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E_1928_Zeitung_Nr.081

E_1928_Zeitung_Nr.081

Ausgabe: Deutsche bcbweiz. BEIM, Freilag, 28. SepiemDer 1928. Gelbe Liste 21. Jahrgang. 20 Cts. N0 8i ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen Erlaubnis oder mit falschem Schilde im Lande herumfahren, eine stets grössere werde und da meistenteils Unglücksfälle ihren Grund im Versagen der Bremsen hätten. Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass die bernische Regierungsbehörde etwa auto- ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dlewrtao and freltag Monatlich „Gslb* Lbte" M>_M-*»a M_tt- Ar. 5.—, jlbrlleh Fr. 10.—. ba Ausland unter Portonuehtaut* ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern •Ofern nicht pottamtlleh bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung Im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung III/414 Telephon Bollwerk 39.84 Ifelegramm-Adresse: Antorvrae, Bern INSERTIONS-PREIS: Die «ehtgespaltene 2 mm hohe Gnmdzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen «tu dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif« Inseratenuhluis 4 Tage vor Erseheinen der betreffenden Nummer Die Automobilkonfrolle im Kf. Bern Ein Interview mit Herrn Polizeidirektor Stauffer, Regierungsrat. Dem Leser der «Automobil-Revue> konnte nicht entgehen, dass in letzter Zeit sich die Klagen über versteckte Kontrollen im Kanton Bern dermassen vermehrten, dass man sich wirklich fragen musste, ob inbezug auf Bussenfängerei es der grosse Kanton seinem kleinern Bruder, dem Kanton Schwyz nachmachen wolle. Es ist nicht abzustreiten, dass der Unwille in Automobilkreisen über diese Kontrollen aus dem Hinterhalt, gestiegen ist, und der Eindruck sich verstärkte, als habe es der Kanton Bern darauf abgesehen, kurz vor Saisonschluss sich noch eine beträchtliche Staatseinnahme durch unzählige Automobilbussen zu sichern. Um die ganze Frage abzuklären, hat es die Redaktion der «Automobil-Revue» als ihre Pflicht erachtet, beim kantonalen Polizeidirektor darüber um eine Unterredung nachzusuchen, die ihr auch bereitwilligst gewährt wurde. Wir unterbreiteten Herrn Regierungsrat Stauffer in aller erster Linie folgenden Diskussionspunkt: Die Klagen über die Automobilfallen und Bussen im Kanton Bern und damit die Erbitterung in automobilistischen Kreisen mehren sich beständig. Was halten Sie davon, ist das angewandte System der versteckten Kontroll© nicht zu verurteilen und wäre es nicht besser; diese'aufzuheben und die Polizei auf die Strässe zu stellen, wie dies auch anderweitig, z. B. In den Kantonen Waadt und Genf gehandhabt wird? Herr Regierungsrat Stauffer benutzte die Gelegenheit, um sich eingehender flber das ganze Kontrollwesen auszusprechen!. Wir geben im Nachstehenden seine Auffassung in den wichtigsten Punkten wieder. Die Automobilkontrolle im Kanton Bern wird ausgeführt durch zwei fliegende oder mobile AutomobilkontroHen, sowie durch stehende Kontrollen, die unter dem Kommando von Herrn Hauptmann Bohrer stehen, der selber Automobilist ist. Die Polizei hat im allgemeinen sehr gut gearbeitet und ihr Möglichstes getan, um die Verkehrssicherheit im Kanton Bern zu heben. Sie hat diese ihre Pflicht erfüllt, indem sie den Automobilisten gegenüber grösstes Entgegenkommen zeigte. Seit zwei Jahren sind keine Anzeigen für zu schnelles Fahren auf offener Strecke erfolgt, trotzdem Schnelligkeiten festgestellt werden konnten, die ohne weiteres strafpflichtig gewesen wären. Was nun die Geschwindigkeitskontrolle in den Dörfern anbetrifft, so ist zu F E U I L T O N Sir Michaels Abenteuer. Roman TOT K. 0. R. Browne Copyright 1928 by Georg Möller. Verlast. Mönchen. (38 FortsetEunff) Mit grasser Willenskraft brachte es Mike über sich, ihn gänzlich zu ignorieren und wandte' sich ausschliesslich an Mrs. Bytheway. «Ich war nie ein Stallknecht. Ich war damals nur zufällig im Hof. Mr. Bytheway bot mir diese Stelle und ich nahm sie an.» «Ganz richtig,» bemerkte Mr. Cherry, wie jemand, der einem eigenwilligen aber belustigenden Kind nachgibt. «Aber wenn Sie Sir Michael sind, warum haben Sie sie angenommen?» «Aha!» sagte Mrs. Bytheway und nickte beifällig zu diesem scharfsinnigen Einwand. «Beantworten Sie das!» «Weil », begann Mike und hielt inne, weil es klar wurde, dass er nicht antworten konnte, ohne Anne hineinzuziehen, wofür ihm diese junge Dame wahrscheinlich wenig Dank wissen würde. «Sehr gut», sagte Mr. Cherry mild. «Sehr gut. A propos, wenn Sie Sir Michael sind, können Sie es natürlich beweisen? Briefe oder ein Muttermal oder sonst etwas? Sie entschuldigen unsere angeborene Zweifelssucht, nicht wahr?» betonen, dass das Dekret eine Geschwindigkeit von 30 km erlaubt, dass aber im Kanton Bern nur Ueber schreitungen von über 35 km Geschwindigkeiten, die zudem noch auf 210 m Distanz gemessen werden, zur Anzeige gelangen. Die Kontrollen werden von den Gemeindebhörden verlangt, und wollte man allen Verlangen nachkommen, so müsste man das kantonale Polizeikorps noch um ein Wesentliches verstärken. Es werden zudem nur kommandierte Kontrollen ausgeführt. Unsere Anfrage, warum denn aber der Automobilist nicht angehalten werde und man einer offenen, die versteckte Kontrolle vorziehe, beantwortete Herr Regierungsrat Stauffer dahin, dass damit die Kontrolle illusorisch würde. An Hand von verschiedenen Beispielen versuchte er uns dies näher zu beweisen. Der Kanton Bern habe den Versuch offener Kontrollen gemacht, die kompetente Behörde sei aber zur Ueberzeugung gekommen, dass damit nichts erreicht werde. Uebrigens sei die Polizei das Aufsichtsorgan, das über den richtigen Vollzug der Gesetze zu wachen habe. Das sogenannte Bussen- System liege ausserhalb der polizeilichen Gewaltsdomäne. Die Polizei habe einzig die Kontrolle durchzuführen und im gegebenen Fall die Anzeigepflicht, die sie an den Regierungsstatthalter 2& Haiiden des Gerichtspräsidenten weiter zu leiten habe. Auf den Entscheid des Gerichtspräsidenten habe *weder die Polizei noch die Regierung irgend welchen Einfluss, da im Kanton Bern das System der Gewaltentrennung strikte durchgeführt sei. Infolge dieses Systems habe das Polizeiorgan nicht das Recht, den Automobilisten beispielsweise anzuhalten und ihm eine Busse abzufordern, wie dies unter andern* eben im Kanton Waadt gesehen«. Im übrigen beschränke sich die Kontrolle der Polizei-Organe nicht nur auf Geschwindigkeiten, sondern sie erstrecke sich auch über Fahrausweise, über Kontrolle der Bremsvorrichtungen und des richtigen Fahrens überhaupt. Diese Kontrolle sei unbedingt nötig, da die Zahl derjenigen, die ohne Dies war ein zweiter kluger Hieb, denn wie Mike sich nach kurzem Nachdenken sagen musste, hatte er kein Mittel bei der Hand, um augenblicklich seine Identität zu beweisen. Er hatte keine Briefe, da er noch keine Bekannten in England besass ; auch andere Dokumente zu sammeln hatte er noch nicht Zeit gehabt, und seine Fahrlizenz steckte in seinem Auto. Er war gänzlich unidentifizierbar. «Hm — ah —», stotterte er. «Ach Gott!» sagte Mr. Cherry bedauernd. Alles hat seine Grenzen und Mike war mehr gereizt worden, als ein Mensch ertragen kann. Er wandte sich blitzschnell zu Mr. Cherry. «Vor kurzem», sagte er, «haben Sie mir gestanden, dass Sie ein Schwindler sind. Das haben Sie wohl vergessen?» «Vollständig», erwiderte der Schwindler ruhig. «Und wenn ich es gestand, warum teilten Sie es Mrs. Bytheway nicht mit? Nein, nein, mein Freund, die Geschichte ist wirklich nicht waschecht. Eine ganz sinnreiche Idee, aber Sie können doch wirklich nicht erwarten, damit durchzudringen. Aber vielen Dank für die Unterhaltung und mehr Glück für das nächste Mal!» Er lächelte beinahe mitleidig über den armen Fisch, dessen letzter Versuch, sich von der Angel loszureissen, ihm als die schwächlichste Erfindung, die ihm seit Jahren vorgekommen, erschien. Ein feindlich wäre. Die bernische Regierung bringe dem Automobilwesen vollstes Verständnis entgegen. Dagegen habe sie auch die Interessen der Dorfbewohner zu schützen und über die richtige Beachtung der Gesetze zu wachen. Es sei besser, die Regierung übe die Kontrolle aus, als wenn eine solche von den Dorfeinwohnern aus Notwehr ergriffen würde. Für die Bergstrassen — und von Frutigen an sei die Strasse sowohl nach Kandersteg als nach Adelboden als Bergstrasse deklariert, bestünden spezielle Vorschriften, die vom Automobilisten ebenfalls innezuhalten seien. Auf unsere Frage, warum dann beispielsweise Ausländer nicht aufgehalten und zu keiner Busse verurteilt würden, erklärte Herr Polizeidirektor Stauffer, dass die Ausländer keinen Ausnahmegesetzen unterstünden, dass sie angehalten würden und dabei sofort eine gewisse Geldsumme zu deponieren hätten. Gesandtschaftswagen dürften aus bekannten Gründen der Exterritorialität weder aufgehalten noch gebüsst werden. In einem bekannten Fall habe die bernisehe Regierung beabsichtigt, dem betreffenden Diplomaten den Fahrausweis zu entziehen, vom Bundeshause aus wäre ihr jedoch deutlich abgewunken worden. Auf unsere erneute Frage, ob trotz allen Ausführungen es doch nicht ;besser wäre, endgültig die versteckten Kontrollen aufzuheben, erklärte Herr Regierungsrat Stauffer nochmals, dass im Kanton Bern die Kontrollenur durch Polizisten in Uniform ausgeführt würde, und dass bei einer offenen Kontrolle, die nur dazu da wäre, um diejenigen Automobilisten aufzumuntern, die die Geschwindigkeitsvorschriften missachten, es 5000 Leute mehr benötigte, um sie an alle Kreuzungen, an allen Strassenkrümmungen Vor ungefähr zwei Jahren wurde ein Automobilist von den Aargauer Gerichten gebüsst, weil er auf eine im Dorfe Holderbank eingerichtete Automobilfalle dadurch aufmerksam gemacht hatte, dass er an den beiden Dorfausgängen Plakate angebracht hatte mit der Aufschrift «Falle», «Heute Kontrolle in Holderbank»; das Bundesgericht hat damals die Busse gegenüber einem staatsrechtlichen Rekurse des Verurteilten als bundesrecht zulässig erklärt, weil man im Vorgehen des Rekurrenten ohne Willkür ein Vergehen gegen die öffentl. Ordnung im Sinne des hier angewandten aargauischen Gesetzes erblicken Mrs. Bytheway riss das verhüllende Taschentuch weg. Worauf die ganze Gesellschaft einen schweren, hörbaren Atemzug tat. Auf dem Präsentierbrett lagen zwei Ringe, ein kleines Perlenhalsband und die italienische Brosche aus dem achtzehnten Jahrhun- Tölpel, der sich keine bessere Geschichte ausdenken konnte, verdiente alles, was ihm bevorstand, reichlich, dachte Mr. Cherry seelenvergnügt. «Meiner Seele!» sagte Mrs. Bytheway. «Noch nie ist mir solche Fre Herein!» Langsam öffnete sich die Tür. Langsam, dert. würdevoll, unerschütterlich schob sich die erzbischöfliche Erscheinung Stooplys ins Zimmer. Er hielt ein silbernes Präsentierbrett auf der Höhe der Brust, als bringe er einer ungnädigen Gottheit ein Opfer dar, und auf demselben lag ein kleines Bündel, in ein reines weisses Linnen geschlagen. Hinter ihm, durch seine umfangreiche Gestalt zum grössten Teile verborgen, lugte Miss Kent mit einem ganz entsetzten Gesicht hervor. «Nun, Stooply?» sagte Mrs. Bytheway scharf. Langsam, würdevoll, unerschütterlich trat Stooply bis zur genauen Mitte des Teppichs vor und blieb dort stehen in dem vollen Bewusstsein, dass er ein wichtiger Sendbote.des Schicksals sei. Feierlich hielt er das Präsentierbrett der Dame des Hauses entgegen, ) Ernste Worte entströmten seinem Munde. «Ihren Anordnungen gemäss, gnädige Frau, durchsuchte ich Mr. James' Zimmer. In der oberen Schublade seiner Kommode fand ich diese Gegenstände in einen Socken gewikkelt.» usw. hinzustellen, wobei es eine offene Frage bliebe, ob damit dem anständigen Fahrer in Wirklichkeit gedient wäre. Ueber die Frage interpelliert, was die Polizeidirektion im Kanton Bern von einem eventuellen Boykott halte, der der bernischen Volkswirtschaft ohne Zweifel grossen Schaden zufügen müsste, lautete die Antwort dahin, dass ein solcher bedauerlich und es erfreulicher wäre, wenn die Automobilisten selbst die nicht leichte Aufgabe der Polizei unterstützen würden. * So weit das Interview, aus dem der Standpunkt des bernischen Polizeidirektors klar hervorgeht. Wir sind ihm für seine Aeusserungen ausserordentlich dankbar, dagegen wird er es verstehen, wenn wir uns gewisse Vorbehalte machen müssen. So sehr auch wir den Wert der Kontrolle über Fahrausweise, über Bremsen etc. nicht bestreiten wollen, so halten wir doch dafür, dass das System der versteckten Kontrollen, ganz besonders, wenn es übertrieben wird und an solchen Orten zur Ausübung gelangt, wo die Kontrolle zur Falle werden muss nicht berechtigt ist und leicht zu einer nicht mehr zu verantwortenden Bussenfängerei herabsinken kann. Solange in den verschiedenen Aemtern eine verschiedene Gerichtspraxis ausgeübt wird, solange die Kontrolle eben sehr leicht zu einem einträglichen Staatsge- Schäfte ausarten kann, wäre jedenfalls eine Kontrolle der Kontrolle berechtigt um jeglichem Missbratreh vorzubeugen. Das ist eine Mindestforderung, die wir zu stellen haben, wobei die ganze Frage des Kontroll'- wesens, wie sie heute im Kanton Bern praktiziert wird, für den Automobilisten jedemfalls unbefriedigend ist und einer weitern Abklärung bedarf. K. Ist das Warnen vor Autofallen strafbar? Ein Entscheid des Bundesgerichtes. könne. Dass eine Autofalle durch Plakate verraten wird, dürfte wohl zu den Seltenheiten gehören, dagegen kommt es häufig vor, dass Einer den Andern mündlich vor einer Geschwindigkeitskontrolle warnt. Ein Rekursentscheid des Bundesgerichtes hatte sich nun kürzlich darüber auzusprechen, ob auch eine derartige mündliche Warnung bestraft werden dürfe, sofern die kantonalen Strafgesetze dazu eine Handhabe bieten. Der Rekurrent hatte einige Autofahrer, welche sich dem zürcherischen Dorfe Kilch-^ berg näherten, vor einer daselbst von der Polizei eingerichteten Geschwindigkeitskon * Fünfzehntes Kapitel. Für die Wortkünstler, die eine plötzliche und tiefe Stille effektvoll zu beschreiben wünschen, sind eine Menge ehrwürdiger und verlässlicher Vergleiche im Verkehr. Es gibt zum Beispiel eine beredte Stille oder Grabesstille oder bedeutungsvolle Stille oder eine Stille, in der man eine Stecknadel zu Boden fallen hören kann. Diese letztere Abart war es, die auf die Enthüllung des Geheimnisses des Teebrettes folgte. Eine Stecknadel hätte man wohl nicht fallen hören können, denn bei Mrs. Bytheway gab es nur dicke Teppiche, aber man konnte das leise Krachen in Mr. Bytheways rheumatischem linken Knie vernehmen, als er sich von seinem Stuhl erhob, um seinen erstaunten Blick gleich dem der anderen auf das Teebrett zu heften. Die Stille dauerte vielleicht zehn Sekunden und wurde von Mr. Cherry unterbrochen, der sehr leise «Ah!» sagte und zum drittenmal eine Welt von unheilvoller Bedeutung in die einfache Bemerkung legte. Diese bündige