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E_1928_Zeitung_Nr.070

E_1928_Zeitung_Nr.070

Ansgab©: Deutsche Schweiz» BERN, Dienstag, 21. August 1928. Ntimmer 20 Cts, 2*. Jahrgang. — N° 70 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelb* Ltetti* Halbjährlich Fr. 5—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breltenralnstrasse 97, Bern Bofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autoreyue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespattene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Ct«. für die Schweiz; für Anzeigen ans dem Ausland 60 Cts. GrOssere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehmis 4 Tan« m Erseheinen der betreffenden Nummer Wann Lo •!• J « In einer Zeit, da man glaubte, dass die Eisenbahn das ausschlaggebende Verkehrsmittel bedeute und da man mit Recht von einer Entvölkerung der Landstrasse sprechen konnte, war es begreiflich, dass unsere grossen Alpenstrassenprojekte ebenfalls links liegen gelassen wurden. Nicht zum Vorteile unserer armen Bergbevölkerung, nicht zum Vorteile unseres gesamten Verkehrswesens. Politische, militärische und wirtschaftliche Bedürfnisse hätten längst zum Ausbau weiterer Alpenstrassen führen sollen. Besonders in einer Zeit, da man mit Fug und Recht vom Sieg des menschlichen Geistes und der Technik sprechen kann. Allein, Technik und Geist genügen eben nicht zur Vollbringung einer grossen Tat. Es gehören dazu Weitsicht, Begeisterungsfähigkeit und fester, zäher Wille. Wir wollen nicht untersuchen, aus wessen Gründen es so gekommen ist, aber sicherlich darf behauptet werden, dass es uns leidep heute am Mut und an der Begeisterungsfähigkeit zur grossen Tat, dass es uns an leitenden Ideen fehlt, die allein grosse Taten zu realisieren vermögen. Grosse und prächtige Probleme liegen zur Verwirklichung bereit Wir haben eingehend über das Projekt einer Sanetschstrasse geschrieben, haben in einer der letzten Nummern über die neue Initiative zur Ausführung der Sustensträsse gesprochen und werfen heute erneut die Frage auf, wann kommt die Prageistrasse? Auch da liegt ein fertiges Projekt vor. Auch da ist gute Vorarbeit geleistet worden. Allein, zuständigen Ortes scheint man sich um dieses Pragelprojekt nicht mehr zu kümmern. Die Kantonsregierungen von Schwyz und! Glarus haben leider die Initiative aus der Hand gegeben, währenddem sie ganz besonders in den entscheidenden Jahren 1901 bis 1911 einmütig und entschlossen für den Bau einer solchen Strasse eingetreten sind und keine Schritte unterlassen haben, um mit eindringlichen Gesuchen bei der Bundesbehörde den Bau dieser Strasse zu erwirken. Noch im April 1908 reichten sie eine gemeinsame Eingabe an den Bundesrat ein. Leider erfolgte am 27. April 1909 der entscheidende negative Beschluss der obersten Landesbehörde. Die eingeleiteten Schritte der beiden Regierungen gegen diesen Beschluss waren jedoch nicfyt von Erfolg gekrönt; eine Erlahmung trat ein und die grosse soziale Tat konnte nicht gefeiert werden. Soll' nufi äer Bau auch dieser Alpenstrasse noch! für.Jahre hinaus unterbunden werden? Und will man immer noch nicht einsehen, welche wirtschaftlichen Bedürfnisse und Notwendigkeiten damit geschädigt werden? Wir Pra^elsfvasse f stehen heute nicht mehr im Jahre 1911. Kriegs- und Nachkriegs jähre liegen hinter uns. Wir wissen, mit welchen Folgen. Nur durch zähesten Kampf ist es uns gelungen, die grössten Kriegsschäden zu decken und die schweren Schläge wirtschaftlicher Natur zu überwinden. Unser wirtschaftliches Leben scheint die ärgste Krise überwunden zu haben und einen neuen Aufstieg zu beginnen. Unser Land ist arm und nur mittels der allerbesten Werkzeuge wird es uns gelingen, uns dauernd über Wasser halten zu können. Eines dieser besten Werkzeuge ist die moderne Strasse geworden. Je ärmer ein Land, desto grössere Sorgfalt sollte es ganz besonders auf den Ausbau seiner Alpenstrassen legen. Die Prageistrasse ist das heute noch verkehrstechnisch fehlende Verbindungsstück für die Hauptdurchgangsroute von Ost nach West-Südwest, zwischen Buchs und Les Verrieres. Mit dem Pragelstück wäre die Route fertiggestellt, welche von Buchs aus über den Kerenzerberg nach Glarus und von da nach Schwyz, Luzern, Bern, Neuenburg nach Les Verrieres führte. Die Ausführung einer Prageistrasse würde eine volkswirtschaftliche Auswirkung von breitestem Masse auslösen. Wir brauchen auf diese* Frage des nähern nicht mehr einzutreten. Die bestehenden Alpenstrassen beweisen zur Genüge, welchen Aufschwung diejenigen Täler genommen haben, durch die solche mit dem Automobil befahrbaren Passstrassen führen. Sie sind zum Teil vor völliger Verödung gerettet worden. Die Abwanderung und die allmähliche Entvölkerung unsere? Bergtälef mahnt zum Aufsehen. Nur durch grasszügige Taten trad durch Ueberwindung der vorhandenen Schwierigkeiten kann das Los und die Wirtschaft dei schweizerischen Bergbauern erfreulicheir gestaltet werden. Dies© grosszfegige Tat liegt im Ausbau unserer Alpenstrassen. Unsere Geschichte beweist genügend, dass die Entwicklung unseres staatlichen Lebens und unserer Volkswirtschaft je und je in engstem Zusammenhange mit der Entwicklung unserer Verkehrswege gestanden hat. Eine Prageistrasse würde eine Verödung des Muottathales verhindern, brächte eine neue Belebung des Verkehrs und damit einen gewissen Ersatz für verlorengegangene Produktionskräfte. Vergessen wir nicht, dass der Reiseverkehr heute, da der Automobiltourismus ers 4 am Anfang seiner Entwicklung steht, eine wesentliche Verdienstquelle für Landwirtschaft, Handel ttnd Industrie, Banken und Gewerbe bildet. So wären auch die für eine Pragelstrasse verwendeten Gelder eine gute Anlage, die sich nicht nur für die. Schwyzer und Glarner, sondern auch für die Volks-. Wirtschaft der gesamten Zentral- und Ostschweiz mit hohem Nutzen für die Zukunft auswirken würde. Deshalb die Frage: Sind die Schwyzer und Glarner Behörden gewillt, dem Problem neuerdings näherzutreten? Der Unterstützung Nach den Monsterstrecken, welche die ersten vier Etappen darstellten, blickte man mit einem fast überlegenen Lächeln auf den Schlussspurt Villach-München. «La plus courte et la plus facile», taufte sie unser französischer Berichterstatter — wohl schon aus Sehnsucht nach Stunden des Schlafes und der Erholung nach der strapaziösen Fahrt? Nun, auch die Organisatoren schraubten ihre Bedingungen niedriger. Anstatt um 4 Uhr morgens noch unter Sternenlicht zu starten, wie dies bei den ersten vier Etappen geschah, sandten die Kommissäre das Lot der Konkurrenten erst um 5 Uhr auf die Strecke. 62 Fahrer warfen sich auf die letzte Etappe. Wieder waren die Italiener in Führung. Während der ganzen Alpenfahrt hielten der Alfa Romeo-Fahrer Baraciola Lmd die O. M.-Equipe auf forciertes Jempo. Die Wahl der Fahrer, welche durch die Bank gesiebte Rennfahrer sind!, stand schon unter diesem Standpunkte. Ihnen wird man es auch zuschreiben müssen, dass die Regelmässigkeitsfahrt den Charakter eines eigentlichen Rennens trug. Italia in Front ~ nationale Ehrensache. Der Kaischberg. Wer von denen, die in der Eile des Aufbruches noch einen raschen Blick auf die Karte warfen, hätte geahnt, dass es am letzten Tag noch Steigungen zu überwinden galt, die den ganz grossen Alpenpässen ebenbürtig, wenn nicht über waren. 1641 Meter wird auf der Höhe des Katschberges gemessen. Aber welch eine Strasse! Sie könnte unserem gefürchteten Weissenstein den Rang ablaufen! 30 Prozent Steigungen und mehr keine Seltenheit. Kurven, schmale Piste. Was man da nicht alles für Manöver mitansehen musste ! Die Fahrer bewiesen allerdings, routiniert durch die vier Voretappen, eine fabelhafte Geschicklichkeit. Wieder war die Talfahrt, wie dies nicht vereinzelt zutraf, noch schroffer, kurvenreicher — aber auch herrlicher im Entrollen landschaftlieher BHder wildromantische-^ Reizes. Das Wagenmaterial, namentlich» die Bremsen, wurden auf ihre letzte Resistenz geprüft. Bedauerlicherweise forderte auch dieser Uebergang ihrer Bevölkerung wären sie gewiss und wo ein Wille, da ist auch ein Weg. Deshalb auf zur frischen Tat. Die Prageistrasse wäre von einer derartigen kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung, dass sie trotz aller Widerstände kommen muss. K. Internationale &Mf»^M*fm*iMB't Die letzte Etappe. Das Endklassement. Schlussbetrachtung. einen schweren Unfall. Die deutsche Fah J rerin, Frau Prof. Gocht (Berlin) auf Nag, Hess sich von dem plötzlichen Gefälle der Strasse überraschen und verlor die Gewalt über den Wagen. Der Wagen überschlug sich in einer Kurve und begrub die Fahrerin unter sich. Frau Gocht erlitt schwere innere Verletzungen, während sich ihr Beifahrer, ein Berliner Arzt, eine wenn auch nicht gefährliche Wunde am Hinterkopf zuzog. Unmittelbar darauf stürzte beim Ausweichen eines Konkurrenten ein in entgegengesetzter Richtung fahrender Personenwagen über das Strassenbord. Die drei Insassen wurden verletzt Der Tauern. Nach den jähen Rampen des Katschberges für Wagen und Fahrer Erholung. Nicht minder für das Auge, dem der 200 Meter hohe Höhenrücken ein pittoreskes Panorama enU rollte. Nach der Salzacherschlucht vergrösserten sich die Abstände zwischen den Wagen. Mit Vollgas sauste man auf die Grenze zu — vorbei an dem Simson-Supra von Frau Tilly Kotte, der nichts mehr anderes übrigblieb, als — ans nächsten Bahnhof eine Fahrkarte zu ISsen! Der Horizont öffnete sich, weites Land tat sich auf: Salzburg. Hier fand die letzte Grenzüberschreitung statt. Mit Ueberraschungen t Das erste, was die Konkurrenten im deutschen Reich zu tun hatten, war, in den Geldbeutel zu langen, Weggebühren! Unsere lieben Urkantone mit ihren mittelalterlichen Zöllen haben also gute Gesellschaft im deutschen Reich ! Die Strasse war dafür auch —* oh Ironie ! — eine der schlechtesten, über die die Alpenfahrer in den letzten fünf Tagen gerollt sind. Das sagt allerlei. 25 Kilometer vor München, Ziel der letzten Tagesetappe und Endpunkt der Internationalen Alpenfahrt 1928, wurde Kimpel aus dem Rennen geworfen. Pech allerschlimmster Sorte, verliert die Simson-Supra-Equipe dadurch doch in der letzten halben Stunde ihre besten Aussichten auf Erfolg. München. Es hatte sich schon den ganzen Tag über den Köpfen der Fahrenden zusammenge- I L L Sir Michaels Abenteuer. Romaii ran K. 0. R. Browne Copyright 1928 by Georg Maller. Verlag. Manchen. (27. Fortsetzung) Anne richtete sich plötzlich auf. Die Dunkelheit verbarg ihm noch ihre Züge, aber ihre Stimme schien ihm sehr merkwürdig zu klingen. «Mr. James,» sagte sie, «warum sind Sie hergekommen?» »Wie?» fragte Mike und schaute sie forschend an. Der helle Mond beleuchtete sie nun und sie sah anbetungswürdig aus. Und wieder fühlte Mike das plötzliche Verlangen, ihr alles zu gestehen. Seine Unterredung mit Mr. Cherry fiel ihm ein, und leise in sich hineinlachend sagte er: «Ich bin hier, um mir zu nehmen, was ich kriegen kann.» «Oh!» sagte Anne und schwieg einen Augenblick. Dann: «Sie sind also kein wirklicher Sekretär?» Mike grinste erheitert. Zweifellos war dies die beste Gelegenheit, alles zu erklären. Das Mädchen selbst führte ja das Gespräch darauf hin , «O nein. Nichts weniger als das. Sehen Sie —» «Also täuschen Sie diese Leute vorsätzlich?» Der, Pseudosekretär fuhr ztrrßck, dieser Gesichtspunkt war ihm bisher nicht eingefallen. «Nun ja — einigermassen — aber die Sache verhält sich nämlich so —» «Vermutlich,» sagte Miss Kent grimmig, «heissen Sie nicht einmal James!» «Doch, wenigstens zum Teil. Schauen Sie, ich will Ihnen erklä —» Das Mädchen trat zurück. Aus einem Fenster fiel helles Licht auf ihre Züge und der kalte Zorn, der darin zu lesen war, erschreckte Mike. «Sie sollten vorsichtig sein, Mr.— James!» sagte sie sehr deutlich. «Ich an Ihrer Stelle würde mich sofort zurückziehen und. gehen, ehe sonst noch jemand entdeckt, dass Sie hier sind, um zu nehmen, was — Sie kriegen können!» Und damit wandte sie sich um und ging rasch ins Haus. Mike blieb mit offenem Mund, mit einem. Ausdruck völliger Verblüffung stehen, wo sie ihn verlassen hatte. Nach einer Weile erholte er sich und blickte fragend zum Mond© auf. «Also, was zum Teufel,» wandte er sich an den blassen Gesellen, «soll das bedeuten?» Elftes Kapitel Auf der Terrasse sass in einem Gartenstuhl Mr. Joseph Pargiter Moon, Mitglied der königlichen Akademie, und betrachtete die Natur. Es war dreiviertel Elf am Morgen nach seiner Ankunft in Lindleyhaus und binnen kurzem sollte er seine Reise nach Kings Fortune antreten. Mr. Bytheway gab eben dem ungeduldigen Simpson genaue Instruktionen; Mrs. Bytheway war mit ihrem täglichen Kamijf mit der Köchin begriffen; Mr. Cherry hatte sich in die Bibliothek zurückgezogen, um, wie er sagte, Briefe zu schreiben; Harald hatte sich abseits begeben, um sich in ein fieberhaftes Studium seiner hoffnungslos verwirrten Finanzen zu vertiefen; Mike war auf der Suche nach seinem Hut und Violet May Gwendolin Bytheway kam eben in Begleitung ihrer Gouvernante aus dem Rosengarten. Beim Anblick der letztern setzte sich Mr. Moon auf. Bisher hatte er Miss Kent nur im Fluge erblickt und er war neugierig, zu erfahren, welcher Art dieses Mädchen war, das seinen Neffen derart gefangen nahm. Während er noch nach einem passenden Anfang zu einem fiesnräeh Äucht« Arsnnrte ihm lett May weiter© Mühen, indem sie auf ihn zuwackelte, sein rechtes Hosenbein mit stählernem Griff umfasste und mit durchdringendem Blick za flrai aufschaute. Violet May und Mr. Moon waren einander nicht rorgestellt, aber sie machte sich nichts aus Etikette-* fragen. «Sie haben eine Menge Haare am Gesicht», bemerkte sie liebenswürdig. Mr. Moon betrachtete sie wohlwollend. *Und Sie halben gute Augen, kleines Fräulein», erwiderter er. «Ja, ich habe eine Menge Haare am Gesicht, das hält mir die Nase warm.» »Betteln und Hausieren hier verboten», sagte Violet May ernst. «Für alle Kinder, ausser Tragkinder», erwiderte Mr. Moon prompt, c«muss gezahlt werden.» Ein glückliches Lächeln verklärte Violet Mays Gesicht, das war endlich einmal je-* mand, der von den wichtigsten Sachen etwas verstand! Ein entzückt krähender Laut entfuhr ihr und sie packte Mr. Moon mit einer Heftigkeit am Knie, die ihm einen Schmerzensschrci entriss. (Fortsetzung flieh« Im Autler-Feierabead)