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E_1928_Zeitung_Nr.072

E_1928_Zeitung_Nr.072

.Ausgabe: Deutsche^ Schweiz. BERN, Dienstag, 28. Augusl 1928. Nummer 20 Cts, 24. Jahrgang. — N° 72 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Freitat Monatlich „Gelb* List«" BtübjShrlleh Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Aasland unter Portozuichlag, ADMINISTRATION: Breitenralnstrasie 97, Bern Golem nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliehe Bestellung im hi- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39£4 Telegramm-Adresse: Autorerue» Bern INSERT1ONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeit oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif* Inseratensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Um eine Autosfrasse Bern-Thun Der Gedanke, dmch Automobilstrassen das übrige Strassennetz vom Automobilverkehr zu entlasten, und die Verkehrssicherheit zu heben ist nicht neu. Man weiss, in welch grosszügiger Art und Weise Italien an den Bau eigentlicher Automobilstrassen herangegangen ist. In England hat sich vor kurzer Zeit ebenfalls eine Gesellschaft zum Bau einer ersten Autostrada gegründet, in Oesterreich steht das Projekt der Packstrasse im Vordergrund. Die Hafraba-Gesellschaft in Deutschland ist in intensiver Arbeit begriffen, um Teilstrecken des grossen Hafraba-Projektes zu realisieren. Neben der Strecke Frankfurt-Mannheim- Heidelberg soll nach letzten Mitteilungen auch eine Autostrasse Hamburg-Lüneburg in nächster Zeit erstellt werden. So ist es recht erfreulich, dass man auch in der Schweiz sich mit dem Gedanken beschäftigt, eine Automobilstrasse zu bauen, die als erster Versuch zu werten wäre und jedenfalls als Teilstück sowohl unserem Ueberlandstrassennetz, als auch der geplanten grossen Hafraba-Durchgangsstrasse, wertvolle Dienste leisten könnte. Der Präsident des Initiativkomitees, Herr Marcel Nyffeler-Aebi, ist für seine Initiative zu beglückwünschen. Wir wünschen dem Unternehmen vollen Erfolg und werden Gelegenheit finden, in der «Automobil-Revue» uns auch späterhin mit dem Projekte eingehend zu beschäftigen. Ueber die Ziele des Initiativkomitees wird uns von kompetenter Seite folgendes mitgeteilt: J. Am 30. Juli dieses Jahres versammelten sich in Bern, unter dem Vorsitz von Herrn Marcel Nyffeler-Aebi, Bern, prominente Vertreter der schweizerischen Grossindustrie und konstituierten das «Initiativkomitee für eine Automobilstrasse Bern-Thun mit Sitz in Bern. Bezweckt wird das Studium aller wirtschaftlichen' und technischen Fragen, die mit einer Automobilstrasse in der Schweiz auftreten. Ferner soll — hierin unterscheidet sich das Initiativkomitee wesentlich von schon bestehenden Verbänden mit ähnlichem Zweck — die direkte Nutzanwendung auf eine konkrete Strecke gezogen werden. Es handelt sich also wohl um eine Studiengesellschaft, der Zweck geht aber so weit, dass ihr nach Abschluss ihrer Arbeiten unmittelbar eine Bau- und Betriebsgeseiischaft nachfolgen kann. Daraus geht hervor, dass der Gedanke der Automobilstrasse durch die genannte Gründung eine ganz entscheidende Wendung im Sinne eines weitern Schrittes zur Verwirklichung in unserem Lande getan hat. Der Studiengesellschaft selbst gingen um- Bei der gewöhnlichen Strasse fallen wirtschaftliche Fragen sozusagen ausser Betracht, nicht so bei der Automobilstrasse, weil die (für den Bau, den Unterhalt und die Verwaltung) notwendigen Mittel niqht auf Grund genereller Entgeltlichkeit durch öffentliche Gemeinwesen oder Körperschaften bestritten werden können, sondern von den Benutzern selbst aufgebracht werden müssen. Es ist demnach zu untersuchen, ob die zu entrichtende Benützungstaxe die durch die Automobilstrasse hervorgebrachten Vorteile mindestens aufwiegt; denn nur dann wird ja mit einer dauernden Frequenz gerechnet werden können. Zum Teil können diese Vorteile auf Grund der Erfahrung genau' und in einer von jedermann anzuerkennenden Weise in Geld umgerechnet werden, zum Teil sind es Vorteile, die,wohl ebenso greifbar und offensichtlich wie diese sind, jedoch nicht in genereller Weise bewertet werden können. Dem einen Benutzer bedeuten sie viel, dem andern weniger. Zu den ersteren können beispielsweise die Ersparnisse an Betriebsstoffen und an der Bereifung, zu den letztern die Gesamtheit aller und jedem Automobilfahrer bekannten Tatsachen, wie Zeitgewinn, absolut hindernislose Fahrt, vollkommene Fahrbahn, Mög?« lichkeit der Erzielung höchster Geschwindigkeiten, wesentliche Verminderung der Gefahrenimomente u. a. gerechnet werden. Die bisher getätigten Vorarbeiten h^ben durchaus für die Wirtschaftlichkeit der Äutomobilstrasse gesprochen. Das Initiativkomitee hat es sich gleichwohl zum Ziel gesetzt, die diesbezüglichen Untersuchungen noch weiter auszubauen und namentlich alle praktischen Erfahrungen, welche bei uns in der Automo- Jjilwirtschaft gemacht wurden und noch gemacht werden, in die Berechnungen einzubeziehen. Festgelegt ist auch die technische Seite, indem auf Grund der Vorarbeiten unmittelbar an die Ausarbeitung eines baureifen Projektes geschritten werden kann. Ein diesbezügliches Gesuch um Absteckung wird dem bernischen Regierungsrat demnächst eingereicht werden. Am wenigsten abgeklärt an der ganzen Sache ist noch die rechtliche Seite der Frage. Zum vornherein ist klar, dass die Errichtung und fangreiche Vorarbeiten voraus. Der in der konstituierenden Versammlung zum Ge- der Betrieb in hoKem Masse von den kantonalen Organen und Behörden abhängig ist. Vor allem ist ohne Einräumung des Expropriationsrechts nicht an den Bau zu denken, denn eine private « Enteignung » würde sich als viel zu kostspielig erweisen. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang ferner die Gebährenfrage. schäftsführer des Initiativkomitees ernannte Herr Marcel Nyffeler-Aebi hat in den letzten Jahren insbesondere die wirtschaftliche Seite geprüft. Als Anhaltspunkte konnten dazu die Erfahrungen der von Herrn Ingenieur Puricelli erbauten oberitalienischen Automobilstrassen, «transponiert» auf unsere schweizerischen Verhältnisse, ferner die Betriebsberechnungen der von den Automobilbesitzerverbänden ins Leben gerufenen Berechnungsstellen, sowie die amtliche Verkehrszählung auf den bernischen Strassen zu Nutze gezogen werden. Die Bau- und Betriebsgesellschaft wird ein privates Unternehmen sein, die Autostrasse selbst dient nicht dem allgemeinen Verkehr, sondern «nur» dem motorisierten; sie wie die gewöhnlichen Strassen aus öffentlichen Mitteln zu errichten, zu unterhalten und zu verwalten, fällt denn unter heutigen Verhältnissen" noch ausser Betracht. Die Benutzer müssen selbst dafür aufkommen, und dies geschieht durch die Entrichtung einer Taxe für die Benützung. Es ist dabei nicht nur Sache des Wirtschaftlers und Technikers, zu untersuchen, ob die durch die Automobilstrasse hervorgebrachten, feststehenden Vorteile die Taxe überwiegen, sondern ob deren Erhebung überhaupt möglich ist. Die Rechtsentwicklung hat hier aber selbst schon gewisse Vorarbeiten geleistet, indem von den Kantonen bekanntermassen sogar auf verschiedenen, dem Gemeingebrauch unterstellten und im öffentlichen Eigentum stehenden Strassen von den Autompbilfahrern, entgegen dem ausdrücklichen Verbot in der Bundesverfassung, Gebühren für die Benützung erhoben werden. In diesem Zusammenhang kann auch füglich auf das öffentliche Interesse an der Automobilstrasse hingewiesen werden. Für das in Aussicht genommene Teilstück Bern-Thun sind sie besonders hervortretend. Die bernische Verkehrszählung bestätigt zahlenimässig, was jedem Automobilisten bekannt ist : die Ueberlastung der Staatsstrasse von Bern nach Thun. Auch in der Unfallhäufigkeit steht sie von den Ueberlandstrassen mit den Teil* stücken Bern-Zollikofen und Brügg-Biel an erster Stelle. Wer die Entwicklungslinie der Motorfahrzeuge in den letzten Jahren verfolgte, muss ferner voraussehen, dass nach Auf» mum SaffauUmzu^ Eine in sich geschlossene überzeugende Gruppe des grossen Saffa-Umzuges, welche am Samstag und Sonntag Tausende nach Bern gelockt hatte, war das Defile der Limousinen mit den hübschen Damenfahrerinnen in uniformiertem Hosendress. Lautlos rollende Wagen, geschmeidige stählerne Eleganz — am überschwenglichen Farbenzauber der andern Gruppen gemessen ein nüchternes Bild, aber wirksam gerade in seiner Nüchternheit, in seiner modernen Sachlichkeit, die nichts an sich hatte von denen in ihrer Fadigkeit oft die äusserste Grenze des Lächerlichen streifenden Versuche der Symbolisierung. Die Frau am Volant, Symbol der Selbständigmachung, der Gleichberechtigung. Und was im Umzug Symbol, ist im Alltag Wirklichkeit. Einen reizenden Kontrast bot die Gegenüberstellung des holpernden und hüpfenden Bernerwägeli mit dem friedlich trabenden Braunen und einem offenen Sportwagen einer reiselustigen Dame, die mit Koffer, Tennisausrüstung und Golfschläger, in Begleitung eines rassigen Wolfshundes, mit einem unternehmenden, etwas überlegenen Lächeln in die Welt fuhr. Neben diesen Repräsentanten del eleganten Personenwagens trugen laut- und geruchlos zahlreiche Lastautos die ganze Herrlichkeit den Erfahrungen des Auslands auch in unserem Lande in absehbarer Zeit ein neues Verkehrsrhythmus stellt hingegen eine ideale Ueberlastung gewisser Ueberlandstrassen. Die Automobilstrasse mit ihrem gesteigerten Verkehrsrythmus stellt hiegegen eine ideale Lösung dar. Daneben kann zur Begründung des öffentlichen Interesses natürlich all das, was man unter der durch die Automobil-! strasse hervorgebrachten Verkehrsverbesse-i rung zusammenfassen kann, angeführt wer* den. Belastungen für die Oeffentlichkeit ent-* stehen keine, denn die Untersuchungen gehen ausschliesslich auf Kosten einzelner. Private Initiative und privates Kapital sind es auch diesmal, welche vielleicht eine neue Epoche in der Verkehrsentwicklung herbeiführen ! Die Strecke Bern-Thun wurde nicht zufällig gewählt, sondern gründet sich zum Teil auf die schon gemachten Vorarbeiten. Es spricht für die Initianten, wenn sie sich nicht gleich von allem Anfang an an eine längere Durchgangsstrecke heranmachten, sondern sich zuerst auf ein der Verwirklichung näher liegendes Teilstück konzentrierten, bei dem sich die Voraussetzungen für den Bau und den Betrieb einer Autostrasse als am günstigsten erwiesen haben. Die Automobilstrasse von Bern nach Thun wird denn in erster Linie eine schweizerische Automobil«* Versuchs-Strasse sein. von Dingen, Farben und Tand auf ihrem brek ten Rücken geduldig durch die Stadt. Dem Sundesstädtischen Polizeikorps, das unter der straffen Leitung von Herrn Polizeikommissär Müller steht, sei an dieser Stelle die höchste Anerkennung ausgesprochen für die mustergültige Verkehrsregelung und Ab-* Sperrung während den beiden riesigen Mass-* stab annehmenden Festtagen. Die Parkierung an der Ausstellung selbst klappt vorzüglich. v. Ein verregneter Lampionkorso in der Bundesstadt. Am Samstag veranstaltete die Sektion Bern des Touring-Clubs im Verein mit der Zytglogge-Gesellschaft zu Ehren der Saffa einen Lampionkorso für Automobile. Die Veranstaltung war «neu für Bern». Man war also gespannt. Im Spitalacker wurde die Reihenfolge ausgelost. Die letzte Startnummer trug eine zweistellige Zahl mit einem stolzen Vier im ersten Glied. An den Nennungen fehlte es also nicht. Erfolg. Organisatoren mit geschwellter Brust. Im Spitalacker fiel auch der erste Tropfen. Seine Durchschlagskraft war dem nachfolgenden Platzregen durchaus angemessen. Wer sich nicht unter den Wimpeln, Papierlaternen und Girlanden seines geschlossenen Wagens verkriechen konnte, drückte sich an die nächste Hauswand. Ab und zu nur Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. 0. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller. Verlag. München. (29. Fortsetzung) Er griff hinein und brachte eine grosse, überreich verzierte Schmuckkassette aus violettem Leder mit dickem Monogramm zum Vorschein. Er betrachtete sie einen Augenblick liebevoll, dann zog er seinen vielverwendbaren Schlüsselbund aus der Tasche. Er erfüllte auch hier seinen Zweck, das Schloss gab nach und vor Mr. Cherrys entzücktem Blick lagen Mrs. Bytheways sämtliche Juwelen ausgebreitet. «Gut genug!» sagte Mr. Cherry. «Gut genug!» Er schob die Täfelung zurück und ging ruhig fort. Er wollte seine Beute in der Einsamkeit seines Zimmers überprüfen, aber als er sich ihm näherte, hörte er drinnen mit Besen und Schaufel hantieren. Mr. Cherry fluchte leise, wandte sich und ging die Treppe hinab in die Bibliothek zurück. Dort stellte er die Schmuckkassette auf den Tisch und betrachtete sie nachdenklich. Während der letzten vierundzwanzig Stunden war es dem. Namenausborger klar geworden, dass er Gefahr lief, zu lange zu bleiben. Schon die Entdeckung, dass dieser James auch einer von seiner Gilde sei, hatte ihn leicht erschreckt, denn Mr. Cherry liebte die Konkurrenz nicht. Er war wohl überzeugt davon, im Notfalle mit dem Kerl leicht fertig zu werden, aber seine blosse Gegenwart im Hause war unangenehm. Dann kam diese überaus peinliche Unterhaltung mit Mr. Moon, die ihn ganz aus dem Gleichgewicht brachte; wenn es diesem geschwätzigen Esel einfiel, ihn mit dem unbekannten und verabscheuenswerten Arthur in Verbindung zu setzen, waren die Folgen gar nicht abzusehen. Mit einem Wort: die Zeit, diesen angenehmen Besuch zu beenden, war gekommen. Da es jedoch nicht seine Gewohnheit war, mit leeren Händen abzuziehen, hatte er noch gezögert; und siehe da, während seines Zögerns fielen ihm die Juwelen von Mrs. Bytheway sozusagen in den Schoss. Mr. Cherry lächelte die Schmuckkassette liebevoll an. Da waren sie also, die hübschen Dinger! Schnell zusammengerafft und — eins, zwei, drei, verschwunden — nach den besten Ueberlieferungen seiner Kunst. Es mochte dann eine Hetzjagd nach ihm einsetzen oder auch nicht; das hing ganz davon ab, ob Mrs. Bytheways Liebe für ihr Geschmeide — das schliesslich ihr Gatte immer bewogen werden konnte, ihr zu ersetzen —» ihre Abneigung überwog, öffentlich zu gestehen, dass sie gründlich zum Narren gehalten worden war. In jedem Fall wollte sich Mr. Cherry darüber keine Sorgen machen! Der Verlust würde vor dem Abend nicht entdeckt werden und bis dahin war die Beute längst aus seinen Händen und er meilenweit entfernt. «Gut genug!», murmelte Mir« Cherry. «Gut —Teufel!» Von der Terrasse her kam der Klang sich nähernder Schritte, begleitet von einer Trauermelodie; jemand, der melancholisch vor sich hinpfiff, kam auf die Fenstertür zu. Eine halbe Sekunde lang packte Mr. Cherry bleicher Schreck, die Schmuckkassette war zu gross, um in seiner Tasche Platz zu finden, auch hatte er nicht mehr Zeit, die Tür zu erreichen. Sein Auge durchflog das Zimmer auf der Suche nach einm Versteck, fiel auf den Kohlenbehälter und erhellte sich. Der Kohlen-Behälter war solid, aus Mahagoni gebaut und hatte die Form einer Kiste mit schrägem Deckel; es war eine ganz gewöhnliche Kohlenkiste, aber Mr. Cherry erschien sie wunderschön. Er machte einen Satz zum Tisch, packte die Schmuckkassette, sprang zur Kohlenkiste, warf seine Beute hinein, schloss den Deckel und nahm eine nachlässige Haltung am Kamin ein, als die Fenstertür aufging und Mike ins Zimmer trat. (Fortsetzung im Autler-Feierabend)