Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1928_Zeitung_Nr.088

E_1928_Zeitung_Nr.088

Ausgabe: Detitsche Schweiz» EFFif. Freuen, 19 OKtooer 1928. Nummer 20 Cts. 2*. Jahrgang." "T- N n 88 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen Halbjährlich sofern nicht In. ABONNEMCNTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and PrelUg "" Monatlieh „Galba LbU» Fr. 6.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portoroschlac» ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Dero postamtlicb .bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im * und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnung 111/414 Tetephon Bollwerk S9.84 ~ „ Telegr*ftun-Adresse: Antorerue. Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeit oder denn Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct*. Grossera Inserate nach SeitentariU taserateniefcluss 4 Tage vmr Erscheinen der betreffenden Nummer Zum Schutz der Nachtruhe. Das teilweise Nachtfahrverbot von.s 30 der zürcherischen Verordnung über den Verkehr mit Motorfahrzeugen vom 20. Januar 1923 für Motorlastwageh mit Vollgummireifen gilt auch für Anhängewagen. , § 30 der zitierten Verordnung bestimmt: « Motorlastwagen, die nicht • Luftschlauchbereifung haben und solche, die beim Fahren einen lästigen Lärm verursachen, ist vom T: Mai bis 30. September der Verkehr von 23 Uhr bis 4 Uhr und während der übrigen Zeit des Jahres bis 5 Uhr untersagt. Der gleichen Ein-^ schränkung unterliegen Autoomnibusse und Motorlastwagen für Personenbeförderung. In dringlichen Fällen kann die 'Polizeidirektion Ausnahmen gestatten.» Im Gegensatz zum Bezirksgericht Winterthur, das die Anwendung dieser Bestimmung auf Anhängewagen verneinte, hat' das' Obergericht des Kantons Zürich dieselbe bejaht und das Kassationsgericht hat diese Auffassung bestätigt. Die Begründung des Obergerichts ist ein interessantes Beispiel der sich ausdehnenden Gesetzesaüslegung auf Grund des Zwecks einer Bestimmung. Das Obergericht führte in der Hauptsache aus: • «Im heutigen Falle handelt es sich, negativ ausgedrückt, darum, ob dem '§ 30 der «Verordnung über den Verkehr mit Motorfahrzeugen und Fahrrädern» der Sinn innewohnt, dass auf dem Gebiete des Kantons Zürich der Verkehr mit Anhängewagen, deren Räder nicht mit Luftschläuchen bereift sind, nachts von 23 Uhr an bis morgens 4, bzw. 5 Uhr auch dann verboten sei, wenn sie an Motorlastwägen gekuppelt sind, deren Räder Luftschlauchbereifung besitzen; positiv ausgedrückt, ob § 30 der zitierten Verordnung sagen wolle, dass die Bereifung der Räder eines Anhängers im Nachtverkehr gleichgültig ist, sofern nur die Räder des Motorwagens, an den jener angehängt wurde,-mit Luftschlauchreifen versehen sind. Aus dieser Fragestellung ergibt sich zunächst angesichts des Zweckes, den '§ 30 verfolgt, und der Erfahrungstatsache, von welcher § 30 selbst ausgeht, wonach jede andere Bereifung von Wagenrädern im Verkehr mehr Erschütterung verursacht, als diejenige mit Luftschläuchen, mühelos, dass die Art der Bereifung von Anhängern im Nachtverkehr nicht gleichgültig sein kann. Nach •§ 30 der Verordnung genügt es übrigens keineswegs, dass ein Motorlastwagen Luftschlauchbereifung aufweise, um im Nachtverkehr ohne weiteres zugelassen zu sein; im Verkehre der Nachtzeit wird zudem gefordert, dass er keinen lästigen Lärm ver- Ursache. Die Luftschlauchbereifung gibt also keinen Freipass zum Transport bei$pieisweise einer Lärm verursachenden Last' zur Nachtzeit. Dies ist zwar in •§ 30 auch nicht ausdrücklich'gesagt, doch können die Worte: « Motorla st wagen, die beim Fahren einen lästigen Lärm verursachen », sinngemäss nicht anders ausgelegt werden. Die Ausstattung der Räder mit Luftschlauchreifen ist daher nur- ein-Minimalerfordernis für.den Verkehr mit Motorlastwagen in der Nacht. 1 Die .Verordnung bezweckt eben, die Störung der Nachtruhe durch den. Verkehr mit Motorfahrzeugen, in jeder Form zu vermeiden,, gleichviel also, ob die Störung in Erschütterung oder in Lärm bestehe. Sie stützt sich dabei auf den § 13, zweites Alinea, des Gesetzes vom 18. Februar 1923. Sie unterbindet den Nachtverkehr mit Motorlastwagen nicht vollständig, verbietet ihn aber — Ausriähmebewilligungen für dringliche Fälle vorbehalten — wenn die von ihr gestellten Bedingungen (Luftschlauchbereifung und erträgliches Geräusch beim Fahren) nicht erfüllt sind. Nun kann; vernünftigerweise nicht angenommen werden, dass eine Nachtruhestörung, welche- durch den.Anhänger verursacht wird, hingenommen werden sollte, weil der führende-Motorwagen keine oder doch nur eine solche verursacht, die im Sinne der Verordnung als erträglich anzusehen wäre. Der Fall ist denkbar, dass ein mit > Luftschlauchbereifung versehener unbelasteter Motorwagen oachts--„einen " sehwerbelasteten -Anhänger zöge; es ist denkbar, dass der unbelastete Motorwagen zufolge der Luftschlauchbereifung im Sinne der Verordnung weder eine Erschütterung noch erheblichen Lärm verür* sachte, wohl aber der belastete, mit Vollgummibereifung versehene Anhänger. Es kann jedoch gewiss nicht die Meinung der Verordnung sein, dass durch den Anhänger wieder vereitelt werden dürfe, was mit der Vorschrift des § 30 überhaupt bezweckt und erreicht werden soll. Es ist aber auch denkbar, dass der schwerbelastete, mit Luftschlauchreifen ausgestattete Motorwagen keine erhebliche Erschütterung und keinen erheblichen Lärm verursachte, wohl aber der an ihn gekuppelte, leere, aber nicht mit Luftschlauchreifen versehene Anhänger, und schliesslich ist auch denkbar, dass der Anhänger beim Fahren mehr Erschütterung und Geräusch als der Motorwagen verursachte, obgleich beide leer oder beide beladen sind, nur deshalb, weil dem Anhänger die Luftschlauchbereifung fehlt, der Motorwagen aber eine solche besitzt Die Verordnung vermeidet jede Kasuistik. Aber es kann ihrem Zwecke nach kein Zweifel darüber bestehen, dass der Anhänger, um den Anforderungen zu Berlin, Mitte Oktober 1928. Starke Beteiligung des Auslandes. Die Personenwagenschau im Zeichen des schönen Gebrauchswagens. Achtzylinder und Kleinautos herrschen vor. Stärkere Motoren und höhere Geschwindigkeiten für Lastkraftwagen. Die Automobilindustrie bietet wesentliche Verbesserungen der Fahreigenschaften. * - Zum ersten Male seit 1926 wird die deutsche Automobilindustrie f ihre Erzeugnisse in einer grosseh Sonderschau zeigen und • zum ver£feH Üale seit 1911 werden auslänidisch^ Firmen in den AussteHürigsrämiten zu Qast sein. Seit dieser langen Pause wird den deutschen Automobilinteressenten wieder eine Schau geboten, die alles vereinigt, was auf dem internationalen Automobilmarkt Namen und Klang besitzt Aeusserlich übertrifft diese Ausstellung in ihren Grössenverhältnissen alle früheren Veranstaltungen. In den vier Ausstellungshallen am Kaiserdamm in Charlottenburg und auf einem beträchtlichen Kompiex Freigelände von insgesamt 50 000 qm Fläche werden von etwa 600 deutschen und ausländischen Firmen rund 22 000 qm belegt In der sogenannten alten Autohalle werden 24 deutsche Aussteller von Pcrsonenwager 38 österreichischen, amerikanischen, französischen, italienischen und belgischen Firmen gegenübertreten. In der neuen Autohalle und der neuen Funkhalle sind Lastautomobile ausgestellt. 25 deutsche und 9 ausländische Aussteller geben mit ihren Erzeugnissen ein abgerundetes Bild von dem gegenwärtigen Stand des internationalen Lastautomooilbaues. 31 deutsche und 13 ausländische, überwiegend englische und amerikanische Motorradfabriken zeigen in der alten Funkhalle genügen, welche die Verordnung zum Schütze der. Nächtruhe aufstellt, * denselben Normen unterworfen ist, wie der Motorwagen selber. Wenn die Verordnung in § 30 die Anhänger nicht specifice nennt, so kann das nicht bedeuten,'dass sie eine Störung der Nachtruhe durch die Benützung von Anhängern nicht vorbeugen wollte, oder dass der Gesetzgeber die Anhänger einfach vergessen habe, weil er da, wo die Verordnung von den Anhängern im Besondern handelt, die Nachtruhebestimmung nicht wiederholte. Eine solche Wiederholung war deshalb nicht nötig, weil § 30,-, wie, das Statthalteramt Winterthur richtig ausführte, den Anhänger als Teil des Motorlastwagens betrachtet und behandelt. Diese Norm ist allgemeiner und umfassender Natur und kann, obgleich darin besser von Motorlastfuhrwerken statt von Motorlastwagen die Rede sein sollte, ohne Willkür und Absicht, schlechterdings- nicht missverstanden werden.» * M: Die internationale flulomobil-fusslellong in Berlin. 8. "toi» ±8. November 1928 (Von unserem Berliner Sonder-Berichterstatter.) überraschend viele neue Modelle. Werkzeusund Prüfungsmaschinen für die Automobilfabrikation, darunter allermodernste Konstruktion deutscher und amerikanischer Herkunft, sind in, der Halle II (alten Autohalie) untergebracht Im Obergeschoss stellen dort die Zubehörindustrien aus. Die Karosseriefabriken sind auf die Halle I und II verteilt Spezialfahrzeuge, Omnibusse, Tankwagen und Strassenreinigungs - Maschinen werden vornehmlich in der neuen Funkhalle gezeigt Drei- bis vierhundert Vorführungswagen stehen auf den anliegenden Strassen und der Nordschleife der Avus den Interessenten zu Probefahrten zur Verfügung. Garagen, eine Musterfeparatürwerkstatt und viele andere Ausstellungsobjekte drängen sich eng auf dem Freigelände. , . Am Mittwoch den 7. November, nachmittags 5 Uhr,.wird erstmalig die Presse durch die Ausstellung geführt. Am folgenden Vormittag um 11 Uhr findet die feierliche Eröffnung statt Einzelheiten darüber, was die deutsche Automobilindustrie an neuen Modellen zeigen wird, sind noch wenig bekannt, denn die Arbeiten dürften in vielen Fällen erst wenige Tage vor Eröffnung der Ausstellung endgültig abgeschlossen werden. Was 1929 an neuen Modellen auf den Markt gebracht werden soll, wird hier erstmalig vorgeführt uid seit länger als einem Jahr ist die fieberhafte Tätigkeit der Werke auf dieses grosso Ereignis eingestellt. Trotzdem kann man schon jetzt feststellen, dass man grundlegend Neues — bis vielleicht auf die eine oder andere Ueberraschung — auf der kommenden Ausstellung wahrscheinlich nicht finden wird. Völlig neue Konstruktion sprinzipien, die uns von dem bisher entwickelten Typ des Automobils loslösen, sind, wenn man etwa von einem schnellaufenden Sir Michaels Abenteuer. Roman von K. O. R. Browne Copyright 1028 by Georg Möller. Verlag. München. (43. Fortsetzung) « Bitte, warten Sie hier, Mr. Hicks. > « Bitt' um Entschuldigung » «Ich möchte, dass Sie hier warten, bis ich meinen Neffen gesehen habe. Ich habe ihn seit zwölf Jahren nicht gesehen, also werden Sie ja nichts einzuwenden haben.» Das war wohl ein guter Grund, wenn auch nicht der wahre. Lady Fairlie hatte nicht die Absicht, Mr. Hicks zu gestatten, ihren Neffen der Unehrlichkeit zu beschuldigen — womöglich in Gegenwart von Fremden. Diese Sache musste mit Ausschluss der Oeffentlichkeit erledigt werden. Sie hätte den Wirt ja nie mitgenommen, hätte sie ihn nicht im Auge behalten wollen, damit er mit seinem Gerede nicht Mikes Ruf, schädige. « Warten Sie hier,» wiederholte sie, «ich werde nicht lange ausbleiben.» Und ehe er nochmals widersprechen konnte, war sie ausgestiegen und zog kräftig an der altertümlichen Klingel neben dem Tor. Langsame, würdevolle Schritte erklangen von drinnen. Die Tür öffnete sich und zeigte den majestätischen Stooply. «Guten Morgen,» sagte Lady Fairlie freundlich. «Ich höre, dass Sir Michael Fairlie hier ist.» Ernsthaft betrachtete sie Stooply. Da er bemerkte, dass eine Dame von Rang, wie er nur selten eine zu Gesicht bekommen, seit er in diesem Hause diente, vor ihm stand, vermenschlichte er sich zusehends. « Ganz richtig, gnädige Frau. » « Kann ich ihn sehen? Ich bin seine Tante. Hier ist meine Karte.» Stooply nahm die Karte, betrachtete sie und wurde noch menschlicher. « Gewiss, Milady. Wenn Sie - freundlichst mit mir kommen wollen, werde ich Sir Michael benachrichtigen.» Gleich darauf war Lady Fairlie in einem Salon, von dessen Fenster man Mr. Hicks deutlich sah, wie er, den kleinen Hut ganz nach hinten geschoben, verdrossen im Auto sass und heftig Tabak — seinen Trost in schwierigen Lebenslagen — kaute. Lady Fairlie lächelte und wandte sich um, als sich die Tür öffnete, um Mrs. Bytheway hereinzulassen. Die letztere befand sich augenblicklich in etwas verwirrtem Gemütszustand. Dieser Vormittag hatte sie erschöpft Der Schmuckdiebstahl, die Entdeckung von ihres Mannes Hinterhältigkeit, die Entlarvung des schurkischen Sekretärs — all diese Dinge hatten sie angegriffen. Zu jeder anderen Zeit hätte Lady Fairlies Gegenwart unter ihrem Dach sie in den siebenten Himmel versetzt, sie erregte sie jetzt auch freudig. Gleichzeitig bedrückte es sie aber, dass so ein vornehmer Besuch gerade zu einer Zeit eintraf, in der es unmöglich war, ihm sozusagen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Der Raub, das Geheimnis der Stiefelkammer und die bevorstehende Ankunft der Polizei — all das fühlte Mrs. Beytheway, hinderte sie, dieses zweite Mitglied der allerbesten Gesellschaft mit den gebührenden Ehren zu empfangen. Sie war ganz verwirrt und fürchtete, dass man es ihr ansah. Doch tat sie, was sie konnte. «Lady Fairlie? Es freut mich ausserordentlich. Ich bin Mrs. Bytheway.» Die Besitzerin von Lindley-Haus war ungefähr "zweimal so umfangreich wie die Besucherin, aber sie hatte sofort ein merkwürdiges Gefühl der Inferiorität Sie wunderte sich, dass Sir Michael nie diese offenbar wichtige Tante erwähnt hatte. Lady Fairlie, nach höflicher Musterung der Dame des Hauses, sah, dass sie für diese Frau nie dauernde Zuneigung empfinden könnte. « Guten Tag,» sagte sie artig. «Ich muss mich wegen der Störung entschuldigen, aber ich habe mit meinem Neffen über eine dringende Geschäftssache zu sprechen.» «Ach, es ist doch keine Störung, Lady Fairlie! Ich freue mich sehr, Sie zu sehen. Ich sage immer — — » Mrs. Bytheway brach plötzlich ab und starrte durch das Fenster auf die seltsame Gestalt im Auto. Sie blickte Lady Fairlie überrascht an. « Möchte Ihr — Ihr Begleiter nicht auch hereinkommen? » «Er bleibt lieber draussen, vielen Dank, weil wir es ziemlich eilig haben, fürchte ich. Wenn ich ein paar Worte mit Michael sprechen könnte > «Gewiss, Lady Fairlie, gewiss! Natürlich. Ich werde um ihn schicken — nein, ich hole ihn selbst, wenn Sie mich einen Augenblick entschuldigen.» Sie lächelte ihre Besucherin verklärt an und ging majestätisch aus dem Zimmer. Lady Fairlie hörte die Schritte in der Ferne verklingen, dann ihre erhobene Stimme: «Sir Michael! Sir Michael!» Darauf Stille und in einer Weile wieder die Schritte, von anderen begleitet Die Tür öffnete sich und Mrs. Bytheway begleitete einen jungen Mann ins Zimmer. (Fortsetzung folgt)