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E_1928_Zeitung_Nr.070

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aut. Die ersten kamen

aut. Die ersten kamen noch trodken ein; das Gros der Konkurrenten indessen bei strömendem Regen. Nasses Ende. Ein Glück, dass die Serpentinen des Katschberges noch bei trockener Strasse bewältigt werden konnten. Das Ziel lag in Rammersdorf, einem Vorort Münchens. Bayrische Farben, bayrisch herzlicher Empfang. Als Wagenpark diente die Theresienwiese. Schon der Name allein weckte selige Erinnerungen an überschäumende Masskrüge und Weisswiürstl... Münchens grosse Hotels beheimateten Organisatoren und Konkurrenten und die Presse. Alles atmete Wohlhabenheit, Geborgensein und Ruhe. Viel viel Ruhe nach dem rastlosen Gehetztsein von fünf langen Tagen, nach einem Alpen-Rennen über 1760 Kilometer. Die Schlussklassierung. Die Sportkommission der Internationalen Alpenfahrt 1928, die Herren Decrauzat für den Automobilclub der Schweiz, Fritsch für den Automobilclub von Deutschland, Mauthner für den Automobilclub von Oesterreich und Monio für den kgl. italienischen Automobilclub haben in Uebereinstimmung mit dem internationalen Reglement sowohl den Bericht des Rennleiters, Castagnetto, als auch die mündlichen Berichte der Zeitnehmer, der technischen und der Abwiegekommissare anerkannt. Sie haben gemäss Art. 23 der Ausschreibung die nachstehende Klassifizierung vorgenommen und haben nach der Feststellung, dass kein Protest eingereicht worden ist, folgende Preisverteilung beschlossen. Internationaler Alpenpokal für Markenteams. Gruppe I. Startnummer Fabrikmarke Fahrer 22 Adler Standard Loehr 23 Adler Standard Dewald 24 Adler Standard Goenen 31 Brennabor Niedlich £52 Brennabor Backasch 33 Brennabor Lehnert 34 0. M. Morandi 35 0. M. Goffani 36 0. M. Masperi 37 Minerva Roger 38 Minerva van Parys 39 Minerva Goujon (Die drei Fahrzeuge der vorstehenden Teams liaben in allen fünf Etappen entsprechend Art. 23 der Ausschreibung die Maximaldurchschnittsgeßchwindigkeiten erreicht.) Gruppe II Startnummer Fabrikmarke Fahrer Quote 28 Chevrolet Poensgen 29 Chevrolet Islinger 0,994 30 Chevrolet Merath Grupe III 16 Hupmobil NIgg 17 Hupmobil Ressler 0,990 18 Hupmobil Stuber 'Jedem der nachstehend aulgeführten Fabrikteams ist der internationale Alpenpokal zuerkannt worden: Adler Standard Brennabor, 0. M. Minerva. Die goldene Plakette ist zuerkannt worden: dem Ghevroletteam. Die silberne Plakette ist zuerkannt worden dem Hupmobileteam. Die Einzelfahrer. Startnummer Fahrer Fabrikmarke 42 Wittich Mercedes 44 v. Zsolnay Graf & Stift 47 Dr. Crailsheimer Mercedes 52 v. Guilleaumo Steyr 54 Sporkhorst Hansa 55 Hinterleitner Hupmobile 60 Deilmann Austro Daimler 62 Koch Standard Six 67 Ryffel (Schweiz) Peugeot 70 Vaccarossi Lancia 79 Kott« Simson Supra 85 Dr. Schmidt Talbot 91 Schlaffini Alfa Romeo 92 Baragiola Alfa Romeo 93 Grespi Fiat 94 Gornaggia Fiat 95 Mariani Fiat 97 Stohanzel «Z» 99 Karger cZ» Alle vorstehenden Fahrer haben in sämtlichen fünf Etappen die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit gemäss Artikel 23 der Ausschreibung erreicht Ausserdem ist in der durch Ausschreibung vorgeschriebenen Maximalzeit angekommen: Startnummer 45, Frau Bruce, A. C. Zufolge der vorstehenden Klassifizierung sind folgende Preise zuerkannt worden: Die goldene Plakette der Alpenfahrt erhalten folgende als Zweite gewertete Konkurrenten: Startnummer 64 :< Dr. Wiethaus, Austro Daimler. 72: Hirte, Mercedes Benz. 75: Guido Sabatini (Lugano), Itala. 86: Eduard Qreyn, Brennabor Z. Die silberne Plakette der Alpenfahrt erhalten folgende als Dritte gewertete Konkurrenten, unter Vorbehalt der Kontrollstelle in Canazei: Startnummer 57: v. Bitzy, Austro Daimler. 84: v. Egan-Krieger, Brennabor. Die goldene Erinnerungsmedaille wird zuerkannt der Fahrerin: Startnummer 4: Frau Bruce, A. C, die die Fahrt mit einer höheren als der mittleren Durchschnittsgeschwindigkeit, die die Ausschreibung festsetzt, beendet hat. Es erhalten das internationale Fahrerdiiplom 1. Klasse (weil sie während der Internationalen Alpenfahrt allein an Bord ihres Fahrzeuges gewesen sind), unter obigem Vorbehalt: Startnummer 57: v. Bitzy, Austro Daimler. 79: Kotte, Simson Supra. 93: Crespi, Sam. Als Erinnerung Wurde dem Adler Standard-Damenteam ein vom Automobilclub von Oesterreich gestifteter Preis zuerkannt, da zwei Damen — Frau Roehrs und Gräfin Einsiedel (Startn. 19 und 20) — die ganze Fahrt innerhalb der Minimalzeit zurückgelegt haben. Der Pokal der Stadt Lugano ist unter den als ersten gewerteten Teams der Gruppe I ausgelost worden. Er wurde dem Brennabor-Team zuerkannt. Den Pokal der Stadt Meran erhielt das italienische 0. M.-Team, das in der Gruppe I der Internationalen Alpenfahrt bereits placiert ist. • Dem Konkurrenten Mercanti, bekannt unter dem Pseudonym «Frate Ignoto», dessen Wagen auf der Fahrt zur zweiten Etappe ausschied, und der die Alpenfahrt ausser Konkurrenz mit einem anderen Wagen, den er selbst steuerte, fortsetzte und mit ihm die im Reglement festgesetzte Minimalzeit in allen Etappen erreichte, ist als Erinnerung eine Nachbildung des Alpenpokals (verkleinertes Format) zuerkannt worden. (Protokoll der Sportskommission.) Die Schlussfeier. Im Anschluss an die Verkündigung der Resultate fand iin den Räumen des Preysing- Palais, dem feudalen Heim des A. C. von Bayern, ein Bankett statt, dem Vertreter des deutschen Reiches und der Stadt München beiwohnten. Ueberflüssig zu sagen, dass die verdienten Organisatoren der Alpenfahrt zugegen waren, ebenso die zahlreichen Vertreter der Clubs. Senator Crespi, Präsident des A. C. von Italien, gab seiner Freude über den vorzüglichen Verlauf der gemeinsam durchgeführten Veranstaltung Ausdruck. Herr Präsident Dufour vom A.C. S. gedachte der, grossen Verdienste der Organisatoren. Er erhob sein Glas auf die Alpenfahrt 1929. Herr Baron von Haymerle, der Präsident des österreichischen Automobilclubs, feierte die Stadt München, das Ziel der Fahrt, als Stätte der Wissenschaft, der Kunst und des Sportes. Herr Fritsch, Präsident des A.D.A.C, trank auf das gute Einvernehmen zwischen den Landesclubs. Weitere zahlreiche Redner würdigten den Erfolg der Fahrt. ÄUTOMOBIL-REVUE 1928 — NO 70 Bilder von der Alpenfahrf. Nach dem Bankett fand — wie dies nach allen grossen automobilsportlichen Veranstal tungen Brauch geworden — ein illustrer Ball statt. * • * Ueberblicken wir die Ergebnisse der Internationalen Alpenfahrt 1928, so erkennen wir, dass die Veranstaltung ihrem Zwecke im höchsten Masse gerecht worden ist. Der Fachmann hat sie als Zerreissprobe ersten Ranges bezeichnet. In der Tat haben von den 13 gestarteten Mannschaften nur vier die Maximaldurchschnittsgeschwindigkeit erreicht. Von den 46 Einzelfahrern erreichten 26 München, worunter 19 in der höchsten Kriegsrat der Organisatoren in Belluno, Von links nach rechts die Herren Jules Decraluzat (A.CS.), Castagnetto (Italien), Konsul Fritsch (Deutschland), Mauthner (Oesterreich). Eia Konkurrent a,ul der wildromantischen Falzaregq-Passstrasse. J Durchschnittsgeschwindigkeit. Auf die Leistungen der Konkurrenten kann hier nicht :nehr im Einzelnen eingetreten werden. Die Klassierung spricht für sich selbst. Indessen — und dies sei hier hervorgehoben — ist nicht ausser Acht zu lassen, dass ein Resultat niemals als objektive Wertung eines Fahrers oder eines Wagens genommen werden darf, wenn man nicht die näheren Umstände der Fahrt, die sich bei jedem Einzelnen anders ergeben, mit berücksichtigt. Wir denken hierbei namentlich an unsere Martini-Mannschaft, die vom schwärzesten Pech verfolgt wurde. Für die Qualität unserer nationalen Marke zeugt die prächtige Leistung des allein im Rennen verbliebenen Martini-Wagens des Fahrers Casper, welcher die Fahrt in Bestzeit beendete. Als eine Härte des Reglements ist es anzusehen, dass diese Leistung für den Wettbewerb überhaupt nicht in Betracht gefallen ist. Sämtliche gesprengten Teams gingen bei der Klassierung leer aus, auch wenn die eingekommenen Konkurrenten Leistungen erzielten, welche denjenigen der klassierten Fahrer ebenbürtig oder überlegen waren. Pech war es wiederum, dass Stuber, durch seinen Unfall verspätet, Strafpunkte zudiktiert erhielt und so die mathematisch genaue Regelmässigkeitsfahrt unserer prächtigen Hupmobile - Equipe mit dem Fahrer-Trio Kessler, Nigg, Stuber handikapierte. Ryffel auf Peugeot finden wir als einzigen Schweizer unter den siegenden Einzelfahrern. Sabatinii (Lugano) auf Itala holte sich die goldene Plakette. Von der tragischen Ausscheidung Ballys auf Tal'bot haben wir berichtet. Alles in allem genommen, haben sich unsere Schweizer gut gehalten. Man darf sich bei einem Vergleiche von de.r Anzahl der Sieger, z. B. der deutschen Fahrer, nicht blenden lassen, gilt es doch, hier auf Qrund der prozentualen Beteiligung zu werten. Hiermit sei der deutsche Erfolg, nicht minder der italienische, und wenn wir die .(Photo Automobil-Jleyne.). Nationalität der Marken dazu nehmen, der belgische, keineswegs bestritten. Wir haben es in unseren Berichten über den Verlauf der Alpenfahrt an kritischen Bemerkungen, die zur Beurteilung der Resultate wesentlich beitragen werden, nicht fehlen lassen. Die Organisation, welche unter Oberleitung der Italiener stand und auf die vier beteiligten Länder entfiel, funktionierte mustergültig. Dem straffdisziplinierten Streckendienst ist es zu verdanken, dass keine Klagen über Verkehrsgefährdung laut geworden sind. Düe internationale Alpenfahrt* fand im Gegenteil, obwohl scharfe Tempi gefahren wurden, bei der Bewohnerschaft der durehfahrenen Gebiete grösstes Interesse. Hervorgehoben sei die treffliche Streckenbe* wachung und Markierung auf der schweizerischen Etappe. Wir möchten es in unserem Schlussbetrachtungen nicht unterlassen, die Organisatoren auf den dieses Jahr leider vernachlässigten Pressedienst aufmerksam zu machen. Neben dem sportlichen, technischen und kommerziellen Wert der Fahrt muss auch dem Umstände Bedeutung zugemessen werden, dass sich 4 Länder, die sich vor Jahren feindlich gegenüberstanden, durch den Auto* mobilsport in gemeinsamer, herzlicher Zusammenarbeit nahegekommen sind. Senator Crespi verlieh in seiner Rede diesem Gedanken in folgenden optimistischen) Worten Ausdruck: «•Jährlich nimmt der Mitgliederbestand der Automobilklubs in erstaunlichem Masse zu, jährlich werden sich immer mehr Konkurrenten aus allen Ländern zu der internationalen Alpenfahrt melden. Land misst sich gen gen Land, im friedlichen Wettkampfe sich! gegenseitig Achtung abringend. Wir arbeiten so auf ein einiges Europa hin». In München ist die Mutmassunig laut geu worden, dass die nächste Internationale Alpenfahrt von der Bayrischen Hauptstadt ge j startet und bis nach Rom führen wird. Schliessen wir hier mit der diesjährigen und sehen wir der grossen Internationalen Veranstaltung des nächsten Jahres entgegen. Vit. Englische Tourist-Trophy. Ueber den Verlauf der englischen Tourist-Trophy für Sportwagen (657 Kilometer) ist die erste Meldung eingetroffen. Zum Starte fanden sich 44 Wagen ein. 300,000 Zuschauer wohnten diesem sportlichen Ereignis bei. Lord Curzon und der Favorit Malcolm Campbell (Bugatti) mussten ausscheiden, ersterer wegen Exiplosion des Benzintanks, letzterer, da sein Wagen Feuer fing und vollständig verbrannte. Um die Spitze entbrannte ein erbitterter Kampf, aus dem schliesslich Caye Don auf Lea Francis als Sieger hervorging. Burdy und Balls gaben auf. Von 44 Gestarteten schieden 17 aus, worunter vier durch Unfall. Das Klassement lautet: 1. Caye Don (Lea Francis) in 5 :58 :13 (Stundenmittel 103 km). 2. Cushman (Alvis) 5 : 58 : 38,4. 3. Masson (Austro-Daimler). 4. Berkin (Bentley). 5. Eyston (Lea Francis). v, neusser schwer verunglückt. Der aus unzähligen Rennen bekannte schweizerische Rennfahrer Huldreich Heusser erlitt am Sonntag am deutschen Buckower-Dreieckrennen einen schweren Sturz. Die dabei zugezogenen Verletzungen bedingten die sofortige Amputierung eines Beines. Heussers Mitfahrer, ein Mechaniker, war auf der Stelle tot; er hatte sich einen Schädelbruch zugezogen. Hne Internationale Sternfahrt für Automobile und Motorräder. Aehnlich wie Ghambery, Chamonix und Grenobl« reranstaltet die Stadt Aix-les-Bains enf Sonntag, den 2. Septembebr nächsthin, eine internationala Sternfahrt für Automobile und Motorräder. Die bedeutende Veranstaltung steht unter dem Patronat •des Gomitö des Fetes (Festkomitee) und des «Petit Dauphinois». Wertvolle Preise warten, der Teilneb* mer. Der Sieger im Gemeralilassement des Automobil-* Wettbewerbes gewinnt den Becher der Stadt Aix-les-. Bains, während der Erstklassierte bei den Motorradfahrern den von der «Villa des Fleurs» gestifteten Becher bekommt. Andere Preise (Becher und Kunstgegenstände), die von weitherzigen Spen-* dem und den Kaufleuten von Aix gestiftet wurden, fallen den Nächstklassierten zu. Die Teilnehmer an dieser Sternfahrt sind verpflichtet, am Sonntagnachmittag an. einem Regel-« mässiflkeits-Wettbewerb teilzunehmen. Die Frau am Volant... Wie lerntet Ihr Urteil ? Der stumm© Chauffeur.' ' Rivalen... Sünder der Landstrasso. Tourismita. V,

N° 70 - 1298 AUTOMO13IUKEVUE Bergchilbi auf Grimmialp. Aufosektion Bern des T. C. S. « Uf Grimmialp ? — Hier düre — lie !», riefen die etwas zahlreichen Insassen eines offenen Vierplätzers einer Limousine zu, die ihre Kühlernase in ein letztes Seitenweglein streckte. Am Volant dieses Krassins sass Herr Hofstetter-Petri, der Besitzer sämtlicher Automobildynosaurier, Chef des Geselligen, also Initiant der Ghilbi — sassen ausser ihm ein lustiges Künstlervölklein der Zytglogge-Gesellschaft und — hinten rechts, seinen Platz mit drei anderen teilend — meine Wenigkeit, als Vertreter der Automobil-Revue. Herrliche Fahrt in einen herrlichen Morgen. Spiel der Sonne über Felsen und Grün, schon gebadet in erste herbstliche Klarheit. Das Diemtigtal hinauf schnaggte Wagen hinter Wagen, kein einziger Geschwindigkeitsmesser streckte sein gieriges Zünglein über 25 hinaus. Ein Thuner-Autler hatte in früher Morgenstunde in Bern die Kunde verbreitet, Oey hätte alle Stoppuhren bis hinunter nach Münsingen gepumpt. Die Alarmnachricht erwies sich jedoch als Ente, denn die Polizei feierte gestern selbst irgendwo ein Fest. (Apropos — könnte sie dies nicht alle Sonntage tun?) Grimmialp stand im Zeichen des Parkiernngsproblems. «Soviel Autos warün noch nie beisammen da oben!», meinte der Hotelier und der muss es wissen. Eine Zählung ergab gegen 70 Wagen I Die fröhliche T. G. S.-Aelpler gemein de schätzt man mit 300 Personen nicht zu hoch ein. Beweis, wie sehr der Initiant der Chilbi die Wünsche der Mitglieder erlauscht oder bildlich: den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Bravo, Papa Hofstetter! Unter breitschirmigen Tannen^ im Schatten moosbewachsener Felsbrocken deckte männiglich eine Mittagstafel, der das Genie Improvisation zu Gevatter stand. Der Alpboden als Tischtuch, die Himmelskuppel über den, Spielgärten, dem Gsür, dem See, Rot- und Türmlihorn als sonntäglicher Festsaal. Wer sich vom Samstagladenschluss hatte überraschen lassen, lunchto in dem lichten Speisesaal des Hotels, das in der stillen Alpenlandschaft soviel Komfort vereinigt und so mustergültig geführt wird. Sicher wird sich Sonntag manch' einer unter den Autlern versprochen haben, seine nächsten Ferien mit seiner Familie auf Grimmialp zu verbringen. Ein lüpfiger Walzer der schmissigen Bauernkapelle — sie beherrschte, ihrem Namen zum Trotz, auch das Saxophon — leitete die Chilbi .ein. Die weite Rasenfläche der Eisbahn war das Parkett, die Erhebung das dichtbevölkerte Zuschauerrund. Ein wahres Amphitheater. Auch Gladiatoren stiegen in den Kampf, nur dass sie statt mit schnaubenden Rossen mit Löffeln und Eiern um die Wette liefen, oder im Fox- oder Walzerspurt über den heimtückischen Graswall kugelten. Als Preise winkte denn auch nicht der olympische Lorbeer, sondern — ein Benzwagen! Marke Graf Zeppelin, mit Federantrieb. Und die Tribüne ward zum Theatorsaal.. * Das vierblätterige Kleeblatt der Zytglogge-Gesellschaft moralte sich durch einen träfen Sketch cDu sollst nicht lügen!», in dessen Mittelpunkt die höllischste Erfindung stand, die Menschengeist je ersonnen hat und in dem eine kusswütige Kleine vollkommen auf ihre Rechnung kommt. Ina Hochdeitsche verstieg sich die Farce «Der Aueerwählte». Ein Ehedrama mit Revolverschüssen, berlinisch akzentuierten Küss — die — Hand und bombenhafter Schlusspointe. Lachsalven und Händebetätigung lohnten die gerissenen Leistungen, in denen die Herren Gebrüder Bandi, Schärer und obgenannte Kleine (Bekenntnis: Name total vergessen!) sämtliche Haupt- und Nebenrollen virtuos beherrschten. Ehe die leichtgeschürzte Muse ihren Tempel aufschlug, begrüsste Herr Hofstetter-Petri die zahlreiche Aelplergemeinde, worunter den Präsidenten der Sektion, Herrn Fürsprech A. Baumgartner mit Familie. Man tanzte sich durch die Sonne und die Stunden, durch endlose Polonaisen, stampfte bald den Rasen, bald die Bretter der Trinkhalle, schmunzelte wieder einmal unverfälschtes Autlerlatein von den Lippen hübscher T. G. S.-Töchterleins zu hören — und freute, freute sich! Als Schlussakt war ein Wagenkorso, genannt die hohe Schule des Automobils, gefahren von neun Wagen der Sektion, angekündigt. Das Ergebnis war die urkomische Rutschpartie, Karussell mit « Chriegeler ». Ein Rundlauf, an dem die Beteiligten mindestens soviel Freude hatten, als die Zuschauer. Auch der kleine Austin. (Es heisst, Papa Hofstetter und sein Hund würden heute noch karusseln, wenn die andern acht Wagen nicht stürm geworden wären!) Nach Sonnenuntergang warf man die Motoren an. In Dürrenast bot man sich ein frohes Aufwiedersehen. Dann sausten die Wagen den heimischen Penaten zu. Die Aelplerchilbi wird mit zu den schönsten Tagen des Jahres zählen. Vit, AUTOSEKTION ST. GALLEN-APPENZELL DES T. C. S„ Untergruppe St. Gallen Stadt. Die laut Sommerprogramm vorgesehene Tagestour findet Sonntag den 26. August 1928 statt. Es ist folgendes Programm vorgesehen: Abfahrt 8 Uhr, Blumenbergplatz. Freie Fahrt Richtung Ricken, Mollis, Kerenzerberg, Bärschis. 12 Uhr Piknik auf der Höhe ob Bärschis, nachher gemütliche Unterhaltung bis 2 Uhr. 2 Uhr Abfahrt nach Ragaz. Dortselbst Besuch der Taminaschlucht, Paradies, Wartenstein (mit Drahtseilbahn oder Auto), Badegelegenheit im neuen Schwimmbad, jeder nach seinem Belieben. 5% Uhr Aufbruch zur Heimfahrt über Wildhaus, Rheintal oder Stoos, ebenfalls nach Belieben. Bei zweifelhafter Witterung erteilt Auskunft E. Gross, Telephon 422. Die ideale Fahrt, wio auch der schöne Piknik-Platz, lässt eine zahlreiche Beteiligung erwarten. Zu obiger Veranstaltung sind auch die Mitglieder der Sektion freundlichst eingeladen. A. Th. Das Mont Ventoux-Rennen. Die klassische, vom A. G. Vauclusien alljährlich zum Austrag gebrachte Veranstaltung, wurde von Lamy, auf Bugatti 2 Liter, in 16' 26 V 5 ", mit einem Stundenmittel von 78 km, gewonnen, eine Leistung, die einen neuen Streckenrekord darstellt. Resultate: Sportwagen 1100 cem: 1. Lepicard (Donnet), 20' 17 3 / 5 "; 2. Desgouttes (Mase), 23" '44 3 / 5 ". Rennwagen 750 cem: 1. Rey (Peugeot), 23' 19 3 / 5 ". Rennwagen 1100 cem: 1. Dugat (Derby), 20' 49 2 / 5 ". Rennwagen 2 Liter: 1. Lamy (Bugatti), 16' • 26 Vs"* v. AUTOSEKTION BERN DES T. C. S. Automobil- Lampion-Corso: Von verschiedener Seite wird die Leitung dieses Unternehmens von den Interessenten um Auskunft und Anleitung ersucht, wie am besten die Auto mit Lampion geschmückt werden könnten. Es mag daher nicht überflüssig sein, hier einige Winke zu geben. Natürlich ist es Sache jedes einzelnen Wagenbesitzers, die Dekoration nach seinen Ideen auszuführen: dagegen dürften einem jeden gewisse Erfahrungen von Nutzen sein. Die Beleuchtung kann durch Kerzen-Lampion oder durch Lampion mit elektr. Lämpchen eingerichtet werden; die Kerzen-Lampion haben den Nachteil, dass sie leicht zu rasch abbrennen und die Kerze ersetzt werden muss, was störend wirkt; zudem müssen diese Lampion gut befestigt sein; sie dürfen nicht nur hängen, sondern sie sollten .von zwei Seiten (oben und unten) fixiert sein, da sonst bei Schwankungen das Papier leicht in Brand geraten könnte. Vorzuziehen sind die Lampions mit elektr. Lämpchen. Dazu ist notwendig ein Batterie im Innern des Wagens mit einer beliebigen Anzahl Lämpchen, die in runden Lampions gekleidet werden können. Die Lämpchen brauchen ganz schwach zu sein; einige Volt genügen. Es wird eich empfehlen, diesbezüglich sich mit einer elektr. Installatjonsfirma in Verbindung zu setzen. Die kleinen elektrischen Lämpchen, die an einem fortlaufenden Draht montiext werden können, eignen sich ausgezeichnet ZUT Dekoration sowohl für geschlossene wie für offene Wagen, sie sind auch nicht so teuer. Die Lampions dazu können gemietet werden. Die elektr. Lämpchen eignen eich auch sehr gut zur Darstellung von leuchtenden Körpern, indem sie in Blumen, in Früchten, in Figuren so versteckt werden. Die schönen Preise, die für den Anto-Lampion- Corso ausgesetzt sind, ermöglichen es,.dass mit relativ wenig Mühe und Kosten, mit ein wenig Fantasie und Geschmack ein schöner Preis geholt werden kann. Bis Samstag-Sonntag sind rund 30 Meldungen erfolgt; die Nennungen sollten sich auf mindestens 50 Wagen erhöhen, weswegen der Anmeldetermin auf Dienstag Abend bezw. Mittwoch Morgen erstreckt worden ist; daher frisch ans Werk, wer noch zaudert und zögert; «frisch .t^ewast, ist halb gewonnen ! » Am Sonntag, den 2. September 1928 findet die alljährliche Brennstoff-Konkurrenz der Sektion Seeland des T. C. S. statt und diesmal geht die Fahrt mitten in das bernische Mittelland hinein; es führen daher die beiden Sektionen Bern und Seeland die Konkurrenz gemeinsam durch. Die Mitglieder der Sektion Bern sind zur Konkurrenz eingeladen und zugelassen gleich wie die Mitglieder der Sektion Seeland. Die Leitung liegt in den Händen des Vorstandes der Sektion Seeland mit Unterstützung desjenigen der Sektion Bern.. Anmeldungen sind zu xichten an den Präsidenten der Sektion Seeland, Herrn Direktor Strehler in Lyss. Zusammenkunft der Sektion Seeland, Freiburg und Bern am Sonntag, den 23. September 1928. Um die herzlichen freundschaftlichen Bande der beiden Sektion Bern und Seeland mit der Frejburgersektion weiter zu pflegen, haben die drei . Sektionen eine gemeinsame zwanglose Zusammenkunft in Broc im. Freiburgeroberland vereinbart. Näheres über das Programm dieses Tages steht noch in Beratung und wird .später zur Kenntnis gegeben. Die Mitglieder wollten flieh dieses Datum merken. AUTOSEKTION WALDSTATTE DES T. C. S. Auslandsfahrt (Ballon-d'Alsace). 1. Datum: Samstag/Sonntag den 1./2. September 1928. 2. Route: Start beim Clublokal, Hotel Engel in Luzern, 6 Uhr. Luzern, Aarau, Frick, Rheinfelden, Basel, 1 Stunde Aufenthalt für Znüni und Besorgung der Zollformalitäten, Basel, Mülhausen, Thann, gemeinsames Mittagessen, Thann, St. Amarin, St. Maurice, Ballon d'Alsace (1250 m), Giromagny, Beifort. Fahrleistung des ersten Tages 240 km. Beifort, Delle, Pruntrut, Delsberg, auf der berühmten Höhe der Caquerelle bei Les Rangiers Piknik, Delsberg, Moutiers, Oensingen, Ölten, Luzern. Fahrleistung des zweiten Tages 173 km. Uebernachten in Beifort. Bei der Aufstellung der Route hat der Vorstand darauf Bedacht genommen, die Strecken so zu wählen, dass die ganze Tour leicht und ohne Ueberanstrengung von Fahrern und Passagieren ausgeführt werden kann. 3. Ausrüstung: An Ausweispapieren und Legitimationen sind mitzuführen: a) für Fahrer und Passagiere: Pass ohne Visum. Für jene, die keinen Pass besitzen, wird eine amtlich visierte Liste erstellt; b) für den Wagen: Fahr- und Verkehrsbewilligung d.er Schweiz, internationaler Fahrausweis, GH Schild, Freipass, französischer Triptyk, erhältlich beim Office, Identitätsplakette. Französischer Laisser-passer für 2 Tage (Fr. 23.60) beim Grenzübertritt zu bezahlen. Da die erstmalige Benützung eines Triptyks etwas längere Zeit braucht, werden diese Triptyk gesammelt und vorausgeschickt, um an der Grenze Zeit zu sparen. 4. Finanzielles: Die Kosten für die Lebenshaltung (Essen, Hotel) dürfen sich pro Teilnehmer auf ca. Fr. 20.— belaufen. Die Kosten für den Wagen lassen sich ungefähr folgendermassen zusammenstellen: Internationaler Fahrausweis Fr. 5.—, franz. Tageskarte Fr. 23.60 (franz.) = Fr. 5.—, franz. Triptyk, ca. Fr. 10.—, Freipass für Wagen und ev. Plomben Fr. —.90. Der Vorstand hat beschlossen, aus der Sektionskasse Fr. 100 an die Kosten der Wagenführer beizutragen. Herr G. Schwerzmann wird, mit Werkzeug wohlversehen und für alle Eventualitäten ausgerüstet, als Clubmechaniker die Expedition mitmachen. Die Fahrt wird nur ausgeführt bei genügender Beteiligung und bei einigermassen gutem Wetter. Anmeldungen für die Teilnehmer sind möglichst frühzeitig, spätestens bis Dienstag, den 28. Aug. 1928 an den Aktuar, Dr. R. Zeiger, Augenarzt, Luzern, Tel.'31.50, zu richten, welcher auch die Angemeldeten rechtzeitig über das Weitere informieren wird. Eine Schönheitskonkurrenz in St. Moritz. Wie uns der Kurverein, von St. Moritz telegraphisch mitteilt, veranstaltet das bündnerische* Fremdenzentrum Sonntag, den 26. August eine Schönheitskonkurrenz für Automobile, wozu alle Sport- und Tourenwagen mit kompletter Ausrüstung zugelassen sind. 'Die Wertung erfolgt durch eine Jury von fünf Personen. Der Nennungsschluss ist auf Donnerstag, den 23. August, abends 5 Uhr, anberaumt. Dem eigentlichen Defile der Wa- Dle glänzendste Kombination alles Guten und Schönen der Aiüomobilbaukunst PAC L'ARISTOCRATE AM ERICAINE offene und geschlossene 6-Cylinder- Automobile schon für Fr. 19.750.- mit Rabatt bei direktem Netto-Kassa-Kauf ohne Tauschgeschäft WERNER RISCH, ZÜRICH PACKARD-SPEZIALGESCHÄFT g~fc 1- JSLJL; - M. A.M.. •. MKQL O W N S O N gen vor den Tribünen geht eine Vorprüfung; voran, die auf vormittags 10 Uhr festgesetzt ist. Programme sowie Teilnahmebedingungen können bezogen werden durch den Verkehrsverein in St. Moritz. Eine überraschende Meldung. Nach dem! Fremdenzentrum Luzern ist es kein würdigerer Brennpunkt internationalen Gesellschaftslebens als St. Moritz, das die Durchführung einer derartigen Veranstaltung auf ihr Programm setzt. Ort und Organisatoren bieten Gewähr dafür, dass der ersten St. Moritzer Schönheitskonkurrenz für Automobil© — es ist die zweite ihrer Art in der deutschert Schweiz — ein voller Erfolg beschieden sein wird, kann sie doch auf die glänzenden Erfahrungen und Lehren des Luzerner Wettbewerbes aufbauen. V. Bei uns und! In Amerika. Kürzlich hatte in der Nähe von Chicago ein gewisser Tony Straber das Unglück, bei der Kreuzung einer Eisenbahnlinie mit seinem Kraftwagen vom Zuge erfasst zu werden, Wer die Schuld an dem Zusammenstoss trug, Hess sich nicht feststellen, da die amerikanischen Bahnübergänge in den seitesten Fällen durch Schranken gesichert sind. Der Wagen wurde bei dem Unfall vollkommen zertrümmert, sein Besitzer kam wie durch ein Wunder mit dem Leben und ohne nennenswerte Verletzungen davon. Straber überlegte noch» wie hoch er .den gegen die Eisenbahngesellschaft zu erhebenden Schadenersatzanspruch für das in Stücke gefahrene Automobil beziffern sollte, als er von der Gesellschaft folgendes Schreiben erhielt: «Einliegend behändigen wir Ihnen unsere Rechnung über 29.18 Dollars für die von Ihnen unserer Lokomotive Nr. 6038 zugefügten Beschädigungen.» Der ehemalige Autobesitzer war von dieser Unverfrorenheit dermassen überrascht, dass er in der ersten Verblüffung die Rechnung beinahe bezahlt hätte. Er besann sich aber noch rechtzeitig und liess es auf einen Prozess ankommen, auf dessen Ausgang man wirklich gespannt sein darf. Sollte die> Eisenbahngesellschaft mit ihrem Anspruch; durchdringen, so eröffnen sich für die armen Autofahrer in den Vereinigten Staaten recht trübe Aussichten. Dieses Geschichtlein ist in Amerika passiert; die amerikanische Bahngesellschaft war in ihren Ansprüchen jedoch sehr bescheiden. Vor einigen Wochen haben wir in unserm lieben Schweizerländchen ein Gegenbeispiel erlebt; dort wurde ein Autlervoa einer elektrischen Lokomotive in der Näh© Berns «ums Haar» zu Tode gefahren; sein Wagen, ein hochwertiger Hispano Suiza, ging dabei vollständig in Trümmer. Die inzwischen abgeschlossene amtliche Untersuchung hat einwandfrei ein Verschulden der Bahn festgestellt. Als ersten Morgengruss einen Tag nach der Katastrophe erhielt der betreffende Automobilist in sein Hotel eine ellenlange Rechnung der geschäftstüchtigen Bahnverwaltung zugestellt; in ein Dutzend Positionen wurde ihm die Beschädigung der Lokomotive vorgerechnet und etwa Fr. 600 gefordert. Die Tatsache, dass der Autler seinen Wagen vollständig und sein Leben und das seiner drei Mitfahrer beinahe verlor, blieb dabei uniberücksichtigt; ganz aus dem Spiel ihrer Rechnung liess die betr. Schweizer Bahn •ferner die Verschuldensfrage, die sie in einem lakonischen Satz ihres Begleitschreibens eo ipso dem Automobilisten zur Last legte. Man sieht aus diesen zwei Beispielen aus Amerika und der Schweiz, dass die amerikanischen Bahngesellschaften von der geschäftlichein 'Gerissenheit einer Schweizer Bahn noch recht wohl lernen köua6&, A Von der SESX Wie sehr der Automobilismus in unsere Volkswirtschaft hineinwächst, zeigt u. a. auch die Entwicklung der Sesa. Ende Juni dieses Jahres belief sich die Zahl der Agenturen auf 112, die 114 Eisenbahnstationen und 115 Ortschaften in Camiondienst bedienen und mit 13 Eisenbahnstationen und 38 Ortschaften einen Ueberlandtransportdienst unterhalten. Der grösste UeberJandtransportdienst wird im Surbtal durchgeführt, und zwar dies imj Auftrage der Bundesbahnen. Die dort gemachten Erfahrungen müssen derart erfreuliche sein, dass die Sesa grundsätzlich beschlossen hat, diesen Dienst auch in andern Gegenden auszubauen. Dabei soll die Durchs führung des Betriebes privaten Finnen oder schon bestehenden Gesellschaften überlassen werden. Die Entwicklung der Sesa scheint recht interessante Formen annehmen zu wollen. Es will uns scheinen, als versuche sie und mit ihr die Schweizerischen Bundesbahn nen, den Warentransport auf der Strassö langsam aber sicher für sich zu monopolisie-' ren. Dem freien Gewerbe droht eine Gefahr, die jedenfalls nicht ausser acht gelassen werden darf. -f.