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E_1928_Zeitung_Nr.071

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Aosgabc: Deutsche Schwebe» BERlf, Freitag, 24. August 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 71 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelb* List«« Halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, Gofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERT1ONS-PREIS: Die «chtgespattene 2 mm hohe Gnmdzeile oder deren Baum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen ans dem Ausland 60 Cts. GrOssere Inserate nach Seitentarif« Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Bundesrat und Verfcehrsinifiafive Der Bundesrat hat letzten Dienstag zum Berichte des Justiz- und Polizeidepartementes betr. Aufnahme eines abgeänderten Artikels 37 bis. in die Bundesverfassung (Verkehrsinitiative) Stellung genommen und denselben genehmigt. Wie unsere Leser bereits wissen, beantragt das zuständige Departement den eidg. Räten, es sei die Initiative dem Schweizervolk zur Ablehnung zu empfehlen und zwar ohne Gegenvorschlag der Bundesbehörden. Nach allem, was diesem Beschlüsse vorausgegangen war, musste man damit rechnen, dass die Verkehrsinitiative vor unserer obersten Behörde' keine Gnade finden werde. Die Initiative forderte die verfassungsmässige Zuweisung aller Benzinzolleinnahmen an die Kantone für Zwecke des Strassenwesens. Nachdem bereits durch die stattgefundenen Debatten im eidg. Parlamente über die Frage der Benzinzollanteile dieses sich für die Ausschüttung eines Benzinviertels festgelegt hat, war es vorauszusehen, dass der Vorschlag der Initiatianten abgelehnt werden musste. Die Benzinzolleinnahmen bilden für den Bund eine bereits ansehnliche Einnahmequelle, auf die er von seinem fiskalischen Standpunkte aus nicht mehr ganz verzichten will.. Unsere Eidgenossenschaft liegt mit ihrer zu weit gehenden Subventions- und Beamtenpolitik finanziell derartig in den Nesseln, dass sie sich begreiflicherweise jede erreichbare Finanzquelle zu sichern sucht. Leider wird damit das Pferd am Schwänze aufgezäumt, da durch eine derartige Belastungspolitik unsere Volkswirtschaft entgegen den Bestimmungen unserer Bundes-Verfassung lahmgelegt und gute Einnahmequellen verstopft werden müssen. Ist man aber einmal bereit, zu einer derartigen Politik Hand zu bieten, so sollte wenigstens auf der andern Seite der Konipens darin gesucht werden, dass durch eine grosszügige Unterstützung unseres Strassenbauwesens, Handel und Verkehr weitere Vorteile gesichert würden. Die Initiative erstrebt auch eine erweiterte Befugnis des Bundes in der Verkehrsgesetzgebung. Während der 1921 angenommene Verfassungsartikel 37 bis. nur die Grundlage zur Ausarbeitung eines Automobilgesetzes schafft, verlangen bekanntermassen die Initianten ein allgemeines Strassenverkehrsgesetz, das nicht nur das Automobil, sondern auch den gesamten übrigen Strassenverkehr in vernünftiger und den modernen Anforde- Saf^ai und ySkutomob 'l Vwlleicht ein etwas merkwürdiger Titel, der auf den ersten Blick hin keine Zusammenhänge aufzuweisen scheint. Was hat denn das Automobil mit der Saffa zu tun ? So werden sich gewiss viele Leser fragen. Wenig und doch sehr viel. Wenig, weil an der ersten schweizerischen Frauenaussteilung ja keine Automobile ausgestellt werden und leider noch keine Tabellen darüber Auskunft geben, wie weit bereits schon die Frau in der Automobilindustrie und im Automobilverkehr tätig ist. Da die statistischen Unterlagen heute noch fehlen, wäre es auch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, bereits hierin nähern Aufschluss zu geben. Und doch spielt das Automobil auch bei der Saffa eine grosse Rolle. Nicht nur hat es beim Bau der Ausstellung durch das Herbeischaffen eines Grossteils des Materials wacker mitgeholfen, nicht nur wird es im Festzuge vertreten sein, nicht nur wirbt es durch den geplanten Korso für die Veranstaltung, sondern es wird auch durch das Herbeiführen von Zehntausenden der Ausstellung in eminenter Weise nützen. In ausschlaggebender Weise stellt es sich damit in den Dienst der Frau und ihrer grossen Bewegung. Die Saffa soll zur Schrittmacherin der schweizerischen Frauenbewegung werden. Sie ist als eine grosse Kundgebung der Frau zu werten, die heute einmal Zeugnis ablegen will von ihrer Tätigkeit, nicht nur im Hause, sondern in der breiten Oefferitlichkeit. Sie möchte der angehenden Frau neue Wege weisen, möchte ihr zeigen, welche Berufe ihr besonders liegen, möchte dem Manne beweisen, welche grosse, selbständige Rolle sie bereits im wirtschaftlichen Leben spielt, wie erfolg- und segensreich sie auf sozialem und ethischem Gebiete zu wirken imstande ist. Durch die Ausstellung gibt sie ihren Willen kund, dass sie nicht mehr nur als Blaustrumpf gewertet, sondern dass sie ernst genommen und als Staatsbürgerin ebenbürtig neben den Mann gestellt werden möchte. Das Sichemporarbeiten der Frau aus der Stellung des blossen «Weibchens» zur selbständig tätigen, helfenden und dienenden Frau ist jedenfalls durch den emporstrebenden Automobilismus mächtig gefördert worden, hat er doch entsprechend seines Charakters und seiner Eigenart die Grenzen engherzigen Denkens geweitet und dazu beigetragen, manche Frage in grosszügiger Weise zu lösen. Bereits spielt ja im Automobilismus die Frau eine bedeutende Rolle. Was noch vor weniger Zeit fast undenkbar schien, ist heute zur Tatsache geworden. Die Frau meistert den Motor; sie sitzt am Volant und steuert ebenso sicher wie der Mann ihren Wagen. Am Volant zeigt sie ihre Selbstsicherheit, ihre Energie, ihre Ueberlegenheit. Dabei finden wir sie nicht nur am Volant der feinen Limousine, sondern ebensosehr an demjenigen des Lieferungs- und Gebrauchswagens. Sie hat sich damit neue Berufe gesichert. Als Chauffeuse, als Autolotse hat sie sich bereits erfolgreich durchzusetzen vermocht. So wird die Automobilistin zum Symbol der ganzen Frauenbewegung. Sie weist in die Zukunft. Die Frau, die heute den Verkehr zu meistern vermag, wozu es Entschlossenheit, überlegenes Denken, Takt und Rücksicht braucht, gehört mit ihrem Gewissen in den Staat. Sie kann sich nicht mehr mit öffentlicher Wohltätigkeit und Gemeinnützigkeit begnügen. Ihre vornehmste Arbeit und Aufgabe wird sie allerdings immer darin zu suchen haben, aus dem Hause ein Heim zu schaffen. ebenso wichtige Aufgabe, auch das grössere Vaterland gemeinsam mit dem Manne zum Heime auszugestalten. Es ist dabei nicht gesagt, dass die Frau ebenfalls verpolitisiert werden müsse. Wir wollen die Frau der politischen Urne um ihretwillen und unserer aller Willen lieber fernhalten. Dagegen halten wir die Zeit für gekommen, da sie in allen Fragen der Erziehung, der Straf-, der W'rtschaftsund der Verkehrsgesetzgebung ein gewichtiges Wort mitzusprechen hat. Daneben sind unsere modernen Frauen mit ihren entwickelten Fähigkeiten und ihrem Gewissen dazu berufen, Frieden und Verständnis zwischen den Menschen zu säen. In diesem Geiste sollen sie in den engen Grenzen unseres Schweizerlandes Brücken schlagen zwischen Kantonen und Landesteilen und den Geist der Eintracht zwischen Klasse und Klasse, zwischen Stadt und Land wesentlich helfen. fördern Entschlossene, festzugreifende Frauen werden auch imstande sein, unsere Buben und Mädchen zu Männern und Frauen mit klarem Blick und festem Sinn heranzuziehen. Braucht unser Land heute nicht mehr denn je ein gesundes und starkes Geschlecht, fähig, die grossen Probleme auf allen Gebieten menschlicher Tätigkeit gewissenhaft und weitsichtig zu lösen ? Die Lösung muss mit in die Hand der Frau gelegt werden, soll das Wohl unserer Familien und unseres Staates sichergestellt sein. In diesem Sinne begrüssen wir die erste schweizerische Frauenausstellung in Bern und wünschen ihr vollen Erfolg. K. rungen entsprechenden Weise von Bundeswegen regeln könnte. Leider nimmt der Bundesrat auch zu dieser Forderung eine ab-' lehnende Stellung ein. Immerhin in der Meinung, dass die sachliche Berechtigung der' Initiative, im gewissen Umfange wenigstens, nicht zu bestreiten sei. Der Bundesrat ist der Meinung, dass schon der jetzige Artikel 37 bis. genüge, um im Zusammenhang mit der Automobilgesetzgebung auch den übrigen Strassenverkehr zweckmässig zu regeln. Die Behandlung in den Eidg. Räten wird Gelegenheit bieten, sich besonders über diese Frage noch des nähern auszusprechen. Darüber dürfte allerdings kein Zweifel mehr herrschen, dass die heute noch zu Recht bestehenden Konkordatsbestimmungen veral-" tet sind und dass der mächtig emporstrebende Automobilverkehr dringend nach einer Schweiz. Verkehrsgesetzgebung verlangt. Die alten kantonalen Strassenschlagbäume sind wirklich Dinger, die schon längst ins Schweiz. Landesmuseum nach Zürich gehört hätten. -t. Daneben aber erwächst ihr die Der Großstädtische strassenuerhehr * Kritische Bemerkungen zu eiinem Referat. Im Rahmen der Schweiz. Städtebauausstel-* lung in Zürich finden eine Reihe Vorträge statt, wovon der am vergangenen Donnerstag, stattgehabte von Prof. Dr. ing. Blum, Han-i nover, bestritten wurde, der über den grossstädtisehen Strassenverkehr referierte. Vom städtebaulichen Standpunkt aus inter-* essant war seine These, dass die Güter- und Rangierbahnhöfe mit ihren umfangreichen und für.sich abgeschlossenen Flächen ein fast unüberwindliches Hindernis bilden und ganze Städte bezüglich ihres Innenverkehrs in zwei getrennte Teile zerfallen lassen. Zudem sind die angegliederten Güterschuppen Ziel und Ausgangspunkt eines sehr intensiven Gütertransports, der das betreffende Quartier und bestimmte wichtige Strassenzüge überlastet» Strassenunter- und -Überführungen zur Umgehung des Hindernisses sind zu kostspielig und nur ein Notbehelf. Der Güterumschlag muss dezentralisiert werden, was einzig durch die Pflege der Privatgeieiseanschlüsse möglich ist. Dank dieses verhältnismässigj einfachen Mittels wird der Verkehr stark entlastet, die an die Güterbahnhöfe angrenzenden Quartiere gewinnen an Wert, der Warenumschlag wird vereinfacht und verbilligt. Es werden zwecks Zusammenfassung dieser An-* schlussgeleise ansserhalb des Weichbildes der Stadt kleinere Bediemingsbahnhöfe organisiert werden! müssen, da der Anschluss afl das durchgehende Geleisenetz beim heutigen *) Wegen Raummangel verspätet. (Red.) Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. 0. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller, Verlas. München. (28. Fortsetzung) Der grosse Viersitzer glitt um die Ecke des Hauses und hielt am Fusse der Treppe. Mr. Bytheway stieg aus und "Hess den mürrischen Simpson zurück, dessen Ausdruck sein Missvergnügen bekundete, öffentlich In einem Wagen zu erscheinen, der aussah, als sei er durch eine Ziegelmauer gefahren. «Wir sollten schon abfahren, Mr. Moon, rief Mr. Bytheway. «Der Zug geht um elf Uhr fünfzehn — oder ist es elf Uhr zehn? Ach Gott, das ist mir schon wieder entfallen ! —» «Elf Uhr elf,» kam es düster von Simpsons Lippen. Jetzt kam Mrs. Bytheway zum Ausfahren gekleidet aus dem Haus und näherte sich wie eine mächtige Lawine. «Ich fahre mit Ihnen bis zur Stadt, Mr. Moon; ich habe dort Einkäufe zu machen. Sir Michael ist noch bei seinen Briefen.» «Bitte, empfehlen Sie mich ihm», sagte Mr. Moon. «Sagen Sie ihm, ich werde Arthur Grüsse von ihm ausrichten und ich hoffe, ihn bald wieder, zu treffen.» «Mr. James,» sagte Mrs. Bytheway von oben herab, «wenn Sie Mrs. Gizzard aufsuchen sollen, werden wir Sie am Kreuzweg absetzen.» Micke nickte finster. Beim Frühstück hatte Mr. Efytheway einen Brief von einer empörten Mieterin bekommen, in dem sie sich bitter über den Zustand der Abflussröhren in dem von ihr bewohnten Häuschen beklagte. Das hatte Mr. Bytheway sehr verstimmt und er sandte nun seinen Sekretär aus, die Sache zu untersuchen und ihm dann zu berichten. Mike erfüllte diese Pflicht mit Widerstreben, denn er wartete nur auf eine Gelegenheit, mit Anne zu sprechen und ihren Zorn zu besänftigen. Jedoch, da Hess sich nichts machen; schweigend quetschte er sich in einen Sitz neben seinem Onkel, was ihn, da weder Mr. Moon noch Mrs. Bytheway gerade schlank genannt werden konnten, mit einem frühen Tode durch Erstickung bedrohte. Der Wagen wandte und fuhr ab. Und was war mittlerweile mit Mr. Cherry? Dieser begabte Opportunist hatte die nutzbringende halbe Stunde in der Bibliothek verbracht, wenn auch nicht mit dem Schreiben von Briefen. Solche hatte er überhaupt seit mindestens fünf Jahren nicht geschrieben, die waren bei seiner Lebensweise zu gefährlich. Er hatte diese halbe Stunde dem Studium der Literatur in der Form der «Geschichte von Lindleyhaus, Hertfortshire, 1561—1899, zwei Bände», gewidmet. Im allgemeinen war das ein recht langweiliges Werk, ein Privatdruck zur Erbauung für wenige von einem einstigen Bewohner dieses Hauses herausgegeben und des Tempos und der Spannung, die der moderne Leser verlangt, gänzlich ermangelnd. Mr. Cherry, zu keiner Zeit ein begeisterter Leser, frass sich mühsam durch dieses wortreiche und weitschweifige Erzeugnis, bis seine Beharrlichkeit auf Seite 183 belohnt wurde. «— Das blaue Zimmer, nach der von manchen Alessandro Dottieri (1786) zugeschriebenen Malerei des Plafonds benannt, ist hauptsächlich wegen eines Geheimfachs in einer seiner getä/felten Wände bemerkenswert, das zu Cromwells Zeiten als Versteck für den Familienschmuck und das Silber eingebaut worden sein soll. Die Türe dieses Geheimfaches wird durch eine Täfelung gebildet, die zur Seite gleitet, sobald man auf eine Feder drückt, welche kunstreich in einem der die Verzierung bildenden Traubenbüschel verborgen ist —» Mr. Cherry lächelte wohlgefällig, legte das Buch in sein Fach zurück, schlenderte zum Fenster und blickte hinaus. Alles war still. Vor kurzem hatte er den Wagen wegfahren gehört; bis auf entfernte Küchengeräusche lag das Haus still da. Die Dienerschaft würde/ nach seiner Berechnung nun schon mit ihren Arbeiten oben fertig sein; die Gouvernante war im Kinderzimmer gut aufgehoben und der Kerl von einem Sekretär war auch weit vom Schluss. Noch nie war die Luft so rein, meinte Mr. Cherry. Er trat aus der Bibliothek und horchte abermals. Da sich nichts regte, ging er rasch und lautlos die Treppe hinauf, rechts den Korridor entlang, wartete noch eine Sekunde vor Mrs Bytheways Zimmer, dann öffnete er die Tür und trat ein, sie wieder hinter sich schliessend. Das blaue Zimmer war ein grosser luftiger Raum, dessen natürlichen Reiz auch Mrs. Bytheways Geschmack in Möbeln nicht gänzlich zerstören konnte. Es hatte ein breites Fenster, einen Riesenkamin und dunkles Eichengetäfel bis zu Manneshöhe. Auf jeder zweiten Täfelung war ein grosser Bund Trauben als Zeichen der Fruchtbarkeit der Natur in Holz geschnitzt. Es waren im ganzen neunzehn Traubenbüschel, die Mr. Cherry nun der Reihe nach zu untersuchen begann. Und wie es schon immer ist, hatte er erst beim neunzehnten Erfolg. Die Traube gab dem Drucke die Täfelung glitt beiseite und enthüllte eine viereckige ungefähr meter* breite Oeffnung. «Ah!» sagte Mr. Cherry beglückt. (Fortsetzung folgiX