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E_1928_Zeitung_Nr.089

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12 AUTOMOBIL-REVUE

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Auf unserer grossen Autoreise quer durch Üie Vereinigten Staaten haben mein Reisegefährte Max Qoldschmidt und ich ziemlich alles, was wir sahen, gefilmt — so erzählt Arnold Höllriegel, der Sonderkorrespondent des «Berliner Tageblattes», in seiner ulkigen Art — das heisst, er hat gefilmt und ich stand daneben, weisen Rates voll oder nur aufgeregt. Manchmal wurde ich zapplig und lief unversehens vor das Objektiv. Diese Stücke unseres Films müssen herausgeschnitten werden; es zeigt sich, dass ich mich zum Filmstar nicht sehr eigne. Aber wir filmten in Holywood Charlie Chaplin, während er mir in seiner Wohnung seinen neuen Filmstoff erzählte, mit einer heiligen Eindringlichkeit sondergleichen, mit einem konzentrierten Mienenspiel! Er achtete nicht auf Max Qoldschmidt, der mit seiner Kamera in einer Ecke stand; es war ja Blödsinn, noch um sieben Uhr abends bei sinkender Sonne im Zimmer zu filmen! «Gar keine Aufnahme ist noch schlechter!» sagte mein Begleiter nachher, auf meinen Spott hin. Den Film aber wagte er lange nicht entwickeln zu lassen, so eine Angst hatte er. Wir schleppten die Filmrolle durch die sommerliche Glut der Mojave-Wüste, und durch irgendeinen Trick der Photochemie verstärkte sich das schwache Lichtbild und wurde vollkommen gut. Wir filmten Emil Jannings, wie er mit seiner Frau Gussy und seiner Stieftochter Ruth Maria Tennis spielt. Er spielt gar nicht gut Tennis, aber er spielt doch so gut Theater, RITTER Ürt Tonuollendefsfe Instrumente in relatiü massiger Preislage 'S RANSPECK Heizkissen „.„ Bettwarmer Teppichheizer anschaffen. Die überlegene Schweizermarke Heizkissen von Fr. 21.50—34.50 erhältlich in allen Elektrizitäts- u. Sanitätsgeschäften iiia PIANOS gnip 0WHQ/f*O(f eil also konnte er aussehen wie ein grosser Tennismeister. Und wir filmten ihn, wie er in seinem schönen Garten sitzt und Milch trinkt, Milch, bitte. Und seine Tschauhunde Fum,- mel, Fimmel und Kleiner Cohn. Und wir filmten die ganze Korona... \ Damit wir noch mehr filmen, könnten, ver r anstalteten Conrad Veidt und seine Frau, eigens eine Garden Party in ihrer Villa in Beverly Hills, und Cönnie spielte Ping-Pong mit Greta Garbo, und Lya de Putty trieb lustigen Unsinn, und man schwamm im Bassin und fütterte das Veitsche Baby, und es war herrlich. Wir filmten alles, und die schöne Camilla Hörn in ihrem Haus, und- die vergnügte Dorothy Maekail. Jeden Augenblick ging in unserem kleinen Bungalow das Telephon, und irgend ein weltberühmter Filmstar bat uns, doch auch zu ihm, das heisst meistens zu ihr zu kommen, mit unserer Kamera. Wir gingen in alle grossen Studios und filmten Corinne Gfiffith, während sie eben eine Filmszene' spielte, und die reizende Ioarf' Crawford,' und Coleen Moree und alle; wir filmten die ganze Filmerei, die Herren Regisseure, wie sie auf ihren Kamerawagen einherfahren, grossen Göttern gleich. F. W. Murnau, die «Vier Teufel» machend, und Lubitsch, und den Sohn Richard Beer-Hofmanns, Gabriel, wie er im Fox-Studio junge, schöne Ladenmädchen zur Probe vor der Kamera Schauspielen lässt, ob sie vielleicht künftige Stars sind, die man entdecken könnte. (Er geht inkognito in ein Warenhaus, fragt irgendwelche Verkäuferin, die er sieht: «Möchten Sie nicht versuchen, ob Sie Filmtalent: haben?» Und es ist schon vorgekommen, dass eine dann in der nächsten Woche 500 Dollars verdiente!) Wir gingen mit der Kamera ins Gelände, um Dolores del Rio mit den Bären aufzusuchen, die sie scharenweise bändigte, als ein rumänisches Zigeunermädchen. Sie schwang die Kette, an deren anderem Ende der Bär war und fürchtete sich nicht ein bisschen. Drei Musikanten spielten dazu die ungarische Rhapsodie. Wir filmten den Bären, die Musikanten, alles zusammen. Im Löwenkäfig. Als wir schliesslich Hollywood verliessen, Hessen wir in die gläserne Windscheibe vorn an unserem Auto ein Loch schneiden, so dass wir eine unserer Kameras neben dem Chauffeursitz anschrauben und auch im Fahren Aufnahmen machen konnten. Wir wollten alles, alles filmen, auch das Flüchtigste; den Verkehrswirbel in den Städten, ein über den Weg huschendes Tier — DiKiafe in und ausser Hause \ eilip. Rec,:, ///. Blatt der ..Automobit-Bevue Sie müssen — so schreibt H. Stiotta im «Europa-Motor» — nur ein bisschen literarische Talente entwickeln — das ist nicht schwer. Ein bisschen nachdenken —das ist schon schwerer und zum Schlüsse das ganze verkaufen — das ist am allerschwersten. Also, vorerst setzen sie sich einmal auf einen Witz drauf und drücken ihn recht sehr auseinander, so lange, bis daraus ein Feuilleton geworden ist. Das geht ziemlich rasch und mühelos. Haben Sie einmal das Feuilleton geschrieben und Ihre Phantasie tüchtig eingearbeitet, können Sie zu grösseren Arbeiten übergehen. Natürlich schreiben Sie zuerst einen Fi'lm. Die Filmdramaturgen klagen ohnehin, dass sie wenig Manuskripte bekommen. (Gnade mir Gott, wenn ich nun einem Filmdramaturgen in die Hände gerade.) Natürlich schreiben Sie kein siebzehnaktiges Drama mit fünfundvierzig Toten, einigen Vulkanausbrüchen, Schiffsuntergängen und ähnlichen Zerstreuungen. Das kostet nämlich zu viel Geld und die Amerikaner lieben Geschichten mit gutem Ausgang. Sie fabrizieren also ein kleines, gemütliches Filmlustspiel, mit einer entzükkenden Wirtstochter, deren Busen beim Anblick des automobilen" Fremdlings errötend zu wogen beginnt (herrliche Grossaufnahme); dann so eine kleine Verfolgungsfahrt ist auch ganz gut und wenigstens wird das nun schon einmal gemietete Auto gründlich ausgenützt — und zum Schlüss Kuss im Auto — Fahrt ins Glück — langsam abblenden. Wenn sie also die Arbeit glücklich hinter sich gebracht haben, beginnen Sie mit einer Operette. Dazu müssen Sie natürlich nach Wien fahren. Operetten kann man nämlich nur in Wien schreiben. Dort suchen Sie sich einen Kompagnon. Das ist ebenfalls sehr notwendig, denn zur Erzeugung einer Operette gehören unbedingt zwei, einer, dem nichts einfällt und ein anderer, der daraus ein Lied macht. Die nötigen -Witze findet man teils in den ersten Jahrgängen der «Fliegenden Blätter», teils in der letzten Nummer des « Simplizissimus ». Die Handlung muss natürlich richtig aufgebaut sein. Der Automobilist ist am besten ein verkappter Prinz und der alte Schullehrer des Dorfes entdeckt im letzten Akt bei der Wirtin Töchterlein eine aristokratisch eben- Tiere filmten wir in Massen. Auf einer der Löwenfarmen Kaliforniens (wo sie Filmöwen erziehen) ging der grosse Besessene, Goldschmidt, mit der Kamera in einen Löwenkäfig. «Er tut nichts,» sagte der Wärter, «aber schliessen Sie die Käfigtür hinter sich, bitte!» Da machte der Löwe eine verdächtige Bewegung, und Max Goldschmidt schloss die Käfigtür doch lieber von aussen. Er filmte Alligatoren in der Alligatorenfarm und Strausse in der Straussenfarm und Seehunde an der Küste bei San Francisco und freie Bären im Wald von Yosenmite. Einmal, als er von einem Ritt durch den Grand Canyon ins Hotel zurückkam, beklagte er sich bitterlich über eine gewisse Antilope. Die flüchtige Antilope (es gibt noch einige wenige in Arizona) hatte geglaubt, die Kamera sei was zum Fressen, und hatte sich nur mit der grössten Mühe in Photographierdistanz zurückscheuchen lassen; sie wollte immerzu am Objektiv lecken. Die Indianer, die wir trafen, teilten sich in solche, die sich nicht filmen lassen, und in solche, die man fürs Filmen bezahlen muss. Im Grunde glaubt jeder Indianer, dass das photographische Bild, das man von ihm macht, was von seiner Seele wegnimmt; aber auch Indianer sind Menschen und verkaufen daher ihre Seele gelegentlich für Geld. (Fortsetzung siehe nächste Seite) Ein verlässlicher Weg, zu einem Auto zn kommen. ungsar en bürtige Herkunft. Je unwahrscheinlicher, desto mehr glaubt's Publikum. Ausserdem gehören noch ein jodelnder Salontiroler und eine Tänzerin aus einem Nachtlokal in die Geschichte vermengt, die sich zum Schluss heiraten. Die komische Alte darf man ebensowenig vergessen wie den Thadäddl —die sich natürlich auch in die Arme fallen, denn je mehr glückliche Paare das schmetternde Finale vereint, desto besser. ' Wichtig sind die Gesangstexte. Also das grosse Entreelied: «Was ist das Schönste auf der Welt Und kostet höllisch vieles Geld — Ein Auto — o — o —» und vergessen Sie ja nicht auf die tragisch sentimentale Konfusion: «Nun fahr dahin, woher du kamst, Lass mich vergessen deines Boschhorns Töne.. .> Das wirkt immer. — Vom Erträgnis dieser Operette können Sie sich eigentlich schon ein Kleinauto kaufen —- aber warum so bescheiden sein? Stecken wir die Ziele unseres künstlerischen Ehrgeizes noch höher, fahren nach Paris und schreiben dort die Kunst der Künste — die Revue! Vorerst muss man natürlich die Mitarbeiter organisieren. Ein Dutzend genügt für den Anfang, späterer Bedarf kann ja noch ergänzt werden. Handlung braucht die Revue überhaupt keine, das wäre nur hinderlich. Dafür höchstes Kunterbunt an Bildern. Um aber den automobilen Ausgangspunkt unseres Gedankenfluges zu betonen, .bringen wir reihenweise Girls, nur mit einer Autobrille und einem Saxophon bekleidet, auf die Bühne. Zusamenhang fehlt — schadet nichts. Hauptsache: Tempo — Tempo — Tempo. Stellen Sie zwanzig Autos auf die Bühne, mit abgestimmten Hörnern, und hupen Sie das schöne Lied vom in Heidelberg verlorenen Herzen, dazu fallen rote Rosen und blühen weisse Schneeflocken. Was immer geschieht, ist egal, Hauptsache sind die Girls, die immer raffiniertere Kopfbedeckungen haben müssen — alles andere lässt man am besten in natura. Dann wird es auf Sie Tantiemen regnen, dass Sie sich einen Rolls-Royce und einen Cadillac gleichzeitig kaufen können. — maschinell, rasch und korrekt durch r II Q MCTDflDfll " 7Üniflh zuverlässiges Personal. Konkurrenz- L. U. D. 99III Ll 11U lUL , LUI füll lose Ausführung. Billigste Berechnung. Börsenstr. 10 (2 Lift) Tel. Uto 22.14 Sir Michaels Abenteuer. Roman Ton K. 0. R. Browne. Copyright 1928 by Georg Müller, Verlag, München. (Fortsetzung vom Hauptblatt.) «Nenn mich nicht Tante,» sagte Lady Fairlie. « Das ist so schlimm wie « bitte sehr, bitte gleich». Und du freust dich auch nicht, mich zu sehen. Darum verzeihe ich dir, dass du keines der äusseren Zeichen der Zuneigung von dir gibst, wie sie bei dem Wiedersehen eines Neffen mit seiner Tante nach zwölf Jahren üblich sind. Du weisst ganz gut, dass ich gekommen bin, um zu sehen, was das alles bedeutet.» «Ich weiss nicht » «Vor drei Tagen habe ich dich in Kings Fortune erwartet. Du schickst nur ein Telegramm, dass du durch dringende Privatangelegenheiten aufgehalten wurdest. Soviel ich sehe, war das eine höfliche Art, mir mitzuteilen, dass dich diese Leute mit ihrem Auto niedergefahren und dann überredet haben, zu ihnen zu kommen.» Mr. Cherry sah überrascht auf. Woher zum Kuckuck wusste sie das? Und, wenn sie das wusste, wie viel mehr wusste sie noch? Wie war das mit dem Telegramm? Und vor allem anderen, wo auf der Welt steckte diese geheimnisvolle Persönlichkeit, der wirkliche Sir Michael? » « Ja,» sagte er vorsichtig, « sie haben mich niedergefahren, und — und — hier bin ich.» « Zweifellos, » sagte Lady Fairlie. « Und wie lange gedenkst du hier zu bleiben? » « Oh, nicht lange,» erwiderte Mr. Cherry streng wahrheitsgemäss. «Dieser Ansicht bin ich auch. Apropos, was ist eigentlich der Anziehungspunkt? » « Wie? » « Wahrscheinlich ein Mädchen,» sagte Lady Fairlie. Mr. Cherry, der fühlte, dass hier die Unterhaltung zu verwickelt wurde, schwieg. Seine Lage war schon kompliziert genug, ohne dass das Mädchen noch dazu kam! «Nun, » fuhr Lady Fairlie fort, « wir wollen das jetzt gut sein lassen. Die Hauptsache ist, dass du jetzt mit mir nach Hause fährst. » « Was! » rief Mr. Cherry. « Natürlich kommst du. Du bildest dir doch nicht ein, dass ich vierzig Kilometer gefahren bin, um dir guten Morgen zu wünschen? Du hast einen netten, kleinen Urlaub gehabt, und in Kings Fortune gibt es viel zu tun. Also hol' dein Gepäck, Michael, und wir fahren. Aber erst ist noch eine kleine Angelegenheit in Ordnung zu bringen. » Sie nahm die nachgeahmte Banknote aus der Tasche und zeigte sie ihm. « Erkennst du das? » Mr. Cherry erkannte es augenblicklich. Es wäre schwer, einen nachgeahmten Fünfpfundschein nicht zu erkennen, den man wochenlang mit sich herumgetragen hat, ehe man einen genügend vertrauensvollen ländlichen Wirt fand, dem man ihn anhängen konnte. « Nein,» erwiderte er prompt. « Du hast das dem Wirt eines Gasthauses bei Heacham gegeben. Er ist deshalb zu mir gekommen.» « Was ist damit? » fragte Cherry unschuldig. « Es ist ein « Falscher », wie er sagt, und er behauptet, du habest das gewusst, als du ihn hergabst. » «Ach, Unsinn! » sagte Mr. Cherry entrüstet. « Das ist doch unwahrscheinlich, nicht? Ich hatte keine Ahnung, dass es kein echter sei.» « Das freut mich, > erwiderte Lady Fairlie. Also gib mir einen echten und ich werde die Sache mit ihm in Ordnung bringen. Er ist dal draussen.» « Wie? » rief Mr. Cherry erschrocken. Zum erstenmal blickte er durchs Fenster und fuhr schnell zurück. « Ein ganz netter Mensch, » bemerkte Lady Fairlie, « aber natürlich etwas aufgebracht.» Mr. Oherry überlegte rasch. « Die Sache tut mir sehr leid,» sagte er geschmeidig. «Sehr unangenehm. ,Aber ich habe leider im Augenblick keinen Fünfer bei mir, ich bin ziemlich knapp daran. Möchtest du es nicht für mich in Ordnung bringen, und wir rechnen ab, wenn ich nach Hause komme? Denn schau — du musst verzeihen, doch ich kann jetzt nicht mit dir fahren. Ich ,habe hier noch etwas zu tun, aber ich komme dir nach, sobald ich kann; wahrscheinlich noch heute nachmittag.» Also von all dem war kein Wort wahr, denn a) schwellten Haralds Pokerverluste in diesem Augenblick seine Brusttasche, b) hatte er durchaus nicht die Absicht, mit ihr abzurechnen, sobald er nach Hause kam, denn c) hatte er überhaupt nicht die Absicht, nach Hause zu kommen, weder nachmittags noch je. So viele Lügen auf einmal waren ein Kunststück, selbst für Mr. Cherry. {Fortsetzung folgt.)