automobil-Warentransporte zugute käme und die Interessen der unantastbar, es war schon den Wilden, den' Freundlichkeit aufzunehmen. Gastrecht. ist Eisenbahn schädigen müsste. Wir haben Rothäuten, heilig. Gastlichkeit ,-r- unM zwar schön früher betönt, dass gerade der Kanton frohbereite Gastlichkeit — gehört zum nar Bern grösstes Interesse am Ausbau seines tionalen Stolz der Canadier. Strassennetzes besitze und die Automobilisten Warum machen wir das nicht auch in der des Kantons haben auch einen beträchtlichen Schweiz? Zuschlag auf ihre normalen Automobilsteuern ohne weiteres auf sich genommen, um Fremdenverkehr angewiesen. Die Gäste un- Unser Land ist wie kein zweites auf den der Baudirektion die Neurevision ihres gezählter Nationen besuchen uns. Seit Jahren ist der Wagen mit dem fremden Num- Strassenprogrammes zu ermöglichen. Es mutet deshalb, um es just in diesem Zusammenhang ebenfalls zu betonen, recht unsern Strassen. Die Gewerbekreise leben mernschild eine Selbstverständlichkeit auf merkwürdig an, dass gerade auf der Hauptverkehrsader Süd-Nord der Zustand der Der tiefere Sinn ist darin zu suchen, dass heute zum Grossteil vom Auto. Strasse zwischen Murten und Bern, abgesehen von einigen Stücken, sich in bedenkrung der durch die Fremden in's Land ge- das «Guest of...» nicht nur auf Respektielichstem Zustande befindet, und dass beispielsweise auch die Brienzerseestrasse in eben nicht nur eine Angelegenheit der Hobrachten Franken appelliert. Gastlichkeit ist ihrem gegenwärtigen Gewände den jetzigen teliers. Auch ohne vor Graf Keyserling einen grossen Verkehrsinteressen keineswegs dient. Kotau zu machen, müssen wir zugeben, dass Trotz der erwähnten Beispiele können wir immerhin noch nicht glauben, dass einzig im Schweizer ist. Und Höflichkeit und Gastlich-' Höflichkeit nicht die grösste Stärke der Interesse der Bahn gewisse Durchgangsstrecken wissentlich vernachlässigt würden. In der Art wie man sich den Fremden keit sind Begriffe, die zusammenhängen. Es wäre dies tatsächlich eine Kurzsichtigkeit, gegenüber zeigt, soll etwas von Ehrgefühl die sich gewiss einmal bitter rächen müsste. und nationalem Bewusstsein sein. Nicht nur der Kanton Bern, sondern auch Es braucht so wenig : ein freundliches Genicht, wenn man nach dem Weg gefragt andere Alpenkantone sind wirtschaftlich am Automobilverkehr stark interessiert. Das wird, die höflich salutierende Hand des Polizisten, bereitwilliges Automobil ist zum ersten Helfershelfer der Sichzurverfügungstel- F .E U I L Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. 0. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller, Verlag. München. (21. Fortsetzung) Dieser war ein langes, mageres Individuum mittleren Alters, mit einem langen, mageren, sanftäugigen Schafsgesicht, hängendem Schnurrbart und dem Aussehen allgemeiner Untüchtigkeit. Er war noch damit beschäftigt, nach Luft zu schnappen, und als Mr. Moons eisiger Blick auf ihn fiel, kletterte er von seinem Sitz herunter und kam leise keuchend näher. «Es tut mir so leid», stiess er hervor. «Bitte, bitte», sagte Mr. Moon grimmig. 1 «Ganz merkwürdige Sache», keuchte das Schafsgesicht. «Ich muss auf den Accelerator 1 statt auf die Bremse gedrückt haben. Wirklich merkwürdig.» «Ach, in der Tat», sagte Mr. Moon, seinen Teil an der Unterhaltung auf das äusserste beschränkend, um nicht etwas zu sagen, was er bei ruhigem Denken zu bereuen hätte. Der schafartige Mann atmete eine Weile tief und der schmerzliche Ausdruck seines Gesichtes, hervorgerufen durch den Zusammenstoss seines Magens mit dem Volant, schwand. «Jetzt ist es besser», sagte er. «Wissen Sie, ich kenne mich mit Autos nicht recht aus — das heisst, eigentlich kenne ich mich gar nicht aus. Aber meine Frau sagt, ich muss mich üben — hoffentlich habe ich Ihren Wagen nicht sehr beschädigt. Ich bin heute abend ausgefahren um Umschalten zu üben, denn — ach sehen Sie nur Ihr Vorderrad!» «Schauen Sie Ihre Laternen an!» «Aber mit so einem Rad,» sagte der untüchtige Herr, «kann der Wagen doch nicht fahren, wie?» «Gewiss nicht.» «Also was — ja die Laternen werden auch erneuert werden müssen. Ich fürchte, meine Frau wird recht —» «Ist hier in der Nähe eine Autowerkstätte?» unterbrach ihn Mr. Moon, der von diesem, wenn auch liebenswürdigen, so doch nutzlosen Geplauder genug hatte. «Eine Autowerkstätte? Ja, das heisst, ich glaube wohl, dass in Sharrowby eine sein wird. Ich habe sie nie gesehen, denn Simpson macht bei uns alle diese Sachen — aber dieses Rad werden Sie wohl heute abend nicht mehr richten, wie?» «Ich halte das für höchst unwahrscheinlich.» «Dann müssen Sie mit mir kommen. Ich wohne hier ganz in der Nähe. Zum Essen, wissen Sie, und Sie werden wohl auch bei uns übernachten müssen; es war doch alles nur meine Schuld. Ich hätte tuten sollen, aber auch wenn ich-getutet hä$te, hätten Sie nirgends ausweichen können, nicht wahr? Also ich bestehe darauf, Sie müssen mit mir nach Hause kommen.». «Vielen Dank, aber — es geht wohl kein Zug von diesem verfl — von diesem Ort heute abend noch ab?» «Ein Zug?» wiederholte der Schafsgesichtige in einem Ton, als sei das überhaupt zu viel verlangt. «0 nein, Zug gibt es sicher keinen mehr. Nein, nein, Sie müssen zu mir kommen, ich bestehe darauf. Mein Name ist Bytheway, Herbert Bytheway.» Mr. Moon überlegte kurz. Schliesslich, warum nicht? Essen müsste er irgendwo, also warum nicht bei diesem sonderbaren Menschen, dem Urheber des ganzen Missgeschicks? «Danke sehr», sagte er. «Sehr freundlich von Ihnen. «Mein Name ist Moon.» jg,So ist's recht», sagte Mr. Bytheway. «Mein Haus ist gleich um die Ecke. Ich werde Simpson sagen, er soll sich um Ihren Wagen kümmern — da man nicht mit ihm fahren kann, ist er ja hier einstweilen in Sicherheit.» Er ging zu seinem Wagen und zögerte, einen Fuss schon am Trittbrett. «Ach — möchten Sie nicht vielleicht fahren? Ich bin etwas verwirrt —» Mr. Moon nickte und schwang sich auf den Führersitz. Der grosse Wagen umfuhr in ei-, nem Bogen den Schauplatz der Katastrophe und rollte den Seitenweg hinunter, während der Wegweiser und das Coupe ihre Ansichten über die Torheit der Menschen austauschen konnten. Neuntes Kapitel. Der Abend war still und friedlich. Aus Jen Schornsteinen von Sharrowby stiegen dünne Rauchsäulen zum Himmel empor. In den Bäumen des Parkes von Lindleyhaus rüsteten die Vöglein zum Schlafen. Mit einem Wort, es war ein schöner Abend, der auf einen schönen Tag folgte. Mr. Georg Cherry, wie er so auf der breiten Terrasse auf und ab ging, sah aus wie einer, der mit der ganzen Welt im Frieden lebt. Sein Auge leuchtete vor guter Lau_i2, sein Schritt war elastisch, er warf öfters einen anerkennenden Blick auf die lächelnd« Landschaft. Mr. Cherry war mit sich zufrieden. Von seinem Standpunkt aus besehen ging