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E_1928_Zeitung_Nr.086

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. .«TU. Frew, 12. ORioüer 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 8 > ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dlenttig und Ereltaff , \ Monatlich „Gelb« Ltat«" Halbjährlich Fr. 5.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Aasland unter Portozuschlag, . ADMINISTRATION: Breltenratttstrasse 97, Bern »fern nicht postamtlich bestellt. Zusehlag für postamtlicb« Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Telephon Bollwerk 59.84 ' ; . -' ; Telegramm-Adresse: Autorerue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die «ehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile odef denn Raum 45 Cts. für dJe Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grfitsere Inserate nach Seitentarif. loseratensebhun 4 Taae vor Erseheinen der betreffenden Nnmmer Oi« Nach Paris — London: Olynlp 'a*Sliow Gestern hat der grosse englische Automobil- Salon seine Tore geöffnet. Unser Sonderberichterstatter in London schreibt uns am Vorabend der Ausstellung : London, 10. Okt. 1928. Mit Spannung erwartet das Publikum die auf morgen vormittag festgesetzte Eröffnung der Londoner Automobilausstellung, über deren Sehenswürdigkeiten die Presse zum Teil schon Auskunft zu geben in der Lage war. Wenngleich die Technik auch dieses Jahr nicht derart geändert hat, dass sie den' Salon zu einer Sensation stempeln würde, so werden doch von verschiedenen Marken Neuheiten gezeigt, die dem Salon ein gewisses Gepräge geben, das noch bestimmtere Form erhält, das -doch auch in bezug auf Carosserien, Cylinderzahl und Preisklassen sich gewisse Tendenzen erkennen lassen. Th. Rutter, ein hervorragender Autokenner und technischer Schriftsteller nennt die Olympia Show einen Kampf zwischen zwei Schulen der Konstruktion. Die beiden vertretenen Richtungen haben'das nämliche Ziel im Auge, nämlich die Führung des Wagens möglichst zu vereinfachen und vor allem das Wechseln der Gänge zu erleichtern, resp. dem Novicen überhaupt zu ersparen. Sie haben aber verschiedene Wege eingeschlagen, um ans Ziel zu kommen. Die eine Lösung liegt in der sorgfältigen Verbesserung des Sechst und Achtzylinderwagens. Deren Motoren werden auf Elastizität und Reprise gezüchtet, so dass sie quasi vom Stand aus durch alle Variationen des Tempos hindurch im direkten Gang bedient werden können. Der erste Gang wird tatsächlich bei den vielzylindrigen Wagen überhaupt nicht mehr gebraucht, es spielt sich alles entweder im zweiten oder direkten Gange ab. Die andere Lösung besteht darin, das Getriebe so zu gestalten, dass das Schalten der Gänge entweder stark vereinfacht oder gar automatisch besorgt wird. Th. Rutter erklärt allerdings, es sei noch nicht möglich, an diesem Salon zu entscheiden, welche Schule Obenausschwingen werde. Neben anderen Faktoren wird hier auch einmal die Preisfrage entscheidend sein, über deren Gestaltung heute noch Ungewissheit herrscht. Der Vielzylindrige ist immer teurer als der Vierzylindermotor, dagegen wird bei diesem Typus die voraussichtlich kostspielige Konstruktion des vereinfachten Getriebes den Wagen verteuern. Der Kampf der beiden Richtungen beschränkt sich vorläufig auf die Wagen mittlerer und höherer Klasse. Die effoffnc^t: der die eine noch die andere Richtung in dieser Kategorie vertreten ist. Bei der zunehmenden Verbilligung der Sechszylinder ist aber anzunehmen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch in dieser Klasse Vielzylindrige oder Wagen mit Spezialgetriebe geboten werden. Sehr zutreffend ist auch jene Meinungsäusserung, die erklärt, wenn Olympia 1927 « der Salon der Wagen des armen Mannes » genannt wurde, weil damals nicht weniger als ein halbes Dutzend sogenannter «Baby»-Autos in Preislagen bis hinab zu 3100 Fr. (125 engl. Pfund) geboten wurden, dann sei Olympia 1928- der Salon der Sechs- und Achtzylinderwagen für die Mittelklasse. Wenngleich der billigste Wagen, der dieses Jahr geboten wird, noch 300 Fr. unter dem letzt jährigen Preisminimum liegt, so sind doch die Ansätze für die «Baby »-Wagen im grossen Ganzen die nämlichen geblieben. Die zwei führenden Unternehmungen, die derartige Kleinwagen, in grossen Serien liefern, die Austin- un4 die Morris-Gesellschaften, offerieren diese wie letztes Jahr zu 125 Pfd. Dagegen hat die Zahl der Wagen, die zwischen '6000. und 12,000 Fr. angeboten werden, ganz enorm zugenommen. Speziell die leichteren Sechszylinder wagen sind recht zahlreich und zu sehr interessanten Preisen vertreten, wovon der billigste Fr. 6000 gilt. , Diese Preislage wird erst richtig eingeschätzt werden, wenn ein Vergleich mit'den Preisen des Vorjahres gezogen wird: damals kostete der billigste Sechszylinder ganze 2000 Franken mehr. Da diese Wagen meistenteils in die Klasse mit 12 Steuerpferden fallen, wodurch deren Betrieb nicht allzusehr verteuert wird, ist tatsächlich dieses Jahr vorwiegend der mittleren Börse Gelegenheit geboten, aus einer grossen Auswahl das Beste auszusuchen. Eine ähnliche bemerkenswerte Preissenkung ist auch bei den Achtzylindermodellen zu verzeichnen. Der billigste Wagen dieser Art war niedrigste Preisklasse zwischen 150 und 250 Pfund Sterling bleibt dabei unberührt, da weschranktem Masse möglich war. Der Karosseriebau hat aber sofort auf den Wunsch des autofahrenden Publikums reagiert und so sind deshalb-an der Olympia Show dieses Mal gegen ein Dutzend sogenannte Sonnenscheinwageji, Innenlenker mit zurückrollbarem Dach, vertreten, i Bei den kleineren geschlossenen Wagen, wie sie vielfach gerne von Damenfahrern verwendet werden, war das Einsteigen eine etwas heikle« Sache: der Wagen selbst ist ziemlich niedrig und die zur Verfügung stehende Einsteighöhe wurde durch das Trittbrett noch mehr gekürzt. Es brauchte also geradezu eine gymnastische Uebung, bis man im Wageninnern Platz genommen hatte. Dazu war die In Nummer 82 der «Automobil-Revue» erschien ein kurzer Tätigkeitsbericht über den Automobilweltkongress in Rom. tUnser Römer-Korrespondent, der dem Kongresse beiwohnte, sendet uns - folgenden interessanten und ergänzenden Bericht: Rom, Anfang Oktober 1928. Soeben ist in Rom der fünfte Weltkongress des Automobils zu Ende gegangen. Stadt und Staat hatten es nicht an einer grossen Aufmachung fehlen lassen, denn man empfindet Dame durch die unnachsichtige Moderegel des engen Rockes doppelt handikapiert, so dass das Ein- und Aussteigen direkt zu einer Unbequemlichkeit wurde. Um auch der Dame in dieser Beziehung entgegenzukommen, haben die meisten Carrossieres bei den Kleinwagen auf das Trittbrett verzichtet, dafür sind die Kotflügel um so grösser gehalten, um auf diese Weise wenigstens für das Auge einen Ersatz zu schaffen. Das wären die aus den Vorberichten sich ergebenden Merkmale, welche die Olympia: Show 1928 von den Vorgängern unterscheidet. Weitere technische Einzelheiten werden sich bei einem ersten Rundgang durch die Stände feststellen lassen. bi. Nach dem Romeo** Kon^rc^s es hier sehr angenehm, dass, Rom immer mehr Sitz internationaler Kongresse wird. Nach dem Besuch war-der heurige Kongress fragjos der bedeutendste. Vertreter aller Weltteile und namentlich auch angelsächsische Abgesandte waren in grosser Zahl erschienen. Der englische Kronprinz, der Präsident des letzten Kongresses in London war, hatte es sich nicht nehmen lassen, einen huldvollen telegraphischen Gruss zu senden, worin der historisch unanfechtbare Satz ausgesprochen wird, dass die alten Römer zuerst der Welt gelehrt hätten, wie man ein grosses Strassennetz baue. Es ist schon oft gesagt worden, dass der eigentliche und grosse Nutzen der internationalen Kongresse überhaupt in dem persönlichen Kontakt massgebender Personagen liege, während die Reden und die Resolutionen meist nur eine recht relative Bedeutung hätten. Dies gilt auch vom heurigen Automobilkongress. Eigentlich interessant war nur ein langer Vortrag des Prof. Bergius über den gegenwärtigen Stand der Verflüssigung der Kohle und der wurde denn auch mit nicht endenwollendem Beifall aufgenommen. Bergius sagte, dass man jetzt, nach unendlichen Versuchen, seit 1913, wo zuerst im Laboratorium die Verflüssigung gelang, so weit sei, dass die Kohle fast ohne Rest verflüssigt werden könne. Daher sei gegenwärtig technisch wie ökonomisch die Situa- letztes Jahr mit 615 Pfund angeschrieben, heute offeriert eine englische Automobilfabrik einen geschlossenen Achtzylinder für 485 Pfd. Interessant ist auch der Einfluss der Witterung auf den Karosseriebau. England erfreute sich diesen Sommer eines ausnehmend guten Wetters, das in angenehmem Kontrast stand zu der unfreundlichen und launischen Witterung anderer Jahre. Sogleich machte sich der Wunsch geltend, den Sonnenschein auch während den Autofahrten geniessen zu können, was bei den in England vorherrschenden j geschlossenen Wagen natürlich nur in be-tion so, dass von der Kohle direkt das Brennmaterial für das Auto gewonnen werden könne, ohne dass man im mindesten mehr auf das Petroleum angewiesen, sei. Das wolle nicht heissen, dass das aus dem Petroleum gewonnene Benzin nunmehr überflüssig werde, aber es sei ein riesiger Fortschritt erreicht, speziell für die Länder, die nicht über Petroleumquellen verfügen. Die Sache hatte sogar eine grosse politische Bedeutung, denn die Jagd nach dem PeroJeum greife- tief in, das internationale, politische Leben und Treiben hinein. Allen Völkern die heute nötigen flüssigen Brennstoffe zu verschaffen, sei auch eine Tat des Friedens. (Und wie nötig diese Brennstoffe sind, -ergab sich aus einer Bemerkung des Vortages, dass heute der Benzinkonsum der Welt, der 1914 noch um sieben Millionen Tonnen jährlich sich bewegte, auf die enorme Ziffer von vierzig Millionen gestiegen ist!) Prof. Bergius wollte wohl eigentlich sagen, dass seine Entdeckung den Plan der Länder zu Schanden mache, die durch Monopolisierung des Petroleums ihre möglichen Gegner militärisch wehrlos machen wollen, aber er konnte das den englischen Vettern nicht ins Gesicht sagen. Den richtigen Kommentar hatte Tags vorher die Rede des Präsidenten des englischen Automobil-Clubs gegeben, der mit auffälliger Breite ausführte, wie in England namentlich auch die militärische Organisation im Kleinen wie im Grossen auf die Motore mit flüssigem Brennstoff eigentlich abstelle, dass speziell das ganze Heer umorganisiert wird in diesem Sinne. Der Kongress hat eine Reihe von Resolutionen genehmigt, die an die Regierungen oder an direkt interessierte Kreise des Automobilwesens gerichtet sind und sie zum Aufsehen mahnen sollen. Es würde aber den hier zugemessenen Raum weit übersteigen, diese meist umfangreichen «Motionen» wie- f IE M J i r i E T O N Sir Michaels Abenteuer. Roman TOT K. 0. R. Browna. Copyright 1028 by Georg Mfiller. Verlax. Mönchen. (42. Fortsetzung) Mr. Moon errötete unter seinem grossen Bart. Er "war sich von Anfang an bewusst, dass dies der schwache Punkt seiner Erzählung sei. Doch war es ganz unmöglich, die Sekretärschaft zu erklären; wenn Karoline nur ahnte, dass der Gutsherr von Hurstover den Sekretär bei einem Beamten ausser Diensten spielte, konnte alles Mögliche geschehen. Aus ähnlichen Gründen hatte er auch nichts von Anne Kent erwähnt. Mikes Eheaussichten waren eine Sache, über die Karoline sicher die strengsten Ansichten hatte. Ausserdem mischt sich nur ein Narr in die Herzensangelegenheiten anderer; mit seinen musste Mike selbst fertig werden. Mr. Moon hatte nur unternommen, Lady Fairlie zu sanfter Nachsicht mit der Pflichtversäumnis ihres Neffen zu bewegen und darum bemühte er sich ernstlich. Er stand jetzt auf und begann im Zimmer auf und ab zu gehen, um dem hypnotischen Blick seiner Schwester auszuweichen. Dabei dachte er: «Wenn man mit Karoline spricht, ist es, als spräche man mit X-Strahlen.» «Nun», sagte er grosszügig, «du weisst ja, wie so etwas kommt, wahrscheinlich haben beide heftige Sympathien für einander gefasst. Das passiert ja oft.» «Mir», sagte Lady Fairlie nachdenklich, «ist das nie passiert. Vielleicht erscheint es mir deshalb als ein genügender Grund, alle meine Vorbereitungen umzustossen. Du sagst, Mike wird geruhen, bald nach Hause zu kommen?» «Natürlich, wahrscheinlich schon Morgen. Sie lassen ihn nur nicht gern fort.» «Es interessiert mich sehr, Mike wiederzusehen», sagte Lady Fairlie. Er muss wirklich ein anziehender junger Mann sein. Wie sagtest du, hiessen diese ausserordentlich gastfreundlichen Leute?» «Bytheway». «Sehr interessant,» murmelte Lady Fairlie zerstreut. «Ich möchte wissen, ob — nun Crump?» «Das Auto steht vor der Tür, Milady.» Lady Fairlie erhob sich. «Also, lebe wohl, Joseph, und vielen Dank für deine Hilfe. Komm bald wieder. Die ver • schiedenen Dinge, die du vergessen hast, werden dir nachgeschickt.» »Danke,» sagte Mr. Moon. «Und mach dir keine Sorgen wegen Mike.» «Ich mache mir sehr selten Sorgen», erwiderte Lady Fairlie. «Statt dessen tue ich etwas.» Sie schob ihren Arm in den des Bruders, begleitete ihn zum Auto, sagte ihm liebevoll Adieu und winkte ihm zu, als der Wagen fortrollte. Dann kehrte sie lächelnd ins Frühstückzimmer zurück, setzte sich auf ihren früheren Platz und schenkte ihre ganze Aufmerksamkeit der Times, denn sie war eine der seltenen Frauen, die die Zeitung intelligent lesen, ohne sie dann in einem, bis zur Unkenntlichkeit verwirrten und unordentlichen Zustand zurückzulassen. Als sie beinahe damit fertig war, drang durch das offene Fenster der Klang einer Auseinandersetzung an ihr Ohr. Man hörte deutlich abwechselnd die gemässigte Stimme von Crump, dem Diener, der offenbar jemandem Vorstellungen machte, und die viel kräftigere Stimme eines Unbekannten, der recht ungeduldig zu sein schien. Lady Fairlie lauschte einen Augenblick, dann erhob sie sich, ging zur Tür und rief: cCrump!» Die Auseinandersetzung erstarb plötzlich und der Diener stand vor ihr mit etwas är« gerlichem Gesicht. «Was ist los, Crump?» «Ein Mensch, der Sir Michael sprechen will, Milady.» «Was für ein Mensch?» «Ein — ein Mann, Milady. Ein recht rauher Mann. Ich sagte ihm, Sir Michael sei nicht zu Hause, und er verlangte seine Adresse, die ich ihm nicht geben wollte, da er sich weigert, zu sagen, was er von ihm will.» «Ich verstehe,» sagte Lady Fairlie. «Nun, führen Sie ihn herein.» Crump zog sich mit einer Verbeugung und dem Ausdruck des Protestes gegen den erhaltenen Befehl zurück und erschien gleich. darauf mit der Meldung «Mr. Hicks» wieder. Bei dem Anblick des Individuums, der ihm auf den Fersen folgte, hoben sich Lady Fairlies Augenbrauen in leichtem Staunen. Der Besucher war ein kurzer gedrungener Mann von sonderbarem Aussehen; der Leser kennt ihn ja und kann sich vorstellen, dass er, angetan mit einem senffarbigen Anzug und einem steifen Hut, der ihm viel zu klein war und den er jetzt hastig vom Kopf riss, in diesem Salon efnc merkwürdige Fteur machte.