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E_1928_Zeitung_Nr.084

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12 AUTOMOBIL-REVUE

12 AUTOMOBIL-REVUE 1928 - N»84 Lassen Sie sich die Ferien nicht verderben! Gibt es ein grösseres Uebel auf Ihrer Ferienreise, als das wiederholte Versagen Ihres Autos auf der Strasse. Das behutsam aufgestellte Reiseprogramm ist durchbrochen, die Ferienfreuden sind getrübt Selbst dem besten Wagen kann das Berg auffahren mühsam werden, doch nicht am Wagen liegts. Sie selbst haben es unterlassen, ihm das Nötige zu geben, das ihn in Stand setzt, die höchste Leistungsfähigkeit zu zeigen. Geben Sie Ihrem Motor ein Benzin das Sie in gleichbleibender Qualität überall finden, ein bewährtes Schmieröl, das dem Bedürfnis Ihres Wagens entspricht und in zweckmässiger Weise schützt "STANDARD" Benzin, welches Ihrem Auto das Höchstmas von Kraft verleiht. "STANDARD MOTOR OIL", das Ihrem Motor in wirksamer Weise schützt STAN STANDARD MOTOR OIL BENZIN ***** 'Bedeutet Schutz Bedeutet *-ift_' * •*

III, Blatt der „Automobil-Revue" Wenn früher einer am Stammtisch sass, verächtliche Blicke warf, schliesslich mit der Faust auf den Tisch schlug, einen neuen Schoppen bestellte und donnernd verkündete: «Das ist noch garnicht!», dann wusste man, äass der Jägersmann jetzt seinen Lügenrekord brechen würde, irgend ein Sechszehnender oder ein grimmer Wilddieb würde die Hauptrolle spielen, unser Erzähler der Held der Stunde sein und grossmütig eine Runde spenden, wenn er auf allen Gesichtern restlose Bewunderung und kindlichen Glauben las... Das war zu unsrer Väter Zeit. Heute haben sich die Kulissen etwas verschoben. Das Theater ist dasselbe gp^'i ^n. Aus dem Grünrock ist ein Trenchcc- J ~ vorden, aus dem Sechzehnender eine Bahnschranke, aus dem Wilddieb ein Achtzylinder. Der selige Freiherr von Münchhausen hat eine*neue Leibgarde erhalten: die Automobilisten. Die tausend Varianten des Zufalls, denen der Mann am Volant ausgesetzt ist, die unbestreitbare neue Romantik der Landstrasse und ihrer Gefahren, das unerschöpfliche Kapitel der Pannen, das von Abenteuer zu Abenteuer wachsende Selbstbewusstsein des «Helden» — dies alles verdichtet und verstrickt sich schliesslich zu einem interessanten, wenn auch manchmal reichlich lüngenhaften Kranz von sonderbaren Erlebnissen, die er irgendwo gehabt hat oder haben will und nun der staunenden Mitwelt überliefert. Einige Typen seien hier kurz skizziert. Da ist zunächst der «Rennfahrer». Er ist zumeist Besitzer eines nicht mehr ganz PIANOS Tonuollendetste Instrumente in relatiu massiger Preislage ÄS RAMSPECK nlainu Erkältet? von einer Autofahrt zurüok! Dann hilft sieher ein elektr. SOLIS-Heixkissen zäell bei Rheumatismus, Katarrh, Ischias oder zenbeschwerden. Erhältlich von Fr. 21.50 VJ„ rtn erw :_ Elektrizitäts- u. Sanitätsgeschäften neuen, kleinen Vierzylinders, der ebenso geräuschlos wie langsam fährt aber im Rausch der Erzählungen seines Besitzers zum Dämon der Landstrasse wird. «Sie können sich denken, meine Herren,» schneidet der Pseudo-Caraciola auf «dass ich mir diesen fetten Bissen nicht entgehen lassen konnte. Einem Kompressor auf den Fersen zu bleiben ist keine Kleinigkeit. Es kommt ja so unendlich viel auf den Fahrer an. Mir hat z. B. noch niemals ein gleichstarker oder nur wenig stärkerer Wagen seinen Reservereifen gezeigt und diesmal habe ich das Glück gehabt, sogar einen 10 Liter Kompressorwagen mit meiner fabelhaften Maschine nach 1^ stündigem Kampf mürbe zu bekommen.» (Folgt eine endlos lange Geschichte der Verfolgung eines weit überlegeneren Wagens, die an die Phantasie und die Eitelkeit ihres Erzählers derartige Anforderungen stellt, wie er sie an seinen klapprigen Motor niemals stellen würde). Der «Rennfahrer» beteiligt sich an jedem «Rennen» siegreich und zeigt seinen naiven Freunden triumphierend die Auszeichnungen harmloser Sternfahrten. Er berichtet von phantastischen Geschwindigkeiten und geht nicht unter 70 km in die Kurve. (Dabei beklagt sich seine Freundin schon zum xsten Male über die alte «Mühle» und macht ihm die bittersten Szenen darüber, dass der Staub der überholenden Wagen ihren Teint schon fast völlig zerstört habe). Dann begegnet uns oft der «Abenteurer». Zumeist ein recht gesprächiger Weinreisender mit einem ihm zur Verfügung gestellten Wagen mittlerer Stärke. Die Zahl der Hühner, Gänse und Enten die er überfahren hat, erreicht nach seiner Schätzung so ziemlich die vierte Stelle. Mit linksfahrenden Radlern hat er zahllose dramatische Carambolagen gehabt, die aber meist — infolge seiner seltenen Kaltblütigkeit — harmlos verliefen. Er weiss von nächtlichen Ratten in unwirtlichen Gegenden fast Grauenvolles zu erzählen und die Geschichte, wo er nachts zwischen 1 und 2 Uhr zwei Motorradfahrer mit schweren Schädelbrüchen sterbend im Walde fand, wird ebenso gern vernommen wie seine zahllosen Liebesabenteuer mit schönen Frauen in Weltbädern und Dorfkneipen. Ist er besonders gut gelaunt, erzählt er die Schmuggelgeschichte von der holländischen Grenze (die er einmal im Feuilletonteil einer Zeitung gelesen hat) zum dreihundertsten Male und vergisst nie seine persönliche Kaltblütigkeit und Unerschrockenheit, die die ganze Angelegenheit erst zum guten Ende führten, gebührend hervorzuheben. Fragt man ihn nach seinem zerbeulten hinteren Kotflügel (den er sich beim Einfahren, in die Garage geholt hat), so beginnt er eine wildbewegte Szene zu erzählen, die sich an einem unbewachten Bahnübergang der Strecke Dresden—Prag zugetragen haben soll, wo er um ein Haar von der Maschine eines FD-Zuges zermalmt worden wäre... («0! Gott!!», sagen dann jedes Mal die jungen Frauen, denen er das mit Vorliebe erzählt. Manchmal werden sie auch bleich und zittern ganz leise; denn unser Weinreisender ist ein stattlicher Mann...) Dann ist der «Schamvolle», der vor Wut über sein Vehikel fast sterben möchte, es seinen Freunden und Anverwandten gegenüber aber marktschreierisch lobt, eine sehr oft vorkommende Type des modernen Autbmobilismus. Auf Fragen nach seiner Maschine antwortet er in beglücktem Unterton: «Die Maschine zieht ausgezeichnet, auf Bergen überhole ich grosse Wagen mit spielender Leichtigkeit... mit dem Anspringen habe ich nicht die leisesten Schwierigkeiten... wenn ich im Augenblick Zeit hätte, könnten wir Die Erfindung des Benzinautomobils ist bekanntermassen eine strittige Sache. Die Franzosen nehmen die Priorität für ihren Landsmann Jean Lenoir in Anspruch, der 1860 mit einem Gasmotorwagen in der Umgebung von Paris einige Fahrten absoviert hat, die Deutschen schreiben das Verdienst, die ersten wirklich fahrfähigen Automobile mit schnelllaufenden Explosionsmotor gebaut zu haben, Gottlieb Daimler und Karl Benz zu, die ungefähr zu gleicher Zeit, Anfang der achtziger Jahre, ihre Arbeiten herausbrachten, die Amerikaner wieder schwören auf George B. Seiden, der, von Beruf Patentanwalt und ansässig in Syracuse im Staate New-York, 1879 «Doch. Ich habe alle Vorbereitungen schon vor der Zeit getroffen und dieser Streich von ihm hat alles über den Haufen geworfen. Der Triumphbogen — hast du ihn gesehen?» «Jawohl,» sagte Mr. Moon erschauernd. «Er war nicht meine Idee, sondern die des Pastors, der meinte, er würde den Leuten Spass machen. Nun steht er seit drei Tagen da und beginnt blöd auszusehen. «Ich glaube,» murmelte Mr. Moon, «er hat schon vor drei Tagen so blöd ausgeschaut: Bete lieber um Regen, Karoline; vielleicht bringt der ihn um.» Lady Fairlie seufzte resigniert. «Für einen Mann deines Alters, Joseph, hast du einen merkwürdig beschränkten Gesichtskreis ... Wenn ich also deine etwas komplizierte Geschichte recht verstehe, hat Michael diese Leute in einem Wirtshaus auf dem Weg hierher getroffen und sofort so eine leidenschaftlich" 'Neigung zu ihnen gefasst, dass er alle seine Verpflichtungen hintenan setzte und mit ihnen ins Blaue losfuhr. Ist das richtig?» Mr. Moon hustete und spielte mit seiner Pfeife. «Nun, so im allgemeinen, ja. Ich glaube, der Mann hatte irgend einen Anstand mit seinem Auto und bot ihm Mike an, ihn nach Hause zu fahren, so fing es an. Aufrichtig" gesagt, Karoline, kann ich es Mike nachfühlen, dass er die Gelegenheit wahrnimmt, den Triumphbogen und all das hinauszuschieben. Ich weiss nicht, was du ihm alles geschrieben hast, aber jedenfalls hast du ihm die Furcht des Herrn eingeflösst. Er hat die Idee, dass Gutsherr unter deinen Auspizien sein wirklich arbeiten heisst.» «Dann», sagte Lady Fairlie,