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E_1928_Zeitung_Nr.077

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Ausgabe: Deutsche Schweiz, BFRff. Freitag, ia. septemoer 1928. Nummer 20 Cts. 2*. Jahrgang. — No 77 ERSTE SCHWEIZERISCHE ÄUT0M0BIL-ZEITUN6 Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag - Monatlich „Gelbe Lift«** Halbjährlich F*. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, •oiern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breltenralnstrnsse 97, Ben; In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Recbnuna II1/414 Telephon Bollwerk 39.84 : Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grandzeile ode* deren Raum 45 CU. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratenschlnss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Rummer Automobil und Sfrasse im Aargau Wie wir in Nummer 76 der «Antomobil- Revue» bereits mitteilen konnten, tagten letzten Sonntag die aargauischen Gemeindeammänner im Kasino Wohlen, um zum aargauischen Strassen- und Verkehrsproblem Stellung zu nehmen. Nach einem Referate von Fürsprech Dr. Irmiger und nach einer breit benutzten Diskussion fasste die Versammlung einstimmung folgende Resolution: 1. Nachdem das ganze Volk sich gegen den unausstehlich gewordenen Verkehr mit Motorfahrzeugen auflehnt (!), beschliesst die Versammlung der Gemeindeammänner des Kantons Aargau, der Grosse Rat möchte vorgängig der unabsehbaren allgemeinen Regelung dieses Verkehrs unverzüglich das Nachtfahrverbot für Lastwagen und für Personenwagen mit mehr als acht Sitzplätzen, sowie für lärmende Motorfahrzeuge überhaupt erlassen und zwar für die Zeit von abends 11 Uhr bis morgens 4 Uhr während den Monaten" Mai bis und mit November und von 9 Uhr abends bis morgens 6 Uhr in den Monaten Dezember bis und mit April. 2. Das Konkordat ist durch folgende Artikel zu ergänzen: Ein Motorfahrzeug darf keinen störenden Lärm erzeugen. Jedes Fahrzeug, das durch einen Explosionsmotor angetrieben wird, soll mit einer wirksamen Schalldämpfungsvorrichtung versehen sein. Diese muss so geschaffen sein und angebracht werden, dass ihre Wirkung vom Fahrzeugführer nicht unterbrochen, verhindert oder aufgehoben werden kann. 3. Die Anhänger an den Lastwagen sind zu verbieten und das Gesamtgewicht auf 10 Tonnen festzusetzen. 4. 0. V.-Strassen, die von Motorfahrzeugen regelmässig in starkem Masse befahren werden, sind zu Landstrassen zu erheben, um die Gemeinden inbezug auf die Unterhaltungskosten möglichst zu entlasten. Die Aargauer Gemeindeammänner haben für ihre Resolution zweifellos das Berner Automobildekret zum Vorbilde genommen. Punkt 1 ihrer Resolution ist nichts anderes, als die Dekretsabänderung des Artikels 40 des bernischen Konkordates über den Verkehr mit Motorfahrzeugen und Fahrrädern. Nur zeigen sich die Aargauer Gemeindeammänner noch päpstlicher als der Papst in Bern, indem sie die Anhänger an den Lastwagen überhaupt verbieten wollen, währenddem das Berner Dekret den Einachsenanhänger an Motorlastwagen immerhin noch gestattet. Wieso die Aargauer Gemeindevertreter zu dieser einengenden Bestimmung gekommen sind, ist uns nicht recht begreiflich. Es sind an der Tagung von verschiedenen Vertretern — wir erwähnen besonders die Voten von Fürsprech Dr. Irmiger in Wohlen, der Herren Müller in Muri und Schneider in Ennetbaden — der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Automobils entsprechend, derart zeitgemässe Gedanken ausgesprochen worden, dass wir uns über die einstimmig gefasste Resolution wundern müssen. Wir stehen auch heute noch auf dem Boden, dass das Nachtfahrverbot für Lastwagen und Personenwagen mit mehr als acht Sitzplätzen eine Ungerechtigkeit und eine einschneidende Massnahme gegenüber der in der Bundesverfassung gewährten Handels- und Gewerbefreiheit des Einzelbürgers bedeutet. Dieser Auffassung schliesst sich auch der aargauische Regierungsrat an, der in .seinem Staatswirtschaftsberichte ausdrücklich hervorhebt, dass es einfach nicht angängig sei, für einen Kanton allein ohne Bezugnahme auf die Nachbarkantone solche Nachtfahrverbote durchzuführen. Es scheint uns aber, dass ähnlich wie im Kanton Bern auch die Nebenbahnen des Kantons Aargau tatkräftig an der Arbeit sind, um durch solche Verbote sich die «Automobilkonkurrenz» vom Halse halten zu können. Das Votum des Reinacher Gemeindeammannes weist ganz besonders darauf hin, in dem nach einschränkenden Bestimmungen gegen den zunehmenden Lastwagenverkehr und für ein Anhängewagenverbot gerufen wurde. Wenn im betreffenden Votum glaubte betont werden zu müssen, dass der Lastwagen den öffentlichen Verkehr stark gefährde, so ist dem gegenüber zu erklären, dass jedenfalls Nebenbahnen, die heute noch das Recht für sich beanspruchen, die Strassen benutzen zu dürfen, eine ebenso starke Verkehrsgefährdung bilden und dass es an der Zeit wäre, die Strasse von der Bahn zu befreien. Gegenüber den Ausführungen des Reinacher Gemeindeammannes und auch anderer an Nebenbahnen liegenden Gemeindevertretern, ist immerhin zu bemerken, dass die Einnahmen an Autogebühren im Kanton Aargau von 538,000 Franken im Jahre 1923 auf 1,103,000 Franken im Jahre 1927 gestiegen sind und dass in diesem letzern Jahre 83,000 Franken mehr eingenommen wurden, als die Ausgaben für Instandstellung der Autostrassen ausmachten. Der Kanton Aargau brauchte demnach für die Instandstel- lung seiner Autostrassen nicht einmal zu direkten Staatsmitteln zu greifen und wird dadurch jedenfalls die Behauptung Lüge gestraft, als leisteten die Automobilisten im Kanton Aargau an den Strassenunterhalt nichts. An die 6,4 Millionen Franken betragende Bausumme für das erste Bauprogramm tragen die Autogebühren 2,8 Millionen Franken bei, 400,000 Franken sollen aus dem Benzinzollerträgnis und weitere 2,3 Millionen Franken aus weiteren Automobilgebühren bezahlt werden. Bedenkt man, dass die Aargauer Automobilisten in den letzten vier Jahren mehr als 4 Millionen Franken Gebühren,bezahlt haben, so ist es begreiflich, dass es dem Kanton sogar möglich war, auf bequeme Art und Weise seine aus den Notstandsarbeiten herrührenden Schulden zu amortisieren. In Anbetracht dieser grossen Leistung von Seite der Automobilisten wäre es wirklich erfreulich, wenn allseits die Notwendigkeit des Motorfahrzeuges und seine wirtschaftlichen Vorteile anerkannt würden. Jedenfalls ist der Vorwurf nicht gerechtfertigt, dass der Motorwagenverkehr einen Teil des Volksvermögens, nämlich die Bundesbahnen gefährde, ohne nennenswerte Gegenleistungen an den Staat zu entrichten. Im heutigen schweizerischen Automobilismus liegen bereits Hunderte von' Millionen investiert, ganz abgesehen davon, dass er Zehntausenden ebenfalls guten Sshweizerbürgern eine sichere Existenz und ein gutes Erwerbseinkommen geschaffen hat. Die volkswirtschaftlichen Gegenwerte des Automobilismus können demnach nicht mehr in Abrede gestellt werden. So sehr wir mit den Herren Gemeindeammännern einverstanden sind, dass die aargauischen Gemeinden für die Instandstellung ihrer Strassen vom Kanton aus entlastet werden sollten, so sehr gehen wir andernteils mit der aargauischen Regierung einig, wenn sie sich gegen eine enge kantonale Verkehrswurstelei sträubt und eher daraufhin tendiert, unsere Verkehrsprobleme auf eidgenössischem Boden wirksam und zum Vorteile aller Strassenbenützer zu lösen. Hoffen wir, dass ihre Auffassung im Grossen Rate, und nicht eine engherzig schädliche, zum Durchbruch gelangen wird. Der Grosse Rat, der unterdessen in der Kapitale zu Aarau zusammengetreten ist, behandelte an seinem ersten Sitzungstage neben einer Interpellation von Nationalrat Dr. Abt über den «Schutz der Pferde vor dem Ausgleiten auf geteerten' und asphaltierten Automobilstrassen» auch das Dekret betreffend Instandstellung der Strassen für den Automobilverkehr, das Herr Nationalrat Zschokke einlässlich begründete. Wie aus den Verhandlungen hervorging, will der Kanton Aargau seinem alten Rufe eines Kulturkantons alle Ehre* machen und punkto Ausbau des Strassenwesens nicht länger hintan stehen. Auch die Strassen innerorts sollen den modernen Bedürfnissen angepasst werden. Der Kanton Aargau steht vor der Ausführung des zweiten Strassenbauprogrammes. Die Kosten dafür sind auf 12,3 Millionen Franken devisiert, die der Staat bei 1,2 Millionen Franken Automobilgebühren und 300 000 Franken Benzinzoll jährlich in zehn bis zwölf Jahren zu amortisieren hofft. Für die Durchführung der Arbeiten rechnet man mit neun Jahren. In erster Linie sollen die Innerortsstrecken in Angriff genommen werden. Es würde zu weit führen, über die ausserordentlich interessante Debatte eingehender zu berichten. Hervorgehoben verdient zu werden", dass der Vorlage von keiner Seite opponiert wurde, sondern dass man das Tempo des Strassen* umbaues sogar als zu langsam bezeichnete und nach einer möglichst raschen Verbesserung der Strassen rief. Sogar ein Antrag, dass zugleich mit den Strassenverbesserungen innerorts auch Trottairs angelegt werden sollen, wurde vom Rate mehrheitlich gutgeheissen. Es ist dieser Beschluss im Interesse der Verkehrssicherheit ausserordentlich zu begrüssen. Die Interpellation Dr. Abt war berechtigt. Der Automobilist hat dagegen nicht die Absicht, sich als «Vogt der Strasse» aufzuführen. In dieser Beziehung ging der Herr Interpellant wohl ein wenig zu weit. Wir kennen in der Schweiz auch keine «Klassenstrassen für Priviligierte». Was der Automobilist heute verlangen muss, nicht nur in seinem, sondern im Interesse der Gesamtheit, das sind Strassen, auf denen sich der Verkehr rasch und sicher abwickeln kann. Neben dem Auto sollen auch andere Verkehrsmittel ihren Platz haben. Der Erbauer der Strasse soll auf diese Forderungen Rücksicht nehmen und neben einer eigenen Automobilfahrbahn auch eine solche für das Pferd und für den Velofahrer in Berücksichtigung ziehen. Leider wird heute schon der Begriff «Automobilstrasse» falsch und irreführend angewandt. Automobilstrassen im strengen Sinne des Wortes kennen wir in der Schweiz bis zur Stunde nicht; so begrüssenswert und nötig solche wären, so legen wir hauptsächlich heute noch das Hauptgewicht auf ein gut unterhaltenes und grosszügig angelegtes, schweizerisches Strassenüberlandnetz. K. Sir Michaels Abenteuer. Roman ron K. O. R. Browne. Copyright 1928 b? Georg Maller. Verlag. München (34 Porteetznner) r «Ei, Sir Michael!» sagte sie schelmisch. »Ist etwas geschehen? Sie sehen aus, als hätten Sie einen Schrecken gehabt.» Von der Türe her erklang die erzbischöfliche Stimmen des Dieners. «Das Diner ist serviert, gnädige Frau.» Dreizehntes Kapitel An der sonnigen Terrasse von Lindley- Haus standen zwei junge Herren von angenehmen Aeusseren in ernster Unterredung. Das Gesicht des einen blickte finster, während ein heiteres Lächeln das Antlitz des anderen zierte. «Also vorwärts!» sagte der Finstere kurz. «Was soll das alles heissen?» «Das ist's gerade, was ich auch wissen möchte», erwiderte der andere. Mr. Cherrys Gesicht verfinsterte sich noch mehr. Er bildete sich darauf etwas ein, dass er nie den Kopf verlor, aber jetzt hatte er das Gefühl, als müsse binnen kurzem etwas in seinem Hirn nachgeben. Vierzehn Stunden waren vergangen, seit das Erscheinen Mrs. Bytheways in all ihrer Pracht ihr bis auf den Grund erschüttert hatte, aber ei hatte sich noch nicht davon erholt. Denn hier gab es etwas, was er nicht begriff und was ihn erschreckte. Mit seinen eigenen Händen hatte er sich ..Mrs. Bytheways Schmuckkassette mit allem, was darin war, angeeignet; wie also hatte der Inhalt seinen Weg zu ihr zurückgefunden? Die Sache sah nach einem Wunder aus, aber an Wunder glaubte Mr. Cherry nicht. Er glaubte eher, dass dieser Kerl von einem Sekretär etwas damit zu tun hatte, dass er sein eigenes, raffiniertes Spiel spielte. Es schien Mr. Cherry, der immer bereit war, das Schlechteste von seinen Nebenmenschen zu denken, dass der Sekretär sich bemühe, seine, Cherrys Pläne zu durchkreuzen, daher verlangte es ihn sehr nach einer Unterredung mit dem Burschen. Bis jetzt hatte er das — dank der klettenartigen Anhänglichkeit seiner Gastgeberin — nicht erreichen können. Aber nach einer mehr oder minder schlaflosen Nacht, war es ihm endlich gelungen, dieses James habhaft zu werden, und er beschloss, ihm um jeden Preis die Wahrheit zu entreissen. Sein früherer Wunsch, auf gute Art von Lindley-Haus wegzukommen, wurde nun ganz von dem Verlangen in den Hintergrund gedrängt, diesem Menschen zu zeigen, dass er, Georg Cherry, sich von niemandem zum Narren halten Hess. «Lassen Sie das Spotten!» sagte er scharf, «ich will wissen, wo Sie hinaus wollen, und ich will es schnell wissen!» «Genau dasselbe wollte ich Sie eben fragen», erwiderte der Sekretär. Mikes Ueberraschung über die Entwicklung, die die Dinge gestern abend genommen hatten, war keine geringere als die von Mr. Cherry, aber er hatte grosse Erleichterung dabei empfunden. Das Verschwinden der Schmuckkassette aus dem Schirmständer hatte ihn tief bedrückt; beunruhigende Visionen von Richtern, Geschworenen und Handfesseln ihn heimgesucht. Das Bewusstsein, dass Mrs. Bytheway auf freilich unbegreifliche Art wieder zu ihrem Eigentum gelangt war — offenbar ohne zu wissen, dass es ihr je verloren gewesen — hatte ihn von einer grossen Last befreit. Daher trat er seinem Stellvertreter mit einem heiteren Lächeln entgegen, 'hinter dem sich eine Entschlossenheit verbarg, zu erfahren, was dieser Gauner mit all dem zu tun hatte. Mr. Cherry tat einen Schritt nach vorwärts und blieb knapp vor Mike stehen. «Hören Sie, Sie junger Fant», sagte er eindringlich, «jetzt ist es genug! Wenn Sie glauben, Sie können hinter meinem Rücken allerh'and kleine Scherze aufführen, da irren Sie sich. Heraus jetzt mit der ganzen Geschichte oder ich gehe geradewegs zu der Alten und gebe ihr den guten Rat, Ihrer Vergangenheit nachzuforschen!» «Tun Sie das», empfahl ihm Mike warm. «Das wird dann das Stichwort sein für meinen beliebten Vortrag, «der Spitzbube und die Kohlenkiste», der immer einen grossen Lacherfolg hat..» Ein bösartiger Ausdruck dämmerte auf Mr. Cherrys Antlitz. «Oh!» sagte er giftig. «Also waren es wirklich Sie Mikes langer rechter Arm schoss plötzlich vor und seine grosse rechte Hand ergriff Mr. Cherry oberhalb des linken Ellenbogens. Sein Griff wurde immer fester, bis Mr. Cherry glaubte, etwas in ihm müsse nachgeben. Zum ersten Male fiel es ihm auf, dass dieser Sekretär wirklich unnötig gross und stark war, er schien sich jetzt auszudehnen, bis er die ganze Terrasse füllte. Auch war ein unangenehmes Funkeln in seinem^Auge zu sehen. «Lieber, alter Verbrecher», sagte Mike, in dem er Mr. Cherry sanft von links nach rechts schüttelte. «Sie scheinen sich nicht klar zu sein, dass ein Wort von mir Sie unter die Werg-Zupfer versetzen kann. Ich weiss, dass Sie nicht Fairlie sind und das Führen von falschen Namen ist bei Gericht nicht beliebt. Andererseits wissen Sie lange nicht genug von mir. Also seien Sie gescheit, Sie fideler alter Gauner und halten Sie Ihre lose Zunge etwas zurück. Ich will nichts mehr von Minen-springen-lassen und Erzählungen hören. Er würde sich nicht auszahlen, kann ich Sie versichern. Und nun sagen