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E_1928_Zeitung_Nr.075

E_1928_Zeitung_Nr.075

Ausgabe: Deutsche Schweiz. Bf eil, Freitag, 7. Sepiemöer 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 75 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Freitag Monatlich „Gelbe List«** Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozutchlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Ben? Sofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung Im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung II1/414 Telephon Bollwerk 39.84 ' Telegramm-Adresse: Antorerue, Bern INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeit oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. tnseratensenlnss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nnmmer 33io Unter diesem vielversprechenden Titel nimmt das führende thurgauische Organ Stellung zur Strassenverkehrsinitiative, wobei es gleich wie der Bundesrat, deren Ablehnung beantragt. Föderalistische und fiskalische •Gründe sind für das Blatt ausschlaggebend. Man fürchtet, die 22 kantonalen Hoheiten könnten zu stark eingeschränkt werden und man behauptet, im Hinblick auf die Finanzlage des Bundes es nicht verantworten zu können, ihm die ganzen Benzinzolleinnahmen fwegzunehmen und sie den Kantonen zu überlassen. Man verlangt deshalb die Stra,sse frei, nicht für ein Verkehrsgesetz, sondern für ein 'Automobilgesetz, wobei man allerdings erfreulicherweise zugibt, dass darin die Foriderungen der Automobilisten und Radfahrer [verwirklicht werden sollten. Auch wir erheben den Ruf: Strasse frei! Strasse frei für den Verkehr, für alle Motorfahrzeuge und Fahrräder. Wann aber ist die ßtrasse wirklich frei? Wohl nur dann, Wenn durch gesetzliche Bestimmungen der Fussgänger die Fahrbahn tunlichst freihalten muss und das Gefahrenmoment durch ein diszipliniertes Verhalten seinerseits auf ein IMinimum reduziert wird; nur darin, wenn die heute noch zu unrecht bestehenden kantonalen Schlagbäume wegfallen und das Automobil nicht jede zweite Stunde durch die heilige Hermandad zur Entrichtung eines unigesetzlichen Obolus angehalten werden kann. Strasse frei, das ist letzten Endes nur möglich, wenn die Fahrbahn so hergestellt ist, dass sie dem Verkehre zu genügen vermag. Dazu braucht es Geld, und zwar viel Geld. 'Es ist dies ohne weiteres zuzugeben und da Üie Eidgenossenschaft mit einer total unbegründet hohen Belastung der Benzineinfuhr ein glänzendes Geschäft macht, dadurch aber ein unentbehrliches Mittel zur Hebung unserer Volkswirtschaft ausserordentlich belastet, iwäre es wohl recht und billig, wenn diese iGelder den Kantonen zur Verbesserung ihres ßtrassennetzes zur Verfügung gestellt würden. Die Begründung, warum man nicht die (ganzen jährlichen Einnahmen aus dem Benzinzoll den Kantonen zumessen könne, ist sowohl im Berichte des Bundesrates, als auch «der betreffenden thurgauisohen Zeitung recht [fadenscheinig. Wir geben ohne weiteres zu, dass die Verhandlungen über die Verteilung des Benzinzollviertels (übrigens ist es nicht einmal der Viertel) wirklch wenig erhebend (waren. Aber Debatten, die von Männern gelführt werden, welche die grossen Zusammenhänge nicht zu erfassen vermögen, sollten glicht dazu führen, um eine gute Idee zu sabotieren. Käme der Bundesrat zur Auffassung, dass die Benzinzolleinnahmen wirklich für Strasse frei. den Unterhalt unseres Strassennetzes zur Verfügung gestellt werden sollten, so könnte in einer einmaligen Debatte der Verteilungsmodus festgelegt werden und damit der unglückselige und kleinliche Streit um die Wurst ein — für alle Male begraben werden. So gut man den Tabakzoll für eine soziale Institution zu verwenden gewillt ist, mit dem gleichen Rechte und ebensogut lässt sich die Verwendung der Benzinzolleinnahmen für den Strassenverkehr begründen. Gegen die Verwirklichung sozialer Postulate durch vermehrte Zollbelastung von Luxusgegenständen, haben wir nichts einzuwenden. Dagegen fordern wir, dass ausserordentliche Zolleinnahmen auf Rohstoffen behoben, die laut Bundesverfassung mit einem möglichst niedern Ansatz belastet werden sollten, wenigstens für die Hebung und Stärkung unserer Volkswirtschaft verwendet werden. Wenn trotz der noch wenig erfreulichen Finanzlage der Bund über 70 Millionen Franken an Subventionen auszubezahlen, Hunderte von Millionen für Besoldungen und Speisung von Pensionskassen aufzubringen vermag, für die kommende Sozialversicherung enorme Gelder zusammenraffen muss, im fernem bereit ist, durch eine weitgehende .Kredithilfe der schweizerischen Bauernsame wieder auf die Füsse zu helfen, so liegt dies schliesslich im Pflichtenkreise eines Sozialstaates, wie ihn die Eidgenossenschaft heute bereits nur einmal darstellt. Dagegen hat gerade ein solcher Staat die Pflicht, dafür zu sorgen, dass die volkswirtschaftlichen Einnahmequellen als Unterbau des Ganzen nicht versiegen. Subventionspolitik und Kreditgewährungen sind Notstandsmassnahmen. Weiser und klüger ist diejenige Politik, die durch richtige Verwendung der zur Verfügung stehenden Gelder, d. h. durch produktive Anlage rechtzeitig Arbeitsgelegenheit u. Arbeitsverdienst zu heben versucht. Entgegen der falschen Auffassung des betreffenden thurgauischen Blattes, verlangen wir keine Subventionspolitik. Was wir wollen, ist nicht eine Schwächung der Bundesfinanzen, dagegen auch nicht eine Füllung der eidgenössischen Staatskasse, die eingehende Gelder ihrer eigentlichen Bestimmung entfremdet. Wir verlangen einzig und allein, dass der exorbitante Zoll auf Benzin und Motorfahrzeuge zweckentsprechend verwendet werde und diese natürliche und zweckentsprechende Verwendung liegt in der Ausschüttung des ganzen Zollertrages an die Kantone zur Instandstellung und Erweiterung unseres schweizerischen Strassennetzes. Wenn dadurch die Kantone mehr bekämen, als was sie bis jetzt für ihren Strassenunterhalt ausgegeben haben, so müssten sie selbstverständlich durch eine gesetzliche Bestimmung verpflichtet werden, die Benzinzollerträgnisse einzig und allein, für Strassenwesen zu verwenden. Strasse frei, rufen auch wir. Um die vielen Hindernisse aber zu beseitigen, ist es nötig, dass man sich auch den Kopf frei halte und die Scheuklappen wegwerfe, die viele Politiker und Zeitungsredaktionen verhindern, das Automobilwesen in seiner ganzen Bedeutung und als wichtiger integrierender Bestandteil unseres Verkehrswesens und unserer Volkswirtschaft richtig zu erfassen. K. Das zürcherische Strassenwesen pro 1927. Dem Jahresbericht der kantonalen Baudirektion über das Strassenbauwesen im letzten Jahre ist zu entnehmen, dass die betreffende Verwaltungsabteilung unter der zielbewussten Leitung von Herrn Kantonsingenieur Keller wieder ein bemerkenswertes Stück Arbeit geleistet hat. Erfreulich ist die Feststellung, dass dem Strassenbau unter dem Gesiöhtspunkt des Motorfahrzeugverkehrs besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird und die Verwaltungsbehörde bestreibt ist, den Bedürfnissen des motorisierten Verkehrs weitgehend Rechnung zu Ägen. • '• • Das kantonale Netz uriifasst insgesamt 2246 km Strassen, wovon 1510 km oder rund 67% als Strassen erster Klasse gewertet sind. Für den Untenhalt des ganzen Staatsstrassennetzes "wurden netto 3,114 Millionen Fr. verausgabt, was gegenüber 1926 eine Steigerung von ca. 76,000 Fr. ergibt. Der Berichterstatter erklärt, dass es mit dieser Aufwendung möglich war, «den notwendigsten Bedürfnissen gerecht zu werden », dass aber dennoch zahlreiche Gesuche von Gemeinden und Privaten nidht berücksichtigt werden konnten und auf die kommenden Jahre zurückgestellt werden mussten. Da mit einer weiteren Zunahme der Strassenbeanspruchung gerechnet werden muss, kann sich der Staat berechtigten Gesuchen gegenüber nicht ablehnend verhalten und wird zukünftig die hierfür benötigten Mittel zur Verfügung stellen müssen. Der Staat kam übrigens auch im albgelaufenen Jahre den Gemeinden entgegen, indem er über eine halbe Million Franken für Kostenbeiträge an Erstellung von Fahrbahnbelägen ausgab, obwohl die betreffenden Routen nicht zu den Hauptverkehrsstrassen zählen. Mit Befriedigung werden die Motorfahrzeugbesitzer von der Feststellung des Berichtes Kenntnis nehmen, dass «die dem Kanton zufallenden Gebühren aus dem Mo- torfahrzeugverkehr weiter ungeschmälert für die Verbesserung und den Unterhalt der Fahrbahnen der Häuptstrassen, -sowie den unaufschiebbaren Ausbau der beiden Seestrassen und der Strasse Zürich—Winterthur erhalten bleiben müssen». In diesem Zusammenhang möchten wir nochmals daran erinnern, dass die Motorfahrzeugkontrolle nach Abzug ihrer Verwaltungskosten und Rückstellungen dem Bauwesen des Kantons und der beiden Städte Winterthur und Zürich für das abgelaufene Jahr insgesamt das hübsche Sümmchen von 3,28 Millionen Fr. zuwenden konnte. Der Bericht liebäugelt auch bereits mit dem in Aussicht stehenden Anteil an dem langersehnten und 'bis anhin vergeblich erwarteten Benzinviertel. Auch dieser soll notwendigerweise und wie dies übrigens ja auch vom Bund vorgesehen wird, ausschliesslioh dem Strassenwesen zugute kommen. Dieser willkommene Zuschuss würde es ermöglichen, noch einige Strassenzüge, deren Bedeutung immer mehr zunimmt, ins Netz der Hauptstrassen aufzunehmen und alsdann entsprechend auszubauen. In Betracht fallen würden etwa die Strecken: Forchstrasse, Sihlbrugg—Horgen—Wädenswil, Pfäffikon—Saland, Kleinandelfingen— Stammheim u. a. m. Die Schotterverwendung ist immer noch eine sehr ansehnliche, wurden doch im Berichtsjahre total 85 945 Kubikmeter Schotter verwendet, was 37,13 Kubikmeter per Kilometer Strasse entspricht. Durch moderne Oberflächenbehandlung wurden neu 20 km Strasse instandgestellt, was auf Ende 1927 ein Gesamttotal von 239 km ergibt. Die von 1920 bis 1927 auf Hauptverkehrsstrassen vorgenommenen Verbesserungen teilen sich nach der Art der Behandlung auf in: Oberflächenteerung, Innenteerungen mit Bitumen- oder Bimoidüberzug und Teermakadam 215 km Walzasphalt (Mexit, Topeka) 1 » Kleinstempflästerung 21,5» Nacovia oder Wasserglas 1,5» 239 km Für die Behandlung wurden 2745 Tonnen Materialien, wie Teer, Bitumen etc., benötigt Die permanente Strassenpflege wird durch 30 ständig im Dienst stehende und 420 festangestellte, aber nicht vollbeschäftigte Strassenwärter besorgt, so dass sich die durchschnittliche Länge eines Wärterbezirkes auf 4,3 km Strasse stellt. Z. Zur Verkehrs-Initiative. (Korr.) In seiner Vernehmlassung zur Verkehrs-Initiative bezeichnet der Bundesrat die Absätze 4 und 5, wonach die gesamten Benzinzoll-Einnahmen auf die kantonalen und • L L TON Sir Michaels Abenteuer. Roman ran K. O. R. Brownt. Copyright 1028 br Georg Maler. Verlag. München. (32. Fortsetzung) Sir Michael Fairlie konnte einem wirklich Üeid tun. Das Verschwinden der Schmuckkassette hatte ihn sehr erschreckt und diese Unterbrechung warf ihn vollends aus dem Gleichgewicht. Es fiel ihm absolut nichts zu sagen ein, er hockte auf den Fersen und blinzelte die beiden an. Er sah aus — und war dessen bewusst — wie ein vollkommener Narr. «Haben Sie etwas verloren?» wiederholte Urs. Bytheway scharf. Der Gedanke kam ihr, Sob der Mensch vielleicht getrunken habe. Heroisch versuchte Mike sich zusamenzu- Ireissen. * «Oh — ja, ja! Ah — Sixpence!» stotterte er hervor. «Sixpence?» Mike, der sich eben aufrichtete, lächelte sie in einer Weise an, die einschmeichelnd sein solle, brachte aber nur ein sehr schwaches Grinsen hervor. «Sixpence, ja. Ich warf ihn in die Höhe, so zum Zeitvertreib, wissen Sie, und auf einmal war er verschwunden. Ich dachte, er sei in den Schirmständer gefallen, also war ich eben » «Ich sehe», sagte Mrs. Bytheway kalt. Ihre Meinung von Sekretären als eine Menschenklasse war nie eine sehr hohe gewesen und dieser Einblick in ihre Art, sich die Zeit zu vertreiben, setzte sie noch etwas tiefer in ihrer Achtung herab. «Nun, wenn Sie ihn finden, geben Sie bitte die Schirme wieder in den Ständer zurück. Sir Michael, ich komme sofort zu Ihnen in die Bibliothek.» Mr. Cherry stellte den Korb nieder, streckte seinen schmerzenden Arm aus und verbeugte sich. Dann unterdrückte er männlich den Impuls, die Bibliothek im Laufschritt zu erreichen und schlenderte nur gemächlich in ihre Richtung, imVorübergehen einen hochmütigen Blick auf den Sekretär werfend, der nun die Sachen in den Ständer zurückstopfte, als hätten sie ihm samt und sonders etwas angetan. Als sich aber die Türe der Bibliothek hinter Mr. Cherry geschlossen hatte, da fiel seine Lässigkeit von ihm wie ein Mantel. Mit einem behenden Sprung war er am Kamin, in der nächsten Sekunde hatte er den Deckel der Kohlenkiste zurückgeschlagen und hineingegriffen. Aber während er darin herumtastete, erschien auf seinem aristokratischen Antlitz erst ein Ausdruck des Staunens, dann der Angst und schliesslich des schieren Entsetzens. Er fiel hastig auf die Knie und schaute sehnsüchtig in die Kohlenkiste, dann stand er auf, zerrte sie ans Fenster und unterwarf sie einer fieberhaften Untersuchung. Kein Resultat! Die Kohlenkiste war vollständig leer, es war, als habe es nie eine Schmuckkassette gegeben. Mit einem schwachen Stöhnen liess Mr. Cherry von der fruchtlosen Suche ab. Vor einer Viertelstunde hatte die Schmuckkassette noch in der Köhlenkiste gelegen, jetzt war sie nicht mehr dort; wer hatte sie also weggenommen? Mr. Cherrys Gedanken flogen natürlich zu diesem Kerl von einem Sekretär, dessen verfluchte Einmischung, schon vorhin seine Pläne durchkreuzt hatte. Konnte der -— nach seinem eigenen Geständnis ein Gauner — diese üble Sache gedreht haben? Es schien unmöglich, denn er hatte ja nicht wissen können, dass die Kassette sich in der Kohlenkiste befand. Mr. Cherry war sicher, dass er sie mehrere Sekunden früher versteckt hatte, ehe dieser James das Zimmer betrat. Aber wie, wenn ein blinder Zufall den Schurken zu dem verborgenen Schatz geleitet hatte? Wenn er, an die Kohlenkiste anstossend, darin etwas klappern gehört und nachgeschaut hatte — ja, das konnte die Erklärung sein. Es musste die Erklärung sein, denn, wenn jemand anderes als der Sekretär die Kassette gefunden hätte, wäre doch sofort Lärm geschlagen worden. Mr. Cherry fluchte laut, er hätte mit den Zähnen geknirscht, wenn er gewusst hätte, wie man es macht, ohne sich wehzutun. Aber wenn er den Burschen erwischte — der würde es bitter bereuen, dass er sich in anderer Leute Angelegenheiten gemischt hatte! Mr. Cherry fluchte nochmals und ging zur Tür. Aber noch ehe er sie erreicht hatte, wurde sie von aussen geöffnet und der Sekretär selbst stand vor ihm. Es kommt nicht oft vor, dass zwei Menschen völlig verschiedenen Charakters zu