Aufrufe
vor 10 Monaten

E_1928_Zeitung_Nr.072

E_1928_Zeitung_Nr.072

AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE 1928 — „Wr'Mf 1928 Mailand—München 1928 ex-aequo Ventillos gewinnt bei schwerster Konkurrenz den Internationalen Alpenpokal als höchste Auszeichnung. 1760 km. — 14 Älpenpässe in 5 Tagen. In Tagesetappen von 296 bis 391 kni und Ueberwindung von Höhendifferenzen bis 2479 m per Tag. hat das Team der drei MINERVÄWAGEN diese schwerste Prüfung für Automobile in der vorgeschriebenen Geschwindigkeit von 47 Kilometer per Stunde bestanden. Vertretung für Ost- und Zentralschweiz: nkt & AUTO-IMPORT A.-G. Stampfenbachstr. 12 Tel. Limmat 26.66 Verlag, Administration, Druck und Glicherie: HALLWAG A.-G. Hallersche Buchdruckerei und Wagnersche Verlagsanstalt, Bern.

72 II. Blatt BERN, 28. August 1928 Der großstädtische sirassenverkehr ; Kritische Bemerkungen zu einem Referat. xx. (Siehe auch No. 71) Der Radfahrer wird als ein potenzierter Fussgäuger bezeichnet und ist deshalb noch ihrer Kategorie zuzuzählen. Auf ihn hat der Strassenbauer bisher wenig Rücksicht genommen. Der Abschluss der Strasse gegen das Trottoir hin soll, wie das in Deutschland vielfach praktiziert wurde, einen breiten Streifen in rauhem Belag bilden, der ausschliesslich den Velocipedisten reserviert bleibt. Auf wichtigen Strassen, welche hauptsächlich für den Weg von und zur Arbeit benutzt werden, ist wenigstens ein drei Meter breiter Streifen den Radfahrern zu reservieren. Dieser braucht nicht für zwei Fahrrichtungen unterteilt zu werden, da der Stoss^erikehr, der die vielen Radfahrer bringt, sich immer in einer Richtung auswirkt. Dies würde nach Blum endlich den unwürdigen Zustand beseitigen, dass in einzelnen Städten .auf verkehrsreichen Plätzen der arme, abgehetzte Arbeiter, der auf dem Velo nach Hause eilt, absteigen und zu Fuss den Platz überqueren muss, während die schwerreiche Dame, die sich hegt und pflegt, dutzende v^on 'Malen täglich im Auto ungestört über den Platz fährt, nicht weil sie muss, sondern nur um sich zu zeigen. (Tableau!) Wenn bei uns nur diese bevorzugte Kategorie von Menschen mit Autos bedacht wäre, dann hätten wir überhaupt noch kein Verkehrsproblem! Die abgedroschene Legende vom «reichen .Automobilisten, der nur zum Vergnügen tfährt» sollte von einem akademisch gebildeten .Städtebauer wirklich nicht mehr als Argu- .ment benutzt werden. Die Erstellung besonderer Radfahrerstreifen bei neu zu erstellenden Strassen lassen sich wohl auch unsere Bauinstanzen angeleigen sein; so wird die renovierte Staatsstrasse zwischen Kemptthal und Winterthur, die ja "teilweise auch durch bewohntes Gelände 'führt, besondere 'Streifen für Velofahrer und Fussgänger aufweisen. Da wir aber in allen 'Städten mit den bereits vorliegenden Verhälf- 'nissen zu rechnen haben, wäre es viel' interessanter gewesen, zu erfahren, wie sich der Referent die Verwirklichung der von ihm aufgestellten Postulate in den bereits bestehenden Strassenzügen vorstellt, da schliesslich diese zurzeit und für manche weitere Jahre den Verkehr aufnehmen .müssen und neue Strassenbauten im Stadtkern zu den Seltenheiten gehören. Die Mehrzahl der Strassen im Stadtinnern sind, wenigstens an schweizerischen Verhältnissen gemessen, sehr knapp in der Breite, vielfach sogar zu schmal, um eine Verbreiterung von Trottoirs oder Erstellung besonderer Radfahrstreifen etc. zu gestatten. Die Entfernung der Tramgeleise, Baumalleen, Aufhebung von Vorgärten etc. wären alles Möglichkeiten, über deren Zweckmässigkeit der Referent uns leider im Unklaren Hess. Der von Prof. Blum als erfolgreich zitierte Versuch, wonach den Radfahrern auch Fusswege und Bürgersteige erschlossen wurden, die bis anhin den Fussgängern reserviert blieben, wird unsere Behörden kaum zu einem Versuch verleiten. Unter den städtischen Verkehrsmitteln gibt der Referent der Strassenbahn natürlich den Vorzug. Sie ist nämlich dem Omnibus bezüglich Bau- und Betriebskosten, Leistungsfähigkeit und Verkehrssicherheit absolut überlegen! Was die Betriebskosten anbe> trifft, so ist die Strassenbahn gegenüber dem Omnibus schwer benachteiligt, weil sie stets durch die Stadt zum Unterhalt des ganzen Geleisstreifens angehalten wird, währenddem der Autocar kostenlos in der Stadt herumgondelt und an den Unterhalt der Strassen nichts beiträgt! Von kantonalen Motorfahrzeugsteuern, von einem exorbitanten Benzinzoll ist nichts bekannt. Dass die Motorfahrzeugbsitzer allein im Kanton Zürich durch ihre kantonalen Steuern netto 3,28 Millionen Franken an den allgemeinen Strassenunterhalt beisteuerten, wovon über eine Million allein der Stadt Zürich und eine halbe Million Franken der Stadt Winterthur zur Verfügung gestellt wurden, sei Herr Dr. Blum mit auf den Weg gegeben. Die Leistungsfähigkeit der Omnibusse in. Grossstädten ist eine erstaunliche, insbesondere seitdem zweistöckige Fahrzeuge mit. Fassungsraum bis zu 60 Personen, verwendet werden. Um ein drastisches Beispiel ihres Äktionsradiusses;' zu vermitteln, sei an den Londoner Osterver- j kehr erinnert, welcher alljährlich an die sämtlichen Verkehrsmittel ungeheure Anforderungen stellt. Von 22,2 Millionen beförderten Personen in den 4 Osterfeiertagen dieses Jahres entfielen nicht weniger als 17^ Millionen auf den Omnibus. Die Verkehrsicherheit der Strassenbahnen schreibt der Referent hauptsächlich ihrer Gebundenheit an die Schienen zu. Dank des Schienenweges wisse jedermann, wo das Tram durchfahre und könne sich entsprechend einrichten. Bei plötzlichem Bremsen nehme der Strassenbahnwagen nicht unerwarteterweise eine andere Richtung, sondern gleite höchstens noch einige Meter in der durch die Schienen gegebenen Richtung fort. Beim Omnibus wisse man nie, wo er sich hinbewege. Dass die Schienengebundenheit aber gleichzeitig zum Verkehrshindernis wird, das bleibt ganz übersehen. Die Tatsache, dass einzelne Städte wie Wiesbaden den Tramverkehr gänzlich durch Omnibusse ersetzen, oder London den Bau von Tramways im Zentrum der City von jeher verboten hat, werden leichthin abgetan; oder was den letzteren Fall anbetrifft, einfach als reinen Zufall hingestellt. Wir hatten erst jüngst Gelegenheit, auf eine vom Berliner Tagblatt an die Polizeibehörden der Weltstädte gerichtete Umfrage hinzuweisen, in deren Beantwortung sich die Londoner Behörde geradezu beglückwünscht, dass sie systematisch die City von Strassenbahnen freihielt. Weitere Stimmen, so der Bericht aus Prag, erklären, dass eine Regelung des innerstädtischen Verkehrs nur dann möglich sei, wenn der Strassenbahnbetrieb dort eingestellt werde. Was die Verkehrssicherheit anbetrifft, so dienen die jüngsten in Deutschland gemeldeten Strassenbahnunglücksfälle wohl kaum als Beleg für die Behauptung des Redners und sorgfältige Verkehrsstatistiken der .Riesenstädte werden ihn darüber belehren, dass der Omnibusverkehr bei Berücksichtigung der Kilometerleistung sehr geringe wn II. Blatt BERN, 28. August 1928 Unfallziffern aufweist. ,. Der Ersatz der Strassenbahn durch den Omnibus wird als unwirtschaftlich bezeichnet^ da auf diese Weise'bedeutende in der \ Strassenbahn investierte'Mittel verloren gingen und die vielfach verarmten Städtewirtschaften sich einen derartigen Verzicht nicht leisten könnten. In zahlreichen Städten, wo Strassenbahn und Omnibus sich konkurren-; zieren arbeitet aber das Tram vielfach mit Defizit, das jahraus und -ein die Stadtfinan-! zen gewiss ebenso belastet wie die auf Jahre' zu verteilende endgültige Abschreibung einei^ aufgehobenen Tramlinie. ( Vorsorgliche Stadtbehörden werden •. bei gut rentierenden Strassenbahnen Rückstellungen machen, die eine rasche Amortisation der Anlage erlauben, da doch manche Stadt-; Verwaltung sich mit dem Gedanken wird abgeben müssen in einzelnen Hauptstrassen- 1 zügen den Trambetrieb einmal einstellen zu müssen, wenn der Verkehr nicht teilweise umgeleitet, oder auf andere Weise entlastet werden kann. Mit der vorläufigen Beibehaltung der Strassenbahnen könnte man sich a la rigeur noch einverstanden erklären, wenn gleichzeitig Mittel genannt worden wären, wie def vielfach in Strassen mit Trambetrieb über-* lastete Verkehr gemeistert werden kann* Ueber das, was hier der Städtebauer vorzukehren gedenkt blieb uns aber der Referent ebenfalls die Auskunft schuldig. Wichtige Probleme wie Parkierungsplätze, Garagemöglichkeiten im StaHtinnern, Fragen, die' in einzelnen Grösstädteh zu den wichtigsten einer Lösung harrenden Aufgabe gehören, wurden überhaupt übergangen. Ueber Umg"e-> staltung von Plätzen durch Verlegung vom Telephonkabinen, Toilettegelegenheiten, Kiosken usw. unter die Erde, über die Zweckmässigkeit von Strassenunterführungen usw* ist leider ob der Lobsymphonie auf Eisen-* bahn undTramway auch nichts erwähnt war* den. So wird es unsern eigenen Behörde!! überlassen bleiben müssen selbst die Mittel und Wege zu finden, die den Verkehrsverhältnissen und kommenden Bedürfnissen schweizerischer Städte entsprechen. Z. Ein Verkehrshindernis bildet in Biel der Kiosk mit einer angebauten Bedürfnisanstalt an der Marktgasse. Seit längerer Zeit ist der westliche Teil dieser Gasse als PaMrierungsplatz bestimnjt, wo an gewissen Tagen ziemlich viele Wagen aufgestellt werden. Beim Zu- und Wegfahren mit den Wagen bildet dieses obengenannte Häuschen, •das dem Quartier etwa keinesfalls zur Zierde 1 gereicht, recht oft - ein unliebsames Verkehrshinder-* nis, das beseitigt^ werden sollte. , i SäSMlS****! Glänzende Erfolge des an der in jeder Beziehung ausserordentliche Anforderungen stellenden die ADLER*Equipe legt die schwierige Strecke von 1760 km in der reglementarischen Gesamtzeit von 111 Std. 57 Min. strafpunktfrei zurück und erhält die Internat. Alpenpokal Auch die ADLER*Damen »Equipe kommt in der Zeit von 113 Std. 47 Min. an, eben falls eine höchst erfolgreiche Dauerfahrt beendigend. Madame Liliane Roehrs und Gräfin Einsiedel gewinnen mit ADLER * 3000 ccm den Zur Erinnerung an die hervorragend bestandene Dauerprüfung erhält die ADLER- Damen «Equipe den Ehrenpreis des österreichischen Automobil« Clubs STANDARD SIX 3000 ccm Internationale Alpenfahrt 1028 DAMENPREIS der ALPENFAHRT ADLER - AUTOMOBILE A.-G. Tel. seinau 9746/47 Z Ü R I C H Hafnerstrasse 24 STANDARD SIX 3000 ccm Der vollkommenste Wagen seiner Klassen Hydraulische Vierrad - Bremse / Zentralchassis * Schmierung / Siebenmal gelagerte Kurbelwelle/ Luftfilter, Oelfilter, Benzinfilter. VERTEETEEi A. Peyer, Bern, Schanzenstrasse Theo Sarbaeh, Geneve, rue d'Italie C. Erny, Herisau Pfleghaar, Winterthur Eeusser & Cie., Zürich, Dufourstrasse P. Glättli, Hedingen A. Hasler, Herzogenbuchsee A. Ponti, Lugano ,