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E_1928_Zeitung_Nr.083

E_1928_Zeitung_Nr.083

Ausgabe: Deutsche Schweiz. EFFP. FreiftLO, 5 QKtODer 1928. istummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 83 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelb» Liste" Halbj&hrHch Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breltenrainstrasse 97, Bern feofern nicht postaratlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Flappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorerue. Bern INSERT1ONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeit oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif. Inseratensehlnss 4 Tag« vor Erscheinen der betreffenden Nnmmer Zur Mechanisierung der Strasse Vom Aufstieg des Motorfahrzeuges in der Schweiz. Die Bewegungen zur Rationalisierung und zur Bestgestaltung der Wirtschaftsmethoden und Wirtschaftsführung sind in vollem Flusse. Das Tempo der Zeit hat dazu gezwungen. Taylor und Ford haben den Anstoss gegeben und heute ist der Begriff «Rationalisierung» in aller Mund. Was haben wir im Grunde genommen darunter zu verstehen ? Rationalisieren ist nichts anderes, wie Herr Ingenieur Walter, Privatdozent für Betriebswissenschaft an der Technischen Hochschule in Zürich ausführte, als zielbewusster Kampf gegen unbewusste Verschwendung von Arbeit, Kraft, Stoff und Kapital. In unserem Wirtschaftsleben arbeiten die genannten Faktoren stets gemeinsam und derart kompliziert, dass es sehr genauer Kenntnisse aller Umstände bedarf, um den heutigen Industriebetrieb so rationell als möglich zu' führen. Rationalisieren bedeutet mechanisieren. Diese Mechanisierung hat mit dem Emporkommen der Maschine je länger je mehr unser ganzes tägliches Leben bestimmt. Nicht um den Menschen zum Untertan der Maschine herabzuzwingen und ihn zu versklaven, wie oft leichtfertige Urteile lauten, sondern um den Menschen bessere Lebensmöglichkeiten zu verschaffen und die Hebung auch breiterer Massen sicherzustellen. ; Die gegenwärtig in Basel geöffnete internationale Bureaufachausstellung, die zum Besuche nur bestens empfohlen werden kann, zeigt in hervorragender Weise die Mechanisierung des Bureaus und damit die Möglichkeit, rationellere Arbeit sowohl in Industrie wie auch in Handel und Gewerbe zu leisten. Mit der Mechanisierung des Bureaus hat die Mechanisierung der Strasse Schritt gehalten. Wir haben in Nummer 80 der «Automobil-Revue» gezeigt, in welch hohem Masse der Weltbestand an Automobilen zugenommen hat und in welch ungeahnter Weisesich in den letzten Jahren die Mechanisierung der Strasse vollzog. Die Zahlen, die wir zu veröffentlichen Gelegenheit hatten, bewiesen wohl deutlicher als Worte, wie durch das beständige Zunehmen an Motorfahrzeugen der Mensch sich inmitten einer gewaltigen Umstellung befindet, von der er sich als Miterleben nur mit Mühe eine richtige Vorstellung machen kann. Nun liegt auch das eidgenössische statistische Jahrbuch 1927 vor, das uns eine genaue Uebersicht über den heutigen Motorfahrzeugbestand in der Schweiz und in den Kantonen gibt. Die verschiedenen Zahlenreihen beweisen uns auch hier, dass das Motorfahrzeug seinen kontinuierlichen Marsch nach aufwärts fortsetzt. Wie wir bereits früher mitteilen konnten, betrug auf den 31. Dezember 1927 das Total von Motorfahrzeugen in der Schweiz 85,981. Wir sind sicher, dass auf Ende dieses Jahres der Motorfahrzeugbestand die Zahl 100,000 überschritten haben wird. Was birgt sich hinter diesen Zahlen? Gewaltige Kapitalien und unendliche Arbeit, mit andern Worten, volkswirtschaftliche Werte, die wir leider in ihrem ganzen Ausmass noch nicht richtig einschätzen können. Es fehlen uns dazu die statistischen Unterlagen. Erfreulicherweise steckt das eidgenössische statistische Amt bereits in den Vorarbeiten, um nächstes Jahr die schon längst notwendige Betriebsstatistik durchzuführen. Es ist zu hoffen und zu erwarten, dass uns die Betriebszählung endlich einmal genauen Aufschluss wird geben können über das Ausmass und die Bedeutung des schweizerischen Automobilgewerbes, dass es uns Aufschluss/geben wird über die Anzahl nicht nur unserer Automobiletablissemente, sondern ebenso über anderweitige Automobilgewerbe- und Reparaturbetriebe, sowie über die mit dem Motorfahrzeugbetriebe direkt oder indirekt im Zusammenhange stehenden Gewerbe, wie Karosseriewerke, Wagnereien, Sattlereien, Spenglereien, Lackieranstalten, elektrische und ähnliche Unternehmungen. Zweifellos wird uns diese Betriebszählung auch genauen Einblick geben können über die in diesem Gewerbe tätigen Personen und der darin investierten Kapitalien. Es ist nicht daran zu zweifeln, dass die resultierenden Zahlen Aufsehen erregen werden und dazu angetan sein dürften, jedermann über die Bedeutung des Automobils in unserem wirtschaftlichen Leben restlos aufzuklären. Der sich ergebende Tatbestand dürfte ferner die Wichtigkeit des Ausbaues und des Unterhaltes unseres Strassenwesens, die Notwendigkeit der Modernisierung und Vereinheitlichung unserer verkehrspolizeilichen Fragen, sowie die Notwendigkeit der Modernisierung unserer gerichtlichen Praxis ins hellste Licht rücken. I Heute vermittelt uns das Jahrbuch des statistischen Amtes nur nackte Zahlen über die Zunahme der Motorfahrzeuge in den einzelnen Kantonen. Diese Zahlen bieten immerhin des Interessanten genug. Sie zeigen uns, das die Zunahme der Motorfahrzeuge in der Schweiz seit 1923 mit 22 bis 24 % fast konstant geblieben ist, dass sich jedoch der Motorfahrzeugbestand seit 1914 bereits verachtfacht hat. Der Bestand an Personenautomobilen hat sich seit 31. 2. 1924 bis 31.12.1927 um rund 6300 vermehrt, ebenso erfreulich hat die Zahl der Lastwagen zugenommen, währenddem die Motorräder von 13.590 auf 31.534 in der angegebenen Zeitspanne emporgeschnellt sind. Vergleicht man die Kantone untereinander, so ergibt sich die eigentliche natürliche Tatsache, dass in den mehr industriellen Kantonen der Automobilbestand wesentlich stärker zugenommen hat als in den ausgesprochenem landwirtschaftlichen Kantonen. Dagegen wird das allgemeine Bedürfnis nach dem modernen Verkehrsmittel durch die Tatsache bestätigt, dass sich ein Ausgleich innerhalb Zürich Bern Luzern üri Schwyz Obwalden Nidwaiden Glarus Zug Fribourg Solothurn Baselstadt Baselland Schaffhausen Appenzell A.-Rh. Appenzell L-Rh. St. Gallen Graubünden Aargau Thurgau Tessin Waadt Wallis Neuenburg Genf Total Personen* Autos 6965 6523 1772 96 380 108 112 237 281 1169 1325 1620 676 468 285 44 2226 395 1964 1274 1430 5298 701 1716 5304 I*stwagen 3049 1515 573 30 148 34 36 46 94 173 290 776 402 144 54 7 412 21 597 261 296 790 191 360 885 149 69 49 «• 6 6 2 3 5 18 27 21 30 29 7 79 65 2 126 2 4 162 4585 5492 1213 80 332 56 71 149 191 771 1358 787 789 434 238 25 1278 409 1965 1082 786 3093 687 1089 1806 der Kantone immer stärker fühlbar macht und dass sowohl landwirtschaftlich orientierte, als auch eigentliche Gebirgskantone eine bedeutende Zunahme am Motorfahrzeugbestand erfahren haben. Ganz charakteristisch ist in dieser Beziehung Graubünden, das Ende 1927 bereits 855 Motorfahrzeugeaufweisen konnte. Die diesen Ausführungen beigelegte Tabelle wird dem aufmerksamen Leser zu Vergleichen und Ziehen von Schlussfolgerungen die beste Gelegenheit geben. Wenn beispielsweise im ausgesprochen agricolen Kanton Waadt bereits auf je 33 Einwohner ein Motorfahrzeug entfällt, so liegt darin der beste Fingerzeig, in welch hohem Masse auch die Landwirtschaft sich schon des Automobils zu bedienen weiss. Wenn man sich die vorgenannten Zahlen vergegenwärtigt und dabei bedenkt, dass mindestens 500 Millionen Franken im heutigen schweizerischen Motorfahrzeugbestand investiert sein dürften, so ergibt sich daraus ohne weiteres die hohe Bedeutung des modernen Verkehrsmittels, das nicht mehr als eine «Quantite negligeable» betrachtet werden darf und auch durch keine noch so geschickt ausgehegten Massnahmen zurückzubinden ist. K. Der Moforfahrzeugbesfand In den einzelnen Kantonen der Per 31. Dezember 1927 CKS 414 602 49 8 7 7 3 3 5 116 71 57 29 16 9 6 71 23 51 23 61 364 95 210 468 slotocr&der Total Motor- Jfthteeoge 15162 14201 3656 211 873 211 224 438 576 2247 3071 3261 1926 1095 586 82 4015 855 4656 2705 2575 9671 1676 3379 8625 Schweiz. Traktoren Per 31. Dezember 1926 Tbtal mwoMi Motor- pro Zunahmfahrzeuga fab>z6Dj in % Matov ihrzra 35 12607 43 20 47 11148 61 27 48 3007 59 21 112 173 138 24 69 743 80 17 74 170 104 24 63 169 82 32 335 101 31 56 454 69 27 64 2009 71 12 42 2491 52 23 43 2771 51 18 43 1483 56 30 46 835 60 31 94 529 105 178 60 243 37 74 3156 94 27 141 573 213 49 52 3227 63 50 2288 59 18 59 1982 30 7864 41 23 75 1014 127 39 2866 46 18 20 7473 23 15 42369 11184 894 28766 2768 85981 45 70027 55 23 Sir Michaels Abenteuer. Roman ron K. 0. R. Browne. Copyright 1928 br Georg Müller. Verlag. München. (40. Fortsetzung) Es mag nun einige geben, die Sir Michael Fairlie ob dieser unchristlichen Gefühle tadeln und an die Lehre von der anderen Backe erinnern möchten. Diese seien darauf hingewiesen, dass Mike viel von Mr. Cherry erduldet hatte und, obwohl er es nicht ahnte, noch mehr erdulden sollte. Mike besorgte gern seine eigenen Angelegenheiten; der Kerl hatte seinen Namen, seine Hemden und sein Willkommen in diesem Haus gestohlen, damit ausgestattet, hatte er verschiedene Verbrechen begangen und bemühte sich jetzt noch dazu, ihn, Mike ins Gefängnis zu hetzen. Im Namen längst zu Staub gewordener und noch ungeborener Fairlies fühlte Mike, dass da etwas geschehen müsse, und zwar rasch. Daher ging er auf Mr. Cherry zu und betrachtete ihn mit dem beleidigendsten Ausdruck, der ihm zur Verfügung stand und der in dieser Beziehung nichts zu wünschen übrig Hess. «Sie schäbiger Kavalier!» sagte er beissend. «Ich frage Sie noch einmal, ob Sie die Wahrheit gestehen wollen, soweit Sie das imstande sind. Ich habe gerade genug von Ihnen ertragen, und wenn Sie nicht augenblicklich ' alles gestehen, wird es Ihnen übel ergehen. Also vorwärts!» Mr. Cherry trat ein wenig zurück. Obwohl er nichts weniger als feig war — eine eherne Stirn und gänzlicher Mangel an Nerven sind ein Haupterfordernis seines Berufes —, war ein Funkeln in Mikes Augen, das ihm gar nicht gefiel. Er war auch keineswegs in der Stimmung für eine Rauferei. Er warf einen hochmütigen Blick auf den Sekretär. «Guter Mann, Drohungen werden Ihnen nicht helfen. Sie sind erwischt worden und müssen die Folgen » Er kam mit seiner Standrede nicht weiter, denn in diesem Augenblick öffnete Mike seine grosse, rechte Hand, legte sie sorgsam auf Mr. Cherrys Gesicht und schob an. Gar nicht heftig, denn es sollte nur als Herausforderung gelten, aber Mr. Cherry verlor das Gleichgewicht und fiel auf den Rücken, mit den Füssen in die Höhe. Mr. Bytheway stiess einen erschreckten kleinen Schrei-aus. Mike, der selbst über das Resultat seines Vorgehens überrascht war, wartete. Er hatte nicht lange zu warten, denn Mr. Cherry, der sich sofort wieder erhoben hatte, kam, Feindseligkeit ausstrahlend, auf ihn zu. Mike ging ihm mit einem fröhlichen Grinsen entgegen. Dieses Grinsen blieb genau drei Sekunden auf seinem Gesicht und verschwand mit grosser Plötzlichkeit. Er war auf einen Boxkampf nach allen Regeln der Kunst gefasst gewesen. Aber Mr. Cherry, obwohl des Boxens nicht unkundig, traute sich nicht genug von dieser edlen Kunstfertigkeit zu, um den Kampf zu bestehen. Hingegen hatte er im Laufe seiner vielbewegten Vergangenheit verschiedene andere Methoden der Verteidigung gelernt, die er nun zur Ausführung brachte. Er ging rasch vorwärts. Mike fühlte einen Griff auf seinem rechten Handgelenk, wurde so heftig herumgewirbelt, dass er fast niederfiel und war still. Nicht weil er still sein wollte, sondern weil Mr. Cherry seinen rechten Arm mit so einem eigenen Griff hielt, dass er sich nicht rühren konnte. Ein Versuch, sich zu befreien, war so schmerzhaft, dass ihm ein lauter Schrei entfuhr. «Nur ruhig, ruhig!», riet ihm Mr. Cherry. «Wenn Sie herumhauen, werden Sie sich den Arm brechen. Sie müssen wirklich Manieren lernen, guter Mann. So etwas macht man nich —» Die Tür öffnete sich und Mrs. Bytheway schaute augenblicklich herein. «Was war das?», fragte sie. Ich hörte einen Schrei — Oh!» «Dieser Bursche», erklärte Mr. Cherry, «griff mich an, wie Ihr Gatte bezeigen kann. Glücklicherweise ist Dschiu - Dschitsu eine meiner Lieblingsübungen, also ist nichts geschehen. Das ist ein sehr zweckmässiger Griff, sehen Sie. Wenn er sich rührt, breche ich ihm den Arm. Also wird er sich nicht rühren. Dies war zwar ein leiser Irrtum, denn Mike, halb verrückt vor Wut, rührte sich doch. Das heisst, er versuchte es, aber nur um zu erfahren, dass Mr. Cherry sich den seltenen Luxus gegönnt hatte, einmal die Wahrheit zu sprechen; es war wirklich ein sehr zweckmässiger Griff. «So ist es recht, Sir Michael!», sagte Mrs. Bytheway rachsüchtig. «Sie anzugreifen, unerhört! Glauben Sie nicht, wir sollten ihn einsperren, bis die Polizei kommt? Ich habe noch keine Verbindung mit der Polizei bekommen, die Nummer war besetzt.» Dies schien Mr. Cherry eine glänzende Idee. Er hatte noch einiges vor der Ankunft der Polizei zu erledigen und konnte schneller und ruhiger arbeiten, wenn dieser Kerl endgültig aus dem Wege war. «Das wäre ganz gut», meinte er. «Es ist ein wenig ermüdend, ihn so zu halten und frei kann man ihn wirklich nicht lassen.» Mike, der vor Wut stotterte, brachte endlich etwas Verständliches heraus: «Wenn Sie das machen —». «Wir werden ihn in die Stiefelkammer sperren», beschloss Mrs. Bytheway. Sie ist gross genug und hat ein starkes Schloss. Wollen Sie ihn, bitte, hinführen, Sir Michael?» Es wäre unfreundlich, bei den Ereignissen der nächsten Augenblicke länger als unbedingt nötig zu verweilen. Da die Türe der Stiefelkammer neben der zur Bibliothek war, dauerte der Weg nicht lang, war aber an Demütigungen reich. Mrs. Bytheway führte den Zug an, gefolgt von ihrem geehrten Gast und seinem puterroten Gefangenen, der sich ebenso mutig, wie schmerzhaft und vergeblich wehrte und dabei Dinge sagte, die hitziger, um nicht zu sagen proletarierhafter Art waren. Mr. Bytheway, mit einem Ausdruck, als hoffe er sogleich zu erwachen, bildete die Nachhut. So betraten sie die Halle, zu der Ueberraschung Miss Kents, die sich seit ihrer Zntfernuns: aus det Bibliothek in deren Nähe