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E_1928_Zeitung_Nr.079

E_1928_Zeitung_Nr.079

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERH. Freitag, 21. Sepiemöer 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 79 E RSSTF JEm \jß JL ff,/ SCHWEIZERISCHE Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjährlich Fr. 5.—, jahrlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung .111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile odet deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Aasland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Die Konferenz der kantonalen Saudirekloren Am 12. und 13. September fand, wie wir in «Automobil-Revue» bereits erwähnten, in Solothurn die diesjährige ordeniücr.e Konferenz der kantonalen Baudirektoren statt Unter dem Vorsitz des Vorstehers des solothurnischen Baudepartements, Herrn Regierungsrat von Arx und in Anwesenheit der Herren Bundesräte Dr. Haab und Häbtrlin, sowie der Herren Professor Dr. Pelaquis vom eidg. Justiz- und Polizeidepartement, Direktor Hunziker vom eidg. Eisenbahndepartement und Oberbauinspektor v. Steige** wurden die sich hauptsächlich auf di-e Regelung des Strassenverkehrs beziehenden Verhandlungsgegenstände in l^tägiger Beratung erledigt. In der Sitzung des ersten KonfereRztag'es nahm die Versammlung zunächst Kenntnis von der Erledigung früherer Konferenzbeschlüsse bezüglich des Ausbaues und der Beseitigung der Niveauübergänge. Sie konnte mit Befriedigung feststellen, dass die anlässlich der Konferenz vom Juni 1926 in Frauenfeld angenommenen Postulate von der Generaldirektion der Schweiz. Bundesbahnen grundsätzlich angenommen werden und class damit einer zeitgemässen Anpassung der Fahrbahn solcher Uebergänge an den Zustand der übrigen Strassenstrecke keine unüberwindlichen Schwierigkeiten mehr im Wege stehen. Direktor Hunziker referierte sodann über die Vorlage des Eisenbahndepartementes zu einer «Verordnung betreffend den Abscliluss und die Signälisierung der Niveaukreuzungen der Eisenbahnen mit öffentlichen, dem Automobil verkehr dienenden Strassen». Nach Bekanntgabe statistischer Unterlagen und Nennung der schiedenen Arten von Unfällen und ihrer Ursachen beleuchtete der Referent die vom Departement in Vorschlag gebrachten Neuerungen, welche den Zweck verfolgen, derartige Vorkenntnisse durch einheitliche Signalisierung der Uebergänge auf ein Mindestmass zu reduzieren. Diese Massnahme, in Verbindung mit der Schaffung von mehr Uebersicht durch Zurückschneiden oder ev. gänzliche Entfernung störender Bäume und Sträucher und Beseitigung anderer Hindernisse, muss im Einvernehmen zwischen Bahn- Tind Strassenverwaltung verwirklicht werden. Da eine Revision einschlägiger Bundesgesetze zur Zeit und innert nützlicher Frist nicht möglich ist, muss auf dem Verordnungswege und unter Ausnützung der durch die bestehenden Gesetze dem Bund übertragenen Kompetenzen eine Lösung gesucht werden, welche den Bedürfnissen so gut als möglich entspricht. Das Departement glaubt, durch die Vorlage und in Verbindung mit einer sinngemässen Anwendung der heute schon gültigen Bestimmungen aus dem Bahnoolizeigesetz, auf dem Gebiete der gegenseitigen Sicherung des Bahn- und des Strassenverkehrs einen ordentlichen Schritt vorwärts zu kommen. In der Aussprache wurden gegen die Vorlage als solche, d. h. gegen die darin enthaltenen Vorschriften, wenig Bedenken geäussert. Einige Punkte werden durch das Departement noch geprüft. Im Allgemeinen fand der Entwurf eine gute Aufnahme und die von verschiedenen Seiten angebrachten Wünsche, namentlich derjenige einer engen Zusammenarbeit der eidgenössischen mit den kantonalen Behörden bei der Durchführung der Verordnung stehen einer baldigen Verwirklichung nicht im Wege. Durch ein Referat von Ingenieur Kirchhofer vom Baudepartement des Kantons St. Gallen wurde die Behandlung der folgenden Traktanden eingeleitet, welche er einheitlichen Strassen-Signalisierung für den Tagesund für den Nachtverkehr, sowie einheitlichen Massnahmen bei Verkehrsiimleitiingen galten. Der Referent erwähnte zunächst die bisherigen auf nationalem und internationalem Boden unternommenen Schritte, um auf diesem wichtigen Gebiete' der Verkehrsregelung Einheit herzustellen und machte dann, in Anlehnung an die Vorschläge des Städteverbandes, die auf internationalem Gebiete Anerkennung und weitgehende Annahme gefunden haben, Vorschläge für Signale im Ueberlandstrassenverkehr. Auch bei den im Bericht empfohlenen Massnahmen zur Kenntlichmachung der Umleitungsstrecken bei Strassensperrungen sollen, so viel als möglich, die von einer gfossen Reihe von Städten und Gemeinden bereits angenommenen Zeichen sinngemäss Anwendung finden. Die Dringlichkeit dieser Frage wurde nicht bestritten und in der Aussprache kam die Wünschbarkeit zum Ausdrucke, dass so rasch als möglach auf nationalem Boden eine für alle Kreise dienliche Einheitslösung gefunden werde. In diesem Sinne wurde das Traktandum an den geschäftsleitenden Ausschuss gewiesen, der, unter Zuzug ^on Fachleuten und Praktikern die Vorschläge beförderlich prüfen und einer nächsten Konferenz bestimmte Anträge unterbreiten soll. Am Abend des ersten Konferenztages unternahmen die Teilnehmer eine Rundfahrt in die Umgebung von Solothurn zur Besichtigung von Signalen für den Nachtverkehr. Die Firma Signum A.-G. in Wallisellen, Märkel in Mannheim und Signalisation S.-A. in Genf und Zürich, sowie R. Frey in Bern hatten längs der Strassen die von ihnen hergestellten oder in den Handel gebrachten Signalisierungsvorrichtungen, wie Blinklichter, Leuchtzeichen, Leuchttafeln, Kataphoten und Reflektoren aufgestellt. Die interessante Fahrt bot eine vorzügliche Gelegenheit, die Wirksamkeit der einzelnen Signale zu beurteilen. Leider Hess sich, der sonst im Aaretal nicht so seltene Nebel nicht herzaubern, der zu diesem Zwecke erwünscht gewesen wäre, dabei aber freilich die nächtliche Fahrt an sich weniger genussreich gestaltet hätte. Die Fahrt bot immerhin Anlass zur Orientierung der Teilnehmer über das was auf diesem Gebiete schon erreicht ist und die Prüfung auf die Eignung der verschiedenen Vorschläge im einzelnen Fall und nach Feststellung der einheitlich zu wählenden Zeichen wird den zuständigen Behörden überlassen werden müssen. Besonderes Interesse fand der auf den Anlass hin durch die Signum A.-G. im Auftrage der Direktion der Emmentalbahn genau nach den Vorschlägen des Entwurfes zur Sicherung der Niveauübergänge signalisierte Bahnübergang in der «Enge» bei Solothurn. Die genannte Verwaltung hatte in verdankenswerter Weise die Demonstration dieser Anlage ermöglicht. Am zweiten Konferenztage wurden die Verhandlungen durch ein Referat des Sekretärs der Balidirektorenkonferenz, Ingenieur Ammann, über «Die Strassennummerierungstafeln der S. T. N. R. und die Reklame an der Strasse» eingeleitet. Der im Auftrage des geschäftsleitenden Ausschusses der Konferenz erstattete Bericht verbreitete sich zunächst über die Entstehung der Strassennummerierung und gab eine Uebersicht über den Inhalt der verschiedenen Vereinbarungen der S. T. N. R. mit den kantonalen Behörden. Die Strassennummerierung, kann bei allen Vorzügen, welche ihr nicht unbedingt abgestritten werden sollen, in ihrer jetzigen, der Reklame immer mehr und ausgesprochener dienenden Form kaum mehr befriedigen. Eine andere Lösung zur Schaffung ausreichender und einheitlicher Orientierungsmittel muss gefunden werden. Im Interesse eines sichern Strassenverkehrs muss auch der überhand nehmenden Reklame längs der Strassen, zum Teil an sehr gefährdeten Stellen, wo der Fahrer nicht abgelenkt werden soll, der Kampf angesagt werden. Auch in dieser Hinsicht ist ein Erfolg nur bei möglichst einheitlichem Vorgehen zu erwarten. Die dahingehenden Vorschläge des Referenten fanden denn auch die Zustimmung der Konferenz, welche ihren Ausschuss beauftragte, auch dieses Geschäft, in Verbindung mit andern Interessenten an der Frage, weiter zu behandeln und dessen Lösung möglichst zu fördern. An die Verhandlungen im Konferenzsaal schloss sich eine Ausfahrt an, welche dem Vorsteher des Baudepartementes vom Kanton Solothurn Gelegenheit bot, den Gästen die eben fertig ausgebaute und ihrem Rang als wichtige internationale Durchgangsstrasse nun angepasste Strasse über den obern Hauenstein von Oensingen über Balsthal gegen Langenbruck und Basel, zu zeigen. Die in den Jahren 1832 bis 1834 mit einer Fahrbahnbreite von 6 Meter erstellte Strasse war in der Folge, wie so viele andere, stark vernachlässigt und in der nutzbaren Breite bis auf die Hälfte vermindert worden. Der neue Ausbau hat der Strasse nicht bloss die ursprüngliche Breite wieder gegeben, sondern es wurden auch die Kurven erweitert und mit einseitigem Quergefälle versehen. Die Fahrbahn wurde neu gewalzt und durch Behandlung mit Bitumuls eine staubfreie und den Verkehrsanforderungen entsprechend© Decke aufgebracht. Die etwas schärferen Kurven sind mit Kleinsteinpflaster versehen worden. Für den Ausbau war ein Kostenbetrag von Fr. 470,000 vorgesehen. Dem Kanton Solothurn erwachsen nicht nur aus seinen Strassenwesen bedeutend© Kosten. Im Jahre 1926 haben auch die ver« schiedenen^ sonst sehr harmlosen Gewässer des Hauensteins in katastrophaler Form an ihr Dasein erinnert. In der Folge sind umfangreiche Korrektionsarbeiten und Bachver-i bauungen in Angriff genommen worden. Der Besuch in der seinerzeit am schwersten betroffenen Gegend brachte es deshalb mit sich, dass auch diese wichtigen und interessanten Bauten besichtigt wurden. Den Beschluss der Tagung bildete ein Bankett im «Rössli» in Balsthal und daran ansChliessend eine Besichtigung der von Roll'schen Eisenwerke in der Clus. Am Bankett überbrachten Regierungsrat Dr. Hartmann und ein Vertreter der Gemeindebehör^ den von Balsthal die Grüsse des Regierungsrates, resp. der Gemeinde und der ganzen Bevölkerung und Stadtammann Hirt von Solothurn versicherte in launigen Worten der Regierungsrat des Kantons Solothurn, wie auch die Herren Baudirektoren der andern Kantone der besondern «Liebe» der Automobilisten. Die Sektion Solothurn des A.C.S. hatte in zuvorkommender Weise die nötigen Fahrzeuge für die genussreiche Fahrt zur Verfügung gestellt. n. Sir Michaels Abenteuer. Roman Ton K. O. R. Brown«. Copyright 1928 by Georg Müller. Verlag. Maschen. (36. Forteetsane) Auf seinem aristokratischen Antlitz spiegelte sich Unentschlossenheit. Er wusste nicht, was geschah, und wollte es gerne wissen. Seine Stellung in diesem Haushalt schien ihm ein wenig unsicher zu werden und die Vorsicht riet ihm, ohne Aufschub neue Jagdgründe zu suchen. Nur der Umstand hielt ihn noch zurück, dass er, George Cherry, der Sieger in hundert Kämpfen mit Gesetz und Ordnung, es doch nicht auf sich sitzen lassen konnte, dass ihn so ein hergelaufener Pfuscher überlistet hatte; das traf zu tief! Er hatte die Schmuckkassette bereits in .seinem Besitz gehabt und dieser Kerl von einem Sekretär hatte sie ihm weggeschnappt — eine Demütigung, wie er sie noch nie erlitten. Der Gedanke, abzutreten und seine wohlverdiente Beute diesem Lümmel mit dem glatten gleissnerischen Reden zu überlassen, widerstrebte Mr. Cherry, der die Niederlage nicht gewohnt war, zu sehr. In der Bibliothek begaben sich auch soeben verschiedene Dinge, und ob Mr. Cherry nun dieses gastliche Haus sofort verliess oder racheschmiedend noch verweilte, auf jeden Fall war es sehr wichtig für ihn, die Natur dieser Dinge kennen zu lernen. Der finstere Ausdruck machte einem heiteren Platz und Mr. Cherry schlenderte leise vor sich hinpfeifend die Terasse entlang, durch das Tor in die Halle, wo er plötzlich j die Bibliothektür öffnete und noch immer •pfeifend, eintrat. Das Pfeifen erstarb in gut gespielter Verwirrung. «Ich bitte tausendmal um Entschuldigung», sagte er. «Ich wusste nicht, dass jemand » «Kommen Sie nur herein, Sir Michael», rief Mrs. Bythway, deren kriegerischer Ausdruck momentan verschwand. «Kommen Sie und schliessen Sie die Tür. Ich glaube, ich werde gleich Ihres Beistandes bedürfen. Gott sei Dank ist wenigstens ein Mann im Haus. Ich habe eben entdeckt, Sir Michael, dass dieser Mensch ein Betrüger ist!» Und sie deutete mit wutbebender Hand auf Mike. Mr. Cherry erschrak leicht und kniff die Augen etwas zu. Er war froh, gekommen zu sein. Da er fühlte, dass er sehr vorsichtig auftreten müsse, bis er mehr von den Tatsachen wusste, bezeigte er sein Erstaunen nur durch Blicke. «Er hat sich mir gegenüber», fuhr Mrs. Bytheway bitter fort, «für den jungen Mann von Squirl und Mumpeter ausgegeben. Nun entdecke ich, dass er nicht der junge Mann von Squirl und Mumpeter ist. Sie wandte sich wieder an ihren wie gelähmt dasitzenden Gatten. «Ich warte darauf, dass du mir sagst, Herbert, wer er wirklich ist und was das Ganze bedeuten soll. Du sagtest, du habest vergessen diesen Mr. — — sie suchte den Namen in dem Brief in ihrer Hand — Mr. Gooch aufzusuchen?» Mr. Bytheway wand sich in seinem Stuhl wie der Fisch an der Angel. «Ja, Hermione. Ja. Es — es war mir ganz entfallen. Aber am Heimweg erinnerte ich mich plötzlich — ich wusste, ich hatte in Bedford etwas zu tun — und da nahm ich Mr. James auf.» «So. Und wo hast du ihn gefunden?» Hier versuchte Mike, dem es wirklich nicht passte, dass so über seinen Kopf hinweg über ihn verhandelt werde, sich in das Kreuzverhör einzumengen. «Entschuldigen Sie » Mrs. Bytheway entschuldigte nichts. Ihr kaltes Auge durchbohrte ihn bis in das Rückenmark. «Mit Ihnen werde ich später reden! — Herbert, wo hast du diesen Menschen gefunden?» * «In "einem Wirtshaus>, sagte Mr. Bytheway schwach. «Einem Wirtshaus? Was für einem Wirtshaus?» «Es hiess — Gott, der Name ist mir entfallen — das — das Dingsda — es war nicht weit von Heacham, glaube ich — aber —» «Du hast also diesen Menschen in einem gewöhnlichen Schankzimmer getroffen ?» «Oh nein — nicht im Schankzimmer — dort bin ich gar nicht hineingegangen, weil ich nicht durstig war. Nein. Im Hof. Er schien eine Art Stallknecht oder so etwas zu sein. — Aber er kann dir das wirklich selbst besser erzählen, Hermione, wenn du es wissen —» Ein seltsam zischendes Geräusch entfloh Mrs. Bytheways Lippen. Sie richtete sich auf und schaute vernichtend auf das Häufchen Unglück vor ihr. Ihr Temperament, das sich nie durch grosse Sanftmut auszeichnete, erhob sich in schwerer Gereiztheit. In diesem Augenblick vergzss sie die Gegenwart des geehrten Gastes; vergass — wenn sie es gewusst hätte, dass in den allerbesten Kreisen eheliche Zwistigkeiten gewöhnlich nicht «coram publico» ausgetragen werden. Die Entdeckung der Hinterhältigkeit ihres Gatten hatte sie in ihrem empfindlichsten Punkt getroffen— in ihrer Würde, die wie alle Neu-^ geborenen, überaus zart und % für Verletzungen empfänglich war. «Ein Stallknecht!» wiederholte sie langsam, wie wenn sie sagen wollte: «Ein Warzenschwein!» Einen Stallknecht hast du als Sekretär in mein Haus gebracht? Einen Stallknecht!» Sie erstickte beinahe. (Fortsetzung folgt.)